(19)
(11) EP 0 816 277 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
07.01.1998  Patentblatt  1998/02

(21) Anmeldenummer: 97108839.8

(22) Anmeldetag:  03.06.1997
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6B65H 54/38
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE

(30) Priorität: 26.06.1996 DE 19625511

(71) Anmelder: W. SCHLAFHORST AG & CO.
D-41061 Mönchengladbach (DE)

(72) Erfinder:
  • Hermanns, Ferdinand-Josef
    41812 Erkelenz (DE)
  • Meyer, Urs, Prof. Dr.
    8092 Zürich (CH)

   


(54) Verfahren und Vorrichtung zum Herstellen von Kreuzspulen in wilder Wicklung


(57) Beim Herstellen einer Kreuzspule mittels einer die Kreuzspule antreibenden Friktionswalze wird vorgesehen, daß die Winkelgeschwindigkeiten der Friktionswalze und der Kreuzspule fortlaufend derart ausgewertet werden, daß der Verlauf der Istwerte der Größe des Garnauftrags während eines Spulvorgangs ermittelt wird.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Herstellen von Kreuzspulen in wilder Wicklung mittels einer Spulvorrichtung, die eine eine Kreuzspule antreibende Friktionswalze enthält und die Mittel zum fortlaufenden Erfassen und Auswerten der Winkelgeschwindigkeiten von Friktionswalze und Kreuzspule aufweist, wobei mittels eines Garnauftrags auf eine zunächst leere Spulenhülse während einer Spulreise eine Kreuzspule gebildet wird.

[0002] Ein Verfahren und eine Vorrichtung der eingangs genannten Art sind beispielsweise aus der DE 42 39 579 A1 bekannt. Dort werden die erfaßten Winkelgeschwindigkeiten von Friktionswalze und Kreuzspule ausgewertet, um sogenannte Bildzonen zu erkennen und Bildstörverfahren auszulösen, um Bildwickel zu verhindern oder zu vermindern.

[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten Art so weiterzubilden, daß eine Aussage über die Qualität der hergestellten Kreuzspule getroffen werden kann und gegebenenfalls bereits während des Spulvorganges Eingriffe in den Spulvorgang vorgenommen werden können, um die Qualität zu verbessern.

[0004] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, daß die Winkelgeschwindigkeiten derart ausgewertet werden, daß der Verlauf der Istwerte der Größe des Garnauftrags fortlaufend während eines Spulvorgangs ermittelt wird.

[0005] Der Garnauftrag, der beispielsweise als Garnauftrag pro Umdrehung der Spule oder als Garnauftrag pro Zeit ermittelt wird, ist eine wesentliche Kenngröße für die Qualität der Kreuzspule, da sich daraus insbesondere eine Aussage über die Wickeldichte der Kreuzspule gewinnen läßt. Ist der Garnauftrag während einer Spulreise weitgehend gleichmäßig und konstant, so ist dies eine Aussage über die Wickeldichte, da dann die Wickeldichte weitgehend gleichmäßig ist. Eine Kreuzspule mit gleichmäßiger Wickeldichte hat bei der Weiterverarbeitung Vorteile, beispielsweise beim Färben und insbesondere beim Abspulen. Hier ist zu beachten, daß beispielsweise trotz einer Kompensation der Auflagekraft, mit welcher die Kreuzspule während des Spulvorgangs auf der Friktionswalze aufliegt, und trotz einer Fadenzugkraftregelung auf einen konstanten Wert noch relativ hohe Dichteschwankungen erhalten werden, insbesondere in Bereichen von Bildzonen. Aufgrund der Information über den Verlauf des Garnauftrages auch im Bereich der Bildzonen läßt sich dabei auch auf die Qualität des angewandten Bildstörverfahrens schließen.

[0006] In Ausgestaltung der Erfindung wird vorgesehen, daß die Istwerte des Garnauftrages als eine Kurve während der Spulreise über die Zeit oder über den Spulendurchmesser aufgezeichnet werden. Dies kann beispielsweise dadurch geschehen, daß diese Kurve parallel zum Spulprozeß ausgedruckt wird. Es ist auch möglich, diese Kurve abzuspeichern und später auszudrucken oder auf einem Monitor zur Anzeige zu bringen, um die Qualität einer Kreuzspule zu beurteilen.

