[0001] Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Prüfung der Echtheit von Münzen oder
anderen flachen Gegenstanden der im Oberbegriff des Anspruchs 1 genannten Art.
[0002] Solche Münzprüfer eignen sich beispielsweise für die Identifizierung von Münzen bei
Telefonapparaten, Verkaufsautomaten, Zahlern zur Messung von Energie etc.
[0003] Ein Münzprüfer der im Oberbegriff des Anspruchs 1 genannten Art ist aus der FR 1'605'182
bekannt. Entlang eines Münzkanals sind zwei Lichtschranken vorgesehen, wobei die Zeitspanne,
welche eine Münze benötigt, um von der ersten Lichtschranke zur zweiten Lichtschranke
zu gelangen, und die Zeitspanne, während der die Münze die zweite Lichtschranke abdeckt,
mit vorgegebenen Referenzwerten verglichen werden. Eine solche Messung stellt implizit
eine Ermittlung einer Sehnenlänge der Münze dar. Zur Vermeidung unterschiedlicher
Anfangsgeschwindigkeiten ist eine von einem Relais betätigbare Klinke nötig, welche
die eingeworfene Münze stoppt und anschliessend den Münzkanal für die Münze freigibt.
[0004] Aus der DE 2'015'058 C2 ist ein Münzprüfer bekannt, bei der eine Klinke zur Freigabe
des Münzkanals, ein die Münze je nach ihren spezifischen Eigenschaften abbremsender
Magnet sowie zwei Lichtschranken zur Bestimmung der Geschwindigkeit der Münze nach
dem Passieren des Magneten vorhanden sind. Eine Berücksichtigung der Beschleunigung
der Münze auf dem Weg von der ersten zur zweiten Lichtschranke ist nicht vorgesehen.
Zur weiteren Erhöhung der Zuverlässigkeit der Münzendetektion sind zwei weitere Lichtschranken
vor dem Bremsmagneten vorgesehen, mit welchen die Geschwindigkeit der Münze vor dem
Eintritt ins Magnetfeld des Magneten bestimmbar ist.
[0005] Aus der EP 119'936 A1 ist ein Münzprüfer bekannt zur Bestimmung des Durchmessers
einer Münze mittels zweier Lichtschranken. Die Münze rollt entlang eines Münzkanals
und unterliegt dabei einer konstanten Beschleunigung. Aus den Zeitspannen, während
derer die Münze die beiden Lichtschranken bedeckt, wird eine mittlere Geschwindigkeit
berechnet und zur Korrektur des Einflusses der Beschleunigung auf die Bestimmung des
Durchmessers verwendet.
[0006] Aus der EP 483 451 A1 ist es bekannt, das arithmetische Mittel der Zeiten, während
denen eine entlang eines Münzkanals rollende Münze zwei Lichtschranken bedeckt, zur
Bestimmung der Sehnenlänge der Münze heranzuziehen.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, einen Münzprüfer vorzuschlagen, bei dem
die Sehnenlänge einer zu prüfenden Münze unabhängig von Anfangsbedingungen auf einfache
und genaue Weise bestimmbar ist.
[0008] Die genannte Aufgabe wird erfindungsgemäss gelöst durch die Merkmale des Anspruchs
1.
[0009] Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der einzigen Figur
der Zeichnung näher erläutert. Die Figur zeigt eine Einrichtung zur Prüfung der Echtheit
von Münzen oder Jetons oder anderen flachen Gegenständen. Die Einrichtung weist in
an sich bekannter Weise einen Münzkanal K, zwei Lichtschranken L1 und L2 sowie elektronische
Mittel E zur Erfassung und Auswertung der von den Lichtschranken L1 und L2 abgegebenen
elektrischen Signale auf. Im Bereich vom Münzeinlass bis zur ersten Lichtschranke
L1 ist der Münzkanal K so ausgebildet und mit energieabsorbierenden Elementen versehen,
dass ein Hüpfen oder Springen der Münze M zwischen den beiden Lichtschranken L1 und
L2 im Normalfall ausgeschlossen ist. Im Bereich zwischen den beiden Lichtschranken
L1 und L2 ist der Münzkanal K als schiefe Ebene SE ausgebildet, die gegenüber der
Horizontalen H um den Winkel Θ geneigt ist. Auf der schiefen Ebene SE zwischen den
beiden Lichtschranken L1 und L2 bewegt sich die Münze M nun bei konstanter Beschleunigung
hinab, die sich als Folge der Gravitationskraft und von Reibungskräften einstellt.
Die Bewegung kann ein Rollen ohne Gleiten, ein Gleiten ohne Rollen oder eine Kombination
von Rollen und Gleiten sein. Die Lichtschranken L1 und L2 sind oberhalb der schiefen
Ebene SE auf einer vorbestimmten, gleichen Höhe h und in einem gegenseitig vorbestimmten
Abstand L angeordnet. Die von der Münze M auf der Ebene SE zur Zeit t zurückgelegte
Wegstrecke ist mit der Koordinate x(t) bezeichnet. Die Nullpunkte x₀ und t₀ der Koordinatenachse
x und der Zeit t sind so gewählt, dass x₀ = 0 bzw. t₀ = 0 ist, wenn die Münze M beginnt,
die erste Lichtschranke L1 abzudecken.
[0010] Die Münze M weist eine Masse m, einen Radius R und ein Trägheitsmoment I auf. Das
Trägheitsmoment I ist bezogen auf die durch den Schwerpunkt der Münze M führende Drehachse.
Für eine homogene Münze gilt bekanntlich

