[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Viskosezellstoff
nach einem Dampfvorhydrolyse-Sulfat(Kraft)-Verdrängungskochverfahren.
[0002] Viskosezellstoffe sind Zellstoffe, die zur Herstellung von Rayon, Cellophan, Carboxymethylcellulose,
Nitrocellulose, Celluloseacetat, Textilfasern und speziellen Papieren eingesetzt werden.
Die besonderen Merkmale der Viskosezellstoffe sind die hohe Reinheit und der hohe
Gehalt an Alphacellulose.
[0003] Viskosezellstoffe haben einen hohen Gehalt an Alphacellulose, einen geringen Gehalt
an Hemicellulose, Lignin, Asche und Extraktionsstoffen. Die Entfernung der Hemicellulose
im Aufschlußprozeß ist besonders schwierig, da die Pentosane nahezu genauso widerstandsfähig
gegenüber Alkali und Säuren sind wie die Cellulose selbst. Der Alphacellulosegehalt
wird durch Auflösen des Zellstoffes in 18%iger NaOH bestimmt. Die Alphacellulose ist
der Teil der Cellulose, der in 18%iger NaOH nicht lösbar ist. Als Betacellulose wird
der Teil der Cellulose bezeichnet, der bei anschließender Verdünnung der 18%igen Lösung
und Ansäuern ausfällt. Als Gammacellulose wird der Teil der in der 18%igen NaOH gelösten
Substanzen bezeichnet, der bei Neutralisierung der Lösung nicht ausfällt. Als grobe
Richtschnur kann gelten, daß die Alphacellulose die in der Pflanze normalerweise vorhandene
Cellulose darstellt, während die Betacellulose ein Maß für die während des chemischen
Aufschlusses abgebaute Cellulose und die Gammacellulose ein Maß für den restlichen
Hemicellulosegehalt darstellt.
[0004] Je nach Endprodukt sind die Anforderungen an den Alphacellulosegehalt unterschiedlich.
Für Rayon z.B. reicht ein Alphacellulosegehalt von 88-91 aus. Jedoch Viskosezellstoffe,
die zu Celluloseacetat, Nitrocellullose oder anderen Derivaten verwendet werden sollen,
müssen einen wesentlich höheren Alphagehalt haben, und zwar mindestens einen Alphagehalt
von 94-98 und weniger als 1,5% Hemicellulose. Nitrocellulose für Sprengstoffzwecke
werden in der Regel aus Baumwoll-Linters hergestellt, da hiefür ein Alphagehalt von
über 98% und ein Hemicellulosegehalt von nahezu 0% erforderlich ist.
[0005] Im Gegensatz zu Papierzellstoffen, wo ein hoher Hemicellulosegehalt aus Festigkeitsgründen
erwünscht ist, müssen bei Viskosezellstoffen die Hemicellulosen entfernt werden. Bei
der Produktion von Rayon z.B. reagieren die Xylane mit CS
2 in der Xantonierungsreaktion, und zwar genauso schnell wie die Cellulose selbst,
was zu einem erhöhten Verbrauch an CS
2 führt. Andere Hemicellulosen reagieren langsamer als die Cellulose und bedingen dann
Schwierigkeiten bei der Filtration.
[0006] Viskosezellstoff wird weltweit gesehen vornehmlich nach dem Sulfitverfahren hergestellt.
Bei einstufigen Verfahren kommt vornehmlich das saure Sulfitverfahren in Frage wegen
seiner schnellen Hydrolyse der Hemicellulose sowie der recht guten Delignifizierungsrate.
Es kommen allerdings auch in zwei- oder mehrstufigen Prozessen Bisulfit- und Neutralsulfitprozesse
zur Anwendung.
[0007] Generell läßt sich zu den Sulfitaufschlußverfahren folgendes sagen: Sie werden grundsätzlich
als Batch-Kochung, das heißt diskontinuierlich, durchgeführt. Die Kochtemperatur liegt
bei sauren Sulfitverfahren im Bereich von 135°C, bei Bisulfitverfahren bei 160°C.
Mit dem Aufheizen der Aufschlußlösung auf die optimale Kochtemperatur steigt der Druck
des SO
2-Gases im Kocher, Überschuß-SO
2 wird zu gegebenem Zeitpunkt abgeblasen. Der Aufschluß benötigt eine Gesamtzeit von
etwa 6-8 Stunden.
[0008] Die wesentlichen Parameter zur Bestimmung der Endproduktqualität und der Ausbeute
sind die Sulfidität, der pH und die Temperatur. Auch die Art der Base hat einen Einfluß,
insbesondere auf die Diffusionsrate der Aufschlußchemikalien in die Hackschnitzel.
Der Abbau der Hemicellulosen, insbesondere der Xylane und Mannane, erfolgte vornehmlich
durch saure Hydrolyse glukosidischer Bindungen. Die abgebauten Hemicellulosen werden
mit der Aufschlußlösung vom Zellstoff entfernt. Die abgebauten Cellulosen (Betacellulosen)
müssen durch eine anschließende alkalische Behandlung entfernt werden.
[0009] Die Cellulose in Viskosezellstoffen weist grundsätzlich einen niedrigeren DP auf
als bei Papierzellstoff. Dies ist bedingt durch die für die Hemicellulosen-Entfernung
erforderliche Acidität, wodurch auch die Cellulose hydrolytisch teilweise abgebaut
wird. Dieser geringere DP hat zur Folge, daß Sulfitviskosezellstoffe für Anwendungsgebiete
mit hohen Festigkeitsanforderungen wie z.B. "high tenacity rayon cord" nicht eingesetzt
werden kann.
[0010] Einstufige Sulfitverfahren sind nicht in der Lage, gewisse Nadelhölzer wie z.B. Douglasie,
Lärche und die meisten Kiefernarten wegen des hohen Gehaltes an Harzen aufzuschließen.
Der Harzgehalt ist besonders im Kernholzbereich enthalten, daher kann ein Aufschluß
von Sägeholzabfällen mit diesem Verfahren - da es sich hierbei meistens um Splintholz
handelt - in einigen Fällen in Frage kommen. Aus diesem Grunde werden in der Praxis
zwei- oder mehrstufige Verfahren angewendet. Die erste Stufe ist dabei in der Regel
weniger sauer als die zweite. Dadurch wird das Lignin in der ersten Stufe sulfoniert,
wodurch eine Rekondensierung des Lignins in der zweiten Stufe verhindert wird, in
der vornehmlich die Hemicellulosen entfernt werden.
[0011] Der Sulfitaufschluß erfolgt mit verschiedenen Basen und zwar Kalzium, Natrium, Ammonium
und Magnesium.
