[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer Druckmaschine mit einer Mehrzahl
im Funktions- und/oder Kopplungsverbund zusammenwirkender Druckmaschinenteile, die
von einem oder mehreren Antriebsmotoren bewegt werden, wobei zur Kopplung, Koordination
und/oder Synchronisation der Bewegungen aus einem oder mehreren, den Druckmaschinenteilen
gemeinsam zugeordneten Leitparametern Lage-, Geschwindigkeits- und/oder Beschleunigungs-Sollwerte
für den oder je einen Antriebsmotor generiert werden, worauf hin der oder die Antriebsmotoren
zur Bewegung des oder der Druckmaschinenteile zwecks Ausführung einer oder mehrerer
drucktechnischer Funktionen angesteuert werden. Ferner betrifft die Erfindung eine
zur Durchführung dieses Verfahrens geeignete steuerungs- oder regelungstechnische
Anordnung, die ein rechnergeführtes Antriebssystem besitzt, welches zur Ansteuerung
der mehreren Antriebsmotoren je eine Kontrolleinheit sowie wenigstens eine diesen
gemeinsam übergeordnete Leitsteuerung aufweist, welche den Kontrolleinheiten zur Übermittlung
der Leitparameter zugeordnet ist.
[0002] Druckmaschinen-Betriebsverfahren und regelungstechnische Anordnungen etwa dieser
Art sind beispielsweise aus der deutschen Zeitschriff

Deutscher Drucker" Nr. 18/8. Mai 1997, w30, w32, w34 bekannt. Ferner wird in DE 195
27 199 A1 bei einer Flexodruckmaschine vorgeschlagen, daß im Leitsystem eine Leitachse
abgebildet oder generiert wird, von der Winkellage-Sollwerte und/oder Winkellage-Versatzwerte
für die Rasterwalze und/oder den Formatzylinder der Farbwerke und/oder für die Gegendruck-
und/oder Zentralzylinder abgeleitet werden. Die diesen zugeordneten Elektromotoren
sind entsprechend den Soll- oder Versatzwerten anzusteuern. Insbesondere wird der
Vorschlag gemacht, die Leitachse abhängig von den Ausgangssignalen des dem Zentral-
und/oder Gegendruckzylinder zugeordneten Winkellagegebers abzubilden und nur die Farbwerke
oder etwaige weitere Gegendruckzylinder mit Winkellage-Sollwerten oder -Versatzwerten
im Rahmen der Umfangsregisterverstellung elektromotorisch zu beeinflussen. Dazu alternativ
wird auch vorgeschlagen, daß die Leitachse unabhängig von Rasterwalze, Format-, Gegendruck-
oder Zentralzylinder generiert bzw. synthetisiert wird, und die von dieser Leitachse
abgeleiteten Winkellage-, Soll- und - Versatzwerte einer, mehreren oder allen Rotationskomponenten
parallel elektromotorisch eingeprägt werden.
[0003] Bei bisherigen Zeitungsdruckmaschinen ist es bekannt, zur Verstellung der Farb/Umfangsregister
und/oder Schnittregister neben den Hauptantrieben angeordnete Hilfsantriebe einzusetzen.
Dies erhöht allerdings den Aufwand an Funktionskomponenten und Maschinenteilen, die
herzustellen, zu montieren, in Betrieb zu setzen und zu warten sind. Zudem müssen
diese Hilfsantriebe eigens gesteuert oder geregelt werden, was den Aufwand für Software
wegen der dafür erforderlichen Komplexität erhöht.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Betriebsweise und -methodik für eine
Druckmaschine zu schaffen, bei der auch Hilfsfunktionen, die bisher durch separat
vorgesehene Hilfsantriebe realisiert wurden, durch Hauptantriebe vollzogen werden
können. Die Betriebsweise soll mit einer in sich übersichtlich und modular gegliederten
Software und mit einem Minimum an baulichem Aufwand durchführbar sein.
[0005] Zur Lösung wird bei einem Betriebsverfahren mit den eingangs genannten Merkmalen
erfindungsgemäß vorgeschlagen, daß zur Ausführung der einen oder mehreren drucktechnischen
Funktionen oder Hilfsfunktionen für mindestens einen dafür zuständigen Antriebsmotor
ein Teil der Sollwerte unter Verwendung von einem oder mehreren Verfahrparametern,
die der oder den betreffenden drucktechnischen (Hilfs-) Funktionen entsprechen, generiert
werden, und alle aus den Leit- und Verfahrparametern gewonnenen Sollwerte untereinander
zur Ansteuerung des Antriebsmotors überlagert werden. Die Überlagerung der Verfahrparameter
erfolgt in bezug auf die Leitparameter und auch untereinander. Mit der erfindungsgemäß
eingesetzten Superposition aller Parameter ist eine einfache Methodik erschlossen,
neben den Druckmaschinen-Hauptfunktionen gleichzeitig weitere (Hilfs-) Funktionen
ablaufen zu lassen. Die Antriebsmotoren für die Druckmaschinenteile, womit die Funktionen
zu realisieren sind, werden durch das erfindungsgemäße Überlagerungsprinzip in ihrer
Anwendungsvielfalt und auch ihrer Ausnutzung erheblich erweitert.
[0006] Zweckmäßig beziehen sich die Leitparameter auf die Geschwindigkeit und/oder Beschleunigung,
die allgemein für die Druckmaschine oder für deren Funktionsverband mit den betreffenden
Druckmaschinenteilen vorgegeben ist. Die Leitparameter können eine Vorgabe für eine
sogenannte

