(19)
(11) EP 0 646 753 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
05.04.1995  Patentblatt  1995/14

(21) Anmeldenummer: 94106719.1

(22) Anmeldetag:  29.04.1994
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6F24C 15/04, F24C 15/34
(84) Benannte Vertragsstaaten:
DE ES FR GB NL

(30) Priorität: 29.09.1993 DE 4333033

(71) Anmelder:
  • Schott Glaswerke
    D-55122 Mainz (DE)

    DE ES FR NL 
  • Carl-Zeiss-Stiftung trading as SCHOTT GLASWERKE
    D-55122 Mainz (DE)

    GB 

(72) Erfinder:
  • Busch, Dietrich
    D-55469 Simmern (DE)
  • Leroux, Roland, Dr.
    D-55271 Stad.-Elsheim (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) Temperaturdämmendes Sichtfenster oder -türe für ein Gerät mit von seiner Umgebungstemperatur abweichender Innentemperatur


    (57) Temperaturdämmendes Sichtfenster oder -türe für ein Gerät mit von seiner Umgebungstemperatur abweichender Innentemperatur, inbesondere für Gar- oder Backöfen oder Trockenschränke, mit einer von einem gemeinsamen Rahmen gehaltenen Anordnung von im Abstand positionierten Scheiben aus Glas, Glaskeramik oder einem anderen durchsichtigen temperaturbeständigen Material, wobei zwischen der, der Umgebungstemperatur und der, der Innenraumtemperatur des Gerätes ausgesetzten Scheibe mindestens eine weitere Scheibe angeordnet ist.


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein temperaturdämmendes Sichtfenster oder -türe für ein Gerät mit von seiner Umgebungstemperatur abweichender Innenraumtemperatur, insbesondere für Gar- oder Backöfen oder Trockenschränke mit einer von einem gemeinsamen Rahmen gehaltenen Anordnung von im Abstand positionierten Scheiben aus Glas, Glaskeramik oder einem anderen durchsichtigen, temperaturbeständigen Material.

    [0002] Sichtfenster dieser Art sind allgemein bekannt. Sie sind in der Regel in den frontseitigen Türen von Backöfen oder dergl. angeordnet. Die folgende Beschreibung erfolgt für Haushaltsbacköfen. Die Erfindung ist aber auch für jedes andere Gerät verwendbar, das ein Sichtfenster oder -türe aufweist, welches einen von seiner Umgebungstemperatur abweichenden Innenraum trennt und durch das ein Einblick in diesen Raum möglich ist, also z.B. auch für Gefrier- und Kühlgeräte, oder Trockenschränke.

    [0003] Bei Ofensichtscheiben sind die innere Sichtscheibe und eventuell zusätzliche Sichtscheiben sowie die Frontscheibe am Türblech befestigt.
    Da das Türblech in direktem Kontakt zu dem Backraum steht und aus einem gut wärmeleitenden Material (Metall) gefertigt ist, werden die Sichtscheiben u.a. über Wärmeleitung erwärmt.

    [0004] Im Falle von Sichtfenstern ist es aber im Gegensatz zu den übrigen einen z.B. temperaturerhöhten Innenraum umgebenen Wänden nicht möglich, eine effektive Wärmedämmung, beispielsweise auf der Basis von Mineralwolle und dergl. anzubringen. Deswegen sind es gerade solche Sichtfenster, bei denen das Problem besteht, daß sie sich an ihrer Außensseite zu stark aufheizen.

    [0005] Um die Außentemperatur eines Sichtfensters zu vermindern, werden allgemein schon Mehrscheibenanordnungen verwendet, deren Außenscheibe mit ihrer Innenseite nicht mehr direkt an den temperaturerhöhten Raum grenzt, so daß bereits eine Aufheizung der Außenscheibe durch direkten Wärmeübergang vermieden wird. Dennoch erfolgt auch bei mehreren beabstandeten Scheiben mit Luftzwischenraum eine Aufheizung der Außenscheibe durch Strahlung aus dem temperaturerhöhten Innenraum, wobei diese Strahlung zum Teil die inneren Scheiben passiert und direkt von der Außenscheibe, teilweise aber auch von den inneren Scheiben absorbiert wird, die dann ihrerseits wieder eine Wärmestrahlung zur nächst äußeren Scheibe aussenden oder die nächst äußeren Scheibe über den luftgefüllten Zwischenraum durch Wärmeleitung und Konvektion aufheizen.
    Es sind auch schon Ausführungen von Sichtfenstern bekannt, bei denen eine Außenscheibe derart im Abstand vor den übrigen Scheiben gehalten ist, daß der Rahmen der Anordnung zwischen der Außenscheibe und der nächst inneren Scheibe zumindest oben und unten offen ist, so daß zwischen dieser vorgesetzten Außenscheibe und der nächst inneren Scheibe eine Luftkonvektion im Umgebungsraum außerhalb des Gerätes stattfinden kann, wobei zum einen ständig die sich erwärmende Luft zwischen den beiden äußeren Scheiben durch Umwälzung der Umgebungsluft ausgetauscht und zum anderen durch diesen Luftstrom auch die vorgesetzte Außenscheibe ständig gekühlt wird.

