(19)
(11) EP 1 149 888 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
31.10.2001  Patentblatt  2001/44

(21) Anmeldenummer: 00108817.8

(22) Anmeldetag:  26.04.2000
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7: C10L 11/04
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(71) Anmelder: Cognis Deutschland GmbH
40589 Düsseldorf (DE)

(72) Erfinder:
  • Hübner, Norbert
    40597 Düsseldorf (DE)
  • Pittermann, Wolfgang, Dr.
    40625 Düsseldorf (DE)
  • Heck Stephan
    50259 Pulheim (DE)
  • Uhlig Stefan
    23816 Leezen-Holst (DE)

   


(54) Verwendung von Fettsäureestern als Leuchtmittel


(57) Vorgeschlagen wird die Verwendung von Fettsäureestern enthaltend lineare und/oder verzweigte Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und linearen und/oder verzweigten Alkoholen mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen als Leuchtmittel. Insbesondere Fettsäureestem enthaltend C8-Fettsäuren und C8-Alkohole eignen sich durch ihre gute toxikologische Verträglichkeit zur Verwendung als Lampenöle, gelartige Kerzen, Grillanzünder oder Fackeln.


Beschreibung

Gebiet der Erfindung



[0001] Die Erfindung befindet sich auf dem Gebiet der Leuchtmittel und betrifft die Verwendung von Fettsäureestem, enthaltend lineare und/oder verzweigte Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und lineare und/oder verzweigte Alkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen als Lampenöle, Grillanzünder, gelartige Kerzen oder Fackeln.

Stand der Technik



[0002] Lampenöle ebenso wie Petroleum, flüssige Grillanzünder, gelförmige Kerzen oder Fackeln enthalten vorwiegend als Inhaltsstoffe Paraffine, die wegen Ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften als gefährlich und gesundheitsschädlich eingestuft wurden.
Russentwicklung und Entwicklung haut- und augenreizender Verbrennungsprodukte mit negativer Auswirkung auf die Atmungsorgane, insbesondere bei Erkrankungen des Bronchialsystems reichen teilweise bis zur Auslösung von Asthmaanfällen. Auch Lungenkomplikationen bei versehentlicher Aspiration von Leuchtpetroleum gelten als Gründe der zunehmenden Bedenken gegenüber Lampenpetroleum.
Unter diesen Umständen wurde vielfach nach Ersatzstoffen für Leuchtpetroleum gesucht, die die o. g. Nachteile nicht aufweisen, gleichzeitig aber sparsam im Verbrauch sind und eine Petroleum vergleichbare Leuchtkraft und -wirkung aufweisen.
So wurde in der Patentschrift DE 197 16911 C1 die Verwendung von Fettderivaten ausgewählt aus der Gruppe enthaltend Fettsäureglyceriden, Fettsäureestem, Fettalkoholen und Guerbetalkoholen mit einem Erstarrungspunkt kleiner 0°C, einer lodzahl unter 20 und einer Oberflächenspannung von mehr als 25 nM/m als Lampenöle offenbart. Die gute Brennbarkeit, d. h. geringe Tendenz zum Russen und die Geruchsneutralität, die bei tierischen oder ungesättigten, ranzig gewordenen Fetten häufig nachteilig war, wurde zwar durch die beschriebenen Ersatzstoffe gewährleistet, die Gefahr eines Gesundheitsschadens beim Verschlucken bleibt jedoch bestehen. Kleinkinder halten bunte und duftende Lampenöle oftmals für trinkbar. Die Zierlampen zu Dekorationszwecken sind meist aus durchsichtigem Glas, wodurch die Farbe und zusätzlich der Duft die Öle besonders attraktiv erscheinen lassen und so zum Verzehr verleiten. Nach den bisherigen Erkenntnissen trinken die Kleinkinder meist aus den ungesicherten, in Reichweite stehenden Öllampen. Deshalb bieten die vorgeschriebenen kindergesicherten Verschlüsse und Warnhinweise auf den Nachfüllbehältem keinen ausreichenden Schutz. Bedingt durch eine sehr niedrige Viskosität, geringe Oberflächenspannung und relativ niedrigen Dampfdruck kann sich beim Verschlucken die Flüssigkeit in die Atemwege ausbreiten ("hineinkriechen") und dort schwere chemische Lungenentzündungen auslösen. Auch wenn Erbrechen von verschluckten Lampenöl als "Entgiftungsmaßnahme" ausgelöst wird, kann eine Ausbreitung in die Atemwege erfolgen.