virtuelle Leitachse" bilden bzw. in diese umgesetzt werden. Die

virtuelle Leitachse" bildet die Referenz für die Synchronisation einer Mehrzahl von
Antriebsmotoren mit davon bewegten Druckmaschinenteilen, insbesondere Drehkörper wie
Walzen oder Zylinder.
[0007] Nach einer weiteren Ausbildung der Erfindung sind Verfahrsatzparameter Weg, Geschwindigkeit
und/oder Beschleunigung, wobei die Vorgabe mit Bezug auf die Leitparameter mit absoluten
und/oder relativen Registerwerten erfolgt. Mit einem solchen Parametersatz läßt sich
eine Vielfalt von drucktechnischen Funktionen für den betroffenen Antriebsmotor nebst
zugeordnetem Maschinenteil realisieren.
[0008] Eine besonders vorteilhafte Verwendung der überlagerten Verfahrparameter besteht
in der Beeinflussung des drucktechnischen Registersystems. Die Verfahrparameter können
insbesondere zur Einstellung drucktechnischer Register wie Farb/Umfangs- und/oder
Schnittregister der Druckmaschine, eines Funktions- und/oder Kopplungsverband davon
oder des betreffenden Druckmaschinenteiles für sich genommen eingesefzt werde. Mit
Ihnen kann auch für registergerechte Kopplung, Koordination und/oder Synchronisation
der Bewegungen des betroffenen Antriebsmotors gesorgt werden.
[0009] Gemäß noch konkreterer Ausgestaltung lassen sich Verfahrparametersätze dazu verwenden,
zusätzliche Winkeländerungen des jeweiligen Antriebsmotors nebst daran zur Drehung
angekuppelten Maschinenteilen zu realisieren. Ist die Druckmaschine oder ein Funktionsverband
davon nachdem an sich bekannten Prinzip der Einzelantriebstechnik (vgl. DE 41 38 479
A1, DE 43 22 744 A1, DE 195 27 199 A1, DE 195 29 430 A1, DE 196 33 745 A1, heutige,
europäische Patentanmeldung

Elektrisches Antriebssystem mit verteilter virtueller Leitachse" desselben Anmelders
unter dem Anwaltsaktenzeichen B005/018 E EP) strukturiert, erfolgen die zusätzlichen
Winkeländerungen des jeweiligen Einzelantriebs gegenüber der sogenannten

