[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum direkten oder indirekten, ein- oder beidseitigen
Auftragen eines flüssigen oder pastösen Mediums auf eine laufende Oberfläche gemäß
dem Oberbegriff des Anspruches 1.
[0002] Ein solches Auftragswerk, Walzenauftragswerk genannt, ist aus der DE 3605409 bekannt
geworden. Ein derartiges Auftragswerk gehört zur Gruppe der
Long
Dwell
TimeApplikatoren, d.h. Auftragswerke mit
langer
Einwirk
zeit.
[0003] Mit der Schöpfwalze wird eine relativ große Menge des Auffragsmediums auf die laufende
Oberfläche, also die Auftragswalze oder die Materialbahn aufgebracht. Die Menge ist
um so größer, je größer der Durchmesser der Schöpfwalze und deren Geschwindigkeit
ist. Von der Geschwindigkeit her sind aber Grenzen gesetzt, wegen der mit zunehmender
Geschwindigkeit steigenden Abspritzgefahr.
[0004] Kann aus baulichen Gegebenheiten nur eine relativ kleine Schöpfwalze eingesetzt werden,
reicht oftmals die Schöpfwirkung nicht aus, um einen gleichmäßigen Strich auf der
Materialbahn zu erzeugen.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist es deshalb, das Auftragsmedium mit einer geeigneten Vorrichtung,
über die Maschinenbreite hinweg, gleichmäßig zu verteilen.
[0006] Die Aufgabe wird durch die kennzeichnenden Merkmale von Anspruch 1 gelöst.
[0007] Demgemäß ist der Schöpfwalze des Walzenauftragswerkes in Laufrichtung der Materialbahn
oder der Auftragswalze eine Düsenauftragseinrichtung vorgeschaltet.
[0008] Die Schöpfwalze sowie die Düsenauftragseinrichtung sind derselben Auftragswalze oder
Gegenwalze (bei direktem Auftrag ist diese von der Papierbahn teilweise umschlungen)
zugeordnet. Damit ergibt sich eine kompakte Anordnung, die wenig Platz bedarf.
[0009] Die Düsenauftragseinrichtung kann ein an sich bekanntes Freistrahldüsenauftragswerk
sein, wie es aus der WO 95/12031 bereits bekannt ist und einen maschinenbreiten Dosierspalt
aufweist.
[0010] Das Düsenauftragswerk kann aber auch ein Auftragswerk sein, wo aus einer Vielzahl
von über die Breite der Maschine gleichmäßig verteilten Einzeldüsen das Auftragsmedium
auf die laufende Oberfläche aufgetragen wird.
[0011] Eine solche Einzeldüsenauftragseinrichtung ist in der noch unveröffentlichten Anmeldung
der Anmelderin unter Nr. DE 197 22 159.9 beschrieben.
[0012] Hierbei ist die Anordnung der Düsen so getroffen, daß die aus den Düsen austretenden
Strahlen sich auf der laufenden Oberfläche in deren Endbereichen durchdringen und
somit eine vollständige Bedeckung der laufenden Oberfläche mit dem Auftragsmedium
garantieren.
[0013] Gemäß der vorliegenden Erfindung soll zum einen mit der vorgesehenen Düsenauftragseinrichtung
nur ein Vorstrich auf die laufende Oberfläche aufgebracht werden. Den Hauptanteil
des Striches leistet die Schöpfwalze.
Hierbei aufgetragenes überschüssiges Medium wird anschließend mit an sich bekannten
Rakeleinrichtungen abgerakelt.
[0014] Dadurch wird ein noch gleichmäßigerer Strichauftrag als bisher in Quer- und Längsrichtung
der Materialbahn bestehend aus dünnen Vorstrich und relativ geringem Hauptstrich (auf
Grund der verminderten Schöpfwirkung bei keinem Durchmesser der Schöpfwalze mit z.B.
350 mm), sichergestellt.
[0015] Diese Variante ist besonders dort anwendbar, wo bereits ein derartiges Walzenauftragswerk
in der Papiermaschine oder Veredelungsmaschine vorhanden ist. Hier läßt sich die Streichmaschine
leicht mit der Düsenauftragseinrichtung, insbesondere dem Freistrahldüsenauftragswerk
nachrüsten.
[0016] Wird ein Auftrag mit Einzeldüsen bevorzugt, ist es zum anderen möglich und zweckmäßig
mit dieser Einrichtung den gesamten Strichauftrag durchzuführen, weil wie schon vorstehend
beschrieben, auf Grund der sich überlagernden Endbereiche der Einzeldüsenstrahlen
allein schon eine ausreichende Abdeckung der Materialbahn gesichert ist.
[0017] Bei bereits in der Papier- oder Veredelungsmaschine vorhandenen Walzenauftragswerken
braucht dann die Schöpfwalze ihrer eigentlichen Funktion, nämlich das Schöpfen und
Auftragen des Auftragsmediums, nicht mehr nachkommen. Die Schöpfwalze kann dann also
bie der variante mit Einzelauftragsdüsen zur Egalisierung bzw. Vergleichmässigung
des Strichauftrages eingesetzt werden.
