[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Gestricken mit mehreren
Strickebenen auf einer Zweibett-Flachstrickmaschine.
[0002] Werden auf Flachstrickmaschinen mit zwei sich gegenüberliegenden Nadelbetten mittels
Zungen- oder Schiebernadeln Gestricke produziert, die für ihre Herstellung mehrere
Strickebenen benötigen, also beispielsweise Schlauch-Rund-Rippgestricke, Schlauch-Rund-Jacquard-Gestricke,
Schlauch-Rund-Gestricke mit integrierten Taschen oder dergleichen oder Gestricke mit
parallel angestrickten Teilen, beispielsweise einem Revers, so kann bisher in jedem
Nadelbett höchstens jede zweite Nadel Maschen für die betreffende Gestrickseite bilden,
da die dazwischen liegenden leeren Nadeln für die Erzeugung der zusätzlichen Strickebenen
benötigt werden. So müssen beispielsweise in den leeren Nadeln die Linksmaschen auf
dem jeweils gegenüberliegenden Nadelbett gebildet werden. Auch das Stricken der Jacquard-Motivrückseite
auf dem der Motivvorderseite gegenüberliegenden Nadelbett ist nur durch freie Nadeln
möglich. Dasselbe gilt für das Stricken der Strickebenen zur Bildung einer Taschenrückseite
oder eines Revers eines Gestricks.
[0003] Durch die Notwendigkeit, jede zweite Nadel freizulassen, entsprechen die so hergestellten
Gestrickstücke in ihrem Aussehen nicht den Normalgestricken der betreffenden Maschinenfeinheit,
bei denen jede Nadel zur Maschenerzeugung eingesetzt werden kann. Die Gestrickstücke
sind deshalb mit anderen Gestrickstücken derselben Maschinenfeinheit, zum Beispiel
mit Ärmeln, schwierig zu konfektionieren. Die Platinenmaschen sind deutlich vergrößert,
sodass die Gestrickstücke eine geringere Formstabilität und eine ausgeprägtere Dehnung
in Längsrichtung als in Querrichtung im Vergleich zu Gestricken, bei denen mit allen
Nadeln Maschen erzeugt werden, aufweisen.
[0004] Gestricke mit mehreren Strickebenen, bei denen jede Nadel eines Nadelbetts zur Maschenerzeugung
für eine Strickebene herangezogen werden kann, sind bisher nur auf Flachstrickmaschinen
mit vier Nadelbetten herstellbar. Strickmaschinen dieses Typs sind jedoch technisch
sehr anspruchsvoll und haben einen relativ hohen Kostensatz für eine Produktionsstunde,
was die Herstellung von Gestricken auf diesen Maschinen verteuert.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Möglichkeit zu schaffen,
auf einer Zweibett-Flachstrickmaschine Gestrickstücke mit mehreren Strickebenen erzeugen
zu können, wobei jede Nadel eines Nadelbetts zur Erzeugung von Maschen für die verschiedenen
Strickebenen eingesetzt werden kann.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren zur Herstellung von Gestricken
mit mehreren Strickebenen auf einer Zweibett-Flachstrickmaschine gelöst, wobei alle
Nadeln eines Nadelbetts zur Erzeugung von Maschen für eine Strickebene einsetzbar
sind, das gekennzeichnet ist durch die Schritte:
- Zur Bildung einer weiteren Strickebene werden die auf den dafür benötigten Stricknadeln
hängenden Maschen von diesen Stricknadeln zugeordneten Transferelementen übernommen,
- anschließend werden die Transferelemente mit den auf ihnen gehaltenen Maschen oder
das zugehörige Nadelbett um eine halbe Nadelteilung versetzt, sodass sich die Transferelemente
jeweils auf Lücke zu den Nadeln des Nadelbetts befinden,
- mit den von den Maschen befreiten Nadeln werden Maschen vom gegenüberliegenden Nadelbett
übernommen und Maschen für eine andere Strickebene gebildet,
- nach Abschluss des Strickvorgangs für die andere Strickebene werden die Maschen der
Nadeln wieder auf das gegenüberliegende Nadelbett zurückgehängt,
- die Transferelemente oder das zugehörige Nadelbett werden um eine halbe Nadelteilung
zurückversetzt, sodass sich die Transferelemente wieder über den Nadeln des zugehörigen
Nadelbetts befinden,
- die von den Transferelementen gehaltenen Maschen werden wieder von den Nadeln des
zugehörigen Nadelbetts übernommen,
- mit den Nadeln des Nadelbetts werden wieder Maschen für die ursprüngliche Strickebene
gebildet.
