[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren sowie eine Vorrichtung nach dem Oberbegriff
der Ansprüche 1 und 7.
[0002] Aus der DE-A-16 52 990 ist eine Einrichtung zum kontinuierlichen Wellen dünnwandiger,
insbesondere längsnahtgeschweißter Glattrohre bekannt, bei welchem ein von einer Vorratsspule
abgezogenes Metallband zu einem Schlitzrohr geformt, an seinen Längskanten verschweißt
und einer Wellvorrichtung zugeführt wird, in welcher das geschweißte Glattrohr mit
einer schraubenlinienförmigen Wellung versehen wird. Die Wellvorrichtung besteht aus
einem Gehäuse, in welchem koaxial zu dem durchlaufenden Glattrohr ein Wellerkopf drehantreibbar
angeordnet ist. In dem Wellerkopf ist exzentrisch zum Glattrohr und unter der Schraubensteigung
geneigt ein Wellerwälzring frei drehbar gelagert, der sich bei Drehung des Wellerkopfes
auf der Oberfläche des Glattrohres abwälzt und dabei die Wandung des Glattrohres einformt.
[0003] Der Drehantrieb des Wellerkopfes ist über ein Getriebe mit einer Abzugsvorrichtung
gekuppelt, mit der das Glattrohr transportiert wird. Der Wellerkopf ist an einer Hohlwelle
befestigt, die an ihrer äußeren Oberfläche ein Zahnrad trägt, welches mit einem Ritzel
eines Zahnradgetriebes kämmt. Das Zahnradgetriebe ist über ein stufenlos regelbares
Getriebe mit einem Hauptantriebsmotor gekuppelt, der gleichzeitig die Abzugsvorrichtung
antreibt.
[0004] Mit einer solchen Vorrichtung ist es möglich, in kontinuierlicher Arbeitsweise schraubenlinien-
oder ringförmig gewellte Metallrohre herzustellen.
[0005] Wegen der großen umlaufenden Massen des Wellerkopfes und der Hohlwelle ist die Drehgeschwindigkeit
des Wellerkopfes und damit die Fertigungsgeschwindigkeit für das gewellte Metallrohr
naturgemäß relativ niedrig.
[0006] Eine andere Wellvorrichtung ist in der DE-A-20 49 235 beschrieben. Auch hier ist
ein drehantreibbarer Wellerkopf vorgesehen, der wie oben beschrieben, über eine Hohlwelle,
Zahnradgetriebe, stufenlos regelbares Getriebe und einen Elektromotor antreibbar ist.
In dem Wellerkopf ist ein Wellwerkzeug gelagert, welches eine Verformungsrippe aufweist,
welche die Wellung erzeugt. Die Verformungsrippe hat einen schraubenlinienförmigen
Verlauf, ihre lichte Weite ist kleiner als der Außendurchmesser des Glattrohres. Beim
Wellvorgang schraubt sich die Verformungsrippe quasi auf das Glattrohr auf und formt
eine schraubenlinienförmige Wellung in die Rohrwandung. Diese Welltechnik wird vornehmlich
für die Herstellung von Hochfrequenzkabeln eingesetzt.
[0007] Da bei dieser Wellvorrichtung der gleiche Antrieb verwendet wird, weist auch diese
Wellvorrichtung die geschilderten Nachteile auf.
[0008] Der vorliegenden Erfindung liegt von daher die Aufgabe zugrunde, die bekannten Wellverfahren
sowie Wellvorrichtungen dahingehend zu verbessern, daß die umlaufenden Massen verringert
und dadurch die Rotationsgeschwindigkeit des Wellerkopfes erhöht und somit eine höhere
Fertigungsgeschwindigkeit erzielbar ist.
[0009] Diese Aufgabe wird durch die im Kennzeichen der Ansprüche 1 und 7 erfaßten Merkmale
gelöst.
[0010] Der wesentliche Vorteil der Erfindung ist darin zu sehen, daß durch den Einsatz eines
Hohlwellenmotors die Anzahl rotierender Maschinenelemente in der Wellvorrichtung auf
ein Minimum zurückgeführt werden kann. Das Massenträgheitsmoment der rotierenden Elemente
wird auf das Massenträgheitsmoment der Hohlwelle bzw, des Rotors des Hohlwellenmotors
reduziert. Daraus resultiert eine Erhöhung der Regelgeschwindigkeit des Antriebssystems,
was zu einer Verbesserung der Qualität der Wellrohre führt. Insbesondere, wenn die
Wellrohre für die Hochfrequenzübertragung z. B. als Hohlleiter oder als Innen- und/oder
Außenleiter eines koaxialen Hochfrequenzkabels verwendet werden, führt eine gleichmäßige
Form der Wellung zu einer Verringerung der Höhe von Reflexionsspitzen sowie zu einer
Reduzierung des Reflexionsniveaus.
