(19)
(11) EP 1 110 482 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
27.06.2001  Patentblatt  2001/26

(21) Anmeldenummer: 00118459.7

(22) Anmeldetag:  25.08.2000
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7: A47B 88/14
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 06.05.2000 DE 10022197
10.11.1999 DE 29919738 U

(71) Anmelder: Westfalia Metallformtechnik GmbH & Co
57271 Hilchenbach (DE)

(72) Erfinder:
  • Müller, Torsten
    57271 Hilchenbach (DE)
  • Thomas, Rüdiger
    35708 Haiger (DE)

(74) Vertreter: Valentin, Ekkehard, Dipl.-Ing. 
Patentanwälte Hemmerich-Müller-Grosse- Pollmeier-Valentin-Gihske Hammerstrasse 2
57072 Siegen
57072 Siegen (DE)

   


(54) Führungs- und Laufsystem einer Schublade


(57) Bei einem Führungs- und Laufsystem (1) einer Schublade (2), die in einer Schienenanordnung auf Kugeln (14) laufend einschieb- und herausziehbar ist, sind in entsprechend der Schubladenbreite parallel voneinander beabstandeten, mit Kugeln (14) versehenen Festschienen (3a, 3b) komplementäre, die Schublade (2) tragende Innenschienen (4a, 4b) angeordnet, die den Kugeln (14) mit ebenen, geraden Laufflächen anliegen.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Führungs- und Laufsystem einer Schublade, die in einer Schienenanordnung auf Kugeln laufend einschieb- und ausziehbar ist.

[0002] Bei bekannten Laufschienen-Anordnungen von Schubladen sind in den Schienenprofilen sowohl der Fest- als auch der Innen- bzw. Oberschiene komplementäre Laufradien eingearbeitet, die der Kontur der Kugeln angepaßt sind. Dies setzt eine sehr aufwendige Herstellung voraus. Diese Führungs- und Laufsysteme benötigen zudem wegen ihrer Bauhöhe einen großen Platzbedarf, zumal dann, wenn sie mit einer beispielsweise beim Einbau der Schubladen in LKW, auf Schiffen oder Flugzeugen häufig gewünschten Verriegelungseinheit versehen sind.

[0003] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein einfacher herzustellendes Führungs- und Laufsystem zu schaffen, das außerdem bei Ausgestaltung mit einer Verriegelung ein niedrigere Bauhöhe aufweist.

[0004] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß in entsprechend der Schubladenbreite parallel voneinander beabstandeten, mit den Kugeln versehenen Festschienen komplementäre, die Schublade tragende Innenschienen angeordnet sind, die den Kugeln mit ebenen, geraden Laufflächen anliegen. Der Erfindung liegt die grundsätzliche Überlegung zugrunde, von den speziell ausgeformten Radienlaufbereichen in den Profilen wegzukommen und den Kugeln als Laufflächen die ohne zusätzlichen Bearbeitungsgang vorliegenden Außenflächen des mit der Festschiene verklammerten Innenschienenprofils bereitzustellen. Die Herstellung läßt sich daher in einfacher Weise verwirklichen. Die Kugeln, die beim Einbau in Käfigen in definierter Position in dem Festschienenprofil angeordnet sind, machen den halben Verfahrweg mit und treffen dann auf Endanschläge.

[0005] Nach einer vorteilhaften Ausführung der Erfindung ist die Festschiene als in situ nach oben offenes Profil ausgebildet, dessen beidseitigen Flansche ausgehend vom Steg einen nach außen abgekanteten ersten Flanschabschnitt, der in einen zweiten, unter einem geringeren Winkel als der erste Flanschabschnitt abgekanteten Zwischenflanschabschnitt übergeht, und einen stegartigen, dazu gegenläufig nach innen abgekanteten Flanschendabschnitt aufweisen, wobei die Kugeln jeweils in den Abkantradien abgeordnet sind, und die in den Festschienen geführten komplementären Innenschienen mit V-förmig gekanteten Flanschen in die Festschienen hineinragen und mit jeweils der ebenen Außenfläche des ersten sowie zweiten V-Flanschabschnitts auf den ihnen zugewandten Kugeln laufen. Gegenüber anderen Abkantprofilen mit Bereitstellung einer ebenen, geraden Lauffläche für die Kugeln bietet die V-Form eine gedrungene Bauweise und dennoch an beiden Seiten der Schienen eine Zweipunkt-Auflage für die Kugeln, nämlich jeweils durch die beiden das V bildenden Abschnitte der Flansche. Als Material für die Schienen eignen sich alle mikrolegierten bzw. hochfesten Stähle, insbesondere Federstähle.

