[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft Urethandi(meth)acrylat-Derivate von 1,3-Bis(1-isocyanato-1-methylethyl)benzol
sowie Dentalmaterialien auf Basis dieser Substanzen.
[0002] Urethan(meth)acrylate finden u.a. als Bestandteil von Klebstoffen, Beschichtungen
und Dentalmaterialien praktische Anwendungen (R. Holman (Hrsg.), U.V. and EB. Curing
Formulation for Printing Inks, Coatings and Paints, SITA-Technology, London 1984,
27; J.P. Foussier, J.F. Rabek (Hrsg.), Radiation curing in Polymer Science and Technology,
Vol. IV, Elsvier Applied Science, London und New York 1993, 387). Ein auf dem Dentalgebiet
besonders häufig verwendetes Monomer ist 7,7,9-Trimethyl-4,13-dioxo-3,14-dioxa-5,12-diazahexadecan-1,16-diyldimethacrylat
(UDMA) das durch Umsetzung von einem Mol 2,2,4-Trimethylhexamethylendiisocyanat mit
zwei Mol 2-Hydroxyethylmethacrylat (HEMA) zugänglich ist (vgl. z.B. DE 195 44 671).
[0003] Der Brechungsindex von UDMA weicht mit n
D = 1,483 jedoch deutlich von dem Brechungsindex üblicher dentaler Füllmaterialien
(ca. 1,52 bis 1,55) ab, so daß UDMA und andere aliphatische Urethandimethacrylate
zur Anpassung des Brechungsindex an den Füller häufig mit Bis-GMA, dem Additionsprodukt
aus Methacrylsäure und Bisphenol-A-diglycidylether (Brechungsindex n
D = 1,549), kombiniert werden (vgl. z.B. DE OS 24 11 760). Außerdem lassen sich durch
die Zugabe von Bis-BMA die mechanischen Eigenschaften der Materialien verbessern.
[0004] Durch die Angleichung der Brechungsindices wird eine größere Durchhärtungstiefe der
Dentalmaterialien bei der Photopolymerisation erzielt, jedoch begünstigt Bis-GMA aufgrund
der vorhandenen Hydroxylgruppen die Wasseraufnahme der Materialien, was zu einer verminderten
Haltbarkeit unter feuchten Bedingungen führt. Darüber hinaus enthält Bis-GMA häufig
schwer zu entfernende Verunreinigungen an Bisphenol-A, das eine ausgeprägte östrogene
Wirkung zeigt.
[0005] Neben UDMA wurde die Verwendung anderer Di(meth)acrylaturethane beschrieben. M.G.
Buonocore und C.A. Casciani, New York State Dental Journal
35 (1969) 135, beschreiben beispielsweise Additionsprodukte von zwei Mol HEMA und jeweils
einem Mol 2,4-Toluylendiisocyanat, hydriertem Diphenylmethandiisocyanat, Naphthalindiisocyanat,
Diphenylmethandiisocyanat, Naphthalindiisocyanat, Diphenylmethandiisocyanat oder Hexanmethylendiisocyanat.
Hierbei handelt es sich in allen Fällen um kristalline Verbindungen, die sich nur
zusammen mit flüssigen Monomeren zu Dentalmaterialien verarbeiten lassen.
[0006] Die US-A-4,400,159 offenbart Urethandiacrylate, die durch Umsetzung von aliphatischen
und aromatischen Diisocyanaten mit 3-Methacryloyl-2-hydroxypropylestern erhalten werden.
Die Substanzen neigen jedoch zu Verfärbungen, und bei den aromatischen Derivaten handelt
es sich um kristalline Verbindungen. Diese Monomere werden vorzugsweise mit Bis-GMA
kombiniert.
[0007] Die DE 195 44 671 A1 offenbart Urethan(meth)acrylate mit cyclischen Carbonatgruppen,
die sich durch eine erhöhte Polymerisationsgeschwindigkeit und eine geringere Empfindlichkeit
gegenüber der Polymerisationshemmung durch Sauerstoff auszeichnen sollen.
[0008] Die US-A-4,952,241, EP 0 254 185 B1, US-A-4,904,750 und EP 0 658 582 A1 offenbaren
präpolymere (Meth)acrylurethanderivate, die vor allem als flexibilisierende Monomere
oder Verdünnungsmonomere in Kombination mit Bis-GMA einsetzbar sind.
[0009] Die US-A-4,386,912 betrifft dentale Füllmaterialien auf der Basis tetrafunktioneller
Urethanacrylatmonomerer, die sich durch Umsetzung von Glycerindimethacrylat mit aromatischen
oder aliphatischen Diisocyanaten herstellen lassen. Aliphatische Diisocyanate sind
im Hinblick auf die Färbung des gehärteten Produkts bevorzugt.
[0010] B. Nabeth, J.F. Gerard, J.P. Pascault, J. Appl. Polym. Sci.
60 (1996) 2113, beschreiben die Synthese von Polyurethan(meth)acrylaten auf der Basis
von Polycaprolactonmakrodiolen unter Verwendung von 1,3-Bis(1-isocyanato-1-methylethyl)benzol
(TMXDI). Niedermolekulare Urethandi(meth)acrylatderivate auf der Basis von TMXDI sind
bisher nicht bekannt.
[0011] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, fließfähige, polymerisationsfähige Urethandi(meth)acrylatderivate
bereitzustellen, deren Brechungsindex mit dem üblicher dentaler Füllmaterialien kompatibel
ist, die nicht zu Verfärbungen neigen und die Bis-GMA in Dentalmaterialien substituieren
können, ohne die mechanischen Eigenschaften der Materialien zu verschlechtern.
[0012] Diese Aufgabe wird durch Urethandi(meth)acrylatderivate von 1,3-Bis(1-isocyanato-1-methylethyl)benzol
gemäß der Formel (I) gelöst,

