[0001] Die Erfindung betrifft Brennstoffgranulate aus Klärschlamm, insbesondere für Wirbelschichtfeuerungen.
Sie betrifft weiterhin Verfahren zur Herstellung solcher Granulate.
[0002] Brennstoffgranulate aus Klärschlamm sind aus der Druckschrift "Granulat für die Verbrennung",
Entsorga-Magazin - Entsorgungswirtschaft, September 1990, Seiten 60 bis 62, bekannt
geworden. Diese Brennstoffgranulate bestehen aus mechanisch vorentwässertem Klärschlamm,
der in einem Zwangsmischer mit einem nicht näher bezeichneten Trockengut innig vermischt
und dabei praktisch granuliert wird. Die erzeugte Mischung erfolgt dabei so, daß die
Trockensubstanz oberhalb der Klebephase von ca. 50 % Trockensubstanz (TS) liegt, um
dann störungsfrei in einem speziellen Scheibentrockner getrocknet zu werden. Das Produkt
kann selbstgängig, z. B. in einem Wirbelschichtofen, verbrannt werden. Über Zusammensetzung
und Eigenschaften der Trockengranulate wird nicht näher berichtet. Nachteilig ist,
daß zur Erzeugung der Granulate eine thermische Trocknung erforderlich ist, nicht
brennbares Trockengut den Heizwert verringert und bei teilgetrockneten Granulaten
der Heizwert durch die Wasserverdampfung des Restwassers verschlechtert wird.
[0003] Aus der Druckschrift "Klärschlamm in der Bundesrepublik", Abwassertechnik, Heft 2,
1990, Seiten 71 bis 74, sind deponiefähige Granulate aus Klärschlamm bekannt, die
zur Erhöhung des TS-Gehaltes mit Konditionierungsmitteln, z. B. Kalk, versetzt werden.
Durch die Granulatform soll die Handhabbarkeit und die Lagerfähigkeit verbessert werden
und eine Minimierung der Deponiekosten ermöglicht werden. Da durch die Verwendung
von Kalk als Konditionierungsmittel bzw. Trocknungsmittel größere Kalkmengen erforderlich
sind, sind diese Granulate jedoch für eine Verbrennung wegen des verringerten Heizwertes
weniger gut geeignet.
[0004] Aus "Recycling von Klärschlamm" / Ulrich Loll, Berlin, EF-Verlag für Energie- und
Umwelttechnik GmbH, Band 2, 1989, sind weitere Verfahren zur Herstellung von Brennstoffgranulaten
bekannt:
[0005] Bei der ESCHER-WYSS Schlammtrocknung (unter 5.1.2., Seiten 32, 33) wird der Schlamm
unter teilweisem Einsatz von bereits getrocknetem Material und im Trockner abgeschiedenen
Staub in einem Mischer granuliert und das Feuchtgranulat über eine Dosierschnecke
und eine Zellradschleuse einem Fließbetttrockner zugeführt. Die Trocknung erfolgt
durch thermische Energie, die teils direkt über Wasserdampfbrüden, teils indirekt
durch Sattdampf oder Thermoöl in den Fließbetttrockner eingeführt wird. Nachteilig
ist der große maschinelle und energetische Aufwand zur Granulattrocknung bis zu 98
% TS.
[0006] Bei der TCW Schlammtrocknung (unter 5.1.6., Seiten 39 bis 41) wird maschinell entwässerter
Schlamm mit bereits getrocknetem Material vermischt, mit einem Förderband in den inneren
Zylinder eines aus drei konzentrischen Zylindern bestehenden Trommeltrockners gefördert
und dort von einem mit hoher Geschwindigkeit eintretenden Heißgasstrom (400 - 500
°C) durch die drei Zylinder transportiert und getrocknet. Von dem erzeugten granulatförmigen
Trockengut wird das Granulat 2 bis 4 mm aus dem System abgezogen. Das übrige Material
wird in einer Mühle zerkleinert und in das System zurückgeführt. Auch bei diesem Verfahren
ist ein sehr hoher maschineller und energetischer Aufwand zur Herstellung der Granulate
erforderlich.
[0007] Aus Umweltmagazin, Mai 1990, Seiten 50, 51, ist ein Verfahren zur Verbrennung von
Klärschlamm bekannt, bei dem der Frischschlamm mit Kalkhydrat oder Karbidschlamm konditioniert
wird sowie organische Flockungsmittel und Eisen(III-) chlorid zugegeben werden. Die
weitere Entwässerung erfolgt mittels Kammerfilterpressen. Anstelle von Kalkhydrat
oder Karbidschlamm kann auch Elektrofilterstaub zur Konditionierung verwendet werden,
der freies, unverbrauchtes Kalziumhydroxid enthält. Eine Herstellung von Brennstoffgranulaten
erfolgt bei diesem Verfahren jedoch nicht. Als nachteilig bei der Verwendung von Elektrofilterstaub
werden die darin enthaltenen Schwermetalle angesehen, die eine Sondermüllentsorgung
bedingen.
