(19)
(11) EP 0 934 926 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
11.08.1999  Patentblatt  1999/32

(21) Anmeldenummer: 99250022.3

(22) Anmeldetag:  21.01.1999
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6C07C 271/20, A61K 6/09
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 28.01.1998 DE 19803979

(71) Anmelder: IVOCLAR AG
9494 Schaan (LI)

(72) Erfinder:
  • Moszner, Norbert, Prof. Dr.
    9492 Eschen (LI)
  • Rheinberger, Volker, Dr.
    9490 Vaduz (LI)
  • Völkel, Thomas, Dr.
    88131 Lindau (DE)
  • Fischer, Urs Karl
    9320 Arbon (CH)

(74) Vertreter: UEXKÜLL & STOLBERG 
Patentanwälte Beselerstrasse 4
22607 Hamburg
22607 Hamburg (DE)

   


(54) Urethandi(meth)acrylat-Derivate von 1,3-Bis(1-isocyanato-1-methylethyl)benzol


(57) Die Erfindung betrifft Urethandi(meth)acrylatderivate von 1,3- Bis (1-isocyanato-1-methylethyl)benzol gemäß der Formel (I)

in der R Wasserstoff oder ein geradkettigen C1-C8-Alkylrest ist; X und Y unabhängig voneinander

bedeuten, wobei R1 ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Aryl- oder C7- bis C16-Alkylarylrest; R2 Wasserstoff, ein C1- bis C5-Alkyl- oder ein substituierter oder unsubstituieter C6- bis C12-Arylrest; R3 Wasserstoff oder ein Methylrest; R4 ein C1- bis C8-Alkylenrest, der durch Sauerstoffatome unterbrochen sein kann, oder ein Phenylenrest; R5 Wasserstoff oder ein Methylrest; R6 ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Aryl- oder C7- bis C16-Alkylarylrest; Z -CO- oder eine chemische Bindung ist und W Sauerstoff, Schwefel oder NR7 bedeutet, wobei R1 Wasserstoff oder ein geradkettiger C1- bis C6-Alkylrest ist. Die Substanzen eignen sich insbesondere zur Herstellung von Dentalmaterialien.


Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft Urethandi(meth)acrylat-Derivate von 1,3-Bis(1-isocyanato-1-methylethyl)benzol sowie Dentalmaterialien auf Basis dieser Substanzen.

[0002] Urethan(meth)acrylate finden u.a. als Bestandteil von Klebstoffen, Beschichtungen und Dentalmaterialien praktische Anwendungen (R. Holman (Hrsg.), U.V. and EB. Curing Formulation for Printing Inks, Coatings and Paints, SITA-Technology, London 1984, 27; J.P. Foussier, J.F. Rabek (Hrsg.), Radiation curing in Polymer Science and Technology, Vol. IV, Elsvier Applied Science, London und New York 1993, 387). Ein auf dem Dentalgebiet besonders häufig verwendetes Monomer ist 7,7,9-Trimethyl-4,13-dioxo-3,14-dioxa-5,12-diazahexadecan-1,16-diyldimethacrylat (UDMA) das durch Umsetzung von einem Mol 2,2,4-Trimethylhexamethylendiisocyanat mit zwei Mol 2-Hydroxyethylmethacrylat (HEMA) zugänglich ist (vgl. z.B. DE 195 44 671).

[0003] Der Brechungsindex von UDMA weicht mit nD = 1,483 jedoch deutlich von dem Brechungsindex üblicher dentaler Füllmaterialien (ca. 1,52 bis 1,55) ab, so daß UDMA und andere aliphatische Urethandimethacrylate zur Anpassung des Brechungsindex an den Füller häufig mit Bis-GMA, dem Additionsprodukt aus Methacrylsäure und Bisphenol-A-diglycidylether (Brechungsindex nD = 1,549), kombiniert werden (vgl. z.B. DE OS 24 11 760). Außerdem lassen sich durch die Zugabe von Bis-BMA die mechanischen Eigenschaften der Materialien verbessern.

[0004] Durch die Angleichung der Brechungsindices wird eine größere Durchhärtungstiefe der Dentalmaterialien bei der Photopolymerisation erzielt, jedoch begünstigt Bis-GMA aufgrund der vorhandenen Hydroxylgruppen die Wasseraufnahme der Materialien, was zu einer verminderten Haltbarkeit unter feuchten Bedingungen führt. Darüber hinaus enthält Bis-GMA häufig schwer zu entfernende Verunreinigungen an Bisphenol-A, das eine ausgeprägte östrogene Wirkung zeigt.