[0007] Mit diesem Verfahren können alle Gestricke, die für ihre Herstellung mehrere Strickebenen
benötigen, hergestellt werden, wobei alle Nadeln der beiden sich gegenüberliegenden
Nadelbetten für den Strickvorgang eingesetzt werden können. Zur Übertragung der auf
den zur Bildung der weiteren Strickebene benötigten Stricknadeln hängenden Maschen
auf die Transferelemente können die in den Nadeln hängenden Maschen durch Nadelaustriebs-
und/oder Rückzugsbewegungen auf der Nadelzunge oder bei Schiebernadeln auf dem Nadelschieber
platziert werden und anschließend die Transferelemente in die Maschen eingeführt und
die Nadeln aus den Maschen herausgezogen werden, sodass die Maschen allein auf dem
Transferelement hängen. Für die Platzierung der Maschen auf den Nadeln zur Übernahme
durch die Transferelemente gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Die Maschen können
durch eine Nadelvortriebs- und anschließende Nadelrückzugsbewegung auf den geschlossenen
Zungen der Nadel platziert werden. Die Maschen können jedoch auch durch eine Nadelvortriebsbewegung
auf den geöffneten Zungen der Nadeln platziert werden. Sowohl bei geöffneten als auch
bei geschlossenen Zungen werden die Maschen genügend gespannt, damit die Transferelemente
in die Maschen einstechen können.
[0008] Bei der Verwendung von Schiebernadeln können die Maschen durch eine Nadelvortriebsbewegung
bei geöffneten Schiebern und einer anschließenden Nadelrückzugsbewegung bei geschlossenen
Schiebern über den geschlossenen Schiebern platziert werden. Es ergeben sich dann
ähnliche Verhältnisse für den Umhängevorgang wie beim Platzieren der Maschen auf der
geschlossenen Zunge von Zungennadeln.
[0009] Die Erfindung betrifft außerdem nach einem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte
Gestricke in Form eines Schlauch-Rund-Rippengestricks, eines Schlauch-Rund-Jacquardgestricks,
eines Schlauch-Rund-Gestricks mit eingestrickter Tasche sowie eines Gestricks, das
ein Grundgestrick und ein Revers aufweist, wobei das Revers als Parallelteilgestrick
zum Grundgestrick erzeugt ist. Selbstverständlich sind jedoch auch weitere Gestricke
mit dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellbar.
[0010] Nachfolgend werden anhand der Zeichnungen eine Illustration eines erfindungsgemäßen
Verfahrens im Allgemeinen sowie anhand von Maschenverläufen Verfahren zur Herstellung
der beanspruchten vier Gestrickstücke detailliert beschrieben.
[0011] Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Teilquerschnitt durch das vordere und hintere Nadelbett einer Flachstrickma-
schine mit Transferelementen;
- Fig. 2
- einen Teilquerschnitt durch das vordere Nadelbett der Flachstrickmaschine aus Fig.
1 bei der Übergabe einer Masche auf ein Transferelement;
- Fig. 3
- einen der Fig. 2 entsprechenden Teilquer- schnitt durch das vordere Nadelbett nach
Versatz des Transferelements um eine halbe Nadelteilung;
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung eines auf Nadeln hängenden Maschenverbandes mit ei-
ner auf ein Transferelement übergebenen Masche;
- Fig. 5.0 - 5.12
- schematische Maschenverläufe eines Verfah- rens zur Herstellung eines Schlauch-Rund-
Rippengestricks,
- Fig. 6.0 - 6.12
- schematische Maschenverläufe eines Verfah- rens zur Herstellung eines Schlauch-Rund-
gestricks mit Zweifarb-Jacquardmusterung;
- Fig. 7.0 - 7.19
- schematische Maschenverläufe eines Verfah- rens zur Herstellung eines Schlauch-Rund-
gestricks mit eingestrickter Tasche;
- Fig. 8
- eine schematische Teilansicht eines Ge- strickstücks mit angestricktem Revers;
- Fig. 9.0 - 9.9
- schematische Maschenverläufe eines Verfah- rens zur Herstellung desjenigen Bereichs
des Gestricks aus Fig. 8, in dem das Re- vers eine konstante Breite aufweist;
- Fig. 10.0 - 10.15
- schematische Maschenverläufe eines Verfah- rens zur Herstellung desjenigen Bereichs
des Gestricks aus Fig. 8, in dem das Re- fers verbreitert wird;
- Fig. 11.0 - 11.15
- schematische Maschenverläufe eines Verfah- rens zur Herstellung desjenigen Bereichs
des Gestricks auf Fig. 8, in dem das Re- vers gemindert wird.