    [0006] Aus dem DE-GM 77 06 648 ist ein durchsichtiges Wärmeschutzelement für Bratöfen, Wärmekammern und dergleichen bekannt, mit mindestens zwei parallel angeordneten Glasscheiben und einem ringsum laufenden Randverbinder, der die Glasscheiben miteinander verbindet und in einem vorgegebenen Abstand hält, wobei der Randverbinder ein Abstandsprofil aufweist, das lediglich zwischen die Scheibenränder gelegt ist, und jede Glasscheibe mittels einer auch unter Hitzeeinfluß elastisch bleibenden Dichtmasse miteinander und mit diesem Abstandsprofil verklebt ist.

    [0007] Dem DE-GM 77 06 648 liegt dabei die Aufgabe zugrunde, ein Wärmeschutzelement anzugeben, bei dem die Wärmedämmung verbessert und das innenseitige Beschlagen und Verschmutzen verhindert wird.

    [0008] Die DE 36 02 455 A1 legt einen Backofen zum Backen, Braten, Grillen und dergl. offen, mit einem Garraum mit zumindest einem insbesondere an dessen Oberseite vorgesehenen Heizorgan und einer den Garraum abschließenden Tür aus zwei mit Abstand voneinander angeordneten parallelen Türschalen, von denen insbesondere jede eine Glasscheibe aufweist wobei die beiden Türschalen über zwischen ihnen angeordnete Profilschienen mit zwei mit Abstand zueinander verlaufenden parallelen Schenkeln z.B. U- oder Z-Profilleisten oder dergl. verbunden sind, deren äußere Schenkel mit der äußeren Türschale verklebt sind.

    [0009] Der DE 36 02 455 A1 liegt die Aufgabe zugrunde einem Backofen so auszubilden, daß die äußere Türschale keine den Schmutz ansammelnden Bereiche aufweist und eine übermäßige Aufheizung der äußeren Türschale vermieden wird.

    [0010] Es besteht auch die Möglichkeit, innen thermochrome Scheiben zu verwenden, deren Strahlungsdurchlässigkeit bei Temperaturerhöhung reduziert wird. Dies beeinträchtigt jedoch die Sicht durch das Fenster.

    [0011] Es ist ferner bekannt, eine oder mehrere der Scheiben einer Mehrscheibenanordnung mit einer Beschichtung zu versehen, die entweder Infrarotstrahlung reflektiert oder die Emission von Infrarotstrahlung vermindert. Eine diese beide Eigenschaften aufweisende Beschichtung ist beispielsweise eine solche aus fluordotiertem Zinndioxid. Wird sie an der dem temperaturerhöhten Raum zugewandten Innenseite einer Scheibe angebracht, reflektiert sie einen Teil der Infrarotstrahlung in den Innenraum zurück, wird sie an der Außenseite einer Scheibe angebracht, vermindert sie die Infrarotstrahlung nach außen zur nächst äußeren Scheibe hin. Die Scheiben können auch zweiseitig beschichtet sein.

    [0012] So ist aus der DE 42 06 820 A1 eine Backofentüre für einen Backofen mit Durchsichtsfenster zu entnehmen, dessen wenigstens eine Glasscheibe einen Wärmestrahlen reflektierenden Belag aufweist, wobei der reflektierende Belag an der dem Backofeninnenraum abgewandten Oberfläche der Glasscheiben aufgebracht ist.

    [0013] Aufgabe auch dieser Erfindung ist es unter anderem, eine Absenkung der Temperatur an der Backofenfrontseite zu bewirken.