[0003] Bei Kinder genügen bereits kleinste Mengen (weniger als 1g = das Saugen am Docht) um schwerwiegende Lungenkomplikationen auszulösen. Leitsymptom einer Vergiftung ist ein unmittelbarer, anhaltender Husten. Es kann - auch verzögert - zu Erbrechen und schwerer Atemnot kommen. Folgeschäden können in schweren Fällen noch nach 8 - 14 Jahren nachweisbar sein und die Lungenfunktion deutlich mindern.

[0004] In Deutschland wurden bis Ende 1996 dem BgVV 130 Fälle gemeldet. In drei Fällen führten die Vergiftungen zum Tod, in mehr als der Hälfte der Fälle wurden schwere chemische Lungenentzündungen registriert, zum Teil mit schwerwiegenden weiteren Gesundheitsschäden. Daher wurden von der EU kürzlich neue Richtlinien erlassen, die eine Kennzeichnungspflicht beinhalten.

[0005] Bedingt durch die neuen gesetzlichen Regelungen, wurden Industrieweit potentielle Substitute gesucht.
Sehr schnell konnten dann Methylester auf Basis Rapsöl bzw. Kokos/Palmkemöl als Alternative entwickelt werden. Auch die Offenlegungsschrift DE 197 00 161 A1 beschreibt den Einsatz von Fettsäuremethylestern oder einer Mischung von Fettsäuremethylestern als Ersatz von Leuchtpetroleum in Öllampen. Neben den zwar befriedigenden Produkteigenschaften (Viskosität, Rußen, Verharzen) spricht jedoch die Hydrolyseanfälligkeit gegen diese Produktgruppe:
Nach dem Verschlucken kann im Magen / Darmtrakt durch eine enzymatische / saure Spaltung Methanol freigesetzt werden, welches ein sehr hohes toxikologisches Potential hat.

[0006] Die komplexe Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es daher, bei gleichzeitiger Beibehaltung des guten Brennverhaltens gesundheitlich unbedenklichere Leuchtmittel zur Verfügung zu stellen, die beim Verschlucken keine Lungenentzündungen hervorrufen und im Magen/Darmtrakt keine toxikologisch bedenklichen Stoffe freisetzen. Gleichzeitig sollten die Lampenöle über eine möglichst geringe Eigenfärbung sowie über Geruchsneutralität verfügen und auf Basis nachwachsender, pflanzlicher Rohstoffe hergestellt werden können.

Beschreibung der Erfindung



[0007] Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung von Fettsäureestern enthaltend lineare und/oder verzweigte Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und lineare und/oder verzweigte Alkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen als Leuchtmittel.

[0008] Überraschenderweise wurde gefunden, dass diese Fettsäureester bei versehentlicher Anwesenheit in der Lunge, z. B. durch Verschlucken, eine gute Verträglichkeit aufweisen. Neben der besseren gesundheitlichen Verträglichkeit - so setzen sie auch in Anwesenheit des sauren Magensaftes beim Verschlucken kein Methanol frei - weisen sie trotzdem gute anwendungstechnische Eigenschaften auf. Sie verbrennen mit einer rußfreien Flamme, neigen nicht zum Verharzen, sind aufgrund ihrer niedrigen Viskosität sehr anwendungsfreundlich und lassen sich als farblose bis leicht gelbliche und geruchsneutrale Flüssigkeit leicht durch Zusatz von Duft- und/oder Farbstoffen Käuferwünschen anpassen.
Während kurzkettige Fettsäureester einen starken Eigengeruch und langkettige ungeeignete Brenneigenschaften wie z.B. starkes Rußen aufweisen, eignet sich der Bereich von 6 bis 10 Kohlenstoffatomen pro Alkohol und Fettsäure auch aufgrund der Viskosität der Fettsäureester. Bei einigen Fettderivaten, insbesondere bei Triglyceriden, wie beispielsweise Olivenöl, Leinöl, oder auch Sesamöl, stellt sich das Problem einer stark rußenden Flamme, da die lodzahl oberhalb von 20 liegt, und einer sehr hohen Viskosität.