[0006] Es wird erfindungsgemäß weiterhin vorgeschlagen, daß die beiden Innenschienen über Quertraversen miteinander verbunden sind. Es läßt sich damit eine zum Bewegungsgleichlauf einfache Kopplung der Innenschienen erreichen, wobei die Quertraversen im Abstand voneinander angeordnet und an den Außenflächen der Stege der Innenschienen-Profile befestigt sind.

[0007] Nach einer bevorzugten Ausführung der Erfindung sind an den einander zugewandten Flanschen der beiden Festschienen mit Verriegelungsausnehmungen ausgebildete Rastleisten angeordnet, denen ein Riegelmittel aufweisender Auslösebügel zugeordnet ist. Die durch die V-Abkantung der Flansche der Innenschiene erreichte gedrungene, kompakte Baueinheit mit niedriger Bauhöhe kann damit auch dann eingehalten werden, wenn das Schubladen-Führungssystem mit einem Verriegelungsmechanismus versehen ist, da dieser außenliegend und nicht in dem Schienensystem selbst vorgesehen wird. Die Rastleisten können beispielsweise mit in einem bestimmten Teilungsmaß vorhandenen Bohrungen ausgebildet werden, in die Zapfen bzw. Bolzen des Auslösebügels zum Verriegelen eingerastet werden können. Dies läßt sich in einfacher Weise durch Betätigen des in Schwenkzapfen gelagerten Auslösebügels erreichen.

[0008] Weitere Einzelheiten und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus den Ansprüchen und aus der Beschreibung einer in den Zeichnungen schematisch dargestellten Ausführung der Erfindung. Es zeigen:
Fig. 1
1 als Einzelheit eines Schubladen-Führungssystems in perspektivischer Ansicht und ohne Schublade die beidseitigen Laufschienenanordnungen, ausgestattet mit einem mittels Auslösebügel zu betätigenden Verriegelungsmechanismus;
Fig. 2
die Anordnung gemäß Fig. 1 in schematischer Vorderansicht; und
Fig. 3
als Einzelheit in vergrößerter Darstellung die in Fig. 2 linksseitig angeordneten Führungsschienen mit Verriegelungsmechanismus.


[0009] Ein Führungs- und Laufsystem 1 für eine in Fig. 2 schematisch angedeutete Schublade 2 besteht gemäß Fig. 1 aus zwei entsprechend der Schubladenbreite parallel voneinander angeordneten, nach oben offenen Festschienen 3a, 3b und mit diesen verklammerten, oben aus den Festschienen 3a, 3b geringfügig hervorragenden (vgl. Fig. 3) Innenschienen 4a, 4b, die über stegartige Quertraversen 5 miteinander zu einem starren Verbund gekoppelt sind.

[0010] Wie sich deutlicher insbesondere der in Fig. 3 vergrößerten Darstellung der gezeigten linksseitigen Schienenanordnung entnehmen läßt, sind die Flansche 6a, 6b der Festschienen 3a (bzw. 3b) ausgehend vom Profilsteg 7 nach außen zu einem ersten Flanschabschnitt 8 abgekantet, der in einen zweiten, unter einem geringeren Winkel als der erste Flanschabschnitt 8 abgekanteten Zwischenflanschabschnitt 9 übergeht und dann in einem stegartigen, dazu gegenläufig nach innen abgekanteten Flanschabschnitt 10 endet. Die Innenschiene 4a (bzw. 4b) weist V-förmig gekantete Flansche 11a, 11b auf, wobei sowohl der erste V-Flanschabschnitt 12 als auch der zweite V-Flanschabschnitt 13 mit seinen ebenen, geraden Außenflächen für in den Abkantradien der Festschienen 3a bzw. 3b angeordnete Kugeln 14 die Laufflächen bereitstellt, so daß sich die Schublade 2 über die Innenschienen 4a, 4b einschieben bzw. herausziehen läßt.