    [0014] Trotz der vorstehend erläuterten Vorkehrungen ist es nicht selten, daß bei Haushaltsbacköfen, die insbesondere bei Selbstreinigung durch Pyrolyse durchaus mit Temperaturen von 480°C bis 500°C und darüber betrieben werden, die Außenscheiben eines Sichtfensters auf eine Temperatur bis 150°C und höher ansteigen kann. Es besteht die Bestrebung, zwecks Berührungssicherheit der Sichtfenster durch die Bedienungspersonen die zulässige Außentemperatur von solchen Sichtfenstern in den einschlägigen Normen auf 78°C zu begrenzen (z. B. UL 858, underwriter laboratory household domestic appliances).

    [0015] Außerdem wird bisher bei der Montage der Sichtscheiben durch den Herd-Hersteller jede Scheibe einzeln befestigt. Dies ist mit hohem Material- und Zeitaufwand verbunden.

    [0016] Aufgabe der Erfindung ist es daher, Maßnahmen vorzuschlagen, mit denen eine weitere Steigerung der Temperaturdifferenz zwischen der Innenraumtemperatur beim Betrieb des jeweiligen Gerätes, beispielweise bei Haushaltsbacköfen oder Kühl- und Gefriergeräten und seiner Umgebungstemperatur möglich ist. Ferner soll der Energieverbrauch durch diese Maßnahmen verringert werden.

    [0017] Das heißt, insbesondere werden bei Backöfen die Außentemperaturen der Sichtfenster auf Werte reduziert, die keinerlei Gefährdung für die Personen, die das Gerät bedienen, aber z. B. auch für Kinder und Haustiere bedeuten, wobei der Energieverbrauch ca. 5 bis 20 % unter dem üblicher Geräte liegen soll.

    [0018] Des weiteren ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einbaufertige Sichtfenster-Einheiten vorzuhalten, die den Montageaufwand beim BackofenHersteller erheblich verringern.

    [0019] Diese Aufgaben werden gemäß der Erfindung dadurch gelöst, daß zwischen der der Umgebungstemperatur und der, der Innenraumtemperatur des Gerätes ausgesetzten Scheibe eine weitere Scheibe angeordnet ist.

    [0020] Dabei können alle Scheiben parallel zueinander angeordnet sein oder mindestens zwei Scheiben einen spitzen Winkel zwischen 0.5° und 10° miteinander bilden.

    [0021] Bevorzugt sind die den Neigungswinkel miteinander einschließenden Scheiben derart angeordnet, daß die Neigung der Scheiben gegeneinander in senkrechter Richtung verläuft. Die Scheiben können je nach Anwendungsfall nach oben konvergieren wie auch nach oben divergieren.

    [0022] Die temperaturreduzierende Wirkung der Schrägstellung erfolgt je nach Ausführungsform des Sichtfensters vermutlich durch bestimmten Strahlungsverlauf, wie möglicherweise auch durch verbesserte Konvektion

    [0023] Im Gegensatz zu parallelen Scheiben, zwischen denen eine Hin- und Herstrahlung von Wärme im allgemeinen senkrecht zur Scheibenoberfläche verläuft, scheint sich zwischen zwei schräggestellten Scheiben eine Hin- und Herstrahlung einzustellen, die dem Reflexionsgesetz folgend zum divergenten Bereich zwischen den Scheiben fortschreitet, bis sie vom Rahmen der Scheibenanordnung an der divergenten Seite der Scheiben aufgenommen wird. Die Wärmeableitung im Sichtfensterrahmen ist beherrschbar. Bei der Erfindung kommt es einzig und allein darauf an, daß die äußere Scheibe einer Mehrscheibenanordnung an ihrer äußeren Oberflächentemperatur reduziert wird.

    [0024] Die Scheiben des Sichtfensters können dabei unterschiedliche Materialzusammensetzungen aufweisen.

    [0025] Die der Innenraumtemperatur des Gerätes ausgesetzte Scheibe besteht z. B. typischerweise aus THERMAX 5000R, einem vorgespannten, wärmereflektierend beschichteten Kalk-Natron-Float-Glas, die zwischenliegende weitere Scheibe und die der Umgebungstemperatur ausgesetzte Scheibe aus DURAXR, einem vorgespannten Kalk-Natron-Float-Glas.

    [0026] Nach der Erfindung ist die zwischenliegende weitere Scheibe randlich mit der Scheibe verbunden, die der Umgebungstemperatur ausgesetzt ist.