[0011] Die Erfindung ist anhand der in den Figuren 1 bis 4 schematisch dargestellten Ausführungsbeispiele
näher erläutert.
[0012] Fig. 1 zeigt eine Ansicht einer Fertigungsstraße 1 für z. B. koaxiale Hochfrequenzkabel.
Von einer Vorratstrommel 3 wird der mit nicht näher bezeichneten Abstandshalterungen
versehene Innenleiter 5, z. B. ein gewelltes Kupferrohr, abgezogen. Von einer Vorratsspule
7 wird ein Metallband 11, z. B. aus Kupfer, abgezogen, durch eine Reinigungsanlage
9 transportiert und einer Formvorrichtung 13 zugeführt, in welcher das Kupferband
11 zu einem zu dem Innenleiter 5 konzentrischen Rohr mit Längsschlitz geformt wird.
Mittels einer Schweißvorrichtung 15, vorzugsweise einer WIG Schweißeinrichtung, wird
der Längsschlitz verschweißt. In Durchlaufrichtung gesehen hinter der Schweißeinrichtung
15 ist eine Abzugsvorrichtung 17 angeordnet, die das verschweißte Rohr 23 und damit
den Innenleiter 5 und das Kupferband 11 transportiert. Die Abzugsvorrichtung 17 besteht
aus einer endlosen Kette 19, an welcher in bestimmten Abständen zueinander Spannzangen
21 montiert sind. Innerhalb des Abzugsgehäuses 31 sind Kettenräder 33 und 35 vorgesehen,
um welche die endlose Kette 19 herumgeführt wird. Das Kettenrad 33 ist mittels eines
nicht dargestellten Elektromotors angetrieben und treibt die Kette 19 mit den darauf
montierten Spannzangen 21 an, wogegen das Kettenrad 35 als Kettenspannrad dient.
[0013] Hinter der Abzugsvorrichtung 17 ist eine Wellvorrichtung 25 angeordnet, welche in
die Wandung des geschweißten Rohres 23 eine ring- oder schraubenförmige Wellung einformt.
Über einen Tänzer 27 geregelt wird das so gefertigte Hochfrequenzkabel auf eine Kabeltrommel
29 aufgewickelt. In dem fertigen Hochfrequenzkabel bildet das Rohr 23, nachdem es
mit einer Wellung versehen wurde, den Außenleiter.
[0014] Die Abzugsvorrichtung 17 ist Gegenstand des DBP 11 64 355, auf welches Bezug genommen
wird.
[0015] In Figur 2 ist die Wellvorrichtung dargestellt. In einem feststehenden Gehäuse 36
ist der Stator 37 eines Elektromotors fixiert. Der Rotor 38 des Elektromotors ist
als Hohlwelle ausgebildet (Hohlwellenmotor). Der Rotor 38 ist fest mit einer Hohlwelle
39 verbunden z. B. aufgepreßt oder aufgeschrumpft. Die Hohlwelle 39 ist über Wälzlager
bzw. Lager 40 und 41 mit längsverschieblichem Innenring drehbar in dem feststehenden
Gehäuse 36 gelagert.
[0016] An das eine Ende der Hohlwelle 39 ist der Wellerkopf 42 angeflanscht, der somit über
die Hohlwelle 39 direkt von dem Hohlwellenmotor angetrieben wird. In dem Wellerkopf
42 ist eine Wellerscheibe 43 befestigt, welche die Wellung in dem Glattrohr 45 erzeugt.
Zur Abstützung des Glattrohres 45 ist unmittelbar vor der Wellerscheibe 43 eine Wellerbuchse
44 angeordnet, deren Innendurchmesser nahezu gleich dem Außendurchmesser des Glattrohres
45 ist. Die Wellerscheibe kann eine ringförmige, d. h. in sich geschlossene Verformungsrippe
aufweisen. In diesem Fall ist der Innendurchmesser der Verformungsrippe größer als
der Außendurchmesser des Glattrohres 45, die Wellerscheibe 43 ist frei drehbar und
zur Längsachse des Glattrohres geneigt sowie exzentrisch zur Rohrachse angeordnet.
