[0001] Die Erfindung betrifft ein Sitzmöbel, das mit einem rahmenartigen Gestell und daran
angeordneten Fußelementen auf einer im wesentlichen ebenen Bodenfläche plaziert werden
kann, wobei das Sitzmöbel weiterhin ein am rahmenartigen Gestell angeordnetes, verstelltes,
verstellbares Sitzelement sowie eine im rückwärtigen Bereich des Sitzelements angeordnete
Rückenlehne umfaßt gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0002] Bei Sitzmöbeln besteht ganz allgemein das Problem, daß sie mit gewissen Standardabmessungen
werkseitig vorgefertigt werden und dabei gleichzeitig für Benutzer mit unterschiedlichen
Körpermaßen geeignet sein sollen. In der DE 33 06 610 A 1 wurde bereits vorgeschlagen,
Sitzmöbel individuell an den künftigen Benutzer angepaßt herzustellen. Auch dies ist
nachteilig, da für andere Benutzer das Sitzmöbel dann meist orthopädisch nicht optimal
ist.
[0003] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein Sitzmöbel zu schaffen,
das sich für eine Vielzahl von Benutzern unterschiedlichen Körperbaus optimal in Sitzhöhe
sowie wirksamer Sitzfläche (Sitztiefe) einstellen läßt.
[0004] Diese Aufgabe wird in überraschend einfacher Weise mit einem Sitzmöbel nach den Merkmalen
des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0005] Vorteilhafte Weiterbildungen sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0006] Ein Kemgedanke der vorliegenden Erfindung besteht darin, Mittel zur Längsverschiebung
des Sitzelements am rahmenartigen Gestell des Sitzmöbels anzuordnen, die derart ausgebildet
sind, daß die Längsverschiebung des Sitzelements ohne Veränderung der Sitzneigung
in einer Sitztiefeneinstellrichtung E erfolgt, wobei diese Sitztiefeneinstellrichtung
E gegenüber der Bodenfläche in Richtung auf die Rükkenlehne hin abfallend um einen
Winkel β geneigt ausgerichtet ist. Dieser technischen Ausgestaltung liegt die Überlegung
zugrunde, daß bei gegenüber dem Durchschnitt größeren oder kleinen Benutzern nicht
nur die Sitzhöhe (Unterschenkellänge), sondern auch die wirksame Sitzfläche bzw. Sitztiefe
aufgrund der größeren oder kleineren Oberschenkellänge anzupassen ist. Erfindungsgemäß
erfolgt bei Verschiebung des Sitzelements in einer vorgegebenen linearen Beziehung
eine Veränderung sowohl der Sitzhöhe als auch der wirksamen Sitzfläche (Sitztiefe).
[0007] Hierdurch wird vermieden, daß der Benutzer ein orthopädisch nachteiliges Verhältnis
zwischen Sitzhöhe und wirksamer Sitzfläche einstellen kann. Vielmehr ist dieses Verhältnis
durch die erfindungsgemäßen Mittel zur Längsverschiebung des Sitzelements definiert
vorgegeben. Der lineare Faktor zwischen der Veränderung der wirksamen Sitzfläche (Sitztiefe)
und der Sitzhöhe wird durch den Sitztiefeneinstellwinkel β vorgegeben.
[0008] In einer besonders bevorzugten Ausgestaltung beträgt der Sitztiefeneinstellwinkel
zwischen 16 und 21°, wobei der optimale Winkel auch von der Neigung der Sitzfläche
gegenüber der Bodenfläche abhängt. In Versuchen hat sich gezeigt, daß bei einem Sitztiefeneinstellwinkel
β zwischen 16 und 21° eine orthopädisch zweckmäßige Anpassung des Sitzelements auf
die Körpergröße des jeweiligen Benutzers möglich ist. Durch die mit Veränderung der
Sitzhöhe automatisch angepaßte Sitztiefe wird eine verbesserte Oberschenkelauflage
und damit eine gleichmäßigere Sitzdruckverteilung erzielt.
[0009] Nach einem besonderen Aspekt der vorliegenden Erfindung erfolgt die Längsverschiebung
des Sitzelements getrennt von etwaigen weiteren Einstellmöglichkeiten des Sitzmöbels,
wie insbesondere dem Verschwenken der Rückenlehne. Falls eine Verschwenkbarkeit der
Rückenlehne über einen Schwenkmechanismus vorgesehen ist, ist dieser Schwenkmechanismus
vorzugsweise von den Mitteln zur Längsverschiebung des Sitzelements mechanisch entkoppelt.
