[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Zerkleinern von Sperrmüll, Haus- und
Gewerbemüll und dgl., mit wenigstens einer ersten und einer zweiten Welle, die in
einem Maschinengestell drehbar um ihre im wesentlichen horizontal verlaufenden Längsachsen
gelagert und mittels wenigstens eines Antriebs antreibbar sind. Dabei definieren die
Wellen zwischen sich einen Spalt. Die Vorrichtung weist ferner auf dem Umfang der
Wellen mit in axialer Richtung dazwischenliegenden, zum Brechen ausreichend breiten
Zwischenräumen angeordnete Brechwerkzeuge auf.
[0002] Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zum Zerkleinern von Sperrmüll, Haus-
und Gewerbemüll und dgl. mittels Brechwerkzeuge, die von wenigstens einem Antrieb
angetrieben werden. Ein erster-Teil der Werkzeuge ist um eine erste, im Wesentlichen
horizontale Achse und ein zweiter Teil der Werkzeuge ist um eine zweite, im Wesentlichen
horizontale Achse drehbar.
[0003] Derartige Vorrichtungen und Werkzeuge sind bekannt. Weiterhin bekannt sind Zerkleinerungsvorrichtungen
mit scharfkantigen, scheibenartigen Schneidwerkzeugen mit sägezahnförmigen Klauen
bekannt, die auf zwei parallelen Wellen axial zueinander versetzt und passgenau angeordnet
sind, so dass sie sich gegenseitig, dabei den Müll scherend durchkämmen. Der Nachteil
dieser Vorrichtungen bzw. des entsprechenden Verfahrens ist, dass die Kanten der Schneidwerkzeuge
sehr schnell verschleißen. Diese müssen daher häufig nachgeschliffen oder sogar ausgetauscht
werden. Das Verfahren ist insofern sehr wartungsintensiv.
[0004] Bei allen bekannten Vorrichtungen und Verfahren dieser oder der eingangs beschriebenen
Art ragen die Werkzeuge in radialer Richtung über den Umfang der Wellen hinaus. Die
Werkzeuge sind in axialer Richtung in Abständen auf jeder der Wellen angeordnet. Sie
durchkämmen während der Drehung der Wellen jeweils einen Seitenkamm, der im wesentlichen
in einer horizontalen Ebene auf der dem Spalt gegenüberliegenden Seite jeder der Wellen
ortsfest angeordnet ist. Beide Wellen haben denselben Umfang und drehen sich im Normalbetrieb
während der Zerkleinerung synchron, d.h. die Werkzeuge haben die gleiche Geschwindigkeit
und bewegen sich in entgegengesetzer Richtung, von oben gesehen aufeinander zu.
[0005] Eine andere bekannten Zerkleinerungsvorrichtung weist auf beiden Wellen in Umfangsrichtung
abwechselnd mehrere Werkzeuge und dazwischenliegende Ausnehmungen auf. Die Werkzeuge
und Ausnehmungen der einen Welle sind zu denen der anderen in Umfangsrichtung versetzt
angeordnet, so dass bei der synchronen Drehung beider Wellen jeweils ein Werkzeug
der einen Welle in eine Ausnehmung zwischen zwei in Umfangsrichtung aufeinanderfolgenden
Werkzeugen der anderen Welle eingreift.
[0006] Eine Zerkleinerungsvorrichtung der eingangs beschriebenen Art weist einen in dem
Spalt zwischen den beiden Wellen angeordneten Mittelkamm auf. Der Mittelkamm hat eine
beidseitige Kammstruktur mit abwechselnden Nuten und Stegen, die von den Werkzeugen
der beidseits angrenzenden Wellen durchkämmt wird. Die Werkzeuge bestehen aus in und
entgegen der Drehrichtung weisenden, doppelseitigen Haken, die den Müll während der
synchronen Rotation beider Wellen im Normalbetrieb in Richtung des Mittelkamms befördern.
Der Müll wird bei Durchkämmen des Mittelkamms durch die Kraftmomente zwischen den
rotierenden Werkzeugen und den ortsfesten Stegen des Mittelkamms zerbrochen oder zerrissen
und nicht zerschnitten. Dementsprechend sind bei dieser Zerkleinerungsvorrichtung
die Nuten der Kämme deutlich breiter als die Breite der Werkzeuge in axialer Richtung.