[0012] Das Kalziumsulfitverfahren ist im Aussterben, da die Chemikalienrückgewinnung Schwierigkeiten
macht. Magnesiumsulfitprozesse sind für die Herstellung von Viskosezellstoff wegen
der einfachen Chemikalienrückgewinnung verbreitet. In mehrstufigen Magnesiumsulfitaufschlußprozessen
wird in der ersten Stufe ein saurer pH angewendet. Ansonsten sind die Aufschlußbedingungen
im Magnesiumsulfitprozeß weitgehend identisch mit denen des bekannten Kalziumsulfitaufschlusses.
[0013] Mit dem Ammoniumsulfitaufschluß kann eine schnellere Durchdringung der Hackschnitzel
mit den Kochchemikalien erreicht und dadurch in gewissen Fällen die Aufheizzeit im
Vergleich zum Kalziumsulfitverfahren verkürzt werden, jedoch weist dieses Verfahren
eine Reihe von schwerwiegenden Nachteilen auf, wie z.B. eine erhöhte Korrosion, erhöhte
Schaumprobleme in der Sortierung wegen des entstehenden Stickstoffes sowie ein geringerer
Weißegrad des Zellstoffes. Das in der Industrie verbreitetste Verfahren ist das Natriumsulfitaufschlußverfahren,
das seit den 50er Jahren angewendet wird. Eines davon ist z.B. das Rauma-Repola-Verfahren,
das in Finnland seit 1962 betrieben wird. Es stellt ein dreistufiges Verfahren dar
und wird für Fichten- und Kiefernholz eingesetzt. Die erste Stufe ist eine Bisulfitstufe
mit pH 3-4 für die Imprägnierung der Hackschnitzel. Die zweite Stufe entspricht weitgehend
einem konventionellen Sulfitaufschluß, in der SO
2 zugegeben und die Viskosität des Zellstoffes bestimmt wird. Am Ende der zweiten Stufe
wird SO
2 abgegast. In der dritten Stufe wird Natriumkarbonat zur Neutralisierung der Kochlauge
zugegeben. Je nach Temperatur und pH-Bedingungen werden Viskosezellstoffe mit Alphacellulosegehalten
von 89-95% hergestellt.
[0014] Der Domsjo-Prozeß, der seit 1960 in Betrieb ist, ist ein zweistufiger Prozeß, mit
dem hohe Ausbeuten an Viskosezellstoff erreicht werden. In der ersten Stufe wird mit
einem pH von 4,5 - 6 gearbeitet, die zweite Stufe entspricht einem normalen sauren
Sulfitaufschluß. Der pH der zweiten Stufe wird durch Zusatz von SO
2-Wasser eingestellt. Mit pH 4,5 in der ersten Stufe werden Ausbeuten erreicht, die
2% über denen eines einstufigen Verfahrens bei entsprechend niedrigen Sortierverlusten
liegen. Bei pH 6 kann zwar die Ausbeute um 4-5 %, und zwar auf 29-35% gesteigert werden,
allerdings auf Kosten eines höheren Glucomannangehaltes. Entsprechend der höheren
Ausbeute dieses Verfahrens liegt der Alphacellulosegehalt unter dem zuvor beschriebenen
Verfahren; er beträgt beim einstufigen Verfahren 83-89% und beim zweistufigen Verfahren
85-90%. Höhere Alphacellulosegehalte mit einer entsprechenden Herabsetzung der Ausbeute
können durch eine Nachbehandlung des Stoffes mit verdünntem Alkali bei erhöhter Temperatur
oder mit konzentriertem Alkali bei Raumtemperatur mit einer anschließenden sauren
Behandlung erhalten werden, um die restlichen anorganischen Substanzen zu entfernen.
[0015] Das Sulfat(Kraft)Aufschlußverfahren ist in seiner üblichen einstufigen Ausführung
für die Herstellung von Viskosezellstoff nicht geeignet. Lediglich 84-86% Alphacellulose
sind mit dieser Ausführungsform erreichbar. Auch verlängerte Kochzeit oder erhöhte
Kochtemperaturen führen nicht zum Ziel. Diese bedingen lediglich einen verschärften
Abbau der Cellulose, bedingt durch alkalische Hydrolyse der glucosidischen Bindungen
in Verbindung mit der sogenannten "peeling off reaction". Verbunden mit einer sauren
Vorbehandlung - der sogenannten Vorhydrolyse - können mit diesem alkalischen Aufschlußverfahren
aus allen für die Zellstoffherstellung üblichen Rohstoffen hochwertige Viskosezellstoffe
hergestellt werden. Eine Reihe von Viskosezellstoffwerken arbeiten nach diesem Verfahren,
wobei als Vorbehandlung ausschließlich Wasservorhydrolyse mit oder ohne Zusatz von
Fremdsäure angewendet wird.
[0016] Die Acidität verbunden mit der Reaktionstemperatur sind die ausschlaggebenden Faktoren
dieser Vorbehandlung. Der Zusatz von Mineralsäure reduziert die Zeit oder die für
die Hydrolyse erforderliche Temperatur. Bei der Behandlung von Lignocellulosen mit
wässerigen Medien entstehen aus den Acetylgruppen der Hemicellulosen organische Säuren,
insbesondere Essigsäure, wodurch der pH ohne Zufügung von Säuren auf einen pH-Wert
von etwa 3-4 sinkt. Bei xylanreichen Lignocellulosen, wie z.B. Laubhölzern, kann der
pH aufgrund des hohen Gehaltes der Acetylgruppen weiter absinken. Der Zusatz von Mineralsäuren,
insbesondere von Salzsäure, beschleunigt zwar die Hydrolysereaktion, hat aber gravierende
Nachteile, insbesondere in Hinsicht auf Korrosion und Prozeßkosten. Die Reaktionsbedingungen
in der Vorhydrolyse beeinflussen die Ausbeute und die Qualität des Viskosezellstoffes
und sie beeinflussen die Delignifizierung sowie die Entfernung weiterer Hemicellulosen,
wenn Rekondensierung von Ligninen sowie von kondensierbaren Reaktionsprodukten der
Hemicelullosenhydrolyse erfolgt. Dies tritt bei besonders scharfen Hydrolysebedingungen
in der Vorhydrolyse auf und bei Rohstoffen mit hohem Ligningehalt wie z.B. Nadelhölzern.
[0017] Wasservorhydrolyse-Sulfatviskosezellstoffe von Nadelhölzern können bereits vor der
Bleiche Alphacellulosegehalte von 95-96% erreichen, wobei allerdings immer noch ca.
3% Lignin und 2-3% Xylene enthalten sind. Laubhölzer enthalten in der Regel mehr als
95% Alphacellulose, 1% Lignin und 3-4% Xylane. Die Xylane werden in der Regel durch
eine Nachbehandlung mit kaltem Alkali während der Bleiche erreicht. Dies ist allerdings
ein kostenaufwendiger Verfahrensschritt.
[0018] Das Vorhydrolyse-Sulfatverfahren kann alle gängigen Rohstoffe der Zellstoffherstellung
aufschließen, erreicht wesentlich höhere Alphacellulosegehalte, eine wesentlich gleichmäßigere
Molekulargewichtsverteilung dieser Cellulose sowie höhere DP-Werte. Nachteilig im
Vergleich zu Sulfitverfahren ist jedoch die geringere Ausbeute, die in der Regel nur
28-30% vor der Bleiche beträgt.
