[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von temperaturdefiniertem, kaltem
Gas durch indirekten Wärmetausch mit einem tiefkalten, verflüssigt vorliegenden Medium.
[0002] Es ist beispielsweise bekannt, kaltes Gas aus dem zugehörigen tiefkalten Flüssiggas
durch verdampfen und partielles Anwärmen bereitzustellen (siehe DE-PS 41 34 108, insbes.
Figur). Hierbei ist es schwierig, die Temperatur des erhaltenen Gases in engeren Grenzen
einzustellen, da sich beispielsweise abhängig von der Verbrauchsmenge oder der Umgebungstemperatur
die Verdampfungs- und Erwärmungsbedingungen ändern.
Ebenso bekannt ist es, kaltes Gas durch Vermischen mit tiefkaltem Flüssiggas herzustellen
(DE-OS 32 42 881). Eine bekannte Möglichkeit insbesondere auch zur Erzeugung tiefkalter
Gasströme besteht auch in einer Abkühlung in indirektem Wärmetausch mit einem tiefkalten
Flüssiggas (vgl. DE-PS 38 27 417). Ein Problem dabei besteht darin, daß gerade bei
der Anwendung von besonders preiswert verfügbarem, tiefkaltem Flüssigstickstoff als
Kühlmedium - die Flüssigstickstofftemperatur bei 2 bar Druck beträgt ca. - 190°C -
andere Gase (Ar, O
2, Luft,..) und auch Stickstoff selbst in ungünstigen Betriebssituationen, z.B. bei
höheren Verbrauchsgasdrücken oder zeitweise ruhendem Gasverbrauch, verflüssigt werden
und somit darauf begründete Störungen im Betrieb auftreten können.
[0003] Aufgabenstellung der vorliegenden Erfindung war es daher, ein Verfahren zur Herstellung
von kaltem Gas auf der Basis eines indirekten Wärmetausches mit einem tiefkalten Flüssiggas
anzugeben, das auf möglichst aufwandsarme und einfache Weise eine betriebssichere
und auch temperaturgenaue Bereitstellung von Kaltgas ergibt.
[0004] Diese Aufgabenstellung wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das herzustellende,
kalte Gas durch indirekten Wärmetausch insbesondere mit seiner tiefkalt verflüssigten
Form abgekühlt wird, wobei das Gas vorab auf einen festgelegten Basisdruck p
B eingestellt wird und auf eben diesem Druckniveau in indirekten Wärmetausch mit der
verflüssigten Form gebracht wird, wobei wiederum die flüssige Zustandsform auf einem
zweiten, im Vergleich zum Basisdruck erhöhten Druck p
2 und der zugehörigen Siedetemperatur gehalten wird.
[0005] Durch die erfindungsgemäße Maßgabe für die Drücke von Gas und Flüssiggas der selben
Art wird verhindert, daß in irgendeiner Betriebssituation eine Verflüssigung des gasförmigen
Mediums beim Wärmetausch auftreten kann. Solange der flüssige Zustand des Mediums
auf einem höheren Druckniveau als der gasförmige ist, kann das entsprechende, am Siedepunkt
befindliche Flüssiggas das niedriger gespannte Gas nicht kondensieren. Beispielsweise
befindet sich auf 12 bar eingestellter Flüssigsauerstoff bei 123 K (-150°C) am Siedepunkt,
während auf 10 bar eingestelltes O
2-Gas sich erst bei 120 K (-153°C) verflüssigt.
[0006] Bevorzugt wird erfindungsgemäß die Abkühlung soweit geführt, daß das Gas die Temperatur
der kühlenden Flüssigphase annimmt. Auf diese Weise wird eine sehr genaue Einhaltung
der beabsichtigen Kaltgastemperatur erzielt.
[0007] Generell ergibt sich gemäß der Erfindung der Umstand, daß als Kühlmittel dasjenige
Flüssiggas eingesetzt wird, das auch als Kaltgas zur Anwendung kommt. Daraus ergibt
sich die Möglichkeit, das Kühlmittel nach seinem Einsatz beim Abkühlen des Gases und
letzlich seiner Verdampfung dem abzukühlenden Gas hinzuzufügen und so eine Doppelnutzung
zu erzielen.
