[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Betreiben einer Waschmaschine, insbesondere
einer Trommelwaschmaschine gemäß dem Oberbegriff des Anspruches 1, wobei eine nach
diesem Verfahren arbeitende Waschmaschine sowohl für den Einsatz im Haushalt, als
auch für gewerbliche Zwecke geeignet ist und in bestimmten Baumodifikationen zur Anwendung
kommen kann.
[0002] Bisher sind anhand der Patentliteratur, durch Firmenschriften und sehr vielfältigem
Prospektmaterial sowie bereits auf dem Markt befindlichen Konsumgütern nur Trommelwaschmaschinen
mit einer Wasch- und Schleudertrommel bekannt.
Bei diesen Maschinen erfolgt der Wasch-, Spül- und Schleudervorgang nur in einer Wasch-
und Schleudertrommel, wobei in etwa 4,5 kg Trockenwäsche in einem Waschzyklus mit
einem relativ günstigen Wasser-, Energie- und Waschmittelverbrauch sowie einem annehmbaren
Reinigungseffekt bearbeitet werden kann.
[0003] Bei diesen allgemein bekannten Wasch- und Schleudermaschinen wird die verwendete
Flotte jeweils nach Abschluß eines Waschganges (Vor- oder Hauptwäsche) bzw. nach jedem
einzelnen Spülgang in die Kanalisation abgepumpt. Trotz Konstruktiver und verfahrenstechnischer
Maßnahmen ist der Wasser-, Energie- und Waschmittelverbrauch bei diesen Maschinen
und Verfahren doch noch relativ hoch.
[0004] Zur Minimierung der Verbrauchswerte sind auch Trommelwaschmaschinen ohne Laugenbehälter
bekannt, bei denen die Wasch- und/oder Spülflotten in einen Recylingbehälter gepumpt
und von dort für eine nächste Wäschecharge noch einmal verwendet werden können. (siehe
u.a. DD-PS 259 316, DD-PS 301 607) Für diese Maschinen ist jedoch ein aufwendiges
und kompliziertes Heizungs-, Steuerungs- und Flottenführungssystem erforderlich, so
daß derartige Einrichtungen noch keine marktfähige Realisierung erfahren haben.
[0005] Weiterhin ist es bereits allgemeine Erkenntnis, daß beim Wäschewaschen, z.B. von
Hand oder auch in technisch einfachen Wellenradwaschmaschinen, verschiedene Wäscheposten
hintereinander in der selben Waschflotte gewaschen bzw. Spülflotte gespült werden.
Dabei wird, um die Flotten intensiv auszunutzen, zuerst feines und/oder weißes bzw.
wenig verschmutztes Waschgut gewaschen und anschließend mit der selben Flotte gröberes
und/oder buntes bzw. stark verschmutztes Waschgut gewaschen.
[0006] Dieser Verfahrensablauf ist jedoch bei den bisher bekannten programmgesteuerten Waschmaschinen
nicht realisierbar.
[0007] Einer zukunftsorientierten Einsparung an Trinkwasser, Elektroenergie und Waschmittel
genügen diese Verfahren und Einrichtungen noch nicht im erforderlichen Umfang.
[0008] Aufgabe der Erfindung ist es daher, für das Betreiben einer Waschmaschine, insbesondere
einer Trommelwaschmaschine, gemäß dem Oberbegriff des Anspruches 1, ein Verfahren
zu schaffen, mit dem die effektiven Verbrauchswerte je Einheit Waschgut ohne Verschlechterung
des Waschergebnisses hinsichtlich der Reinigungs- und Spülwirkung weiter minimiert
werden können.
[0009] Diese technische Aufgabe wird durch die im kennzeichnenden Teil des Anspruches 1
angegebenen Merkmale gelöst.
[0010] Die Vorteile, die durch die Erfindung erreicht werden, bestehen darin, daß gegenüber
den bekannten technischen Lösungen auf dem Gebiet der Trommelwaschmaschinen mit einem
relativ geringen maschinentechnischen Mehraufwand der Verbrauch an Trinkwasser, Waschmittel,
Elektroenergie für das Aufheizen der Waschflotte sowie der Zeitaufwand je Kilogramm
Waschgut wesentlich reduziert wird.