virtuellen Leitachse". Denn auf dieser sind alle Lagesoll- und Lageistwerte bezogen.
[0010] Ein positiver Lagesollwert bewirkt eine Verstellung in Laufrichtung des zu druckenden
Papiers. Ein separater Satz an Verfahrparametern kann für die Funktion des Umfangsregisters,
ein weiterer separater Satz an Verfahrparametern für die Funktion des Schnittregisters
vorgesehen sein. Für jeden Verfahrsatz haben sich folgende antriebsspezifische Parameter
als günstig erwiesen: Steuerwort, Modus, Status, Wegoffset, Absolutweg, Relativweg,
absoluter Istweg, Sollgeschwindigkeit, Geschwindigkeitsfaktor, minimal resultierende
Geschwindigkeit, Sollbeschleunigung.
[0011] Mit Vorteil erfolgt die Parametrierung der Umfangs- und Schnittregister bzw. der
dazu bestimmten Sätze mit Verfahrparametern ausschließlich über den Leitstand. Die
Voreinstellung der Einzelantriebe zur Papierbahn läßt sich vom Leitstand sicherstellen.
Die korrekte Voreinstellung der Antriebe ist Voraussetzung für das passergenaue Synchronisieren.
[0013] Im Rahmen der allgemeinen erfinderischen Idee wird zur Lösung der eingangs genannten
Erfindungsaufgabe auch eine steuerung- oder regelungstechnische Anordnung zur Durchführung
des angesprochenen Verfahrens vorgeschlagen, bei der zwischen der Leitsteuerung und
mindestens einer der Kontrolleinheiten ein Sollwertgenerator angeordnet ist, der ein
Leitmodul für die Leitparameter, ein oder mehrere Verfahrsatzmodule mit dem oder den
darin bereitgestellten Verfahrparametern und ein diesen Modulen gemeinsam nachgeschaltetes
Überlagerungsglied aufweist, dessen Ausgang der Kontrolleinheit zugeordnet ist, wobei
die genannten Module zur Umsetzung ihrer jeweiligen Parameter in Lage-, Geschwindigkeits-
und/oder Beschleunigungssollwerte und zu deren Zuführung in das Überlagerungsglied
ausgebildet sind. Dieses bildet gleichsam ein Synthese-Medium, in dem Vorgaben für
Haupt- und Hilfsfunktionen der Druckmaschine zu Sollwerten und/oder Stellbefehlen
für die nachgeordneten Antriebseinheiten verarbeitet werden. Die aus dem Überlagerungsglied
resultierenden Sollwerte beinhalten komprimiert alle Informationen für in die nachgeordneten
Antriebs-Kontrolleinheiten einzugebenden Sollwerte.
[0014] Die Anwendungsflexibilität wird erhöht, wenn nach einer Ausbildung der erfindungsgemäßen
Anordnung dem Überlagerungsglied und der Kontrolleinheit ein Multiplikationsglied
zwischengeschaltet ist, das mehrere Eingänge aufweist, und zwar für den oder die aus
dem Überlagerungsglied ausgegebenen Zwischen-Sollwerte sowie für einen oder mehrere
Faktoren, beispielsweise einen für eine Getriebe- Über- oder Untersetzung bestimmten
Getriebefaktor.
[0015] Bei der Inbetriebnahme von Druckmaschinen oder Anlagenteilen davon ist es wünschenswert,
im Antriebssystem Vor-Parametrierungen vorzunehmen. Im laufenden Betrieb besteht weiter
die Anforderung, Haupt- und Hilfsfunktionen der Druckmaschine dynamisch zu verändern
oder Hilfsfunktionen erst auszulösen. Dem wird mit einer Ausbildung der erfindungsgemäßen
Anordnung Rechnung getragen, nach der mindestens einer der Verfahrsatzmodule eingangsseitig
mit einem oder mehreren extern zugänglichen Parametrierungskanälen versehen ist. Diese
können mit der Leitsteuerung oder einem oder mehreren Leitständern in Verbindung stehen.
[0016] Weitere Einzelheiten, Merkmale, Vorteile und Wirkungen auf der Basis der Erfindung
ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele sowie
aus den Zeichnungen. Diese zeigen jeweils in schematisch-prinzipieller Darstellung:
- Fig. 1
- die Strukturblöcke der erfindungsgemäßen Anordnung zur Ausführung des erfindinngsgemäßen
Verfahrens,
- Fig. 2
- eine schematische Veranschaulichung der Anordnung der Maschinen- und Sensor-Koordinatensysteme,
- Fig. 3
- ein Flußdiagramm zur Referenzpunktfahrt aufgrund eines erfindungsgemäßen Verfahrparameter-Satzes,
und
- Fig. 4
- ein Flußdiagramm zum Positionieren aufgrund eines anderen erfindungsgemäßen Verfahrparametersatzes.
[0017] Gemäß Figur 1 läßt sich die regelungstechnische Anordnung untergliedern in eine Modulebene
M, eine Verarbeitungsebene P und eine Regler-Ebene R. Die Ebenen sind hierarchisch
in der genannten Reihenfolge von oben nach unten gegliedert. Die beiden Ebenen