. Die Länge der parallel zur schiefen Ebene SE verlaufenden Sehne der Münze M auf
der Höhe h ist mit B bezeichnet. Der Schwerpunkt der Münze M bewegt sieh mit der Geschwindigkeit
v(t). Die Drehung der Münze M um ihren Schwerpunkt erfolgt mit der Winkelgeschwindigkeit
ω(t). Die Energie E der Münze M setzt sich zusammen aus potentieller Energie E
pot, kinetischer Energie E
kin des Schwerpunktes und Rotationsenergie E
rot bezüglich ihres Schwerpunktes:

wobei g die Erdbeschleunigung bezeichnet.
[0011] Zum Zeitpunkt t₀ = 0 hat die Geschwindigkeit v der Münze M den Wert v₀, ihre Winkelgeschwindigkeit
ω den Wert ω₀, so dass gilt

Aus dem Gesetz der Energieerhaltung ergibt sich die Gleichung

Für den Fall, dass die Münze rollt ohne zu gleiten, gilt

. Durch Differentiation der Gleichung (3) nach der Zeit t erhält man somit eine konstante
Beschleunigung a₁

Durch Integration ergibt sich

Beim Rollen entlang des Münzkanals deckt die Münze M nacheinander die beiden Lichtschranken
L1 und L2 ab. Es bezeichnen die Zeitpunkte t₁ das Ende des Abdeckens der ersten Lichtschranke
L1, t₂ den Beginn des Abdeckens der zweiten Lichtschranke L2 und t₃ das Ende des Abdeckens
der zweiten Lichtschranke L2, so dass sich folgende Gleichungen (6), (7), (8) ergeben

Durch Auflösung dieses Gleichungssystems (6), (7), (8) erhält man

Die Formel (9) zur Bestimmung der Sehnenlänge B der Münze M enthält keinerlei Terme,
die von ihrer Anfangsgeschwindigkeit v₀, ihrer anfänglichen Winkelgeschwindigkeit
ω₀ oder von irgendwelchen physikalischen Konstanten abhängen. Die Sehnenlänge B ergibt
sich allein aus dem vorbestimmten Abstand L der beiden Lichtschranken L1 und L2 und
den zu messenden Zeitpunkten t₁, t₂ und t₃, wobei die Zeitachse so zu wählen ist,
dass t₀ = 0 gilt. Die Zeitpunkte t₁, t₂ und t₃ entsprechen somit eigentlich Zeitdifferenzen.
Der Radius R der Münze M ist aus der Sehnenlänge B und der Höhe h berechenbar zu