Die Werkzeuge sind als Brechwerkzeuge ausgebildet, d.h. sie benötigen ebenso wie der
Mittelkamm keine scharfen Kanten. Die Vorrichtung ist folglich nicht so verschleißanfällig.
[0007] Sogenannte Problemstoffe, beispielsweise Müll mit Bestandteilen, die sich mittels
der zuletzt beschriebenen Vorrichtung nicht ohne weiteres zerkleinern lassen, verursachen
regelmäßig folgende Probleme: flexible Problemstoffe, z.B. Teppichrollen, werden durch
die Brechwerkzeuge in Richtung des Mittelkamms transportiert, dort aber nicht ausreichend
erfasst, um zerkleinert zu werden. Solche Problemstoffe lagern sich auf den Stegen
ab. Andere Problemstoffe sind zu massiv, so dass die Kräfte der Vorrichtung nicht
ausreichen, um diese auf einmal zu zerkleinern. Ein wiederum anderes Problem tritt
auf, wenn der üblicherweise durch einen Trichter oberhalb der Wellen zugeführte Müll
ohne mit den Brechwerkzeugen auf den Wellen in Berührung zu gelangen in dem Trichter
verkantet und das Nachrutschen weiteren Mülls verhindert.
[0008] Bekannte Verfahrensschritte zur Beseitigung solcher Betriebsstörungen sehen vor,
bei Feststellen eine Über- oder Unterlast die Drehrichtung der Wellen zu reversieren.
Während des sogenannten Reversierbetriebs ist die Förderrichtung der Brechwerkzeuge
folglich umgekehrt, die Wellen drehen dabei weiterhin synchron. Die Problemstoffe
und anderer Müll werden so teils zerkleinert, teils unzerkleinert aus dem Spalt oberhalb
der Stege des Mittelkamms heraustransportiert und können dabei auch verkanteten Müll
auflockern. Bei anschließender erneuter Umkehr der Drehrichtung in den Normalbetrieb
werden die Problemstoffe oftmals aber in ihre alte Position zwischen den beiden Wellen
zurückbefördert. Es sind unter Umständen viele solcher Reversiervorgänge notwendig,
um die Problemstoffe den Brechwerkzeugen in einer anderen Orientierung zuzuführen
und sie schließlich zu zerkleinern.
[0009] Einen anderen Problemstoff bilden beispielsweise Sprungfedern, die sich um die hakenförmigen
Brechwerkzeuge und/oder die Welle aufwickeln und diese blockieren oder zumindest deren
effektive Einsatzlänge, also die lichte Höhe der Brechwerkzeuge über Wellenoberfläche,
verminderen. Solche Sprungfedern können weder im Normal- noch im Reversierbetrieb
an den Kämmen abgestreift werden.
[0010] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zu Grunde, eine Zerkleinerungsvorrichtung und
ein Zerkleinerungsverfahren für Sperrmüll, Haus- und Gewerbemüll und dgl. zu schaffen,
die/das bei vergleichbarem Aufwand weniger störungsanfällig ist.
[0011] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Vorrichtung zum Zerkleinern von Sperrmüll,
Haus- und Gewerbemüll und dgl., mit den Merkmalen der eingangs beschriebenen Art gelöst,
bei der im Normalbetrieb die Geschwindigkeit der Brechwerkzeuge der ersten Welle höher
als die Geschwindigkeit der Brechwerkzeuge der zweiten Welle ist und wenigstens die
erste Welle eine Drehrichtung aufweist, die von oben gesehen in Richtung des Spaltes
orientiert ist und deren Brechwerkzeuge auf der ersten und der zweiten Welle so angeordnet
und dimensioniert sind, dass auf Grund der Relativbewegung während der Drehung der
Welle/n mindestens ein Brechwerkzeug der ersten Welle in einen Zwischenraum zwischen
zwei Brechwerkzeugen der zweiten Welle und/oder mindestens ein Brechwerkzeug der zweiten
Welle in einen Zwischenraum zwischen zwei Brechwerkzeugen der ersten Welle eingreift.
[0012] Bei einem Verfahren der eingangs beschriebenen Art wird die Aufgabe erfindungsgemäß
dadurch gelöst, dass beide Achsen so zueinander angestellt werden, dass sich beide
Teile der Brechwerkzeuge im Normalbetrieb mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, wenigstens
durch Drehen des ersten Teils der Brechwerkzeuge von oben gesehen in Richtung der
zweiten Achse, und dabei relativ zueinander kämmend bewegen, wodurch Kraftmomente
zum Zerkleinern des Mülls im Wesentlichen zwischen mindestens einem Brechwerkzeug
der ersten Achse und einem Brechwerkzeug der zweiten Achse erzeugt werden.