Modul M" und

Verarbeitung

P" bilden zusammen einen Sollwertgeber S. In der Modulebene M ist ein Leitmodul zur
Aufnahme von Parametern für Druckmaschinengeschwindigkeit und Druckmaschinenbeschleunigung
sowie eine Mehrzahl von Verfahrsatzmodulen V1 - V5 zum Empfang von Verfahrparametern
bezüglich absoluter und/oder relativer Lage, Geschwindigkeit und/oder Beschleunigung
angeordnet. Alle Module setzen die aufgenommenen Leit- bzw. Verfahrparameter in zyklisch
generierte Sollwerte Y
L, Y
1-Y
5 für die Lage, Geschwindigkeit und Beschleunigung um.
[0018] Die Parameter

Druckmaschinengeschwindigkeit" und

Druckmaschinenbeschleunigung" stellen Vorgaben für eine sogenannte virtuelle Leitachse
dar, für die dann im Sollwertgeber bzw. Leitwertmodul entsprechende Lage-, Geschwindigkeits-
und Beschleunigungssollwerte erzeugt werden.
[0019] Die drei zyklischen Sollwerte Y
L, Y
1-Y
5 je Modul L, V1 - V5 werden in der Verarbeitungsebene P einem Überlagerungsglied Σ
beispielsweise in Form einer Summierstelle zugeführt. Darin wird eine Superposition
der zyklischen Sollwerte Y
L, Y
1-Y
5 aus den Modulen L, V1 - V5 durchgeführt mit dem Ergebnis, daß für Lage, Geschwindigkeit
und/oder Beschleunigung des betreffenden Antriebsmotors mit angetriebenem Maschinenteil(en)
je ein Zwischensollwert ausgegeben wird. Diese drei Zwischensollwerte Z
L, Z
G, Z
B werden ebenfalls gemeinsam weiterverarbeitet, nämlich in einem Multiplizierglied
X. Dieses weist neben den drei Zwischensollwert-Eingängen Z
L, Z
G, Z
B noch einen weiteren Eingang für einen externen Faktor F auf. Dieser kann beispielsweise
ein Getriebefaktor für ein Über- oder Untersetzungsverhältnis sein. Die Ebene des
Sollwertgebers S wird mit Erzeugung der Endsollwerte E
L, E
G, E
B verlassen, die einzelnen Soll-Istwertvergleichern D
L, D
G, D
B auf der Antriebs-Reglerebene R zugeführt werden. Diesen Vergleichern wird gleichzeitig
jeweils ein Istwert für die Lage, Geschwindigkeit und Beschleunigung jeweils mit negativem
Vorzeichen eingegeben. Die Regeldifferenz, die sich aus dem Lage-Soll-/Istwertvergleich
D
L ergibt, wird einem Lageregler mit P-Verhalten zugeführt, der in Kombination mit einem
Dimensionsfaktor einen Geschwindigkeitssollwert ausgibt, der neben dem End-Geschwindigkeitssollwert
E
G dem Soll-/Istwertvergleicher D
G für Geschwindigkeit zugeführt wird. Zudem wird mit negativem Vorzeichen noch der
Istwert für die Geschwindigkeit des betreffenden Antriebsmotors bzw. des angetriebenen
Maschinenteiles eingegeben. Dem Soll-/Istwertvergleicher D
G für die Geschwindigkeit ist ein Geschwindigkeitsregler mit PI-Verhalten nachgeschaltet,
der ebenfalls einen Dimensionsfaktor zur Umrechnung der Geschwindigkeits-Regeldifferenz
in eine Beschleunigung enthält. Die sich aus dem Geschwindigkeitsregler ergebende
Beschleunigung wird mit dem Endsollwert E
B für Beschleunigung aus dem Sollwertgeber S in dem zugeschalteten Vergleicher D