[0007] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung wird vorgesehen, daß aus den Istwerten der Größe des Garnauftrags der Durchmesser der Kreuzspule gebildet und mit einem Grenzwert verglichen wird, der dem maximal herzustellenden Spulendurchmesser entspricht, bei dessen Erreichen der Spulprozeß mit dieser Kreuzspule beendet wird. Dadurch ist es möglich, Kreuzspulen herzustellen, die alle exakt den gleichen Durchmesser aufweisen.

[0008] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung wird vorgesehen, daß die Istwerte der Größe des Garnauftrages wenigstens in einem Bereich einer Bildzone fortlaufend mit Sollwerten verglichen und auf diese Sollwerte eingeregelt werden. Durch das Regeln der Größe des Garnauftrages insbesondere im Bereich einer Bildzone lassen sich Dichtschwankungen in diesem Bereich zumindest reduzieren, so daß eine Kreuzspule mit einer erhöhten Qualität hergestellt werden kann.

[0009] Um die Aufgabe bei einer Vorrichtung der eingangs genannten Art zu lösen, wird in Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen, daß die Mittel zum Auswerten eine die Istwerte der Größe des Garnauftrags fortlaufend während einer Spulreise ermittelnde Auswerteeinrichtung enthalten.

[0010] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung der in der Zeichnung dargestellten Ausführungsform.
Fig. 1
zeigt eine schematische Ansicht einer Vorrichtung zum Durchführen des erfindungsgemäßen Verfahrens,
Fig. 2
eine schematische Darstellung einer Friktionswalze und einer davon angetriebenen Kreuzspule zur Erläuterung der bei der Ermittlung des Garnauftrags benutzten physikalischen Größen und
Fig. 3
ein Blockdiagramm einer Auswerteeinrichtung zum Ermitteln des Garnauftrags pro Spulenumdrehung und zum Auswerten dieser ermittelten Werte.


[0011] Mit der Spulvorrichtung nach Fig. 1 wird ein Faden (10), der in Pfeilrichtung (11) läuft, auf eine Spulenhülse (12) zu einer zylindrischen Kreuzspule (13) aufgewickelt. Die zylindrische Kreuzspule (13) liegt auf einer Friktionswalze (14) auf, die mit einem Kehrgewinde (15) versehen ist, so daß sie gleichzeitig als eine Changiereinrichtung wirkt. Der Faden (10) läuft über einen einstellbaren und/oder regelbaren Fadenspanner (16) zu einer Fadenführungsöse (17) und danach zum Kehrgewinde (15) der Friktionswalze (14).

[0012] Die Kreuzspule (13) ist mittels Spulentellern (18) gehalten, die in die Spulenhülse (12) eingreifen und mit der Spulenhülse (12) und damit mit der Kreuzspule (13) rotieren. Die Spulenteller (18) sind drehbar in einem Spulenrahmen (19) derart gelagert, daß die Kreuzspule (13) mit einer vorgebbaren Auflagekraft auf der Friktionswalze (14) aufliegt.

[0013] Zu der Spulvorrichtung gehört eine Steuer- und/oder Regeleinrichtung (20). Die Steuer- und/oder Regeleinrichtung (20) gibt die Geschwindigkeit eines Antriebsmotors (21) der Friktionswalze (14) vor. Dies geschieht beispielsweise über einen Wechselrichter (22), der an den als Asynchronmotor ausgebildeten Antriebsmotor (21) angeschlossen ist. Die Steuer- und/oder Regeleinrichtung (20) wirkt auch auf den nur schematisch dargestellten, verstellbaren Fadenspanner (16), so daß die Fadenzugkraft eingestellt und insbesondere auf einen konstanten Wert eingeregelt wird, mit welchem der Faden (10) auf die Kreuzspule (13) aufgewickelt wird.