[0012] Fig. 1 zeigt das vordere und hintere Nadelbett 1, 2 einer Flachstrickmaschine im
Bereich der Maschen bildenden Elemente. Hiervon sind zwei Nadeln 3 und 4 sowie zugehörige
Transferelemente 5 und 6 gezeigt. In den Haken 31 und 41 der Nadeln 3 und 4 hängen
jeweils Maschen 7 und 9. Die Transferelemente 5 und 6 weisen Spitzen 51 und 61 auf,
mit denen sie in die Maschen 7 und 9 einstechen können, wie in Fig. 2 am Beispiel
des Transferelements 5 und der Masche 7 gezeigt ist. Das Transferelement 5 wurde hierzu
aus seiner in Fig. 1 gezeigten Ruheposition ausgetrieben, jedoch nur so weit, dass
die Mittellinie 100 der Strickmaschine nicht überschritten wird. Somit wird durch
die auf dem Transferelement 5 gehaltene Masche 7 eine Fadenzuführung für die Bildung
weitere Strickebenen nicht behindert.
[0013] In Fig. 3 ist das Maschentransferelement 5 gegenüber der Nadel 3 versetzt worden,
sodass die Nadel 3 neben der Masche 7 alle Strickfunktionen zum Bilden einer weiteren
Gestrickebene, beispielsweise Maschen bilden, Maschen übergeben oder Maschen übernehmen,
ausführen kann.
[0014] Fig. 4 zeigt den Verlauf einer Strickreihe 70 innerhalb eines Maschenverbandes 8.
Auf einer Nadel 3' befindet sich eine Masche 7' und auf der Nadel 3'' eine Masche
7''. Die Masche 7 befindet sich auf dem Maschentransferelement 5, das um eine halbe
Teilung Tlg gegenüber der Nadel 3 versetzt ist. Die Nadel 3 ist leer und kann zur
Bildung einer Masche für eine weitere Strickebene verwendet werden.
[0015] Die Fig. 5.0 bis 5.12 illustrieren die Herstellung eines Schlauch-Rund-Rippengestricks,
das über seinen gesamten Umfang verteilt einen Wechsel von drei Rechtsmaschen und
drei Linksmaschen aufweist. Die in den einzelnen Figuren gezeigten Verfahrensschritte
können teilweise entsprechend der Anzahl der Stricksysteme der Flachstrickmaschine
zusammengefasst werden, sodass das Gestrick mit einer minimalen Schlittenbewegung
herstellbar ist.
[0016] In Fig. 5.0 sind die Rechtsmaschen jeweils mit ausgefülltem Maschenkopf und die Linksmaschen
mit leerem Maschenkopf dargestellt. Die Rechtsmaschen des vorderen und hinteren Nadelbetts
V, H werden jeweils auf diesen Nadelbetten gebildet, die Linksmaschen auf dem jeweils
gegenüberliegenden Nadelbett. Gemäß Fig. 5.1 werden die Rechtsmaschen auf den Nadeln
a, b, c und g, h, i des hinteren Nadelbetts H jeweils auf Maschentransferelemente
übertragen, was durch die schrägen Pfeile angedeutet ist, die gleichzeitig auch das
Versetzen der Maschenelemente gegenüber den Nadeln a, b, c, g, h, i um eine halbe
Teilung nach rechts symbolisieren. Anschließend werden, wie Fig. 5.2 zeigt, die Linksmaschen
des vorderen Nadelbetts V auf die jetzt leeren Nadeln a, b, c, g, h, i des hinteren
Nadelbetts H umgehängt und anschließend gemäß Fig. 5.3 eine Strickreihe für den vorderen
Schlauchteil auf dem vorderen Nadelbett V gebildet. Die Rechtsmaschen entstehen dabei
auf dem vorderen Nadelbett V und die Linksmaschen auf dem hinteren Nadelbett H. Die
auf dem hinteren Nadelbett H gebildeten Linksmaschen werden dann gemäß Fig. 5.4 auf
das vordere Nadelbett V übergeben. Damit ist eine weitere Strickreihe auf dem vorderen
Nadelbett V für das Schlauch-Gestrick gebildet worden (Fig. 5.5). Anschließend werden
die auf die Transferelemente übernommenen Maschen des hinteren Nadelbetts H gemäß
Fig. 5.6 wieder auf die zugehörigen Nadeln a, b, c, g, h, i zurückgehängt.