B überlagert. Bei diesem Beschleunigungs-Vergleicher findet eine Zuführung eines Istwerts
nicht statt. Dem Beschleunigungs-Vergleicher bzw. Überlagerer D
B ist ein Übertragungsglied mit der mathematischen Beziehung 1/Ks nachgeschaltet. Es
gibt an einen nachfolgenden Soll-/Istwertvergleicher D
I einen Strom-Sollwert (erzeugt aus der eingegangenen Beschleunigungs-Regeldifferenz)
aus. In dem Strom-Vergleicher D
I wird der Stromsollwert mit einem Strom-Istwert (mit negativem Vorzeichen) verglichen;
die Strom-Regeldifferenz wird einem nachgeschalteten Stromregler mit PI-Verhalten
zugeführt. Aus dessen Ausgang wird der Strom-Stellwert mittels eines weiteren Übertragungsgliedes
K
T in ein Stellmoment bezüglich des oder der betroffenen Antriebsmotoren umgewandelt.
[0020] In Figur 2 ist die Anordnung der Koordinatensysteme sowohl für die Maschinen-Funktionskomponenten
als auch für die zugeordneten Sensor- bzw. Gebersysteme schematisch dargestellt. Im
behandelten Beispiel einer Druckmaschine sind die Funktionskomponenten meist Drehkörper
1, und die Sensoren Drehgeber 2. Für einen Synchronbetrieb müssen letztere auf die
Funktionskomponenten kalibriert werden. Hierzu dient eine Referenzpunktfahrt, wobei
der Winkel α zu ermitteln und für den späteren Betrieb abzuspeichern ist. Der Winkel
α gibt an, um wieviel der Drehkörper 1 aus seiner Grundstellung herauszuverfahren
ist, bis der Winkelgeber 2 ein Signal für das Erreichen seines absoluten Nullpunkts
abgibt. Die entsprechenden Daten werden zweckmäßig in der zugeordneten Antriebseinheit
mit Elektromotor und digitalem Antriebsregler abgespeichert.
[0021] Die Referenzpunktfahrt ist bei allen Druckeinheiten- und Falzeinheitenantrieben durchzuführen.
Sie hat erstmalig bei der Erstinbetriebnahme des Antriebssystems für die Gesamtmaschine
stattzufinden. Nach jedem Austausch des Sensor- bzw. Gebersystems, von Komponenten
des Gebersystemes oder Änderungen im Maschinenkoordinatensystem muß die Referenzpunktfahrt
wiederholt werden.
[0022] Der Bezug zur angetriebenen Mechanik und das Gebersystem des Antriebes bestimmen
den Ablauf der Referenzpunkffahrt. Diese wird zweckmäßig von einer übergeordneten
Leitsteuerung beauftragt. Der notwendige Ablaufplan ist in Figur 3 dargestellt.
[0023] In einem ersten Ablaufschritt 31 wird der Drehkörper 1, beispielsweise ein Gummizylinder,
mechanisch arretiert. Im nächsten Ablaufschritt 32 erfolgt ein Parametrieren der Betriebsart
der Antriebseinheit für die Referenzpunktfahrt durch eine übergeordnete Leitsteuerung.
Diese setzt im nächsten Ablaufschritt 33 die aktuelle Sollbetriebsart. Im Ablaufschritt
34 liest beispielsweise ein digitaler Signalprozessor des Antriebsreglers in der Antriebseinheit
die aktuelle Position des Drehkörpers 1 und setzt eine lastbezogene Moduloposition
ungültig. Im folgenden Ablaufschritt 35 wird der Parameter

