(19)
(11) EP 0 715 146 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
13.10.1999  Patentblatt  1999/41

(21) Anmeldenummer: 95117306.1

(22) Anmeldetag:  03.11.1995
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)6F41H 11/00, G08B 5/40

(54)

Vorrichtung zur Lokalisierung von Artillerie- und Heckenschützenstellungen

Device to locate artillery or sniper positions

Dispositif pour localiser la position des artilleries ou des tireurs embusqués


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE DE FR GB IT NL SE

(30) Priorität: 08.11.1994 DE 4439850

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
05.06.1996  Patentblatt  1996/23

(73) Patentinhaber: LFK Lenkflugkörpersysteme GmbH
81663 München (DE)

(72) Erfinder:
  • Feierlein, Johannes
    D-85667 Oberpframmern (DE)
  • Rieger, Ulrich
    D-83620 Feldkirchen-Westerham (DE)

(74) Vertreter: Hummel, Adam et al
Daimler-Benz AG FTP/M Postfach 80 04 65
81663 München
81663 München (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
DE-A- 2 900 444
DE-A- 4 209 077
FR-A- 2 174 987
US-A- 4 040 354
DE-A- 3 720 672
DE-A- 4 228 539
FR-A- 2 250 093
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung zur Lokalisierung von Artillerie- und Heckenschützen-Stellungen während deren Schußabgabe.

    [0002] Artillerie- und Scharfschützenwaffen werden - wie aktuell bekannt ist - in Konflikten häufig unspezifisch gegen zivile Ziele eingesetzt und stellen daher ein terroristisches, bei friedenschaffenden Missionen vorrangig "auszutrocknendes" Potential dar. Wie die nahe Vergangenheit vor Augen führte, sind die Probleme zur Lokalisierung insbesondere leichter und mittlerer Artilleriewaffen - wie Mörser etc. - noch nicht gelöst.

    [0003] Die Bekämpfung von Artilleriestellungen geschieht in der Regel durch Vermessen des schießenden Geschützes mit akustischen Sensoren etc. und anschließendem Beschuß. Ferner steht ein modernes Vermessungsinstrument hoher Genauigkeit in Gestalt von einem Artillerie-Beobachtungsradar zur Verfügung. Der Beschuß erfolgt im allgemeinen mit Artilleriegeschossen, Lenkflugkörper, Abwurfbomben etc. Diese Bekämpfungsmittel sind ausnahmslos von letaler Wirkung und gehen im Grunde genommen über den Rahmen der Selbstverteidigung hinaus, insbesondere für sogenannte "friedenschaffende Einheiten", wie sie beispielsweise die UN-Verbände darstellen. Deshalb wird solchen Einheiten bei einem Einsatz durchwegs eine sehr hohe Einsatzschwelle abverlangt. Wegen der vorherrschenden großen Zeitspannen zwischen terroristischem Artillerieeinsatz etc. und den Anforderungen von Bekämpfungsmaßnahmen und schließlich deren Einsatz, können diese sich unter Umständen bereits gegen falsche Ziele richten und tragen dann erheblich zur Eskalation eines weiteren Konflikts bei.

    [0004] Die Anmelderin hat in der DE 42 28 539 Al - ein aufwendiges Multisensorsystem zur Erkennung und Identifizierung von Kampfmitteln und Kampfsituationen vorgeschlagen, das für anti-terroristischen Einsatz viel zu aufwendig ist.

    [0005] Bei Heckschützen liegen die Sachverhalte anders, sie sind nur individuell aus der Nähe bekämpfbar und haben jederzeit die Möglichkeit, sich dem Zugriff der friedenschaffenden Einheiten zu entziehen, beispielsweise durch Untertauchen in der Zivilbevölkerung.

    [0006] Durch den Stand der Technik sind eine Vielzahl von Einrichtungen zur Lokalisierung und zum Schutz von Objekten bekannt, so beispielsweise aus der DE 20 00 444 eine Freigeländeüberwachungsanlage mittels Schallaufnehmer, oder aus der DE 35 04 552 eine installationslos arbeitende Alarmauslöseeinrichtung. Alle diese Objektschutzeinrichtungen sind jedoch für einen variierbaren Einsatz zur Bekämpfung terroristischer Maßnahmen wenig oder überhaupt nicht geeignet.

    [0007] Ferner ist aus der DE 35 04 552 A1 eine Vorrichtung bekannt, die gezielt akustische Signale detektiert und bei einer Übereinstimmung mit vorgegebenen Signalmustern einen Alarm auslöst. Aus der DE 28 29 239 C1 ist aus dem miltitärischen Bereich eine ebenfalls akustisch arbeitende Detektionseinrichtung bekannt, deren Signal jedoch zur Ausrichtung einer Waffe dient. Schließlich zeit die DE 93 20 382 U1 ebenfalls eine u.a. akustisch arbeitende Alarmeinrichtung zur Installations in einem Gefechtsfeldfahrzeug.