[0005] Neben UDMA wurde die Verwendung anderer Di(meth)acrylaturethane beschrieben. M.G. Buonocore und C.A. Casciani, New York State Dental Journal 35 (1969) 135, beschreiben beispielsweise Additionsprodukte von zwei Mol HEMA und jeweils einem Mol 2,4-Toluylendiisocyanat, hydriertem Diphenylmethandiisocyanat, Naphthalindiisocyanat, Diphenylmethandiisocyanat, Naphthalindiisocyanat, Diphenylmethandiisocyanat oder Hexanmethylendiisocyanat. Hierbei handelt es sich in allen Fällen um kristalline Verbindungen, die sich nur zusammen mit flüssigen Monomeren zu Dentalmaterialien verarbeiten lassen.

[0006] Die US-A-4,400,159 offenbart Urethandiacrylate, die durch Umsetzung von aliphatischen und aromatischen Diisocyanaten mit 3-Methacryloyl-2-hydroxypropylestern erhalten werden. Die Substanzen neigen jedoch zu Verfärbungen, und bei den aromatischen Derivaten handelt es sich um kristalline Verbindungen. Diese Monomere werden vorzugsweise mit Bis-GMA kombiniert.

[0007] Die DE 195 44 671 A1 offenbart Urethan(meth)acrylate mit cyclischen Carbonatgruppen, die sich durch eine erhöhte Polymerisationsgeschwindigkeit und eine geringere Empfindlichkeit gegenüber der Polymerisationshemmung durch Sauerstoff auszeichnen sollen.

[0008] Die US-A-4,952,241, EP 0 254 185 B1, US-A-4,904,750 und EP 0 658 582 A1 offenbaren präpolymere (Meth)acrylurethanderivate, die vor allem als flexibilisierende Monomere oder Verdünnungsmonomere in Kombination mit Bis-GMA einsetzbar sind.

[0009] Die US-A-4,386,912 betrifft dentale Füllmaterialien auf der Basis tetrafunktioneller Urethanacrylatmonomerer, die sich durch Umsetzung von Glycerindimethacrylat mit aromatischen oder aliphatischen Diisocyanaten herstellen lassen. Aliphatische Diisocyanate sind im Hinblick auf die Färbung des gehärteten Produkts bevorzugt.

[0010] B. Nabeth, J.F. Gerard, J.P. Pascault, J. Appl. Polym. Sci. 60 (1996) 2113, beschreiben die Synthese von Polyurethan(meth)acrylaten auf der Basis von Polycaprolactonmakrodiolen unter Verwendung von 1,3-Bis(1-isocyanato-1-methylethyl)benzol (TMXDI). Niedermolekulare Urethandi(meth)acrylatderivate auf der Basis von TMXDI sind bisher nicht bekannt.

[0011] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, fließfähige, polymerisationsfähige Urethandi(meth)acrylatderivate bereitzustellen, deren Brechungsindex mit dem üblicher dentaler Füllmaterialien kompatibel ist, die nicht zu Verfärbungen neigen und die Bis-GMA in Dentalmaterialien substituieren können, ohne die mechanischen Eigenschaften der Materialien zu verschlechtern.

[0012] Diese Aufgabe wird durch Urethandi(meth)acrylatderivate von 1,3-Bis(1-isocyanato-1-methylethyl)benzol gemäß der Formel (I) gelöst,

in der
R
Wasserstoff oder ein geradkettiger C1-C8-Alkylrest, vorzugsweise Wasserstoff, Methyl, Ethyl, Propyl, Butyl oder Hexyl, ganz besonders bevorzugt Wasserstoff oder Methyl ist und
X und Y
unabhängig voneinander

   vorzugsweise

   bedeuten, wobei
R1
ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Aryl- oder C7- bis C16-Alkylaryl- oder C7- bis C12-Arylalkylrest und
R2
Wasserstoff, ein C1- bis C5-Alkyl- oder ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Arylrest ist;
R3
Wasserstoff oder ein Methylrest und
R4
ein C1- bis C8-Alkylenrest, der durch Sauerstoffatome unterbrochen sein kann, oder ein Phenylenrest ist;
R3
Wasserstoff oder ein Methylrest,
R6
ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Aryl- oder C7- bis C16-Alkylaryl- oder C7- bis C12-Arylalkylrest,
Z
-CO- oder eine chemische Bindung ist und
W
Sauerstoff, Schwefel oder NR7 bedeutet, wobei
R7
Wasserstoff oder ein geradkettiger C1- bis C6-Alkylrest ist.


