[0001] Die Erfindung betrifft ein Leitsystem für eine Anlage der Grundstoff- oder der verarbeitenden
Industrie o.ä., z.B. für eine hüttentechnische Anlage, etwa zur Erzeugung von Bändern
aus Stahl oder NE-Metallen, wobei das Leitsystem durch Rechnertechnik, aufbauend auf
eingegebenem Vorwissen, den Zustand der Anlage und Einzelheiten eines in der Anlage
ablaufenden Herstellungsprozesses, z.B. eines kontinuierlichen Gießprozesses für Bänder,
selbsttätig erkennend und zur Erzielung eines sicheren Produktionserfolges situationsgerechte
Anweisungen gebend, ausgebildet ist.
[0002] Für industrielle Anlagen zur Erzeugung oder Verarbeitung von Gütern oder Energie
besteht seit jeher ein Bedürfnis nach einem Leitsystem, das eine optimale und dabei
insbesondere kostengünstige, Führung des in der Anlage durchgeführten Prozesses ermöglicht.
Diesem Bedürfnis wurde bisher suboptimal durch Einrichtungen der konventionellen Regeltechnik
soweit wie möglich Rechnung getragen. Insbesondere bei Produktionsprozessen, die große
regeltechnische Probleme mit sich bringen, steigt jedoch der notwendige regeltechnische
Aufwand enorm an, ohne daß das erreichte Ergebnis wirklich zufriedenstellend ist.
So offenbart z.B. die DE 43 01 130 Al ein Verfahren und eine Einheit zur Regelung
eines Walzgerüstes, d.h. einer Einzelkomponente. Eine Optimierung des Prozeßablaufs
erfolgt dadurch allenfalls bezogen auf die betrachtete Einzelkomponente.
[0003] Bei Bandgießanlagen für Metall, deren Betrieb besonders große regeltechnische Probleme
mit sich bringt und die daher beispielhaft im weiteren behandelt werden, ist es bereits
bekannt, mit miteinander verbundenen Einzelreglern oder Regelkreisen zu arbeiten.
Beispiele zeigen die EP 0 138 059 A1 und die EP 0 228 038 sowie der Aufsatz "Development
of twin-drum strip caster for stainless steel" von K. Yanagi u.a., Metec Conference,
Juni 1994, Mitsubishi Heavy Industries, Ltd./Nippon Steel Corp. Die bekannten Regelungen,
die suboptimal arbeiten, obwohl sie teilweise bereits mit Reglern ausgerüstet sind,
die mathematische Modelle benutzen, führen zur Herstellung von Bändern, deren Maßhaltigkeit
und Qualität noch relativ großen Schwankungen unterliegen. Besonders nachteilig ist
dabei, daß die Anlagen, die mit den bekannten Reglern und Regelkreisen arbeiten, schnelle,
vorzugsweise hydraulische, Stellglieder benötigen, die sehr kostenaufwendig sind.
[0004] Um die vorstehenden Nachteile zumindest teilweise zu vermeiden, ist es bekannt, Expertensysteme
zu verwenden. Expertensysteme als sogenannte intelligente Systeme, mit denen die Qualität
der hergestellten Produkte auch in bezug auf regeltechnisch schlecht beherrschbare
Qualitätsmerkmale verbessert werden soll, sind auch für Anlagen der Grundstoffindustrie
bekannt, so z.B. aus dem Aufsatz "Process optimization for maximum availability in
continuous casting", veröffentlicht in der Zeitschrift "Metallurgical Plant and Technologie
International 5/1994". Derartige Expertensysteme, die den Produktionserfolg durchaus
verbessern können, beseitigen jedoch nicht die prinzipiellen Schwächen der konventionellen
Regelung. Diese werden insbesondere dann sichtbar, wenn es sich um Vorgänge handelt,
die (wie etwa in der Grundstoffindustrie) wegen des Fehlens geeigneter Sensoren, etwa
im Innern von Hochtemperaturvorgängen, nicht direkt geregelt werden können.
[0005] Speziell zur Regelung des Bandgießens von Stahl ist es zur indirekten Regelung aus
der EP 0 411 962 A2 weiterhin bekannt, mit einer Kurvenschar zulässiger Eingangsgrößen
als Anlagenführungsbasis zu arbeiten. Die Kurvenschar gibt den Verlauf von als sicher
erkannten Eingangsgrößen-Konstellationen wieder. Ein derartiges Vorgehen, bei dem
Expertenwissen über Sollwertvorgaben in die Anlagenführung umgesetzt wird, erfordert
bei Qualitäts- oder Anforderungsänderungen aufwendige Anlagen-Verhaltenstests zur
Ermittlung neuer Führungskurven. Darüber hinaus ist nur ein Arbeiten in weitem Abstand
vom Prozeßoptimum möglich.
[0006] Es ist Aufgabe der Erfindung, insbesondere für konventionell schwierig zu regelnde
Produktionsprozesse, z.B. für das Bandgießen von Metallbändern, ein Leitsystem anzugeben,
mit dem sicher in kostengünstigen Anlagen ein besserer Produktionserfolg erreicht
werden kann.
[0007] Die Aufgabe wird durch ein tatsächlich intelligent ausgebildetes Leitsystem gelöst,
das aufbauend auf eingegebenem Vorwissen, selbsttätig situationsgerechte Anweisungen
für eine sichere und möglichst gute (optimale) Prozeßführung gibt. Es handelt sich
also um eine vollständig ausgebildete technische Intelligenz, die überraschenderweise
bereits mit den heute zur Verfügung stehenden rechentechnischen Mitteln auch für Prozeßleitsysteme
von Großanlagen realisiert werden kann.
[0008] In Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß das erfindungsgemäße Leitsystem
die situationsgerechten Anweisungen rechentechnisch schrittweise optimierend ausgebildet
ist. Hierdurch wird eine weitere Steigerung des intelligenten Verhaltens erreicht,
die zu einer Qualität der Prozeßführung führt, die durch menschliches Bedienungspersonal
nicht oder zumindest nicht in der rechentechnisch erreichbaren, kurzen Zeit erzielbar
ist.
[0009] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß das eingegebene Vorwissen,
also das von Menschen vorgegebene Prozeßwissen, vorzugsweise selbsttätig, laufend
durch am Prozeß während der Produktion intern rechentechnisch, z.B. in unterschiedlichen
Betriebspunkten, gewonnenes Wissen verbessert und dieses selbstgenerierte Prozeßwissen
in einen, insbesondere ständig aktualisierten, Datenspeicher als neues Vorwissen übernommen
wird. So wird sehr vorteilhaft eine ständig verbesserte Grundlage für eine weitere
Adaption oder Optimierung des Prozesses geschaffen. Das gewonnene Wissen ist dabei
nicht nur auf genauere Parameter etc. beschränkt, sondern schließt auch insbesondere
die Prinzipien der verwendeten Algorithmen etc. mit ein.
[0010] Insbesondere für das Erreichen eines sicheren Produktionserfolges, der die Grundlage
des Vertrauens der Kunden in ein derartiges System bildet, ist vorgesehen, daß das
Leitsystem ein Basis-Funktionssystem für die Anlagenkomponenten aufweist, welches
die Anweisungen aus dem rechentechnisch, z.B. aus einem Prozeßmodell, vorzugsweise
einem Prozeßgesamtmodell, gewonnenen Wissen, sicher in die Anlagenführung umsetzt.
Durch die Verbindung eines sicheren Basisfunktionssystems, das vorzugsweise als ein
die Anlagenkomponenten je für sich oder zusammengefaßt sicher arbeitsfähig machendes
Basisautomatisierungssystem ausgebildet ist, mit einem situationsgerecht angepaßten,
statischen Prozeßmodell, ergibt sich eine Ausführung, die in bezug auf die Sicherheit
der Prozeßführung der herkömmlichen Ausbildung eines Leitsystems mindestens gleichwertig,
in bezug auf das Kosten/Nutzenverhältnis und das sicher erreichbare Prozeßergebnis,
aber überlegen ist.
[0011] Von besonderem Vorteil ist dabei, daß die situationsgerechten Anweisungen, z.B. in
Form von Einstellwerten, den Anlagenkomponenten direkt in Form von Ansteuerungswerten,
etwa von Positionen oder insbesondere indirekt, z.B. über Reglersollwerte, etwa für
Drehzahlen, aufgegeben werden. Die Anweisungen werden besonders vorteilhaft direkt
aus den Größen des Prozeßmodells bestimmt. Dies geschieht für zeitkritische Sollwerte
vorteilhaft on-line, sonst off-line. So ergibt sich eine besonders günstige Reaktion
der Anlage auf geänderte Prozeßbedingungen unter vorteilhaft möglicher Einsparung
von Sollwertrechnern.