in der
- R
- Wasserstoff oder ein geradkettiger C1-C8-Alkylrest, vorzugsweise Wasserstoff, Methyl, Ethyl, Propyl, Butyl oder Hexyl, ganz
besonders bevorzugt Wasserstoff oder Methyl ist und
- X und Y
- unabhängig voneinander

vorzugsweise

bedeuten, wobei
- R1
- ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Aryl- oder C7- bis C16-Alkylaryl- oder C7- bis C12-Arylalkylrest und
- R2
- Wasserstoff, ein C1- bis C5-Alkyl- oder ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Arylrest ist;
- R3
- Wasserstoff oder ein Methylrest und
- R4
- ein C1- bis C8-Alkylenrest, der durch Sauerstoffatome unterbrochen sein kann, oder ein Phenylenrest
ist;
- R3
- Wasserstoff oder ein Methylrest,
- R6
- ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Aryl- oder C7- bis C16-Alkylaryl- oder C7- bis C12-Arylalkylrest,
- Z
- -CO- oder eine chemische Bindung ist und
- W
- Sauerstoff, Schwefel oder NR7 bedeutet, wobei
- R7
- Wasserstoff oder ein geradkettiger C1- bis C6-Alkylrest ist.
[0013] Vorzugsweise haben R und R
7 die gleiche Bedeutung.
[0014] Die aromatischen Gruppen sowohl der Aryl- als auch der Alkylarylreste können ein-
oder mehrfach, vorzugsweise einfach substituiert sein. Bevorzugte Substituenten sind
Halogen, insbesondere Brom, -OCH
3, -OH, -CN, -CH
3, -C
2H
5, -NO
2, -COOH und -COOCH
3.
[0015] Bevorzugte C
7- bis C
12-Arylalkylreste sind Benzyl, α-Methylbenzyl, α,α-Dimethylbenzyl und α,α-Diethylbenzyl,
insbesondere Benzyl.
[0016] Unabhängig voneinander wählbare bevorzugte Definitionen sind:
- R1
- Wasserstoff oder -CH3,
- R2
- -CH3, -C2H5, ein Benzyl- oder Phenylrest,
- R3
- Wasserstoff oder ein Methylrest,
- R4
- ein Ethylen-, Propylen-, Triethylen-, Butylen- oder Phenylenrest,
- R5
- ein Methylrezt,
- R6
- ein Benzyl-, Phenyl- oder substituierter Phenylrest,
- W
- Sauerstoff, Schwefel oder NH,
- Z
- -CO- oder eine chemische Bindung und/oder
- R7
- Wasserstoff.
[0017] Ganz besonders bevorzugte, unabhängig voneinander wählbare Definitionen sind:
- R1
- Wasserstoff,
- R2
- Wasserstoff, ein Benzyl- oder Phenylrest,
- R3
- ein Methylrest,
- R4
- ein Ethylen-, Triethylen- oder Propylenrest,
- R5
- ein Methylrest,
- R6
- ein Benzylrest,
- W
- Sauerstoff,
- Z
- -CO- und/oder
- R7
- Wasserstoff.
[0018] Weiterhin sind solche Urethandi(meth)acrylatderivate bevorzugt, bei denen X und Y
die gleiche Bedeutung haben.
[0020] Weiterhin sind Verbindungen gemäß Formel I besonders bevorzugt, bei denen R und R
3 unabhängig voneinander Wasserstoff oder Methyl sind und R
4 Ethylen oder Propylen ist.
[0021] Die erfindungsgemäßen Urethandi(meth)acrylatderivate der Formel (I) lassen sich durch
Umsetzung von käuflichem 1,3-Bis(1-isocyanat-1-methylethyl)benzol (TMXDI) mit entsprechenden
Hydroxy(meth)acrylaten X-OH bzw. Y-OH und gegebenenfalls nachfolgender Alkylierung
der gebildeten Addukte beispielsweise mit einem Dialkylsulfat herstellen.