Die Wellerscheibe 43 wälzt sich auf der Oberfläche des Glattrohres 45 bei Rotation
des Wellerkopfes 42 ab und erzeugt aufgrund der exzentrischen Lagerung eine schraubenlinienförmig
verlaufende Wellung (siehe Wellrohr 46).
[0017] Soll ein Wellrohr mit ringförmiger Wellung erzeugt werden, wird eine Wellerscheibe
43 mit einer schraubenlinienförmig verlaufenden Verformungsrippe verwendet.
[0018] Wird eine Wellerscheibe 43 mit einem schraubenlinienförmigen Verlauf der Verformungsrippe
verwendet und ist die lichte Weite der Verformungsrippe kleiner als der Außendurchmesser
des Glattrohres 45 und ist die Wellerscheibe 43 weder geneigt noch exzentrisch und
auch nicht frei drehbar in dem Wellerkopf 42 gelagert, dann schraubt sich die Wellerscheibe
43 quasi auf das Glattrohr 45 auf und erzeugt dabei eine schraubenlinienförmige Wellung.
Der Außendurchmesser des gewellten Rohres gemessen im Wellental entspricht dann in
etwa der lichten Weite der Wellerscheibe 43.
[0019] Die Drehzahl des Hohlwellenmotors ist über ein festes Verhältnis jedoch abhängig
von den Dimensionen des herzustellenden gewellten Metallrohres mit der Drehzahl des
Elektromotors für die Abzugsvorrichtung gekoppelt. Die Geschwindigkeit, mit welcher
das Glattrohr 45 dem Wellerkopf 42 zugeführt wird genügt der Formel

worin n die Drehzahl des Hohlwellenmotors, s die Steigung der Wellung und c der Faktor
ist, welcher die Anzahl der Überrollungen pro Ring und die Einwellung berücksichtigt.
Unter der Steigung versteht man den Abstand zweier Wellenkuppen voneinander. Die Drehzahl
des Hohlwellenmotors wird mittels eines Resolvers oder Inkrementalgebers 47 gemessen.
[0020] Weicht nun z. B. bedingt durch eine unterschiedliche Härte des Metallbandes die Drehzahl
des Hohlwellenmotors von der vorgegebenen Drehzahl ab, so arbeitet der Wellerkopf
42 entweder auf Druck oder auf Zug. Bei einem Arbeiten auf Druck wird mehr Glattrohr
45 zugeführt als entsprechend der Drehzahl des Hohlwellenmotors und der Steigung vorgegeben
ist, d. h. das Glattrohr 45 schiebt gegen die Wellerscheibe 43. Bei einem Arbeiten
auf Zug ist es umgekehrt, die Wellerscheibe 43 versucht mehr Glattrohr 45 heranzuziehen.
[0021] Diese Veränderung der vorgegebenen Daten werden durch einen Meßaufnehmer 48 gemessen.
[0022] Der Meßaufnehmer 48 kann entweder ein Linearpotentiometer, eine Druckmeßdose oder
an sich bekannte Biegeelemente mit Dehnmeßstreifen bestückt sein.
[0023] Der Meßwert wird in den Regelkreis eingegeben und die Drehzahl des Hohlwellenmotors
entweder erhöht (bei Druck) oder verringert (bei Zug).
[0024] Bei dem Ausführungsbeispiel nach Figur 3 ist der Hohlwellenmotor auf einem längsverschiebbaren
Schlitten 49 gelagert, dessen Verschiebeweg durch das Linearpotentiometer 48 bzw.
dessen auf eine Druckmeßdose oder Biegeelement einwirkende Axialkraft gemessen wird.
[0025] Anhand der Figur 4 soll das Regelschema für das erfindungsgemäße Wellverfahren verdeutlicht
werden.
[0026] Vom Pult aus wird die Fertigungsgeschwindigkeit vorgegeben. Für die verschiedenen
Rohrtypen, die sich im Durchmesser, der Welltiefe, der Wellsteigung und dem Bandmaterial
unterscheiden können, ist ein empirisch ermitteltes Verhältnis i
soll zwischen der Drehzahl des Abzuges n
A und der Drehzahl n
Weller vorgegeben.
