| (19) |
 |
|
(11) |
EP 0 492 566 B1 |
| (12) |
EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
| (45) |
Hinweis auf die Patenterteilung: |
|
20.09.1995 Patentblatt 1995/38 |
| (22) |
Anmeldetag: 21.12.1991 |
|
|
| (54) |
Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht auf aus Kupfer bestehendem
Halbzeug
Method of producing a green protecting coating on copper-containing materials
Procédé d'obtention d'une couche de protection verte sur des produits contenant du
cuivre
|
| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
|
AT BE CH DE DK ES FR GB GR IT LI LU NL SE |
| (30) |
Priorität: |
24.12.1990 DE 4041854
|
| (43) |
Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
|
01.07.1992 Patentblatt 1992/27 |
| (73) |
Patentinhaber: KM Europa Metal Aktiengesellschaft |
|
D-49023 Osnabrück (DE) |
|
| (72) |
Erfinder: |
|
- Hoveling, Stefan, Dipl.-Ing.
W-4500 Osnabrück (DE)
|
| (56) |
Entgegenhaltungen: :
DE-A- 1 960 960
|
US-A- 3 669 766
|
|
| |
|
|
- PATENT ABSTRACTS OF JAPAN, Band 14, Nr. 499 (M-1042), 31. Oktober 1990
- WPI/DERWENT, Derwent Publications Ltd., London (GB); Nr. 90-295491(39)
- CHEMISCHE FÄRBUNGEN VON KUPFER UND KUPFERLEGIERUNGEN, Deutsches Kupfer-Institut, 1974,
Berlin (DE); Seiten 35-41
|
|
| |
|
| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz-
und Deckschicht auf gewalztem Kupferband oder -blech für die Dachabdeckung und Fassadenverkleidung.
[0002] Unter normalen atmosphärischen Einflüssen bildet Kupfer auf seiner Oberfläche erst
nach einem relativ langen Zeitraum und auch nur unter bestimmten Bedingungen eine
grün- bis türkisfarbene Schutzschicht, die sogenannte Patina. Die Bildungsgeschwindigkeit
dieser natürlichen Patina ist beispielsweise von folgenden Parametern abhängig:
- Zusammensetzung der Atmosphäre (Feuchtigkeit, Verunreinigungsgehalt)
- Beanspruchung durch feste Teilchen (Sand, Staub)
- Umgebungstemperatur
- Neigung der Oberfläche der Kupferbauteile
- Lage zur Hauptwetterrichtung
So sind in der Veröffentlichung des Deutschen Kupfer-Institus "Chemische Färbung
von Kupfer und Kupferlegierungen" für die verschiedenen atmosphärischen Einflüsse
folgende Zeiten für die Ausbildung einer natürlichen Patina angegeben:
- In Meeresluft nach etwa 6 Jahren
- In Großstadt- und Industrieatmosphäre nach etwa 5 bis 8 Jahren
- In normaler Stadtatmosphäre nach etwa 8 bis 12 Jahren.
[0003] Die entstandene Patina schützt das Kupferbauteil wirkungsvoll vor weiteren Witterungseinflüssen,
so daß sich die Abtragungsrate des Kupfers mit Erreichen der höchsten Basizität der
Patina dem Wert Null nähert. Es ist daher auch nicht überraschend, daß sich schon
frühzeitig Praktiker mit der Erforschung und Nachahmung dieser Schutzschicht befaßt
haben. so ist die künstliche Grünpatinierung von Kunstgegenständen, wie beispielsweise
Statuen und Gefäßen, mittels der Tüpfeltechnik schon seit langer Zeit bekannt.
[0004] Weiterhin gibt es eine Reihe von reaktionsfähigen Patinierungslösungen, die in Spritz-
oder Bürsttechnik auch auf größere Flächen, wie z. B. Dachabdeckungen, in mehreren
Arbeitsgängen aufgetragen werden. Aus der DE-A-19 60 960 ist ein chemisches Verfahren
zur Bildung einer Patina bekannt, bei dem die Oberfläche eines Kupferblechs zunächst
gereinigt und anschließend mit einer Lösung, die Ammoniumsulfat, Quecksilber-II-chlorid
und Kupfersulfat enthält, behandelt wird.
[0005] Der Nachteil der bisher bekannten Verfahren ist darin zu sehen, daß sie entweder
nur in aufwendiger Handarbeit oder nur für begrenzte Flächen angewendet werden können
und damit für eine großtechnische Fertigung zu unwirtschaftlich sind.
[0006] Schließlich ist noch ein Verfahren bekannt, bei dem patinafarbene Kunststoffschichten
auf für die Dachabdeckung und Fassadenverkleidung vorgesehenen Kupferbändern aufgebracht
werden. Nachteilig an diesem Verfahren ist, daß die aufgebrachten Schichten sehr leicht
abplatzen und daß dann der Selbstheilungsmechanismus der natürlichen Patina fehlt.