    [0027] Dabei wird der Abstand der zwischenliegenden, weiteren Scheibe, von der Scheibe, die der Umgebungstemperatur ausgesetzt ist, mittels Abstandshaltern, insbesondere zwischen 5 mm und 20 mm festgelegt.

    [0028] Die Abstandshalter bestehen aus Materialien, die wärmedämmend wirken, insbesondere aus Keramik, Glas, Kunststoff oder Silikon.

    [0029] Dies hat den Vorteil, daß die Wege der Wärmeleitung vom Türblech zu den zwischenliegenden Scheiben verlängert werden und damit deren Temperatur sinkt.

    [0030] In besonders bevorzugter Ausführungsform sind die Abstandshalter kompressibel und als Silikonschlauch ausgebildet.

    [0031] Die Verwendung dieses zusammendrückbaren, kompressiblen Silikonschlauches ermöglicht problemlos den notwendigen Druckausgleich, wenn der Backofen aufgeheizt wird. Das komprimierbare Volumen des Silikonschlauches wird dabei den jeweilig auftretenden unterschiedlichen Temperaturdifferenzen und Luftvolumina zwischen den Scheiben angepaßt.

    [0032] Um die zwischenliegende Scheibe, die Abstandshalter und die der Umgebungstemperatur ausgesetzte Scheibe zu verbinden wird nach der Erfindung ein temperaturbeständiger Kleber, insbesondere ein Silikonkleber verwendet.

    [0033] Die Verwendung des Silikonklebers vereinfacht auch das Recycling des gebrauchten und zu entsorgenden Sichtfenster-Verbundes, da nur die beiden Werkstoffe Glas und Silikon anfallen.

    [0034] Im bevorzugter Ausführungsform entsteht durch eine gasdichte Verklebung der Abstandshalter mit der zwischenliegenden Scheibe und der der Umgebungstemperatur ausgestzten Scheibe ein geschlossener Raum und somit ein isolierendes Sichtfenster.

    [0035] Der gasdicht abgeschlossene Raum zwischen den Scheiben kann mit einem schlecht wärmeleitenden Gas, z.B. Argon, Krypton oder Kohlendioxid gefüllt sein.

    [0036] Wenn die Abschichtung nicht, wie oben beschrieben über einen zusammendrückbaren Silikonschlauch erfolgt, muß der gasdicht abgeschlossene Raum über Möglichkeiten des Druckausgleiches bei Temperaturveränderungen verfügen.
    Dies ist über einfache, bekannte Maßnahmen möglich.

    [0037] Vorteilhaft kann es auch sein, mindestens eine der Scheiben ein- oder beidseitig mit einer wärmereflektierenden Schicht, insbesondere mit Zinndioxid zu versehen.

    [0038] Nach der vorliegenden Erfindung ist die zwischenliegende Scheibe des temperaturdämmenden Sichtfensters gleich groß oder größer, als die der Innenraumtemperatur des Gerätes ausgesetzte Scheibe, und kleiner als die der Umgebungstemperatur ausgesetzte Scheibe.

    [0039] Dies ist vorteilhaft, weil so mit relativ einfacher Konstruktion und wenig Materialverbrauch eine maximale Temperaturdämmung erreicht werden kann.

    [0040] In weiteren Ausführungsformen ist zwischen der zwischenliegenden weiteren Scheibe und der der Innenraumtemperatur des Gerätes ausgesetzten Scheibe mindestens eine weitere Scheibe mittels Verklebung angeordnet.

    [0041] Diese Maßnahme ergibt einen besonders ausgeprägten temperaturdämmenden Effekt.

    [0042] Nach der Erfindung steht das Sichtfenster vormontiert als einbaufertige Einheit zur Montage in ein Gerät mit von der Umgebungstemperatur abweichender Innenraumtemperatur zur Verfügung.
    Im folgenden wird die Erfindung unter Hinweis auf die beigefügten Zeichnungen anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen weiter erläutert.

