[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Streuen von Streugut auf eine kontinuierlich
bewegte Unterlage gemäß Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Bei der Herstellung von Holzwerkstoffplatten, insbesondere Holzfaserplatten in einer
Anlage mit einer kontinuierlichen Stahlbandpresse besteht das Problem, daß es zu Streugutverdichtungen
kommen kann, die insbesondere bei hohen Rohdichten von 800 bis 1.100 N/mm
2 zu lokalen Beschädigungen der Stahlbänder der Stahlbandpressen führen können. Weiterhin
kann es in Vorrichtungen in denen sich ein Stoffstrom aus beleimten Holzpartikeln
oder Fasern bewegt, zu Anbackungen und Ablagerungen kommen, die dann plötzlich durch
Vibrationen oder andere Kräfte abgelöst werden und mit dem Stoffstrom mitgerissen
werden. Diese Ablagerungen bestehen meist aus einem Faser-Leim-Gemisch das durch die
lange Liegezeit bereits vollständig ausgehärtet ist. Diese Ablagerungen werden nachfolgend
als Leimknoten bezeichnet. Zusätzlich können sich im Stoffstrom auch Sandeinschlüsse
oder kleine Steine befinden, die vor der Streustation nicht ausgeschieden wurden.
Gelangen derartige Fremdkörper in die Stahlbandpresse, so führt dies ebenfalls zu
Beschädigungen der Stahlbänder der Presse.
[0003] Zum Vermeiden von derartigen Beschädigungen der Stahlbänder durch Streugutverdichtungen,
Leimknoten oder sonstigen Fremdkörpern sind verschiedene Vorrichtungen bekannt. Diese
sind überlicherweise zwischen der Austragswalzenanordnung des Dosierbunkers und der
Streukopfanordnung angeordnet.
[0004] Aus der DE-AS 11 74 058 sind gegensinnig rotierende Scheibenwalzen oder Stachelwalzen
bekannt, die am Umfang reihenförmig angeordnete Stachel aufweisen, die zwischen den
Stachelreihen der gegenüberliegenden Walze eingreifen.
[0005] Weiterhin sind aus der DE 43 02 850 Faserballen-Auflösewalzen bekannt, die gegensinnig
rotierend angetrieben sind. Die Walzen sind als Scheibenwellen mit aufgesetzten Zahnscheiben
ausgebildet. Diese Zahnscheiben weisen sogenannte Auflösezähne auf, die entgegen der
Drehrichtung sägezahnartig schräg gestellt sind, wobei die Auflösezähne der Walzen
ineinandergreifen und einen mäanderförmigen Spalt bilden. Durch die oben beschriebenen
bekannten Auflösewalzen kann eine Auflösung von Streugutverdichtungen erreicht werden.
[0006] Aus der DE 25 35 461 ist weiterhin eine Vorrichtung zum Aufstreuen von Mattenstreugut
auf eine bewegte Unterlage bekannt, bei der eine Anordnung von Scheibenwalzen vorgesehen
ist. Diese Scheibenwalzen werden alle gleichsinnig rotierend angetrieben und bilden
Streuschächte für Streugut unterschiedlicher Körnung. Zusätzlich zur Klassierung der
Streugutanteile werden Fremdkörper wie Leimklumpen, Splitter und so weiter hinter
der Scheibenwalze ausgetragen und in einer Rinne gesammelt.
[0007] Desweiteren ist aus der DE 42 12 017 eine Deckschichtstreuvorrichtung bekannt, die
unterhalb eines Blasregisters eine Siebvorrichtung aufweist, die einen Vibrationsantrieb
umfaßt. Durch diese Siebvorrichtung können ebenfalls Fremdkörper wie Leimknoten ausgeschieden
werden.
[0008] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher eine Vorrichtung zum Streuen von
Streugut derart weiterzubilden, daß eine qualitativ hochwertige Holzwerkstoffplatte
hergestellt werden kann.
[0009] Diese Aufgabe wird durch die in Patentanspruch 1 angegebenen kennzeichnenden Merkmale
gelöst.
[0010] Durch die Ausbildung der ersten Walze, die langsam rotiert und große Ausnehmungen
zwischen den Zähnen aufweist, wird eine gute Mitnahme des Materials, das aufgelöst
werden soll, erreicht. Die zweite Walze, die in etwa doppelt so viele Zähne aufweist
und wesentlich schneller rotiert, zieht nun bei Rotation die durch die erste Walze
mitgenommenen Fasern durch den Auflösespalt. Durch die Vielzahl der Zähne und die
schnelle Rotation wird eine gute Faserauflösung erreicht. Da die Walzen beim Betrieb
einem hohen Verschleiß unterliegen, ist es durch die auf die Walzen beabstandet angeordneten
Zahnscheiben einfach möglich, die verschlissenen Zahnscheiben auszutauschen.
