(19)
(11) EP 0 621 914 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
26.06.1996  Patentblatt  1996/26

(21) Anmeldenummer: 93902153.1

(22) Anmeldetag:  08.01.1993
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6D06B 23/20, D06P 1/22
(86) Internationale Anmeldenummer:
PCT/EP9300/021
(87) Internationale Veröffentlichungsnummer:
WO 9314/257 (22.07.1993 Gazette  1993/18)

(54)

VERFAHREN ZUM KONTINUIERLICHEN FÄRBEN VON GARNEN

PROCESS FOR THE CONTINUOUS DYEING OF YARN

PROCEDE DE TEINTURE EN CONTINU DE FILS


(84) Benannte Vertragsstaaten:
BE CH DE ES FR GB IE IT LI

(30) Priorität: 17.01.1992 DE 4201052

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
02.11.1994  Patentblatt  1994/44

(73) Patentinhaber:
  • BASF Aktiengesellschaft
    D-67063 Ludwigshafen (DE)
  • RICHTER, Gisela (Erbin de verstorbenen Erfinders)
    D-67117 Limburgerhof (DE)
  • RICHTER, Wolfgang (Erbe des verstorbenen Erfinders)
    D-72070 Tuebingen (DE)
  • RICHTER, Georg (Erbe des verstorbenen Erfinders)
    D-35037 Marburg (DE)

(72) Erfinder:
  • KUEHNEL, Gert
    D-6700 Ludwigshafen (DE)
  • SCHNITZER, Georg
    D-6719 Weisenheim (DE)
  • RICHTER, Peter
    verstorben (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
EP-A- 0 364 752
WO-A-88/03970
   
  • M. PETER & H.K. ROUETTE 'Grundlagen der Textilveredlung' 1. Februar 1991 , DEUTSCHER FACHVERLAG
   
Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


Beschreibung


[0001] Es ist bekannt, daß bei Kontinuefärbungen von Kettgarnen der Farbstoff als konzentrierte Stammküpe zudosiert wird. Üblicherweise werden 4-8 Tauchabteile mit Abquetschvorrichtung zur Applizierung des verküpten Farbstoffes eingesetzt. Zwischen den Tauchschritten wird abgequetscht und der Farbstoff im Luftgang oxidiert.

[0002] Um eine Verarmung der Tauchküpen an Farbstoff zu vermeiden, werden bei üblichen Abquetscheffekten von 60-90 % Flottenaufnahme, Stammküpen von größer 30 g/l Farbstoff zur Dosierung verwendet. Bei Farbstoffen mit geringer Löslichkeit der Leukoform, wie C.I.Vat Blue 5, wird teilweise mit Stammküpenkonzentrationen über dem Löslichkeitsprodukt der Leukoform, d.h. Dispersionen der Leukoform, gearbeitet. In der Praxis führen solche Flotten leicht zu Schwierigkeiten, insbesondere ist die Farbkonstanz nicht gewährleistet.

[0003] Aus der WO 88/03970 ist ein Verfahren zum Egalfärben von Cellulosefasermaterial nach der Ausziehtechnik bekannt, bei dem die Küpenfarbstoffe in Form von Leukoküpenfarbstoffestern dem Färbebad in dem Maße zugeführt werden, wie sie verbraucht werden.

[0004] Es bestand die Aufgabe, das Problem der übersättigten oder auch zu gering konzentrierten Stammküpen bei der Kontinuefärberei zu vermeiden.

[0005] Überraschenderweise wurde nun gefunden, daß beim kontinuierlichen Färben von Garnen mit Küpenfarbstoffen anstelle einer Stammküpe auch eine Farbstoffdispersion verwendet werden kann.

[0006] Für das erfindungsgemäße Verfahren eignen sich z.B. wäßrige Dispersionen von Küpenfarbstoffen, die Farbstoffe mit einer Verküpungshalbwertzeit von ≤ 20, vorzugsweise ≤ 5 Minuten, enthalten. Zur Erhöhung der Verküpungsgeschwindigkeit kann man die Farbstoffe z.B. in sehr kleinteiliger Form verwenden. Üblicherweise sind die von den renommierten Küpenfarbstoffherstellern gelieferten Farbstoffe oder Zubereitungen bereits geeignet. Bei nicht bereits optimierten Farbstoffen können diese durch bekannte Methoden, z.B. Ultraschalldispergierung in eine geeignete Form überführt werden.