Hinzu kommt, daß die notwendigen Verarbeitungstechniken, wie Löten oder Abkanten,
nur eingeschränkt durchführbar sind.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs erwähnten Art
anzugeben, mit dem auf der Oberfläche von aus Kupfer bestehendem Halbzeug in großtechnischem
Maßstab eine grüne, festhaftende, der natürlichen Patina sehr ähnliche Deckschicht
erzeugt werden kann.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Kombination der im Anspruch 1 genannten
Verfahrensmaßnahmen gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich
aus den Unteransprüchen.
[0009] Die wesentlichen Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens bestehen insbesondere
darin, daß durch die kontinuierliche Fertigung
- eine äußerst gleichmäßige Vorbehandlung sämtlicher Bänder und Bleche erreicht wird;
diese ist eine wichtige Voraussetzung für eine künstliche Grünpatinierung mit einheitlicher
Farbgebung,
- variable Fertiglängen ohne Schneidabfall möglich sind,
- keine Farbänderungen an den Band- oder Blechenden auftreten können,
- keine Ausfälle des Schleifbands durch hochstehende Band- oder Blechenden entstehen,
- eine gezielte Ansteuerung, beispielsweise des Schleifbands, durch die Bandmitten-
oder Bandkantenregelung möglich ist.
[0010] Es hat sich ferner gezeigt, daß die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten
künstlich grünpatinierten Bänder oder Bleche aus Kupfer Schutzschichten mit hervorragender
Haftfestigkeit aufweisen. Sogar die bei der Montage von Dachabdeckungen und Fassadenverkleidungen
häufig unvermeidlichen Fingerspuren bleiben auf der grünpatinierten Oberfläche weitgehend
unauffällig.
[0011] In weiteren Untersuchungen wurde festgestellt, daß die aufgebrachte Schutz- und Deckschicht
als Katalysator für die sich allmählich ausbildende natürliche Patina wirkt, daß heißt,
die künstliche Schutzschicht wandelt sich unter atmosphärischen Einflüssen im Laufe
der Zeit in eine natürliche Patina um. Vorzugsweise besteht die Schutz- und Deckschicht
aus Kupferoxid (Cu₂O) und einem im wesentlichen kupferfreien Metallsalz. Das Flächengewicht
der vollständig reagierten Schutzschicht beträgt nach der Auslagerung 180 bis 680
mg/dm², wobei der Bereich von 330 bis 525 mg/dm² bevorzugt ist.
[0012] Anhand eines Ausführungsbeispiels soll die Erfindung im folgenden noch weiter erläutert
werden.
[0013] Ein kaltgewalztes 1000 mm breites Band aus SF-Kupfer gemäß DIN 1787 mit einer Dicke
von 0,7 mm wird zunächst in einer Durchlaufeinrichtung entfettet. Unmittelbar anschließend
wird daß Kupferband zur gezielten Vergrößerung der Oberfläche, beispielsweise um den
Faktor 2, zunächst durch eine Bandschleifmaschine gefahren, die z. B. mit einem oder
mehreren Schleifbändern der Körnung 40 bis 60 sowie gegebenenfalls mit einer zusätzlichen
Bürsteinrichtung versehen ist. Die installierte Bandmitten- oder Bandkantenregelung
sorgt für eine genaue Positionierung des Kupferbands gegenüber dem Schleifband. Danach
durchläuft das Kupferband noch ein Duowalzgerüst, dessen Walzen vorzugsweise in Richtung
der Walzenachse aufgerauhte bzw. texturierte Oberflächen aufweisen. In Linie durchläuft
das Kupferband anschließend eine Sprüh- und Abquetscheinrichtung, in der die chemische
Reaktionslösung zur Grünpatinierung gleichmäßig auf die Oberfläche aufgebracht wird.
Nach Aufbringen der Reaktionslösung wird das Kupferband durch eine mitlaufende Querteilschere
in Fertiglängen je nach Kundenanforderungen eingeteilt. Das einseitig beschichtete
Kupferband oder -blech wird in Gestelle vereinzelt und die Gestelle werden dann 6
bis 48 Stunden in einem klimatisierten Raum bei einer Temperatur von etwa 20 °C und
einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 % ausgelagert. Um die Ausbildung der Schutzschicht
auf dem Kupfer in dem klimatisierten Raum zu beschleunigen, kann entweder zusätzlich
eine elektrische Spannung angelegt oder gasförmige Reaktionsmedien eingeleitet werden.
Nach der Auslagerung wurde das Flächengewicht der Schutz- und Deckschicht von einigen
Probestücken bestimmt. Es betrug durchschnittlich etwa 430 mg/dm².
[0014] An dem künstlich grünpatinierten Kupferband können anschließend die für die Verwendung
im Baubereich notwendigen Biege- und Abkantoperationen durchgeführt werden, ohne daß
Beschädigungen oder großflächige Ablösungen der Schutz- und Deckschicht auftreten.
1. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht auf gewalztem Kupferband
oder -blech für die Dachabdeckung und Fassadenverkleidung,
gekennzeichnet durch die Kombination folgender Verfahrensmaßnahmen:
- Entfettetes Kupferband wird zur Vergrößerung der Oberfläche um den Faktor 1,1 bis
5 zunächst mittels einer texturierten Arbeitswalze aufgerauht,
- Das Kupferband wird dann mit einer chemischen Reaktionslösung zur Grünpatinierung
im kontinuierlichen Durchlauf behandelt, wobei das Flächengewicht der Beschichtung
zwischen 180 und 680 mg/dm² beträgt.
- Das chemisch behandelte Kupferband wird anschließend in einem klimatisierten Raum
ausgelagert.
2. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die auf dem Kupferband befindliche Schicht aus Kupferoxid und einem im wesentlichen
kupferfreien Metallsalz besteht.
3. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß das Flächengewicht der Beschichtung 330 bis 525 mg/dm² beträgt.
4. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach einem der Ansprüche
1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das chemisch behandelte Kupferband bei einer im Bereich zwischen 15 und 35 °C
liegenden Temperatur und einer Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 100 % ausgelagert
wird.
5. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach einem der Ansprüche
1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Auslagerung des chemisch behandelten Kupferbands durch Anlegen einer Spannung
oder durch Zugabe von gasförmigen Reaktionsmitteln beschleunigt wird.
6. Verfahren zur Herstellung einer grünen Schutz- und Deckschicht nach einem der Ansprüche
1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Kupferband entweder nach dem mechanischen Behandlungsschritt oder nach dem
Auftragen der chemischen Reaktionslösung kontinuierlich auf die benötigten Längen
quereingeteilt wird.
1. Process for the production of a green protective and covering layer on rolled copper
strip or sheet for roof covering and façade cladding, characterised by the combination
of the following process steps:
- degreased copper strip is first roughened by means of a textured working roller
to enlarge the surface by a factor of 1.1 to 5;
- the copper strip is then treated with a chemical reaction solution in a continuous
process to produce a green patina, the weight per unit area of the coating lying between
180 and 680 mg/dm²;
- the chemically treated copper strip is then aged in an air-conditioned room.
2. Process for the production of a green protective and covering layer according to claim
1, characterised in that the layer on the copper strip consists of copper oxide and
an essentially copper-free metal salt.
3. Process for the production of a green protective and covering layer according to claim
1 or 2, characterised in that the weight per unit area of the coating is 330 to 525
mg/dm².
4. Process for the production of a green protective and covering layer according to one
of claims 1 to 3, characterised in that the chemically treated copper strip is aged
at a temperature lying in the range between 15 and 35°C and an air humidity between
70 and 100%.
5. Process for the production of a green protective and covering layer according to one
of claims 1 to 4, characterised in that the aging of the chemically treated copper
strip is accelerated by applying a voltage or by adding gaseous reaction means.
6. Process for the production of a green protective and covering layer according to one
of claims 1 to 5, characterised in that the copper strip is continuously cut transversely
to the required lengths after the mechanical treatment step or after the application
of the chemical reaction solution.
1. Procédé pour fabriquer une couche de protection et de recouvrement sur une bande ou
une tôle de cuivre laminée servant au recouvrement de toitures ou à l'habillage de
façades, procédé caractérisé par la combinaison des mesures suivantes :
- la bande de cuivre dégraissée est rendue rugueuse pour augmenter la surface d'un
facteur 1,1 à 5, d'abord au moyen d'un cylindre de travail texturé,
- la bande de cuivre est ensuite traitée avec une solution chimique de réaction pour
obtenir une patine verte lors d'un passage continu, le grammage de la couche atteignant
entre 180 et 680 mg/dm²,
- la bande de cuivre traitée chimiquement est ensuite vieillie dans un local climatisé
2. Procédé pour la fabrication d'une couche verte de protection et de revêtement selon
la revendication 1, caractérisé en ce que la couche qui se trouve sur la bande de
cuivre consiste en oxyde de cuivre et en un sel métallique sensiblement exempt de
cuivre.
3. Procédé pour la fabrication d'une couche verte de protection et de recouvrement selon
la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que le grammage de la couche atteint 330
à 525 mg/dm².
4. Procédé pour la fabrication d'une couche verte de protection et de recouvrement selon
l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que la bande de cuivre traitée chimiquement
est vieillie à une température se trouvant dans la zone comprise entre 15 et 35°C
et avec une humidité de l'air comprise entre 70 et 100 %.
5. Procédé pour la fabrication d'une couche verte de protection et de recouvrement selon
l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que le vieillissement de la bande
de cuivre traitée chimiquement est accéléré par l'application d'une tension ou par
l'arrivée de moyens de réaction sous forme gazeuse.
6. Procédé pour la fabrication d'une couche verte de protection et de recouvrement selon
l'une des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que la bande de cuivre est découpée
transversalement de façon continue aux longueurs voulues soit après la phase de traitement
mécanique soit après l'application de la solution chimique de réaction.