[0008] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, unter Vermeidung der Nachteile
der bekannten Verfahren Brennstoffgranulate aus Klärschlämmen vorzuschlagen, die hinsichtlich
ihrer Zusammensetzung und ihrer Eigenschaften optimiert sind und die ohne einen hohen
maschinellen und energetischen Aufwand hergestellt werden können und die sich insbesondere
für die Verbrennung in der Wirbelschicht eignen.
[0009] Zur Lösung dieser Aufgabe werden Brennstoffgranulate vorgeschlagen, deren Zusammensetzung
und Eigenschaften in Anspruch 1 niedergelegt sind.
[0010] Eine Weiterbildung der Brennstoffgranulate ist in Unteranspruch 2 enthalten.
[0011] Die erfindungsgemäße Aufgabe wird hinsichtlich vorteilhafter Herstellungsverfahren
der Brennstoffgranulate durch die Merkmale der Ansprüche 3 bis 8 gelöst.
[0012] Die erfindungsgemäßen Brennstoffgranulate aus Klärschlämmen stellen überraschenderweise
Brennstoffe dar, die sich durch eine vorzügliche Handhabbarkeit auszeichnen, da sie
kaum Staub enthalten oder beim Handhaben freisetzen. Wegen ihrer durch die rundliche
Kornform bedingten Rieselfähigkeit sind sie optimal für Lagerung, Transport und Brennstoffdosierung
geeignet. Ihre Verbrennung ist umweltfreundlich sowohl hinsichtlich der anfallenden
Rauchgase als auch der anfallenden festen Rückstände.
[0013] Die erfindungsgemäßen Brennstoffgranulate aus Klärschlämmen können in Wirbelschichtfeuerungen
ohne zusätzliche Trägerstoffe und ohne Zusatzbrennstoffe verwendet werden, da sie
ein selbstgängiger Brennstoff sind. Bereits die feuchten Brennstoffgranulate mit einem
vergleichsweise hohen Wassergehalt von bis zu 47 % haben einen Heizwert, der mit getrockneten
Klärschlämmen vergleichbar ist. Diese feuchten Brennstoffgranulate können somit unmittelbar
in vorhandenen Klärschlammverbrennungsanlagen verbrannt werden, ohne daß bauliche
Veränderungen im Ofen- und Abhitzesystem vorgenommen werden müssen. Luftgetrocknet
erreichen sie als trockene Brennstoffgranulate einen Heizwert, der mit trokckener
Braunkohle vergleichbar ist
[0014] Für die Herstellung der erfindungsgemäßen Brennstoffgranulate sind keine aufwendigen
Sondermaschinen und -einrichtungen notwendig. Neben den üblichen Vorentwässerungsmethoden
und -einrichtungen wird lediglich ein Granuliermischer mit Zuführungs- und Abzugsvorrichtungen
benötigt sowie gegebenenfalls Einrichtungen zur Zwischenlagerung der Rohgranulate
für eine Umlufttrocknung ohne Thermoenergiezufuhr.
[0015] Je nach dem TS-Gehalt des Rohklärschlammmes (Dünnschlamm) bzw. des durch Flockung
und Schwerkraftfiltration vorentwässerten Klärschlammes lassen sich die feuchten Brennstoffgranulate
durch entsprechende Zugaben von Konditionierungsmitteln, wie feinteilige und trockene
Kohle sowie Kalk, herstellen. Eine gegebenenfalls gewünschte Trocknung ist ohne zusätzlichen
energetischen Aufwand durch einfache Umlufttrocknung möglich, um dadurch zu den höherkalorigen
trockenen Brennstoffgranulaten zu gelangen.
[0016] Neben Rohklärschlamm (Dünnschlamm) und durch Flockung und Schwerkraftentwässerung
eingedicktem Klärschlamm lassen sich auch in Deponien oder Klärteichen abgelagerte
Klärschlämme mit Restfeuchten von z. B. 70 - 80 % zu selbstgängig verbrennbaren feuchten
Brennstoffgranulaten und gegebenenfalls zu höherkalorigen trockenen Brennstoffgranulaten
durch einfache Umlufttrocknung verarbeiten.
[0017] Die Herstellung der Brennstoffgranulate wird zweckmäßig am Ort des Anfalls des Klärschlammes
vorgenommen. Es ist aber auch denkbar, die Herstellung an einer zentralen Stelle vorzunehmen,
beispielsweise im Einzugsbereich von kleineren Kläranlagen oder an dem Ort, an dem
die Brennstoffgranulate der Verbrennung zugeführt werden sollen.