[0019] Einige Verfahren, die aufgrund gewisser Nachteile keine industrielle Bedeutung haben,
sind nachfolgend kurz erwähnt:
[0020] Der Sivola-Prozeß stellt im wesentlichen einen sauren Sulfitaufschluß dar, gefolgt
durch eine Nachreinigung mit heißem Natriumkarbonat. Für Zellstoffe mit einem Alphacellulosegehalt
und einer Reinheit vergleichbar mit dem des Vorhydrolyse-Sulfataufschlusses sind folgende
Bedingungen erforderlich: 170°C, 1-3 Stunden Aufschlußzeit, im alkalischen Schritt
mit Natriumkarbonat bei einer Chemikaliendosierung von 150-200 kg/t, um einen pH von
9-9,5 aufrecht zu erhalten, zudem muß während der Natriumkarbonatkochung 0,5-1% SO
2 im Zellstoff verbleiben, um eine ausreichende Bleichbarkeit des Stoffes zu erreichen.
Die erste Stufe wird bei 125-135°C mit einer Behandlungszeit von 3 Stunden oder mehr
durchgeführt.
[0021] Die Vorhydrolyse Soda-Anthrachinon-Kochung ist zwar länger bekannt als die Sulfatkochung,
konnte sich jedoch aus verschiedenen Kosten- und Qualitätsgründen nicht durchsetzen.
Die Ausbeute ist gering, der Restgehalt an Lignin ist relativ hoch, die Reinheit gering
und der DP der Alphacellulose niedrig. In der nachgeschalteten Bleiche zur Entfernung
von Restmengen an Lignin und Hemicellulosen ist 1,7 mal mehr Bleichchemikalien, als
Chlor gerechnet, erforderlich als im Vorhydrolysesulfatverfahren. Ein weiterer wirtschaftlicher
Nachteil besteht in dem Zusatz von 0,5% Anthrachinon. Diese Chemikalie verursacht
erhebliche zusätzliche Kosten.
[0022] In Entwicklung befinden sich Organosolv-Prozesse zur Herstellung von Viskosezellstoff.
Dieses bisher nur im Labor untersuchte Verfahren konnte bisher keine wesentlichen
Vorteile hinsichtlich Alphacellulosegehalt und Delignifizierungsgrad und insbesondere
in Anbetracht der Wirtschaftlichkeit, die durch die Rückgewinnungsnotwendigkeit des
organischen Lösungsmittels ausschlaggebend beeinflußt wird, gegenüber den bisher üblichen
Sulfit- und Sulfatverfahren nachweisen.
[0023] Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die bekannten Verfahren zur Herstellung von
Viskosezellstoff unterschiedliche aber gravierende Nachteile haben. Die Vorhydrolyse-Sulfatverfahren
können alle gängigen Lignocellulosen aufschließen, ergeben hochreinen Zellstoff mit
einem hohen Alphacellulosegehalt, der eine große Gleichmäßigkeit im Molekulargewicht
und einen hohen DP aufweist, haben jedoch gegenüber den Sulfitverfahren den Nachteil
einer geringen Ausbeute (28-30% im Vergleich zu 30-35%). Die Herstellkosten von Viskosezellstoff
werden im wesentlichen bestimmt durch die Rohstoffkosten und den Energieverbrauch.
Ein weiterer die Zukunft bestimmender Faktor ist die Umweltverträglichkeit. In verschiedenen
Regionen gibt es bereits strenge Vorschriften hinsichtlich Abwasserwerten, z.B. AOX,
BOD, COD. Während noch vor einigen Jahren 6 kg AOX pro Tonne Zellstoff durchaus akzeptabel
waren, muß davon ausgegangen werden, daß in absehbarer Zukunft diese Werte im Bereich
von 0,5 kg oder gar bei Null liegen müssen. Das gleiche gilt für Luftreinhaltebestimmungen.
Jegliche Verunreinigung, d.h. nicht Alphacellulose im Ausgangsstoff für die nachfolgende
Derivatisierung zur Herstellung von Faserstoffen, hat einen wesentlichen Einfluß auf
Chemikalienverbrauch, Abwasser und Luftverunreinigungen.
[0024] Über die Vorhydrolyse mit Dampf und anschließender Kochung zur Herstellung von Viskosezellstoff
gibt es eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen, so z.B. I.H. Parekh, S.K. Sodani
und S.K. Roy Monlik "Dissolving grade pulps from Eucalyptus (tereticornis) hybride".
Dabei werden die entstehenden Hydrolyseprodukte in verschiedener Weise abgetrennt,
um diese einer Verwertung zuzuführen und ihren nachgewiesenen schädlichen Einfluß
auf die Qualität des Zellstoffes bei nachfolgender Kochung zu reduzieren. Aufgrund
dieser Schwierigkeiten, die ausführlich in der Arbeit von H. Sixta, G. Schild und
Th. Baldinger in "Das Papier", Heft 9/92, S. 527-541, über "Die Wasservorhydrolyse
von Buchenholz" zusammengefaßt sind, wird dieses mögliche Verfahren der Vorhydrolyse
für die Zellstoffherstellung technisch nicht angewendet.
[0025] Verfahrensverbesserungen oder neue Verfahren zur Herstellung von Viskosezellstoff
müssen sich daher auf Qualitätsstandard, mindestens entsprechend Wasservorhydrolyse
Kraftzellstoff bei Erhöhung der Ausbeute und Herabsetzung des Energie- und Chemikalienverbrauches,
verbunden mit einer Umweltentlastung abwasser- und abgasseitig konzentrieren.
[0026] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabenstellung zugrunde, ein energiesparendes
Verfahren zur Herstellung von Viskosezellstoff aus den für die Papierzellstoffherstellung
üblichen Lignocellulosen zu entwickeln, der bereits am Kocheraustritt einen hohen
Alpha-Cellulose- und niedrigen Ligningehalt verbunden mit hohen Viskositäts- und Ausbeutewerten
aufweist und dessen anschließende Weiterverarbeitung in Wäsche, Sortierung und Bleiche
einen geringeren technischen Aufwand und weniger Bleichchemikalien erfordert, wodurch
das Verfahren wesentliche Produktqualitäts- und Kostenvorteile gegenüber herkömmlichen
Verfahren zur Viskosezellstoffherstellung aufweist.
[0027] Entsprechend dieser Aufgabenstellung scheidet die Anwendung eines Sulfitverfahrens
aus. Sulfitverfahren können, wie weiter oben ausgeführt, nur bestimmte Lignocellulosen
aufschließen, z.B. nicht gängige Holzarten wie Kiefern, ergeben wegen der erforderlichen
erhöhten Kochtemperatur und Acidität niedrigere Celluloseviskosität, der α-Cellulosegehalt
erreicht nach einer zweistufigen Kochung nicht mehr als 85-90% und nach einer Bleiche
erst 95-96%, die Ausbeute beträgt nur 29-35% und das Endprodukt hat eine beschränkte
Anwendung, es ist z.B. für "high tenacity rayon cord" nicht geeignet.