Auftragsstatus" gesetzt, wobei die Antriebseinheit der Leitsteuerung meldet, daß deren
Anforderung erfüllt ist. Im folgenden Ablaufschritt 36 wird die Arretierung des Drehkörpers
1 entfernt. Daraufhin wird im Ablaufschritt 37 von der übergeordneten Leitsteuerung
die Freigabe des Antriebs an die Antriebseinheit signalisiert. Diese setzt daraufhin
im folgenden Ablaufschritt 38 den Parameter

Auftragsstatus" zurück. Zur Positionierung für die Referenzpunktfahrt hat die übergeordnete
Leitsteuerung der Antriebseinheit eine Sollgeschwindigkeit mit dem Wert Null vorgegeben.
Die eigentliche Sollgeschwindigkeit der Referenzpunktfahrt wird von der Antriebseinheit
selbständig durch Parametrierung eines dafür spezifischen Verfahrsatzes bestimmt.
Entsprechendes gilt für die Sollbeschleunigung. Wegen der Verwendung von Verfahrsätzen
wird auf die heutigen europäischen Patentanmeldungen

Elektrisches Antriebssystem mit verteilter, virtueller Leitachse" (Anwaltszeichen
B005/018 P DE) und

Referenzierverfahren für eine Maschine oder Anlage" (Anwaltszeichen B005/019 P DE)
der gleichen Anmelderin, eingereicht am selben Anmeldetag, verwiesen. Im nächsten
Ablaufschritt 39 wird nun der Verfahrsatz vom digitalen Signalprozessor der Antriebseinheit
selbständig in Verfahr-Bewegungen für den Drehkörper umgesetzt. Im praktischen Anwendungsbeispiel
der Druckmaschine sind dabei bis zu zwei Umdrehungen zweckmäßig. Gemäß dem Verzweigungs-Ablaufschritt
391 dienen die Verfahrbewegungen dazu, den Geber-Nullimpuls auszulösen, um den Winkel
α gemäß Figur 2 zu ermitteln. Ist dies innerhalb von zwei Umdrehungen erfolgreich
passiert, erfolgen im nächsten Kalibrier-Ablaufschritt 392 interne Berechnungen und
Speicherungen der Position des Geber-Nullimpulses durch den digitalen Signalprozessor
der Antriebseinheit. Danach erfolgt im Ablaufschritt 393 eine Quittierung des Auftrags
an die übergeordnete Leitsteuerung, wobei der Parameter

Auftragsstatus" wieder gesetzt wird. Danach übermittelt die übergeordnete Leitsteuerung
mit Ablaufschritt 394 das Kommando

Sperren der Antriebseinheit".
[0024] Beim Positionieren gemäß Figur 4 wird der Antriebsmotor auf eine gewünschte Sollposition
verfahren, indem beispielsweise seiner Grundbewegung eine weitere Bewegung entsprechend
einem spezifischen Verfahrparameter überlagert wird. Ein derartiges Positionieren
kann z.B. für den Plattenwechsel verwendet werden. Hierfür wird ein spezifischer Verfahrparametersatz
vom Leitstand oder Leitsteuerung aus über Parametrierkanäle 3 (vgl. Figur 1) entsprechend
parametriert. Von der Leitsteuerung kann über Leitparameter eine Sollgeschwindigkeit
mit Null vorgegeben werden. Die eigentlich Sollgeschwindigkeit und Sollbeschleunigung
des Positioniervorganges läßt sich durch den zugeordneten Verfahrsatz vorgeben. Die
Parameterierung der Sollgeschwindigkeit und Sollbeschleunigung für den zuständigen
Verfahrsatz wird während der Inbetriebnahme ermittelt und im Antriebssystem oder im
Regler R des betroffenen Antriebsmotors abgespeichert. Die Durchführung des Positionierens
wird zweckmäßig von der übergeordneten Leitsteuerung beauftragt.
[0025] Der notwendige Ablaufplan ist in Figur 4 dargestellt. Das Positionieren startet zweckmäßig
von einem stillstehenden Antrieb aus. Im Ablaufschritt 41 wird die aktuelle Sollbetriebsart
durch die übergeordnete Leitsteuerung gesetzt. Dann erfolgt eine Freigabe des Antriebs
(Antriebsregler R und Antriebsmotor) von der Leitsteuerung aus - vgl. Ablaufschritt
42. Im nächsten Ablaufschritt 43 liest die Leitsteuerung die aktuelle, auf die Last
bezogene Istposition in der Einheit Grad. Sodann erfolgt im weiteren Ablaufschritt
44 eine Parametrierung der absoluten Sollposition durch die Leitsteuerung (gegebenenfalls
über Parametrierkanäle 3 - vgl. Fig. 1)in der Einheit Grad. Dabei wird die gewünschte
Sollposition eingebracht, die abhängig ist von der Istposition des Antriebs. Im Verzweigungsschritt
45 wird gleichsam untersucht, ob ein zulässiger Wertbereich für die auf die Last bezogene
Istposition nicht überschritten wird. Bei Überschreitung wären die Antriebspositionen
nicht auf das Maschinenkoordinatensystem bezogen. Der Antrieb muß deshalb eine Grundstellungsfahrt
durchführen (vgl. hierzu europäische, heutige Patentanmeldung

Referenzierverfahren ..." der gleichen Anmelderin - Anwaltszeichen B005/019 E EP).
Die Grundstellungsfahrt wird selbständig auf der Ebene des Sollwertgebers S oder Reglers
R durchgeführt, entsprechend Ablaufschritt 46. Gemäß Ablaufschritt 47 fährt der Antrieb
dann auf die Sollposition, wonach gemäß Ablaufschritt 48 die Meldung