[0018] Eine vorzugsweise Ausgestaltung der Brennstoffgranulate aus Klärschlamm, insbesondere
für Wirbelschichtfeuerungen weist folgende Zusammensetzung auf:
a) 0,86 bis 45 Gew.-% Klärschlamm-Trockensubstanz,
b) 83,74 bis 43 Gew.-% Kohlenstaub (w.f.),
c) 5,4 bis 2 Gew.-% Branntkalk
d) ≦ 10 Gew.-% Restwasser.
[0019] Eine weitere vorzugsweise Ausgestaltung der Brennstoffgranulate aus Klärschlamm,
insbesondere für Wirbelschichtfeuerungen, weist folgende Zusammensetzung auf:
a) 0,8 bis 40 Gew.-% Klärschlamm-Trockensubstanz,
b) 74,4 bis 38 Gew.-% Kohlenstaub (w.f.),
c) 4,8 bis 2 Gew.-% Branntkalk und
d) ≦ 20 Gew.-% Restwasser.
[0020] Eine dritte vorzugsweise Ausgestaltung der Brennstoffgranulate aus Klärschlamm, insbesondere
für Wirbelschichtfeuerungen weist folgende Zusammensetzung auf:
a) 0,4 bis 23 Gew.-% Klärschlamm-Trockensubstanz,
b) 49,3 bis 29 Gew.-% Kohlenstaub (w.f.),
c) 3,3 bis 1 Gew.-% Branntkalk,
d) ≦ 47 % Restwasser.
[0021] In Figur 1 der Zeichnung sind beispielhaft einige bevorzugte Möglichkeiten zur Herstellung
der selbstgängig verbrennbaren Brennstoffgranulate aus Klärschlamm dargestellt sowie
deren Weiterbildung zur höherkalorigen trockenen Brennstoffgranulaten durch einfache
Umlufttrocknung.
[0022] In Figur 2 ist ein Temperaturverlauf eines Brennversuches mit feuchten Brennstoffgranulaten
abgebildet.
[0023] Allen aufgeführten Herstellungswegen gemeinsam ist in Fig. 1 die Granuliereinheit,
nämlich der Granuliermischer 1, in dem die feuchten Brennstoffgranulate 12 hergestellt
werden und der über eine Klärschlammaufgabe 11, eine Braunkohlenstaubaufgabe 9 und
eine Branntkalkaufgabe 10 beschickt wird, wobei die einzelnen Zutaten so aufeinander
abgestimmt werden, daß die feuchten Brennstoffgranulate 12 eine mittlere Feuchte zwischen
35 und 47 % haben.
[0024] Dabei orientiert sich die Branntkalkzugabe 10 am Schwefelgehalt des Braunkohlenstaubes
9. Die Mengenanteile an Klärschlamm 11 und an Braunkohlenstaub 9 sind in Abhängigkeit
von der jeweiligen Feuchte dieser Stoffströme zu errechnen, um zu feuchten Brennstoffgranulaten
mit 35 - 47 % Feuchte zu gelangen, die ausreichend fest und rieselfähig (nicht klebend
und nicht schmierend) sowie selbstgängig brennfähig sind. Sie können gegebenenfalls,
ohne daß thermische Trocknungsenergie aufgewendet werden muß, allein durch Umlufttrocknung,
z. B. in einem Umluftsilo 6, in einem Turmrieseltrockner 7 oder in einem Trommeltrockner
8, weiterbehandelt werden, bis sie zu höherkalorigen trockenen Brennstoffgranulaten
mit 20 - 10 % Feuchte oder weniger geworden sind. Falls Abwärme verfügbar ist, kann
dadurch gegebenenfalls die Trocknungszeit verkürzt werden.
[0025] Der dem Granuliermischer 1 aufzugebende Klärschlamm 11 kann Dünnschlamm mit 1,5 -
8 % TS sein, der aus einem Dünnschlammbehälter 2 abgegeben wird. In diesem Falle ist
der Anteil an Braunkohlenstaub entsprechend hoch zu bemessen, um zu feuchten Brennstoffgranulaten
12 zwischen 35 und 47 % Feuchte zu gelangen.
[0026] Der Dünnschlamm kann aber auch zunächst weiter entwässert werden, z. B. in einer
Flockung und Filtration 3 auf 15 - 35 % TS oder einer Schwerkraftentwässerung 4 auf
15 - 25 % TS, bevor er in den Granuliermischer 1 aufgegeben wird. In diesen Fällen
wird der Zusatz von Braunkohlenstaub 9 anteilig geringer zu bemessen sein als bei
Zugaben aus dem Dünnschlammbehälter 2.