[0028] Die bekannten Wasservorhydrolyse-Sulfatverfahren haben neben einer immer noch recht
geringen Ausbeute von 28-30%, hohem Energieaufwand in Vorhydrolyse und Kochung und
hohem Chemikalienverbrauch in der Bleiche wegen geringem Delignifizierungsgrad schwerwiegende
Nachteile, die von der Wasser-Vorhydrolyse bedingt werden. In der im September 1992
erschienenen Arbeit von H. Sixta et al. von dem Viskosezellstoffhersteller LENZING
AG heißt es zu diesem Problem:
[0029] "Die Vorhydrolyse ist durch das Auftreten schwer beherrschbarer Nebenreaktionen begrenzt.
Neben den erwünschten hydrolytischen Fragmentierungsreaktionen treten Folgereaktionen
auf, die, in Abhängigkeit von Temperatur und Zeit, das Prozeßverhalten in der Vorhydrolyse
und die nachfolgenden Delignifizierungsreaktionen in Aufschluß und Bleiche nachhaltig
beeinträchtigen können. Die wichtigste Nebenreaktion, die Dehydratation der Pentosen
zu Furfural, ist Ausgangspunkt der unerwünschten inter- und intramolekularen Kondensationsreaktionen.
Dabei entstehen harzartige Verbindungen, die mit Fortdauer der Reaktion aus der wässerigen
Phase ausscheiden und sich an allen vorhandenen Oberflächen ablagern können. Die Ablagerung
dieser Stoffe auf die Hackschnitzel beeinträchtigt den diffusionskontrollierten Stoffaustausch.
Dies führt zu vermehrten Harzablagerungen an der Phasengrenzschicht mit der Konsequenz
erschwerter Delignifizierungsreaktionen in Aufschluß und Bleiche und einer möglichen
Verringerung von Ausbeute, Veredelungsgrad und Reinheit der erzeugten Zellstoffe.
Große Probleme verursachen diese Harzablagerungen durch Verklebungen und Verstopfungen
im laufenden Betrieb."
[0030] Die Dampfvorhydrolyse wird für die großtechnische Zellstoffherstellung nicht eingesetzt,
da diese neben ähnlichen Verkrustungs- und Verstopfungsproblemen zu schlechter Produktqualität
führt. Sixta et al. schreiben hiezu in der zuvor zitierten Publikation:
[0031] "Um die hohen Energiekosten, die bei der Eindampfung der Vorhydrolysate anfallen,
zu reduzieren, hat es nicht an Versuchen gefehlt, das Flottenverhältnis bis hin zur
reinen Dampf-Vorhydrolyse (Flottenverhältnis 1 : 1 bis 1,5 : 1) zu reduzieren. Dieser
technologisch sehr einfache und elegante Prozeß wirkt sich aber leider sehr negativ
auf die Zellstoffqualität aus. Die Untersuchungen von Havranek und Gajdos (speziell
mit Buche und Fichte) zeigten, daß eine Dampfvorhydrolyse als eindeutige Ursache für
höhere Kappawerte, schlechtere Bleichbarkeit, niedrigere Alkaliresistenz und Reaktivität
von Zellstoffen gilt. Eigene Untersuchungen bestätigen den negativen Einfluß der DampfVorhydrolyse
auf die Zellstoffherstellung."
[0032] Die Ablagerung harzartiger Stoffe auf allen verfügbaren Oberflächen, die große Probleme
durch Verklebungen und Verstopfungen im laufenden Betrieb verursachen und Reinigungsoperationen
mit Produktionsunterbrechungen zur Folge haben, sind auch aus der Furfuralerzeugung
durch Behandlung von Lignocellulose mit Dampf bekannt. Auch hier wird die schlechte
Qualität der Cellulose nach der Dampfbehandlung im sauren Milieu bestätigt. Der Rückstand
der Furfuralerzeugung (60-70% des eingesetzten Rohstoffes, bestehend im wesentlichen
aus Cellulose und Lignin) wird verbrannt oder auf Deponien gefahren.
[0033] Aufgabe der Erfindung ist daher auch die mit den unerwünschten Nebenprodukten verbundenen
Probleme sowie die gravierenden Nachteile der Dampfvorhydrolyse auf die Endproduktqualität
zu überwinden und die energetischen und verfahrenstechnischen Vorteile dieser Verfahrensstufe
mit einer energie- und bleichchemikaliensparenden, verlängerten Verdrängungskochung
zu verbinden.
[0034] Nicht zielführend war die naheliegende Entfernung der störenden Reaktionsprodukte
durch z.B. Dampf- oder Wasserwäsche. Rekondensierung und Ablagerungen konnten dadurch
z.B. nicht vermieden werden; außerdem führt dieser Zwischenschritt zu einem großen
Energieverlust.
[0035] Überraschenderweise konnte gefunden werden, was von einem Fachmann auf diesem Gebiet
und aufgrund der umfangreichen Forschungs- und Betriebsergebnisse nicht erwartet werden
konnte, daß die oben geschilderten vielschichtigen Probleme dadurch gelöst und mit
den Vorteilen einer verlängerten Verdrängungskochung verbunden werden können, daß
die Reaktionsprodukte der Vorhydrolyse nicht abgetrennt werden, sondern daß die Vorhydrolyse
durch Vollpumpen des Kochers mit heißer Schwarzlange (HSL) einer vorangegangen Kochung
und Weißlange (WL) beendet und anschließend eine Sulfat-Verdrängungstechnologie, verbunden
mit erweiterer Kochung ("extended delignification") unter besonderen Bedingungen durchgeführt
wird.
[0036] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist demnach ein Verfahren zur Herstellung von
Viskosezellstoff aus Lignocellulosen nach einem Dampfvorhydrolyse-Sulfat(Kraft)-Verdrängungskochverfahren,
das dadurch gekennzeichnet ist, daß nach der Vorhydrolyse mit Sattdampf der Kocher
mit heißer Schwarzlauge (HSL) einer vorangegangenen Kochung sowie gegebenenfalls unter
Zusatz von frischer Weißlauge (WL) befüllt und dabei die Hydrolyseprodukte neutralisiert
werden, wodurch im Kocher Neutralisationslauge (NL) entsteht, daß die in der Kochung
für die Delignifizierung erforderliche Alkalimenge in Form frischer Weißlauge (WL)
zugeführt wird, wobei gegebenenfalls eine Teilmenge der NL verdrängt wird, daß die
Kochung mit oder ohne Temperaturgradient erfolgt und daß die Kochung durch Verdrängen
der Kochlauge (HSL) mit alkalischem Waschfiltrat (WF) beendet wird, wodurch das alkalilösliche
Lignin des aufgeschlossenen Fasermaterials herausgewaschen und der Zellstoff für den
Austrag aus dem Kocher abgekühlt wird.