[0014] Der Spulenrahmen (19) ist mit einer nur schematisch dargestellten Einrichtung (23) versehen, mit der die Auflagekraft einstellbar ist, mit der die Kreuzsspule (13) auf der Friktionswalze (14) aufliegt. Die Einrichtung (23) kann autonom arbeiten, d.h. selbsttätig über den Spulendurchmesser für eine wenigstens annähernde Konstanthaltung der Auflagekraft sorgen. Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel ist jedoch vorgesehen, daß die Einrichtung (23) von der Steuer- und/oder Regeleinrichtung (20) eingestellt wird, beispielsweise auf eine konstante Auflagekraft eingeregelt wird.

[0015] Einem Spulenteller (18) und der Welle (26) der Friktionswalze (14) sind Drehwinkelgeber (24, 25) zugeordnet, die an die Steuer- und/oder Regeleinrichtung (20) angeschlossen sind.

[0016] Bei bestimmten, im voraus berechenbaren Durchmesserverhältnissen von Friktionswalze (14) und Kreuzspule (13), in den sogenannten Bildzonen, treten Bilder oder Rauten auf, die insbesondere das Abspulen des Fadens von der Kreuzspule nachteilig beeinflussen. Es werden deshalb Bildstörverfahren eingesetzt, die derartige Bilder oder Rauten verhindern oder wenigstens in ihrer Auswirkung verringern. Hierzu ist es bekannt, den Antriebsmotor (21) in Intervallen derart ein- und auszuschalten, daß in einer Beschleunigungsphase nach dem Einschalten ein Schlupf zwischen Friktionswalze (14) und Kreuzspule (13) vorhanden ist, und in der anschließenden Auslaufphase ein schlupffreier Zustand zwischen Friktionswalze (14) und Kreuzspule (13) herrscht. Sobald die Drehzahl der Friktionswalze unter einen vorgegebenen Wert abgefallen ist, erfolgt ein erneutes Einschalten, d.h. eine Beschleunigungsphase mit Schlupf, für eine vorgegebene Zeitspanne. Es ist bekannt, daß trotz eines derartigen Bildstörverfahrens im Bereich einer Bildzone eine relativ starke Vergrößerung der Wickeldichte mit den damit verbundenen negativen Folgen für das Abspulverhalten auftritt.

[0017] Schon das Wissen über die Größe und/oder den Verlauf von Schwankungen der Wickeldichte innerhalb einer Kreuzspule ist von Vorteil, da diese Kenntnis bei der Weiterverarbeitung (Färben oder Abspulen) verwendet werden kann und da diese Größe eine Aussage über die Qualität der Kreuzspule darstellt. Zu besonderen Vorteilen führt darüber hinaus das Erfassen der Wickeldichte während des Spulvorgangs dann, wenn aufgrund dieser ermittelten Größe Eingriffe in den Spulvorgang vorgenommen werden, insbesondere um die Schwankungen in der Wickeldichte zumindest zu verringern.

[0018] Die Erfindung geht von der Überlegung aus, daß ein unmittelbares Anzeichen für die Wickeldichte der Garnauftrag pro Umdrehung der Kreuzspule (13) ist oder auch der Garnauftrag opro Zeiteinheit. Nimmt die Größe des Garnauftrags bei an sich gleichbleibenden Wickelbedingungen ab, so entspricht das unmittelbar einer Erhöhung der Wickeldichte. Umgekehrt entspricht eine Erhöhung des Garnauftrags pro Umdrehung oder Zeit einer Verminderung der Wickeldichte. Der Verlauf der Istwerte der Größe des Garnauftrags über eine Spulreise, d.h. das Aufwickeln eines Garns (oder Fadens) auf eine zunächst leere Spulenhülse (12) bis zum Erzeugen einer fertigen Kreuzspule (13), ist somit eine wichtige Kenngröße für eine Kreuzspule. Die vorliegende Erfindung stellt deshalb ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Verfügung, durch die der Verlauf der Istwerte des Garnauftrags während des Spulvorganges fortlaufend ermittelt wird.

[0019] Theoretisch ist die Ermittlung des Garnauftrags aufgrund folgender Gleichung (1) relativ einfach



[0020] In dieser Gleichung bedeutet
dsp
(momentaner) Durchmesser der Kreuzspule (13),
dFW
Durchmesser der Friktionswalze (14) (der einen bekannten konstanten Wert hat),
ωFW
Winkelgeschwindigkeit der Friktionswalze (14) und
ωsp
Winkelgeschwindigkeit der Kreuzspule (13).