[0011] Insbesondere durch die waschtechnische Nutzung der zwei von einander unabhängigen
Wasch- und Schleudertrommeln wird die spezifische Waschleistung, die als kg Waschgut
pro Zeiteinheit definiert werden kann, bis zu 50 % erhöht, da - in wesentlich kürzerer
Zeit das gesamte Waschgut gewaschen, gespült und mit einem gewissen Zeitversatz geschleudert
wird - eine größere Wäschemenge bearbeitet werden kann.
Ein weiterer Vorteil wird darin gesehen, daß durch die Möglichkeit der Wiederverwendung
von z.B. nur leicht verschmutzter Waschflotte aus der einen Kammer in der anderen,
z.B. für die Vorwäsche von stark verschmutzter Wäsche, mit weniger Frischwassereinsatz
und weniger Waschmittelzusatz der Verbrauch je Einheit Waschgut gesenkt werden kann.
Unter Beibehaltung der an sich bekannten optimal programmierten und textilartbezogenen
Wasch-, Spül- und Schleuderverfahren können Einsparungen an Trinkwasser bis ca. 30
%, an Elektroenergie bis ca. 15 % sowie bis zu 10 % an Waschmittel und sonstigen Wäschepflegemitteln
erzielt werden.
[0012] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens ergeben sich
aus den übrigen Unteransprüchen und aus den nachfolgend beschriebenen Ausführungsbeispielen.
[0013] In tabellarischer Form sind einige Möglichkeiten für eine sinnvolle Zusammenstellung
von Wäschechargen bzw. Zuordnung dargestellt, wobei meistens das weniger verschmutzte
und/oder pflegeleichte Waschgut, bei welchem bekannterweise die Wasch- und Spülvorgänge
mit einem höheren Flottenniveau ablaufen, primär behandelt wird.
Die Primär-Waschflotte kann somit zumindest für eine sekundäre Vorwäsche von stärker
verschmutztem Waschgut genutzt werden.
Es werden sämtliche Primär-Spülflotten für den sekundären Spülprozess nachgenutzt,
so daß lediglich nur die letzte Sekundär-Spülflotte aus Frischwasser besteht, die
gegebenenfalls wieder als Primär-Waschflotte für eine nächste Wäschecharge verwendet
werden kann.
Über dieses tabellarische Beispiel hinaus, sind natürlich weitaus mehrere Wäschechargen-Kombinationen
möglich.
[0014] Die Figur 1 zeigt in einer Prinzipdarstellung das grundsätzliche Flottenführungssystem
(hier am Beispiel einer Waschmaschine mit zwei Topladersystemen).
Dabei können beide Systeme programmsteuerungstechnisch sowohl unabhängig als auch
abhängig voneinander ausgelegt sein. Bei voneinander unabhängigen Systemen, d.h. die
Programmabläufe von Primär- und Sekundärsystem sind unabhängig voneinander, ist die
Programmierung der einzelnen Vorgänge bzw. Ansteuerung der einzelnen Baugruppen wie
bei jeweils einer Einzel-Trommelwaschmaschine ausgelegt.
Mit dieser Verfahrensvariante kann der Hauptgebrauchswert des erfindungsgemäßen Zweitrommel-Waschverfahren,
das gleichzeitige Waschen von unterschiedlichem Waschgut oder einer Waschgutcharge
mit einer größeren Füllmasse ohne weiteres realisiert werden.
[0015] Beispiele für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens bei denen beide Einzeltrommelsysteme
programmsteuerungsmäßig miteinander verbunden sind, werden prinzipmäßig in den Figuren
2 und 3 dargestellt.
[0016] Das Betreiben bzw. der Programmablauf einer Waschmaschine die konstruktiv nach dem
Zwei-Trommel-Prinzip aufgebaut ist, kann etwa wie folgt ablaufen:
[0017] Die Trommel des Primärsystems wird mit einem Posten von ca. 2 kg Feinwäsche (z. B.
Gardinen oder ähnliches Waschgut) beschickt und mittels der Programmwahleinrichtung
das Programm "Feinwäsche" mit einer Waschtemperatur von 40 Grad C eingegeben.
Die Trommel des Sekundärsystems wird mit ca. 3,5 kg Buntwasche beschickt. Auf Grund
des relativ starken Verschmutzungsgrades wird hier das Programm "Buntwäsche mit Vorwaschgang"
und eine Temperatur von 40 Grad C gewählt. Nach ordnungsgemäßer Herstellung bzw. Prüfung
der Anschlüsse an das Frischwasser- und Abwassersystem sowie an das elektrische Netz,
Zugabe der Waschmittel und Wäschepflegemittel in die maschinenseitig vorgesehenen
Behältnisse und Verschließen der Trommel- bzw. Gehäusedeckel erfolgt der Start des
Programmablaufes.