[0017] Zur Bildung von Maschen für das hintere Teilgestrick werden dann gemäß Fig. 5.7 die
Rechtsmaschen des vorderen Nadelbetts auf Maschentransferelemente umgehängt und anschließend,
gemäß Fig. 5.8, die Linksmaschen des hinteren Nadelbetts H auf die jetzt freien Nadeln
des vorderen Nadelbetts V übergeben. Es kann dann eine Strickreihe für die hintere
Schlauchsektion gebildet werden. Die Rechtsmaschen entstehen dabei auf dem hinteren
Nadelbett H und die Linksmaschen auf dem vorderen Nadelbett V. Anschließend werden
die auf dem vorderen Nadelbett V gebildeten Linksmaschen auf die Nadeln des hinteren
Nadelbetts H zurückgehängt, womit sich das in Fig. 5.11 gezeigte Maschenbild für die
hintere Schlauchsektion ergibt. Danach werden die auf den Transferelementen gehaltenen
Maschen des vorderen Nadelbetts wieder auf die Nadeln des vorderen Nadelbetts V zurückgehängt,
wie Fig. 5.12 zeigt.
[0018] Durch die Schrittfolge der Fig. 5.0 bis 5.12 hat das Schlauch-Rund-Rippengestick
in der Höhe um eine Strickreihe zugenommen. Der Zyklus dieser Verfahrensschritte wird
solange wiederholt, bis die geforderte Länge des Gestrickstücks erreicht ist.
[0019] Die Fig. 6.0 bis 6.12 zeigen die Herstellung eines Schlauch-Rundgestricks mit einer
Zweifarb-Jacquardmusterung nach einem erfindungsgemäßen Verfahren. Für das Jacquardmotiv
der hinteren Schlauchgestricksektion wird die Rückseite auf dem vorderen Nadelbett
gebildet, und für das Jacquardmotiv der vorderen Schlauchgestricksektion wird die
Rückseite auf dem hinteren Nadelbett gebildet.
[0020] Gemäß Fig. 6.0 wird mit allen Nadeln des vorderen Nadelbetts V und mit allen Nadeln
des hinteren Nadelbetts H ein Schlauchrundgestrick gebildet. In Fig. 6.1 ist der erste
Schritt des Übergangs vom glatten Schlauchgestrick zum Schlauch-Jacquard-Gestrick
gezeigt. Sämtliche Maschen des hinteren Nadelbetts H werden auf Transferelemente übertragen
und anschließend die Transferelemente bezüglich der zugehörigen Nadeln um eine halbe
Nadelteilung nach rechts versetzt. Anschließend werden, wie Fig. 6.2 zeigt, in den
jetzt freien Nadeln des hinteren Nadelbetts H Fanghenkel eingelegt, während alle Nadeln
des vorderen Nadelbetts V Maschen bilden. In Fig. 6.3 ist gezeigt, wie anschließend
sämtliche Maschen des vorderen Nadelbetts V auf Transferelemente umgehängt werden.
Die frei gewordenen Nadeln übernehmen dann die Fanghenkel, die auf dem hinteren Nadelbett
H gebildet worden sind, wie Fig. 6.4 zeigt. Danach werden die auf den Transferelementen
hängenden Maschen des hinteren Nadelbetts in die jetzt freien Nadeln des hinteren
Nadelbetts H zurückgehängt (Fig. 6.5). In Fig. 6.6 ist dann gezeigt, wie für die hintere
Schlauchgestricksektion mit den Nadeln a bis e und j bis n die Jacquardsichtseite
mit einem Faden in einer ersten Farbe gebildet wird. Die Nadeln g und i des vorderen
Nadelbetts V bilden dabei die Jacquardrückseite.
[0021] Anschließend wird in Fig. 6.7 mit einem Faden in einer zweiten Farbe und mit den
Nadeln f bis i die Jacquardsichtseite in der zweiten Farbe gebildet. Die Nadeln A,
C, E, K, M des vorderen Nadelbetts V bilden dabei die Jacquardrückseite. Anschließend
werden alle Maschen der Jacquard-Musterreihe der hinteren Schlauchgestricksektion
gemäß Fig. 6.8 auf Transferelemente umgehängt und dann die Transferelemente um eine
halbe Teilung nach rechts versetzt. Die Maschen des hinteren Nadelbetts sind damit
frei, die Rückseite des Jacquardmotivs der vorderen Schlauchgestricksektion bilden
zu können. Dazu werden gemäß Fig. 6.9 zunächst alle Maschen des vorderen Nadelbetts
V auf die freien Nadeln des hinteren Nadelbetts H umgehängt. Dann werden die auf den
Transferelementen zwischengelagerten Maschen gemäß Fig. 6.10 auf die Nadeln des vorderen
Nadelbetts V zurückgehängt. In Fig. 6.11 ist dann gezeigt, wie für die vordere Schlauchgestricksektion
mit den Nadeln A bis E und J bis N die Jacquardsichtseite mit dem Faden der ersten
Farbe gebildet wird. Die Nadeln f und h des hinteren Nadelbetts H bilden die Jacquardrückseite.