[0007] Die Verküpungsgeschwindigkeit wird im wesentlichen durch die chemische Struktur, die Kristallinität und Kristallstruktur sowie durch die Partikelgröße bestimmt. Bei gegebener chemischer Struktur werden hohe Verküpungsgeschwindigkeiten z.B. durch amorphe, feinteilige Farbstoffe erhalten.

[0008] Erwünscht ist eine hohe Verküpungsgeschwindigkeit, weil dadurch die Konzentration an nicht verküptem Farbstoff in der Tauchflotte gering gehalten wird.

[0009] Eine andere Möglichkeit zur Begrenzung der Konzentration-an nicht verküptem Farbstoff im Tauchbad ergibt sich durch die Dosierung der Farbstoffe über einen Bypass-Mischtank.

[0010] Erfindungsgemäß können Küpenfarbstoffe sowohl einzeln als auch in Kombination verwendet werden. Bei Kombinationen kann insbesondere bei Farbstoffen unterschiedlicher Substantivität das Farbstoffangebot durch getrennte Dosiereinrichtungen gesteuert werden.

[0011] Als zu färbende Substrate eignen sich Cellulosegarne oder cellulosehaltige Mischgarne, die anschließend vornehmlich zu Denim-Artikeln verarbeitet werden.

[0012] Die Zahl der Tauchgänge variiert in der Regel zwischen 1 und 8. In Abhängigkeitvon Farbstoff und Reduktionsmittel können Farbetemperaturen von 20 bis 95°C angewendet werden.

[0013] Man erhalt beim erfindungsgemäßen Verfahren ausgeprägte Ringfärbungen als Voraussetzung für den "Worn-denim-look".

[0014] Zweckmäßigerweise werden Farbstoffdispersionen und Alkali und Reduktionsmittel enthaltende Lösungen getrennt dosiert.

[0015] Als Reduktionsmittel eignen sich die für die Küpenfärberei bekannten Verbindungen, beispielsweise seien Natriumdithionit, Thioharnstoffdioxid oder organische Reduktionsmittel wie Hydroxyaceton genannt. Ebenfalls geeignet sind Mischungen von Reduktionsmitteln.

[0016] Für das erfindungsgemäße Verfahren geeignete Farbstoffe sind insbesondere die im Colour Index unter Küpenfarbstoffen aufgeführten Verbindungen sowie verküpbare Dispersionsfarbstoffe, gegebenenfalls nach entsprechender Dispergierung. Bevorzugt sind z.B. C.I. Vat Blue 5 (C.I. 73065), C.I. Vat Orange 2 (C.I. 59705), C.I. Vat Blue 4 (C.I. 69800), C.I. Vat Red 32 (C.I. 71135), C.I. Vat Green 1 (C.I. 59825), C.I. Vat Green 9 (C.I. 59850) oder Disperse Yellow 54 (C.I. 47020).

[0017] Einzelheiten des erfindungsgemäßen Verfahrens können den folgenden Beispielen entnommen werden, in denen sich Angaben über Teile und Prozente, sofern nicht anders vermerkt, auf das Gewicht beziehen.

Beispiel 1



[0018] Man bereitet in 4 Trögen einer Indigo-Breitfärbemaschine zum Färben von Baumwollketten mit einem Gesamtvolumen von 3.500 1 (einschließlich Rohrleitungen und Zirkulationstank) eine Färbeküpe mit folgender Zusammensetzung:
0.45 g/l C.I. Vat Blue 5 (C.I. 73065) = 1.775 kg
8 ml/l Natronlauge (32.5 %ig) = 28 l
3.6 g/l Natriumdithionit = 12.6 kg
1 g/l eines Dispergiermittels = 3,5 kg
(Na-Salz eines Kondensationsproduktes aus Naphthalinsulfonsäure und Formaldehyd)
Flottentemperatur 50 °C

[0019] Beim kontinuierlichen Färben werden pro Minute 10 kg vorgenetztes, auf 60 % Flottenaufnahme abgequetschtes Bw-Garn in 4 Tauchgängen von je 8 s und Abquetschen auf 90 % Flottenaufnahme mit anschließendem Luftgang von jeweils 60 s gefärbt.

[0020] Dabei werden etwa 0.5 % des Farbstoffes auf dem Garn fixiert, die kontinuierlich ersetzt werden müssen, um ein Verarmen der Färbebäder zu verhindern, d.h. pro Minute sind 50 g Farbstoff nachzusetzen. Er wird in 1 Liter Wasser als Farbstoffdispersion kontinuierlich zudosiert. Diese Farbstoffdispersion wird ständig langsam gerührt.