Fettsäureester



[0009] Unter Fettsäureestern sind im Rahmen der vorliegenden Erfindung Ester der in der Formel (I) aufgeführten Fettsäuren mit linearen oder verzweigten, gesättigten oder ungesättigten Alkoholen mit 6 bis 14 C-Atomen zu verstehen. Es können jedoch auch Ester der Fettsäuren mit mehrwertigen Alkoholen verwendet werden. Vorzugsweise werden die Ester der C6 bis C10-Fettsäuren mit C7 bis C9 Alkoholen. Besonders bevorzugt werden Ester der C8-Fettsäuren mit verzweigten, unverzweigten, gesättigten oder ungesättigten C8 Alkoholen. Als Fettsäurekomponenten eignen sich insbesondere technische Gemische von Fettsäuren gemäß Formel (I) sowie vorzugsweise die aus Palmkem-, und/oder Kokosöl gewonnenen Fettsäureschnitte. Bevorzugt ist die Verwendung von Estern aus C8-Fettsäuren und C8-Alkoholen, insbesondere bevorzugt ist die Verwendung von 2-Ethyl-1-hexyl-octanoat (Edeno® LPL).

[0010] Unter Fettsäuren sind dabei aliphatische Carbonsäuren der Formel (I) zu verstehen,

        R1CO-OH   (I)

in der R1CO für einen aliphatischen, linearen oder verzweigten Acylrest mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und 0 und/oder 1 oder 2 Doppelbindungen steht.
Typische Beispiele sind Capronsäure, Caprylsäure, Caprinsäure, Laurinsäure, Myristinsäure sowie deren technische Mischungen, die z.B. bei der Druckspaltung von natürlichen Fetten und Ölen, bei der Reduktion von Aldehyden aus der Roelen'schen Oxosynthese oder der Dimerisierung von ungesättigten Fettsäuren anfallen. Besonders bevorzugt sind 2-Ethylhexansäure, iso-Octansäuren und n-Octansäure. Die Zusammensetzung der Fettsäuremischungen in den besonders bevorzugten Fettsäureestem liegt bei:
C6 - Fettsäuren < 10 Gew. %
C8 - Fettsäuren > 80 Gew. %
C10 - Fettsäuren < 10 Gew. %
C12 - Fettsäuren < 10 Gew. %
C14- Fettsäuren < 10 Gew. %


[0011] Unter Fettalkoholen sind primäre aliphatische Alkohole der Formel (II) zu verstehen,

        R1OH   (II)



[0012] in der R1 für einen aliphatischen, linearen oder verzweigten Kohlenwasserstoffrest mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen und 0 und/oder 1 oder 2 Doppelbindungen steht.
Typische Beispiele sind Capronalkohol, Caprylalkohol, Caprinalkohol, iso-Octylalkohol, iso-Heptylalkohol, iso-Nonylalkohol, iso-Decylalkohol, sowie deren technische Mischungen, die z.B. bei der Hochdruckhydrierung von technischen Methylestern auf Basis von Fetten und Ölen oder Aldehyden aus der Roelen'schen Oxosynthese sowie als Monomerfraktion bei der Dimerisierung von ungesättigten Fettalkoholen anfallen. Besonders bevorzugt sind 2-Ethylhexanol, iso-Octanol und n-Octanol. In Bezug auf die Reinheit enthält die Alkoholkomponente der Fettsäureester vorzugsweise mindestens 90 Gew. %, insbesondere mindestens 95 Gew. % C8-Alkohole.
Erfindungsgemäß können auch beliebige Mischungen der aufgeführten Fettsäuren und -alkohole eingesetzt werden. Die erfindungsgemäß einzusetzenden Bestandteile sind vorzugsweise farb- und geruchlos.