[0012] Vorteilhaft wird zur Erhöhung der Betriebssicherheit das Basisautomatisierungssystem
als autonomes, einen sicheren Zustand der Anlage oder der Anlagenkomponenten und des
Prozesszustandes garantierendes Subsystem, z.B. als Gefahren-Zustands-Rückfallsystem
ausgebildet, das ggf. anstelle der rechentechnisch erzeugten Anweisungen, insbesondere
auf als sicher erkannte, im Datenspeicher abgelegte, Betriebswerte zurückgreifen kann.
So ist ein sicheres, wenn auch suboptimales Arbeiten der Anlage auch bei einem Ausfall
oder beim Auftreten von Fehlfunktionen des intelligenten Rechnerteils möglich.
[0013] Das Basisfunktionssystem weist vorteilhaft auch Start- und Hochlaufroutinen auf,
die manuell oder automatisch eingegeben werden können, sowie suboptimale Normalbetriebsroutinen,
in denen einzelne, sonst rechentechnisch ermittelte, Anweisungen durch konstante,
sichere Vorgaben ersetzt werden können. Eine derartige Ausgestaltung des Basisfunktionssystems
ist besonders für die Inbetriebnahmephasen, für einen Betrieb mit sprunghaftem Anforderungswechsel
etc. vorteilhaft. Zur, wenn auch suboptimalen, Funktion des intelligenten Rechnerteils
brauchen auch nicht immer alle Modellteile in spezifisch angepaßter Form zur Verfügung
stehen. Es ist vorteilhaft auch ein Betrieb mit einem nur teilweise ausgearbeiteten
und/oder angepaßten Prozeßgesamtmodell möglich.
[0014] Das Prozeßmodell selbst ist in der Form als Prozeßgesamtmodell modular aufgebaut
und beschreibt das Verhalten zwischen den Prozeßeingangsgrößen sowie den Stellgrößen
und den Prozeßausgangsgrößen, z.B. Qualitätskennwerten des erzeugten Produktes. Die
Modularität erlaubt dabei eine besonders vorteilhafte Ausgestaltung und Bearbeitung
des Prozeßgesamtmodells, da von einzelnen, gut übersehbaren, Teilmodellen ausgegangen
werden kann. Das Prozeßmodell beruht vorteilhaft soweit wie möglich auf mathematischen
Beschreibungsformen. Wo derartige mathematische Beschreibungsformen nicht möglich
sind, wird etwa auf linguistisch formulierte Modellteile zurückgegriffen, die z.B.
durch Fuzzy-Systeme, Neuro-Fuzzy-Systeme, Expertensysteme o.ä. realisiert sein können.
Für, z.B. völlig neue, Anlagenkomponenten, für die keine Modellbildung auf Basis mathematisch-physikalischer,
chemischer oder metallurgischer Grundlagen o.ä. oder aufgrund von linguistisch beschreibbarem
Prozeßwissen möglich ist, werden selbstlernende Systeme, z.B. neuronale Netze verwendet.
So ergibt sich für alle Produktionsanlagen, gleichgültig wie groß sie ausgelegt oder
wie sie ausgestaltet sind, die Möglichkeit, ein Prozeßgesamtmodell zu erstellen.
[0015] Es ist natürlich auch möglich, den Produktionsprozeß mit den Teilen, für die kostengünstige
konventionelle Lösungen zur Verfügung stehen, konventionell zu betreiben. Dann wird
das sonst notwendig gewesene Modellmodul unter Berücksichtigung der Wirkung des verwendeten
konventionellen Teils passend ersetzt. Dieses Vorgehen bietet sich u.U. im Haspelbereich
eines Walzwerks an.
[0016] Das Prozeßmodell wird vorteilhaft aufgrund von an der Anlage gesammelten Prozeßdaten,
die in einer Prozeßdatenbank archiviert werden, dem Prozeß fortlaufend angepaßt und
weiter verbessert, wobei dies vorteilhaft mittels adaptiver Verfahren, Lernverfahren,
z.B. durch ein Backpropagation-Lernverfahren oder auch ein Auswahlverfahren für verschiedene
Teilmodelle, etwa neuronale Netze oder deren Teile, geschieht. So ergibt sich ein
in wesentlichen Teilen selbstgelerntes Modell, das on-line oder off-line angepaßt
oder verbessert werden kann.
[0017] In vorteilhafter Ausgestaltung ist vorgesehen, daß die einstellbaren Prozeßvariablen
durch den Optimierer am Prozeßmodell derart optimiert werden, daß die Modellausgangsgrößen,
die insbesondere Qualitätskennwerte des Produktes sind, möglichst gut mit vorgegebenen,
z.B. den anzustrebenden, Werten übereinstimmen. Durch eine off-line-Bearbeitung der
Optimierung wird der hohe Rechenaufwand derartiger Vorgänge kostengünstig beherrschbar.
Die off-line-Optimierung kann sowohl auf einer separaten Recheneinheit parallel zu
der Modelladaption, als auch in Pausen, z.B. am Wochenende oder bei Reparaturstillständen
auf dem Rechner, der z.B. im Betrieb die Führungsgrößen des Basis-Funktionssystems
ausgibt, erfolgen.
[0018] Die Optimierung erfolgt vorteilhaft mit bekannten Optimierungsverfahren, insbesondere
über genetische Algorithmen. Die Auswahl der Optimierungsverfahren erfolgt dabei situations-
und problemabhängig. Sie kann sowohl durch eine Vorgabe, z.B. aufgrund einer Analyse
des Prozeßverlaufs, oder durch rechentechnische Auswahl aus einer Optimierungs-Methodensammlung
erfolgen. Hierfür kann ein einfaches "Trial and Error"- Vorgehen angewendet werden,
es empfiehlt sich jedoch zur Verminderung des Rechenaufwandes, das "Trial and Error"-Vorgehen
durch Konvergenzkriterien, Methoden der Mustererkennung beim Fehlerabnahmeverlauf
etc. zu unterstützen.
[0019] Die jeweiligen Startwerte für eine Optimierung werden vorteilhaft auf Basis der in
einem Prozeßdatenspeicher archivierten, suboptimalen Betriebsdaten ermittelt. So verringert
sich der Optimierungsaufwand, da die Optimierungsrechnung schon mit voroptimierten
Werten beginnt, wenn sie als sicher erkannte Zwischenwerte als Startwerte benutzt.
[0020] Die Verbesserung des Gesamtsystems erfolgt zumindest dreistufig. Die unterste Stufe
bildet die laufende Verbesserung des vorhandene Prozeßwissens, abgelegt im Datenspeicher,
z.B. in Form von suboptimalen, sicheren Betriebspunkten, die selbsttätig fortlaufend
auf ein besser angepaßtes Wissensniveau gebracht werden, und von dem dann wiederum
weiter ausgegangen wird.
[0021] Die zweite Stufe bildet im wesentlichen die Modelladaption, die das Modellverhalten
dem Prozeßverhalten möglichst gut anpaßt.
[0022] Als dritte Stufe erfolgt eine fortlaufende Verbesserung der situationsgerechten Anweisungen
durch den Prozeßoptimierer, z.B. über evolutionäre Strategien, genetische Algorithmen
etc. Diese Strategien erfordern eine große Rechenzeit und laufen vorzugsweise off-line
ab.
[0023] Die Systemverbesserung wird vorteilhaft auch noch durch externe Simulationsrechnungen,
Modellversuche, evtl. auch durch Versuche an der Produktionsanlage mit neuen Hilfsmitteln
etc., laufend unterstützt.
[0024] Das erfindungsgemäße Leitsystem wird im folgenden beispielhaft anhand einer Bandgießanlage
für Stahl beschrieben. Dabei ergeben sich weitere, auch erfinderische Einzelheiten
und Vorteile aus der Zeichnung und der Zeichnungsbeschreibung ebenso wie aus den Unteransprüchen.
[0025] Im einzelnen zeigen:
- FIG 1
- eine schematisierte Darstellung der Bandgießanlage mit Meßdatenerfassung und Stellgrößenausgabe,
- FIG 2
- die Struktur des "intelligenten" Teils des Leitsystems mit der Sollwert-Vorgabebildung,
- FIG 3
- Einzelheiten des Prozeßoptimierers,
- FIG 4
- Einzelheiten des Adaptionsvorgangs,
- FIG 5
- wesentliche Bestandteile des Prozeßmodells und ihre Grob-Verknüpfungsstruktur,
- FIG 6
- erfindungswesentliche Teile des Datenspeichers und
- FIG 7
- ein Komponenten-Schema der Basisautomatisierung.