[0037] Eine bevorzugte Ausführungsform des Verfahrens in Form eines diskontinuierlichen
Verfahrensablaufes ist in der Fig. 1 dargestellt. Genauso ist jedoch auch - mit Ausnahme
der Vorhydrolyse - ein kontinuierlicher Verfahrensablauf möglich bzw. denkbar. Im
Falle eines diskontinuierlichen Verfahrensablaufes ist das Verfahren in neun Schritte
aufgeteilt. Die Dampfvorhydrolyse und die Kochung der Hackschnitzel erfolgen in ein-
und demselben Kocher (KO). Für die Laugen zur Neutralisation der Hydrolyseprodukte
der Dampfvorhydrolyse und zur anschließenden Kochung sind mindestens vier Behälter
erforderlich, und zwar für die heiße Weißlauge (HWL) zur Einstellung der erforderlichen
Alkalität der Laugen zur Neutralisation und Kochung, für die heiße Schwarzlauge (HSL)
aus abgeschlossenen Kochungen, für die Neutralisationslauge (NL), die durch Aufnahme
der Hydrolyseprodukte der Dampfvorhydrolyse aus HSL entsteht und direkt aus dem NL-Behälter
nach Wärmerückgewinnung zur Eindampfanlage (EDA) und anschliessend zum Laugenkessel
zur Chemikalienrückgewinnung und Energieerzeugung geführt wird und für das alkalische
Waschfiltrat (WF) aus der Braunstoffwäsche, mit dem zur Beendigung der Kochung die
HSL aus dem Kocher verdrängt und die Kochguttemperatur auf unter 100°C abgekühlt wird.
Die am Ende der Verdrängung der HSL mit WF anfallende warme Schwarzlauge (WSL) wird
in einen eigenen Tank zur Wärmerückgewinnung und anschließenden Weiterleitung zur
EDA geführt.
[0038] Im einzelnen laufen die Verfahrensschritte dieser bevorzugten Ausführungsform des
erfindungsgemäßen Verfahrens wie folgt ab:
1. Hackschnitzelfüllung:
Die Hackschnitzel üblicher Größe und Qualität werden entsprechend in der Zellstofferzeugung
üblicher Technologien z.B. mit einem Svenson steam packer in den diskontinuierlich
arbeitenden Kocher (batch-Kocher) üblicher Bauart gefüllt. Dazu wird Dampf eingesetzt,
der im Rahmen der Energierückgewinnung aus Kochlauge (HSL) erzeugt wird.
2. Vorhydrolyse:
Hackschnitzel und Kocher werden auf die gewünschte Vorhydrolysetemperatur von 130-200°C,
vorzugsweise 130-190°C, bevorzugt 155-175°C, aufgeheizt. Dazu wird Frischdampf aus
der Energierückgewinnung und Entspannungsdampf aus dem Druckbehälter der NL verwendet,
deren Temperatur nur geringfügig unter der der Vorhydrolyse liegt. Die Aufheizdauer
beträgt je nach Rohstoffeingangsfeuchte, Rohstoffeingangstemperatur, Hydrolysetemperatur
und eingesetztem Dampf 30 bis 120 min. Die Vorhydrolyse selbst erfolgt mit Sattdampf
und dauert je nach Rohstoff, Endproduktqualität und Vorhydrolysetemperatur 15 bis
60 min.
Vorzugsweise wird das Vorhydrolysat während der Dampfvorhydrolyse über eine externe
Leitung vom Boden des Kochers umgepumpt.
3. Kocherfüllung mit HSL und HWL:
Zur Beendigung der Vorhydrolyse und zur Neutralisation der Hydrolyseprodukte wird
HSL einer vorangegangenen Kochung mit dem erforderlichen Überdruck, gegebenenfalls
unter Beimischung von heißer Weißlauge (HWL) in den Kocher gepumpt. Der Kocher wird
mit Lauge hydraulisch vollkommen gefüllt. Die für die Neutralisation gewünschten Bedingungen,
d.h. Temperatur und pH können durch entsprechende Bedingungen der HSL und HWL vor
Kochereintritt eingestellt werden. Das Füllen eines Kochers nimmt je nach Kochergröße
und Pumpgeschwindigkeiten 5 bis 30 min in Anspruch.
Das Füllen des Kochers erfolgt in der Regel ohne Abtrennung der während der Vorhydrolyse
entstandenen gasförmigen und wasserdampfflüchtigen Reaktionsprodukte. Eine Abtrennung
z.B. zur Gewinnung von Produkten wie Furfural, Essigsäure und Methanol nach Prozessen
des Standes der industriellen Technik ist ohne Beeinträchtigung der anschließenden
Verfahrensschritte zur Herstellung von Viskosezellstoff nach der vorliegenden Erfindung
und ohne Beeinträchtigung der Endproduktqualität möglich, ist jedoch mit den Problemen
wie z.B. Verkrustungen und Verstopfungen behaftet, wie dies aus der Literatur über
Dampfvorhydrolyse und aus der industriellen Furfuralherstellung mit und ohne Zusatz
von Mineralsäure bei der Hydrolysebehandlung von Lignocellulosen mit Dampf bekannt
ist.
4. Neutralisation:
Zur gleichmäßigen und vollständigen Neutralisation aller sauren Reaktionsprodukte
der Vorhydrolyse wird die Lauge im Kocher über eine extern angeordnete Pumpen-Wärmetauschereinheit
über die oberen und unteren Kochersiebe umgepumpt. Über den Wärmetauscher kann zusätzlich
eine Temperatureinstellung erfolgen.
Der pH der Neutralisation soll größer als 9 sein, bevorzugt im Bereich um 11. Sobald
die gewünschten Neutralisationsbedingungen hinsichtlich pH und Temperatur erreicht
sind, erfolgt der nächste Prozeßschritt. In der Regel erfordert die Einstellung der
Neutralisationsendbedingungen 5 bis 20 min.
5. Verdrängen NL mit HWL:
Zur Entfernung einer Teilmenge der neutralisierten Hydrolyseprodukte der Vorhydrolyse
und zur Einstellung der Kochbedingungen hinsichtlich Aktivalkali und gegebenenfalls
Temperatur wird eine Teilmenge der NL durch HWL verdrängt. Die HWL kann dem Kocher
von oben oder unten zugeführt werden. Bei der bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens
der vorliegenden Erfindung erfolgt die Verdrängung von oben nach unten. Bei dieser
Verdrängungsrichtung ergibt sich eine gleichmäßigere Prozeßführung und bessere Energiewirtschaft,
da aufgrund der geringeren Dichte der HWL im Vergleich zu der NL eine geringere Durchmischung
der HWL mit der NL erfolgt als bei einer Verdrängung von unten nach oben. Dieser Effekt
ist in den Fällen noch stärker, wenn die HWL eine höhere Temperatur als die NL aufweist.
