[0001] Die Erfindung betrifft einen Summenstromwandler mit einem bewickelten, in sich geschlossenen
Kern aus hochpermeablem weichmagnetischem Material zur Erfassung des Summenstromes
von durch den Kern hindurchtretenden Stromleitungen, bei dem die Wicklung des Kerns
über einen Verstärker an einen Schutzschalter angeschlossen ist.
[0002] Ein derartiger Summenstromwandler ist in WO 93/16479 beschrieben. Der Kern für diesen
bekannten Summenstromwandler kann wahlweise aus gesintertem, ferromagnetischem Material,
aus aufeinandergestapelten Scheiben oder gewickelten Bändern oder Drähten bestehen.
Allen diesen Kernen ist gemeinsam, daß entweder durch kleine Luftspalte im Material
oder durch die Aufteilung in Scheiben oder durch Wickeln Isolierschichten vorgesehen
sind, die durch das einwirkende Wechselfeld induzierte Wirbelströme im Material vermindern.
Dies hat zur Folge, daß derartige Kerne - besonders wegen ihrer kleinen Abmessungen
- eine geringe mechanische Festigkeit aufweisen und daher gegen Schockbeanspruchungen
empfindlich sind und auch für die Bewicklung eine geringe Festigkeit aufweisen.
[0003] Wenn ein Summenstromwandler an den Eingang eines Verstärkers angeschlossen wird,
die Leistung für das Schalten eines Relais also nicht dem Kern selbst entnommen wird,
so benötigt er eine relativ geringe Übertragungsleistung und kann daher mit kleinen
Abmessungen ausgeführt werden. Die Verkleinerung der Abmessungen wird im wesentlichen
begrenzt durch die damit verbundene mechanische Schwächung des Summenstromwandlerkerns
und durch die unvermeidliche Erhöhung des ohmschen Widerstandes der Wicklung, da diese
dann aus relativ dünnen Drähten bestehen muß. Dieser ohmsche Widerstand der Wicklung
des Summenstromwandlerkerns ist aber unter anderem maßgebend für den Verstärkungsfaktor
des nachgeschalteten Verstärkers. Da der ohmsche Widerstand sich mit der Temperatur
ändert, wird auch der Verstärker einen Temperaturgang aufweisen, so daß die Genauigkeit
der Auslösecharakteristik darunter leidet.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es nun, einen Summenstromwandler anzugeben,
der relativ kleine Abmessungen haben kann und trotzdem einen mechanisch festen Kern
und einen geringen Temperaturgang besitzt.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Kern massiv, das heißt
ohne isolierende Zwischenlagen oder Luftspalte, die den Kernquerschnitt aufteilen,
ausgebildet ist und daß das Material des Kerns aus einer metallischen Legierung mit
einem Gehalt von mindestens 40 % Nickel besteht, das einen positiven Temperaturkoeffizienten
des elektrischen Widerstandes besitzt.
[0006] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen beschrieben.
Fig. 1 zeigt die Schaltung des Summenstromwandlers beim Einsatz für eine elektronische
Schutzeinrichtung;
Fig. 2 enthält ein Ersatzschaltbild zur Erläuterung der Wirkungsweise;
in den Fig. 3 bis 5 sind mögliche weitere Kernformen dargestellt und
in Fig. 6 ist der Temperaturgang eines erfindungsgemäßen Kerns dargestellt.
[0007] Der Summenstromwandler 1 in Fig. 1 besteht aus einem Kern 2 mit einer Wicklung 3.
Durch den Kern sind Stromleitungen 5 und 6 hindurchgeführt, die über einen Schutzschalter
7 eine Wechselspannungsquelle 8 mit einem Verbraucher 9 verbinden. An die Stromleitungen
5 und 6 sind die Versorgungsleitungen eines Verstärkers 10 angeschlossen, dessen Eingangsleitungen
mit der Wicklung 3 des Summenstromwandlers 1 und dessen Ausgangsleitungen mit der
Ausschaltwicklung 11 des Schutzschalters 7 verbunden sind.