[0013] Vorzugsweise haben R und R7 die gleiche Bedeutung.

[0014] Die aromatischen Gruppen sowohl der Aryl- als auch der Alkylarylreste können ein- oder mehrfach, vorzugsweise einfach substituiert sein. Bevorzugte Substituenten sind Halogen, insbesondere Brom, -OCH3, -OH, -CN, -CH3, -C2H5, -NO2, -COOH und -COOCH3.

[0015] Bevorzugte C7- bis C12-Arylalkylreste sind Benzyl, α-Methylbenzyl, α,α-Dimethylbenzyl und α,α-Diethylbenzyl, insbesondere Benzyl.

[0016] Unabhängig voneinander wählbare bevorzugte Definitionen sind:
R1
Wasserstoff oder -CH3,
R2
-CH3, -C2H5, ein Benzyl- oder Phenylrest,
R3
Wasserstoff oder ein Methylrest,
R4
ein Ethylen-, Propylen-, Triethylen-, Butylen- oder Phenylenrest,
R5
ein Methylrezt,
R6
ein Benzyl-, Phenyl- oder substituierter Phenylrest,
W
Sauerstoff, Schwefel oder NH,
Z
-CO- oder eine chemische Bindung und/oder
R7
Wasserstoff.


[0017] Ganz besonders bevorzugte, unabhängig voneinander wählbare Definitionen sind:
R1
Wasserstoff,
R2
Wasserstoff, ein Benzyl- oder Phenylrest,
R3
ein Methylrest,
R4
ein Ethylen-, Triethylen- oder Propylenrest,
R5
ein Methylrest,
R6
ein Benzylrest,
W
Sauerstoff,
Z
-CO- und/oder
R7
Wasserstoff.


[0018] Weiterhin sind solche Urethandi(meth)acrylatderivate bevorzugt, bei denen X und Y die gleiche Bedeutung haben.

[0019] Besonders bevorzugte Urethandi(meth)acrylat-Derivate sind:









[0020] Weiterhin sind Verbindungen gemäß Formel I besonders bevorzugt, bei denen R und R3 unabhängig voneinander Wasserstoff oder Methyl sind und R4 Ethylen oder Propylen ist.

[0021] Die erfindungsgemäßen Urethandi(meth)acrylatderivate der Formel (I) lassen sich durch Umsetzung von käuflichem 1,3-Bis(1-isocyanat-1-methylethyl)benzol (TMXDI) mit entsprechenden Hydroxy(meth)acrylaten X-OH bzw. Y-OH und gegebenenfalls nachfolgender Alkylierung der gebildeten Addukte beispielsweise mit einem Dialkylsulfat herstellen.



[0022] Die Herstellung der Hydroxy(meth)acrylate X-OH und Y-OH kann auf an sich bekannte Art und Weise erfolgen (vgl. z.B. C. Ferri, Reaktionen der organischen Synthese, G. Thieme Verlag, Stuttgart 1978). Bevorzugt ist die durch tertiäre Amine katalysierte Baylis-Hillman-Reaktion von Acrylaten mit Aldehyden gemäß der Reaktionsgleichung

in der R1 und R2 die oben angegebene Bedeutung haben. Beispielsweise läßt sich 2-Hydroxymethylacrylsäurebenzylester durch Umsetzung von Acrylsäurebenzylester mit Formaldehyd herstellen:



[0023] Weiter bevorzugt ist die unstöchiometrische Veresterung von Dihydroxyverbindungen mit (Meth)acrylsäure oder (Meth)acrylsäurechlorid gemäß der Reaktionsgleichung

in der R3 und R4 die oben angegebene Bedeutung haben und U = Cl oder OH ist. Beispielsweise ist 4-Hydroxyphenylmethacrylat durch Umsetzung von Hydrochinon mit Methacrylsäurechlorid zugänglich:



[0024] Darüber hinaus kann die Synthese geeigneter Hydroxy(meth)acrylate durch Umsetzung von Glycidyl(meth)acrylat mit O-nukleophilen Reagenzien, wie Alkoholen, Phenolen oder Carbonsäuren gemäß der Reaktionsgleichung

erfolgen, in der R5 und R6 die oben angegebene Bedeutung haben. Beispielsweise kann 1-Benzylcarbonyloxy-2-hydroxypropylmethacrylat durch Umsetzung von Phenylessigsäure mit Glycidylmethacrylat erhalten werden:



[0025] Die erfindungsgemäßen Urethandi(meth)acrylatderivate eignen sich besonders zur Herstellung von Polymeren, Adhäsiven und Dentalmaterialien, wie Füllungskompositen, Dentaladhäsiven und Befestigungszementen, wobei die Urethandi(meth)acrylate als Vernetzer fungieren.

[0026] Zur Herstellung von Dentalmaterialien sind Derivate mit einem Brechungsindex von nD = 1,50 bis 1,60, insbesondere 1,50 bis 1,55 bevorzugt.

[0027] Zur Polymerisation werden die erfindungsgemäßen Verbindungen mit Initiatoren für die radikalische Polymerisation und gegebenenfalls zusätzlichen radikalisch polymerisierbaren Monomeren und Füllstoffen sowie weiteren Hilfsstoffen vermischt.

[0028] Geeignete Initiatoren werden beispielsweise in der Encyclopedia of Polymer Science and Engineering, Vol. 13, Wiley-Intersci. Pub., New York etc. 1988, S. 754 ff. beschrieben. Bevorzugte Initiatoren für die Kaltpolymerisation sind Azoverbindungen, wie Azobis(isobutyronitril) (AIBN) oder Azobis(4-cyanvaleriansäure) oder Peroxide, wie Dibenzoylperoxid, Dilauroylperoxid, tert.-Butylperoctat, tert.-Butylperbenzoat oder Di-(tert.-butyl)-peroxid.

[0029] Als Initiatoren für die Heißhärtung eignen sich besonders Benzpinakol und 2,2'-Di(C1-C8-alkyl)benzpinakole.

[0030] Geeignete Photoiniatoren für den UV- oder sichtbaren Bereich werden von J.P. Fouassier, J.F. Rabek (Hrsg.), Radiation Curing in Polymer Science and Technology, Vol. II, Elsevier Applied Science, London und New York 1993, Seiten 155 bis 237, beschrieben. Bevorzugte Photoinitiatoren sind Benzoinether, Dialkylbenzilketale, Dialkoxyacetophenone, Acylphosphinoxide, α-Diketone, wie 10-Phenanthrenchinon, Diacetyl, Furil, Anisil, 4,4'-Dichlorbenzil und 4,4'-Dialkoxybenzil und Kampferchinon.

[0031] Zur Herstellung von Dentalmaterialien eignen sich besonders Dibenzoylperoxid, Kampferchinon oder Acylphosphinoxide.

[0032] Als zusätzliche radikalisch polymerisierbare Monomere sind difunktionelle Vernetzermonomere bevorzugt, wobei sich zur Herstellung von Adhäsiven oder Dentalmaterialien vor allem vernetzende bi- oder höherfunktionelle Acrylate und Methacrylate, wie beispielsweise UDMA, Di-oderTriethylenglykoldi(meth)acrylat (TEGDMA), Decandioldi(meth)acrylat, Trimethylolpropantri(meth)acrylat, Pentaerythrittetra(meth)acrylat, Butandioldi(meth)acrylat, 1,10-Decandioldi(meth)acrylat und 1, 12-Dodecandioldi(meth)acrylat eignen. Disese Monomeren sind durch Veresterung von (Meth)acrylsäure mit entsprechenden Diolen zugänglich.

[0033] Als Füllstoffe eignen sich organische als auch anorganische Partikel und Fasern. Bevorzugte anorganische Füllstoffe zur Herstellung von Dentalmaterialien sind amorphe, kugelförmige Materialien auf der Basis von Mischoxiden aus SiO2, ZrO2 und/oder TiO2 mit einer mittleren durchschnittlichen Partikelgröße von 0,005 bis 2,0 µm, vorzugsweise von 0,1 bis 1 µm, wie sie beispielsweise in der DE-PS 32 47 800 offenbart werden, mikrofeine Füllstoffe, wie pyrogene Kieselsäure oder Fällungskieselsäure, sowie Makro- oder Mini-Füllstoffe, wie Quarz-, Glaskeramik- oder Glaspulver mit einer durchschnittlichen Teilchengröße von 0,5 bis 20 µm, sowie röntgenopake Füllstoffe, wie Ytterbiumtrifluorid. Unter Minifüllstoffen werden Füllstoffe mit einer Partikelgröße von 0,5 bis 1,5 µm und unter Makrofüllstoffen Füllstoffen mit einer Partikelgröße von 10 bis 20 µm verstanden.

