[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Entstickung von bei der thermischen Abfallverwertung
anfallender Rauchgase, bei dem in den Strahlungsraum oder Nachreaktionsraum der Verbrennungsanlage
bei Temperaturen von 850 bis 1000°C über ein Düsensystem als Reduktionsmittel wäßrige
Ammoniak- oder Harnstofflösung eingebracht und die austretenden, ggf. einer Entstaubung
unterworfenen Rauchgase, nach der Reinigung dem Kamin zugeführt werden.
[0002] Abfall, hier auch verwendet als Sammelbegriff für Restmüll, Sondermüll und Gemische
derselben, ist eine inhomogene Mischung aus organischen und anorganischen Bestandteilen.
Die konkrete Zusammensetzung ergibt sich aus den lokal angewendeten Sammel- und Sortierungsvorschrift
sowie der nichtthermischen Vorbehandlung. Nicht wiedergewinnbare Bestandteile des
Abfalls werden als heizwertreiches Brennstoffgemisch z.B. Rost- oder Drehrohr-Verbrennungsanlagen
zugeführt und unter Sauerstoffeinfluß bei Temperaturen von typischerweise 900 bis
1200°C verbrannt. Die Wärmerückgewinnung erfolgt im allgemeinen über nachgeschaltete,
dampfbetriebene Abhitzekessel.
[0003] In der Verbrennungszone bilden sich infolge der dort herrschenden hohen Temperaturen
erhebliche Mengen Stickoxide, die aus den Abgasen entfernt werden müssen, da sie als
Umweltgifte relevant sind. Grenzwerte für Stickoxide sind in nationalen Verordnungen
über Verbrennungsanlagen für Abfälle und ähnliche brennbare Stoffe, z.B. in der deutschen
Bundes-Immissionschutzverordnung, der schweizerischen Luftreinhalte Verordnung 1992
und der niederländischen "Richtlijn Verbranden 1989" festgelegt.
[0004] Zur Minderung der Stickoxid-Emissionen aus Abfall-Verbrennungsanlagen ist in der
Firmenschrift der Lurgi Energie und Umwelt GmbH, Frankfurt am Main, September 1992
ein Verfahren zur Entstickung von bei der thermischen Abfallverwertung in einem Verbrennungskessel
mit Rostfeuerung und Abhitzekessel anfallenden Rauchgasen beschrieben, bei dem in
den Feuerraum des Verbrennungskessels bei Temperaturen zwischen 850 bis 1000°C wäßrige
Ammoniak- oder Harnstofflösung als Reduktionsmittel eingedüst wird. Durch Zugabe des
wäßrigen Reduktionsmittels können je nach Stöchiometrie Abscheidegrade zwischen 50
% und über 90% erreicht werden. Zum Erreichen hoher Abscheidegrade von mehr als 80
% ist dafür eine Zugabe-Stöchiometrie von über 2 erforderlich. Überschüssiges Ammoniak
gelangt überwiegend als Ammoniakschlupf in die nachgeschaltete, zum Erreichen der
gesetzlichen Emissionswerte zwingend erforderlichen Rauchgasreinigungsanlage. Bei
naß betriebener Rauchgasreinigungsanlage wird der Ammoniakschlupf im Rauchgas in der
sauer betriebenen Wäscherstufe ausgewaschen und gelangt somit in das Abwasser, aus
dem der Ammoniak in einer alkalisch betriebenen Rektifizierkolonne abgetrennt werden
muß. Wird die Rauchgasreinigungsanlage trocken betrieben, so führt der Überschuß an
Ammoniak zu Geruchsbelästigungen.