In Fig. 6.12 ist dargestellt, wie für die vordere Schlauchgestricksektion mit den
Nadeln F bis I die Jacquardsichtseite mit dem Faden der zweiten Farbe gebildet wird.
Die Nadeln b, d, j, 1, n des hinteren Nadelbetts H bilden die Jacquardrückseite.
[0022] Die in den Fig. 6.3 bis 6.12 gezeigten Verfahrensschritte beschreiben die Bildung
einer Strickreihe des Jacquardmusters. Dieser Zyklus an Verfahrensschritten muss solange
wiederholt werden, bis das Jacquardmuster seine Rapporthöhe erreicht hat.
[0023] Die Fig. 7.0 bis 7.19 zeigen das Verfahren zur Herstellung eines Schlauch-Rund-Gestricks
mit einer eingestrickten Tasche auf der Vorderseite. Im Bereich der Tasche wird hier
für die Taschenrückseite eine zusätzliche Strickebene auf dem hinteren Nadelbett H
benötigt.
[0024] Fig. 7.0 zeigt das Schlauch-Rund-Gestrick, das mit allen Nadeln des vorderen und
hinteren Nadelbetts V, H gestrickt wird. In Fig. 7.1 ist der Übergang vom Glatt-Rechts-Gestrick
der vorderen Schlauchgestrickseite zur Gestrickebene der Tasche gezeigt. Dazu werden
die drei Maschen der Nadeln d, e, f auf Transferelemente umgehängt und anschließend
die Transferelemente um eine halbe Nadelteilung nach rechts versetzt. Anschließend
werden gemäß Fig. 7.2 mit den Nadeln des vorderen Nadelbetts Maschen und auf den leeren
Nadeln des hinteren Nadelbetts d, e, f Fanghenkel gebildet. Die Fanghenkel bilden
die Startreihe für die Taschenrückseite. In Fig. 7.3 ist dann gezeigt, wie die Maschen
der Nadeln D, E, F des vorderen Nadelbetts V auf Transferelemente umgehängt werden,
bevor in Fig. 7.4 das Umhängen der Fanghenkel vom hinteren Nadelbett H auf die jetzt
freien Nadeln D, E, F des vorderen Nadelbetts V erfolgt. In die dadurch leer werdenden
Nadeln d, e, f des hinteren Nadelbetts werden dann die auf den Transferelementen zwischengelagerten
Maschen des hinteren Nadelbetts H zurückgehängt (Fig. 7.5). Anschließend erfolgt in
Fig. 7.6 die Bildung einer Maschenreihe für die hintere Schlauchgestrickseite. Dann
werden wieder die Maschen im Bereich der Taschenrückseite (Nadeln d, e, f) des hinteren
Nadelbetts H auf Transferelemente umgehängt und dort gehalten (Fig. 7.7). Anschließend
werden die Maschen des vorderen Nadelbetts V von den Nadeln D, E, F auf die jetzt
leeren Nadeln des hinteren Nadelbetts H umgehängt. Auf die frei werdenden Nadeln des
vorderen Nadelbetts V werden dann die auf den Transferelementen gehaltenen Maschen
zurückgehängt (Fig. 7.9). Fig. 7.10 zeigt dann die Bildung von Maschen mit den Nadeln
A bis F auf dem vorderen Nadelbett. Dabei stricken die Nadeln A, B und C für die vordere
Schlauchseite und die Nadeln D, E, F für die Vorderseite der Tasche. In Fig. 7.11
ist gezeigt, wie anschließend für die Rückseite der Tasche mit den Nadeln d, e, f
des hinteren Nadelbetts Maschen gebildet werden. Anschließend werden mit den Nadeln
D bis I wieder auf dem vorderen Nadelbett V Maschen gebildet, wobei die Nadeln D bis
F wieder Maschen für die Vorderseite der Tasche und die Nadeln G bis E Maschen für
die Schlauchgestrickvorderseite bilden. Gemäß Fig. 7.13 werden dann die Maschen der
Taschenvorderseite D, E, F wieder auf Transferelementen zwischengelagert und anschließend
die gegenüberliegenden Maschen des hinteren Nadelbetts H auf die jetzt freien Nadeln
des vorderen Nadelbetts V umgehängt (Fig. 7.14). In Fig. 7.15 werden die auf den Transferelementen
zwischengelagerten Maschen wieder auf die leeren Nadeln d, e, f des hinteren Nadelbetts
H zurückgehängt. Anschließend werden in Fig. 7.16 mit allen Nadeln des hinteren Nadelbetts
H Maschen gebildet. Es folgt dann wieder das Weghängen der Maschen auf den Nadeln
d, e, f des hinteren Nadelbetts H auf Transferelemente (Fig. 7.18). Sodann werden
auf die dadurch leer gewordenen Nadeln die Maschen der gegenüberliegenden Nadeln des
vorderen Nadelbetts V umgehängt (Fig. 7.18), bevor die Nadeln A bis C und G bis I
des vorderen Nadelbetts V Maschen für das vordere Schlauchgestrick und die Nadeln
d bis f des hinteren Nadelbetts H Maschen für die Rückseite der Tasche bilden (Fig.