[0034] Außerdem können Glas-, Polyamid- oder Kohlenstoffasern als Füllstoffe eingesetzt werden. Geeignete Verstärkungsfasern werden beispielsweise im "Taschenbuch der Kunststoff-Additive", R. Gächter, H. Müller, Carl Hanser Verlag, München und Wien 1990, Seiten 617 bis 662, beschrieben.

[0035] Darüber hinaus können die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen im Bedarfsfall weitere Hilfsstoffe wie Lösungsmittel, insbesondere Wasser, Ethylacetat oder Ethanol, Stabilisatoren, UV-Absorber, Farbstoffe, Pigmente und/oder Gleitmittel enthalten. Unter Stabilisatoren werden solche Stoffe verstanden, die eine vorzeitige Polymerisation verhindern und damit vor allem die Lagerstabilität von Monomermischungen und Kompositen erhöhen, ohne jedoch die Eigenschaften der ausgehärteten Materialien zu beeinträchtigen. Bevorzugte Stabilisatoren sind Hydrochinonmonomethylether (MEHQ) und 2,6-Di-tert.-butyl-4-methylphenol (BHT).

[0036] Dentalmaterialien weisen vorzugsweise die folgende Zusammensetzung auf:

1 bis 99 Gew.%, vorzugsweise 10 bis 80 Gew.% und besonders bevorzugt 20 bis 70 Gew.% eines oder mehrerer Urethandi(meth)acrylatderivate,

0 bis 80 Gew.%, vorzugsweise 0 bis 60 Gew.% und besonders bevorzugt 0 bis 50 Gew.% eines oder mehrerer anderer radikalisch polysierbarer Monomere,

0 bis 90 Gew.% Füllstoffe und

0,01 bis 5 Gew.%, vorzugsweise 0,01 bis 2 Gew.% eines Initiators für die radikalische Polymerisation.



[0037] Der Füllstoffgehalt wird maßgeblich durch den Verwendungszweck bestimmt und beträgt im Fall von Adhäsiven vorzugsweise 0 bis 20 Gew.%, bei Zementen vorzugsweise 20 bis 60 Gew.% und bei Füllungskompositen 50 bis 85 Gew.%.

[0038] Der Anteil der übrigen Hilfsstoffe liegt üblicherweise im Bereich von jeweils 100 ppm bis 1,0 Gew.-%, bei Farbstoffen und Pigmenten je nach Färbevermögen auch im Bereich von 10 ppm bis 1,0 Gew.-%.

[0039] Die erfindungsgemäßen Dentalmaterialien enthalten vorzugsweise kein Bis-GMA, zeigen jedoch mechanische Eigenschaften, die denen von Bis-GMA-haltigen Materialien in jeder Hinsicht entsprechen. Unter feuchten Bedingungen weisen die erfindungsgemäßen Materialien deutlich bessere mechanische Eigenschaften auf als Bis-GMA-haltige Materialien.

[0040] Die erfindungsgemäßen Urethandi(meth)acrylatderivate eignen sich darüber hinaus auch zur Herstellung von anderen medizinischen oder technischen, radikalisch aushärtenden Klebstoffen, Zementen und Kompositen, wie beispielsweise chirurgischen Knochenzementen, Kontaktlinsen, Klebstoffen für optische Teile, UV-härtbaren Lacken, Beschichtungen und Überzugsmaterialien sowie Matrixharzen für Verbundmaterialien.

[0041] Im folgenden wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen weiter erläutert.