[0026] In FIG 1 bezeichnet 1 die Gießwalzen einer Zweiwalzen-Gießeinrichtung, wobei zwischen
den Gießwalzen 1 das Material, etwa flüssiger Stahl, aus der Gießpfanne 4 über den
Tundish 5 und ein Tauchrohr 6 eingegeben wird und zu einem Band 3 erstarrt, das in
einer, durch die Kreise 2 mit Bewegungspfeilen symbolisierten, Walzanlage weiterverformt
werden kann. Die nachgeschaltete Walzanlage kann auch einfach durch Förderrollen,
eine Haspel o.ä. ersetzt werden, wenn das Auswalzen nicht unmittelbar nach dem Gießen
erfolgen soll. Die Ausgestaltung der Gesamtanlage wird anforderungsspezifisch vorgenommen.
Auch eine Ausbildung der, der Gießeinrichtung nachgeschalteten, Anlage als Warm-Kalt-Walzwerk
ist möglich und bei sehr hohen Gießgeschwindigkeiten empfehlenswert, da dann auch
der Kalzwalzteil der Anlage ausreichend ausgelastet sein kann.
[0027] Zwischen den Gießwalzen und den nachgeschalteten Einrichtungen weist die Gießwalzeinrichtung
vorzugsweise ein ebenfalls nur symbolisch dargestelltes elektrodynamisches System
8,9 und ein Induktionsheizsystem 10 auf. Der elektrodynamische Systemteil 8 dient
dabei vorteilhaft der Gewichtsentlastung, des gegossenen, hier noch sehr weichen und
damit einschnürungsgefährdeten, Bandes 3 und der elektrodynamische Systemteil 9 der
Führung des Bandes 3, während dem Induktionsheizsystem 10 die Einhaltung eines vorherbestimmten
Temperaturprofils über die Bandbreite obliegt, wenn sich z.B. eine direkte Nachverformung
in einer Walzanlage anschließt. Dies ist insbesondere für rißempfindliche Stähle vorteilhaft.
Die Kontrolle des gegossenen Bandes 3 auf Risse erfolgt durch eine Kamera 73, wobei
vorteilhaft ausgenutzt werden kann, daß das Rißbild im Zunder durch Risse im Grundmaterial
beeinflußt wird. Die Bildung einer Meßgröße erfolgt dabei vorteilhaft durch ein Neuro-Fuzzy-System.
[0028] Da die Oberflächentemperatur der Gießwalzen zur Vermeidung von Temperaturwechselbeanspruchungen
im wesentlichen konstant sein soll, werden diese durch ein IR-Heizsystem 7, ein Induktionsheizsystem
o.ä. auch in dem, nicht mit flüssigem Stahl in Berührung stehenden Bereich, auf Arbeitstemperatur
gehalten. Diese und andere Einzelkomponenten der, nur grob schematisch gezeichneten,
Gießwalzeinrichtung werden z.B. über Temperaturregler, Durchflußeinsteller, Drehzahlregler
etc. im Rahmen der Basisautomatisierung über eine Stellgrößenausgabe 12 direkt oder
geregelt eingestellt. Die Ist-Daten der Stellglieder, der Regler etc. werden in der
Meßdatenerfassung 11 für den Datenspeicher und den Modelleingang sowie in nicht gezeigter
Weise für die Basisautomatisierung zusammengefaßt und aufbereitet. Durch die Datenübertragungen
I,II und VI, die durch Pfeile symbolisiert sind, ist die Gießwalzeinrichtung, in der
die auf den beiden Gießwalzen 1 gebildeten Erstarrungsschalen des Stahls nicht nur
vereinigt, sondern auch schon walzend vormaßhaltig geformt werden, mit dem intelligenten
Teil des Leitsystems verbunden.
[0029] FIG 2 zeigt die Struktur des intelligenten Teils des Leitsystems. Dieser besteht
im wesentlichen aus den Teilen Prozeßoptimierer 15, Modell 20, Modelladaption 16 und
Datenspeicher 17. Diese Teile des Leitsystems wirken derart zusammen, daß über die
Sollwertausgabe 13 möglichst gute, situationsgerechte Anweisungen über die Datenleitung
V zur Prozeßführung zur Verfügung gestellt werden. Diese Anweisungen werden dann in
Sollwerte für die Basisautomatisierung umgesetzt. Im folgenden wird die Aufgabe und
die Funktion der einzelnen Teile beschrieben.
[0030] Das Modell 20 bildet das statische Prozeßverhalten

d.h. die Abhängigkeit der n Modellausgangsgrößen

von den Stellgrößen
ui, mit denen der Prozeß beeinflußt werden kann, und von den nichtbeeinflußbaren Prozeßgrößen
vi, wie z.B. der Kühlwassertemperatur, nach. Die Modellausgangsgrößen sind dabei, wie
schon erwähnt, typische Qualitätsparameter des Produktes. Die Modellbeschreibung

erfaßt das Prozeßverhalten im allgemeinen nicht exakt, weshalb
yi und

mehr oder weniger voneinander abweichen. Übertragen werden die Stellgrößen
ui und die nichtbeeinflußbaren Stellgrößen
vi über die Datenleitungen I und II.
[0031] Die Modelladaption 16 hat die Aufgabe das Modell zu verbessern, damit das Modellverhalten
möglichst gut dem Prozeßverhalten entspricht. Dies kann - zumindest für Modellteile
- on-line geschehen, indem diese Modellteile auf der Basis von laufend erfaßten Prozeßdaten
adaptiert oder nachgeführt werden.
[0032] Für andere Modellteile kann die Adaption auch off-line zu bestimmten Zeitpunkten
vorgenommen werden. Dies geschieht auf der Basis einer Anzahl m von den Prozeß repräsentierenden
Prozeßzuständen (
uki,
vki,
yki), die im Datenspeicher 17 abgelegt sind. Der Index k beziffert den jeweiligen Prozeßzustand.
Bei dieser Art der Adaption wird der Modellfehler

minimiert in Abhängigkeit von den Modellparametern oder der Modellstruktur. D.h.
man variiert die Modellparameter bzw. die -struktur so, daß ε möglichst klein wird.
[0033] Der Prozeßoptimierer hat die Aufgabe, mittels eines Optimierungsverfahrens und des
Prozeßmodells Stellgrößen
ui zu finden, die zu einem möglichst guten Prozeßverhalten führen. Der Prozeßoptimierer
arbeitet off-line zu bestimmten, beispielsweise manuell vorgebbaren Zeitpunkten und
zwar wie folgt:
[0034] Zuerst werden die nichtbeeinflußbaren Stellgrößen
vi, für die die Optimierung erfolgen soll - z.B. die aktuellen - , konstant gehalten
und dem Modell über die Datenleitung II zugeführt. Sodann wird mittels Schalter 18
der Prozeßoptimierer mit dem Modell verbunden. Er gibt Stellwerte
ui auf das Modell. Über das Modell werden die Ausgangswerte

bestimmt. Diese werden mit Sollausgangswerten
ySoll,i verglichen, und es wird der Fehler

bestimmt.
[0035] Der Fehler E soll minimiert werden. Zu diesem Zweck variiert der Prozeßoptimierer
die Stellgrößen
ui solange in einer iterativen Schleife, die jeweils die Berechnung von
yi und E sowie die Neuauswahl von
ui enthält, bis der Fehler nicht weiter verringert werden kann oder man diese Optimierung
abbricht. Als Optimierungsverfahren können beispielsweise genetische Algorithmen,
Hill-Climbing-Methoden etc. eingesetzt werden.
[0036] Die so erhaltenen optimalen Stellgrößen
uopt,i, die das Ergebnis obiger Minimierung sind, werden dann über die Sollwertvorgabe und
die Datenleitung V als Sollwerte zum Basisfunktionssystem transferiert.
[0037] Der Datenspeicher hat die Hauptaufgabe repräsentative Prozeßzustände (
ui,
vi,
yi) zu archivieren. Hierbei ersetzt er alte Prozeßdaten immer wieder durch neu ermittelte,
um anhand dieser Daten eine aktuelle, wenn auch punktuelle, Prozeßbeschreibung zu
ermöglichen. Der Datenspeicher versorgt dann einerseits, wie oben beschrieben, die
Modelladaption. Andererseits liefert er auch Startwerte
ui für den Prozeßoptimierer. Die Startwerte werden hierbei z.B. so ausgewählt, daß die
zu diesen Startwerten gehörenden Ausgangswerte
yi möglichst gut den Sollwerten
ySoll,i entsprechen.