7.19).
[0025] Die Verfahrensschritte der Fig. 7.4 bis 7.19 beschreiben die Erzeugung von zwei Maschenreihen
auf der Vorder- und auf der Rückseite des Schlauchgestricks. Dieser Zyklus von Verfahrensschritten
muss solange wiederholt werden, bis die gewünschte Höhe der Tasche erreicht ist.
[0026] Fig. 8 zeigt einen Ausschnitt eines Gestricks 80, das aus einem Grundgestrick 81
und einem daran angestrickten Revers 82 besteht. Das Revers 82 ist dabei als 1:1-Parallelteilgestrick
zum Grundgestrick 81 erzeugt. Es besteht aus einem Bereich N konstanter Breite, zwei
Bereichen M, in denen die Gestrickbreite sich verringert, und aus zwei Bereichen V,
in denen sich die Gestrickbreite vergrößert.
[0027] Die Fig. 9.0 bis 9.9 zeigen den Maschenverlauf eines Herstellungsverfahrens für das
in Fig. 8 gezeigte Gestrick 80 im Bereich N, die Fig. 10.0 bis 10.15 in den Bereichen
V einer Zunahme des Revers und die Fig. 11.0 bis 11.15 in den Bereichen M, in denen
das Revers gemindert wird. In allen drei Figuren wird das Gestrick 80 unter Anwendung
eines erfindungsgemäßen Verfahrens auf einer Flachstrickmaschine mit zwei Nadelbetten
gebildet. Zur Erzeugung des Revers 82 müssen zusätzliche Gestrickebenen auf dem vorderen
und hinteren Nadelbett V, H geschaffen werden.
[0028] In Fig. 9.0 ist dargestellt, wie für das Grundgestrick 81 (Fig. 8) auf dem vorderen
Nadelbett V eine Maschenreihe gebildet wird. Anschließend werden gemäß Fig. 9.1 die
Maschen des Grundgestricks 81, die sich hinter dem Revers 82 befinden, von den Nadeln
des vorderen Nadelbetts V auf die Nadeln des hinteren Nadelbetts H übergeben. Diese
Maschen werden anschließend auf Transferelemente umgehängt und die Transferelemente
um eine halbe Nadelteilung nach rechts versetzt (Fig. 9.2). Die Maschen, die die beiden
Strickebenen des Revers 82 bilden, befinden sich auf Maschentransferelementen des
vorderen Nadelbetts V. Sie werden in Fig. 9.3 wieder an die zugehörigen Nadeln des
vorderen Nadelbetts V übergeben. In Fig. 9.4 ist dann gezeigt, wie die Maschen, die
die hintere Ebene des Revers 82 bilden, von den Nadeln des vorderen Nadelbetts V auf
die Nadeln des hinteren Nadelbetts H übergeben werden. Anschließend wird für das Revers
eine 1:1-Strickreihe gebildet (Fig.9.5). Danach werden die Maschen der hinteren Ebene
des Revers 82 von den Nadeln des hinteren Nadelbetts H auf Nadeln des vorderen Nadelbetts
V übergeben (Fig. 9.6). Gemäß Fig. 9.7 werden anschließend alle Maschen, die das Revers
bilden, von entsprechenden Transferelementen des vorderen Nadelbetts V übernommen
und um eine halbe Teilung nach rechts versetzt. In die jetzt frei gewordenen Nadeln
des hinteren Nadelbetts werden die auf den Transferelementen zwischengelagerten Maschen
zurückgehängt (Fig. 9.9) und anschließend auf die Nadeln des vorderen Nadelbetts übergeben
(Fig. 9.9). Nach dem Zyklus von Verfahrensschritten gemäß den Fig. 9.0 bis 9.9 ist
das Gestrickstück 80 im Grundgestrick 81 und im Revers 82 um eine Maschenreihe gewachsen.