    [0008] Zudem offenbart die FR-A-2 174 987 eine Vorrichtung zur Lokalisierung eines Zieles, die ein Gehäuse, einen Zünder und ein optisch anzeigendes Signalmittel umfaßt. Diese Vorrichtung dient zur Ausbringung einer Farbmarkierung in Wasser zum Zweck der Auffindbarkeit einer im Wasser verunglückten Person. Die Vorrichtung wird dabei zunächst manuell ausgelöst, jedoch erfolgt die Ausbringung der Farbmarkierung ins Wasser erst , wenn ein bestimmter hydrostatischer Druck im Wasser, d.h. eine bestimmte Tiefe im Wasser, erreicht ist.

    [0009] Schließlich ist aus der DE 37 20 672 A1 ein Wirkkörper bekannt, der als Wurfmine verbringbar ist und mit einer Aufrichteinrichtung ausgerichtet wird. Dieser Wirkkörper umfaßt einen Gefechtskopf, der mittels eines Suchzünder-Sensors bei Erfassung eines zu bekämpfenden Zielobjektes gezündet wird. Es besteht die Möglichkeit, den Wirkkörper nach Art einer die Umgebung unter vorgegebenen Elevationswinkel abtastenden Suchzünder-Munition auszulegen und dadurch eine hoch-effektive, sehr variabel einsetzbare Flächenverteidigungswaffe zu schaffen. Die Verbringung des Wirkkörpers erfolgt mittels Geschoß, Dispenser, Wurfeinrichtung oder von Hand. Der Suchzünder-Sensor ist hierbei ein Akustiksensor.

    [0010] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Einsatzmittel zu schaffen, das sowohl zur Unterstützung der Artilleriebekämpfung, als auch zur Bekämpfung von Heckenschützen verwendbar ist, generell leicht und schnell verfügbar ist und die Lokalisierung in allen Fällen gewährleistet.

    [0011] Diese Aufgabe wird durch die im Anspruch 1 aufgezeigten Maßnahmen gelöst. In den Unteransprüchen sind vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung angegeben.

    [0012] Im folgenden wird die Erfindung anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels in Verbindung mit der Zeichnung erläutert.

    [0013] Es zeigen:
    Fig. 1
    einen Querschnitt einer Ausführungsform des vorgeschlagenen Markierungsgeräts zur Lokalisierung von Artillerie und Heckenschützen und
    Fig.en 2a bis 2c
    Schaubilder über einen Funktionsablauf des vorgeschlagenen Markierungsgeräts.


    [0014] Der allgemeine Erfindungsgedanke sieht vor, ein speziell ausgebildetes Markierungsmittel entweder prophylaktisch an für Artillerie- oder Heckenschützenstellungen geeigneten Plätzen auszubringen, oder mit einem Verbringungsmittel an bereits bezogene, aufgeklärte Stellungen zu bringen. Solche Verbringungsmittel richten sich natürlich nach dem betreffenden Einsatz. Für Artilleriestellungen können dies beispielsweise fliegende Dispenser, Lenkflugkörper oder Minenverlegesysteme sein oder für Heckenschützen in bereits bezogenen Stellungen sogenannte Gewehrgranaten.

    [0015] Die Einrichtung zur Lokalisierung von Artillerie und Heckenschützen setzt sich aus einem weitgehend beschußfesten Behälter 10 kleinen Volumens - etwa 0,5 bis 11 - mit folgenden Komponenten zusammen:

    a) mit einem akustischen Auslösesensor ausgerüsteten Zünder 11, wobei der Sensor jeweils auf die Knallsignatur der zu bekämpfenden Geschütze, Mörser, Maschinengewehr oder gewöhnliche Schußmunition einstellbar ist, wobei bei den sogenannten "schweren Waffen" die Signaturakustik, wie sie in einem Bereich von unter 100 m Entfernung auftritt, herangezogen wird. Außerdem ist der Zünder mit einer sogenannten "Räumsperre" versehen, welche automatisch des Signalmittel auslöst, wenn ein Versuch der Wegnahme, Räumung oder Beschuß vorgenommen wird. Diese Räumsperre kann beispielsweise ein einfacher Quecksilberschalter sein.

    b) aus einem pyrotechnischen Signalmittel, das über Bebauungs- und Bewuchsobergrenzen hinaus sichtbar ist und auch eine bestimmte Zeitbeispielsweise 15 - 30 sec - wirksam ist. Hierbei kann es sich um Leuchtkugeln mit zugehörigem Schußbecher oder um sogenanntes "griechisches Feuer" handeln.



    [0016] Die vorbeschriebene Einrichtung zur Lokalisierung bzw. deren Signalmitttel zur Markierung der angesprochenen, zu überwachenden Geschütze oder Gewehre wird ausgelöst, wenn im Auffassungsbereich des Sensors 11 ein oder mehrere Schüsse abgegeben werden. Es löst jedoch nicht aus, wenn die Signatur eines detektierten Abschusses nicht der gespeicherten Signatur - Impulsverlauf, Frequenzspektrum etc. - entspricht.

    [0017] Die gespeicherte Signatur kann dabei in einer Ausführungsform variabel programmierbar, in einer zweiten Ausführungsform durch Auswahl aus verschieden eingestellten Zündern vorgebbar und in einer dritten Ausführungsform breitbandig mit Schwellwerten realisiert sein. So kann beispielsweise nur eine Auswertung tiefer Frequenzanteile zur Detektierung großer Kaliber vorgesehen werden oder hohe Frequenzen zur Detektion von Gewehrfeuer eingestellt werden.