[0022] Die Herstellung der Hydroxy(meth)acrylate X-OH und Y-OH kann auf an sich bekannte
Art und Weise erfolgen (vgl. z.B. C. Ferri, Reaktionen der organischen Synthese, G.
Thieme Verlag, Stuttgart 1978). Bevorzugt ist die durch tertiäre Amine katalysierte
Baylis-Hillman-Reaktion von Acrylaten mit Aldehyden gemäß der Reaktionsgleichung

in der R
1 und R
2 die oben angegebene Bedeutung haben. Beispielsweise läßt sich 2-Hydroxymethylacrylsäurebenzylester
durch Umsetzung von Acrylsäurebenzylester mit Formaldehyd herstellen:

[0023] Weiter bevorzugt ist die unstöchiometrische Veresterung von Dihydroxyverbindungen
mit (Meth)acrylsäure oder (Meth)acrylsäurechlorid gemäß der Reaktionsgleichung

in der R
3 und R
4 die oben angegebene Bedeutung haben und U = Cl oder OH ist. Beispielsweise ist 4-Hydroxyphenylmethacrylat
durch Umsetzung von Hydrochinon mit Methacrylsäurechlorid zugänglich:

[0024] Darüber hinaus kann die Synthese geeigneter Hydroxy(meth)acrylate durch Umsetzung
von Glycidyl(meth)acrylat mit O-nukleophilen Reagenzien, wie Alkoholen, Phenolen oder
Carbonsäuren gemäß der Reaktionsgleichung

erfolgen, in der R
5 und R
6 die oben angegebene Bedeutung haben. Beispielsweise kann 1-Benzylcarbonyloxy-2-hydroxypropylmethacrylat
durch Umsetzung von Phenylessigsäure mit Glycidylmethacrylat erhalten werden:

[0025] Die erfindungsgemäßen Urethandi(meth)acrylatderivate eignen sich besonders zur Herstellung
von Polymeren, Adhäsiven und Dentalmaterialien, wie Füllungskompositen, Dentaladhäsiven
und Befestigungszementen, wobei die Urethandi(meth)acrylate als Vernetzer fungieren.
[0026] Zur Herstellung von Dentalmaterialien sind Derivate mit einem Brechungsindex von
n
D = 1,50 bis 1,60, insbesondere 1,50 bis 1,55 bevorzugt.
[0027] Zur Polymerisation werden die erfindungsgemäßen Verbindungen mit Initiatoren für
die radikalische Polymerisation und gegebenenfalls zusätzlichen radikalisch polymerisierbaren
Monomeren und Füllstoffen sowie weiteren Hilfsstoffen vermischt.
[0028] Geeignete Initiatoren werden beispielsweise in der Encyclopedia of Polymer Science
and Engineering, Vol. 13, Wiley-Intersci. Pub., New York etc. 1988, S. 754 ff. beschrieben.
Bevorzugte Initiatoren für die Kaltpolymerisation sind Azoverbindungen, wie Azobis(isobutyronitril)
(AIBN) oder Azobis(4-cyanvaleriansäure) oder Peroxide, wie Dibenzoylperoxid, Dilauroylperoxid,
tert.-Butylperoctat, tert.-Butylperbenzoat oder Di-(tert.-butyl)-peroxid.
[0029] Als Initiatoren für die Heißhärtung eignen sich besonders Benzpinakol und 2,2'-Di(C
1-C
8-alkyl)benzpinakole.
[0030] Geeignete Photoiniatoren für den UV- oder sichtbaren Bereich werden von J.P. Fouassier,
J.F. Rabek (Hrsg.), Radiation Curing in Polymer Science and Technology, Vol. II, Elsevier
Applied Science, London und New York 1993, Seiten 155 bis 237, beschrieben. Bevorzugte
Photoinitiatoren sind Benzoinether, Dialkylbenzilketale, Dialkoxyacetophenone, Acylphosphinoxide,
α-Diketone, wie 10-Phenanthrenchinon, Diacetyl, Furil, Anisil, 4,4'-Dichlorbenzil
und 4,4'-Dialkoxybenzil und Kampferchinon.
[0031] Zur Herstellung von Dentalmaterialien eignen sich besonders Dibenzoylperoxid, Kampferchinon
oder Acylphosphinoxide.
[0032] Als zusätzliche radikalisch polymerisierbare Monomere sind difunktionelle Vernetzermonomere
bevorzugt, wobei sich zur Herstellung von Adhäsiven oder Dentalmaterialien vor allem
vernetzende bi- oder höherfunktionelle Acrylate und Methacrylate, wie beispielsweise
UDMA, Di-oderTriethylenglykoldi(meth)acrylat (TEGDMA), Decandioldi(meth)acrylat, Trimethylolpropantri(meth)acrylat,
Pentaerythrittetra(meth)acrylat, Butandioldi(meth)acrylat, 1,10-Decandioldi(meth)acrylat
und 1, 12-Dodecandioldi(meth)acrylat eignen. Disese Monomeren sind durch Veresterung
von (Meth)acrylsäure mit entsprechenden Diolen zugänglich.
[0033] Als Füllstoffe eignen sich organische als auch anorganische Partikel und Fasern.
Bevorzugte anorganische Füllstoffe zur Herstellung von Dentalmaterialien sind amorphe,
kugelförmige Materialien auf der Basis von Mischoxiden aus SiO
2, ZrO
2 und/oder TiO
2 mit einer mittleren durchschnittlichen Partikelgröße von 0,005 bis 2,0 µm, vorzugsweise
von 0,1 bis 1 µm, wie sie beispielsweise in der DE-PS 32 47 800 offenbart werden,
mikrofeine Füllstoffe, wie pyrogene Kieselsäure oder Fällungskieselsäure, sowie Makro-
oder Mini-Füllstoffe, wie Quarz-, Glaskeramik- oder Glaspulver mit einer durchschnittlichen