[0038] Die vorzugsweise off-line arbeitende Schleife: Modell 20 und Prozeßoptimierer 15,
die sich etwa z.B. genetischer Algorithmen zur z.B. evolutionären, Modellverbesserung
bedient, arbeitet vorzugsweise deswegen off-line, weil wegen der Komplexität eines
Anlagenleitmodells mit seinen vielen möglichen Ausgestaltungen die Rechenzeit eines
evolutionären Optimierungsvorgangs vergleichsweise lang wird. Auch bei guten Optimierungsstrategien,
die z.B. aufgrund einer Analyse des wahrscheinlichen Modellverhaltens ausgewählt werden,
sind viele Optimierungsvorgänge bis zum Erreichen einer deutlichen Modellverbesserung
durchzurechnen.
[0039] Die Erstellung einer erfindungsgemäß zu verwendenden Modellstruktur und eines wesentlichen
Teilmodells wird z.B. in dem Aufsatz "Automation Of A Laboratory Plant For Direct
Casting Of Thin Steel Strips" von S. Bernhard, M. Enning and H. Rabe in "Control Eng.
Practice", Vol.2, No.6, page 961-967, 1994, Elsevier Science Ltd. beschrieben. Aus
dieser Veröffentlichung sind u.a. auch die Grundstrukturen geeigneter Basisautomatisierungssysteme
und von Startroutinen zu ersehen, auf denen der Fachmann aufbauen kann.
[0040] Als Rechner für die Prozeßoptimierung und die Parameteradaption sind Workstations,
z.B. von der Firma Sun, geeignet. Für große Leitsysteme werden vorteilhaft parallel
arbeitende Rechner eingesetzt. Dies gilt insbesondere, wenn das Modell in Gruppen
von Modell-Modulen aufteilbar ist, die teilabhängig voneinander optimiert werden können.
[0041] Im Vergleichspunkt 19, in den die Sollwerte, im gewählten Ausführungsbeispiel die
Sollwerte für die Banddicke, die Profilform, die Oberflächengüte des Bandes etc. einfließen,
werden laufend die Ergebnisse aus der Modellrechnung mit den Sollwertvorgaben verglichen.
Die Differenz ist durch die Optimierung zum minimieren. Da die Differenz bei technischen
Prozessen im allgemeinen nicht Null werden kann, muß der Optimierungsvorgang sinnvoll
begrenzt, also vorgegeben abgebrochen werden. Genauere Einzelheiten der Programmstruktur,
mit der die Optimierung abgebrochen und jeweils die neue Sollwertausgabe gestartet
wird, zeigt FIG 3.
In FIG 3 bezeichnet 58 eine, jeweils auszuwählende, Fehlerfunktion, in die die festgestellten
Fehler (Sollwertabweichungen) einfließen. In 61 wird nun untersucht, ob die Fehlerfunktion
die Abbruchkriterien der Optimierung erfüllt. Falls dies der Fall ist, werden weiter
optimierte Steuer- und Regelgrößen ausgegeben. Vor Erreichen des Abbruchkriteriums
gelangen laufend Startwerte vom Datenspeicher in die Startwertvorgabe 59, aus denen
in Suchschritten in 60, nicht vom Optimierer, sondern aus dem Datenspeicher, z.B.
unter Zuhilfenahme einer Fuzzy-Interpolation, Steuer- und Regelparameter für eine
suboptionale Prozeßführung gewonnen werden. Eine Umschaltung erfolgt nach Erreichen
des vorherbestimmten Gütefaktors, der dem jeweiligen Leitsystem-Wissensstand angepaßt
wird. Wie bereits vorstehend gesagt, wird die Minimierung, die ja niemals absolut
sein kann, bei Erreichen des vorgegebenen Gütefaktors abgebrochen.
[0042] Aus dem Modell wird im übrigen vorteilhaft, wenn es an den Prozeß angeschlossen,
d.h. Schalter 1 geschlossen ist, auch ein Alarmsignal generiert, welches das Erreichen
kritischer Betriebszustände signalisiert. Derartige Prozeduren sind bereits bekannt
und finden sich in gleicher Weise auch in konventionellen Leitsystemen.
[0043] In FIG 4, die die Struktur einer Modelladaption mittels eines Optimierungsalgorithmus
zeigt, gelangen Daten aus der Startwertvorgabe 61 in eine Suchschritteinheit 62 und
werden von dort als Modellparameter an das Modell 63 weitergegeben. Das Modell 63
bildet zusammen mit dem Datenspeicher 64 eine Parameterverbesserungsschleife, die
in 65 in bekannter Weise die gebildeten und gespeicherten Werte vergleicht. Die Vergleichswerte
werden der Fehlerfunktion 67 zugeführt, die ihre Werte an die Abbruchkriterieneinheit
66 weitergibt. Sind die Abbruchkriterien erfüllt, wird das Modell nicht mehr weiter
verbessert und mit den vorhandenen Werten gearbeitet. Sonst wird die Optimierung mit
weiteren Suchschritten und den Zwischenwerten im Datenspeicher weitergeführt.
[0044] In FIG 5, die die wesentlichen Teilmodelle des Prozeßgesamtmodells des Ausführungsbeispiels
zeigt, bezeichnet 46 das Eingangsmodell, in dem die Außeneinflüsse, etwa die Einflüsse
aus der Qualität des eingesetzten Materials, zusammengefaßt sind. Aus der Stahl-Einsatzqualität
ergibt sich z.B. der Liquiduswert, der Soliduswert, sowie weitere, das Gießverhalten
kennzeichnende Größen. 47 bezeichnet das Tundishmodell, in das z.B. das Stahlvolumen
des Tundish, die Tauchrohrstellung o.ä., die Stopfenstellung und die Stahl-Ausflußtemperatur
eingehen. Die Eingangsmodelle 46 und 47 werden im Teilmodell 56 zusammengefaßt, das
den Status des zugeführten Materials wiedergibt. Derartige Teilmodelle können vorteilhaft
parallel zu anderen Teilmodellen, etwa dem Gießbereichsmodell, dem Walzbereichsmodell
o.ä. optimiert werden.
[0045] Das Eingangsmodell 48 enthält die Einflüsse, die die Erstarrung beeinflussen, z.B.
die Gießwalzenkühlung, die Infrarotheizung etc., Das Eingangsmodell 49 enthält die
Werte, die für die Wärmebilanz notwendig sind, so die Stahl-Gießwalzen-Temperaturdifferenz,
den Schmiermitteleinfluß als Funktion der Schmiermittelmenge, die Kristallbildungsgeschwindigkeit
der jeweiligen Stahlsorte sowie z.B. den Walzenoberflächenzustand. Das Eingangsmodell
50 enthält z.B. die Einflüsse der Gießspiegelcharakteristik, so die Gießspiegelhöhe,
die Schlackenschichtdicke und den Abstrahlungskoeffizienten. Die Eingangsmodelle 48,49
und 50 sind zu einem Teilmodell 54, das den Status Gießbereich wiedergibt, zusammengefaßt.
Diese Modellbereichs-Zusammenfassung ist allgemein für Produktionsbereiche vorteilhaft,
da sie die Gesamt-Modelloptimierung vereinfacht und verbessert. Unter sich sind die
Teilmodelle z.T. noch voneinander abhängig, so etwa in erheblichem Maß die Eingangsmodelle
49 (Eingangsmodell Wärmebilanz) und 50 (Eingangsmodell Gießspiegelcharakteristik).
Sekundärabhängigkeiten sind zur Vereinfachung nicht dargestellt.
[0046] Das Teilmodell 51 enthält alle Einflüsse auf die Erstarrungsfront, d.h. auf den Bereich,
in dem die auf den beiden Kühlwalzen erstarrten Metallschalen zusammentreffen. Im
wesentlichen sind diese Einflüsse die Umformarbeit, die von den Gießwalzen geleistet
wird, die Vibrationsweite der Gießwalzen oder des austretenden Bandes, die Seitenspalt-Dichtungseinflüsse
und der Anstrengungsgrad des Gesamtsystems, dies ist z.B. ein Fuzzy-Modell. Das Teilmodell
52 gibt die Austrittswerte wieder, so z.B. die Qualität des Bandes, die Austrittstemperatur-
und Verteilung, aber auch die Klebeneigung und den Zustand des gebildeten Zunders.