[0013] In einer bevorzugten Ausführungsform sind im Normalbetrieb die Drehrichtungen beider
Wellen gegenläufig, von oben gesehen aufeinander zu orientiert.
[0014] Der Vorteil der Erfindung besteht darin, dass die Kraftmomente zur Zerkleinerung
des Mülls zwischen jeweils zwei mit unterschiedlicher Geschwindgkeit bewegbaren Brechwerkzeugen
entstehen, während bei den bekannten Zerkleinerungsvorrichtungen jeweils eines der
zusammenwirkenden Elemente, nämlich der Mittelkamm, ortsfest ist und nur das Brechwerkzeug
sich bewegt. Die Kraftmomente bei den bekannten Vorrichtungen sind daher in erster
Näherung immer in und entgegen die Rotationsrichtung am Durchstoßpunkt des Brechwerkzeuges
durch den Mittelkamm gerichtet. Bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung bzw. dem entsprechenden
Verfahren können die jeweils paarweise in Eingriff stehenden Brechwerkzeuge ihre Positionen
mit verschiedenen Geschwindigkeiten variieren, wodurch zum einen jeweils unterschiedliche
Paarungen von Brechwerkzeugen in Eingriff stehen können und zum anderen die Stellung
der paarweise in Engriff stehenden Brechwerkzeuge zum Zeitpunkt des Eingriffs unterschiedlich
sein kann. Die Richtungen der Kraftmomente sind dadurch gegenüber den bekannten Vorrichtungen
vielfältiger, was Betriebsstörungen der geschilderten Art in vielen Fällen vermeidet.
[0015] In der bevorzugten Ausführungsform werden die unterschiedlichen Geschwindigkeiten
der Brechwerkzeuge beider Wellen dadurch erzeugt, dass die Wellen denselben Umfang
und die Brechwerkzeuge der ersten Welle und die Brechwerkzeuge der zweiten Welle jeweils
dieselbe Lichte Höhe aufweisen, die Wellen jedoch asynchron angetrieben sind, d.h.
die Drehzahl der ersten Welle ist höher als die Drehzahl der zweiten Welle ist.
[0016] In einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung haben die Brechwerkzeuge der
ersten Welle und der zweiten Welle jeweils ein asymmetrisches finnenförmiges Hakenprofil,
das im Fall der ersten Welle in deren Drehrichtung und im Fall der zweiten Welle entgegen
deren Drehrichtung bei Normalbetrieb gekrümmt ist.
[0017] Die Form der Brechwerkzeuge, die zu ihrem äußeren Ende hin verjüngt sind, ermöglicht
während der Drehung der Wellen eine automatische Reinigung durch Abstreifen von Problemstoffen,
die sich beispielsweise um die Brechwerkzeuge aufgewickelt haben, an zwei feststehende
Kämmen, die jeweils an der dem Spalt horizontal gegenüberliegenden Seite der Wellen
und parallel zu diesen im Maschinengestell angeordnet sind. Die Orientierung der Brechwerkzeuge
auf der zweiten Welle ermöglicht dies während des Normalbetriebs. Die Brechwerkzeuge
der ersten Welle können bei Bedarf im Reversierbetrieb gereinigt werden.
[0018] Das Verfahren beinhaltet vorzugsweise, die Drehrichtung und/oder die Drehzahl beider
Wellen bei Feststellen einer Überlast oder einer Unterlast umzuschalten. Das wird
erfindungsgemäß dadurch erreicht, dass die Wellen bzw. deren Antriebe jeweils mit
(Drehmoment-)Sensoren ausgestattet sind, die in Abhängigkeit von dem zum Zerkleinern
des Mülls benötigten Drehmoment ein analoges oder digitales Lastsignal erzeugen, das
zusammen mit wenigsten einem vorwählbaren Schwellenwert für eine Überlast und/oder
eine Unterlast durch eine Steuerung zu einem Steuersignal für den Antrieb der Wellen
zur Steuerung von Drehrichtung und/oder Drehzahl verarbeitet wird.