[0027] Dem Granuliermischer 1 kann aber auch abgelagerter Klärschlamm aus einer Deponie
oder einem Schlammteich 5 mit 20 - 35 % TS zugeführt werden. Gegebenenfalls kann durch
Verwendung von speziellen zusätzlichen Entwässerungseinrichtungen bekannter Art der
Trockensubstanzgehalt weiter erhöht werden.
[0028] Anstelle von Braunkohlenstaub 9 können auch Steinkohlenstaub oder andere kohlenstoffhaltige
Trockenmassen, beispielsweise Holzmehl oder dergleichen, in entsprechenden Anteilen
dem Granuliermischer 1 aufgegeben werden, um feuchte Brennstoffgranulate 12 zu erzeugen.
Von Wichtigkeit ist dabei jedoch, daß die feuchten Brennstoffgranulate 12 ausreichend
fest und rieselfähig sein müssen, um sie als selbstgängigen Brennstoff verwenden bzw.
daraus durch Umlufttrocknung höherkalorige trockene Brennstoffgranulate 13 fertigen
zu können.
[0029] Nachfolgend wird anhand einiger Beispiele die Herstellung von erfindungsgemäßen Brennstoffgranulaten
im Einzelnen beschrieben.
Beispiel 1
[0030] Der in einer Kläranlage anfallende Schlamm mit einem Trockensubstanzgehalt von 2
% wurde unter Hinzugabe eines synthetischen organischen Flockungsmittels geflockt,
durch Schwerkraftfiltration vorentwässert und anschließend durch Druckfiltration auf
eine Restfeuchte von 80 % gebracht.
[0031] 1,4 kg des entwässerten Klärschlammes mit einer Restfeuchte von 80 % wurden mit 1,0
kg feinteiliger trockener Braunkohle (ca. 10 % Feuchte) unter Zugabe von 5 % Branntkalk,
bezogen auf die Braunkohlenmenge, in einem Granuliermischer gemischt und zu rundlichen
Granulaten mit einer maximalen Korngröße von ca. 4 mm verarbeitet. Die feuchten Brennstoffgranulate
waren ausreichend fest sowie rieselfähig und konnten problemlos in einem Silo gelagert
werden. Sie hatten unmittelbar nach der Herstellung eine Feuchte von etwa 40 %. Nach
24 h Umlufttrocknung wurden trockene Brennstoffgranulate mit einer Feuchte von ca.
20 % und nach 60 h solche mit einer Feuchte von ca. 10 % erreicht. Bereits die feuchten
Brennstoffgranulate konnten problemlos selbstgängig verbrannt werden. Die trockenen
Brennstoffgranulate enthielten noch genügend Feuchtigkeit, daß auch sie praktisch
ohne Staubbildung handhabbar waren.
Beispiele 2 bis 5
[0032] Zur Verbesserung der Entwässerung und Erhöhung der Filtrationsgeschwindigkeit wurde
die gemäß Beispiel 1 geflockte Klärschlammsuspension zusätzlich mit Filterhilfsmittel
in Form von Feststoffpartikeln (0,1 - 0,3 mm) vor der Filterung versetzt. Als Filterhilfsmittel
wurden Steinkohlenstaub (Beispiel 2), Koksabrieb (Beispiel 3), Holzmehl (Beispiel
4) bzw. Braunkohlenstaub (Beispiel 5) im Verhältnis 1:1, bezogen auf die jeweilige
Schlammtrockensubstanzmenge, eingesetzt. Dadurch konnte eine zusätzliche Absenkung
des Wassergehalts im Filterkuchen nach der Druckfiltration um 2 - 5 %-Punkte auf 22
- 25 % TS erzielt werden. Die weitere Verarbeitung zu feuchten bzw. trockenen Brennstoffgranulaten
erfolgte wie unter Beispiel 1 angegeben.
Beispiel 6
[0033] 1,4 kg einer Klärschlammsuspension mit 2 % Trockensubstanz wurden ohne eine Vorentwässerung
mit 2 kg trockenem Braunkohlenstaub (10 % Feuchte) und 5 % Branntkalk (bezogen auf
Braunkohle) in einem Granuliermischer vermischt und zu feuchten Brennstoffgranulaten
verarbeitet. Die selbstgängig brennbaren Granulate hatten unmittelbar nach der Herstellung
eine Restfeuchte von 44 %. Nach 60 h Lufttrocknung wurden daraus trockene Brennstoffgranulate
mit einer Feuchte von ca. 20 %.