Teilchengröße von 0,5 bis 20 µm, sowie röntgenopake Füllstoffe, wie Ytterbiumtrifluorid.
Unter Minifüllstoffen werden Füllstoffe mit einer Partikelgröße von 0,5 bis 1,5 µm
und unter Makrofüllstoffen Füllstoffen mit einer Partikelgröße von 10 bis 20 µm verstanden.
[0034] Außerdem können Glas-, Polyamid- oder Kohlenstoffasern als Füllstoffe eingesetzt
werden. Geeignete Verstärkungsfasern werden beispielsweise im "Taschenbuch der Kunststoff-Additive",
R. Gächter, H. Müller, Carl Hanser Verlag, München und Wien 1990, Seiten 617 bis 662,
beschrieben.
[0035] Darüber hinaus können die erfindungsgemäßen Zusammensetzungen im Bedarfsfall weitere
Hilfsstoffe wie Lösungsmittel, insbesondere Wasser, Ethylacetat oder Ethanol, Stabilisatoren,
UV-Absorber, Farbstoffe, Pigmente und/oder Gleitmittel enthalten. Unter Stabilisatoren
werden solche Stoffe verstanden, die eine vorzeitige Polymerisation verhindern und
damit vor allem die Lagerstabilität von Monomermischungen und Kompositen erhöhen,
ohne jedoch die Eigenschaften der ausgehärteten Materialien zu beeinträchtigen. Bevorzugte
Stabilisatoren sind Hydrochinonmonomethylether (MEHQ) und 2,6-Di-tert.-butyl-4-methylphenol
(BHT).
[0036] Dentalmaterialien weisen vorzugsweise die folgende Zusammensetzung auf:
1 bis 99 Gew.%, vorzugsweise 10 bis 80 Gew.% und besonders bevorzugt 20 bis 70 Gew.%
eines oder mehrerer Urethandi(meth)acrylatderivate,
0 bis 80 Gew.%, vorzugsweise 0 bis 60 Gew.% und besonders bevorzugt 0 bis 50 Gew.%
eines oder mehrerer anderer radikalisch polysierbarer Monomere,
0 bis 90 Gew.% Füllstoffe und
0,01 bis 5 Gew.%, vorzugsweise 0,01 bis 2 Gew.% eines Initiators für die radikalische
Polymerisation.
[0037] Der Füllstoffgehalt wird maßgeblich durch den Verwendungszweck bestimmt und beträgt
im Fall von Adhäsiven vorzugsweise 0 bis 20 Gew.%, bei Zementen vorzugsweise 20 bis
60 Gew.% und bei Füllungskompositen 50 bis 85 Gew.%.
[0038] Der Anteil der übrigen Hilfsstoffe liegt üblicherweise im Bereich von jeweils 100
ppm bis 1,0 Gew.-%, bei Farbstoffen und Pigmenten je nach Färbevermögen auch im Bereich
von 10 ppm bis 1,0 Gew.-%.
[0039] Die erfindungsgemäßen Dentalmaterialien enthalten vorzugsweise kein Bis-GMA, zeigen
jedoch mechanische Eigenschaften, die denen von Bis-GMA-haltigen Materialien in jeder
Hinsicht entsprechen. Unter feuchten Bedingungen weisen die erfindungsgemäßen Materialien
deutlich bessere mechanische Eigenschaften auf als Bis-GMA-haltige Materialien.
[0040] Die erfindungsgemäßen Urethandi(meth)acrylatderivate eignen sich darüber hinaus auch
zur Herstellung von anderen medizinischen oder technischen, radikalisch aushärtenden
Klebstoffen, Zementen und Kompositen, wie beispielsweise chirurgischen Knochenzementen,
Kontaktlinsen, Klebstoffen für optische Teile, UV-härtbaren Lacken, Beschichtungen
und Überzugsmaterialien sowie Matrixharzen für Verbundmaterialien.
[0041] Im folgenden wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen weiter erläutert.
Beispiel 1
Synthese von TMXUDEMA
1,3-Bis-(2-Aza-1,1, 9-trimethyl-3,8-dioxo-4,7-dioxa-9-decen-1-yl)-benzol
[0042]