[0005] In der vorstehend angeführten Firmenschrift ist ferner ein Verfahren zur Entstickung
von bei der thermischen Abfallverwertung in einem Verbrennungskessel mit Rostfeuerung
anfallender Rauchgase vorgesehen, bei dem den entstaubten und gereinigten Rauchgasen
mit Luft vorgemischtes Ammoniak in etwas stöchiometrischer Menge, bezogen auf die
abzuscheidenden Stickoxide, zudosiert und das so vorbehandelte Rauchgas anschließend
über einen in mehreren Ebenen angeordneten Katalysator geleitet wird. Der Katalysator
besteht im allgemeinen aus Titandioxid als Hauptkomponente sowie Oxiden von Vanadium,
Wolfram und ggf. anderen Metallen und arbeitet bei Betriebstemperaturen im Bereich
von 250 bis 400°C, vorzugsweise 320 bis 380°C. Die eigentliche Entstickungsvorrichtung
besteht aus einem Gas-Gas-Wärmeaustauscher, einer Heizanlage und dem den Katalysator
enthaltenen Reaktor. Der Wärmeaustauscher nutzt die heißen Rauchgase, die den Reaktor
verlassen, zur Vorwärmung der ankommenden Rauchgase auf die erforderliche Temperatur
des Katalysators durch eine Gas-, Öl- oder Dampfheizung. Die Dosierung des Ammoniaks
wird durch die vor und hinter dem Reaktor erfaßten Stickoxid-Meßwerte gesteuert. Die
Anlage zur Durchführung dieses Verfahrens bedarf eines vergleichsweise großen Platzbedarfs
und ist mit einem relativ hohem Betriebs- und Wartungsaufwand verbunden.
[0006] Es ist die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, daß eingangs beschriebene Verfahren
zur Entstickung vom bei der thermischen Abfallverwertung anfallender Rauchgase so
auszugestalten, daß selbst bei hohen Abscheidungsgraden der Ammoniakschlupf in den
Rauchgasen nicht mehr als 5 mg/Nm
3 beträgt und der dafür erforderliche Aufwand für Zusatzausrüstungen relativ niedrig
ist.
[0007] Die Lösung dieser Aufgabe erfolgte durch die im Anspruch 1 angegebenen Maßnahmen.
[0008] Ausgestaltungen dieser Verfahrensmaßnahmen sind in den Ansprüchen 2 bis 3 wiedergegeben.
[0009] Es hat sich gezeigt, daß die aus der ersten, nichtkatalytischen Verfahrensstufe austretenden,
eine Ammoniak-Konzentration von 50 bis 500 mg/Nm
3 enthaltenden Rauchgase, in der nachgestalteten zweiten, katalytischen Verfahrensstufe,
ggf. unter weiterer Zugabe von Ammoniak in einem vergleichsweise niedrigen Temperaturbereich
soweit entfernt werden können, daß im Rauchgas nur eine Restkonzentration von <5mg/Nm
3 verbleibt, so daß sowohl eventuell entstehende Emissionsgrenzwerte bereits an dieser
Stelle unterschritten als auch Geruchsbelästigungen aus Abscheideprodukten der nachgeschalteten
Rauchgasreinigungsanlage vermieden werden.
[0010] Die DE-C-4313479 befaßt sich ebenfalls mit einem zweistufigen Verfahren zur Entstickung
von bei der Herstellung von Zement im Drehrohrofen anfallenden Abgasen. Dabei wird
den Abgasen nach dem Austritt aus dem Drehrohrofen bei einer Temperatur von 750 bis
950°C Ammoniak mit einem Verhältnis von NO
x : NH
3 = 1 : 0,8 bis 1 : 1 zugegeben. Das Abgas wird dann mit einer Temperatur von 300 bis
400°C mit einem Katalysator in Kontakt gebracht, der als aktive Substanz eine Schüttung
aus Eisensulfat oder eine Schüttung einer Mischung aus Eisensulfat und Mangansulfat
aufweist. Das Verfahren arbeitet mit einem Entstickungsgrad von 75 bis 95 %. Ein Ammoniakschlupf
wird vermieden, weil bei der nichtkatalytischen Hochtemperaturentstickung innerhalb
des angegebenen Temperaturbereichs praktisch keine Verbrennung des Ammoniaks mit dem
im Abgas enthaltenden Sauerstoffs erfolgt, so daß das nicht zur Hochtemperaturentstickung
genutzte Ammoniak noch für die katalytische Abgasentstickung zur Verfügung steht,
die eine hohe Entstickungsleistung von 90 bis 95 % zuläßt.