Beispiel 7
[0034] Gemäß einer weiteren Mischungsvariante wurde Braunkohlenstaub mit einer höheren Feuchte
von 22 % eingesetzt. 0,8 kg einer Klärschlammsuspension mit 2 % Trockensubstanz wurden
mit 2,0 kg dieses feuchteren Braunkohlenstaubes unter Zugabe von 5 % Branntkalk, bezogen
auf die Braunkohlenmenge, in einem Granuliermischer vermischt und zu feuchten Brennstoffgranulaten
verarbeitet. Diese brennfähigen Granulate hatten nach der Mischung 36,7 % Feuchte.
Nach 24 h Lufttrocknung konnten daraus trockene Brennstoffgranulate mit ca. 18,6 %
Feuchte gebildet werden.
Beispiel 8
[0035] Bereits abgelagerter Klärschlamm aus einem Klärteich mit einem Restwassergehalt von
79 % wurde zur Herstellung des Brennstoffgranulats mit Braunkohlenstaub gemischt,
wobei 1,5 kg Klärschlamm aus dem Klärteich (79 % Feuchte) mit 1,0 kg Braunkohlenstaub
(10 % Feuchte) unter Zugabe von 5 % Branntkalk, bezogen auf die Braunkohlenmenge,
in einem Granuliermischer zu feuchten Brennstoffgranulaten verarbeitet wurden. Diese
hatten unmittelbar nach der Herstellung eine Feuchte von 40,2 %. Nach 60 h Lufttrocknung
sind daraus trockene Brennstoffgranulate mit einer Feuchte von 16,4 % geworden.
Beispiel 9
[0036] 2,1 kg eines trockenen Steinkohlenschlamms (< 1 % H₂O) wurden mit 1,5 kg kommunalem
Klärschlamm (80 % H₂O) und 5 % Branntkalk (bezogen auf Steinkohlenschlamm) in einem
Granuliermischer vermischt und zu rieselfähigen, selbstgängig brennbaren, feuchten
Brennstoffgranulaten verarbeitet. Diese wiesen direkt nach der Herstellung einen Feuchtegehalt
von 35 % und die höherkalorigen trockenen Brennstoffgranulate nach 24 h Lufttrocknung
eine Restfeuchte von < 20 % auf.
[0037] Die nach den Beispielen 1 - 9 hergestellten Brennstoffgranulate fallen nach dem Granuliervorgang
als körnigrundliche Pellets mit einer durchschnittlichen Korngröße von 1 - 4 mm an.
Diese feuchten Brennstoffgranulate haben einen Wassergehalt von 35 - 47 % (65 - 53
% TS), sie sind rieselfähig und mechanisch belastbar.
[0038] Der Heizwert dieser Rohgranulate beträgt 10 - 14 MJ/kg und entspricht damit dem Heizwert
von getrocknetem reinen Klärschlamm. Sie können überraschenderweise ohne weitere Trocknungsmaßnahmen
direkt über Dosiereinrichtungen einer Wirbelschicht aufgegeben und dort selbstgängig
verbrannt werden, wie das nachfolgende Beispiel ausweist.
Beispiel 10
Verbrennungsversuche mit feuchten Brennstoffgranulaten (47 % H₂O)
[0039] Aus einer Mischung von kommunalem Klärschlamm und Braunkohlenstaub hergestellte feuchte
Brennstoffgranulate wurden einer stationären Wirbelschicht-Brennkammer mit einer thermischen
Leistung von 300 kW als alleiniger Brennstoff aufgegeben. Bei diesen Versuchen wurden
etwa 5 t Rohgranulat kontinuierlich verbrannt.
[0040] Fig. 2 zeigt beispielhaft die Temperaturverläufe während des Versuchs in Abhängigkeit
von der Zeit, wobei die Ziffern die Zahl der Stunden (h) angeben, in der Wirbelschicht
(Wirbelbett-Temperatur 14), im darüber angeordnetem Freiraum (Freiraum-Temperatur
15) und vor dem nachgeschalteten Zyklon (Zyklon-Temperatur 16). Während der Anfahrphase
oder Aufheizphase a, die vom Zeitpunkt D, Einschalten des Aufheizbrenners, bis zum
Zeitpunkt B andauert, Ausschalten des Aufheizbrenners, steigen die Temperaturen im
Wirbelbett und im Freiraum etwa gleichmäßig an. Gegen Ende der Aufheizphase a wird
zum Zeitpunkt C mit der Brennstoffaufgabe in die Wirbelschicht begonnen. Nach dem
Ausschalten des Aufheizbrenners (Zeitpunkt B) beginnt die Stabilisierungsphase b,
die bis zum Zeitpunkt A (Sekundärluftzugabe "ein") andauert. Überraschenderweise hat
sich im Wirbelbett nach dem Ausschalten des Aufheizbrenners der Verbrennungsvorgang
allein aus den zugegebenen feuchten Brennstoffgranulaten selbstgängig getragen und
sich bis zum Zeitpunkt A (Sekundärluftzugabe "ein") stabilisiert, so daß von dort
an bis zum Versuchsende (Zeitpunkt E) eine sehr stabile Verbrennungsphase c vorgelegen
hat, in der nur noch sehr geringe Temperaturschwankungen angezeigt worden sind. Deutlich
ist zu erkennen, daß diese Temperaturverläufe vom Zeitpunkt A an, an dem die Sekundärluftzugabe
eingeschaltet wurde, bis zum Versuchsende E sehr gleichmäßig waren. Die fast geradlinigen
Kurvenverläufe verdeutlichen, daß die Zudosierung der feuchten Brennstoffgranulate
ebenfalls sehr gleichmäßig erfolgt ist. Weiterhin kann daraus abgeleitet werden, daß
der Abbrand intensiv und gleichmäßig verlief.