[0021] Der Garnauftrag (δ) entspricht dann der Hälfte der Durchmesseränderung nach einer Umdrehung. Diese Berechnung führt jedoch nicht zu einem brauchbaren Ergebnis, da der Garnauftrag (δ) pro Spulenumdrehung im Verhältnis zu dem Spulendurchmesser äußerst gering ist. Aufgrund des Rauschens der Meßwerte läßt sich auf diese Weise der Garnauftrag (δ) nicht ermitteln.

[0022] Zur Berechnung des Garnauftrags (δ) in Abhängigkeit von der Spulumdrehung wird deshalb eine zweite Gleichung herangezogen nämlich die Gleichung (2a)



[0023] In dieser Gleichung bedeutet
dsp
der momentane Durchmesser der Kreuzspule (13),
d0
der zuvor berechnete Durchmesser der Kreuzspule (13),
δ
Garnauftrag pro Umdrehung der Kreuzspule (13) und
nsp
Anzahl der Umdrehungen der Kreuzspule (13) nach dem zuvor berechneten Durchmesser d0.


[0024] Aus dieser Gleichung wird ein mathematisches Filter entwickelt, in das das Ergebnis der Gleichung (1) und die Anzahl der Umdrehungen (nsp) eingegeben werden. Dieses mathematische Filter liefert dann jeweils die Werte für d0 und für den Garnauftrag (δ).

[0025] Diese Auswertung wird nachfolgend anhand von Fig. 3 näher erläutert. Da das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße Vorrichtung in gleicher Weise für zylindrische Kreuzspulen (13) als auch für konische Kreuzspulen (13') eingesetzt werden kann, ist in Fig. 3 eine konische Kreuzspule (13') in Verbindung mit einer Friktionswalze (14) angedeutet. Die Winkelgeber (24, 25) liefern die Winkelgeschwindigkeit (ωsp) der Kreuzspule (13) und die Winkelgeschwindigkeit (ωFW) der Friktionswalze (14). In einer Auswerteeinrichtung (27) wird der Durchmesser (dsp) nach der Gleichung (1) berechnet. Bei einer konischen Kreuzspule ist das der angetriebene Durchmesser. Da der Durchmesser (dFW) der Friktionswalze (14) konstant ist, kann die Multiplikation mit diesem Wert entfallen. In einem Umdrehungszähler (28) werden aufgrund der Winkelgeschwindigkeit (ωsp) der Kreuzspule (13) die Anzahl der Umdrehungen gezählt. Die Werte des Umdrehungszählers (28) und der Auswerteeinrichtung (27) werden in das mathematische Filter (29), beispielsweise ein Kalman-Filter, eingegeben, das aus der Gleichung (2a) entwickelt worden ist. Dieses Filter liefert die Istwerte (δi) für den Garnauftrag. Ebenso liefert das Filter den Spulendurchmesser (d0) entsprechend der letzten Berechnung. In einer nachfolgenden Auswerteeinrichtung (30) wird der Durchmesser (dsp) nach der Gleichung (2a) berechnet, wobei auch der Wert des Umdrehungszählers (28) mit eingegeben wird.

[0026] Während des Herstellens einer Kreuzspule (13), d.h. während einer Spulreise, sind auch Zeitabschnitte vorhanden, in denen die Gefahr einer Änderung der Wickeldichte nicht besteht oder eine Änderung allenfalls in einem unschädlichen Maß auftritt. Das Erfassen des Spulendurchmessers (dsp) und des Garnauftrages (δ) kann deshalb auf erfahrungsgemäß gefährdete Abschnitte beschränkt werden.

[0027] Die in vorstehender Weise erhaltenen Werte (dsp) und (δi) können in mehrere Richtungen ausgewertet werden. Beispielsweise kann in einer Vergleichseinrichtung (31) der gemessene Durchmesser (dsp) mit einem Maximalwert (dspmax) verglichen werden, der bei Übereinstimmung von dsp mit dspmax ein Signal zum Beenden des Spulprozesses der gerade hergestellten Kreuzspule (13) ausgibt.