[0011] In einer Weiterbildung des Erfindungsgedankens ist vorgesehen, daß die Hinterseite
der Zahnflanken in Drehrichtung gesehen geneigt sein kann. Dies hat den Vorteil, daß
das Material nachdem es durch die Walzen durchgekämmt wurde, leichter aus den Taschen
entweichen kann.
[0012] In einer besonders bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, daß die
Zahnscheiben radial nach außen verlaufend spitz bzw. leicht abgerundet ausgebildet
sind und die Walzen derart angeordnet sind, daß zwischen den Zahnscheiben der benachbarten
Walzen ein zickzackförmiger Spalt mit gleichem Spaltabstand entsteht. Durch diese
Ausbildung ist eine Einstellung des Spaltabstandes zwischen den Zahnscheiben durch
Veränderung des Abstandes der Walzen zueinander möglich.
[0013] In Fig. 1 ist schematisch eine Formstation 1 mit Dosierbunker 2, einer Auflösewalzenanordnung
3, einer Dosierbandwaage 4, einer Streukopfanordnung 5 und einem Formband 6, auf das
das Materialvlies 7 aus beleimten Fasern aufgestreut wird, dargestellt. Im Dosierbunker
2 wird der Stoffstrom, der vorzugsweise aus beleimten Fasern besteht, zwischengespeichert
und auf eine vorgesehene Austragsbreite verteilt. Als Stoffstrom sind in erster Linie
lignocellulosehaltige Teilchen unterschiedlicher Größe vorgesehen. Die beleimten Fasern
werden über eine Austragswalzenanordnung 8 des Dosierbunkers 2 auf die Auflösewalzenanordnung
3 aufgegeben, die aus zwei gegensinnig rotierend angetriebenen Walzen 9, 9' besteht.
Die Walzen 9, 9' sind, wie es aus der Fig. 2 ersichtlich ist, achsparallel in einer
waagrechten Ebene nebeneinander liegend angeordnet. Nähere Einzelheiten zur Ausführung
der Walzen 9, 9' sind anhand der Figuren 2 bis 5 beschrieben. Unterhalb der Auflösewalzenanordnung
3 ist eine zusätzliche Fördervorrichtung vorgesehen, die den Stoffstrom aus beleimten
Fasern einer Streukopfanordnung 5 zuführt. Die zusätzliche Fördervorrichtung ist dabei
als Dosierbandwaage 4 ausgebildet, die kontinuierlich eine regelbare Fördermenge in
die Streukopfanordnung 5 fördert, so daß je nach Plattendicke und -breite von der
Streukopfanordnung 5 eine vorgebbare Menge auf das Formband 6 streubar ist. Die Förderrichtung
des Formbandes 6 ist hier durch den Pfeil 10 dargestellt.
[0014] In einer weiteren nicht dargestellten Anordnung könnte die Faserauflösewalzenanordnung
3 auch zwischen der Fördervorrichtung 4 und der Streukopfanordnung 5 angeordnet sein.
Weiterhin könnte auch eine Formstation eingesetzt werden, die keine zusätzliche Fördervorrichtung
4 enthält, so daß die Faserauflösewalzenanordnung 3 zwischen dem Dosierbunker 2 und
der Streukopfanordnung angeordnet ist.
[0015] In den Figuren 2 und 3 ist eine erfindungsgemäße Ausführung einer Auflösewalzenanordnung
3 dargestellt, die aus zwei achsparallel angeordneten Walzen 9, 9' besteht. Die nachfolgend
beschriebene Auflösewalzenanordnung 3 ist wie bereits zu Fig. 1 beschrieben vorzugsweise
zur Herstellung von Faserplatten einsetzbar, wobei aus einem Dosierbunker beleimte
Fasern als Stoffstrom über eine Austragswalzenanordnung auf die Walze 9 aufgegeben
werden. Die Aufgabe des Stoffstromes auf die Walze 9 ist durch die Pfeile 11 dargestellt.
Die Walzen 9, 9' sind mit Zahnscheiben 12, 13 versehen, wobei die Zahnscheiben 12,
13 auf den Walzen 9, 9' axial beabstandet angeordnet sind. Zwischen den auf den Walzen
angeordneten benachbarten Zahnscheiben 12, 13 sind jeweils Distanzhülsen 14, 15 eingefügt.