Mit der Formel (10) lässt sich die Beschleunigung der Münze M ebenfalls aus den Zeitpunkten
t₁, t₂ und t₃ berechnen. Unter der Voraussetzung, dass die Münze M rollt ohne zu gleiten,
ist mittels der Formeln (4), (10) und (11) das Verhältnis von Trägheitsmoment I zu
Masse m der Münze M bestimmbar:

Für den Fall, dass die Münze M gleitet ohne zu rollen, verschwindet ihre Rotationsenergie
und es ergibt sich ebenfalls eine konstante Beschleunigung a₂

mit der Lösung

Wie leicht zu sehen ist, ist die Bestimmung der Sehnenlänge B nach wie vor mittels
der Formel (9) aus den Zeitpunkten t₁, t₂ und t₃ bestimmbar. Die Formel (9) zur Bestimmung
der Sehnenlänge B ist weiter auch gültig für den Fall, dass die Münze M rollt und
gleitet, unter der Voraussetzung, dass die Beschleunigung a ihres Schwerpunktes vom
Zeitpunkt t₀ bis zum Zeitpunkt t₃ annähernd konstant ist, das ist auf der Strecke
zwischen den beiden Lichtschranken L1 und L2.
[0012] Die Messung der Zeitpunkte t₀, t₁, t₂ und t₃ kann mit an sich bekannten Methoden
mit hoher Genauigkeit erfolgen. Bei einer ersten Ausführung der Einrichtung zur Prüfung
von Münzen sind die von den Lichtschranken L1 und L2 abgegebenen Signale aufgetrennten
Leitungen auf zwei Eingänge eines Mikroprozessors zugeführt, so dass der Abstand L
der beiden Lichtschranken L1 und L2 beliebig festlegbar ist. Bei einer vorteilhaften
Ausführung ist der Abstand L grösser als die Sehne B der grössten zu messenden Münze
gewählt. Dann sind die beiden Lichtschranken L1 und L2 nie gleichzeitig abgedeckt,
so dass die Ausgangssignale beider Lichtschranken L1 und L2 einem gemeinsamen Eingang
des Mikroprozessors zuführbar sind. Bei der Passage einer Münze M an den Lichtschranken
L1 und L2 vorbei treffen beim Mikroprozessor bei beiden Ausführungen nacheinander
zwei Impulse ein. Die Anstiegsflanke des ersten Impulses startet beim Mikroprozessor
eine Zeitmessung, setzt also t₀ = 0. Die anderen drei Flanken der beiden Impulse bestimmen
dann die drei Zeitpunkte t₁, t₂ und t₃. Mittels der Formel (9) berechnet der Mikroprozessor
anschliessend die Sehnenlänge B der Münze M, welche als wenigstens ein Entscheidungskriterium
über die Annahme oder Zurückweisung der Münze M dient.
[0013] Die angegebenen Formeln können natürlich umgeformt werden oder allenfalls sogar durch
eine Näherungsformel ersetzt werden, so dass bei der Durchführung der Berechnung mittels
eines Mikroprozessors Rundungsfehler möglichst vermeidbar sind.
[0014] Der Vorteil der beschriebenen Einrichtung ist darin zu sehen, dass weder die Anfangsgeschwindigkeit
v₀ noch die anfängliche Winkelgeschwindigkeit