[0008] Wenn der Summenstrom, der durch die in den Stromleitungen 5 und 6 fließenden Ströme
beispielsweise infolge eines Erdschlusses nicht Null ist, so wird in dem Kern 2 des
Summenstromwandlers 1 ein Wechselfluß erzeugt, der eine Spannung in der Wicklung 3
induziert, die ihrerseits über den Verstärker 10 die Auslösung des Schutzschalters
7 bewirkt.
[0009] Bei Verwendung eines Massivkerns aus einer metallischen Legierung mit hohem Nickelgehalt
ergibt sich ein Ersatzschaltbild für die Schaltung, wie es in Fig. 2 dargestellt ist.
Hochnickelhaltige metallische Nickel-Eisen-Legierungen besitzen eine magnetische Permeabilität,
deren Werte um Größenordnungen höher sind, als sie für den Einsatz als Kern eines
Summenstromwandlers benötigt werden. Der Kern 2 besitzt damit eine sehr hohe Induktivität.
Da er jedoch massiv ausgeführt ist, bewirkt ein Fluß in dem Kern 2, daß sich Wirbelströme
ausbreiten können, da sie durch Luftspalte oder andere isolierende Schichten, die
den Kernquerschnitt aufteilen, nicht gehindert werden. Diese Wirbelströme erzeugen
ein Gegenfeld zu dem durch den Summenstrom bedingten Wechselfeld in dem Kern 2; sie
werden nur begrenzt durch den elektrischen Widerstand des Materials, aus dem der Kern
2 besteht. Im Ersatzschaltbild ist der Kern 2 daher durch einen ohmschen Widerstand
R2 und eine Induktivität L2 dargestellt. Die Wicklung 3 ist im Ersatzschaltbild nach
Fig. 2 aufgeteilt in eine Induktivität N3 und einen Widerstand R3, der den Kupferwiderstand
der Wicklung kennzeichnet.
[0010] Es wird angenommen, daß die Schaltung in Fig. 2 so abgestimmt ist, daß bei dem gewünschten
maximalen Summenstromwert eine Auslösung des Schutzschalters 7 über den Verstärker
10 erfolgt. Wenn sich nun die Umgebungstemperatur erhöht, erhöht sich auch der Kupferwiderstand
R3 der Wicklung 3, so daß die Eingangsspannung am Verstärker 10 sinken würde. Andererseits
erhöht sich aber auch der Widerstand R2, da das Material des Kernes 2 einen positiven
Temperaurkoeffizienten des elektrischen Widerstandes besitzt. Die Erhöhung des Widerstandes
R2 bedingt aber, daß die Wirbelströme in dem Kern 2 abnehmen und das durch den Summenstrom
erzeugte Feld weniger schwächen. Dies bedingt eine höhere Wechselstrompermeabilität
des Kernes 2 und führt zu einer Erhöhung der induzierten Spannung in der Wicklung
3 und damit am Eingang des Verstärkers 10. Hieraus ist ersichtlich, daß durch die
bewußte Inkaufnahme von nennenswerten Wirbelströmen durch Verwendung eines Massivkerns
eine Temperaturkompensation der Schaltung möglich ist; in der Praxis hat sich herausgestellt,
daß die Kompensation optimal ist, wenn - abhängig von dem jeweils verwendeten Material
und der Kernform - die Wandstärke des Kernes 2 im Verhältnis zu dem mittleren Durchmesser
einen Wert im Bereich von 0,01 bis 0,5 aufweist. Die besonders hohe statische Permeabilität
der erfindungsgemäß verwendeten hochnickelhaltigen Legierung gestattet es außerdem,
den Kern in verschiedenen geometrischen Formen und auch geteilt aus zwei oder mehr
Kernteilen zusammenzusetzen.