[0043] 90,7 g (371 mmol) TMXDI wurden innerhalb von 30 Minuten zu 101,1 g (742 mmol) HEMA
und 0,19 g Dibutylzinndilaurat (Metatin 812, Fa. Acima) getropft. Nach 36-stündigem
Rühren bei 70°C war das Isocyanat vollständig abreagiert (Reaktionskontrolle mittels
IR-Spektroskopie). Die Reaktionsmischung wurde mit 300 ml Methylenchlorid versetzt
und zweimal mit je 200 ml 2N NaOH und dreimal mit je 100 ml Wasser gewaschen. Die
Methylenchloridphase wurde mit Natriumsulfat getrocknet und das Lösungsmittel nach
Zugabe von 80 mg Hydrochinonmonomethylether (MeHQ) am Rotationsverdampfer bei ca.
250 mbar abgedampft. Es wurden 169 g (88% Ausbeute) einer farblosen, hochviskosen
Flüssigkeit (n
D25 = 1,5120) mit einer Scherviskosität (23°C) von 860 Pa·s erhalten.
IR(Film): 3361 (s), 2976 (s), 1714 (s), 1637 (m), 1504 (s), 1384 (s), 1174 (s), 1043
(m) und 944 (m) cm-1.
1H-NMR (400 MHz, CDCl3): 7,43 und 7,27 (m, 4 H, Aromat); 6,13 und 5,77 (2 s, 4 H, =CH2); 5,29 (br, 2 H, NH); 4,24-4,40 (br, 8 H, OCH2CH2O); 1,95 (s, 6H, =C-CH3) und 1,66 (s, 12 H, CH3) ppm.
Beispiel 2
Synthese von TMXUDPMA
1,3-Bis-(2-Aza-1,1,5,9-tetramethyl-3,8-dioxo-4,7-dioxa-9-decen-1-yl)-benzol
[0044]