In das Teilmodell 52 geht auch das Eingangsmodell 53 und das Eingangsmodell 74 ein,
die sich auf den Temperaturverlauf quer zum Band und auf den Oberflächenzustand des
Bandes beziehen. Für den besonders vorteilhaften Fall, daß es sich um ein Bandgieß-Walzwerk
handelt, gehen auch die Walzwerksteilmodelle 54 mit in dieses spezielle Prozeßmodell
ein, da die Produktausbildung nach dem Austritt aus den Walzgerüsten das entscheidende
Kriterium ist.
[0047] Die Teilmodelle sind zu dem Produkt-Ausbildungsmodell 57 zusammengefaßt, welches
das Dickenprofil des gebildeten Bandes, die Banddicke, ein evtl. auftretendes Fehlerbild,
die Kornstruktur des Bandes, die Oberflächenstruktur etc. zusammenfaßt. Die Oberflächenstruktur
und insbesondere die Kornstruktur des Bandes sind nur mit erheblicher Zeitverzögerung
ermittelbar. Hier arbeitet man daher vorteilhaft mit Teilmodellen auf der Basis von
neuronalen Netzen zur qualitativen und quantitativen Einflußgrößenermittlung.
[0048] Aus der vorstehenden Darstellung ergibt sich der besondere Vorteil, der sich aus
der Ausbildung des Modells in Modulform ergibt, da insbesondere so die Teile eines
komplexen Gesamtprozeßmodells parallel bearbeitbar werden. Dies ist besonders vorteilhaft
für den Inbetriebsetzungszeitraum einer Anlage, in dem die Eingangs- und Teilmodelle
den tatsächlichen Verhältnissen angepaßt, miteinander verknüpft etc. werden müssen.
[0049] FIG 6 zeigt schließlich den erfindungsgemäß wesentlichen Teil der Datenspeicherstruktur.
68 bezeichnet das Prozeßdatenarchiv , 69 den Modellparameterspeicherteil, 70 den Teil
mit den Startwerten für den Optimierer und 71 den Speicherteil für die sicheren Betriebspunkte.
In 68 wird auch die jeweilige Modellausbildung gespeichert.
[0050] Die Basisautomatisierung, die mit ihren Regelungen, Steuerungen, Verriegelungen etc.,
einen unverzichtbaren Teil des Leitsystems bildet, da sie u.a. das sichere Funktionieren
der Anlage auch bei einer Fehlfunktion des Modellteils des erfindungsgemäß arbeitenden
Leitsystems garantiert, muß eine Vielzahl von Funktionen erfüllen.
[0051] Die einzelnen Funktionen sind, nicht abschließend, durch die einzelnen "black box"
in FIG 7 symbolisiert. Dabei bedeutet 21 im Ausführungsbeispiel die Massenflußregelung
über die Einzel-Drehzahlregler, 22 die Regelung der Tundish-Heizung, 23 die Gießspiegelregelung,
24 die Tundish-Ausflußregelung und 25 die Heizleistung des Infrarot- o.ä. Schirms
7 für die Aufrechterhaltung der Betriebstemperatur der Gießwalzen. 26 bedeutet die
Regelung der Schmiermittelzugabe, z.B. in Form von losem Gießpulver oder von auf die
Gießwalzen aufgetragener Gießpulverpaste, 27 die Kühlwassermengenregelung, 28 ggf.
die Walzenoszillationsregelung, 29 die elektrische Antriebsregelung und 30 die Walzspalteinstellung.
31 bedeutet die Walzendrehzahlregelung und 32 ggf. die Regelung des Walzendrehmoments,
33 die Einstellung des Reinigungssystems, bestehend beispielsweise aus einer Bürste
und einem Schaber für die Gießwalzen und 34 die Regelung des elektrodynamischen Systems
zum Ausgleich des Bandgewichtes sowie 35 die Regelung der Vibrationsweite des gegossenen
Bandes. 36 bedeutet die Regelung der einzelnen Teile eines elektrodynamischen Systems
zur Seitenspaltabdichtung und 37 die Regelung der Heizung für die Seitenwände des
Raumes zwischen den Gießwalzen. 38 bedeutet die Temperatur-Profilregelung des Induktionsheizsystems
10. 39 sowie angedeutete weitere Regeleinheiten beziehen sich auf Regelungen der nachgeschalteten
Verformungseinheiten, z.B. Walzgerüsten, den Zug zwischen diesen Walzgerüsten etc.
Auf die vorstehenden Stellglieder, Regler etc. wirkt die Zeitsteuerung 45, die die
Stellgrößenausgaben etc. zeitlich koordiniert. Im Block 40 sind beispielhaft die Hilfs-Steuerungen
und die Verriegelungen zusammengefaßt, so bedeuten z.B. 41 die Anfahrautomatik, 42
die Ausschaltautomatik, 43 und 44 Verriegelungen, die z.B. verhindern, daß Flüssigstahl
fließen kann, bevor das Gieß-Walzenpaar und die Verformungswalzen arbeitsfähig sind,
etc. Darüber hinaus sind weitere, in dem Prinzipbild nicht dargestellte, Systeme für
die ggf. erforderliche Bandkantenabtrennung, z.B. durch Laser, für die Zunderausbildungsbeeinflussung,
z.B. durch Silikatisierung, die Walzenschmierung etc. vorhanden. In der Basisautomatisierung,
in die die Meßdaten I und die Sollwertvorgaben V eingehen, werden die Stellgrößen
VI generiert, über die die Anlage geführt wird.
[0052] Die Charakteristik des sich selbst optimierenden und wissensmäßig weiterentwickelnden
Leitsystems, am Beispiel des Gießwalzprozesses gezeigt, werden im folgenden näher
erläutert:
[0053] Der Gießwalzprozeß besteht aus einer Anzahl von Teilprozessen, deren Ausbildung und
Einflüsse ausschlaggebend für das Endprodukt sind. Erfindungsgemäß beeinflußbar und
optimierbar sind dabei die Eigenschaften des Endproduktes, z.B. seiner Dicke, seinem
Dickenprofil und seiner Oberflächenausbildung, durch eine Reihe einstellbarer Prozeßgrößen,
wie z.B. dem Gießwalzspalt, dem Gießwalzenprofil, der Gießspiegelhöhe etc., die wiederum
die Lage der Vereinigungszone der auf den Gießwalzen abgeschiedenen, erstarrten Metallschalen
beeinflussen. Für eine Regelung und Optimierung wird vorteilhaft erfindungsgemäß ein
Gesamtprozeßmodell erstellt, welches das Prozeßverhalten beschreibt. Auf der Basis
dieses Prozeßmodells können die Einflußgrößen, mit denen man den Prozeß beeinflußt,
schrittweise entsprechend den Prozeßbedingungen angepaßt und optimiert werden. Die
durch diese Optimierung bestimmten situationsgerechten Anweisungen führen dann zu
einer Verbesserung des Prozeßgeschehens. Insgesamt ergeben sich trotz der bei der
Erstellung relativ aufwendigen, (aber mit geringerem Aufwand auch bei anderen Anlagen
weiterverwendbaren), Software erhebliche Kostenvorteile, da die Anlage mit wesentlich
einfacheren mechanischen Komponenten, weniger Reglern etc. arbeiten kann, als die
bekannten Anlagen. Auch die Sensorik wird wesentlich einfacher, da nur die Prozeßausgangsgrößen
laufend genau erfaßt werden müssen.
[0054] Zusammengesetzt ist der intelligente, sich selbständig verbessernde, Teil des Leitsystems
aus drei wesentlichen Elementen: Dem Prozeßmodell, der Modelladaption und dem Prozeßoptimierer.
Das Prozeßmodell setzt sich aus Teilsystemen (Modulen) zusammen, die je nach Prozeßkenntnis
von unterschiedlichem Typ sein werden. Bei Kenntnis der physikalischen Zusammenhänge
können klassische, physikalisch-mathematische Modelle erstellt werden. Verfügt man
dagegen nur über Erfahrungswissen oder Schätzungen, so werden Fuzzy- oder Neuro-Fuzzy-Systeme
verwandt. Falls man nur wenig oder nichts über das Prozeßverhalten weiß, wie etwa
bei der Rißbildung und der Oberflächenausbildung setzt man, zumindest am Anfang, neuronale
Netze für die Prozeßbildung ein. Insgesamt beschreibt das Modell den Zusammenhang
zwischen den Prozeßgrößen, wie im gewählten Beispiel der Gießspiegelhöhe, den Zustandswerten
und der Qualität des vergossenen Materials, den Einstellwerten der Gießwalzen etc.
und den Qualitätsparametern des Bandes, z.B. der Dicke, dem Profil und der Oberflächenausbildung.
