Gebiet der Erfindung
[0001] Die Erfindung befindet sich auf dem Gebiet der Leuchtmittel und betrifft die Verwendung
von Fettsäureestem, enthaltend lineare und/oder verzweigte Fettsäuren mit 6 bis 14
Kohlenstoffatomen und lineare und/oder verzweigte Alkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen
als Lampenöle, Grillanzünder, gelartige Kerzen oder Fackeln.
Stand der Technik
[0002] Lampenöle ebenso wie Petroleum, flüssige Grillanzünder, gelförmige Kerzen oder Fackeln
enthalten vorwiegend als Inhaltsstoffe Paraffine, die wegen Ihrer physikalisch-chemischen
Eigenschaften als gefährlich und gesundheitsschädlich eingestuft wurden.
Russentwicklung und Entwicklung haut- und augenreizender Verbrennungsprodukte mit
negativer Auswirkung auf die Atmungsorgane, insbesondere bei Erkrankungen des Bronchialsystems
reichen teilweise bis zur Auslösung von Asthmaanfällen. Auch Lungenkomplikationen
bei versehentlicher Aspiration von Leuchtpetroleum gelten als Gründe der zunehmenden
Bedenken gegenüber Lampenpetroleum.
Unter diesen Umständen wurde vielfach nach Ersatzstoffen für Leuchtpetroleum gesucht,
die die o. g. Nachteile nicht aufweisen, gleichzeitig aber sparsam im Verbrauch sind
und eine Petroleum vergleichbare Leuchtkraft und -wirkung aufweisen.
So wurde in der Patentschrift
DE 197 16911 C1 die Verwendung von Fettderivaten ausgewählt aus der Gruppe enthaltend Fettsäureglyceriden,
Fettsäureestem, Fettalkoholen und Guerbetalkoholen mit einem Erstarrungspunkt kleiner
0°C, einer lodzahl unter 20 und einer Oberflächenspannung von mehr als 25 nM/m als
Lampenöle offenbart. Die gute Brennbarkeit, d. h. geringe Tendenz zum Russen und die
Geruchsneutralität, die bei tierischen oder ungesättigten, ranzig gewordenen Fetten
häufig nachteilig war, wurde zwar durch die beschriebenen Ersatzstoffe gewährleistet,
die Gefahr eines Gesundheitsschadens beim Verschlucken bleibt jedoch bestehen. Kleinkinder
halten bunte und duftende Lampenöle oftmals für trinkbar. Die Zierlampen zu Dekorationszwecken
sind meist aus durchsichtigem Glas, wodurch die Farbe und zusätzlich der Duft die
Öle besonders attraktiv erscheinen lassen und so zum Verzehr verleiten. Nach den bisherigen
Erkenntnissen trinken die Kleinkinder meist aus den ungesicherten, in Reichweite stehenden
Öllampen. Deshalb bieten die vorgeschriebenen kindergesicherten Verschlüsse und Warnhinweise
auf den Nachfüllbehältem keinen ausreichenden Schutz. Bedingt durch eine sehr niedrige
Viskosität, geringe Oberflächenspannung und relativ niedrigen Dampfdruck kann sich
beim Verschlucken die Flüssigkeit in die Atemwege ausbreiten ("hineinkriechen") und
dort schwere chemische Lungenentzündungen auslösen. Auch wenn Erbrechen von verschluckten
Lampenöl als "Entgiftungsmaßnahme" ausgelöst wird, kann eine Ausbreitung in die Atemwege
erfolgen.
[0003] Bei Kinder genügen bereits kleinste Mengen (weniger als 1g = das Saugen am Docht)
um schwerwiegende Lungenkomplikationen auszulösen. Leitsymptom einer Vergiftung ist
ein unmittelbarer, anhaltender Husten. Es kann - auch verzögert - zu Erbrechen und
schwerer Atemnot kommen. Folgeschäden können in schweren Fällen noch nach 8 - 14 Jahren
nachweisbar sein und die Lungenfunktion deutlich mindern.