[0027] Bei einer Erhöhung der Fertigungsgeschwindigkeit, z. B. beim Anfahren der Anlage
wird die Drehzahl n
A multiplikativ erhöht.
[0028] Verläßt der Wellerkopf seine axialkraftfreie Mittenlage, wird der von der Meßeinrichtung
48 ermittelte Wert entsprechend in den Regelkreis eingegeben und ein korrigiertes
Verhältnis i
korr zu dem vorgegebenen Wert i
soll addiert.
[0029] Auf diese Weise kann sehr schnell der gewünschte Wert der Wellerdrehzahl bei einer
Abweichung korrigiert werden. Diese extrem schnelle Korrektur ist nur wegen der extrem
geringen rotierenden Massen des Hohlwellenmotors möglich.
1. Verfahren zur kontinuierlichen Herstellung längsnahtgeschweißter und gewellter Metallrohre,
bei dem ein von einer Vorratsspule abgezogenes Metallband zum Schlitzrohr geformt,
an seinen Längskanten verschweißt und das geschweißte Glattrohr gewellt wird, wobei
eine von einem Elektromotor angetriebene Abzugsvorrichtung an dem Glattrohr angreift
und wobei das Glattrohr mittels einer in einem drehantreibbaren Wellerkopf befindlichen
Wellerscheibe gewellt wird, dadurch gekennzeichnet, daß der Wellerkopf direkt von einem Hohlwellenmotor angetrieben wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Drehzahl des Hohlwellenmotors in Abhängigkeit von der Drehzahl des Elektromotors
der Abzugsvorrichtung geregelt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Rotor des Hohlwellenmotors in Längsrichtung des Glattrohres verschieblich
in dem Stator des Hohlwellenmotors gelagert ist, daß der Verschiebeweg gemessen wird
und daß die Drehzahl des Hohlwellenmotors in Abhängigkeit vom Verschiebeweg korrigiert
wird.
4. Verfahren nach einem der Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Hohlwellenmotor auf einem in Längsrichtung des Glattrohres verschieblichen
Schlitten gelagert ist, daß der Verschiebeweg gemessen wird und daß die Drehzahl des
Hohlwellenmotors in Abhängigkeit vom Verschiebeweg des Schlittens korrigiert wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Verschiebeweg des Rotors bzw. Schlittens mittels eines Linearpotentiometers
gemessen wird.
6. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß die aufgrund der Verschiebung des Rotors bzw. des Schlittens auf einen Fixpunkt
wirkende Axialkraft gemessen wird.
7. Vorrichtung zur kontinuierlichen Herstellung längsnahtgeschweißter und gewellter Metallrohre,
bestehend aus einer Vorratsspule für das Metallband, einer das Metallband zum Schlitzrohr
formenden Formvorrichtung, einer den Längsschlitz des Schlitzrohres verschweißenden
Schweißeinrichtung, einer an dem verschweißten Metallrohr angreifenden mittels eines
Elektromotors angetriebenen Abzugsvorrichtung sowie einer Wellvorrichtung, welche
einen drehantreibbaren Wellerkopf mit einer im Innern des Wellerkopfes befindlichen
Wellerscheibe, welche die Wellung in das Glattrohr einformt, aufweist, dadurch gekennzeichnet, daß der Wellerkopf von dem als Rohr ausgebildeten Rotor eines Hohlwellenmotors angetrieben
ist.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Wellerkopf an den Rotor angeflanscht ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Rotor in dem Stator längsaxial verschiebbar gelagert ist.
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß der Rotor in längsaxialer Richtung gesehen länger ist als der Stator.
11. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß der Hohlwellenmotor auf einen längsverschieblichen Schlitten montiert ist.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Drehzahl des Hohlwellenmotors mittels eines Resolvers oder eines Inkrementalgeber
erfaßbar ist.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Drehzahl des Hohlwellenmotors auf maximal 6000 U/min begrenzt ist.
14. Vorrichtung nach Anspruch 7 bis 13, dadurch gekennzeichnet, daß der Verschiebeweg des Rotors bzw. des Schlittens mittels eines Linearpotentiometers
meßbar ist.
15. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß die auf die Wellerscheibe einwirkende Kraft mittels Dehnungsstreifen oder einer
Druckmeßdose meßbar ist und die Meßgröße protokolliert und in den Regelkreis für die
Drehzahlregelung des Hohlwellenmotors eingegeben wird.