[0016] Die Zahnscheiben 12, die axial beabstandet auf der Walze 9 angeordnet sind, ragen
wie es aus den Figuren 2 und 3 ersichtlich ist, in die Zwischenräume der auf der Walze
9' axial beabstandeten Zahnscheiben 13. Die Zahnscheibe 12 und die Zahnscheibe 13
sind an ihrem Umfang mit gleichmäßig über den Umfang verteilt angeordneten Zähnen
16, 17 versehen. Die Zähne 16, 17 sind im wesentlichen rechteckig ausgebildet und
sind radial verlaufend ausgebildet.
[0017] Wie es aus Fig. 2 bei der Zahnscheibe 13 ersichtlich ist, sind die Zähne 16, 17 in
Bezug auf eine durch den Mittelpunkt der Walze 9' und die Zahnmitte verlaufende Strahllinie
18 symmetrisch ausgebildet.
[0018] Wie es in Fig. 3 dargestellt ist, werden die Zähne 16, 17 durch stirnseitig vom Umfang
der Zahnscheibe 12, 13 eingebrachte Aussparungen 19, 20 gebildet. Die Teilung der
Zahnscheiben 13 ist dabei größer (im wesentlichen doppelt so groß) wie die Teilung
der Zahnscheiben 12. Dadurch entstehen zwischen den Zähnen 16 der Walze 9 wesentlich
größere Ausnehmungen als zwischen den Zähnen 17 der Walze 9'. In einer nicht dargestellten
Ausführungsvariante könnte die Teilung der Zahnscheiben 12 und 13 auch gleich sein.
Die Walze 9 und die Walze 9' werden, wie es durch die Pfeile 21 angedeutet ist, gegensinnig
rotierend angetrieben, wobei die Drehzahlen der Walzen 9 und 9' unterschiedlich groß
sind. Hierbei läuft die Walze 9 langsamer als die Walze 9'. In einer bevorzugten Ausführungsform
läuft die Walze 9 mit 200 bis 800 Umdrehungen pro Minute bevorzugt 400 bis 600 und
die Walze 9' mit 800 bis 2.500 Umdrehungen pro Minute bevorzugt 1.000 bis 1.400.
[0019] Wie es in der Figur 2 durch die Pfeile 11 dargestellt ist, wird der Faserstrom auf
die langsam drehende Walze 9 aufgegeben. In den breiten Aussparungen 19 werden die
Fasern aufgenommen und in Drehrichtung weitertransportiert, so daß die Walze 9 die
Funktion einer Transportwalze hat. Die schnell drehende Walze 9' taucht in die mit
Fasern beladene Walze 9 ein und zieht die Fasern des Faserstroms durch die zwischen
den Zahnscheiben 12, 13 gebildete Spalte. Durch die oben beschriebene Ausführung der
Walze 9', die eine Vielzahl von Zähnen 17 aufweist, und die wesentlich schneller rotiert,
wird eine Auflösung von Faserzusammenballungen im Faserstrom erreicht. Die Walze 9'
hat somit die Funktion einer Auflösewalze. Der Faserstrom gelangt anschließend auf
eine nicht dargestellte Streuwalzenanordnung und kann als Faservlies gestreut werden
oder gelangt zunächst auf eine weitere Fördervorrichtung.
[0020] In den Figuren 4 und 5 ist jeweils eine weitere Ausführungsform von Auflösewalzenanordnungen
3 dargestellt, die wie zuvor beschrieben ebenfalls aus zwei gegensinnig rotierend
angeordneten Auflösewalzen 9, 9' mit auf den Walzen angeordneten Zahnscheiben 24,
25 bzw. 26, 27 bestehen. Im Unterschied zu der zuvor beschriebenen Auflösewalzenanordnung
gemäß den Figuren 2 und 3 sind die Zahnscheiben ohne Distanzhülsen auf die Walzen
9, 9' aufgezogen.
[0021] Damit die Zahnscheiben ineinandergreifend zusammenwirken können, sind die Zahnscheiben
wie es aus der Draufsicht der Auflösewalzenanordnung 3 ersichtlich ist, radial nach
außen verlaufend spitz (Fig. 4) oder radial nach außen verlaufend abgerundet ausgebildet
(Fig. 5). Die gegenüberliegend angeordneten Walzen 9, 9' mit aufgezogenen Zahnscheiben
24, 25 bzw. 26, 27 sind derart angeordnet, daß zwischen den Zahnscheiben der benachbarten
Walzen 9, 9' ein zickzackförmiger gleichmäßiger Spalt 29 entsteht.