Beispiel 1


Synthese von TMXUDEMA


1,3-Bis-(2-Aza-1,1, 9-trimethyl-3,8-dioxo-4,7-dioxa-9-decen-1-yl)-benzol



[0042] 



[0043] 90,7 g (371 mmol) TMXDI wurden innerhalb von 30 Minuten zu 101,1 g (742 mmol) HEMA und 0,19 g Dibutylzinndilaurat (Metatin 812, Fa. Acima) getropft. Nach 36-stündigem Rühren bei 70°C war das Isocyanat vollständig abreagiert (Reaktionskontrolle mittels IR-Spektroskopie). Die Reaktionsmischung wurde mit 300 ml Methylenchlorid versetzt und zweimal mit je 200 ml 2N NaOH und dreimal mit je 100 ml Wasser gewaschen. Die Methylenchloridphase wurde mit Natriumsulfat getrocknet und das Lösungsmittel nach Zugabe von 80 mg Hydrochinonmonomethylether (MeHQ) am Rotationsverdampfer bei ca. 250 mbar abgedampft. Es wurden 169 g (88% Ausbeute) einer farblosen, hochviskosen Flüssigkeit (nD25 = 1,5120) mit einer Scherviskosität (23°C) von 860 Pa·s erhalten.

IR(Film): 3361 (s), 2976 (s), 1714 (s), 1637 (m), 1504 (s), 1384 (s), 1174 (s), 1043 (m) und 944 (m) cm-1.

1H-NMR (400 MHz, CDCl3): 7,43 und 7,27 (m, 4 H, Aromat); 6,13 und 5,77 (2 s, 4 H, =CH2); 5,29 (br, 2 H, NH); 4,24-4,40 (br, 8 H, OCH2CH2O); 1,95 (s, 6H, =C-CH3) und 1,66 (s, 12 H, CH3) ppm.


Beispiel 2


Synthese von TMXUDPMA


1,3-Bis-(2-Aza-1,1,5,9-tetramethyl-3,8-dioxo-4,7-dioxa-9-decen-1-yl)-benzol



[0044] 



[0045] 55,0 g (225 mmol) TMXDI wurden innerhalb von 10 Minuten zu 68,3 g (450 mmol) 95%-igem Hydroxylpropylmethacrylat und 0,1 g Metatin 812 getropft. Nach 3-tägigem Rühren bei 60°C war das Isocyanat vollständig abreagiert (Reaktionskontrolle mittels IR-Spektroskopie). Die Reaktionsmischung wurde mit 200 ml Methylenchlorid versetzt und zweimal mit je 100 ml 2H NaOH und dreimal mit je 100 ml Wasser gewaschen. Die Methylenchloridphase wurde mit Natriumsulfat getrocknet und das Lösungsmittel nach Zugabe von 80 mg MeHQ am Rotationsverdampfer bei ca. 250 mbar entfernt. Es wurden 106 g (88% Ausbeute) einer farblosen, hochviskosen Flussigkeit (nD25 = 1,5018) mit einer Scherviskosität (23°C) von 1665 Pa·s erhalten.

IR (Film): 3366 (m), 2980 (s), 1719 (s), 1637 (m), 1521 (s), 1458 (s), 1296 (m), 1248 (s), 1172 (s) und 1088 (m) cm-1.

1H-NMR (400 MHz, CDCl3): 10,86 (br, 2 H, NH); 7,26 und 7,22 (m, 4 H Aromat); 6,22 und 5,69 (2 s, 4H, =CH2); 5,00 (m, *, OCH); 4,09 - 4,29 (m, *, OCH2); 1,93 (s, 6 H, =C-CH3); 1,62 (s, 12 H, CH3) und 1,32 (d, *, CHCH3) ppm (mit Σ* 0 12 H).


Beispiel 3


Komposite auf der Basis von TMXUDEMA und TMXUDPMA



[0046] In einem Planetenkneter (Typ LPM 2SP, Fa. Linde) wurden drei Kompositpasten K-1 bis K-3 mit der in Tabelle I gezeigten Zusammensetzungen (alle Angaben in Gew.%) hergestellt und bei 200 mbar für zehn Minuten entlüftet.

[0047] Die Zusammensetzung K-3 enthält anstelle der erfindungsmäßen Urethandi(meth)acrylatderivate Bis-GMA und dient als Vergleichsbeispiel.