Damit können in vorteilhafter Weise sich die überlappenden bzw. durchdringenden Endbereiche
der Einzelstrahlen im Nip zwischen Schöpfwalze und der laufenden Oberfläche durch
Verreiben ausgeglichen werden.
[0018] Im Falle des Schöpfens der Schöpfwalze für die Hauptmenge des Auftrages läuft die
Walze gegensinnig zur laufenden Oberfläche mit geringerer Umfangsgeschwindigkeit als
diese. Im Falle des "nur" Verreibens der mit der Düsenauftragseinrichtung aufgebrachten
Schicht kann die Schöpfwalze, die nun nicht mehr schöpft, gleichsinnig (im Uhrzeigersinn)
laufen.
In diesem Fall, also im Falle der Egalisierung, braucht sie auch gar nicht angetrieben
sein.
[0019] Es versteht sich, daß bei einem Neubau einer Streichanlage anstelle der Schöpfwalze
ein an sich bekannter Rakelstab, insbesondere einer mit großem Durchmesser und glatter
Oberfläche für die Egalisierung der aufgetragenen Schicht eingesetzt werden kann.
[0020] Anhand eines Ausführungsbeispieles soll die Erfindung näher erläutert werden.
[0021] In den Figuren ist dargestellt:
Figur 1:
Die erfindungsgemäße Vorrichtung in schematischer Darstellung in Seitenansicht für
direktes Auftragen.
Figur 2:
Eine schematische Darstellung in Seitenansicht der erfindungsgemäßen Vorrichtung für
indirektes Auftrages auf beide Seiten der Materialbahn.
[0022] In den Figuren sind mit gleichen Bezugszeichen gleiche Bauteile beziffert.
[0023] Das in Figur 1 dargestellte Auftragswerk umfaßt eine Schöpfwalze 1, die in einem
Sumpf 2 von Auftragsmedium M umläuft. Der Sumpf befindet sich in einem Trog mit Auffangwanne
3. Der Schöpfwalze 1 ist als sogenannte laufende Oberfläche eine Gegenwalze 4 zugeordnet,
die von einer Papierbahn B umschlungen ist. Beide Walzen 1 und 4 laufen gegensinnig.
Sie bilden miteinander einen Nip N, in welchem das Auftragsmedium an die Papierbahn
B direkt abgegeben wird.
[0024] Ebenfalls an der Gegenwalze 4 in Laufrichtung der Papierbahn (siehe durchgezogener
Pfeil) ist der Schöpfwalze eine Auftragseinrichtung 6 vorgeschaltet.
[0025] Im Beispiel ist ein rundes maschinenbreites Farbzuführrohr 7 gewählt, in das eine
Vielzahl von über die Länge des Rohres 7 verteilt angeordnete Einzeldüsen 8 eingelassen
sind.
[0026] Mit diesen Düsen kann ein Vorstrich auf die Papierbahn B aufgebracht werden, wobei
die Hauptmenge des Auftrages dann mit der Schöpfwalze erfolgt.
[0027] Wie bereits erwähnt, kann mit der Düsenauftragseinrichtung 6 auch der gesamte Strichauftrag
aufgebracht werden. In diesem Fall wird der Schöpfwalze 1 kein Auftragsmedium zugeführt,
sondern sie wird gewissermaßen umfunktioniert, indem sie die zuvor aufgetragene Schicht
vergleichmäßigt. Die Schöpfwalze dreht hierbei gleichsinnig, um eine bessere Verreibewirkung
zu erzielen (siehe gestrichelter Pfeil in Figur 1).
[0028] Aus Figur 1 ist außerdem entnehmbar, daß der Schöpfwalze 1 eine Rakeleinrichtung
5 nachgeordnet ist. Dies ist eine bekannte Einrichtung mit einer Rakelklinge, einem
Rakelstab oder einer feststehenden Rakelleiste. In Figur 1 ist als Beispiel eine Rakelklinge
dargestellt die, wenn erforderlich, überschüssiges Medium von der Papierbahn B abstreift.
Das überschüssige Medium wird in einem nicht in der Figur dargestellten Sammeltrog
aufgefangen und kann im Kreislaufsystem dem Beschichtungsprozess wieder zugeführt
werden.
[0029] Aus Figur 2, in der das indirekte Auftragen auf die Papierbahn dargestellt ist, sind
zwei Auftragswalzen 10, 10' entnehmbar, die miteinander einen Nip N bilden, durch
den die Papierbahn B läuft. In diesem Nip wird das Auftragsmedium auf die Papierbahn
übertragen.
[0030] Jeder Auftragswalze ist eine Schöpfwalze 1 bzw. 1' mit Trog 3 bzw. 3' zugeordnet.