Steuerungsmäßig kann vorgesehen sein, daß ein Startimpuls ausreichend ist, um zunächst
das Primärsystem zu starten und daß automatisch, nach Ablauf einer vorgegebenen Zeiteinheit
oder Erreichen bestimmter Parameter, wie Flottenniveau im Sekundärsystem oder Beendigung
des Wasch- und Abpumpvorganges im Primärsystem, der Programmablauf im Sekundärsystem
gestartet wird.
Das Steuerungssystem kann aber auch so ausgelegt sein, daß der Programmablauf im Sekundärsystem
separat gestartet werden kann.
Das Ausführungsbeispiel ist so aufgebaut, daß nach der Beendigung des Wasch- und Heizvorganges
die im Primärsystem vorhandene Flotte, unter Einschaltung eines Schleuderschrittes
(dieser kann unter Umständen auch ausgeblendet sein), in das Sekundärsystem abgepumpt
wird.
[0018] Während im Primärsystem der erste Spülgang mit zugefloßenem Frischwasser abläuft,
wird im Sekundärsystem der Programmschritt "Vorwäsche" mit der bereits benutzten Waschflotte
aus dem Primärsystem realisiert.
Nach Ablauf des Vorwaschganges wird die nunmehr in ihrer Waschkraft erschöpfte Waschflotte
in die Kanalisation abgepumpt.
Nach Absolvierung des programmgemäß vorgegebenen Regimes des Spülganges 1 im Primärsystem,
bei dem das Waschgut ggf. noch eine gewisse Wärmemenge aus dem Waschgang in die Spülflotte
eingetragen hat, wird diese erste Spülflotte, welche auch noch einen relativ hohen
Anteil an waschaktiven Substanzen enthält, unter Einschaltung eines Schleuderschrittes
(dieser kann unter Umständen auch ausgeblendet sein), in das Sekundärsystem abgepumpt.
Unter Zufluß von Frischwasser läuft nun im Primärsystem der 2. Spülgang ab. Gleichzeitig
wird im Senkundärsystem - ggf. unter einem Nachheizen bis zum Erreichen der gewählten
Temperatur - der Hauptwaschgang mit der Spülflotte des 1. Spülganges aus dem Primärsystem
absolviert, ggf. unter Zufluß einer gewissen Menge Frischwasser als Ausgleich bis
zum vorgegebenen Flottenniveau. Anschließend wird die verbrauchte Waschflotte unter
Einschaltung eines Schleuderschrittes in die Kanalisation gepumpt.
Die Spülflotte des primärseitigen 2. Spülganges wird - ebenfalls unter Einschalten
eines ausblendbaren Schleuderschrittes - in das Sekundärsystem gepumpt und dort als
Spülflotte für die Durchführung des 1. Spülganges, ggf. unter Nachfüllen einer gewissen
Teilmenge von Frischwasser bis auf das vorgegebene Flottenniveau, genutzt.
In gleicher Weise erfolgt der 3. Spülgang im Primärsystem bzw. der 2. Spülgang in
Sekundärsystem, d.h. es wird der 3. Spülgang im Primärsystem mit Frischwasser und
etwas zeitlich versetzt der 2. Spülgang im Sekundärsystem mit der Spülflotte des 3.
Spülganges aus dem Primärsystem durchgeführt.
Nach Abschluß des primärseitigen 3. Spülganges erfolgt dort das programmgemäß vorgegebene
Endschleudern.
[0019] Der 3. Spülgang im Sekundärsystem erfolgt unter Frischwasserzufuhr und schließt auch
hier mit dem programmgemäß vorgegebenen Endschleudern ab.
[0020] In dem anhand des Schemas gemäß Fig. 3 dargestellten Ausführungsbeispiel soll im
Primärsystem Buntwäsche mit einer Temperatur von 90 Grad C und im Sekundärsystem Buntwäsche
mit einer Temperatur von 60 Grad C gewaschen werden. Hier muß nach dem programmgemäßen
Ablauf des Hauptwaschganges im Primärsystem eine Flottentemperaturabsenkung von der
erreichten Temperatur von nahe 90 Grad C auf die für das Sekundärsystem eingestellte
Temperatur von 60 Grad C vorgenommen werden. Dies erfolgt unter Zufuhr von Frischwasser.