[0011] Das Führungs- und Laufsystem ist mit einem außerhalb der gedrungenen, kompakten Schienenanordnung vorgesehenen Verriegelungsmechanismus ausgebildet. Zu diesem Zweck sind an den einander zugewandten, d.h. innenliegenden Flanschen 8 der beiden Festschienen 3a, 3b Rastleisten 15 angeordnet und mit einem Raster aus Bohrungen 16 (vgl. Fig. 1) versehen. Ein den Abstand zwischen den beiden Laufschienenpaaren überbrückender Auslösebügel 17 greift mit endseitig nach außen abgewinkelten, als Schwenkzapfen dienenden Bügelenden 18 in an den Außenstegflächen der Innenschienen 4a bzw. 4b befestigte Winkeleisen 19 ein und weist zudem an Endblechen 20 Verriegelungszapfen 21 auf. Zum Lösen der Verriegelung braucht der Auslösebügel 17 lediglich um die Bügelenden 18 verschwenkt zu werden, so daß die in den Fig. 2 und 3 in ihrer Verriegelungsposition gezeigten Zapfen 21 aus dem betreffenden Bohrungsloch 16 heraustreten, und sich danach die Innenschienen 4a, 4b auf den Kugeln 14 der Festschienen 3a, 3b bis in ihre gewünschte, neue Position bewegen lassen. Dort können die Zapfen 21 dann nach dem Freigeben des Auslösebügels 17 in das an dieser Stelle befindliche Bohrungsloch 16 eintauchen und die Schublade erneut verriegeln. Die Endposition der zum Freigeben der Zapfen 21 beim Entriegeln durch Verschwenken von dem Auslösebügel 17 eingenommene Schwenklage wird durch die in den Fig. 2 und 3 unteren Kreise 22 deutlich.

[0012] Es liegt somit ein gedrungenes, kompaktes Führungs- und Laufsystem 1 vor, dessen Kompakt-Bauweise durch den außerhalb der Schienen 3a, 3b bzw. 4a, 4b angeordneten Verriegelungsmechanismus unverändert bleibt, da der Verriegelungsmechanismus in einem ohnehin vorhandenen, ansonsten nicht ausgeschöpften Raum untergebracht ist.


Ansprüche

1. Führungs- und Laufsystem einer Schublade, die in einer Schienenanordnung auf Kugeln laufend einschieb- und herausziehbar ist,
dadurch gekennzeichnet, daß in entsprechend der Schubladenbreite parallel voneinander beabstandeten, mit den Kugeln (14) versehenen Festschienen (3a, 3b) komplementäre, die Schublade (2) tragende Innenschienen (4a, 4b) angeordnet sind, die den Kugeln (14) mit ebenen, geraden Laufflächen anliegen.
 
2. Führungs- und Laufsystem nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß die Festschiene (3a bzw. 3b) als in situ nach oben offenes Profil ausgebildet ist, dessen beidseitigen Flansche (6a, 6b) ausgehend vom Steg (7) einen nach außen abgekanteten ersten Flanschabschnitt (8), der in einen zweiten, unter einem geringeren Winkel als der erste Flanschabschnitt (8) abgekanteten Zwischenflanschabschnitt (9) übergeht, und einen stegartigen, dazu gegenläufig nach innen abgekanteten Flanschendabschnitt (10) aufweisen, wobei die Kugeln (14) jeweils in den Abkantradien angeordnet sind, und die in den Festschienen (3a, 3b) geführten komplementären Innenschienen (4a, 4b) mit V-förmig gekanteten Flanschen (11a, 11b) in die Festschienen (3a, 3b) hineinragen und mit jeweils der ebenen Außenfläche des ersten sowie zweiten V-Flanschabschnitts (12, 13) auf den ihnen zugewandten Kugeln (14) laufen.
 
3. Führungs- und Laufsystem nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die beiden Innenschienen (4a, 4b) über Quertraversen (5) miteinander verbunden sind.
 
4. Führungs- und Laufsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß an den einander zugewandten Flanschen (8) der beiden Festschienen (3a, 3b) mit Verriegelungsausnehmungen (16) ausgebildete Rastleisten (15) angeordnet sind, denen ein Riegelmittel (21) aufweisender Auslösebügel (17) zugeordnet ist.
 




Zeichnung













Recherchenbericht