Toxikologische Untersuchungen an der Lunge



[0013] Mit einem unabhängigen Institut wurde eine neue Methode zur Detektion des Lungengefährdungspotentials entwickelt, um die pulmonale Unbedenklichkeit der erfindungsgemäßen Fettsäureester beim Verschlucken zu zeigen. Die Untersuchungen wurden an einem in-vitro Modell der perfundierten Lunge [vergl, auch Uhlig, S. 1998, The isolated perfused lung. In: Methods in Pulmonary Research, S. Uhlig and A. E. Taylor, eds. Birkhäuser, Basel, CH, S. 29-55; Uhlig, S., Held, H.D., Göggel, R.; Applications of isolated perfused lungs; S. 41- 54; 36th Scientific Meeting (GV-Solas), Proceedings of a Workshop on Isolated Perfused Organs (Hamburg 1998)] vorgenommen. Die Technik der isolierten perfundierten Lunge beinhaltet die Entnahme der Lunge aus dem Thorax begleitet von extrakorporaler Perfusion durch die Lungenartherien und künstlicher Beatmung. Die Lunge wird unter physiologischen Bedingungen über 8 Stunden am Leben erhalten. Atmungsmechanismus, insbesondere Lungenwiderstand und Compliance, Ödembildung, Gasaustausch und Gefäßmechanismen werden aufgezeichnet und kontrolliert.

Methode



[0014] Die Untersuchungen wurden mit drei unterschiedlichen Dosierungsstufen (2 µl, 10 µl und 25 µl) durchgeführt. Eingesetzt wurden ein herkömmliches Lampenöl auf Paraffinbasis, ein Methylfettsäureester mit langkettigen Fettsäuren und ein C8/C8-Fettsäureester (2-Ethyl-1-hexyloctanoat):
HE 324 -
Handelsübliches Paraffinlampenöl (CRYSTAL Lampenöl, Batch-Nr.: B8166, Gottfried Schmalfuss, GmbH, Kerpen)
HE 372 -
Kokos/Palmkernmethylester (EDENOR® MEC12-70, Batch-Nr.: MV 989, Cognis Deutschland GmbH)
HE 384 -
C8/C8 Fettsäureester (EDENOR® LPL, Batch-Nr. 10059, Cognis Deutschland GmbH)


[0015] Nach der Präparation aus anästhesierten 8 Wochen alten Wistarratten wurden die Lungen über die Pulmonalartherie blutfrei perfundiert. Die perfusion erfolgte rezirkulierend mit Krebs- Henseleit-Puffer (37°C, 2gew. % Albumin oder 0,1 gew.% homologes Serum, 0,1% Glukose, 0,3% HEPES, Gesamtvolumen 100 ml) bei einem konstanten hydrostatischen Druck (12 cm H2O) durch die Pulmonalarterie, was zu einer Perfusatflußgeschwindigkeit von etwa 25 ml/min führte. Die Lungen wurden an der Trachea aufgehängt und normalerweise per Unterdruck 80 Atemzügen/min und einem Atemzugvolumen zwischen 1.6 und 2 ml beatmet. Alle 5 min. wurde ein tiefer Atemzug (Seufzer, 16 cm H2O) ausgelöst. Der Druck in der künstlichen Thoraxkammer wurde mit einem Differenzdruckaufnehmer (DP 45-14; Validyne Corp., Northride, CA, USA), die Luftflußgeschwindigkeit (Validyne DP 45-15) gemessen. Der Perfusatfluß, sowie der arterielle und der venöse Druck wurden kontinuierlich aufgezeichnet. Der pH-Wert des Perfusates wurde auf 7.35 eingestellt. Das Lungengewicht wurde mit dem Gewichtsaufnehmer HSE LS30 (Hugo Sachs Elektronik, March-Hugstetten, Germany) gemessen.
Die Lungen wurden zunächst für 30 Minuten unter Kontrollbedingungen perfundiert und mit Überduck beatmet. Nach 30 Minuten wurden die Lungen kurz vom Beatmungsgerät abgehängt und Öl oder Salzlösung als Vergleich wurden mit einer stumpfen Kanüle über die Trachea in die Lunge instilliert. Um das Instillat in der Lunge besser zu verteilen, wurden die Lungen anschließend noch für 5 Minuten mit Überdruck beatmet. Anschließend wurde die Beatmung für den Rest des Versuches wieder auf Unterdruckbeatmung umgestellt.