[0028] Die Werte (dsp) und (δi) werden weiter einer Einrichtung (32) zum Aufzeichnen zugeführt, beispielsweise einem Speicher, in welchem der Verlauf des Garnauftrags (δ) über den Durchmesser (dsp) der Kreuzspule (13) aufgezeichnet wird. Bei Bedarf können die in dem Speicher (32) aufgezeichneten Werte an einen Drucker (33) weitergeleitet und dort ausgedruckt werden. Sie können auch an einen Bildschirm (34) weitergeleitet und dort zur Anzeige gebracht werden.

[0029] Wie in Fig. 3 weiter dargestellt ist, kann der Istwert (δi) des Garnauftrages auch an eine Vergleichseinrichtung (35) weitergeleitet werden, die den Istwert (δi) mit einem Sollwert (δsoll) vergleicht. Unterschreitet der Istwert (δi) den Sollwert (δsoll), so ist dies ein Zeichen dafür, daß die Kreuzspule (13) mit einer zu hohen Wickeldichte gewickelt wird. Die Vergleichseinrichtung (35) kann in diesem Fall ein Eingriffsignal auslösen, das auf den Fadenspanner (16) und/oder den Wechselrichter (22) des Antriebsmotors (21) einwirkt, um durch teilweises Öffnen des Fadenspanners (16) und/oder Verringern der Drehzahl des Antriebsmotors (22) die Fadenzugkraft zu reduzieren. Das Signal der Vergleichseinrichtung (35) kann gleichzeitig oder alternativ auch der Einrichtung (23) zugeführt werden, um die Auflagekraft der Kreuzspule (13) auf der Friktionswalze (14) zu reduzieren und damit ebenfalls die Wickeldichte wieder zu verringern. Der Sollwert (δsoll) kann vorausgegeben oder während des Spulprozesses ermittelt werden, insbesondere im Bereich außerhalb von Bildzonen, in denen der Garnauftrag (δ) relativ konstant ist. Da ein Eingriff in den Spulvorgang in den meisten Fällen nur im Bereich von Bildzonen erforderlich ist, und dabei nur in Bildzonen bei größeren Spulendurchmessern, wird zweckmäßigerweise die Vergleichseinrichtung (35) nur im Bereich derartiger Bildzonen tätig. Hierzu ist es möglich, die Signale der Drehwinkelgeber (24, 25) auszuwerten, um den Bereich einer Bildzone zu erkennen, wie dies beispielsweise aus der DE 42 39 579 A1 bekannt ist.

[0030] In dem Vorstehenden ist dargelegt worden, wie die Istwerte (δi) des Garnauftrags fortlaufend während eines Spulvorganges unter Auswertung der von Drehwinkelgebern (24, 25) erfaßten Winkelgeschwindigkeiten (ωsp) der Kreuzspule (13) und (ωFW) der Friktionswalze (14) ermittelt werden. Selbstverständlich ist eine entsprechende Auswertung auch möglich, wenn die Periodendauern der Kreuzspule (13) und der Friktionswalze (14) oder die Drehzahlen ermittelt und miteinander verarbeitet werden. Soweit in den Ansprüchen die Winkelgeschwindigkeiten beansprucht sind, sind diese als Synonym für in gleicher Weise erfaßbare Meßwerte zu verstehen.

[0031] Der Verlauf des Durchmessers (dsp) über die Wickelzeit läßt sich mit folgender Gleichung (2b) ausdrücken:



[0032] Die Gleichung (2b) wird aus der Abhängigkeit des Durchmessers (dsp) der Kreuzspule (13) von dem Drehwinkel (ϕ) der Spule erhalten, für den gilt



[0033] Hierin ist ϕ(t) der Drehwinkel der Kreuzspule in Abhängigkeit von der Zeit. Wird diese Gleichung nach der Zeit abgeleitet, so ergibt sich



[0034] Die Ableitung ϕ̇(t) ist die Winkelgeschwindigkeit ω(t) der Kreuzspule (13), so daß gilt



[0035] Da ferner gilt

und damit

ergibt sich

wobei ϕ die Umfangsgeschwindigkeit der Kreuzspule ist.