Dieser Zyklus wird so lange wiederholt, bis das Gestrickstück 80 seine gewünschte
Länge erreicht hat oder das Revers 82 gemindert oder verbreitert werden muss.
[0029] In Fig. 10 ist ein Verfahren zur Verbreiterung des Revers 82 beschrieben. Dabei entsprechen
die Fig. 10.0 bis 10.5 exakt den Fig. 9.0 bis 9.5. In Fig. 10.6 ist dann gezeigt,
wie die Maschen, die die vordere Ebene des Revers 82 bilden, von den Nadeln des vorderen
Nadelbetts auf die Nadeln des hinteren Nadelbetts übergeben werden. Das hintere Nadelbett
wird anschließend um eine Teilung nach links versetzt und die vier äußeren Reversmaschen
auf das vordere Nadelbett V übergeben (Fig. 10.7). Anschließend wird das hintere Nadelbett
H wieder in Grundstellung gebracht und die Maschen für die hintere Ebene der versetzten
Sektion des Revers 82 auf das hintere Nadelbett übergeben (Fig. 10.8). Die Maschen
für die vordere Ebene der nicht versetzten Sektion des Revers 82 werden auf das vordere
Nadelbett übergeben (Fig. 10.9). Fig. 10.10 zeigt dann, wie für das um eine Nadel
verbreiterte Revers eine 1:1-Strickreihe gebildet wird. Die Nadel H des vorderen Nadelbetts
V bildet dabei einen Henkel. Anschließend werden die Maschen der hinteren Ebene des
Revers auf das vordere Nadelbett V übergeben (Fig. 10.11), bevor alle Maschen, die
das Revers bilden, von den entsprechenden Transferelementen des vorderen Nadelbetts
V übernommen und um eine halbe Teilung versetzt werden (Fig. 10.12). Die Maschen des
Grundgestricks 81 werden anschließend von den Transferelementen auf die zugehörigen
Nadeln des hinteren Nadelbetts H übergeben (Fig. 10.13) und dann auf das vordere Nadelbett
V übertragen (Fig. 10.14). Anschließend wird für das Grundgestrick auf dem vorderen
Nadelbett eine Strickreihe gebildet (Fig. 10.15).
[0030] Nach den Verfahrensschritten der Fig. 10.0 bis 10.15 ist das Gestrickstück 80 im
Grundgestrick 81 und im Revers 82 um zwei Reihen gewachsen und dabei das Revers 82
um eine Nadel verbreitert worden. Dieser Zyklus von Verfahrensschritten muss solange
wiederholt werden, bis die gewünschte Breite des Revers 82 erreicht ist.
[0031] Die Fig. 11.0 bis 11.15 zeigen dann ein entsprechendes Verfahren zur Minderung des
Revers 82. Dabei sind die Strickabläufe der Fig. 11.0 bis 11.5 identisch zu denjenigen
der Fig. 9.0 bis 9.5. In Fig. 11.6 ist dann gezeigt, wie die Maschen C und E der vorderen
Ebene des Revers 82 auf die Nadeln des hinteren Nadelbetts H übergeben werden. Danach
werden die Maschen der hinteren Ebene des Revers 82 auf die Nadeln des vorderen Nadelbetts
V übergeben (Fig. 11.7). Das hintere Nadelbett H wird dann um zwei Teilungen nach
rechts versetzt und die drei äußersten Reversmaschen auf das vordere Nadelbett V übergeben
(Fig. 11.8). Anschließend wird das hintere Nadelbett H wieder in Grundstellung gebracht
und die Maschen für die hintere Ebene des Revers auf die Nadeln des hinteren Nadelbetts
H übergeben (Fig. 11.9). Gemäß Fig. 11.10 wird anschließend für das um zwei Nadeln
verminderte Revers eine 1:1-Strickreihe gebildet. Dann werden die Maschen der hinteren
Ebene des Revers auf das vordere Nadelbett V übergeben (Fig. 11.11). Alle Maschen,
die das Revers bilden, werden dann vom vorderen Nadelbett V auf Transferelemente übernommen
und um eine halbe Teilung versetzt (Fig. 11.12). Danach werden die Maschen des Grundgestricks
von den den betreffenden Nadeln zugehörigen Maschentransferelementen wieder auf die
Nadeln des hinteren Nadelbetts H übergeben (Fig. 11.13) und anschließend auf das vordere
Nadelbett V übernommen (Fig. 11.14), bevor für das Grundgestrick auf dem vorderen
Nadelbett V eine Strickreihe gebildet wird (Fig. 11.15).