[0008] Handelt es sich um ein Gasgemisch aus dem Kaltgas gebildet werden soll, so ist für
den Abkühlprozeß durch indirekten Wärmetausch dasjenige Flüssiggas einzusetzen, das
im Gemisch den höchsten Verflüssigungspunkt besitzt. Im Falle eines Stickstoff-Sauerstoff-Gemisches
also beispielsweise Sauerststoff.
[0009] Ein besonderer Vorteil der Erfindung besteht darin, daß es mit ihr problemlos gelingt,
ein Kaltgas, das hinsichtlich seiner Temperatur unmittelbar benachbart zur Dampfdruckkurve
des jeweiligen Mediums liegt, herzustellen. Hierzu ist das p
2-Druckniveau beispielsweise lediglich 0,5 bar, vorzugsweise jedoch 1 bis 3 bar, über
dem Basisdruckniveau einzustellen. Auch in dieser Betriebssituation ist keinerlei
Gefahr einer Verflüssigung des abzukühlenden Gases vorhanden.
[0010] Eine erfindungsgemäße Vorrichtung ist gekennzeichnet durch
- einen Flüssiggasspeichertank, der über eine Flüssiggasleitung mit einer, aus einem
Behälter mit innenliegendem Wärmetauscher bestehenden, Wärmetauscheinheit verbunden
ist,
- einen Pegelstandsregler für Flüssiggas am Behälter der Wärmetauscheinheit,
- einem am Behälter der Wärmetauscheinheit kopfseitig angeschlossenen Druckregler,
- eine Gaszuleitung, die den innenliegenden Wärmetauscher mit einer Gasquelle verbindet,
und durch einen Druckregler, der sich in dieser Gaszuleitung befindet.
[0011] Im folgenden wird die Erfindung an einem Ausführungsbeispiel und in Verbindung mit
den Figuren näher erläutert. Es zeigt:
- Figur 1
- eine erfindungsgemäße Anlage zur Herstellung von tiefkaltem Sauerstoffgas;
- Figur 2
- einen Ausschnitt aus der Dampfdruckkurve von Sauerstoff.
[0012] Die in Figur 1 gezeigte O
2-Kaltgasversorgungsanlage besitzt einen Flüssigsauerstofftank 1, der über eine bodenseitig
angeschlossene Verbindungsleitung 2 mit einer Wärmetauscheinheit 4, bestehend aus
einem Behälter mit innenliegender Rohrschlange 7, verbunden ist. In der Verbindungsleitung
2 ist ein Ventil 3 zur Schaltung des Flüssigsauerstoffzuflusses vom Speichertank 1
zur Wärmetauscheinheit 4 angeordnet. Das Ventil 3 steht in Verbindung mit einem am
Behälter der Wärmetauscheinheit 4 befindlichen Pegelstandsmesser 5 und beide Elemente,
also Ventil 3 und Pegelstandsmesser 5, halten den Pegel des Flüssigsauerstoffs in
der Wärmetauscheinheit 4 auf einem gewünschten Niveau.
[0013] Am oben entstehenden Gasraum der Wärmetauscheinheit 4 ist ein Druckregler 6 angeschlossen,
der den Druck in der Wärmetauscheinheit 4 regelt. Das bei Überdruck aus der Wärmetauscheinheit
4 abzuführende Gas wird der Rohrschlange 7 zugeführt, wozu eine Verbindungsleitung
9 zwischen dem Druckregler 6 und der Rohrschlange 7 vorgesehen ist. Die Rohrschlange
7 wird andererseits über eine Zuleitung 10 mit gasförmigem (!) Sauerstoff versorgt,
wobei ein darin angeordneter Druckregler 8 den erfindungsgemäß geforderten, im Vergleich
zum Druck in der Wärmetauscheinheit niedrigeren Basisdruck p
B einstellt. Das über die Leitung 10 zugeführte Sauerstoffgas kann gemäß gezeigtem
Anlagenschema unterschiedlicher Herkunft sein; es kann entweder ebenfalls aus dem
Speicherbehälter 1 entnommen und mittels eines Verdampfers 11 in den gasförmigen Zustand
gebracht worden sein, oder es kann auch aus einer sonstigen Sauerstoffquelle - beispielsweise
einem adsorptiven oder permeativen Luftzerleger - stammen.