[0031] Wie bei Figur 1 ist eine Düsenauftragseinrichtung 6 bzw. 6' in Laufrichtung der laufenden
Oberfläche (hier der Auftragswalze 10 bzw. 10') vor der Schöpfwalze in geringem Abstand
zu ihr angeordnet.
[0032] Aus Figur 2 ist außerdem entnehmbar, daß die Düsenauftragseinrichtung 6 anstelle
der Walze 10 bzw. 10' auch der Schöpfwalze 1 oder / und der Schöpfwalze 1' zugeordnet
sein kann und dort einen Vorstrich auf die laufende Oberfläche 10 bzw. 10' erzeugt.
In Figur ist diese Möglichkeit in gestrichelten Linien nur auf der linken Seite der
Figur dargestellt, obwohl das spiegelbildlich auch auf der rechten Seite der Figur
für beidseitiges Auftragen auf die Materialbahn B erfolgen kann.
[0033] Es sei noch eine weitere denkbare Möglichkeit aufgezeigt. Diese Möglichkeit ist aus
Übersichtlichkeitsgründen nur im rechten Teil der Figur 2 gestrichelt dargestellt.
Diese Möglichkeit besteht darin, daß um die eigentliche Schöpfwalze 1' und / oder
1 und um Leitwalzen 15 ein Endlosband 12 läuft. Die Schöpfwalze wirkt hier als Stützwalze,
d. h. sie trägt kein Auftragsmedium auf. Eine Düseneinrichtung 6'' von gleicher Bauart
wie 6 oder 6' sprüht oder strahlt hier zusätzlich (als Vorstrich zur Einrichtung 6
und / oder 6') oder nur allein das Auftragsmedium auf das Endlosband 12.
[0034] Soll die Papierbahn B beidseitig behandelt werden, sind die dargestellten Einrichtungen
analog zu den vorherigen Ausführungen zu beiden Seiten der Papierbahn im Einsatz.
[0035] Bei nur einseitigem Auftrag ist jeweils nur die linke oder nur die rechte dargestellte
Anordnung in Betrieb.
[0036] In Figur 2 ist eine nach oben laufende Materialbahn B gezeigt. Selbstverständlich
kann auch eine andere Bahnführung mit entsprechend angepaßter Laufrichtung der Auftragswalzen
gewählt werden. Diese dargestellte Ausführung ist nur ein Beispiel und soll den Schutzumfang
der Erfindung nicht einschränken.
1. Vorrichtung zum direkten oder indirekten, ein- oder beidseitigen Auftragen eines flüssigen
oder pastösen Mediums auf eine laufende Oberfläche, die bei direktem Auftrag eine
von einer Gegenwalze (4) gestützte Materialbahn, insbesondere Papier- oder Kartonbahn
(B), und bei indirektem Auftrag eine Auftragswalze (10,10') ist, die das Auftragsmedium
an die Materialbahn (B) abgibt, wobei der laufenden Oberfläche (B,10,10') eine Schöpfwalze
(1,1') zugeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, daß der Schöpfwalze (1, 1') in Laufrichtung der laufenden Oberfläche (B, 10, 10') eine
Düsenauffragseinrichtung (6, 6') vorgeschaltet ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Düsenauftragseinrichtung (6, 6') ein Freistrahldüsenauftragswerk ist, mit einem
über die gesamte Breite der Vorrichtung reichenden Dosierspalt für das Auftragsmedium
ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Düsenauftragseinrichtung (6, 6') aus einer Vielzahl von Einzeldüsen (8) besteht,
die aus einem über die gesamte Maschinenbreite reichenden Verteilrohr (7) für das
Auftragsmedium (M) abzweigen und über dessen Länge gleichmäßig verteilt sind.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1 sowie Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Düsenauftragseinrichtung (6, 6') für einen Vorstrich auf die laufende Oberfläche
(B, 10, 10') vorgesehen ist und die Schöpfwalze (1, 1') den Hauptauftrag auf die laufende
Oberfläche (B, 10, 10') bewerkstelligt.
5. Vorrichtung nach Anspruch 1 sowie Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß nur die Düsenauftragseinrichtung (6, 6') für einen Auftrag auf die laufende Oberfläche
(B, 10, 10') vorgesehen ist und die Schöpfwalze (1, 1') für die Vergleichmäßigung
der aufgetragenen Schicht bestimmt ist.
6. Vorrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Schöpfwalze (1, 1') in Laufrichtung der Oberfläche (B, 10, 10') oder entgegen
der Laufrichtung der Oberfläche dreht oder gar nicht angetrieben ist.
7. Vorrichtung nach dem Oberbegriff des Anspruches 1 sowie Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Düseneinrichtung (6, 6') des Medium auf die Oberfläche der Walze (3, 3') aufbringt.
8. Vorrichtung nach dem Oberbegriff des Anspruches 1 sowie Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß ein Endlosband (12) um eine Walze (3, 3') sowie Leitwalzen (15) wobei eine Düseneinrichtung
(6'') das Medium auf das Endlosband (12) aufbringt.