[0032] Nach dem Zyklus der Verfahrensschritte der Fig. 11.0 bis 11.15 ist das Gestrickstück
80 im Grundgestrick 81 und im Revers 82 um zwei Maschenreihen gewachsen. Gleichzeitig
ist das Revers 82 um zwei Nadeln gemindert worden. Dieser Zyklus von Verfahrensschritten
wird so lange wiederholt, bis das Revers 82 seine gewünschte Breite erreicht hat.
[0033] Die in den Fig. 5 bis 11 gezeigten Gestricke sind nur als Beispiele von Anwendungsmöglichkeiten
für das erfindungsgemäße Verfahren zu sehen. Dem Fachmann bietet das erfindungsgemäße
Verfahren die Möglichkeit, eine ganze Vielzahl von Gestricken zu realisieren.
1. Verfahren zur Herstellung von Gestricken mit mehreren Strickebenen auf einer Zweibett-Flachstrickmaschine,
wobei alle Nadeln eines Nadelbetts (V, H) zur Erzeugung von Maschen für eine Strickebene
einsetzbar sind,
gekennzeichnet durch die Schritte:
- Zur Bildung einer weiteren Strickebene werden die auf den dafür benötigten Stricknadeln
hängenden Maschen von diesen Stricknadeln zugeordneten Transferelementen (5, 6) übernommen,
- anschließend werden die Transferelemente (5, 6) mit den auf ihnen gehaltenen Maschen
oder das zugehörige Nadelbett (V, H) um eine halbe Nadelteilung (Tlg) versetzt, sodass
sich die Transferelemente (5, 6) jeweils auf Lücke zu den Nadeln des Nadelbetts (V,
H) befinden,
- mit den von den Maschen befreiten Nadeln werden Maschen vom gegenüberliegenden Nadelbett
(V, H) übernommen und Maschen für eine andere Strickebene gebildet,
- nach Abschluss des Strickvorgangs für die andere Strickebene werden die Maschen
der Nadeln wieder auf das gegenüberliegende Nadelbett (V, H) zurückgehängt,
- die Transferelemente (5, 6) oder das zugehörige Nadelbett (V, H) werden um eine
halbe Nadelteilung (Tlg) zurückversetzt, sodass sich die Transferelemente (5, 6) wieder
über den Nadeln des zugehörigen Nadelbetts (V, H) befinden,
- die von den Transferelementen (5, 6) gehaltenen Maschen werden wieder von den Nadeln
des Nadelbetts (V, H) übernommen,
- mit den Nadeln des Nadelbetts (V, H) werden wieder Maschen für die ursprüngliche
Strickebene gebildet.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass zur Übertragung der auf den zur Bildung der weiteren Strickebene benötigten Stricknadeln
hängenden Maschen auf die Transferelemente (5, 6) die in den Nadeln hängenden Maschen
durch Nadelaustriebs- und/oder Rückzugsbewegungen auf der Nadelzunge oder bei Schiebernadeln
auf dem Nadelschieber platziert werden und anschließend die Transferelemente (5, 6)
in die Maschen eingeführt und die Nadeln aus den Maschen herausgezogen werden, sodass
die Maschen allein auf den Transferelementen (5, 6) hängen.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Maschen durch eine Nadelvortriebs- und anschließende Nadelrückzugsbewegung auf
den geschlossenen Zungen der Nadeln platziert werden.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Maschen durch eine Nadelvortriebsbewegung auf einer geöffneten Zunge der Nadeln
platziert werden.
5. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass bei Verwendung von Schiebernadeln die Maschen durch eine Nadelvortriebsbewegung bei
geöffneten Schiebern und einer anschließenden Nadelrückzugsbewegung bei geschlossenen
Schiebern über den geschlossenen Schiebern platziert werden.
6. Gestrick, hergestellt nach einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass es ein Schlauch-Rund-Rippengestrick ist.
7. Gestrick, hergestellt nach einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass es ein Schlauch-Rund-Jacquardgestrick ist.
8. Gestrick, hergestellt nach einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass es ein Schlauch-Rund-Gestrick mit eingestrickter Tasche ist.
9. Gestrick, hergestellt nach einem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass es ein Grundgestrick (81) und ein Revers (82) aufweist, wobei das Revers (82) als
Parallelteilgestrick zum Grundgestrick (81) erzeugt ist.