Ergebnisse



[0016] Die als Vergleich durchgeführte Instillation von 10 µl Salzlösung oder Mazola Speiseöl hatte keinen Einfluss auf die untersuchten Lungenfunktionen. Im Gegensatz dazu führte bereits die Instillation von 2 µl HE 324 (Paraffinöl) oder HE 372 (Kokos/Palmkemmethylester) zu einer doppelt so starken Gewichtszunahme wie in den Kontrollungen beobachtet (Tabelle 1). Wurden 10 µl oder 25 µl von einem dieser beiden Öle instilliert, so führte dies zu einer dramatischen Verschlechterung der Lungenfunktionen. Diese Verschlechterung verlief so schnell, dass diese Lungen innerhalb von 20 Minuten vollständig ödematisch waren. Sobald Schaum aus der Trachea austrat, wurde das Experiment beendet. Daher zeigt sich eine höhere Toxizität der Öle nicht unbedingt in einer größeren Gewichtszunahme, sondern eher darin dass das Maximalgewicht schneller erreicht wurde. Die Instillation von C8/C8-Fettsäureester führte im Vergleich zu den beiden anderen Ölen stets zu einer geringeren Gewichtszunahme. Bei einer Dosis von 2 µl unterschied sich die Gewichtszunahme nicht von der in Kontrollungen.
Tablelle 1:
Gewichtszunahme 20 min. nach Ölinstillation, die minimale Compliance und die minimale Atemwegsleitfähigkeit (Conductance)
Öl Anzahl Versuche (Ölmenge) Gewichtszunahme nach 20 min [g] Minimale Compliance [ml cmH2O-1 ] Minimale Conductance [ml cmH2O-1 s-1 ]
Kontrolle (Salzlösung oder 4 (10 µl) 0,17 ± 0,07 0,27 ± 0,05 3,43 ± 0,16
Mazola Speiseöl)        
HE 324 (Paraffinöl) 3 (2 µl) 0,26 ± 0,09 0,24 ± 0,17 2,99 ± 1,25
  3 (10 µl) 0,99 ± 0,56 0 ± 0 0.±.0
  3 (25 µl) 1,34 ± 0,54 0 ± 0 0 ± 0
HE 384 4 (2 µl) 0,13 ± 0,06 0,27 ± 0,14 3,49 ± 0,18
(C8/C8-Fettsäureester) 4 (10 µl) 0,40 ± 0,20 0,27 ± 0,14 3,61 ± 1,22
  5 (25 µl) 0,69 ± 0,35 0,10 ± 0,09 0,79 ± 0,72
HE 372 3 (2 µl) 0,38 ± 0,03 0,21 ± 0,04 3,20 ± 0,18
(Kokos/Palmkemmethylester) 3 (10 µl) 1,39 ± 0,16 0,09 ± 0,16 1,13 ± 1,95
  3 (25 µl) 1,34 ± 0,46 0 ± 0 0 ± 0


[0017] Abbildung 1 zeigt die Dosis-Wirkungskurven, so wie sie der Gewichtszunahme 20 min. nach Gabe der Öle entsprechen. Es zeigt sich, dass die erfindungsgemäßen Ester (HE 384) bei allen drei untersuchten Dosen weniger giftig ist, als die anderen Öle. Die EC50-Werte zeigen, dass HE 384 etwa 5-mal weniger giftig ist als das handelsübliche Paraffinöl (HE324) (Tabelle 1).
Tabelle 2:
Log EC50-Werte für die Öl-induzierte Ödembildung der drei untersuchten Öle mit Standardfehlern
Öl Log EC50 [µl]
HE 372 (Kokos/Palmkernmethylester) 0,49 ± 0,15
HE 324 (Paraffinöl) 0,84 ± 0,20
HE 384 (C8/C8-Fettsäureester) 1,52 ± 0,22


[0018] Die Ödembildung (Gewichtszunahme der Lunge) ist der empfindlichste Parameter für die durch Lampenöl ausgelösten Schäden. Trotzdem wurden auch die Leitfähigkeit der Atemwege (pulmonary conductance, das Reziproke des Atemwiderstandes) und die Lungencompliance untersucht, die ebenfalls für die erfindungsgemäßen Fettsäureester am besten ausfallen.