[0004] In Deutschland wurden bis Ende 1996 dem BgVV 130 Fälle gemeldet. In drei Fällen führten
die Vergiftungen zum Tod, in mehr als der Hälfte der Fälle wurden schwere chemische
Lungenentzündungen registriert, zum Teil mit schwerwiegenden weiteren Gesundheitsschäden.
Daher wurden von der EU kürzlich neue Richtlinien erlassen, die eine Kennzeichnungspflicht
beinhalten.
[0005] Bedingt durch die neuen gesetzlichen Regelungen, wurden Industrieweit potentielle
Substitute gesucht.
Sehr schnell konnten dann Methylester auf Basis Rapsöl bzw. Kokos/Palmkemöl als Alternative
entwickelt werden. Auch die Offenlegungsschrift
DE 197 00 161 A1 beschreibt den Einsatz von Fettsäuremethylestern oder einer Mischung von Fettsäuremethylestern
als Ersatz von Leuchtpetroleum in Öllampen. Neben den zwar befriedigenden Produkteigenschaften
(Viskosität, Rußen, Verharzen) spricht jedoch die Hydrolyseanfälligkeit gegen diese
Produktgruppe:
Nach dem Verschlucken kann im Magen / Darmtrakt durch eine enzymatische / saure Spaltung
Methanol freigesetzt werden, welches ein sehr hohes toxikologisches Potential hat.
[0006] Die komplexe Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es daher, bei gleichzeitiger
Beibehaltung des guten Brennverhaltens gesundheitlich unbedenklichere Leuchtmittel
zur Verfügung zu stellen, die beim Verschlucken keine Lungenentzündungen hervorrufen
und im Magen/Darmtrakt keine toxikologisch bedenklichen Stoffe freisetzen. Gleichzeitig
sollten die Lampenöle über eine möglichst geringe Eigenfärbung sowie über Geruchsneutralität
verfügen und auf Basis nachwachsender, pflanzlicher Rohstoffe hergestellt werden können.
Beschreibung der Erfindung
[0007] Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung von Fettsäureestern enthaltend lineare
und/oder verzweigte Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und lineare und/oder
verzweigte Alkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen als Leuchtmittel.
[0008] Überraschenderweise wurde gefunden, dass diese Fettsäureester bei versehentlicher
Anwesenheit in der Lunge, z. B. durch Verschlucken, eine gute Verträglichkeit aufweisen.
Neben der besseren gesundheitlichen Verträglichkeit - so setzen sie auch in Anwesenheit
des sauren Magensaftes beim Verschlucken kein Methanol frei - weisen sie trotzdem
gute anwendungstechnische Eigenschaften auf. Sie verbrennen mit einer rußfreien Flamme,
neigen nicht zum Verharzen, sind aufgrund ihrer niedrigen Viskosität sehr anwendungsfreundlich
und lassen sich als farblose bis leicht gelbliche und geruchsneutrale Flüssigkeit
leicht durch Zusatz von Duft- und/oder Farbstoffen Käuferwünschen anpassen.
Während kurzkettige Fettsäureester einen starken Eigengeruch und langkettige ungeeignete
Brenneigenschaften wie z.B. starkes Rußen aufweisen, eignet sich der Bereich von 6
bis 10 Kohlenstoffatomen pro Alkohol und Fettsäure auch aufgrund der Viskosität der
Fettsäureester. Bei einigen Fettderivaten, insbesondere bei Triglyceriden, wie beispielsweise
Olivenöl, Leinöl, oder auch Sesamöl, stellt sich das Problem einer stark rußenden
Flamme, da die lodzahl oberhalb von 20 liegt, und einer sehr hohen Viskosität.