[0019] Vorteilhaft ist es bei Feststellen einer Überlast in einem ersten Schritt die Drehrichtung
des zweiten Teils der Brechwerkzeuge unter Beibehaltung der geringeren Drehzahl zu
reversieren und in einem zweiten Schritt die Drehrichtung des ersten Teils der Brechwerkzeuge
unter Beibehaltung der höheren Drehzahl zu reversieren und die Drehzahl des zweiten
Teils der Brechwerkzeuge zu erhöhen.
[0020] Durch das schrittweise Reversieren der Drehrichtung und die kämmende Relativbewegung
der Brechwerkzeuge beider Wellen wird - anders als beim Stand der Technik - der Müll
nicht lediglich aus dem Spalt herausbefördert, sondern teilweise umorientiert und
dabei teilweise weiterhin zerkleinert. Erst im zweiten Schritt des Reversierbetriebes
ist die Förderrichtung beider Wellen aus der Spaltmitte heraus nach oben gerichtet.
Der Müll wird dabei auf Grund gleicher Drehzahl beider Wellen nicht mehr im Spalt
sondern nur noch im Zusammwirken mit den seitlichen Kämmen zerkleinert.
[0021] Weitere Vorteile der Erfindung werden anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels
in den nun folgenden Figuren erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Draufsicht auf einen Ausschnitt zweier Wellen einer Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Vorrichtung zum Zerkleinern von Sperrmüll, Haus- und Gewerbemüll und dgl.;
- Fig. 2
- eine Seitenansicht derselben Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung im
Schnitt;
- Fig. 3
- eine Draufsicht auf einen Ausschnitt zweier Wellen einer zweiten Ausführungsform der
erfindungsgemäßen Vorrichtung;
- Fig. 4
- eine Seitenansicht der zweiten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung im
Schnitt.
[0022] Das Ausführungsbeispiel aus Fig. 1 weist eine erste Welle 10 und eine zweite Welle
20 auf, die parallel zueinander angeordnet sind. Die beiden Wellen haben denselben
Umfang und sind voneinander beabstandet, so dass sie zwischen sich einen Spalt 11
definieren. Die erste Welle 10 weist auf ihrer Umfangsfläche 12 eine Vielzahl von
Brechwerkzeugen 14 auf, die sowohl in Umfangsrichtung als auch in axialer Richtung
zu den jeweils benachbarten Brechwerkzeugen beabstandet sind. Alle Brechwerkzeuge
14 haben dieselbe Breite in axialer Richtung. Ebenso sind alle Abstände zwischen jeweils
zwei axial benachbarten Brechwerkzeugen gleich. Daraus ergeben sich in Umfangsrichtung
umlaufende Zwischenräume 16, die sich in axialer Richtung jeweils mit Anordnungen
in Umfangsrichtung umlaufender Brechwerkzeuge 14 abwechseln. Gleichermaßen ist auf
der Umfangsfläche 22 der zweiten Welle 20 eine Vielzahl von Brechwerkzeugen 24 so
angeordnet, dass sich in Umfangsrichtung umlaufende Zwischenräume 26 mit einer Anordnung
in Umfangsrichtung umlaufender Brechwerkzeuge 24 abwechseln. Die Brechwerkzeuge 24
der zweiten Welle 20 sind in axialer Richtung versetzt zu den Brechwerkzeugen 14 der
ersten Welle 10 angeordnet, so dass sie mit den Zwischenräumen 16 korrespondieren.
Die Brechwerkzeuge 14 korrespondieren in entsprechender Weise mit den Zwischenräumen
26. Die Brechwerkzeuge 24 auf der zweiten Welle sind in axialer Richtung breiter als
die Brechwerkzeuge 14, jedoch schmaler als die Zwischenräume 16 zwischen den Brechwerkzeugen
14 auf der ersten Welle, wodurch jeweils Lücken 13 zwischen den im Bereich des Spaltes
11 ineinandergreifenden Brechwerkzeugen entstehen.
[0023] Sowohl die Brechwerkzeuge 14 als auch die Brechwerkzeuge 24 weisen eine lichte Höhe
über der jeweiligen Umfangsfläche 12 bzw. 22 der Wellen, die etwas geringer ist als
die Breite des Spaltes 11 zwischen den Wellen, so dass auch zwischen den stirnseitigen
Enden der Brechwerkzeuge und den jeweils gegenüberliegenden Wellen Lücken 15 entsteht.