    [0043] Es stellen dar:
    Fig.1.
    einen schematischen Schnitt durch ein temperaturdämmendes Sichtfenster (1) mit einer Frontscheibe (2), einer der Innenraumtemperatur ausgesetzten Scheibe (3) in einer Fronttürkonstruktion aus Blech (4).
    Diese Abbildung zeigt eine nach der Erfindung mit Abstandhaltern (5) an der Frontscheibe (2) angebrachte zwischenliegende Scheibe (6).
    Fig.2.
    eine ähnliche Konstruktion wie in Fig.1, nur sind hier zwei zwischenliegende Scheiben (6,6') gezeigt, die mittels Abstandhaltern (5,5') untereinander und mit der Frontscheibe (2) verbunden sind.
    Fig.3a/b
    ein Detail der Fig. 1 und 2, nämlich einen gasdicht mit Silikonkleber (7) und einem zusammendrückbaren Silikonschlauch (8) als Abstandhalter (5) gebildeten Scheibenzwischenraum (9), der von einer der Umgangstemperatur ausgesetzten Scheibe (2) und einer zwischenliegenden Scheibe (6) gebildet wird.
    Fig.3a
    die Anordnung, wenn die Innenraumtemperatur und die Umgebungstemperatur etwa gleich sind.
    Fig.3b
    im Fall des Druckausgleiches, wie sich der kompressible Silikonschlauch (8) bei Expansion des erwärmten Gases im Scheibenzwischenraum (9) zusammendrückt.
    Fig.4
    eine frontale Aufsicht auf einen Teil des Sichtfensters (1) nach der Erfindung mit der der Umgebungstemperatur zugewandten Scheibe und der Position des zusammendrückbaren Silikonschlauches (8) mit seinem geschlossene (10) und offenen Ende (11), um den Druckausgleich zu ermöglichen.


    [0044] Im folgenden werden noch zwei Ausführungsbeispiele mit tatsächlich erreichten Meßdaten wiedergegeben:

    Beispiel 1:



    [0045] Es wird ein handelsüblicher Haushaltsbackofen verwendet. Die Backofentür ist aus drei Sichtscheiben (innere, mittlere Scheibe und Frontscheibe) aufgebaut. Der Abstand zwischen innerer Scheibe und äußerer Scheibe beträgt 22 mm.

    [0046] Die Scheibengröße der inneren und mittleren Scheibe beträgt ca. 400 x 300 mm². Die innere Scheibe besteht aus THERMAX 5000R, einem vorgespannten, wärmereflektierend beschichteten Kalk-Natron-Float-Glas. Die wärmereflektierende Schicht dieser Scheibe ist backraumabgewandt angeordnet. Die mittlere Scheibe und die Frontscheibe sind aus DURAXR, einem vorgespannten Kalk-Natron-Float-Glas. Die mittlere und innere Scheibe sind gemäß Abb.1 angeordnet. Hierbei ist die mittlere Scheibe mit einem schlauchförmig, umlaufenden Abstandshalter mit Hilfe eines temperaturbeständigen Silikonklebstoffes an der Frontscheibe befestigt.

    [0047] Bei einer Backraumtemperatur von 200°C, die mit dem am Backofen vorgesehenen Regler eingestellt wird, ergibt sich bei Befestigung der mittleren Sichtscheibe am Türblech eine Frontscheiben-Oberflächentemperatur von 65°C. Bei der in Abb. 1 beschriebenen Montage ergibt sich eine Frontscheiben-Oberflächentemperatur von 60°C.

    Beispiel 2:



    [0048] Für dieses Beispiel wird ein handelsüblicher Haushaltsbackofen verwendet, der zusätzlich mit der Möglichkeit pyrolytischer Selbstreinigung ausgestattet ist. Die Backofentür hat vier Scheiben (innere Scheibe, zwei mittlere Scheiben und eine Frontscheibe). Die innere und mittlere Scheibe haben die Größe von ca. 300 x 400 mm. Die innere und die vom Backraum aus nächste mittlere Scheibe sind auf der jeweils der anderen Scheibe zugewandten Seite mit einer wärmereflektierenden Schicht versehen. Die vom Backraum aus zweite mittlere Scheibe und die Frontscheibe sind aus DURAX. Die Frontscheibe ist eine gebogene Scheibe. Die Scheiben sind gemäß Abb.2 montiert. Die beiden mittleren Scheiben sind mit einem schlauchförmigen, umlaufenden Abstandshalter mit Hilfe von temperaturbeständigem Silikonklebstoff an der gebogenen Frontscheibe befestigt. Das gesamte Scheibenpacket hat eine Dicke von ca. 50 mm.

    [0049] Bei einer Backraumtemperatur von 200°C, die mit dem am Backofen vorgesehenen Regler eingestellt wird, ergibt sich bei herkömmlicher Montage der inneren und mittleren Scheibe am Türblech eine Frontscheiben-Oberflächentemperatur von 63°C. Bei Montage der mittleren Scheiben gemäß Abb. 2 beträgt die Frontscheiben-Oberflächentemperatur 45°C.