Fettsäureester
[0009] Unter Fettsäureestern sind im Rahmen der vorliegenden Erfindung Ester der in der
Formel (I) aufgeführten Fettsäuren mit linearen oder verzweigten, gesättigten oder
ungesättigten Alkoholen mit 6 bis 14 C-Atomen zu verstehen. Es können jedoch auch
Ester der Fettsäuren mit mehrwertigen Alkoholen verwendet werden. Vorzugsweise werden
die Ester der C
6 bis C
10-Fettsäuren mit C
7 bis C
9 Alkoholen. Besonders bevorzugt werden Ester der C
8-Fettsäuren mit verzweigten, unverzweigten, gesättigten oder ungesättigten C
8 Alkoholen. Als Fettsäurekomponenten eignen sich insbesondere technische Gemische
von Fettsäuren gemäß Formel (I) sowie vorzugsweise die aus Palmkem-, und/oder Kokosöl
gewonnenen Fettsäureschnitte. Bevorzugt ist die Verwendung von Estern aus C
8-Fettsäuren und C
8-Alkoholen, insbesondere bevorzugt ist die Verwendung von 2-Ethyl-1-hexyl-octanoat
(Edeno® LPL).
[0010] Unter Fettsäuren sind dabei aliphatische Carbonsäuren der Formel
(I) zu verstehen,
R1CO-OH (I)
in der R
1CO für einen aliphatischen, linearen oder verzweigten Acylrest mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen
und 0 und/oder 1 oder 2 Doppelbindungen steht.
Typische Beispiele sind Capronsäure, Caprylsäure, Caprinsäure, Laurinsäure, Myristinsäure
sowie deren technische Mischungen, die z.B. bei der Druckspaltung von natürlichen
Fetten und Ölen, bei der Reduktion von Aldehyden aus der Roelen'schen Oxosynthese
oder der Dimerisierung von ungesättigten Fettsäuren anfallen. Besonders bevorzugt
sind 2-Ethylhexansäure, iso-Octansäuren und n-Octansäure. Die Zusammensetzung der
Fettsäuremischungen in den besonders bevorzugten Fettsäureestem liegt bei:
| C6 - Fettsäuren |
< 10 Gew. % |
| C8 - Fettsäuren |
> 80 Gew. % |
| C10 - Fettsäuren |
< 10 Gew. % |
| C12 - Fettsäuren |
< 10 Gew. % |
| C14- Fettsäuren |
< 10 Gew. % |
[0011] Unter Fettalkoholen sind primäre aliphatische Alkohole der Formel
(II) zu verstehen,
R1OH (II)
[0012] in der R
1 für einen aliphatischen, linearen oder verzweigten Kohlenwasserstoffrest mit 6 bis
10 Kohlenstoffatomen und 0 und/oder 1 oder 2 Doppelbindungen steht.
Typische Beispiele sind Capronalkohol, Caprylalkohol, Caprinalkohol, iso-Octylalkohol,
iso-Heptylalkohol, iso-Nonylalkohol, iso-Decylalkohol, sowie deren technische Mischungen,
die z.B. bei der Hochdruckhydrierung von technischen Methylestern auf Basis von Fetten
und Ölen oder Aldehyden aus der Roelen'schen Oxosynthese sowie als Monomerfraktion
bei der Dimerisierung von ungesättigten Fettalkoholen anfallen. Besonders bevorzugt
sind 2-Ethylhexanol, iso-Octanol und n-Octanol. In Bezug auf die Reinheit enthält
die Alkoholkomponente der Fettsäureester vorzugsweise mindestens 90 Gew. %, insbesondere
mindestens 95 Gew. % C
8-Alkohole.
Erfindungsgemäß können auch beliebige Mischungen der aufgeführten Fettsäuren und -alkohole
eingesetzt werden. Die erfindungsgemäß einzusetzenden Bestandteile sind vorzugsweise
farb- und geruchlos.