[0041] Nachstehend sind in Tabelle 1 eine Elementaranalyse und in Tabelle 2 weitere Kenndaten
der verwendeten feuchten Brennstoffgranulate zusammengestellt.
Tabelle 2
| Kenndaten des Rohgranulates |
| Heizwert des Brennstoffgranulates |
(feucht) |
10,2 MJ/kg |
| (wf) |
21,4 MJ/kg |
| Schüttgewicht |
0,5 kg/dm³ |
| CaO-Gehalt |
2,44 Gew.-% |
[0042] Bei einer fast konstanten Wirbelschichtverbrennungstemperatur in der Verbrennungsphase
c von 720 bis 740°C und einer sich entsprechend einstellenden Freiraumtemperatur von
840 - 870°C ergaben sich unter Zugabe von Sekundärluft die in Tabelle 3 niedergelegten
Emissionswerte.
Tabelle 3
| Emissionswerte |
| CO |
35 - 40 mg/m³ |
| NOx |
80 - 130 mg/m³ |
| NO₂ |
5 - 15 mg/m³ |
[0043] Am nachgeschalteten Zyklon entnommene Feststoffproben bestätigten, daß ein genügend
hoher Ausbrand der feuchten Brennstoffgranulate sichergestellt war. Die Kohlenstoffgehalte
in den Ascheproben lagen zwischen C = 2,7 Gew.-% und 3,7 Gew.-%.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0044]
- 1
- Granuliermischer
- 2
- Dünnschlammbehälter
- 3
- Flockung und Filtration
- 4
- Schwerkraftentwässerung
- 5
- Schlammteich
- 6
- Umluftsilo
- 7
- Turmrieseltrockner
- 8
- Trommeltrockner
- 9
- Braunkohlenstaub
- 10
- Branntkalk
- 11
- Klärschlamm
- 12
- feuchte Brennstoffgranulate
- 13
- trockene Brennstoffgranulate
- 14
- Wirbelbett-Temperatur
- 15
- Freiraum-Temperatur
- 16
- Zyklon-Temperatur
- A
- Sekundärluftzugabe "ein"
- B
- Aufheizbrenner "aus"
- C
- Brennstoffaufgabe "ein"
- D
- Aufheizbrenner "ein"
- E
- Versuchsende
- a
- Anfahrphase bzw. Aufheizphase
- b
- Stabilisierungsphase
- c
- stabile Verbrennungsphase
1. Brennstoffgranulate aus Klärschlamm, insbesondere für Wirbelschichtfeuerungen,
dadurch gekennzeichnet, daß die Brennstoffgranulate folgende Zusammensetzung aufweisen:
a) 0,4 bis 45 Gew.-% Klärschlamm-Trockensubstanz,
b) 83,74 bis 29 Gew.-% Kohlenstaub (w.f.),
c) 5,4 bis 1 Gew.-% Branntkalk,
d) ≦ 47 Gew.-% Restwasser,
e) eine rundliche Korngröße zwischen 0 und 7 mm, einen Mehlkornanteil < 1 % und eine
rieselfähige Konsistenz haben sowie
f) in einem einzigen Verfahrensschritt in einem Granuliermischer hergestellt sind.
2. Brennstoffgranulate nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sie folgende Kornverteilung haben:
von 0 bis 0,63 mm = 0,4 %
0,63 bis 1,0 mm = 32,3 %
1,0 bis 2,0 mm = 46,9 %
2,0 bis 4,0 mm = 19,8 %
> 4,0 mm = 0,6 %
3. Verfahren zur Herstellung von Brennstoffgranulaten nach einem der Ansprüche 1 oder
2, dadurch gekennzeichnet, daß 0,8 kg - 1,4 kg kommunaler Klärschlamm (Dünnschlamm) mit 1,5 - 8,0 % Trockensubstanz,
2,0 kg Braunkohlenstaub mit 10 - 20 % Wassergehalt und 0,10 kg Branntkalk in einem
Granuliermischer zu rundlichen, rieselfähigen feuchten Brennstoffgranulaten mit 35
- 47 % Wassergehalt und quasitrockener, rieselfähiger Konsistenz geformt und diese
gegebenenfalls anschließend in 30 - 60 h zu trockenen Brennstoffgranulaten mit einer
Restfeuchte von 20 - 10 % luftgetrocknet werden.