[0036] Wird diese Gleichung nach ω integriert und außerdem eingesetzt

so ergibt sich daraus

unter der Voraussetzung, daß

ist,
gilt

woraus dann folgt

d.h., die Gleichung (2b), in der
ϕ die bekannte Umfangsgeschwindigkeit der Friktionswalze (14) ist.

[0037] Wird der momentane Spulendurchmesser (dsp) und/oder der Garnauftrag (δi) über die Zeit nach der Gleichung (2b) ermittelt, so wird in Abwandlung der Fig. 3 anstelle eines Umdrehungszählers (28) eine Zeitmeßeinrichtung vorgesehen. Das mathematische Filter (29) ist in diesem Fall aus der Gleichung (2b) entwickelt.


Ansprüche

1. Verfahren zum Herstellen von Kreuzspulen in wilder Wicklung mittels einer Spulvorrichtung, die eine eine Kreuzspule antreibende Friktionswalze enthält und die Mittel zum fortlaufenden Erfassen und Auswerten der Winkelgeschwindigkeiten von Friktionswalze und Kreuzspule aufweist, wobei mittels eines Garnauftrags auf eine zunächst leere Spulenhülse während einer Spulreise eine Kreuzspule gebildet wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Winkelgeschwindigkeiten derart ausgewertet werden, daß die Istwerte der Größe des Garnauftrages fortlaufend während eines Spulvorgangs ermittelt werden.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Ermittlung der Istwerte des Garnauftrages mittels eines mathematischen Filters erfolgt, das aus einer den momentanen Durchmesser der Kreuzspule über die Wickelzeit oder über die Anzahl der Umdrehungen der Kreuzspule angebenden Gleichung entwickelt ist.
 
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Istwerte des Garnauftrags als eine Kurve über der Zeit oder den Spulendurchmesser aufgezeichnet werden.
 
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß aus den Istwerten der Größe des Garnauftrages der Durchmesser der Spule gebildet und mit einem Grenzwert verglichen wird, der dem maximal herzustellenden Spulendurchmesser entspricht, bei dessen Erreichen der Spulprozeß dieser Kreuzspule beendet wird.
 
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Istwerte der Größe des Garnauftrags wenigstens in einem Bereich einer Bildzone fortlaufend mit Sollwerten verglichen und auf die Sollwerte eingeregelt werden.
 
6. Vorrichtung zum Herstellen von Kreuzspulen in wilder Wicklung mittels einer Spulvorrichtung, die eine eine Kreuzspule antreibende Friktionswalze enthält und die Mittel zum fortlaufenden Erfassen und Auswerten der Winkelgeschwindigkeiten von Friktionswalze und Kreuzspule aufweist, wobei mittels eines Garnauftrages auf eine zunächst leere Spulenhülse während einer Spulreise eine Kreuzspule gebildet wird, und zum Durchführen des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Mittel zum Auswerten eine die Istwerte (δi) der Größe des Garnauftrags (δ) fortlaufend während eines Spulvorganges ermittelnde Auswerteeinrichtung (24, 25, 27, 28, 29) enthalten.
 
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Auswerteeinrichtung ein mathematisches Filter (29) enthält, das aus einer den momentanen Spulendurchmesser (dsp) der Kreuzspule (13) über die Anzahl der Spulenumdrehungen oder über die Zeit berechnenden Gleichung (2a, 2b) gebildet ist.
 
8. Vorrichtung nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß eine den gemessenen Spulendurchmesser (dsp) mit einem einstellbaren Maximalwert (dspmax) vergleichende und bei Erreichen des Maximalwerts ein Signal zum Beenden des Spulprozesses abgebende Einrichtung (31) vorgesehen ist.
 
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß eine Einrichtung (32, 34) zum Aufzeichnen und/oder Anzeigen des Verlaufs des Garnauftrages (δ) vorgesehen ist.
 
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß eine Einrichtung (35) zum Vergleichen des Istwertes (δi) des Garnauftrages mit einem Sollwert (δsoll) des Garnauftrags und zum Ausgeben von stellsignalen bei Abweichungen von Istwert und Sollwert vorgesehen ist.
 




Zeichnung