Toxikologische Untersuchungen an der Lunge
[0013] Mit einem unabhängigen Institut wurde eine neue Methode zur Detektion des Lungengefährdungspotentials
entwickelt, um die pulmonale Unbedenklichkeit der erfindungsgemäßen Fettsäureester
beim Verschlucken zu zeigen. Die Untersuchungen wurden an einem in-vitro Modell der
perfundierten Lunge [vergl, auch Uhlig, S. 1998, The isolated perfused lung. In: Methods
in Pulmonary Research, S. Uhlig and A. E. Taylor, eds. Birkhäuser, Basel, CH, S. 29-55;
Uhlig, S., Held, H.D., Göggel, R.; Applications of isolated perfused lungs; S. 41-
54; 36
th Scientific Meeting (GV-Solas), Proceedings of a Workshop on Isolated Perfused Organs
(Hamburg 1998)] vorgenommen. Die Technik der isolierten perfundierten Lunge beinhaltet
die Entnahme der Lunge aus dem Thorax begleitet von extrakorporaler Perfusion durch
die Lungenartherien und künstlicher Beatmung. Die Lunge wird unter physiologischen
Bedingungen über 8 Stunden am Leben erhalten. Atmungsmechanismus, insbesondere Lungenwiderstand
und Compliance, Ödembildung, Gasaustausch und Gefäßmechanismen werden aufgezeichnet
und kontrolliert.
Methode
[0014] Die Untersuchungen wurden mit drei unterschiedlichen Dosierungsstufen (2 µl, 10 µl
und 25 µl) durchgeführt. Eingesetzt wurden ein herkömmliches Lampenöl auf Paraffinbasis,
ein Methylfettsäureester mit langkettigen Fettsäuren und ein C8/C8-Fettsäureester
(2-Ethyl-1-hexyloctanoat):
- HE 324 -
- Handelsübliches Paraffinlampenöl (CRYSTAL Lampenöl, Batch-Nr.: B8166, Gottfried Schmalfuss,
GmbH, Kerpen)
- HE 372 -
- Kokos/Palmkernmethylester (EDENOR® MEC12-70, Batch-Nr.: MV 989, Cognis Deutschland
GmbH)
- HE 384 -
- C8/C8 Fettsäureester (EDENOR® LPL, Batch-Nr. 10059, Cognis Deutschland GmbH)
[0015] Nach der Präparation aus anästhesierten 8 Wochen alten Wistarratten wurden die Lungen
über die Pulmonalartherie blutfrei perfundiert. Die perfusion erfolgte rezirkulierend
mit Krebs- Henseleit-Puffer (37°C, 2gew. % Albumin oder 0,1 gew.% homologes Serum,
0,1% Glukose, 0,3% HEPES, Gesamtvolumen 100 ml) bei einem konstanten hydrostatischen
Druck (12 cm H
2O) durch die Pulmonalarterie, was zu einer Perfusatflußgeschwindigkeit von etwa 25
ml/min führte. Die Lungen wurden an der Trachea aufgehängt und normalerweise per Unterdruck
80 Atemzügen/min und einem Atemzugvolumen zwischen 1.6 und 2 ml beatmet. Alle 5 min.
wurde ein tiefer Atemzug (Seufzer, 16 cm H
2O) ausgelöst. Der Druck in der künstlichen Thoraxkammer wurde mit einem Differenzdruckaufnehmer
(DP 45-14; Validyne Corp., Northride, CA, USA), die Luftflußgeschwindigkeit (Validyne
DP 45-15) gemessen. Der Perfusatfluß, sowie der arterielle und der venöse Druck wurden
kontinuierlich aufgezeichnet. Der pH-Wert des Perfusates wurde auf 7.35 eingestellt.
Das Lungengewicht wurde mit dem Gewichtsaufnehmer HSE LS30 (Hugo Sachs Elektronik,
March-Hugstetten, Germany) gemessen.
Die Lungen wurden zunächst für 30 Minuten unter Kontrollbedingungen perfundiert und
mit Überduck beatmet. Nach 30 Minuten wurden die Lungen kurz vom Beatmungsgerät abgehängt
und Öl oder Salzlösung als Vergleich wurden mit einer stumpfen Kanüle über die Trachea
in die Lunge instilliert. Um das Instillat in der Lunge besser zu verteilen, wurden
die Lungen anschließend noch für 5 Minuten mit Überdruck beatmet. Anschließend wurde
die Beatmung für den Rest des Versuches wieder auf Unterdruckbeatmung umgestellt.