Die Größe der NL-Teilmenge, die verdrängt und über den NL-Behälter als Zwischenlager
und über Wärmeaustauscher zur Übertragung von Wärme auf Prozeßlaugen, insbesondere
WL, bzw. zur Heißwassererzeugung zur Eindampfanlage (EDA) mit anschließender Verbrennung
im Laugenrückgewinnungskessel geführt wird, hängt von Rohstoff, Endprodukt und der
Einstellung in der Neutralisation ab. Die verdrängte Menge kann von Null bis 100%
reichen. Bei keinerlei Verdrängung wird die Neutralisation mit der Einstellung der
Bedingungen für die Aufheizung und Kochung durch entsprechende Mengen- und Temperatureinstellung
der zugeführten HSL und HWL im Prozeßschritt 3 verbunden. Der Verzicht aud die Verdrängung
von NL wird nur bei Rohstoffen mit geringem Hemicellulose- und Extraktstoffgehalt
wie z.B. Linters oder Flachs in Frage kommen. In der Regel wird ein Drittel bis zwei
Drittel der NL verdrängt. Bei hohem Hemicellulosen- und Extraktstoffgehalt sowie extremen
Anforderungen an die Reinheit des Endproduktes kann es vorteilhaft sein, die Gesamtmenge
der NL zu ersetzen. Bei der Verdrängung großer NL-Teilmengen kann es vorteilhaft sein,
eine kombinierte Zuführung von HWL und HSL anzuwenden, um die für die Kochung erforderliche
Aktivalkalimenge im Kocher einzustellen.
6. Aufheizung:
Die Aufheizung auf die gewünschte Kochtemperatur erfolgt durch Umpumpen der Lauge
über die extern installierte Pumpen-Wärmetauschereinheit, wobei die Wärme aus HSL
oder NL einer vorangegangen Kochung oder aus Frischdampf übertragen wird. Die Dauer
der Aufheizung kann sehr unterschiedlich sein. Sie kann Null betragen, wenn in der
Neutralisation (Prozeßschritt 4) oder bei der Verdrängung NL mit HSL (+HWL) alle Parameter
für den Beginn der Kochung eingestellt werden. Die Aufheizung kann im anderen Extrem
mit der Kochzeit zusammenfallen, wenn nach Neutralisation und gegebenenfalls Verdrängen
von NL-Teilmengen die Kochanfangsbedingungen eingestellt sind und die Kochung mit
einem steigenden Temperaturgradienten gefahren wird, bei dem die Kochung mit Erreichen
der Maximaltemperatur beendet wird.
7. Kochung:
Während der Kochung wird die Kochlauge über die extern installierte Pumpen-Wärmetauschereinheit
umgepumpt, wobei die erforderliche Wärme dem Wärmetauscher über Frischdampf zugeführt
wird. Die Kochtemperaturen liegen im Bereich von 140-185°C, bei üblichen Holzarten
und Endprodukten in der Regel zwischen 150 und 170°C. Je nach Art der Aufheizung und
Prozeßführung kann die Kochzeit einige Minuten bis zu 3 Stunden dauern.
8. Verdrängen der HSL mit Waschfiltrat (WF):
Die Kochung wird durch Verdrängen der Kochlauge (HSL) mit kaltem alkalischen Waschfiltrat
aus der Braunstoffwäsche beendet, wobei der aufgeschlossene Stoff auf unter 100°C
abgekühlt und durch den alkalischen Waschvorgang von noch anhaftendem Lignin und anderen
unerwünschten löslichen Produkten befreit wird.
Die Zuführung des WF kann von oben oder unten erfolgen. Bevorzugt nach dem Verfahren
der vorliegenden Erfindung wird die Verdrängung von oben. Wegen des Unterschiedes
in der Dichte zwischen der Kochlauge (HSL) und WF sind die unter Prozeßschritt 5 angeführten
Vorteile besonders ausgeprägt.
Die Verdrängung der HSL erfolgt in den HSL-Behälter, so lange, bis die Temperatur
und damit auch der Trockensubstanzgehalt der verdrängten Lauge durch Durchmischung
mit WF abfällt. Diese aus dem Kocher austretende Lauge wird wegen ihrer niedrigeren
Temperatur warme Schwarzlauge (WSL) genannt.
9. Verdrängen der warmen Schwarzlauge (WSL) mit WF:
Die Verdrängung der Kochlauge HSL mit WF erfolgt ohne Unterbrechung. Die verdrängte
Lauge wird, so lange HSL-Volumen für die nächste Kochung benötigt wird und die Temperatur
der verdrängten Lauge der Kochlaugentemperatur entspricht, in den HSL-Behälter geleitet.
Dann wird auf Zuführung in den NL- bzw. WSL-Behälter geschaltet. Die WSL wird nach
Wärmeaustausch der EDA und Laugenrückgewinnung zugeführt.
Die Verdrängung wird beendet, wenn das Kochergut eine Temperatur von knapp unter 100°C
erreicht hat. In der Regel erfordert die Verdrängung der Prozeßstufen 7 und 8 etwa
das 1,2-fache Volumen der im Kocher befindlichen Flüssigkeitsmenge.
10. Kocherentleerung:
Die Entleerung des Kochers erfolgt nach dem in der Zellstofferzeugung praktizierten
Kalt-Blasverfahren (cold blow). Dabei wird der Stoff mit Waschfiltrat auf eine Konsistenz
von ca. 5% verdünnt und entweder durch Anwendung von Druck mittels Dampf oder Luft
ausgeblasen oder über eine Pumpe ausgetragen. Für das erfindungsgemäße Verfahren wird
das faserschonende Verfahren des Auspumpens bevorzugt.
Mit dem Verfahren der vorliegenden Erfindung werden im Vergleich zu dem bisher bekannten
besten Stand der Technik - mehrstufige Sulfitverfahren und Wasservorhydrolyse-Sulfatverfahren
- folgende wesentliche Vorteile erzielt:
- α-Cellulosegehalte wesentlich höher als bei Sulfitverfahren und gleich oder besser
als bei Sulfatverfahren.
- Reinheit des Zellstoffes wesentlich höher als bei Sulfitverfahren und gleich oder
besser als bei Sulfatverfahren.
- Festigkeiten und Viskosität des Zellstoffes ganz wesentlich höher als bei Sulfitverfahren
und bei gleichem α-Cellulosegehalt und gleicher Reinheit höher als bei Sulfatverfahren.
- Ausbeute an Endprodukt der Kochung (vor Weiterbehandlung wie z.B. Bleiche) und Ausbeute
an α-Cellulose gleich oder höher als bei Sulfatverfahren.
- Ausbeute an Endprodukt nach Weiterbehandlung bei gleichem α-Cellulosegehalt ganz wesentlich
höher als beim Sulfitverfahren.