₀ noch die effektive Beschleunigung a der Münze M auf ihrem Weg von der ersten zur
zweiten Lichtschranke in die Bestimmung der Sehnenlänge B eingehen. Eine mittels beispielsweise
eines Magneten betätigbare Stoppvorrichtung im Münzkanal vor der ersten Lichtschranke
L1 ist nicht erforderlich. Die Sehnenlänge B einer Münze M ist mit der Formel (9)
mit einer Genauigkeit bestimmbar, die im Promillebereich liegt. Der vorgeschlagene
Münzprüfer eignet sich deshalb vorzüglich zur Verwendung in einem Gerät, das Münzen
unterschiedlicher Grösse und verschiedener Währungen annehmen soll.
[0015] Das Trägheitsmoment I der Münze M hängt ab von Art und Anzahl der Legierungen, aus
denen die Münze M gebildet ist. Falls die Münze M aus mehreren Legierungen besteht,
hängt das Trägheitsmoment I auch von der geometrischen Anordnung der verschiedenen
Legierungen innerhalb der Münze M ab. Das Verhältnis von Trägheitsmoment und Masse
I/m ist deshalb eine weitere, die Münze M charakterisierende Grösse. Falls die Münze
M im Münzkanal rollt ohne zu gleiten, ist das Verhältnis I/m als Entscheidungskriterium
über die Annahme oder Zurückweisung der Münze M verwendbar, wodurch sich der Einbau
eines induktiven Sensors zur Bestimmung der Legierungszusammensetzung in den Münzprüfer
erübrigt.
[0016] Die Einrichtung kann auch weitere Sensoren aufweisen zur Messung anderer Eigenschaften
wie z.B. der Dicke der zu prüfenden Münzen, welche dann ebenfalls als Entscheidungskriterium
über die Annahme oder Zurückweisung der Münze M dienen.
1. Einrichtung zur Prüfung der Echtheit von Münzen (M), Jetons oder anderen flachen Gegenständen,
mit einem Münzkanal (K) und mit elektronischen Mitteln (E), bei der die zu prüfende
Münze (M) auf einer gegenüber der Horizontalen (H) um einen Winkel Θ geneigten Bahn
zwei Lichtschranken (L1, L2) passiert, welche bezüglich der Bahn auf der gleichen
Höhe h angeordnet sind und einen gegenseitigen Abstand L aufweisen, dadurch gekennzeichnet,
dass die elektronischen Mittel (E) beim Passieren der Münze (M) den Zeitpunkt t₀ des
Beginns des Abdeckens der ersten Lichtschranke (L1), den Zeitpunkt t₁ des Endes des
Abdeckens der ersten Lichtschranke (L1), den Zeitpunkt t₂ des Beginns des Abdeckens
der zweiten Lichtschranke (L2) und den Zeitpunkt t₃ des Endes des Abdeckens der zweiten
Lichtschranke (L2) erfassen und die Sehnenlänge B der Münze (M) aus diesen vier Zeitpunkten
t₀, t₁, t₂, t₃ berechnen unter der Voraussetzung, dass die Münze (M) vom Zeitpunkt
t₀ des Beginns des Abdeckens der ersten Lichtschranke (L1) bis zum Zeitpunkt t₃ des
Endes des Abdeckens der zweiten Lichtschranke (L2) einer annähernd konstanten Beschleunigung
a unterliegt, und dass die Sehnenlänge B als Entscheidungskriterium für die Annahme
oder Zurückweisung der Münze (M) dient.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Sehnenlänge B berechnet
wird mit der Formel

wobei der Nullpunkt der Zeitmessung als t₀ = 0 festgelegt ist.
3. Einrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschleunigung
a bestimmt wird und als Entscheidungskriterium für die Annahme oder Zurückweisung
der Münze (M) dient.
4. Einrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Beschleunigung a der
Münze (M) bestimmt wird zu
5. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis
von Trägheitsmoment I und Masse m der Münze (M) bestimmt wird und als Entscheidungskriterium
für die Annahme oder Zurückweisung der Münze (M) dient.
6. Einrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis von Trägheitsmoment
I und Masse m der Münze (M) bestimmt wird mittels der Beziehung

wobei

ist, g die Erdbeschleunigung bezeichnet und die Beschleunigung a nach Anspruch 4
zu berechnen ist.
7. Einrichtung zur Prüfung von Münzen (M) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
dass sie Münzen (M) verschiedener Währungen akzeptiert.