[0010] Prinzipiell sind als Mittel zur Längsverschiebung des Sitzelementes verschiedene
konkrete Lösungen denkbar. In einer bevorzugten Ausgestaltung sind beidseitig am rahmenartigen
Gestell Führungsschienen angeordnet, in denen am Sitzelement angeordneten Gleiter
oder Rollen zwangsgeführt sind. Natürlich können in einer kinematischen Umkehrung
die Gleiter oder Rollen auch am rahmenartigen Gestell und die Führungsschienen am
Sitzelement angeordnet sein. Da der Sitzneigungswinkel, also die Neigung der Sitzfläche
gegenüber der Bodenfläche in der Regel geringer sein wird als der Sitztiefeneinstellwinkel,
bewirkt eine Verstellung des Sitzelementes gegenüber der Rückenlehne zur Veränderung
der wirksamen Sitzfläche gleichzeitig einer Vergrößerung bzw. Verkleinerung eines
zwischen Sitzelements und Rückenlehne vorhandenen Spalts. In einer vorteilhaften Ausgestaltung
der vorliegenden Erfindung sind zwischen Rückenlehne und Sitzelement Spaltausgleichsmittel
wirksam, so daß die Entstehung eines Spaltes völlig vermieden oder ein vorhandener
Spalt im wesentlichen konstant gehalten wird.
[0011] In einer alternativen Ausgestaltung sind die Spaltausgleichsmittel durch eine entsprechend
geformte und zumindest in ihrem dem Spalt zugewandte Bereich elastisch ausgebildete
Spaltausgleichspolsterung gebildet. Die Polsterung ist dabei in dem Bereich des Sitzelementes
derart flexibel, daß eine Längsverstellung des Sitzelementes ausgeglichen werden kann.
[0012] In einer anderen alternativen Ausgestaltung ist die Rückenlehne in Lagerungen längsverschieblich
gehalten und stützt sich auf der Sitzfläche auf, so daß bei Längsverstellung des Sitzelementes
die Rückenlehne aufgrund ihres Eigengewichtes stets bestrebt ist, einen etwaigen Spalt
zu schließen.
[0013] Praktische Versuche haben ergeben, daß die Mittel zur Längsverschiebung des Sitzelementes
so auszubilden sind, daß eine gleichmäßige Veränderbarkeit der Sitzhöhe um 5 bis 50
mm, vorzugsweise 10 bis 40 mm, insbesondere um etwa 25 mm bei gleichzeitiger Vergrößerung
bzw. Verkleinerung der für einen Benutzer wirksamen Sitzfläche erzielt wird.
[0014] Die Erfindung wird nachstehend auch hinsichtlich weiterer Merkmale und Vorurteile
anhand der Beschreibung von Ausführungsbeispielen und unter Bezugnahme auf die beiliegenden
Zeichnungen näher erläutert. Hierbei zeigen:
- Fig. 1
- eine Prinzipskizze einer Ausführungsform eines längsverstellbaren Sitzelements.
- Fig. 2
- eine weitere Prinzipskizze einer Ausführungsform eines Sitzmöbels mit einem längsverstellbaren
Sitzelement nach Fig. 1.
- Fig. 3
- eine Veranschaulichung einer Ausführungsform eines längsverstellbaren Sitzelementes
mit einem Sitztiefeneinstellwinkel β von 21°.
- Fig. 4
- eine Veranschaulichung einer Ausführungsform eines längsverstellbaren Sitzelementes
mit einem Sitztiefeneinstellwinkel β von 16°.
- Fig. 5
- eine Seitenansicht einer Ausführungsform eines Sitzmöbels mit einem längsverstellbaren
Sitzelement.
- Fig. 6
- das Sitzelement nach Fig. 5 in einer Ansicht von hinten.
[0015] In Fig. 1 ist ein Sitzelement 15 für ein Sitzmöbel schematisch in Seitenansicht dargestellt.
Das Sitzelement ist in einem rahmenartigen Gestell 11 angeordnet und gegenüber diesem
rahmenartigen Gestell über Mittel 16, 17 zur Längsverschiebung des Sitzelementes -
im vorliegenden Ausführungsbeispiel geradlinig - längsverschieblich gelagert. Die
Mittel zur Längsverschiebung umfassen auf Seiten des rahmenartigen Gestells 11 angeordnete
Führungsschienen 16 und korrespondierende (oder in den Führungsschienen laufende)
Rollen 17, die am Sitzelement 15 befestigt sind. Bevorzugtermaßen ist das Sitzelement
15 an vier Punkten gegenüber dem rahmenartigen Gestell längsverschieblich gelagert,
so daß jeweils zwei Führungsschienen 16 beabstandet an beiden Seiten des Sitzelementes
15 vorgesehen sind. Das Sitzelement 15 umfaßt eine Sitzfläche 22, die gegenüber einer
durch eine Bodenfläche 13 (vgl. Fig. 5) definierten Horizontalen um einen Sitzneigungswinkel
α zur Rücklehne hin abfallend geneigt ist.