[0022] Wie es durch die Doppelpfeile 28 dargestellt ist, kann der zickzackförmige Spalt
29 durch Veränderung des Abstandes der Walzen 9, 9' eingestellt werden. Somit kann
eine Anpassung an unterschiedlich aufzulösende Fasern erreicht werden.
[0023] In einer weiteren, nicht dargestellten Ausführungsform könnte auch vorgesehen sein,
daß die Walzen 9, 9' der Auflösewalzenanordnung achsparallel angeordnet sind und wobei
eine durch die Mittelachsen der Walzen 9, 9' verlaufende Ebene zu einer waagrechten
Ebene einen Winkel von 30° bis 90°, vorzugsweise von 45° bis 75° aufweist.
[0024] Bei dieser Anordung der Walzen 9, 9' tritt der Stoffstrom in horizontaler Richtung
aus der Auflösewalzenanordnung 3 aus. Durch die in vertikaler Richtung auf den Stoffstrom
wirkenden Gravitationskräfte bewegt sich der Stoffstrom in einer Wurfparabel aus der
Auflösewalzenanordnung 3.
[0025] In Abhängigkeit von der kinetischen Energie der Partikel des Stoffstroms bewegen
sich die Partikel des Stoffstroms in einer unterschiedlichen Wurfparabel aus der Auflösewalzenanordnung,
so daß unerwünschte Fremdkörper von dem restlichen Faserstrom separiert werden können.
[0026] Die unerwünschten Fremdkörper, die mit hoher Geschwindigkeit in einer flachen Parabel
die Auflösewalzenanordnung 3 verlassen, können in einem separaten Schacht aufgefangen,
und somit von dem restlichen Faserstrom getrennt werden. Mittels einer Förderschnecke
im Schacht oder einer schräg ausgebildeten Bodenplatte des Schachtes können die Fremdkörper
entnommen und entsorgt werden. Der Faserstrom hingegen trifft auf die unterhalb der
Auflösewalzenanordnung 3 angeordnete Streukopfanordnung bzw. Dosierbandwaage auf und
wird nachfolgend zu einem Faservlies gestreut.
1. Vorrichtung zum Streuen von Streugut auf eine kontinuierlich bewegte Unterlage im
Zuge der Herstellung von Holzwerkstoffplatten, mit zumindest zwei gegensinnig rotierend
angeordneten Walzen, die mit Zahnscheiben versehen sind, wobei die Zahnscheiben benachbarter
Walzen ineinandergreifend zusammenwirken, dadurch gekennzeichnet, daß die Zahnscheiben (12) der ersten Walze (9) in axiale Zwischenräume der Zahnscheiben
(13) der zweiten Walze (9') hineinragen und die Zähne (16, 17) der Zahnscheiben (12,
13) radial nach außen gerichtet sind, und wobei die erste Walze (9) langsamer rotiert
als die zweite Walze (9').
2. Vorrichtung zum Streuen von Streugut nach Anspruch 1, wobei die Teilung der Zahnscheibe
(13) der zweiten Walze (9') größer ist als die Teilung der Zahnscheibe (12) der ersten
Walze (9).
3. Vorrichtung zum Streuen von Streugut nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Zahnscheiben
(12, 13) auf den Walzen (9, 9') durch Hülsen (14, 15) axial beabstandet sind.
4. Vorrichtung zum Streuen von Streugut nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Zähne (16,
17) der Zahnscheiben (12, 13) radialverlaufend spitz oder abgerundet ausgebildet sind
und die Walzen (9, 9') derart angeordnet sind, daß zwischen den Zahnscheiben (12,
13) ein zickzackförmiger Spalt entsteht.
5. Vorrichtung zum Streuen von Streugut nach Anspruch 4, wobei die Walzen (9, 9') zueinander
verstellbar angeordnet sind.
6. Vorrichtung zum Streuen von Streugut nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei
die Zähne (16, 17) der Zahnscheiben (12, 13) in Bezug auf eine durch den Mittelpunkt
der Walze (9, 9') und der Zahnmitte verlaufende Strahllinie (18) symmetrisch ausgebildet
sind.
7. Vorrichtung zum Streuen von Streugut nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei
die durch die Zähne (16) definierten Hinterseiten (in Drehrichtung gesehen) der Zahnflanken
radial nach außen verlaufend verjüngend ausgebildet sind.
8. Vorrichtung zum Streuen von Streugut nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei
die durch die Zähne (16) definierten Vorderseiten der Zahnflanken in Drehrichtung
nach vorne geneigt ausgebildet sind.