Untersuchungen zur Haut- und Schleimhautverträglichkeit



[0019] Des weiteren wurde die Haut- und Schleimhautverträglichkeit von herkömmlichem Paraffinlampenöl (HE 324) gegen den erfindungsgemäßen Ester (HE 384) am Bovine Udder Skin Modell (BUS-Model) untersucht. An Rindereutern wird die Verträglichkeit von Substanzen, vorwiegend Kosmetika auf Haut und Schleimhaut getestet. Das Gefäßsystem eines im Schlachthaus vorbehandelten Rindereuters wird im Labor an eine Perfusionseinheit der herkömmlichen Transplantationsmedizin angeschlossen. Über eine Nährlösung wird das Euter inklusive Haut und Schleimhaut des Euters über mindestens 8 Stunden unter physiologischen Bedingungen am Leben gehalten. Eine biochemische und physikalische Kontrolle stellt die Lebensfähigkeit sicher. Irritationen und Penetrationen in die Haut können unter realistischen Bedingungen beobachtet und gemessen werden [vergl. auch Pittermann W.F., Förster, Th., Schmitt, M., Kietzmann M.; The Bovine Udder system (BUS-model) in cosmetic research; S. 13 - 15; 36th Scientific Meeting (GV-Solas), Proceedings of a Workshop on Isolated Perfused Organs (Hamburg 1998)].
Die Hautverträglichkeit nach halbstündlicher Exposition bei offener Applikation war für beide Substanzen gut. Auch die Schleimhautverträglichkeit ist für beide Substanzen gleichgut (Exposition 0.5 h, semiokklusive Applikation).

Gewerbliche Anwendbarkeit



[0020] Die erfindungsgemäßen Fettsäureester lassen sich als Leuchtmittel beliebig einsetzen, dazu zählen herkömmliche Lampenöle, die in Docht-, Düsen- und Verdampfergeräten eingesetzt werden, gelartige Kerzen, Fackeln oder flüssige und feste Grillanzünder einsetzen. Je nach Viskosität der jeweiligen Anwendung werden die Fettsäureester durch Zugabe von Verdickern eingestellt oder Materialien mit den entsprechenden Estern getränkt.
Duft- und Farbstoffe lassen sich sehr gut einarbeiten, da die Fettsäureester einen außerordentlich geringen Eigengeruch besitzen. Des weiteren verfügen sie über eine gute Farbstabilität auch bei erhöhten Temperaturen und sie verbrennen rückstandsfrei.

Verdicker



[0021] Geeignete Verdickungsmittel sind beispielsweise Polysaccharide, insbesondere Xanthan-Gum, Guar-Guar, Agar-Agar, Alginate und Tylosen, Carboxy-methylcellulose und Hydroxyethylcellulose, ferner höhermolekulare Polyethylenglycolmono- und -diester von Fettsäuren, Polyacrylate, (z.B. Carbopole® von Goodrich oder Synthalene® von Sigma), Polyacrylamide, Polyvinylalkohol und Polyvinylpyrrolidon, Tenside wie beispielsweise ethoxylierte Fettsäureglyceride, Ester von Fettsäuren mit Polyolen wie beispielsweise Pentaerythrit oder Trimethylolpropan, Fettalkoholethoxylate mit eingeengter Homologenverteilung oder Alkyloligoglucoside. Besonders bevorzugt wird Polypropylenglycol als Verdickungsmittel eingesetzt. Die Verdickungsmittel können in einer Menge von 0 bis 25, vorzugsweise 5 bis 20 Gew.-%, bezogen auf das Fettderivat, eingesetzt werden.