Damit entfällt natürlich dar Aufheizen der Waschflotte im Sekundärsystem.
[0021] Die Spülgänge werden in analoger Weise wie zuvor beschrieben durchgeführt, d.h. die
Spülgänge im Primärsystem werden jeweils mit Frischwasser durchgeführt und die Spülgänge
1 und 2 im Sekundärsystem jeweils mit den Spülflotten aus den Spülgängen 1 bzw. 2
dem Primärsystems.
Der 3. Spülgang im Sekundärsystem wird mit Frischwasser durchgeführt.
Das Drehzahlregime während der Spülgänge, d.h. Einschaltung von Schleuderschritten
in den Um-bzw. Abpumpphasen, ist analog dem zuvor beschriebenen Ausführungsbeispiel
ausgelegt.
[0022] Bei Durchführung der Wasch- und Spülgänge in der bisher schon bekannten Optimierung
können somit folgende Effekte, der Rangfolge nach gestaffelt, erzielt werden:
- Einsparung von Zeit je kg Waschgut
- verbesserte Bedienung - Waschkomfort
- Einsparung von Energie, Frischwasser sowie Waschmittel und Wäsche-Pflegemittel je
kg Waschgut
- trocknergerechte Portionierung des Waschgutes.
1. Verfahren zum Behandeln von Textilgut in Waschmaschinen, mittels zweier Trommeln mit
oder ohne Laugenbehälter,
dadurch gekennzeichnet, daß
während des gleichzeitigen Waschens und/oder Spülens und/oder Abpumpens von zwei waschtechnisch
gleich oder unterschiedlich zu behandelnden Textilgutfüllmengen je ein programmiertes
Verfahren (nachfolgend Primär- oder Sekundärverfahren genannt) nebeneinander abläuft,
wobei sich beide Verfahren in ihrem zeitlichen, mechanischen, thermischen und niveauseitigen
Ablauf unterscheiden können.
2. Verfahren zum Behandeln von Textilgut nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Wasch- und/oder Spül- und/oder Schleuderprozess richtungsgebunden vom Primärverfahren
zum Sekundärverfahren hin abläuft.
3. Verfahren zum Behandeln von Textil gut nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Zugabe von Wasch-, Spül- und/oder sonstigen Wäsche-Nachbehandlungsmittel sowie
eine ggf. erforderlich werdende Nachdosierung für das Primär- und/oder Sekundärverfahren
über nur eine Einspülvorrichtung, aber aus getrennten Vorratsbehältern erfolgt.
4. Verfahren zum Behandeln von Textilgut nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Flottenerwärmung sowohl für das Primär- als auch für das Sekundärverfahren direkt
im Laugenbehälter oder in der Trommel oder innerhalb des Umflutungssystems erfolgen
kann.
5. Verfahren zum Behandeln von Textilgut nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Abführung der verbrauchten Flotten über das Sekundärverfahren erfolgt, während
die letzte Sekundärspülflotte auch dem gesamten Zwei-Verfahrensprozeß zugeführt werden
kann und danach als Abwasser abgeführt wird.
6. Verfahren zum Behandeln von Textilgut nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß
sowohl eine zeitlich gleiche als auch - unterschiedliche Beschickung, Wäscheentnahme
und Verfahrenseinleitung während des Verfahrensablaufes in der jeweils anderen Kammer
möglich ist.
7. Verfahren zum Behandeln von Textilgut nach einem der Ansprüche 1 bis 6 ,
dadurch gekennzeichnet, daß
die erforderlichen Flottenniveaus nachträglich aufgefüllt werden können.
8. Verfahren zum Behandeln von Textilgut nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Wasch- und/oder Spül- und/oder Schleuderprozess nur mit einer einzigen Füllmenge,
nur mit einem programmierten sowohl primären, als auch sekundären Verfahren erfolgen
kann, unabhängig davon, ob Waschgut und/oder Flotte in der Nebentrommel bzw. -behälter
vorhanden ist oder nicht.
9. Verfahren zum Behandeln von Textilgut nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Flotte aus dem Primär-Waschprozeß zur Waschgut - Mengenmessung für den Sekundär-Prozeß
genutzt wird.