Ergebnisse
[0016] Die als Vergleich durchgeführte Instillation von 10 µl Salzlösung oder Mazola Speiseöl
hatte keinen Einfluss auf die untersuchten Lungenfunktionen. Im Gegensatz dazu führte
bereits die Instillation von 2 µl HE 324 (Paraffinöl) oder HE 372 (Kokos/Palmkemmethylester)
zu einer doppelt so starken Gewichtszunahme wie in den Kontrollungen beobachtet (Tabelle
1). Wurden 10 µl oder 25 µl von einem dieser beiden Öle instilliert, so führte dies
zu einer dramatischen Verschlechterung der Lungenfunktionen. Diese Verschlechterung
verlief so schnell, dass diese Lungen innerhalb von 20 Minuten vollständig ödematisch
waren. Sobald Schaum aus der Trachea austrat, wurde das Experiment beendet. Daher
zeigt sich eine höhere Toxizität der Öle nicht unbedingt in einer größeren Gewichtszunahme,
sondern eher darin dass das Maximalgewicht schneller erreicht wurde. Die Instillation
von C8/C8-Fettsäureester führte im Vergleich zu den beiden anderen Ölen stets zu einer
geringeren Gewichtszunahme. Bei einer Dosis von 2 µl unterschied sich die Gewichtszunahme
nicht von der in Kontrollungen.
Tablelle 1:
| Gewichtszunahme 20 min. nach Ölinstillation, die minimale Compliance und die minimale
Atemwegsleitfähigkeit (Conductance) |
| Öl |
Anzahl Versuche (Ölmenge) |
Gewichtszunahme nach 20 min [g] |
Minimale Compliance [ml cmH2O-1 ] |
Minimale Conductance [ml cmH2O-1 s-1 ] |
| Kontrolle (Salzlösung oder |
4 (10 µl) |
0,17 ± 0,07 |
0,27 ± 0,05 |
3,43 ± 0,16 |
| Mazola Speiseöl) |
|
|
|
|
| HE 324 (Paraffinöl) |
3 (2 µl) |
0,26 ± 0,09 |
0,24 ± 0,17 |
2,99 ± 1,25 |
| |
3 (10 µl) |
0,99 ± 0,56 |
0 ± 0 |
0.±.0 |
| |
3 (25 µl) |
1,34 ± 0,54 |
0 ± 0 |
0 ± 0 |
| HE 384 |
4 (2 µl) |
0,13 ± 0,06 |
0,27 ± 0,14 |
3,49 ± 0,18 |
| (C8/C8-Fettsäureester) |
4 (10 µl) |
0,40 ± 0,20 |
0,27 ± 0,14 |
3,61 ± 1,22 |
| |
5 (25 µl) |
0,69 ± 0,35 |
0,10 ± 0,09 |
0,79 ± 0,72 |
| HE 372 |
3 (2 µl) |
0,38 ± 0,03 |
0,21 ± 0,04 |
3,20 ± 0,18 |
| (Kokos/Palmkemmethylester) |
3 (10 µl) |
1,39 ± 0,16 |
0,09 ± 0,16 |
1,13 ± 1,95 |
| |
3 (25 µl) |
1,34 ± 0,46 |
0 ± 0 |
0 ± 0 |
[0017] Abbildung 1 zeigt die Dosis-Wirkungskurven, so wie sie der Gewichtszunahme 20 min.
nach Gabe der Öle entsprechen. Es zeigt sich, dass die erfindungsgemäßen Ester (HE
384) bei allen drei untersuchten Dosen weniger giftig ist, als die anderen Öle. Die
EC
50-Werte zeigen, dass HE 384 etwa 5-mal weniger giftig ist als das handelsübliche Paraffinöl
(HE324) (Tabelle 1).
Tabelle 2:
| Log EC50-Werte für die Öl-induzierte Ödembildung der drei untersuchten Öle mit Standardfehlern |
| Öl |
Log EC50 [µl] |
| HE 372 (Kokos/Palmkernmethylester) |
0,49 ± 0,15 |
| HE 324 (Paraffinöl) |
0,84 ± 0,20 |
| HE 384 (C8/C8-Fettsäureester) |
1,52 ± 0,22 |
[0018] Die Ödembildung (Gewichtszunahme der Lunge) ist der empfindlichste Parameter für
die durch Lampenöl ausgelösten Schäden. Trotzdem wurden auch die Leitfähigkeit der
Atemwege (pulmonary conductance, das Reziproke des Atemwiderstandes) und die Lungencompliance
untersucht, die ebenfalls für die erfindungsgemäßen Fettsäureester am besten ausfallen.