Duftstoffe



[0022] Als Duftstoffe zur Herstellung von Lampenölen und/ oder Grillanzündern mit verschiedenen Geruchsnoten lassen sich Parfümöle einsetzen. Als Parfümöle seien beispielhaft genannt die Extrakte von Blüten (Lavendel, Rosen, Jasmin, Neroli), Stengeln und Blättern (Geranium, Patchouli, Petitgrain), Früchten (Anis, Koriander, Kümmel, Wacholder), Fruchtschalen (Bergamotte, Zitrone, Orangen), Wurzeln (Macis, Angelica, Sellerie, Kardamon, Costus, Iris, Calmus), Hölzern (Sandel-, Guajak-, Zedern-, Rosenholz), Kräutern und Gräsern (Estragon, Lemongras, Salbei, Thymian), Nadeln und Zweigen (Fichte, Tanne, Kiefer, Latschen), Harzen und Balsamen (Galbanum, Elemi, Benzoe, Myrrhe, Olibanum, Opoponax). Weiterhin kommen tierische Rohstoffe in Frage, wie beispielsweise Moschus, Zibet und Castoreum. Als synthetische bzw. halbsynthetische Parfümöle kommen Ambroxan, Eugenol, Isoeugenol, Citronellal, Hydroxycitronellal, Geraniol, Citronellol, Geranylacetat, Citral, lonon und Methylionon in Betracht.

[0023] Daneben lassen sich Duftstoffe einsetzen, wie sie bereits in der GB 0001679 aus dem Jahre 1855 beschrieben sind.

Farbstoffe



[0024] Als Farbstoffe können die für kosmetische Zwecke geeigneten und zugelassenen Substanzen verwendet werden, wie sie beispielsweise in der Publikation "Kosmetische Färbemittel" der Farbstoffkommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Verlag Chemie, Weinheim, 1984, S.81-106 zusammengestellt sind. Diese Farbstoffe werden üblicherweise in Konzentrationen von 0,001 bis 0,1 Gew.-%, bezogen auf die gesamte Mischung, eingesetzt.


Ansprüche

1. Verwendung von Fettsäureestern enthaltend lineare und/oder verzweigte Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und lineare und/oder verzweigte Alkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen als Leuchtmittel.
 
2. Verwendung von Fettsäureestern nach Anspruch 1 enthaltend lineare und/oder verzweigte Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und Fettalkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen als Grillanzünder.
 
3. Verwendung von Fettsäureestem nach Anspruch 1 enthaltend lineare und/oder verzweigte Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und Fettalkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen als Lampenöl.
 
4. Verwendung von Fettsäureestern nach Anspruch 1 enthaltend lineare und/oder verzweigte Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und Fettalkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen als gelartige Kerzen.
 
5. Verwendung von Fettsäureestem nach Anspruch 1 enthaltend lineare und/oder verzweigte Fettsäuren mit 6 bis 14 Kohlenstoffatomen und Fettalkohole mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen als Fackeln.
 
6. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Acylkomponente der Fettsäureester zu mindestens 80 Gew. % von Fettsäuren mit 6 bis 10 Kohlenstoffatomen ableitet.
 
7. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Acylkomponente der Fettsäureester zu mindestens 80 Gew. % von Fettsäuren mit 8 Kohlenstoffatomen ableitet.
 
8. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Acylkomponente der Fettsäureester zu mindestens 80 Gew. % aus 2-Ethylhexansäure oder n-Octansäure zusammensetzt.
 
9. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Alkoholkomponente der Fettsäureester zu mindestens 90 Gew. % von Alkoholen mit 8 Kohlenstoffatomen ableitet.
 
10. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Alkoholkomponente der Fettsäureester zu mindestens 90 Gew. % aus Alkoholen ableitet, die ausgewählt sind aus der Gruppe, die gebildet wird von Iso-Octanol, n-Octanol und 2-Ethyl-Hexanol.
 
11. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 10 dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei den Fettsäureestern um 2-Ethyl-1-hexyl-octanoat handelt.
 
12. Verwendung nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die Fettsäureester zusammen mit Verdickern und/oder Farb- und/ oder Duftstoffen eingesetzt werden.
 




Zeichnung







Recherchenbericht