[0024] Ferner sind die Brechwerkzeuge 14 wie auch die Brechwerkzeuge 24 zu ihren jeweils
nächsten Nachbarn auf jeweils derselben Welle in axialer und in radialer Richtung
derart versetzt angeordnet, dass diese in Umfangsrichtung gesehen eine v-förmige Gruppierung
bilden.
[0025] Die Seitenansicht gemäß Fig. 2 zeigt dasselbe Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen
Vorrichtung mit einem Maschinengestell 30, dass auf seiner Oberseite eine trichterförmige
Öffnung 32 zum Einfüllen des Mülls und auf seiner Unterseite einen Abschnitt 34 mit
geraden vertikalen Seitenwänden aufweist, zwischen denen sich die Anordnung beider
Wellen 10, 20 befindet. An beiden geraden Seitenwänden des Gehäuses ist jeweils in
Richtung der Wellen zeigend ein Seitenkamm 36, 38 angeordnet. Die Zinken der Seitenkämme
ragen bis dicht an die Umfangsflächen 12, 22 der Wellen heran und sind in axialer
Richtung so angeornet, dass sie in die Zwischenräume 16, 26 zwischen den Brechwerkzeugen
14, 24 eingreifen (in dieser Ansicht nicht erkennbar).
[0026] Die Drehrichtung der Wellen ist mit Pfeilen 18 bzw. 28 gekennzeichnet. Der Pfeil
18 indiziert, dass sich die Welle 10 gemäß Fig. 2 im Uhrzeigersinn, also von oben
gesehen in Richtung des Spaltes 11 dreht. Welle 20 dreht sich gemäß Pfeil 28 gegen
den Uhrzeigersinn und von oben gesehen ebenfalls in Richtung des Spaltes 11. Die Länge
der Pfeile kennzeichnet außerdem, dass die Welle 10 in dem Betriebsmodus gemäß Fig.
2 mit einer größeren Drehzahl rotiert als Welle 20. Beispielhafte Drehzahlen für die
ersten Welle 10 ist 40 Umdrehungen pro Minute und demgenüber 5 Umdrehungen pro Minute
für die zweite Welle 20.
[0027] Die Brechwerkzeuge 14 und 24 sind in dieser Ansicht im Profil zu erkennen. Sie weisen
ein finnenförmiges Hakenprofil auf und sind auf beiden Wellen in gleicher Weise angeordnet.
Die Krümmung Brechwerkzeuge 14, 24 weist im Bezug auf die Drehrichtung im Fall der
ersten Welle 10 in dieselbe Richtung, während die Brechwerkzeuge 24 der zweiten Welle
20 entgegen ihrer Drehrichtung gekrümmt sind. Jeweils eine Anordnung in Umfangsrichtung
umlaufender Brechwerkzeuge 14, 24 auf jeder der Wellen besteht aus vier dieser Brechwerkzeuge
in Winkelschritten von 90°.
[0028] Fig. 3 und Fig. 4 zeigen eine Ausführungsform der erfindungsgemäßen Vorrichtung,
die sich durch die Anzahl, Anordnung und die Ausgestaltung der Brechwerkzeuge vom
ersten Ausführungsbeispiel unterscheidet. In Fig. 3 ist zu sehen, dass die Breite
der Brechwerkzeuge 14', 24' beider Wellen in axialer Richtung dieselbe ist. Im Schnitt
(Fig. 4) ist zu erkennen, dass die erste Welle 10
nur Anordnungen jeweils zweier in Umfangsrichtung gegenüberliegende Brechwerkzeuge
14' aufweist. Die zweite Welle 20 hingegen ist mit ringförmigen Anordnung 25' bestückt,
die jeweils 6 Brechwerkzeuge 14' in Winkelschritten von 60° beinhalten. Die Drehrichtungen
18, 28, Drehgeschwindigkeiten und Orientierungen der Werkzeuge sind diesselben, wie
die des ersten Ausführungsbeispiels.
[0029] Der durch die Pfeile 18, 28 indizierte Betriebsmodus gemäß Fig. 2 und Fig. 4 ist
der Normalbetrieb der Vorrichtung, dass heißt der Betrieb zur Zerkleinerung des Mülls.