[0014] Zur weiteren Verdeutlichung der Erfindung werden im folgenden Zahlenbeispiele für
die geschilderte Anlage vorgestellt, wobei die als Figur 2 beigefügte Dampfdruckkurve
von Sauerstoff weitere Informationen liefert.
[0015] Besteht also beispielsweise die Zielsetzung darin, ein kaltes O
2-Gas auf einem Druckniveau von etwa 2 bar bereitzustellen, so resultiert, daß in der
Rohrschlange 7 mittels des Druckreglers 8 ein Druckniveau von 2 bar eingestellt wird.
Dieser Druck wird erfindungsgemäß als Basisdruck p
B bezeichnet. Bei 2 bar liegt der Verflüssigungspunkt von Sauerstoff bei einer Temperatur
von 97 K (-176°C).Eine geeignete Druckeinstellung für die Wärmetauschereinheit 4 besteht,
ausgehend von diesem Basisdruck P
B in einem 1 bis ca. 20 bar höheren Druck p
2, also beispielsweise in einer Druckeinstellung von 12 bar. Diese Druckeinstellung
wird mittels des Regelventils 6 vorgenommen.
[0016] Die Verflüssigungs- bzw. Siedetemperatur von Sauerstoff bei 12 bar liegt höher als
bei 2 bar, nämlich bei 123 K (=-150 °C - siehe Punkt B in Figur 2). Daraus folgt,
daß das Temperaturniveau in der Wärmetauschereinheit 4 so ist, daß keine Verflüssigung
des 2-bar-Verbrauchsgases in der Rohrschlange 7 auch bei einem zeitweise auf Null
sinkenden Gasverbrauch eintreten kann (siehe Punkt C in Fig. 2). Die Verflüssigungstemperatur
von Sauerstoff bei 2 bar Druck beträgt - wie bereits ausgeführt - 97 K, und es kann
bei dieser Einstellung der Wärmetauscheinheit 7 also lediglich eine Temperatur von
123 K (-150°C) erreicht werden (123 K ist die Kühlgrenze bei 12 bar).
[0017] Vergleicht man damit die naheliegendste Ausgestaltung einer derartigen Kaltgasbereitstellung,
nämlich daß das Verbrauchsgas auf dem höherliegenden Druckniveau p
1 des Speicherbehälters 1 bereitgestellt wird, also beispielsweise etwa mit 14 bar,
so läge die Verflüssigungstemperatur des Sauerstoffs bei 125 K und das so bereitgestellte
Verbrauchsgas könnte bei einer Wärmetauschertemperatur von 123 K also kondensiert
und somit eine Betriebsstörung verursacht werden. Dies wird mit der hier vorgestellten
Anlage und den genannten Einstellungen sehr vorteilhaft vermieden.
[0018] Mit der beschriebenen Anlage ist es ferner problemlos möglich, auch andere, deutlich
höher liegende Verbrauchsgasdrücke als 2 bar anzubieten, so lange nur der Basisgasdruck
wenigstens 0,5 bar, vorzugsweise 1 bis 3 bar, unterhalb der Druckeinstellung in der
Wärmetauschereinheit 4 - also dem Druck p
2 - verbleibt. Es ist im oben geschilderten Beispiel also ohne weiteres möglich, Verbrauchsgas
mit ca. 10 bar anzubieten. Bei 10 bar weist Sauerstoff eine Verflüssigungstemperatur
von 120 K auf und dieser kann daher - obwohl bereits sehr nahe an der Dampfdruckkurve
des Sauerstoffs liegend - bei einer Wärmetauschereinstellung von 12 bar und einer
daraus folgenden Temperatureinstellung der Wärmetauscheinheit 4 von 123 K noch völlig
betriebssicher geliefert werden (siehe Punkt A in Figur 2).
[0019] Somit ist - bei der in der Praxis ohne Schwierigkeiten möglichen Bereitstellung von
Flüssiggas in einem Speichertank auf einem Druckniveau von bis zu 25 bar - erfindungsgemäß
die Zurverfügungstellung von Kaltgas auch auf höheren Drücken und mit Temperaturen
unterhalb von -130 °C - unter sehr genauer Einhaltung des Temperaturniveaus - problemlos
möglich.