[0016] Aus Fig. 2 ist die Längsverstellbarkeit des Sitzelements 15 gegenüber einer ebenfalls
am Sitzmöbel angeordneten Rückenlehne 14 veranschaulicht. Die Rückenlehne 14 ist im
hinteren Bereich oberhalb der Sitzfläche 22 des Sitzelement 15 angeordnet, das heißt,
das Sitzelement 15 kann sich aufgrund seiner Längsverstellbarkeit unter der Rückenlehne
über einen gewissen Einstellbereich in einer Sitztiefeneinstellrichtung E hin- und
herbewegen. Dadurch ist die wirksame Sitzfläche (Sitztiefe) veränderbar, hier beispielsweise
zwischen 430 mm und 550 mm.
[0017] Da meist die Sitztiefeneinstellrichtungen E stärker geneigt ist als die Sitzfläche
22 selbst, entsteht bei einer völlig starren Rückenlehne 14 ein sich mit der Längsverstellung
des Sitzelementes 15 veränderlicher Spalt 18. In der hier dargestellten Ausführungsform
weist die Rückenlehne 14 Spaltausgleichsmittel 19 auf, die hier durch eine Spaltausgleichspolsterung
20 definiert werden. Die Spaltausgleichspolsterung 20 ist über den erforderlichen
Bereich so flexibel, daß sie sich dem Sitzelement 15 anpaßt und bei nach oben wandernder
Sitzfläche nachgibt bzw. bei Verstellung der Sitzfläche 22 nach unten sich entsprechend
ausdehnt und die Entstehung eines Spaltes 18 zu verhindern sucht. Nach hinten sind
Sitzelement 15 und Rückenlehne 14 durch eine Abdeckung 27 verblendet.
[0018] In den Fig. 3 und 4 sind die bereits anhand von Fig. 1 und Fig. 2 erläutern Mittel
16, 17 zur Längsverschiebung des Sitzelementes 15 noch detaillierter erläutert, wobei
in Fig. 3 die Führungsschienen 16 so am rahmenartigen Gestell 11 angeordnet sind,
daß ein Sitztiefeneinstellwinkel β von 21° erzielt wird. In der von anhand von Fig.
4 veranschaulichten Ausführungsform sind die Führungsschienen 16 am rahmenartigen
Gestell derart angeordnet, daß ein Sitztiefeneinstellwinkel β von 16° erzielt wird.
[0019] In Fig. 5 ist die Gesamtanordnung eines Sitzelementes 15 mit der anhand der Figuren
1 bis 4 erläuterten Ausgestaltung der Mittel 16, 17 zur Längsverschiebung veranschaulicht.
Wie sich aus Fig. 5 erkennen läßt, ist die Einstellrichtung E um den Winkel β gegenüber
der Bodenfläche 13 geneigt, der sich zwischen einer gedachten Verlängerung der Führungsschienen
16 und der Bodenfläche 13 ergibt. Das rahmenartige Gestell 11 umfaßt Seitenelemente
28, 29, die in ihrem oberen Bereich bei der vorliegenden Ausführungsform gleichzeitig
Armlehnen 30, 31 umfassen und in ihrem unteren Bereich Fußelemente 12 aufweisen, mit
denen sich das Sitzmöbel gegenüber der Bodenfläche 13 abstützt.
[0020] In Fig. 6 ist die anhand von Fig. 5 veranschaulichte Ausführungsform eines erfindungsgemäßen
Sitzmöbels in einer Ansicht von hinten dargestellt. Seitlich wird das Sitzmöbel durch
die bereits erwähnten Seitenelemente 28, 29 begrenzt. Die Rückenlehne 14 ist gegenüber
dem rahmenartigen Gestell 11 über Lagerungen 25, 26 höhenverstellbar, so daß sich
die Rückenlehne 14 allein aufgrund ihrer Schwerkraft an eine veränderte Höhe der Sitzfläche
22 anpaßt.