[0011] Nachteilig ist bei diesem Verfahren, daß durch die Katalysatorschüttung ein unerwünschter
Druckverlust entsteht. Darüber hinaus ist die Reinigung der Katalysatorschüttung mit
einem erheblichen Aufwand verbunden.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren ist in der Zeichnung anhand eines Stoffstromdiagramms
beispielhaft dargestellt und wird nachfolgend näher erläutert.
[0013] In den eine Temperatur von 800 bis 1000°C aufweisenden Nachreaktionsraum (1) mit
anschließenden Abhitzekessel eines Müllverbrennungskessels (2) mit Feuerungsrost wird
über ein nichtdargestelltes Düsensystem wäßrige in dem Vorratsbehälter (3) befindliche
Ammoniaklösung über die Leitung (4) in überstöchiometrischer Dosierung eingebracht.
Die selektive nichtkatalytische Reaktion mit den Stickoxiden erfolgt nach der Reaktionsgleichung
4 NO + 4 NH
3 + O
2 → 4 N
2 + 6 H
2O.
[0014] Bei Eindüsung von Harnstoff ergibt sich folgende Reaktionsgleichung

[0016] In einer nachfolgenden Rauchgasreinigung (7) werden die Rauchgase gereinigt und gelangen
dann über das Gebläse (8) zum Kamin (9).
[0017] Zusätzlich besteht die Möglichkeit einen Anteil wäßriger Ammoniaklösung über die
Leitung (10) dem Reaktor (6) aufzugeben.
[0018] Die Erfindung wird durch Ausführungsbeispiele näher erläutert:
[0019] In dem Feuerraum eines Müllverbrennungskessels wird Kommunalmüll bei einer Temperatur
von 1.050°C unter Bildung eines Rauchgasvolumens von 100.000 Nm
3/h verbrannt. In dem Nachreaktionsraum des Müllverbrennungskessels werden in die Rauchgase
30 kg/h wäßrige 25 %-ige Ammoniaklösung eingesprüht, so daß die Temperatur der Rauchgase
auf 650°C gesenkt wird. Nach Durchströmen des nachfolgenden Abhitzekessels der Müllverbrennungsanlage
beträgt die Temperatur der Rauchgase nur noch 220°C. Die aus dem Abhitzekessel austretenden
Rauchgase werden dann in einem Gewebefilter entstaubt, danach mittels eines Wabenkatalysators
entstickt und dann in einem Sprühabsorber gereinigt. Das aus dem Sprühabsorber austretende
Rauchgasvolumen von 105.000 Nm
3/h besitzt eine Temperatur von 130°C und wird über ein Gebläse dem Kamin zugeführt.
1. Verfahren zur Entstickung von bei der thermischen Abfallverwertung anfallender Rauchgase,
bei dem in den Strahlungsraum oder Nachreaktionsraum (1) der Verbrennungsanlage (2)
bei Temperaturen von 850 bis 1000°C über ein Düsensystem als Reduktionsmittel wäßrige
Ammoniak- oder Harnstofflösung eingebracht und die austretenden, ggf. einer Entstaubung
(5) unterworfenen Rauchgase, nach der Reinigung (7) dem Kamin (9) zugeführt werden,
dadurch gekennzeichnet, daß die Rauchgase vor dem Eintritt in die Rauchgasreinigung
(7) über einen zur Entstickung geeigneten, mit einer Betriebstemperatur von 200 bis
400°C arbeitenden Festkatalysator (6) geleitet werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Betriebstemperatur des
Festkatalysators (6) 250 bis 380°C beträgt.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß mehr als 50%
der wäßrigen Ammoniak- oder Harnstofflösung dem Strahlungsraum oder Nachreaktionsraum
(1) der Verbrennungsanlage (2) und der Rest dem Festkatalysator (6) zugeleitet werden.