4. Verfahren zur Herstellung von Brennstoffgranulaten nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der kommunale Klärschlamm (Dünnschlamm) durch Zugabe von organischen oder anorganischen
Flockungsmitteln mittels Schwerkraft auf 15 - 25 % Trockensubstanz vorentwässert wird,
1,2 kg - 1,5 kg des vorentwässerten Klärschlammes, 1,5 kg Braunkohlenstaub mit 10
- 20 % Wassergehalt und 0,05 kg Branntkalk dem Granuliermischer aufgegeben werden.
5. Verfahren zur Herstellung von Brennstoffgranulaten nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der kommunale Klärschlamm (Dünnschlamm) mit oder ohne Flockungsmittelzugabe maschinell
auf 25 - 35 % Trockensubstanz vorentwässert wird, 1,5 kg - 1,8 kg des vorentwässerten
Klärschlammes, 1,0 kg Braunkohlenstaub mit 10 - 20 % Wassergehalt und 0,05 kg Branntkalk
dem Granuliermischer aufgegeben werden.
6. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß vorentwässerter Klärschlamm in einer Filtrationsstufe unter Verwendung von Steinkohle,
Koksabrleb, Holzmehl oder Braunkohle als Filterhilfsmittel im Verhältnis 1:1 gemischt
und druckfiltriert wird.
7. Verfahren zur Herstellung von Brennstoffgranulaten nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der kommunale Klärschlamm (Dünnschlamm) in Schlammteichen auf 20 - 35 % TS eingedickt
wird und 1,2 - 1,8 kg des eingedickten Klärschlammes, 1,0 kg Braunkohlenstaub mit
10 - 20 % Wassergehalt und 0,05 kg Branntkalk dem Granuliermischer aufgegeben werden.
8. Verfahren zur Herstellung von Brennstoffgranulaten nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß anstelle von Braunkohlenstaub als Trockenmasse Steinkohlenstaub, Holzmehl oder andere
feinteilige kohlenstoffhaltige Trockenmassen verwendet werden.
1. Fuel granules made from sludge, in particular for fluidised bed furnaces, characterised
in that the fuel granules have the following composition:
a) 0.4 to 45 wt.% sludge solids,
b) 83.74 to 29 wt.% coal dust (dry weight),
c) 5.4 to 1 wt.% caustic lime,
d) ≦ 47 wt.% residual water,
e) have a spheroidal grain size between 0 and 7 mm, a flour grain content < 1% and
a pourable consistency, and
f) are manufactured in a single procedural step in a granulating mixer.
2. Fuel granules according to claim 1, characterised in that they have the following
grain distribution:
from 0 to 0.63 mm = 0.4%
0.63 to 1.0 mm = 32.3 %
1.0 to 2.0 mm = 46.9 %
2.0 to 4.0 mm = 19.8 %
> 4.0 mm = 0.6 %
3. A method of manufacturing fuel granules according to either one of claims 1 and 2,
characterised in that 0.8 kg - 1.4 kg municipal sludge (dilute sludge) with 1.5 -
8.0 % solids, 2.0 kg brown-coal dust with a water content of 10 - 20% and 0.10 kg
caustic lime are formed, in a granulating mixer, into spheroidal, pourable, moist
fuel granules with a water content of 35 - 47% and a quasi-dry pourable consistency
and, optionally, these are then air-dried in 30 - 60 h to form dry fuel granules with
a residual moisture content of 20 - 10 %.
4. A method of manufacturing fuel granules according to claim 3, characterised in that
the municipal sludge (dilute sludge) is predehydrated to 15 - 25 % solids by means
of gravity by the addition of organic or inorganic flocculants, and 1.2 kg - 1.5 kg
of the predehydrated sludge, 1.5 kg brown-coal dust with a water content of 10 - 20
% and 0.05 kg caustic lime are fed to the granulating mixer.
5. A method of manufacturing fuel granules according to claim 3, characterised in that
the municipal sludge (dilute sludge) is mechanically predehydrated to 25 - 35 % solids
with or without the addition of flocculants, and 1.5 kg - 1.8 kg of the prehydrated
sludge, 1.0 kg brown-coal dust with a water content of 10 - 20 % and 0.05 kg caustic
lime are fed to the granulating mixer.