[0021] Das Sitzmöbel umfaßt weiterhin Arretiermöglichkeiten (nicht gezeigt), um das Sitzelement
15 in einer an den jeweiligen Benutzer angepaßten Position (Sitzhöhe / wirksame Sitzfläche)
zu halten. Hierzu können beispielsweise nach dem Stand der Technik bekannte Rastmechanismen
oder Gasdruckfedern zum Einsatz kommen. Die Arretiereinrichtungen können aber auch
zusammen mit einem mechanischen oder elektrischen Antrieb gebildet sein. Beispielsweise
ließe sich die Längsverstellung über eine Gewindespindel einstellen, wobei der Spindelgang
so bemessen ist, daß bereits aufgrund der Reibung eine Arretierung gegeben ist. Die
Spindelverstellung könnte manuell oder elektrisch betätigt werden.
Bezugszeichenliste
[0022]
- 11
- (rahmenartiges) Gestell
- 12
- Fußelemete
- 13
- Bodenfläche
- 14
- Rückenlehne
- 15
- Sitzelement
- 16
- Mittel zur Längsverschiebung, Führungsschienen
- 17
- Mittel zur Längsverschiebung, Rollen
- 18
- Spalt
- 19
- Spaltausgleichsmittel
- 20
- Spaltausgleichspolsterung
- 22
- Sitzfläche
- 25, 26
- Lagerungen (der Rückenlehne)
- 27
- Abdeckung
- 28, 29
- Seitenelemente
- 30, 31
- Anlehnen
- E
- Sitztiefeneinstellrichtung
- α
- Sitzneigungswinkel
- β
- Sitztiefeneinstellwinkel
1. Sitzmöbel, das mit einem rahmenartigen Gestell (11) und daran angeordneten Fußelementen
(12) auf einer im wesentlichen ebenen Bodenfläche (13) plaziert werden kann,
wobei das Sitzmöbel weiterhin ein am rahmenartigen Gestell (11) angeordnetes, verstellbares
Sitzelement (15) mit einer für einen Benutzer vorgesehenen Sitzfläche (22) sowie eine
im rückwärtigen Bereich des Sitzelements (15) angeordnete Rückenlehne (14) umfaßt,
dadurch gekennzeichnet,
daß Mittel (16) zur Längsverschiebung des Sitzelements (15) am rahmenartigen Gestell
(11) angeordnet und derart ausgebildet sind, daß zur Veränderung der wirksamen Sitzfläche
(22) eine Längsverschiebung gegenüber der Rükkenlehne (14) ohne Veränderung der Sitzneigung
in einer Sitztiefeneinstellrichtung E erfolgt, die gegenüber der Bodenfläche (13)
um einen Sitztiefeneinstellwinkel β in Richtung auf die Rückenlehne (14) abfallend
geneigt ausgerichtet ist.
2. Sitzmöbel nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Mittel (16) zur Längsverschiebung derart ausgebildet und angeordnet sind, daß
die Sitztiefeneinstellrichtung E in einem Sitztiefeneinstellwinkel β zwischen 16 und
21° zur Bodenfläche (13) geneigt ausgerichtet ist.
3. Sitzmöbel nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Rückenlehne (14) gegenüber dem rahmenartigen Gestell (11) um eine zur Bodenfläche
(13) im wesentlichen parallele Schwenkachse mittels eines Schwenkmechanismus verschwenkbar
angeordnet ist, und daß der Schwenkmechanismus von den Mitteln (16) zur Längsverschiebung
des Sitzelementes (15) mechanisch entkoppelt ist.
4. Sitzmöbel nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Mittel zur Längsverschiebung jeweils eine, vorzugsweise zwei, beidseitig am rahmenartigen
Gestell (11) angeordnete Führungsschienen (16) umfassen, in denen am Sitzelement (15)
angeordnete Gleiter oder Rollen (17) zwangsgeführt sind.
5. Sitzmöbel nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß zum Ausgleich eines sich ändernden Spalts (18) zwischen Rückenlehne (14) und Sitzelement
(15) Spaltausgleichsmittel (19) wirksam sind.
6. Sitzmöbel nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Spaltausgleichsmittel (19) durch eine entsprechend geformte und zumindest in
ihrem dem Spalt (18) zugewandten Bereich elastisch ausgebildete Spaltenausgleichspolsterung
(20) gebildet ist.
7. Sitzmöbel nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Spaltausgleichsmittel (19) dadurch definiert sind, daß die Rückenlehne (14) in
Lagerungen (25, 26) längsverschieblich gehalten ist und auf der Sitzfläche (22) des
Sitzelements (15) aufliegt.
8. Sitzmöbel nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Mittel (16) zur Längsverschiebung des Sitzelements (15) zur linearen Veränderung
der Sitzhöhe um 5 bis 50 mm, vorzugsweise 10 bis 40 mm, insbesondere um etwa 25 mm,
bei gleichzeitiger Vergrößerung bzw. Verkleinerung der für einen Benutzer wirksamen
Sitzfläche (22) ausgebildet sind.