[0055] Da das Modell zu einem bestimmten, u.U. erheblichen, Prozentsatz auf unsicherem Wissen
gründet, ist es nicht genau. Das Modell muß also anhand gewonnener Prozeßdaten adaptiert,
verändert etc. werden. Dies geschieht vorteilhaft einerseits mittels der bekannten
Modelladaption, die auf Daten vergangener Prozeßzustände aufsetzt. Auf Basis dieser
Daten stellt sie die Modellparameter o.ä. so ein, daß das Modellverhalten möglichst
gut dem des Prozesses entspricht. Außerdem werden die Modelle selbst verändernd optimiert,
so z.B. durch genetische Algorithmen, eine kombinatorische Evolution etc. Entsprechende
Optimierungsstrategien sind bekannt, z.B. aus Ulrich Hoffmann, Hanns Hofmann "Einführung
in die Optimierung", Verlag Chemie GmbH, 1971 Weinheim / Bergstraße; H.P. Schwefel
"Numerische Optimierung von Computer-Modellen mittels der Evolutionsstrategie, Basel,
Stuttgart : Birkhäuser 1977; Eberhard Schöneburg "Genetische Algorithmen und Evolutionsstrategien,
Bonn, Paris, Reading, Mass, Addison-Wesley, 1994; Jochen Heistermann "Genetische Algorithmen:
Theorie und Praxis evolutionärer Optimierung, Stuttgart, Leipzig, Teubner, 1994 (Teubner-Texte
zur Informatik; Bd 9)
[0056] Durch das erfindungsgemäße Leitsystem mit dem vorstehend beschriebenen erfindungsgemäßen
Vorgehen wird die bisherige Aufbaustruktur eines Leitsystems verlassen. Über einer
Basisautomatisierung, die im wesentlichen die Prozeßebene betrifft (Level I), befindet
sich ein nur einstufiges, intelligentes Leitsystem, dem die Produktionssollwerte vorgegeben
werden und das daraus selbsttätig alle Vorgabegrößen (Stellbefehle) generiert (Level
II). In intelligenter Selbstoptimierung sorgt es aufgrund des bereits erreichten Prozeßergebnisses
für immer bessere Prozeßergebnisse. Einzelne Feed-Back-Regelkreise können entfallen.
Nur für die Kontrolle der Prozeßergebnisse sind qualitätskontrollierende Sensoren
notwendig. Das erfindungsgemäße Leitsystem besitzt also nur noch zwei wesentliche
Ebenen, von denen die intelligente Ebene außer etwa zur Programmierung keiner Visualisierung
bedarf. Zur Kontrolle können aber die Elemente der Basisautomatisierung in bekannter
Weise visualisiert werden.
1. Leitsystem für eine Anlage der Grundstoff- oder der verarbeitenden Industrie, z.B.
für eine hüttentechnische Anlage, etwa zur Erzeugung von Bändern aus Stahl oder NE-Metallen,
wobei das Leitsystem durch Rechnertechnik, aufbauend auf eingegebenem Vorwissen, den
Zustand der Anlage und Einzelheiten eines in der Anlage ablaufenden Herstellungsprozesses,
z.B. eines kontinuierlichen Gießprozesses für Bänder (3), selbsttätig erkennend und
zur Erzielung eines sicheren, ggf. möglichst hohen, Produktionserfolges situationsgerechte
Sollwertvorgaben (V) gebend, ausgebildet ist,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Leitsystem den Zustand der Anlage und der einzelnen Anlagenkomponenten zur
Optimierung fortlaufend anhand eines Teilmodelle (48-47) aufweisenden modular aufgebauten
Prozeßmodells (20, 63) simuliert, das das Verhalten zwischen den Prozeßeingangsgrößen
sowie Stellgrößen und den Prozeßausgangsgrößen, z.B. Qualitätskennwerten des erzeugten
Produktes, beschreibt.
2. Leitsystem nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß es die situationsgerechten Sollwertvorgaben (V) optimierend, vorzugsweise selbsttätig
in vorgegebenen Optimierungsroutinen optimierend, ausgebildet ist.
3. Leitsystem nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß das eingegebene Vorwissen, vorzugsweise selbsttätig, laufend durch am Prozeßmodell
(20) während der Produktion intern rechentechnisch, z.B. in unterschiedlichen Betriebspunkten,
gewonnenes Wissen verbessert und dieses selbst generierte Prozeßwissen in einen, insbesondere
ständig aktualisierten, Datenspeicher (17) als neues Vorwissen übernommen wird.
4. Leitsystem nach Anspruch 1,2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die situationsgerechten Sollwertvorgaben (V), z.B. in Form von Einstellwerten,
den Anlagenkomponenten direkt in Form von Ansteuerungswerten, etwa von Positionen
oder insbesondere indirekt, z.B. über Reglersollwerte, etwa für Drehzahlen, aufgegeben
werden.
5. Leitsystem nach Anspruch 1,2,3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß es ein Basis-Funktionssystem für die Anlagenkomponenten aufweist, das die Sollwertvorgaben
(V) aus dem rechentechnisch, z.B. aus einem Prozeßmodell (20), vorzugsweise einem
Prozeßgesamtmodell, gewonnenen Wissen sicher in die Anlagenführung umsetzt.
6. Leitsystem nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Basis-Funktionssystem als ein die Anlagenkomponenten, je für sich oder zusammengefaßt,
sicher arbeitsfähig machendes Basis-Automatisierungssystem ausgebildet ist.
7. Leitsystem nach Anspruch 5 oder 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Basis-Funktionssystem seine Vorgabewerte direkt aus dem intelligenten Teil
des Leitsystems erhält, das diese Werte aus den Ergebnissen von Adaptierungs- und/oder
Optimierungsprozessen am Prozeßmodell (20) bestimmt.
8. Leitsystem nach Anspruch 5,6 oder 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Basis-Automatisierungssystem als autonomes, einen sicheren Zustand der Anlage
und des Prozesses garantierendes Subsystem (Gefahren-Zustands-Rückfallsystem) ausgebildet
ist, das anstelle der rechentechnisch erzeugten Sollwertvorgaben (V), insbesondere
auf als sicher erkannte, im Datenspeicher abgelegte, Betriebswerte zurückgreifen kann.
9. Leitsystem nach Anspruch 5,6,7 oder 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Basis-Funktionssystem Start- und Hochlaufroutinen aufweist, die manuell oder
automatisch eingegeben werden können sowie suboptimale Normalbetriebsroutinen, in
denen einzelne, sonst rechentechnisch ermittelte, Sollwertvorgaben (V) durch konstante
Vorgaben ersetzt werden können.
10. Leitsystem nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Prozeßmodell zumindest teilweise, soweit es auf Basis mathematisch-physikalischer,
chemischer bzw. metallurgischer oder biologischer Gesetzmäßigkeiten modelliert werden
kann, mathematische Beschreibungsformen aufweist.
11. Leitsystem nach Anspruch 1 oder 10,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Prozeßmodell für die Anlagenkomponenten, für die Prozeßwissen vorliegt, das
nur linguistisch ausgedrückt werden kann, linguistisch formulierte Modellteile aufweist,
die z.B. durch Fuzzy-Systeme, Neuro-Fuzzy-Systeme, Expertensysteme oder Tabellenwerke
realisiert sein können.
12. Leitsystem nach Anspruch 1, 10 oder 11,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Prozeßmodell für die Anlagenkomponenten, für die keine Modellbildung auf Basis
mathematisch-physikalischer, chemischer bzw. metallurgischer oder biologischer Grundlagen
oder aufgrund von linguistisch beschreibbarem Prozeßwissen möglich ist, selbstlernende
Systeme, z.B. neuronale Netze, aufweist.
13. Leitsystem nach Anspruch 1, 10, 11 oder 12,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Prozeßmodell aufgrund von an der Anlage gesammelten Prozeßdaten, die in einer
Prozeßdatenbank archiviert werden, dem Prozeß fortlaufend angepaßt oder nachgeführt
wird und daß dies mittels adaptiver Verfahren oder Lernverfahren, z.B. durch ein Backpropagation-Lernverfahren
oder ein Auswahlverfahren für verschiedene Teilmodelle, etwa neuronale Netze, geschieht.
14. Leitsystem nach Anspruch 1, 10, 11, 12 oder 13,
dadurch gekennzeichnet,
daß die einstellbaren Prozeßvariablen off-line durch einen Optimierer am Prozeßmodell
derart optimiert werden, daß die Modellausgangsgrößen, die insbesondere Qualitätskennwerte
des Produktes sind, möglichst gut mit vorgegebenen, z.B. den anzustrebenden, Werten
übereinstimmen.