[0011] Fig. 3 zeigt einen geteilten Kern in Kreisform, Fig. 4 einen solchen in Rechteckform
und Fig. 5 einen Kern aus zwei U-Hälften, die überlappt zusammenzusetzen sind. Diese
Kerne besitzen den Vorteil, daß die Wicklung in bekannter Weise leichter aufzubringen
ist und daß sie fertig gewickelt über die Kernteile geschoben werden kann. Der Überlappungsbereich
in Fig. 5 bewirkt zwar, daß auf einem Teil des Kerns ein wenn auch kleiner Luftspalt
vorhanden ist. Eine wesentliche Verminderung der Wirbelströme tritt dadurch nicht
ein eintreten, so daß nach wie vor die Höhe der Wirbelströme nahezu vollständig von
der Leitfähigkeit des Kernmaterials bestimmt wird und der temperaturkompensierende
Effekt erhalten bleibt.
[0012] In Fig. 6 ist für ein Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Kerns mit 1000
Windungen für die Wicklung 3 und einem Wicklungswiderstand von 50 Ohm sowie einem
Kernquerschnitt von 0,03 cm² und einer Eisenlänge von 4,15 cm, die Ausgangsspannung
des Verstärkers 10, also die Spannung an der Wicklung 11 des Schutzschalters 7 abhängig
von der Wechselstrompermeabilität dargestellt, die sich durch unterschiedliches Kernmaterial,
unterschiedliche Glühbehandlungen ergeben kann. Die ausgezogene Kurve ist damit die
Ausgangsspannung bei Raumtemperatur, die gestrichelten Kurven ergeben sich, wenn man
eine Temperatur von +70° bzw. -20°C zugrundelegt. Man sieht hier einerseits, daß eine
sehr gute Kompensation des Temperaturganges ermöglicht wird, und daß andererseits
bei einer Wechselstrompermeabilität von mehr als 15 000 oder 20 000 keine wesentliche
Änderung der Ausgangsspannung mehr auftritt, so daß bei diesem Anwendungsfall ohne
weiteres die zur Temperaturkompensation verwendete Schwächung der statischen Permeabilität
des Kernmaterials durch die im Massivkern auftretenden Wirbelströme in Kauf genommen
werden kann.
[0013] Dies gilt umso mehr, als tatsächlich Verluste durch Wirbelströme nur auftreten, wenn
ein Fehlerfall, d. h. ein Summenstrom verschieden von Null, vorliegt, so daß also
nur kurzzeitig vom Auftreten des Fehlers bis zum Abschalten des Schutzschalters 7
ein Fluß im Kern 2 vorhanden ist. Eine Aufheizung des Kerns 2 im Normalbetrieb des
Summenstromwandlers findet also nicht statt. Durch die Verwendung des erfindungsgemäßen
Summenstromwandlers wird erreicht, daß man einerseits einen mechanisch sehr festen,
praktisch direkt bewickelbaren Kern besitzt und außerdem den Temperaturgang bedingt
durch den ohmschen Widerstand der Wicklung des Summenstromwandlerkerns ausgleichen
kann.
1. Summenstromwandler (1) mit einem bewickelten, in sich geschlossenen Kern (2) aus hochpermeablem
weichmagnetischem Material zur Erfassung des Summenstromes von durch den Kern (2)
hindurchtretenden Stromleitungen (5, 6), bei dem die Wicklung des Kerns (2) über einen
Verstärker (10) an einen Schutzschalter (7) angeschlossen ist, dadurch gekennzeichnet, daß der Kern (2) massiv, das heißt ohne isolierende Zwischenlagen oder Luftspalte,
die den Kernquerschnitt aufteilen, ausgebildet ist und daß das Material des Kerns
(2) aus einer metallischen Legierung mit einem Gehalt von mindestens 40 % Nickel besteht,
das einen positiven Temperaturkoeffizienten des elektrischen Widerstandes besitzt.
2. Summenstromwandler nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Wandstärke im Verhältnis zum mittleren geometrischen Durchmesser des Kerns
(2) so gewählt ist, daß sie nicht kleiner als das 0,01-fache und nicht größer als
das 0,5-fache des mittleren geometrischen Durchmessers beträgt.
3. Summenstromwandler nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Kern (2) aus mehreren Teilen zusammengesetzt ist.
4. Summenstromwandler nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Kern (2) kreisförmig ausgebildet und durch Abtrennen von einem Rohr hergestellt
ist.
5. Summenstromwandler nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Kern (2) durch Fließpressen hergestellt ist.