    [0018] Die weithin sichtbare optische Markierung durch ein pyrotechnisches Signalmittel ermöglicht es auch einem zahlenmäßig kleinen Beobachtungstrupp, ein großes Gebiet zu überwachen, Heckenschützen oder Artillerie etc. unmittelbar zu lokalisieren und Bekämpfungsmittel richtig einzuweisen sowie das Beobachtungsergebnis zu dokumentieren.

    [0019] Es sind weitere Variationen möglich, so beispielweise im Falle einer individuellen Anbringung am Geschütz selbst im Zuge einer Kontrolle schwerer Waffen läßt sich mittels unterschiedlicher Gestaltung des pyrotechnischen Signalmittels - beispielsweise durch unterschiedliche oder kombinierte Farbgebung - zusätzlich ein Codiersystem realisieren. So wird beispielsweise eine einwandfreie Unterscheidung von Geschützen einer Partei von der anderen Partei gewährleistet.

    [0020] Bei der Ausbringung über unzugänglichen oder verteidigten Stellungen mittels Trägergeschossen oder Flugkörpern ist eine Zerstörung des jeweiligen Trägers in ausreichender Höhe über der zu überwachenden Stellung erforderlich. Dies kann mittels herkömmlicher Abstandszünder auf Radar- oder Laserbasis im Träger selbst erfolgen.


    Ansprüche

    1. Vorrichtung zur Lokalisierung von Artillerie- und Heckenschützenstellungen während deren Schußabgabe, die autark funktionsfähig ist mit

    - einem beschußfesten Gehäuse (10),

    - einem in Frequenz und/oder Impulsverlauf einstellbaren Akustiksensor,

    - einer Räumsperre (12),

    - einem mit Sensor und Sperre verknüpften Zünder und

    - einer nachgeschalteten Einrichtung, die bei Zündung ein optisch anzeigendes, vorzugsweise pyrotechnisches Signalmittel freisetzt.


     
    2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Signalmittel (13) aus verschiedenen pyrotechnischen Komponenten so kombinierbar ist, daß eine eindeutige optische Codierung durch unterschiedliche Farben oder Farbkombinationen gewährleistet ist.
     
    3. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Signalmittel als Leuchtkugeln mit zugehörigem Schußbecher oder als "griechisches Feuer" ausgebildet sind.
     
    4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Räumsperre (12) als Quecksilberschalter ausgebildet ist.
     
    5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß sie zur Verlegung durch Dispenser, gelenkte Geschosse oder durch Gewehrgranaten konzipiert ist.
     


    Claims

    1. A device for locating artillery and sniper positions during firing therefrom, which is self-contained and has

    - a shell-proof housing (10),

    - an acoustic sensor adjustable in frequency and/or pulse characteristic,

    - an anti-clearance means (12),

    - a detonator linked to the sensor and anti-clearance means and

    - a downstream arrangement that releases an optical, preferably pyrotechnic signalling means on detonation.


     
    2. A device according to claim 1, characterised in that the signalling means (13) can be a combination of different pyrotechnic components, so that a clear optical coding by different colour or colour combinations is ensured.
     
    3. A device according to one of claims 1 or 2, characterised in that the signalling means are in the form of flares with an associated launcher or in the form of "Greek fire".
     
    4. A device according to any one of claims 1 to 3, characterised in that the anti-clearance means (12) is in the form of a mercury switch.
     
    5. A device according to any one of claims 1 to 4, characterised in that it is designed to be laid by dispensers, guided missiles or by rifle-launched grenades.
     


    Revendications

    1. Dispositif de localisation de la position de pièces d'artillerie et de tireurs embusqués lorsqu'ils font feu, lequel peut fonctionner de façon autonome et comporte :

    - un boîtier résistant au tir (10),

    - un capteur acoustique réglable en fréquence et/ou en profil d'impulsion,

    - un dispositif antirelevage (12),

    - une amorce liée au capteur et au dispositif antirelevage, et

    - un dispositif monté en aval qui, à l'amorçage, libère un moyen de signalisation visuel de préférence pyrotechnique.


     
    2. Dispositif selon la revendication 1, caractérisé en ce que le moyen de signalisation (13) peut être une combinaison de différents constituants pyrotechniques de sorte que l'on a la garantie d'un codage visuel univoque grâce à différentes couleurs ou combinaisons de couleurs.
     
    3. Dispositif selon l'une des revendications 1 à 2, caractérisé en ce que les moyens de signalisation sont réalisés sous forme de fusées éclairantes avec boîtier de tir associé ou sous forme de "feu grégeois".
     
    4. Dispositif selon l'une des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que le dispositif antirelevage (12) est réalisé sous forme de contacteur basculant à mercure.
     
    5. Dispositif selon l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce qu'il est conçu pour être mis en place à l'aide de moyens de dispersion, de projectiles téléguidés ou à l'aide de grenades à fusil.
     




    Zeichnung