Aufgrund der Drehrichtung beider Wellen wird Müll, der oberhalb der Wellen in den
Trichter des Gehäuses 30 gefüllt wird und mit den Brechwerkzeugen der Wellen in Berührung
tritt, zunächst in Richtung des Spaltes 11 transportiert. Aufgrund der größeren Drehzahl
der Welle 10 bewegen sich die Brechwerkzeuge 14 in dem Spalt 11 mit einer Relativgeschwindigkeit
auf die Brechwerkzeuge 24 der Welle 20 zu. Die Anordnung der Brechwerkzeuge 14, 14'
durchkämmt auf diese Weise die Anordnung der Brechwerkzeuge 24, 24', vgl. Fig. 1 und
Fig. 3, und zerkleinert dabei den in den Bereich des Spaltes 11 beförderten Müll.
Die Brechwerkzeuge 24, 24' der Welle 20 übernehmen die Funktion des bekannten feststehenden
Mittelkamms, sind jedoch aufgrund ihrer unabhängigen Bewegung demgegenüber wesentlich
flexibler.
[0030] Es wird ersichtlich, dass aufgrund der unterschiedlichen Rotationsgeschwindigkeiten,
die sich in den beiden Ausführungsbeispielen aus den unterschiedlichen Drehzahlen
beider Wellen bei gleichem Wellenumfang ergibt, die Winkelstellung der Welle 10 und
somit die Anordnung der Brechwerkzeuge 14, 14' gegenüber der Winkelstellung der Welle
20 und der Anordnung der Brechwerkzeuge 24, 24' ständig variiert. Dadurch kann eine
Vielzahl unterschiedlicher Kraftmomente, verursacht durch die Relativbewegung der
Brechwerkzeuge beider Wellen erzeugt werden, deren Richtung über einen weiten Bereich
von horizontal bis vertikal reicht. Derselbe Effekt wird auch durch eine Anordnung
erzielt, bei beide Wellen einen unterschiedlichen Umfang aber dieselbe Drehzahl aufweisen.
[0031] Gemäß Fig. 1 tritt aufgrund der v-förmigen Gruppierung benachbarter Werzeuge auf
jeder der Wellen in Zusammenhang mit den unterschiedlichen Drehzahlen stets ein unterschiedliches
Paar gegenüberliegender Brechwerkzeuge 14, 14' und 24, 24' in Wechselwirkung.
[0032] Die Krümmung der Brechwerkzeuge 24, 24' entgegen der Drehrichtung der entsprechenden
Welle 20 bewirkt, dass sich gegebenenfalls auf die Brechwerkzeuge 28 aufgewickelter
Draht oder angelagerter Müll während des Normalbetriebs and dem Seitenkamm 38 abgestreift
werden kann.
[0033] Nach einem beispielhaften Verfahren besteht die erste Stufe des sogenannten Reversierbetriebs
in einer Umkehr der Drehrichtung 28 der Welle 20. Die Wellen rotieren noch immer asynchron,
d.h. die Drehzahl der Welle 20 wird beibehalten, während die Welle 10 fortgesetzt
mit der gleichen, höheren Drehzahl und in der gleichen Drehrichtung rotiert wie zuvor
im Normalbetrieb. Das Ergebnis dieser ersten Stufe ist, dass die an dem zu zerkleinernden
Müll angreifenden Momente gegenüber dem Normalbetrieb andere Richtungen aufweisen.
So treten zum Beispiel auf der Spalteintrittsseite auf der Oberseite beider Wellen
durch die schnelle Drehung der Welle 10 im linken Bereich des Spaltes 11 abwärts gerichtete
Kräfte und durch die Drehung der Welle 20 im rechten Bereich des Spaltes 11 aufwärts
gerichtete Kräfte auf. Hierdurch wird einerseits eine Drehmoment erzeugt, durch das
der Müll dem folgenden Brechwerkzeug in einer anderen Orientierung zugeführt werden
kann. Andererseits bewegen sich die Brechwerkzeuge beider Wellen in der Spaltmitte
weiterhin gegen einander, wodurch ein in den Spalt gelangender Körper auch in der
ersten Stufe des Reversierbetriebs zerkleinert werden kann. Die Brechwerkzeuge 24,
24' der zweiten Welle 20 bewegen sich in diesem Betriebsmodus ausserdem auf den Seitenkamm
in Richtung ihrer Krümmung zu und können folglich auch an dieser Stelle den Müll zerbrechen.