[0045] 55,0 g (225 mmol) TMXDI wurden innerhalb von 10 Minuten zu 68,3 g (450 mmol) 95%-igem
Hydroxylpropylmethacrylat und 0,1 g Metatin 812 getropft. Nach 3-tägigem Rühren bei
60°C war das Isocyanat vollständig abreagiert (Reaktionskontrolle mittels IR-Spektroskopie).
Die Reaktionsmischung wurde mit 200 ml Methylenchlorid versetzt und zweimal mit je
100 ml 2H NaOH und dreimal mit je 100 ml Wasser gewaschen. Die Methylenchloridphase
wurde mit Natriumsulfat getrocknet und das Lösungsmittel nach Zugabe von 80 mg MeHQ
am Rotationsverdampfer bei ca. 250 mbar entfernt. Es wurden 106 g (88% Ausbeute) einer
farblosen, hochviskosen Flussigkeit (n
D25 = 1,5018) mit einer Scherviskosität (23°C) von 1665 Pa·s erhalten.
IR (Film): 3366 (m), 2980 (s), 1719 (s), 1637 (m), 1521 (s), 1458 (s), 1296 (m), 1248
(s), 1172 (s) und 1088 (m) cm-1.
1H-NMR (400 MHz, CDCl3): 10,86 (br, 2 H, NH); 7,26 und 7,22 (m, 4 H Aromat); 6,22 und 5,69 (2 s, 4H, =CH2); 5,00 (m, *, OCH); 4,09 - 4,29 (m, *, OCH2); 1,93 (s, 6 H, =C-CH3); 1,62 (s, 12 H, CH3) und 1,32 (d, *, CHCH3) ppm (mit Σ* 0 12 H).
Beispiel 3
Komposite auf der Basis von TMXUDEMA und TMXUDPMA
[0046] In einem Planetenkneter (Typ LPM 2SP, Fa. Linde) wurden drei Kompositpasten K-1 bis
K-3 mit der in Tabelle I gezeigten Zusammensetzungen (alle Angaben in Gew.%) hergestellt
und bei 200 mbar für zehn Minuten entlüftet.
[0047] Die Zusammensetzung K-3 enthält anstelle der erfindungsmäßen Urethandi(meth)acrylatderivate
Bis-GMA und dient als Vergleichsbeispiel.
[0048] Zur Bestimmung der mechanischen Eigenschaften wurden aus den Pasten Prüfkörper geformt
(2 mm x 2 mm x 20 mm) und durch 6-minütiges Belichten mit einer dentalen Strahlungsquelle
(Spektramat, Fa. Vivadent, λ = 400 bis 500 nm) ausgehärtet. Der Polymerisationsschrumpf
(ΔV) wurde aus der Differenz der gaspyknometisch bestimmten Pasten- und Kompositdichte
berechnet, die Biegefestigkeit (BF), der Biege-E-Modul (BEM) wurden nach der ISO-Norm
4049 (1988) bestimmt. Hierzu wurden die Prüfkörper bei 37°C für 24 Stunden trocken
oder für 24 Stunden oder 7 Tage in Wasser (WL) gelagert bzw. für 24 Stunden in deionisiertem
Wasser gekocht (K). Die Ergebnisse der Untersuchungen sind in Tabelle II zusammengestellt.
Tabelle I
| Zusammensetzung der Komposit-Pasten (Gew.-%) |
| Komponente |
K-1 |
K-2 |
K-3a) |
| TMXUDEMA |
7,59 |
- |
- |
| TMXUDPMA |
- |
7,59 |
- |
| Bis-GMA |
- |
- |
7,59 |
| UDMA |
6,72 |
6,72 |
6,72 |
| TEGDMA |
3,64 |
3,64 |
3,64 |
| Ytterbiumfluorid (Rhone-Poulenc) |
14,89 |
14,89 |
14,89 |
| Bariumglas b) |
51,61 |
51,61 |
51,61 |
| Sphärosil® c) |
14,39 |
14,39 |
14,39 |
| AEROSIL® OX-50 d) |
1,00 |
1,00 |
1,00 |
| Hydrochinonmethylether |
0,02 |
0,02 |
0,02 |
| Campherchinon |
0,05 |
0,05 |
0,05 |
| N-(2-Cyanoethyl-N-methylanilin |
0,09 |
0,09 |
0,09 |
| a) Vergleichsbeispiel |
| b) silanisiertes Bariumaluminiumsilikatglaspulver (Schott), Anteil mit einer Korngröße
< 7 µm: 99% |
| c) SiO2-ZrO2-Mischoxid (Tokoyama Soda), Sekundärkorngröße < 7 µm |
| d) silanisierte Pyrolysekieselsäure (Degussa) |
Tabelle II
| Mechanische Eigenschaften der gehärteten Kompositmaterialien |
| Eigenschaft |
K-1 |
K-2 |
K-3a) |
| ΔV(Vol.-%) |
-2,9 |
-2,8 |
-2,8 |
| BF, trocken (MPa) |
141 |
120 |
116 |
| BF, 24 h WL(MPa) |
153 |
145 |
140 |
| BF, 7 d WL (MPa) |
147 |
144 |
121 |
| BF, 24 h K (MPa) |
143 |
129 |
123 |
| BEM, trocken (GPa) |
13,14 |
13,62 |
12,13 |
| BEM, 24 h WL (GPa) |
12,40 |
12,56 |
11,44 |
| BEM, 7 d WL (GPa) |
12,58 |
11,66 |
11,63 |
| BEM, 24 h K (GPa) |
12,92 |
11,52 |
10,56 |
1. Urethandi(meth)acrylatderivat von 1,3-Bis(1-isocyanato-1-methylethyl)benzol gemäß
der Formel (I)