Untersuchungen zur Haut- und Schleimhautverträglichkeit
[0019] Des weiteren wurde die Haut- und Schleimhautverträglichkeit von herkömmlichem Paraffinlampenöl
(HE 324) gegen den erfindungsgemäßen Ester (HE 384) am Bovine Udder Skin Modell (BUS-Model)
untersucht. An Rindereutern wird die Verträglichkeit von Substanzen, vorwiegend Kosmetika
auf Haut und Schleimhaut getestet. Das Gefäßsystem eines im Schlachthaus vorbehandelten
Rindereuters wird im Labor an eine Perfusionseinheit der herkömmlichen Transplantationsmedizin
angeschlossen. Über eine Nährlösung wird das Euter inklusive Haut und Schleimhaut
des Euters über mindestens 8 Stunden unter physiologischen Bedingungen am Leben gehalten.
Eine biochemische und physikalische Kontrolle stellt die Lebensfähigkeit sicher. Irritationen
und Penetrationen in die Haut können unter realistischen Bedingungen beobachtet und
gemessen werden [vergl. auch Pittermann W.F., Förster, Th., Schmitt, M., Kietzmann
M.; The Bovine Udder system (BUS-model) in cosmetic research; S. 13 - 15; 36
th Scientific Meeting (GV-Solas), Proceedings of a Workshop on Isolated Perfused Organs
(Hamburg 1998)].
Die Hautverträglichkeit nach halbstündlicher Exposition bei offener Applikation war
für beide Substanzen gut. Auch die Schleimhautverträglichkeit ist für beide Substanzen
gleichgut (Exposition 0.5 h, semiokklusive Applikation).
Gewerbliche Anwendbarkeit
[0020] Die erfindungsgemäßen Fettsäureester lassen sich als Leuchtmittel beliebig einsetzen,
dazu zählen herkömmliche Lampenöle, die in Docht-, Düsen- und Verdampfergeräten eingesetzt
werden, gelartige Kerzen, Fackeln oder flüssige und feste Grillanzünder einsetzen.
Je nach Viskosität der jeweiligen Anwendung werden die Fettsäureester durch Zugabe
von Verdickern eingestellt oder Materialien mit den entsprechenden Estern getränkt.
Duft- und Farbstoffe lassen sich sehr gut einarbeiten, da die Fettsäureester einen
außerordentlich geringen Eigengeruch besitzen. Des weiteren verfügen sie über eine
gute Farbstabilität auch bei erhöhten Temperaturen und sie verbrennen rückstandsfrei.
Verdicker
[0021] Geeignete Verdickungsmittel sind beispielsweise Polysaccharide, insbesondere Xanthan-Gum,
Guar-Guar, Agar-Agar, Alginate und Tylosen, Carboxy-methylcellulose und Hydroxyethylcellulose,
ferner höhermolekulare Polyethylenglycolmono- und -diester von Fettsäuren, Polyacrylate,
(z.B. Carbopole® von Goodrich oder Synthalene® von Sigma), Polyacrylamide, Polyvinylalkohol
und Polyvinylpyrrolidon, Tenside wie beispielsweise ethoxylierte Fettsäureglyceride,
Ester von Fettsäuren mit Polyolen wie beispielsweise Pentaerythrit oder Trimethylolpropan,
Fettalkoholethoxylate mit eingeengter Homologenverteilung oder Alkyloligoglucoside.
Besonders bevorzugt wird Polypropylenglycol als Verdickungsmittel eingesetzt. Die
Verdickungsmittel können in einer Menge von 0 bis 25, vorzugsweise 5 bis 20 Gew.-%,
bezogen auf das Fettderivat, eingesetzt werden.