- Anteil an α-Cellulose im Endprodukt der Kochung (vor Weiterbehandlung wie z.B. Bleiche)
gleich oder höher als beim Sulfatverfahren und ganz wesentlich höher als beim Sulfitverfahren.
- Die Dampfvorhydrolyse kombiniert mit der Verdrängungstechnologie der Sulfatkochung
ermöglicht eine Dampfeinsparung über den gesamten Kochprozeß einschließlich Nebenanlagen
wie die Chemikalienrückgewinnung im Vergleich zu den Wasservorhydrolyse-Sulfatverfahren
von ca. 50-60%, d.h. bezogen auf die gleiche Menge gewaschenen Zellstoff, gleichen
α-Cellulosegehalt (ca. 96%) werden für das Verfahren entsprechend der vorliegenden
Erfindung nur 40-50% der Energie benötigt, die bisher bei konventionellen Sulfatverfahren
eingesetzt wird. .
[0039] Die vorliegende Erfindung wird durch die nachfolgenden Beispiele 1 und 2 (siehe Fig.
2 und 3) erläutert.
1. Verfahren zur Herstellung von Viskosezellstoff aus Lignocellulosen nach einem Dampfvorhydrolyse-Sulfat(Kraft)-Verdrängungskochverfahren,
dadurch gekennzeichnet, daß nach der Vorhydrolyse mit Sattdampf der Kocher mit heißer
Schwarzlauge (HSL) einer vorangegangenen Kochung sowie gegebenenfalls unter Zusatz
von frischer Weißlauge (WL) befüllt wird und dabei die Hydrolyseprodukte neutralisiert
werden, wodurch im Kocher Neutralisationslauge (NL) entsteht, daß die in der Kochung
für die Delignifizierung erforderliche Alkalimenge in Form frischer Weißlauge (WL)
zugeführt wird, wobei gegebenenfalls eine Teilmenge der NL verdrängt wird, daß die
Kochung mit oder ohne Temperaturgradient erfolgt und daß die Kochung durch Verdrängen
der Kochlauge (HSL) mit alkalischem Waschfiltrat (WF) beendet wird, wodurch das alkalilösliche
Lignin des aufgeschlossenen Fasermaterials herausgewaschen und der Zellstoff für den
Austrag aus dem Kocher abgekühlt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Vorhydrolysat während der
Dampfvorhydrolyse über eine externe Leitung vom Boden des Kochers umgepumpt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1-2, dadurch gekennzeichnet, daß nach der für den jeweiligen
Rohstoff und das gewünschte Endprodukt optimalen Dampfvorhydrolyse die HSL einer vorangegangenen
Kochung mit einer Temperatur in den Kocher gefüllt wird, welche die Temperatur der
Vorhydrolyse, die z.B. 130°C bis 200°C beträgt, um bis zu 50°C über- oder unterschreitet.
4. Verfahren nach Anspruch 1-3, dadurch gekennzeichnet, daß die HSL gegebenenfalls durch
Zusatz von frischem Alkali (WL) so eingestellt wird, daß nach vollständiger Füllung
des Kochers ein pH-Wert von größer 9, vorzugsweise von 10-12, erreicht wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1-4, dadurch gekennzeichnet, daß die pH- und Temperatureinstellung
der NL durch Zumischung von WL entsprechender Temperatur und Alkalität zur HSL und/oder
Temperaturanpassung der HSL vor Einführung in den Kocher erfolgt.
6. Verfahren nach Anspruch 1-5, dadurch gekennzeichnet, daß die HSL am Kopf des Kochers
zugeführt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1-5, dadurch gekennzeichnet, daß die HSL von unten dem Kocher
zugeführt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 1-7, dadurch gekennzeichnet, daß die für den Beginn der Aufheizung
bzw. Kochung erforderliche Temperaturerhöhung und das Aktivalkali durch Verdrängen
eines Teiles oder der Gesamtmenge der NL durch WL, gegebenenfalls in Kombination mit
HSL, erfolgt.
9. Verfahren nach Anspruch 1-8, dadurch gekennzeichnet, daß die Verdrängung der NL durch
WL, gegebenenfalls in Kombination mit HSL, von oben nach unten erfolgt.
10. Verfahren nach Anspruch 1-8, dadurch gekennzeichnet, daß die Verdrängung der NL durch
WL, gegebenenfalls in Kombination mit HSL, von unten nach oben erfolgt.
11. Verfahren nach Anspruch 1-10, dadurch gekennzeichnet, daß die Kochung mit einer Aktivalkalimenge
von 18-28% als NaOH bezogen auf atro Lignocellulose, mit einer Temperatur von 140-185°C
und Kochzeiten von 40 bis 180 Minuten einschließlich Aufheizzeit erfolgt.
12. Verfahren nach Anspruch 1-11, dadurch gekennzeichnet, daß die Kochung mit einem mit
der Kochzeit steigenden Temperaturgradienten gefahren wird, wobei je nach Rohstoff
und Endprodukt der Temperaturanstieg linear mit der Kochzeit oder zu Beginn der Kochung
weniger stark als gegen Ende eingestellt oder nach einer anfänglichen Temperatursteigerung
mit konstanter Temperatur bis zum Ende gekocht wird.
13. Verfahren nach Anspruch 1-12, dadurch gekennzeichnet, daß die Kochung durch Verdrängen
der HSL mit WF einer solchen Alkalität und Temperatur beendet wird, daß die alkalilöslichen
Lignine des aufgeschlossenen Fasermaterials nicht rückkondensieren und die Temperatur
zur faserschonenden Kocherentleerung auf unter 100°C abgekühlt wird.
14. Verfahren nach Anspruch 1-13, dadurch gekennzeichnet, daß die Verdrängung der HSL
mit WF von oben nach unten erfolgt.
15. Verfahren nach Anspruch 1-13, dadurch gekennzeichnet, daß die Verdrängung der HSL
mit WF von unten nach oben erfolgt.
1. A process for producing viscose pulp from lignocelluloses according to a steam prehydrolysis
sulfate (Kraft) displacement digestion process, characterized in that, after prehydrolysis
with saturated steam, the digester is filled with hot black liquor (HSL) of a preceding
digestion as well as, if desired, with the addition of fresh white liquor (WL) and
the hydrolysis products are neutralized thereby, neutralization liquor (NL) thus being
formed in the digester, that the amount of alkali required in digestion for delignification
is supplied in the form of fresh white liquor (WL), thus, if desired, displacing a
partial amount of NL, that the digestion takes place with or without temperature gradient,
and that the digestion is completed by displacement of the digestion liquor (HSL)
with alkaline washing filtrate (WF), thus washing the alkali-soluble lignin out of
the digested fiber material and cooling the pulp for being discharged from the digester.
2. A process according to claim 1, characterized in that the prehydrolysate is circulated
from the bottom of the digester through an external duct during steam prehydrolysis.