[0034] In der zweiten Stufe des Reversierbetriebs des beispielhaften Verfahrens rotieren
beide Wellen 10, 20 synchron, d.h. mit der gleichen Drehzahl in entgegengesetzter
Richtung von oben gesehen aus dem Spalt heraus. In diesem Betriebsmodus tritt keine
Relativbewegung der Brechwerkzeuge mehr auf, die Kraftmomente zur Zerkleinerung des
Mülls verursachen. Der Müll wird bei dieser Stellung lediglich aus der Spaltmitte
11 heraustransportiert.
[0035] Die Brechwerkzeuge 14, 14' auf der Welle 10 rotieren in der zweiten Stufe des Reversierbetriebs
in entgegengesetzter Richtung ihrer Krümmung und können somit an dem Seitenkamm 36
eventuell angelagerten Müll oder aufgewickelten Draht abstreifen. Anders die Brechwerkzeuge
24, 24', diese bewegen weiterhin in Richtung ihrer Krümmung auf den korrespondierenden
Seitenkamm zu und können dort Müll zerbrechen.
1. Vorrichtung zum Zerkleinern von Sperrmüll, Haus- und Gewerbemüll und dgl., mit wenigstens
einer ersten und einer zweiten Welle (10, 20), die in einem Maschinengestell drehbar
um ihre im wesentlichen horizontal verlaufenden Längsachsen gelagert sind, die mittels
wenigstens eines Antriebs antreibbar sind und die zwischen sich einen Spalt (11) definieren,
und mit auf dem Umfang der Wellen (10, 20) mit in axialer Richtung dazwischenliegenden,
zum Brechen ausreichend breiten Zwischenräumen (16, 26) angeordneten Brechwerkzeugen
(14, 24),
dadurch gekennzeichnet, dass im Normalbetrieb die Geschwindigkeit der Brechwerkzeuge (14) der ersten Welle (10)
höher als die Geschwindigkeit der Brechwerkzeuge (24) der zweiten Welle (20) ist und
wenigstens die erste Welle (10) eine Drehrichtung (18) aufweist, die von oben gesehen
in Richtung des Spaltes (11) orientiert ist, und dass die Brechwerkzeuge auf der ersten
und der zweiten Welle so angeordnet und dimensioniert sind, dass auf Grund der Relativbewegung
während der Drehung der Welle/n mindestens ein Brechwerkzeug (14) der ersten Welle
(10) in einen Zwischenraum (26) zwischen zwei Brechwerkzeugen (24) der zweiten Welle
(20) und/oder mindestens ein Brechwerkzeug (24) der zweiten Welle (20) in einen Zwischenraum
(16) zwischen zwei Brechwerkzeugen (14) der ersten Welle (10) eingreift.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass im Normalbetrieb die Drehrichtungen (18, 28) beider Wellen (10, 20) gegenläufig,
von oben gesehen aufeinander zu orientiert sind.
3. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die Breite der Brechwerkzeuge (14, 24) in axialer Richtung wesentlich geringer als
die Breite der Zwischenräume (26, 16) sind, in die sie jeweils eingreifen.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass der Spalt (11) zwischen den Wellen parallel ist und die lichte Höhe der Brechwerkzeuge
über den Umfangsflächen der Wellen jeweils wesentlich geringer als die Breite des
Spaltes (11) ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass in axialer Richtung jeweils die Breite der Brechwerkzeuge (14) der ersten Welle (10)
und die Breite der Brechwerkzeuge (24) der zweiten Welle (20) einheitlich ist.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, dass in axialer Richtung der Wellen die Brechwerkzeuge (14) der ersten Welle (10) schmaler
als die Brechwerkzeuge (24) der zweiten Welle (20) sind.
7. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die erste und die zweite Welle denselben Durchmesser und die Brechwerkzeuge (14)
der ersten Welle (10) und die Brechwerkzeuge (24) der zweiten Welle (20) dieselbe
lichte Höhe aufweisen und im Normalbetrieb die Drehzahl der ersten Welle (10) höher
als die Drehzahl der zweiten Welle (20) ist.
8. Vorrichtung mindestens nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die Brechwerkzeuge (24) der zweiten Welle (20) ein asymmetrisches finnenförmiges
Hakenprofil aufweisen, das entgegen der Drehrichtung (28) der zweiten Welle (20) bei
Normalbetrieb gekrümmt ist.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass die Brechwerkzeuge (14) der ersten Welle (10) ein asymmetrisches finnenförmiges Hakenprofil
aufweisen, das in Drehrichtung (18) der ersten Welle (10) bei Normalbetrieb gekrümmt
ist.
10. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch zwei feststehende Kämme, die jeweils an der dem Spalt (11) horizontal gegenüberliegenden
Seite der Wellen (10, 20) und parallel zu diesen im Maschinengestell für das Reinigen
der Brechwerkzeuge (14, 24) angeordnet sind, deren Zinken jeweils eine Breite, die
im Wesentlichen der Breite der Zwischenräume (16, 26) entspricht, einen Abstand in
axialer Richtung, der im Wesentlichen der Breite der jeweiligen Brechwerkzeuge entspricht,
und eine Länge haben, die der Höhe der Brechwerkzeuge über den jeweiligen Umfangsflächen
der Wellen entspricht.
11. Vorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Wellen bzw. deren Antriebe jeweils mit (Drehmoment-)Sensoren ausgestattet sind,
die in Abhängigkeit von dem zum Zerkleinern des Mülls benötigte Drehmoment ein analoges
oder digitales Lastsignal erzeugen.
12. Vorrichtung nach Anspruch 11,
gekennzeichnet durch eine Steuerung, die das Lastsignal zusammen mit wenigsten einem vorwählbaren Schwellenwert
für eine Überlast und/oder eine Unterlast zu einem Steuersignal für den Antrieb der
Wellen zur Steuerung von Drehrichtung und/oder Drehzahl verarbeitet.
13. Verfahren zum Zerkleinern von Sperrmüll, Haus- und Gewerbemüll und dgl. mittels Brechwerkzeuge,
die von wenigstens einem Antrieb angetrieben werden, bei dem der erste Teil der Brechwerkzeuge
(14) um eine erste, im Wesentlichen horizontale Achse und der zweite Teil der Brechwerkzeuge
(24) um eine zweite, im Wesentlichen horizontale Achsen drehbar ist,
dadurch gekennzeichnet, dass beide Achsen so zueinander angestellt werden, dass sich beide Teile der Brechwerkzeuge
im Normalbetrieb mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, wenigstens durch Drehen des
ersten Teils der Brechwerkzeuge (14) von oben gesehen in Richtung der zweiten Achse,
relativ zueinander kämmend bewegen, wodurch Kraftmomente zum Zerkleinern des Mülls
im Wesentlichen zwischen mindestens einem Brechwerkzeug (14) der ersten Achse und
einem Brechwerkzeug (24) der zweiten Achse erzeugt werden.
14. Verfahren nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet, dass im Normalbetrieb die Drehrichtungen (18, 28) des ersten und des zweiten Teils der
Brechwerkzeuge (14, 24) gegenläufig, von oben gesehen aufeinander zu orientiert sind.
15. Verfahren nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet, dass im Normalbetrieb die Drehzahl des ersten Teils der Brechwerkzeuge (14) höher als
die Drehzahl des zweiten Teils der Brechwerkzeuge (24) ist.
16. Verfahren nach einem der Ansprüche 13 bis 15,
gekennzeichnet durch ein individuelles, lastabhängiges Ansteuern von Drehzahl und Drehrichtung beider
Teile der Brechwerkzeuge.
17. Verfahren nach Anspruch 16,
dadurch gekennzeichnet, dass die Drehrichtung und/oder die Drehzahl beider Teile der Brechwerkzeuge bei Feststellen
einer Überlast oder einer Unterlast umgeschaltet werden.
18. Verfahren mindestens nach Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet, dass bei Feststellen einer Überlast in einem ersten Schritt die Drehrichtung des zweiten
Teils der Brechwerkzeuge (24) unter Beibehaltung der geringeren Drehzahl reversiert
wird und in einem zweiten Schritt die Drehrichtung des ersten Teils der Brechwerkzeuge
(14) unter Beibehaltung der höheren Drehzahl reversiert und die Drehzahl des zweiten
Teils der Brechwerkzeuge (24) erhöht wird.
19. Verfahren mindestens nach Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet, dass bei Feststellen einer Unterlast in einem Schritt die Drehrichtungen beider Teile
der Brechwerkzeuge (14, 24) reversiert werden und die Drehzahl des zweiten Teils der
Brechwerkzeuge (24) erhöht wird.