Duftstoffe
[0022] Als Duftstoffe zur Herstellung von Lampenölen und/ oder Grillanzündern mit verschiedenen
Geruchsnoten lassen sich Parfümöle einsetzen. Als Parfümöle seien beispielhaft genannt
die Extrakte von Blüten (Lavendel, Rosen, Jasmin, Neroli), Stengeln und Blättern (Geranium,
Patchouli, Petitgrain), Früchten (Anis, Koriander, Kümmel, Wacholder), Fruchtschalen
(Bergamotte, Zitrone, Orangen), Wurzeln (Macis, Angelica, Sellerie, Kardamon, Costus,
Iris, Calmus), Hölzern (Sandel-, Guajak-, Zedern-, Rosenholz), Kräutern und Gräsern
(Estragon, Lemongras, Salbei, Thymian), Nadeln und Zweigen (Fichte, Tanne, Kiefer,
Latschen), Harzen und Balsamen (Galbanum, Elemi, Benzoe, Myrrhe, Olibanum, Opoponax).
Weiterhin kommen tierische Rohstoffe in Frage, wie beispielsweise Moschus, Zibet und
Castoreum. Als synthetische bzw. halbsynthetische Parfümöle kommen Ambroxan, Eugenol,
Isoeugenol, Citronellal, Hydroxycitronellal, Geraniol, Citronellol, Geranylacetat,
Citral, lonon und Methylionon in Betracht.
[0023] Daneben lassen sich Duftstoffe einsetzen, wie sie bereits in der GB 0001679 aus dem
Jahre 1855 beschrieben sind.
Farbstoffe
[0024] Als Farbstoffe können die für kosmetische Zwecke geeigneten und zugelassenen Substanzen
verwendet werden, wie sie beispielsweise in der Publikation
"Kosmetische Färbemittel" der Farbstoffkommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft,
Verlag Chemie, Weinheim, 1984, S.81-106 zusammengestellt sind. Diese Farbstoffe werden üblicherweise in Konzentrationen von
0,001 bis 0,1 Gew.-%, bezogen auf die gesamte Mischung, eingesetzt.
1. Verwendung von Fettsäureestern enthaltend lineare und/oder verzweigte Fettsäuren mit
6 bis 14 Kohlenstoffatomen und lineare und/oder verzweigte Alkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen
als Leuchtmittel.
2. Verwendung von Fettsäureestern nach Anspruch 1 enthaltend lineare und/oder verzweigte
Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und Fettalkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen
als Grillanzünder.
3. Verwendung von Fettsäureestem nach Anspruch 1 enthaltend lineare und/oder verzweigte
Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und Fettalkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen
als Lampenöl.
4. Verwendung von Fettsäureestern nach Anspruch 1 enthaltend lineare und/oder verzweigte
Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und Fettalkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen
als gelartige Kerzen.
5. Verwendung von Fettsäureestem nach Anspruch 1 enthaltend lineare und/oder verzweigte
Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und Fettalkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen
als Fackeln.
6. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Acylkomponente der Fettsäureester zu mindestens 80 Gew. % von Fettsäuren
mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen ableitet.
7. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Acylkomponente der Fettsäureester zu mindestens 80 Gew. % von Fettsäuren
mit 8 Kohlenstoffatomen ableitet.
8. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Acylkomponente der Fettsäureester zu mindestens 80 Gew. % aus 2-Ethylhexansäure
oder n-Octansäure zusammensetzt.
9. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Alkoholkomponente der Fettsäureester zu mindestens 90 Gew. % von Alkoholen
mit 8 Kohlenstoffatomen ableitet.
10. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Alkoholkomponente der Fettsäureester zu mindestens 90 Gew. % aus Alkoholen
ableitet, die ausgewählt sind aus der Gruppe, die gebildet wird von Iso-Octanol, n-Octanol
und 2-Ethyl-Hexanol.
11. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 10 dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei den Fettsäureestern um 2-Ethyl-1-hexyl-octanoat handelt.
12. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Fettsäureester zusammen mit Verdickern und/oder Farb- und/ oder Duftstoffen eingesetzt
werden.