[0048] Zur Bestimmung der mechanischen Eigenschaften wurden aus den Pasten Prüfkörper geformt (2 mm x 2 mm x 20 mm) und durch 6-minütiges Belichten mit einer dentalen Strahlungsquelle (Spektramat, Fa. Vivadent, λ = 400 bis 500 nm) ausgehärtet. Der Polymerisationsschrumpf (ΔV) wurde aus der Differenz der gaspyknometisch bestimmten Pasten- und Kompositdichte berechnet, die Biegefestigkeit (BF), der Biege-E-Modul (BEM) wurden nach der ISO-Norm 4049 (1988) bestimmt. Hierzu wurden die Prüfkörper bei 37°C für 24 Stunden trocken oder für 24 Stunden oder 7 Tage in Wasser (WL) gelagert bzw. für 24 Stunden in deionisiertem Wasser gekocht (K). Die Ergebnisse der Untersuchungen sind in Tabelle II zusammengestellt.
Tabelle I
Zusammensetzung der Komposit-Pasten (Gew.-%)
Komponente K-1 K-2 K-3a)
TMXUDEMA 7,59 - -
TMXUDPMA - 7,59 -
Bis-GMA - - 7,59
UDMA 6,72 6,72 6,72
TEGDMA 3,64 3,64 3,64
Ytterbiumfluorid (Rhone-Poulenc) 14,89 14,89 14,89
Bariumglas b) 51,61 51,61 51,61
Sphärosil® c) 14,39 14,39 14,39
AEROSIL® OX-50 d) 1,00 1,00 1,00
Hydrochinonmethylether 0,02 0,02 0,02
Campherchinon 0,05 0,05 0,05
N-(2-Cyanoethyl-N-methylanilin 0,09 0,09 0,09
a) Vergleichsbeispiel
b) silanisiertes Bariumaluminiumsilikatglaspulver (Schott), Anteil mit einer Korngröße < 7 µm: 99%
c) SiO2-ZrO2-Mischoxid (Tokoyama Soda), Sekundärkorngröße < 7 µm
d) silanisierte Pyrolysekieselsäure (Degussa)
Tabelle II
Mechanische Eigenschaften der gehärteten Kompositmaterialien
Eigenschaft K-1 K-2 K-3a)
ΔV(Vol.-%) -2,9 -2,8 -2,8
BF, trocken (MPa) 141 120 116
BF, 24 h WL(MPa) 153 145 140
BF, 7 d WL (MPa) 147 144 121
BF, 24 h K (MPa) 143 129 123
BEM, trocken (GPa) 13,14 13,62 12,13
BEM, 24 h WL (GPa) 12,40 12,56 11,44
BEM, 7 d WL (GPa) 12,58 11,66 11,63
BEM, 24 h K (GPa) 12,92 11,52 10,56
a) Vergleichsbeispiel



Ansprüche

1. Urethandi(meth)acrylatderivat von 1,3-Bis(1-isocyanato-1-methylethyl)benzol gemäß der Formel (I)

in der

R   Wasserstoff oder ein geradkettigen C1-C8-Alkylrest ist,

X und Y   unabhängig voneinander

bedeuten, wobei

R1   ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Aryl-, C7- bis C16-Alkylaryl- oder C7- bis C12-Arylalkylrest,

R2   Wasserstoff, ein C1- bis C5-Alkyl- oder ein substituierter oder unsubstituieter C6- bis C12-Arylrest,

R3   Wasserstoff oder ein Methylrest,

R4   ein C1- bis C8-Alkylenrest, der durch Sauerstoffatome unterbrochen sein kann, oder ein Phenylenrest,

R5   Wasserstoff oder ein Methylrest,

R6   ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Aryl-, C7- bis C16-Alkylaryl- oder C7- bis C12-Arylalkylrest,

Z   -CO- oder eine chemische Bindung ist und

W   Sauerstoff, Schwefel oder NR7 bedeutet, wobei

R7   Wasserstoff oder ein geradkettiger C1- bis C6-Alkylrest ist, mit der Maßgabe, daß R3 kein Methylrest ist, wenn R Wasserstoff und R4 eine Dimethylengruppe ist.


 
2. Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß X und Y unabhängig voneinander

bedeuten.
 
3. Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Arylgruppen durch Halogen, -OCH3, -OH, -CN, -CH3, -C2H5, -NO2, -COOH und/oder -COOCH3 ein-oder mehrfach substituiert sind.
 
4. Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß X und Y gleich sind.
 
5. Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß

R   Wasserstoff, Methyl, Ethyl, Propyl, Butyl oder Hexyl,

R1   Wasserstoff oder -CH3,

R2   -CH3, -C2H5, ein Benzyl- oder Phenylrest,

R3   Wasserstoff oder ein Methylrest,

R4   ein Ethylen-, Propylen-, Triethylen-, Butylen- oder Phenylenrest,

R5   ein Methylrest,

R6   ein Benzyl-, Phenyl- oder substituierter Phenylrest,

W   Sauerstoff, Schwefel oder NH,

Z   -CO- oder eine chemische Bindung und/oder

R7   Wasserstoff ist.