    [0050] Bei pyrolytischer Selbstreinigung (Backofentemperatur 480 - 500°C) wird sonst eine Frontscheiben-Oberflächentemperatur von 150°C erreicht, bei gemäß dieser Erfindung in Abb. 2 beschriebener Montage nur 110°C.


    Ansprüche

    1. Temperaturdämmendes Sichtfenster oder -türe für ein Gerät mit von seiner Umgebungstemperatur abweichender Innenraumtemperatur, insbesondere für Gar- oder Backöfen oder Trockenschränke, mit einer von einem gemeinsamen Rahmen gehaltenen Anordnung von im Abstand positionierten Scheiben aus Glas, Glaskeramik oder einem anderen durchsichtigen temperaturbeständigen Material,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß zwischen der, der Umgebungstemperatur und der, der Innenraumtemperatur des Gerätes ausgesetzten Scheibe mindestens eine weitere Scheibe angeordnet ist.
     
    2. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß alle Scheiben parallel zueinander angeordnet sind.
     
    3. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß mindestens zwei Scheiben einen spitzen Winkel, insbesondere zwischen 0.5° und 10° miteinander bilden.
     
    4. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 1 bis 3,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Scheiben unterschiedliche Materialzusammensetzungen aufweisen.
     
    5. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 1 bis 4,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die zwischenliegende, weitere Scheibe randlich mit der Scheibe verbunden ist, die der Umgebungstemperatur ausgesetzt ist.
     
    6. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 1 bis 5,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der Abstand der zwischenliegenden, weiteren Scheibe von der Scheibe, die der Umgebungstemperatur ausgesetzt ist, mittels Abstandshaltern, insbesondere zwischen 5 mm und 20 mm festgelegt ist.
     
    7. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach Anspruch 6,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Abstandshalter aus Materialien, die wärmedämmend wirken, insbesondere aus Keramik, Glas, Kunststoff oder Silikon bestehen.
     
    8. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 6 und 7,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die Abstandshalter kompressibel, insbesondere als kompressibler Schlauch ausgebildet sind.
     
    9. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach Anspruch 8,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß das Volumen des kompressiblen Schlauches den Druckausgleich bei Temperaturänderungen ermöglicht.
     
    10. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 1 bis 9,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die zwischenliegende Scheibe, die Abstandshalter und die der Umgebungstemperatur ausgesetzte Scheibe mittels eines temperaturbeständigen Klebers, insbesondere mittels eines Silikonklebers verbunden sind.
     
    11. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 1 bis 10,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß zwischen der zwischenliegenden, weiteren Scheibe und der der Umgebungstemperatur ausgesetzten Scheibe durch eine gasdichte Klebeverbindung der Abstandshalter ein geschlossener Raum vorliegt.
     
    12. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach Anspruch 11,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der gasdicht abgeschlossene Raum mit einem Gas, insbesondere Argon, Krypton oder Kohlendioxid, gefüllt ist.
     
    13. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 11 und 12,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß der gasdicht abgeschlossene Raum über Möglichkeiten des Druckausgleiches bei Temperaturänderungen verfügt.
     
    14. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 1 bis 12,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß mindestens eine der Scheiben ein- oder beidseitig wärmereflektierend, insbesondere mit fluordotiertem Zinndioxid beschichtet ist.
     
    15. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 1 bis 14,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die zwischenliegende Scheibe gleich groß oder größer ist, als die der Innenraumtemperatur des Gerätes ausgesetzte Scheibe.
     
    16. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 1 bis 15,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß die zwischenliegende Scheibe kleiner ist als die der Umgebungstemperatur ausgesetzte Scheibe.
     
    17. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 1 bis 16,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß zwischen der zwischenliegenden, weiteren Scheibe und der der Innenraumtemperatur des Gerätes ausgesetzten Scheibe mindestens eine weitere Scheibe mittels Verklebung angeordnet ist.
     
    18. Temperaturdämmendes Sichtfenster nach den Ansprüchen 1 bis 17,
    dadurch gekennzeichnet,
    daß es als einbaufertige Einheit zum Einbau in ein Gerät mit von der Umgebungstemperatur abweichender Innenraumtemperatur zur Verfügung steht.
     




    Zeichnung