6. A method according to claim 3, characterised in that predehydrated sludge is mixed
in a filtration stage using hard coal, coke dust, wood flour or brown coal as a filter
aid in a ratio of 1:1 and pressure filtered.
7. A method of manufacturing fuel granules according to claim 3, characterised in that
the municipal sludge (dilute sludge) is thickened in sludge lagoons to 20 - 35 % solids,
and 1.2 - 1.8 kg of the thickened sludge, 1.0 kg brown-coal dust with a water content
of 10 - 20% and 0.05 kg caustic lime are fed to the granulating mixer.
8. A method of manufacturing fuel granules according to claim 5, characterised in that
hard-coal dust, wood flour or other fine carbonaceous dry substances are used as a
dry substance instead of brown-coal dust.
1. Granulés de combustible de boues de curage ou de schlamm épaissi, plus particulièrement
pour foyers à couche fluidisée, caractérisés en ce que les granulés de combustible
présentent la composition suivante :
a) 0,4 à 45% en poids de substance sèche de boue de curage,
b) 83,74 à 29% en poids de poussière ou poussier de charbon (exempt d'eau),
c) 5,4 à 1% en poids de chaux vive,
d) 47 ou moins de 47% en poids d'eau résiduelle,
e) une granulométrie ronde entre 0 et 7 mm, une fraction de grains en farine inférieure
à 1% et une consistance fluide et
f) fabriqués en une seule étape opératoire dans un malaxeur de granulation.
2. Granulés de combustible suivant la revendication 1, caractérisés en ce qu'ils possèdent
la répartition granulométrique suivante :
de 0 à 0,63 mm = 0,4%
0,63 à 1,0 mm = 32,3%
1,0 à 2,0 mm = 46,9%
2,0 à 4,0 mm = 19,8%
> 4,0 mm = 0,6%
3. Procédé de fabrication de granulés de combustible suivant l'une quelconque des revendications
1 et 2, caractérisé en ce que l'on façonne 0,8 kg à 1,4 kg de boues de curage municipales
(schlamm fin) avec 1,5 à 8,0% de substance sèche, 2,0 kg de poussière de lignite avec
une teneur en eau de 10 à 20% et 0,10 kg de chaux vive dans un malaxeur ou mélangeur
de granulation en granulés de combustible ronds, humides et fluides, avec une teneur
en eau de 35 à 47% et une consistance quasi sèche, fluide et on sèche ensuite éventuellement
ces granules pendant 30 à 60 heures en granules de combustible secs, d'une teneur
en humidité résiduelle de 20 à 10%.
4. Procédé de fabrication de granules de combustible suivant la revendication 3, caractérisé
en ce que l'on déshydrate au préalable la boue de curage municipale (schlamm fin)
par l'addition d'agents de floculation organiques ou inorganiques, à l'aide d'une
force de cisaillement jusqu'à 15 à 25% de substance sèche, on introduit 1,2 kg à 1,5
kg de la boue de curage prédéshydratée, 1,5 kg de poussière de lignite d'une teneur
en eau de 10 à 20% et 0,05 kg de chaux vive dans le mélangeur ou malaxeur de granulation.
5. Procédé de fabrication de granulés de combustible suivant la revendication 3, caractérisé
en ce que l'on déshydrate au préalable la boue de curage municipale (schlamm fin)
avec ou sans addition d'agent de floculation en machine jusqu'à 25 à 35% de substance
sèche, on introduit 1,5 kg à 1,8 kg de la boue de curage prédéshydratée, 1,0 kg de
poussière de lignite avec une teneur en eau de 10 à 20% et 0,05 kg de chaux vive dans
le mélangeur ou malaxeur de granulation.
6. Procédé suivant la revendication 3, caractérisé en ce que l'on mélange la boue de
curage prédéshydratée au cours d'une étape de filtration en recourant à l'emploi de
charbon de terre, de produit d'abrasion de coke, de farine de bois, ou de lignite
servant d'adjuvant de filtration, dans le rapport de 1:1 et on filtre le tout sous
pression.
7. Procédé de fabrication de granulés de combustible suivant la revendication 3, caractérisé
en ce que l'on épaissit la boue de curage municipale (schlamm fin) en particules de
schlamm jusqu'à 20 à 35% de substance sèche (S.S.) et on introduit 1,2 à 1,8 kg de
la boue de curage épaissie, 1,0 kg de poussière de lignite avec une teneur en eau
de 10 à 20% et 0,05 kg de chaux vive dans le mélangeur ou malaxeur de granulation.
8. Procédé de fabrication de granulés de combustible suivant la revendication 5, caractérisé
en ce qu'au lieu de poussière de lignite à titre de masse sèche, on utilise de la
poussière de charbon de terre, de la farine de bois ou d'autres masses sèches contenant
du carbone, en fines particules.