[0020] Selbstverständlich ist die Anwendung des Verfahrens auch bei anderen Reinmedien als
Sauerstoff möglich, z.B. bei Stickstoff und Argon. Darüber hinaus liegt es auch im
Rahmen der Erfindung, daß beim Einsatz von beispielsweise Sauerstoff als Kühlmedium
neben Sauerstoff auch jedes andere, tiefer als Sauerstoff siedende Gas und insbesondere
auch tiefersiedende, sauerstoffhaltige Gasgemische mit Einstellungen, wie sie zu Sauerstoff
gehören, vorteilhaft und betriebssicher abgekühlt werden können. Entsprechende Medien
sind beispielsweise Stickstoff, Argon, aber auch trockene Luft, Helium, Wasserstoff
und Gemische davon. Ebensolche Möglichkeiten wie mit Sauerstoff - jedoch auf höherem
Temperaturniveau - ergeben sich ferner auch mit tiefkaltem und flüssigem Kohlendioxid.
Der erreichbare Temperaturbereich ist hierbei -25 bis -56°C.
[0021] So gewonnenes Kaltgas kann für alle bekannten Anwendungen wie Blasfolien- und Bandkühlen,
Kaltgaspolieren und Therapiezwecke eingesetzt werden (siehe eingangs genannte Dokumente)
sowie auch für neue Möglichkeiten - etwa das gleichzeitig zum zu vorliegender Erfindung
zum Patent angemeldete Kaltgasfrischen oder zum Brennschneiden von Werkstücken mit
Kaltsauerstoff.
1. Verfahren zur Herstellung von temperaturdefiniertem, kaltem Gas durch indirekten Wärmetausch
mit einem tiefkalten, verflüssigt vorliegenden Medium, dadurch gekennzeichnet, daß
das herzustellende, kalte Gas durch indirekten Wärmetausch insbesondere mit seiner
tiefkalt verflüssigten Form abgekühlt wird, wobei das Gas vorab auf einen festgelegten
Basisdruck pB eingestellt wird und auf eben diesem Druckniveau in indirekten Wärmetausch mit der
verflüssigten Form gebracht wird, wobei wiederum die flüssige Zustandsform auf einem
zweiten, im Vergleich zum Basisdruck erhöhten Druck p2 und der zugehörigen Siedetemperatur gehalten wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Abkühlung soweit geführt
wird, daß das Gas die Temperatur der kühlenden Flüssigphase annimmt
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das p2-Druckniveau lediglich 1 bis 3 bar höher als das Basisdruckniveau eingestellt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das verflüssigte
Medium nach seinem Einsatz beim Abkühlen des Gases und letztlich seiner Verdampfung
dem abzukühlenden Gas hinzugefügt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß - wenn aus
einem Gasgemisch ein Kaltgas gebildet werden soll - für den indirekten Wärmetausch
dasjenige Flüssiggas eingesetzt wird, das im Gemisch den höchsten Verflüssigungspunkt
besitzt.
6. Vorrichtung zur Herstellung von kaltem Gas, gekennzeichnet durch
- einen Flüssiggasspeichertank (1), der über eine Flüssiggasleitung mit einer, aus
einem Behälter mit innenliegendem Wärmetauscher (7) bestehenden, Wärmetauscheinheit
(4) verbunden ist,
- einem Pegelstandsregler (5) für Flüssiggas am Behälter der Wärmetauscheinheit,
- einem am Behälter der Wärmetauscheinheit oben angeschlossenen Druckregler (6),
- eine Gaszuleitung (10), die den innenliegenden Wärmetauscher mit einer oder mehreren
Gasquellen verbindet,
und durch einen Druckregler (8), der sich in dieser Gaszuleitung befindet.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6,dadurch gekennzeichnet, daß der Druckregler (6) an der
Wärmetauscheinheit (4) auf einen höheren Druck als der Druckregler (8) in der Gaszuleitung
(10) eingestellt ist.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 6 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Gaszuleitung
(10) mit dem Flüssiggasspeichertank (1) verbunden ist, wobei in der Verbindung ein
Verdampfer (11) angeordnet ist.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Ausgangsseite
des Druckreglers (6) an der Wärmetauscheinheit mit dem Wärmetauscher (7) verbunden
ist.