[0021] Daneben werden die zum Verküpen des nachgesetzten Farbstoffes und zum Färben nötigen Chemikalien-Mengen separat zudosiert, nämlich:

[0022] 2 Liter pro Minute der Chemikalien-Flotte mit
200 ml/l
Natronlauge (32.5 %ig)
117 g/l
Natriumdithionit
5 g/l
des Dispergiermittels


[0023] Man erhält eine brillante Blaufärbung mit den gewünschten Eigenschaften einer geringen Durchfärbung (Ringfärbung) und eines dadurch leichten wash down.

Beispiel 2



[0024] Beim Färben von Bunt Denim-Ketten mit Küpenfarbstoffen in IndigoBreitfärbemaschinen arbeitet man wie folgt:

[0025] Man bereitet in einem Färbetrog eine Färbeküpe mit beispielsweise
12 g/l
C.I. Vat Orange 2 (C.I. 59705)
40 ml/l
Natronlauge (32.5 %ig)
0,5 g/l
Anthrachinon Plv.
18 g/l
Natriumdithionit
stellt eine Temperatur von 60°C ein und läßt sie 5 Minuten zum Verküpen stehen. Dann färbt man darin vorgenetzte, auf 60 % Flottenaufnahme entwässerte Baumwollkette für 10 Sekunden. Danach wird auf 100 % Flottenaufnahme abgequetscht, an der Luft während 1 Minute oxidiert, gespült und geseift.

[0026] Färbt man wieder wie in Beispiel 1 pro Minute 10 kg vorgenetztes Baumwollgarn, so müssen der fixierte Farbstoff und die zum Verküpen und zum Färben verbrauchten Chemikalien nachdosiert werden:

[0027] 2 Liter pro Minute mit 60 g/l C.I. 59705 und 2 Liter pro Minute der Chemikalien-Lösung mit:
150 ml/l
Natronlauge (32.5 %ig)
67.5 g/l
Natriumdithionit und
2,5 g/l
Anthrachinon Plv.


[0028] Man erhält ein wenig durchgefärbtes Bw-Garn, das die bei Bunt-Denim geforderten Eigenschaften bei der Wäsche (wash down) aufweist.


Ansprüche

1. Verfahren zum kontinuierlichen Färben von Garnen mit verküpbaren Farbstoffen, dadurch gekennzeichnet, daß bei kontinuierlich arbeitenden Garnfärbeanlagen, z.B. Indigo-Färbeanlagen, zur zirkulierenden Färbeflotte eine wäßrige Farbstoffdispersion zudosiert wird.
 
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß Farbstoffe verwendet werden, die eine Verküpungshalbwertszeit von ≤ 20, vorzugsweise ≤ 5 Minuten, aufweisen.
 
3. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Farbstoff in leicht verküpbarer Form zugegeben wird.
 
4. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Reduktionsmittel Natriumdithionit, Thioharnstoffdioxid, organische Reduktionsmittel oder Mischungen solcher Reduktionsmittel verwendet werden.
 


Claims

1. A process for continuously dyeing yarns with vattable dyes, which comprises, in continuous yarn dyeing ranges, eg. indigo dyeing ranges, metering an aqueous dye dispersion into the circulating dyeing liquor.
 
2. A process as claimed in claim 1, wherein the dyes used have a vatting half-life of ≤ 20, preferably ≤ 5, minutes.
 
3. A process as claimed in claim 1, wherein the dye is added in a readily vattable form.
 
4. A process as claimed in claim 1, wherein the reducing agents used are sodium dithionite, thiourea dioxide, organic reducing agents or mixtures thereof.
 


Revendications

1. Procédé de teinture continue de fils à l'aide de colorants pouvant être employés en cuve, caractérisé en ce que dans les installations de teinture des fils travaillant en continu, par exemple des installations de teinture en indigo, ou ajoute une dispersion aqueuse du colorant au bain de teinture en circulation.
 
2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que l'on utilise des colorants qui possèdent une durée de demi-vie en cuve de ≤ 20 minutes, de préférence, ≤ 5 minutes.
 
3. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que le colorant est ajouté sous une forme facilement mise en cuve.
 
4. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que l'on utilise, à titre d'agent réducteur, du dithionite de sodium, du dioxyde de thiourée, des agents réducteurs organiques, ou des mélanges de tels agents réducteurs.