15. Leitsystem nach Anspruch 1, 10, 11, 12, 13 oder 14,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Optimierung mit einem bekannten Optimierungsverfahren, z.B. mit einem genetischen
Algorithmus, dem Verfahren von Hooke-Jeeves, einem Verfahren des Simulated Annealings
o.ä. erfolgt und daß die jeweils angewandten Optimierungsverfahren situations- und
problemabhängig, vorgegeben oder aus einer Datei ausgewählt werden, z.B. in Abhängigkeit
von der Anzahl der zu optimierenden Größen und/oder der Ausbildung der zu erwartenden
Minima.
16. Leitsystem nach Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Abbruchkriterien der Optimierungsverfahren, z.B. mit neuronalen Netzen, nach
einer Methode der Mustererkennung oder klassischen Konvergenzkriterien aufgrund des
Optimierungsverlaufs ermittelt werden.
17. Leitsystem nach Anspruch 12, 13, 14, 15 oder 16,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Startwerte für eine Optimierung auf Basis der in einem Prozeßdatenspeicher
archivierten, suboptimalen Betriebsdaten ermittelt werden.
18. Leitsystem nach Anspruch 1, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16 oder 17,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Optimierung off-line anhand des Prozeßmodells erfolgt, wobei einstellbare
Prozeßvariable, die so ermittelt wurden, daß die vom Modell nachgebildeten Kennwerte
des erzeugten Produktes möglichst gut mit den vorgegebenen Wunschwerten übereinstimmen,
als Vorgabewerte an das Basis-Funktionssystem des Prozesses gegeben werden und von
diesem der Prozeß entsprechend den Vorgabewerten eingestellt wird.
19. Leitsystem nach Ansprüche 1, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17 oder 18,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Vorgabewerte für das Basis-Funktions-System bei einer Fehlfunktion o.ä. des
Modells oder des Optimierers direkt aus den Daten der Prozeßdatenbank erzeugt werden
können, wobei zur Verbesserung der Vorgabewerte, insbesondere zwischen den gespeicherten
Betriebsdaten, interpoliert wird.
20. Leitsystem nach einem der Ansprüche 1 oder 10 bis 18,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Modell, etwa bei einem Walzgießprozeß für Metallbänder, insbesondere die Beschränkungen
der Stellgrößen, das Stellglied-Zeitverhalten und ggf. die Prozeßdynamik berücksichtigt,
vorzugsweise im und vor dem Bereich der Gießwalzen, z.B. in bezug auf die Lage der
Erstarrungsschalen-Vereinigungszone für die auf den Gießwalzen abgeschiedenen Erstarrungsschalen.
1. Control system for a primary-industry or processing-industry plant, for example for
a metallurgical-engineering plant, for producing strips of steel or non-ferrous metals
for instance, wherein the control system is designed by computer technology, building
on prior knowledge that is input, automatically identifying the state of the plant
and details of a manufacturing process taking place in the plant, for example a continuous
casting process for strips (3), and giving setpoint inputs (V) related to the situation
in order to achieve production success that is reliable and, if applicable, as high
as possible, characterised in that the control system simulates the state of the plant
and the individual components of the plant for the purposes of optimization continuously
with the aid of a process model (20, 63) that has partial models (48-47) and is set
up in a modular fashion and which describes the behaviour between the process input
variables and also manipulated variables and the process output variables, for example
characteristic quality values of the product produced.
2. Control system according to claim 1, characterised in that it is designed so as to
optimize the setpoint inputs (V) related to the situation, preferably automatically
effecting the optimization in given optimization routines.
3. Control system according to claim 1 or 2, characterised in that the prior knowledge
that is input is improved, preferably automatically, continuously by means of knowledge
obtained at the process model (20) during production internally by means of computing
techniques, for example at different operating points, and this self-generated process
knowledge is taken over as new prior knowledge in a data store (17), in particular
a data store that is constantly being updated.
4. Control system according to claim 1, 2 or 3, characterised in that the setpoint inputs
(V) related to the situation, for example in the form of set values, are delivered
to the plant components directly in the form of selection values, for instance of
positions, or in particular indirectly, for example by way of controller setpoints,
for instance for rotational speeds.
5. Control system according to claim 1, 2, 3 or 4, characterised in that it has a basic
function system for the plant components that converts the setpoint inputs (V) from
the knowledge obtained by means of computing techniques, for example from a process
model (20), preferably a total process model, reliably into the plant control.
6. Control system according to claim 5, characterised in that the basic function system
is designed as a basic automation system reliably rendering the plant components operational,
either separately or together.
7. Control system according to claim 5 or 6, characterised in that the basic function
system obtains its setpoint values directly from the intelligent portion of the control
system that determines these values from the results of adaptation and/or optimization
processes at the process model (20).
8. Control system according to claim 5, 6 or 7, characterised in that the basic automation
system is designed as an autonomous subsystem (emergency-condition release system)
that guarantees a reliable state of the plant and the process and which, instead of
having recourse to the setpoint inputs (V) produced by means of computing techniques,
in particular can have recourse to operating values which are identified as being
reliable and stored in the data store.
9. Control system according to claim 5, 6, 7 or 8, characterised in that the basic function
system has starting and run-up routines, which can be input manually or automatically,
and also suboptimum normal operating routines, in which individual setpoint inputs
(V), otherwise determined by means of computing techniques, can be replaced by constant
setpoints.
10. Control system according to claim 1, characterised in that the process model has mathematical
descriptive forms at least in part, in so far as it can be modelled on the basis of
mathematical-physical, chemical or metallurgical or biological laws.
11. Control system according to claim 1 or 10, characterised in that for the plant components,
for which process knowledge exists that can only be expressed linguistically, the
process model has linguistically formulated model portions, which can be realized,
for example, by fuzzy systems, neuro-fuzzy systems, expert systems or tabular compilations.
12. Control system according to claim 1, 10 or 11, characterised in that for the plant
components, for which it is not possible to produce a model on the basis of mathematical-physical,
chemical or metallurgical or biological fundamental principles or on the basis of
process knowledge that can be described linguistically, the process model has self-learning
systems, for example neural networks.
13. Control system according to claim 1, 10, 11 or 12, characterised in that the process
model is continuously adapted to the process or corrected on the basis of process
data that is collected at the plant and is filed in a process data base and in that
this occurs by means of adaptive methods or learning methods, for example by means
of a back-propagation learning method or a selection method for various partial models,
for instance neural networks.
14. Control system according to claim 1, 10, 11, 12 or 13, characterised in that the adjustable
process variables are optimized off-line by means of an optimizer at the process model
in such a way that the model output variables, which in particular are characteristic
quality values of the product, correspond, to the greatest possible extent, with given
values, for example those to be striven for.
15. Control system according to claim 1, 10, 11, 12, 13 or 14, characterised in that the
optimization is effected with a known optimization method, for example with a genetic
algorithm, the Hooke-Jeeves method, a simulated annealing method or the like, and
in that the respective optimization methods applied are specified as a function of
the situation and the problem or are selected from a data file, for example as a function
of the number of variables to be optimized and/or the formation of the minima to be
expected.
16. Control system according to claim 15, characterised in that the criteria for abortion
of the optimization methods, for example with neural networks, are determined in accordance
with a method of pattern recognition or classical convergence criteria on the basis
of the course of optimization.
17. Control system according to claim 12, 13, 14 15 or 16, characterised in that the starting
values for optimization are determined on the basis of the suboptimum operating data
that is filed in a process data store.
18. Control system according to claim 1, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16 or 17, characterised
in that the optimization is effected off-line with the aid of the process model, wherein
adjustable process variables, which have been determined in such a way that the characteristic
values of the product produced, which characteristic values are simulated by the model,
correspond, to the greatest possible extent, with the given desired values, are passed
as setpoint values to the basic function system of the process and the process is
adjusted by the latter in accordance with the setpoint values.
19. Control system according to claims 1, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17 or 18, characterised
in that in the case of a malfunction or the like of the model or the optimizer the
setpoint values for the basic function system can be generated directly from the data
of the process data base, interpolation being effected for the purpose of improving
the setpoint values, in particular between the stored operating data.
20. Control system according to one of claims 1 or 10 to 18, characterised in that the
model, for instance in the case of a rolling casting process for metal strips, takes
into account in particular the restrictions of the manipulated variables, the actuator
time response and, if applicable, the process dynamics, preferably in and before the
region of the casting rollers, for example in relation to the position of the solidification-shell
merging zone for the solidification shells deposited on the casting rollers.