Auftrag beendet" an die Leitsteuerung erfolgen kann. Danach erfolgt gemäß Ablaufschritt
49 ein Sperren des Antriebs.
1. Verfahren zum Betrieb einer Druckmaschine mit einer Mehrzahl im Funktions- und/oder
Kopplungsverbund zusammenwirkender Druckmaschinenteile (1), die von einem oder mehreren
Antriebsmotoren bewegt werden, wobei zur Kopplung, Koordination und/oder Synchronisation
der Bewegungen aus einem oder mehreren, den Druckmaschinenteilen (1) gemeinsam zugeordneten
Leitparametern (L) Lage-, Geschwindigkeits- und/oder Beschleunigungs-Sollwerte (EL,EG,EB)
für den oder je einen Antriebsmotor generiert werden, woraufhin der oder die Antriebsmotoren
zur Bewegung des oder der Druckmaschinenteile (1) zwecks Ausführung einer oder mehrerer
drucktechnischer Funktionen angesteuert werden, dadurch gekennzeichnet, daß zu deren Ausführung für mindestens einen dafür zuständigen Antriebsmotor ein Teil
der Sollwerte (EL,EG,EB) unter Verwendung von einem oder mehreren Verfahrparametem
(V1-V5), die der oder den betreffenden drucktechnischen Funktionen entsprechen, generiert
werden, und alle aus den Leit- und Verfahrparametem (L,V1-V5) gewonnenen Sollwerte
untereinander zur Ansteuerung des Antriebsmotors überlagert (Σ) werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Leit- und/oder Verfahrparameter
in zyklische Sollwerte-Sätze (YL,Y1-Y5) umgesetzt werden, die dann überlagert (Σ)
werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der oder die Leitparameter
sich auf die Geschwindigkeit und/oder Beschleunigung beziehen, die allgemein für die
Druckmaschine oder für deren Funktionsverband mit den betreffenden Druckmaschinenteilen
(1) vorgegeben ist.
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß der oder die Verfahrparameter
sich auf die relative und/oder absolute Lage, Geschwindigkeit und/oder Beschleunigung
beziehen, die bei der Ausführung der drucktechnischen Funktion für den betroffenen
Antriebsmotor und/oder das zugeordnete Maschinenteil (1) notwendig sind.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein
oder mehrere Zwischen-Sollwerte (ZL,ZG,ZB), die aus der Überlagerung resultieren,
mit einem Faktor, insbesondere einem Getriebe-Faktor, multipliziert werden.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein
oder mehrere End-Sollwerte (EL,EG,EB), die aus der Überlagerung resultieren, - gegebenenfalls
miteinander verknüpft - zu einem Stellwert, insbesondere Stellmoment, für den betroffenen
Antriebsmotor verarbeitet werden.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein
oder mehrere End-Sollwerte (EL,EG,EB), die aus der Überlagerung resultieren, im Rahmen
eines oder mehrerer Regelkreise mit Istwerten des Antriebsmotors und/oder des zugeordneten
Druckmaschinenteiles (1) für deren Lage, Geschwindigkeit und/oder Beschleunigung verknüpft
werden.
8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein
oder mehrere Verfahrparameter (V1-V5) zum Einstellen drucktechnischer Register, insbesondere
Farb/Umfangs- und/oder Schnittregister, der Druckmaschine, eines Funktions- und/oder
Kopplungsverbands davon und/oder des betreffenden Druckmaschinenteiles (1) und/oder
zur registergerechten Kopplung, Koordination und/oder Synchronisation der Bewegungen
des betroffenen Antriebsmotors verwendet werden.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß die druckfechnischen Funktionen
des Farb/Umfangsregisters oder des Schnittregisters durch zusätzliche Lage-, insbesondere
Winkeländerungen, des betreffenden Antriebsmotors mit dem oder den zugeordneten Maschinenteilen
(1) gegenüber den aus den Leitparametern resultierenden Sollwerten, insbesondere einer
virtuell für die Druckmaschine oder deren Funktionsverband vorgegebenen Leitachse,
realisiert werden.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Vorgabe von Verfahrparametern