3. A process according to claims 1-2, characterized in that after the optimum prehydrolysis
for the respective raw material and the desired end product, the digester is filled
with HSL of a preceding digestion having a temperature exceeding, or falling short
of, the temperature of prehydrolysis, which, for instance, ranges from 130°C to 200°C,
by up to 50°C.
4. A process according to claims 1-3, characterized in that the HSL is adjusted, if desired,
by addition of fresh alkali (WL), such that after complete filling of the digester
a pH of more than 9, preferably 10-12, is reached.
5. A process according to claims 1-4, characterized in that the adjustment of the pH
and temperature of NL is effected by admixing WL of the appropriate temperature and
alkalinity to HSL and/or by temperature adjustment of HSL prior to introduction into
the digester.
6. A process according to claims 1-5, characterized in that HSL is supplied on top of
the digester.
7. A process according to claims 1-5, characterized in that HSL is supplied to the digester
from below.
8. A process according to claims 1-7, characterized in that the temperature increase
necessary for the beginning of heating or digesting and the active alkali are effected
by displacement of a portion or of the total amount of NL by WL, if desired, in combination
with HSL.
9. A process according to claims 1-8, characterized in that the displacement of NL by
WL, if desired, in combination with HSL, is effected from top to bottom.
10. A process according to claims 1-8, characterized in that the displacement of NL by
WL, if desired, in combination with HSL, is effected from bottom to top.
11. A process according to claims 1-10, characterized in that digestion is effected with
an amount of active alkali of 18-28 % as NaOH, based on absolutely dry lignocellulose,
at a temperature of 140-185°C and digestion times of 40 to 180 minutes, including
heating.
12. A process according to claims 1-11, characterized in that digestion is conducted at
a temperature gradient increasing with the digestion time, wherein, depending on the
raw material and on the end product, the temperature increase is adjusted to be linear
with the digestion time or less strong at the beginning of digestion than towards
the end or after an initial temperature increase digestion is completed at a constant
temperature.
13. A process according to claims 1-12, characterized in that digestion is completed by
displacement of HSL by WF of such alkalinity and temperature that the alkali-soluble
lignins of the digested fiber material do not recondense and the temperature is lowered
to below 100°C for the fiber-saving emptying of the digester.
14. A process according to claims 1-13, characterized in that the displacement of HSL
by WF is effected from top to bottom.
15. A process according to claims 1-13, characterized in that the displacement of HSL
by WF is effected from bottom to top.
1. Procédé de production de pâte de cellulose pour viscose à partir de lignocelluloses
selon un procédé de cuisson à déplacement au sulfate (kraft) à préhydrolyse à la vapeur,
caractérisé en ce que, après la préhydrolyse avec de la vapeur saturée, le cuiseur
est rempli de liqueur noire très chaude (HSL) d'une cuisson précédente avec addition
éventuelle de liqueur blanche (WL) fraîche, les produits d'hydrolyse étant alors neutralisés,
de sorte qu'il se forme dans le cuiseur une liqueur de neutralisation (NL), en ce
que la quantité d'alcali nécessaire dans la cuisson pour la délignification est introduite
sous forme de liqueur blanche (WL) fraîche, une quantité partielle de la NL étant
éventuellement entraînée, en ce que la cuisson a lieu avec ou sans gradient de température
et en ce que la cuisson est terminée par déplacement de la liqueur de cuisson (HSL)
avec un filtrat de lavage (WF) alcalin, de sorte que la lignine, soluble dans les
alcalis, du matériau fibreux attaqué est retirée par lavage et que la pâte de cellulose
est refroidie pour l'évacuation hors du cuiseur.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que, pendant la préhydrolyse à
la vapeur, le préhydrolysat est amené à circuler par pompage par une conduite externe
depuis le fond du cuiseur.
3. Procédé selon les revendications 1 et 2, caractérisé en ce que, après la préhydrolyse
à la vapeur optimale pour la matière première correspondante et le produit final voulu,
la HSL d'une cuisson précédente est introduite dans le cuiseur à une température qui
est supérieure ou inférieure de jusqu'à 50°C à la température de la préhydrolyse qui
est par exemple de 130°C à 200°C.
4. Procédé selon les revendications 1 à 3, caractérisé en ce que la HSL est ajustée éventuellement
par addition d'alcalis frais (WL) de manière à obtenir, après le remplissage total
du cuiseur, un pH supérieur à 9, de préférence de 10 à 12.
5. Procédé selon les revendications 1 à 4, caractérisé en ce que le réglage du pH et
de la température de la NL est réalisé par mélange de WL de température et d'alcalinité
correspondantes à la HSL et/ou par adaptation de la température de la HSL avant l'introduction
dans le cuiseur.
6. Procédé selon les revendications 1 à 5, caractérisé en ce que la HSL est introduite
en tête du cuiseur.
7. Procédé selon les revendications 1 à 5, caractérisé en ce que la HSL est introduite
dans le cuiseur par le bas.
8. Procédé selon les revendications 1 à 7, caractérisé en ce que l'augmentation de température
nécessaire pour le début du chauffage ou de la cuisson et l'alcali actif sont obtenus
par déplacement d'une partie ou de la quantité totale de la NL par WL, éventuellement
en combinaison avec HSL.
9. Procédé selon les revendications 1 à 8, caractérisé en ce que le déplacement de la
NL par WL, éventuellement en combinaison avec HSL, a lieu de haut en bas.
10. Procédé selon les revendications 1 à 8, caractérisé en ce que le déplacement de la
NL par WL, éventuellement en combinaison avec HSL, a lieu de bas en haut.
11. Procédé selon les revendications 1 à 10, caractérisé en ce que la cuisson a lieu avec
une quantité d'alcali actif de 18 à 28 % en NaOH par rapport à la lignocellulose absolument
sèche, avec une température de 140 à 185°C et des durées de cuisson de 40 à 180 min
y compris la durée de chauffage.
12. Procédé selon les revendications 1 à 11, caractérisé en ce que la cuisson est conduite
avec un gradient de température croissant avec la durée de cuisson, la montée de la
température étant réglée de manière linéaire avec la durée de cuisson ou de manière
moins accentuée au début de la cuisson que vers la fin, ou bien la cuisson étant conduite
à température constante jusqu'à la fin après une montée initiale de la température,
en fonction de la matière première et du produit final.
13. Procédé selon les revendications 1 à 12, caractérisé en ce que la cuisson est terminée
par déplacement de la HSL par WF d'une alcalinité et d'une température telles que
les lignines du matériau fibreux attaqué qui sont solubles dans les alcalis ne se
recondensent pas et que la température pour la vidange du cuiseur qui épargne les
fibres est abaissée à moins de 100°C.
14. Procédé selon les revendications 1 à 13, caractérisé en ce que le déplacement de la
HSL par WF a lieu de haut en bas.
15. Procédé selon les revendications 1 à 13, caractérisé en ce que le déplacement de la
HSL par WF a lieu de bas en haut.