 
6. Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß

R1   Wasserstoff,

R2   Wasserstoff, ein Benzyl- oder Phenylrest,

R3   ein Methylrest,

R4   ein Ethylen-, Propylen- oder Triethylenrest,

R5   ein Methylrest,

R6   ein Benzylrest,

W   Sauerstoff,

Z   -CO- und/oder

R7   Wasserstoff ist.


 
7. Verfahren zur Herstellung eines Urethandi(meth)acrylatderivats gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß man 1,3-Bis(1-isocyanato-1-methylethyl)benzol mit Hydroxy(meth)acrylaten gemäß den Formeln X-OH und Y-OH umsetzt, wobei X und Y die angegebene Bedeutung haben, und man das Reaktionsprodukt ggf. anschließend alkyliert.
 
8. Zusammensetzung enthaltend ein Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6.
 
9. Zusammensetzung gemäß Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß sie

1 bis 99 %   eines oder mehrerer Urethandi(meth)acrylatderivate gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6;

0 bis 80 %   eines oder mehrerer radikalisch polymerisierbarer Monomere;

0 bis 90 %   Füllstoffe; und

0,01 bis 5 %   eines Initiators für die radikalische Polymerisation sowie ggf. weitere Hilfsstoffe

enthält.
 
10. Zusammensetzung gemäß Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß sie

20 bis 70 %   eines oder mehrerer Urethandi(meth)acrylatderivate gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6;

0 bis 80 %   eines oder mehrerer radikalisch polymerisierbarer Monomere;

0 bis 85 %   Füllstoffe; und/oder

0,1 bis 2 %   eines Initiators für die radikalische Polymerisation sowie ggf. weitere Hilfsstoffe

enthält.
 
11. Zusammensetzung gemäß Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, daß sie als radikalisch polymerisierbare Monomere eines oder mehrere bi- oder höherfunktionelle Acrylate und/oder Methacrylate enthält.
 
12. Zusammensetzung gemäß Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß sie 7,7,9-Trimethyl-4,13-dioxo-3,14-dioxa-5,12-diaza-hexadecan-1,16-diyldimethacrylat, Di- oder Triethylenglycoldi(meth)acrylat, Decandioldi(meth)acrylat, Trimethylolpropantri(meth)acrylat, Pentaerythrittetra(meth)acrylat, 1,10-Decandioldi(meth)acrylat und/oder 1,12-Dodecandioldi(meth)acrylat enthält.
 
13. Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüch 9 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß sie als Füllstoff amorphe kugelförmige Materialien auf der Basis von Mischoxiden aus SiO2, ZrO2 und/oder TiO2, pyrogene Kieselsäure, Fällungskieselsäure, Quarz-, Glaskeramik- oder Glaspulver und/oder Ytterbiumfluorid enthält.
 
14. Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß sie als Initiator Azobis(isobutyronitril) Azobis-(4-cyanvalerialnsäure), Dibenzoylperoxid, Dilauroylperoxid, tert. -Butylperoctoat, tert. -Butylperbenzoat, Di-(tert.-butyl)-peroxid, Benzpinakol, ein 2,2'-Di(C1-C8-alkyl)benzpinakol, einen Benzoinether, ein Dialkylbenzilketal, Dialkoxyacetophenon, Acylphosphinoxid, 9,10-Phenanthrenchinon, Diacetyl, Furil, Anisil, 4,4'-Dichlorbenzil, 4,4'-Dialkoxybenzil und/oder Kampherchinon enthält.
 
15. Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüche 9 bis 14 zur Verwendung als Dentalmaterial.
 
16. Verwendung eines Urethandi(meth)acrylatderivats gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6 zur Herstellung von radikalisch härtbaren Klebstoffen, Zementen oder Kompositen.
 
17. Verwendung gemäß Anspruch 16 zur Herstellung von Dentalmaterialien.
 
18. Verwendung gemäß Anspruch 16 zur Herstellung von chirurgischen Knochenzementen, Kontaktlinsen, Klebstoffen für optische Teile, UV-härtbaren Lacken, Beschichtungen und Überzugsmaterialien, Matrixharzen und Verbundmaterialien.
 





Recherchenbericht