(V1-V5) mit Bezug auf die Leitparameter (L) mittels absoluter und/oder relativer Registerwerte
erfolgt.
11. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß bei
Inbetriebnahme der Druckmaschine und/oder nach Austausch oder Wartung eines oder mehrerer
Sensoren (2) der Druckmaschine und/oder nach Änderung eines Maschinenkoordinatensystems
(Fig.2) der Druckmaschine vor dem erstmaligen Einziehen eines Bedruck-Objekts ein,
mehrere oder alle der Maschinenteile mittels einer, mehrerer oder aller Antriebsmotoren
solange verfahren werden, bis der oder die Sensoren (2) auf Grundstellungen der ihnen
zugeordneten Funktionseinheiten (1) kalibriert sind, wobei zur Vorgabe der Sollgeschwindigkeit
der Kalibrierfahrt ein oder mehrere Verfahrparameter (V1-V5) verwendet werden.
12. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein
oder mehrere Verfahrparameter (V1-V5) dazu verwendet werden, Sollwerte für den Antriebsmotor
zu generieren, der von der drucktechnischen Funktion des Positionierens (Fig.4) auf
ein festes oder bewegtes Ziel, insbesondere beim Plattenwechsel, betroffen ist.
13. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der
oder die Verfahrparameter (V1-V5) zur Erzeugung von Sollwerten dienen, mittels welcher
der betroffene Antriebsmotor zur Ausführung der drucktechnischen Funktion der Suchbewegung
zum Einrasten mechanischer Kupplungen angesteuert wird.
14. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch einen oder
mehrere Sätze (V1-V5) insbesondere folgender Verfahrparameter: Steuerwort, Modus,
Status, Wegoffset, Absolutweg, Relativweg, absoluter Istweg, Sollgeschwindigkeit,
Geschwindigkeitsfaktor, minimal resultierende Geschwindigkeit und/oder Sollbeschleunigung.
15. Steuerungs- oder regelungstechnische Anordnung zur Durchführung des Verfahrens nach
einem der vorangehenden Ansprüche, mit einem rechnergeführten Antriebssystem, das
zur Ansteuerung der mehreren Antriebsmotoren je eine Kontrolleinheit (R) sowie wenigstens
eine diesen gemeinsam übergeordnete Leitsteuerung aufweist, welche den Kontrolleinheiten
(R) zur Übermittlung der Leitparameter zugeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen der Leitsteuerung und mindestens einer der Kontrolleinheiten (R) ein Sollwertgenerator
(S) angeordnet ist, der ein Leitmodul (L) zur Aufnahme der Leitparameter, ein oder
mehrere Verfahrsatzmodule (V1-V5) mit dem oder den darin bereitgestellten Verfahrparametem
und ein diesen Modulen gemeinsam nachgeschaltetes Überlagerungsglied (Σ) aufweist,
dessen Ausgang der Kontrolleinheit (R) zugeordnet ist, wobei die Module (L,V1-V5)
zur Umsetzung ihrer jeweiligen Parameter in Lage-, Geschwindigkeits- und/oder Beschleunigungssollwerte
(YL,YG,YB) und zu deren Zuführung in das Überlagerungsglied (Σ) ausgebildet sind.
16. Anordnung nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, daß dem Überlagerungsglied (Σ)
und der Kontrolleinheit (R) ein Multiplikationsglied (X) mit Eingängen für den oder
die aus der Überlagerung resultierenden Zwischen-Sollwerte (ZL,ZG,ZB) sowie einen
externen Faktor, insbesondere Getriebefaktor, zwischengeschaltet ist.
17. Anordnung nach Anspruch 15 oder 16, dadurch gekennzeichnet, daß der oder die Eingänge
(EL,EG,EB) der Kontrolleinheit (R), der Eingang (YL,Y1-Y5) und Ausgang (ZL,ZG,ZB)
des Überlagetungsglieds (Σ) und gegebenenfalls des Multiplikationsglieds (X) nach
Sollwerten für die Lage, Geschwindigkeit und/oder Beschleunigung unterteilt sind.
18. Anordnung nach einem der Ansprüche 15 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß mindestens
einer der Verfahrsatzmodule (V1-V5) eingangsseitig mit einem oder mehreren extern
zugänglichen Parametrierungskanälen (3) versehen ist.
19. Anordnung nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, daß der oder die Parametrierungskanäle
(3) mit der Leitsteuerung und/oder einem Leitstand in Verbindung stehen.