in der
R Wasserstoff oder ein geradkettigen C1-C8-Alkylrest ist,
X und Y unabhängig voneinander

bedeuten, wobei
R1 ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Aryl-, C7- bis C16-Alkylaryl- oder C7- bis C12-Arylalkylrest,
R2 Wasserstoff, ein C1- bis C5-Alkyl- oder ein substituierter oder unsubstituieter C6- bis C12-Arylrest,
R3 Wasserstoff oder ein Methylrest,
R4 ein C1- bis C8-Alkylenrest, der durch Sauerstoffatome unterbrochen sein kann, oder ein Phenylenrest,
R5 Wasserstoff oder ein Methylrest,
R6 ein substituierter oder unsubstituierter C6- bis C12-Aryl-, C7- bis C16-Alkylaryl- oder C7- bis C12-Arylalkylrest,
Z -CO- oder eine chemische Bindung ist und
W Sauerstoff, Schwefel oder NR7 bedeutet, wobei
R7 Wasserstoff oder ein geradkettiger C1- bis C6-Alkylrest ist, mit der Maßgabe, daß R3 kein Methylrest ist, wenn R Wasserstoff und R4 eine Dimethylengruppe ist.
2. Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß X und Y unabhängig voneinander

bedeuten.
3. Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Arylgruppen durch Halogen, -OCH3, -OH, -CN, -CH3, -C2H5, -NO2, -COOH und/oder -COOCH3 ein-oder mehrfach substituiert sind.
4. Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß X und Y gleich sind.
5. Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß
R Wasserstoff, Methyl, Ethyl, Propyl, Butyl oder Hexyl,
R1 Wasserstoff oder -CH3,
R2 -CH3, -C2H5, ein Benzyl- oder Phenylrest,
R3 Wasserstoff oder ein Methylrest,
R4 ein Ethylen-, Propylen-, Triethylen-, Butylen- oder Phenylenrest,
R5 ein Methylrest,
R6 ein Benzyl-, Phenyl- oder substituierter Phenylrest,
W Sauerstoff, Schwefel oder NH,
Z -CO- oder eine chemische Bindung und/oder
R7 Wasserstoff ist.
6. Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, daß
R1 Wasserstoff,
R2 Wasserstoff, ein Benzyl- oder Phenylrest,
R3 ein Methylrest,
R4 ein Ethylen-, Propylen- oder Triethylenrest,
R5 ein Methylrest,
R6 ein Benzylrest,
W Sauerstoff,
Z -CO- und/oder
R7 Wasserstoff ist.
7. Verfahren zur Herstellung eines Urethandi(meth)acrylatderivats gemäß einem der Ansprüche
1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß man 1,3-Bis(1-isocyanato-1-methylethyl)benzol mit Hydroxy(meth)acrylaten gemäß
den Formeln X-OH und Y-OH umsetzt, wobei X und Y die angegebene Bedeutung haben, und
man das Reaktionsprodukt ggf. anschließend alkyliert.
8. Zusammensetzung enthaltend ein Urethandi(meth)acrylatderivat gemäß einem der Ansprüche
1 bis 6.
9. Zusammensetzung gemäß Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, daß sie
1 bis 99 % eines oder mehrerer Urethandi(meth)acrylatderivate gemäß einem der Ansprüche
1 bis 6;
0 bis 80 % eines oder mehrerer radikalisch polymerisierbarer Monomere;
0 bis 90 % Füllstoffe; und
0,01 bis 5 % eines Initiators für die radikalische Polymerisation sowie ggf. weitere
Hilfsstoffe
enthält.
10. Zusammensetzung gemäß Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, daß sie
20 bis 70 % eines oder mehrerer Urethandi(meth)acrylatderivate gemäß einem der Ansprüche
1 bis 6;
0 bis 80 % eines oder mehrerer radikalisch polymerisierbarer Monomere;
0 bis 85 % Füllstoffe; und/oder
0,1 bis 2 % eines Initiators für die radikalische Polymerisation sowie ggf. weitere
Hilfsstoffe
enthält.
11. Zusammensetzung gemäß Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, daß sie als radikalisch polymerisierbare Monomere eines oder mehrere bi- oder höherfunktionelle
Acrylate und/oder Methacrylate enthält.
12. Zusammensetzung gemäß Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß sie 7,7,9-Trimethyl-4,13-dioxo-3,14-dioxa-5,12-diaza-hexadecan-1,16-diyldimethacrylat,
Di- oder Triethylenglycoldi(meth)acrylat, Decandioldi(meth)acrylat, Trimethylolpropantri(meth)acrylat,
Pentaerythrittetra(meth)acrylat, 1,10-Decandioldi(meth)acrylat und/oder 1,12-Dodecandioldi(meth)acrylat
enthält.
13. Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüch 9 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß sie als Füllstoff amorphe kugelförmige Materialien auf der Basis von Mischoxiden
aus SiO2, ZrO2 und/oder TiO2, pyrogene Kieselsäure, Fällungskieselsäure, Quarz-, Glaskeramik- oder Glaspulver
und/oder Ytterbiumfluorid enthält.
14. Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüche 9 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß sie als Initiator Azobis(isobutyronitril) Azobis-(4-cyanvalerialnsäure), Dibenzoylperoxid,
Dilauroylperoxid, tert. -Butylperoctoat, tert. -Butylperbenzoat, Di-(tert.-butyl)-peroxid,
Benzpinakol, ein 2,2'-Di(C1-C8-alkyl)benzpinakol, einen Benzoinether, ein Dialkylbenzilketal, Dialkoxyacetophenon,
Acylphosphinoxid, 9,10-Phenanthrenchinon, Diacetyl, Furil, Anisil, 4,4'-Dichlorbenzil,
4,4'-Dialkoxybenzil und/oder Kampherchinon enthält.
15. Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüche 9 bis 14 zur Verwendung als Dentalmaterial.
16. Verwendung eines Urethandi(meth)acrylatderivats gemäß einem der Ansprüche 1 bis 6
zur Herstellung von radikalisch härtbaren Klebstoffen, Zementen oder Kompositen.
17. Verwendung gemäß Anspruch 16 zur Herstellung von Dentalmaterialien.
18. Verwendung gemäß Anspruch 16 zur Herstellung von chirurgischen Knochenzementen, Kontaktlinsen,
Klebstoffen für optische Teile, UV-härtbaren Lacken, Beschichtungen und Überzugsmaterialien,
Matrixharzen und Verbundmaterialien.