1. Système de gestion pour une installation de l'industrie primaire ou de l'industrie
manufacturière, par exemple pour une installation métallurgique, comme pour la production
de feuillards d'acier ou de métaux non ferreux, le système de gestion étant conçu
pour détecter automatiquement, par une technique informatique et sur la base d'une
connaissance préalable donnée, l'état de l'installation et des particularités d'un
processus de fabrication se déroulant dans l'installation, par exemple d'un processus
de coulée continue pour des feuillards, et pour prescrire des données de valeurs de
consigne (V) adaptées à la situation en vue d'obtenir un résultat de production sûr,
le cas échéant le meilleur possible,
caractérisé par le fait que
le système de gestion simule l'état de l'installation et des divers éléments de l'installation
en vue d'une optimisation en continu à l'aide d'un modèle de processus à structure
modulaire qui décrit les relations entre les grandeurs d'entrée de processus ainsi
que des grandeurs réglantes et les grandeurs de sortie de processus, par exemple des
valeurs caractéristiques de la qualité du produit fabriqué.
2. Système de gestion selon la revendication 1,
caractérisé par le fait que
il est conçu pour optimiser les données de valeurs de consigne (V) adaptées à la situation,
de préférence pour les optimiser automatiquement dans des routines d'optimisation
prédéterminées.
3. Système de gestion selon la revendication 1 ou 2,
caractérisé par le fait que
la connaissance préalable donnée est améliorée, de préférence automatiquement, en
continu au moyen d'une connaissance obtenue en interne par une technique informatique
sur le modèle de processus (20) pendant la production, par exemple en différents points
de fonctionnement, et cette connaissance de processus produite automatiquement est
prise en charge comme nouvelle connaissance préalable dans une mémoire de données
(17) qui est notamment constamment mise à jour.
4. Système de gestion selon la revendication 1, 2 ou 3,
caractérisé par le fait que
les données de valeurs de consigne (V) adaptées à la situation sont envoyées par exemple
sous forme de valeurs de référence aux éléments de l'installation, directement sous
forme de valeurs de commande, par exemple de positions, ou en particulier indirectement,
par exemple par l'intermédiaire de valeurs de consigne de régulateur, par exemple
pour des vitesses de rotation.
5. Système de gestion selon la revendication 1, 2, 3 ou 4,
caractérisé par le fait que
il comporte un système de fonction de base pour les éléments de l'installation qui
transfère de manière fiable dans la commande de l'installation les données de valeurs
de consigne (V) provenant de la connaissance obtenue par des moyens informatiques,
par exemple à partir d'un modèle de processus (20), de préférence à partir d'un modèle
global de processus.
6. Système de gestion selon la revendication 5,
caractérisé par le fait que
le système de fonction de base est conçu comme un système d'automatisation de base
permettant le fonctionnement fiable des éléments de l'installation pris individuellement
ou regroupés.
7. Système de gestion selon la revendication 5 ou 6,
caractérisé par le fait que
le système de fonction de base reçoit ses valeurs prescrites directement de la partie
intelligente du système de gestion qui détermine ces valeurs à partir des résultats
de processus d'adaptation et/ou d'optimisation sur le modèle de processus (20).
8. Système de gestion selon la revendication 5, 6 ou 7,
caractérisé par le fait que
le système d'automatisation de base est conçu comme un sous-système autonome garantissant
un état sûr de l'installation et du processus (système de retour d'état à risque)
qui peut accéder, à la place des données de valeurs de consigne (V) produites par
des moyens informatiques, notamment à des valeurs de fonctionnement connues comme
étant sûres et mémorisées dans la mémoire de données.
9. Système de gestion selon la revendication 5, 6, 7 ou 8,
caractérisé par le fait que
le système de fonction de base comporte des routines de démarrage et de lancement
qui peuvent être entrées manuellement ou automatiquement ainsi que des routines de
fonctionnement normal sous-optimales dans lesquelles des données de valeurs de consigne
(V), déterminées sinon par des moyens informatiques, peuvent être remplacées par des
données constantes.
10. Système de gestion selon la revendication 1,
caractérisé par le fait que
le modèle de processus comporte au moins en partie, dans la mesure où il peut être
modélisé sur la base de lois générales mathématico-physiques, chimiques, métallurgiques
ou biologiques, des formes de description mathématiques.
11. Système de gestion selon la revendication 1 ou 10,
caractérisé par le fait que
le modèle de processus comporte, pour les éléments de l'installation pour lesquels
il existe une connaissance de processus qui ne peut être exprimée que sous forme linguistique,
des parties de modèle qui sont formulées par des moyens linguistiques et qui peuvent
être mises en oeuvre par exemple par des systèmes flous, par des systèmes neuronaux
flous, par des systèmes experts ou par des ensembles de tableaux.
12. Système de gestion selon la revendication 1, 10 ou 11,
caractérisé par le fait que le modèle de processus comporte des systèmes auto-adaptatifs,
par exemple des réseaux neuronaux, pour les éléments de l'installation pour lesquels
il n'est pas possible de former un modèle sur la base de principes mathématico-physiques,
chimiques, métallurgiques ou biologiques ou sur la base d'une connaissance de processus
pouvant être décrite par des moyens linguistiques.
13. Système de gestion selon la revendication 1, 10, 11 ou 12,
caractérisé par le fait que
le modèle de processus est adapté en continu au processus, ou poursuit en continu
le processus, en fonction de données de processus qui ont été collectées dans l'installation
et qui sont archivées dans une base de données de processus et que cette adaptation
ou poursuite s'effectue au moyen de procédés adaptatifs ou de procédés d'apprentissage,
par exemple par un procédé d'apprentissage à rétropropagation ou par un procédé de
sélection pour différents modèles partiels, par exemple des réseaux neuronaux.
14. Système de gestion selon la revendication 1, 10, 11, 12 ou 13,
caractérisé par le fait que
les variables de processus réglables sont optimisées en différé par un dispositif
d'optimisation sur le modèle de processus de telle sorte que les grandeurs de sortie
de modèle, qui sont notamment des valeurs caractéristiques de la qualité du produit,
coïncident le plus possible avec des valeurs prescrites, par exemple avec les valeurs
recherchées.
15. Système de gestion selon la revendication 1, 10, 11, 12, 13 ou 14,
caractérisé par le fait que
l'optimisation s'effectue avec un procédé d'optimisation connu, par exemple avec un
algorithme génétique, avec le procédé de Hooke-Jeeves, avec un procédé du type Simulated
Annealings ou avec d'autres procédés analogues, et que les procédés d'optimisation
respectivement appliqués sont prédéterminés ou sélectionnés dans un fichier en fonction
de la situation et du problème, par exemple en fonction du nombre des grandeurs à
optimiser et/ou de la configuration des minima à escompter.
16. Système de gestion selon la revendication 15,
caractérisé par le fait que
les critères d'interruption des procédés d'optimisation sont déterminés, par exemple
avec des réseaux neuronaux, selon une méthode de reconnaissance de formes ou selon
des critères de convergence classiques sur la base de l'allure de l'optimisation.
17. Système de gestion selon la revendication 12, 13, 14, 15 ou 16,
caractérisé par le fait que
les valeurs initiales pour une optimisation sont déterminées sur la base des données
de fonctionnement sous-optimales archivées dans une mémoire de données de processus.
18. Système de gestion selon la revendication 1, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16 ou 17,
caractérisé par le fait que
l'optimisation s'effectue en différé à l'aide du modèle de processus, des variables
de processus réglables qui ont été déterminées de telle sorte que les valeurs caractéristiques,
simulées par le modèle, du produit fabriqué coïncident le plus possible avec les valeurs
souhaitées prédéterminées données comme valeurs prescrites au système de fonction
de base du processus et le processus étant réglé par ce dernier en fonction des valeurs
prescrites.
19. Système de gestion selon des revendications 1, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17 ou 18,
caractérisé par le fait que
les valeurs prescrites pour le système de fonction de base peuvent être produites
directement à partir des données de la base de données de processus lors d'un dysfonctionnement
ou d'un événement analogue concernant le modèle ou le dispositif d'optimisation, une
interpolation étant effectuée notamment entre les données de fonctionnement mémorisées
afin d'améliorer les valeurs prescrites.
20. Système de gestion selon l'une des revendications 1 ou 10 à 18,
caractérisé par le fait que
le modèle, par exemple dans le cas d'un processus de laminage direct en coulée continue
pour des feuillards métalliques, prend en compte notamment les limitations des grandeurs
réglantes, le comportement dans le temps des actionneurs et éventuellement la dynamique
du processus, de préférence avant ou dans la zone de laminage direct, par exemple
par rapport à la position de la zone de réunion des coquilles de solidification pour
les coquilles de solidification séparées sur le laminage direct.