(19)
(11) EP 1 190 853 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
27.03.2002  Patentblatt  2002/13

(21) Anmeldenummer: 01119798.5

(22) Anmeldetag:  29.08.2001
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7: B41F 13/10
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 21.09.2000 DE 10046732

(71) Anmelder: Heidelberger Druckmaschinen Aktiengesellschaft
69115 Heidelberg (DE)

(72) Erfinder:
  • Lötsch, Kurt
    69257 Wiesenbach (DE)

   


(54) Zylinder zur Aufnahme einer Druckform


(57) Aufgabe der Erfindung ist es, einen Zylinder zur Aufnahme einer Druckform zu entwickeln, der mit geringem Aufwand ein gleichmäßiges und bewegungsfreies Aufspannen einer Druckform ermöglicht.
Die Erfindung besteht darin, dass bei einem Zylinder, der einen ins Innere des Zylinders ragenden Kanal mit Kanalkanten aufweist, der sich in Richtung der Mantellinien des Zylinders erstreckt und durch den die Enden der Druckform geführt sind, und eine Vorrichtung zum Spannen der Druckform auf der Mantelfläche des Zylinders enthält, zum Erreichen im Wesentlichen über die Breite (b) der Druckform (1,16) konstanter Spannkräfte (7) mindestens eine der Kanalkanten (2,3,13,14) gewölbt ausgeführt ist.
Die Erfindung ist bei Druckmaschinen anwendbar, die einen Druckformzylinder aufweisen, der insbesondere zur Aufnahme von Druckfolien ausgebildet ist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft einen Zylinder zur Aufnahme einer Druckform, insbesondere zur Aufnahme einer Druckfolie für den Offsetdruck.

[0002] Bekannte Druckformzylinder weisen im Inneren Systeme zum Auf- und Abwickeln von Druckfolie von Spulen auf. Ausgehend von der Abwickelspule ist die Folie durch einen schlitzförmigen Kanal nach außen geführt. Die Folie umschlingt die Mantelfläche des Zylinders und führt durch den gleichen Kanal oder einen weiteren Kanal ins Innere auf die Aufwickelspule zurück. Hierbei ist man bemüht, die Folie gleichmäßig auf dem Zylinder aufzuspannen, wozu hohe Spannkräfte zur Wirkung kommen, um die Reibung zwischen der Folienunterseite und der Mantelfläche zu überwinden (DE 27 56 388, DE 42 24 332 A1, DE 43 29 125 C1).

[0003] Die bekannten Lösungen haben den Nachteil, dass trotz hoher Spannkräfte die Folie beweglich auf der Mantelfläche des Druckformzylinders sitzt. Dies führt beim Drucken zum Verschleiß der Folie und zu Druckfehlern.

[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, einen Zylinder zur Aufnahme einer Druckform zu entwickeln, der mit geringem Aufwand ein gleichmäßiges und bewegungsfreies Aufspannen einer Druckform ermöglicht.

[0005] Die Lösung der Aufgabe gelingt mit einem Zylinder, der mit den Merkmalen des Anspruchs 1 ausgestattet ist. Vorteilhafte Ausgestaltungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.

[0006] Durch die gewölbte Ausführung mindestens einer der Kanalkanten eines Zylinders wird es möglich, eine Druckform, insbesondere eine Druckfolie, so auf der Mantelfläche aufzuspannen, dass in der Druckform über deren Breite im Wesentlichen eine gleichmäßige Zugspannung vorliegt.

[0007] Die Erfindung soll anhand eines Ausführungsbeispiels noch näher erläutert werden, es zeigen:
Figur 1:
die Spannungsverteilung in einer Druckfolie 1 bei einem Zylinder mit gradlinigen Kanalkanten 2, 3,
Figur 2, 3:
einen Zylinder mit balligen Kanalkanten in zwei Ansichten.


[0008] In Figur 1 ist ein Schema der Spannungsverteilung in einer Druckfolie 1 bei einem Druckformzylinder mit geradlinigen Kanalkanten 2, 3 dargestellt. Zwischen den Kanalkanten 2, 3 liegt in einer Ebene abgewickelt der auf der Mantelfläche aufliegende Bereich von Druckfolie 1 mit der Länge l und der Breite b. Die Druckfolie 1 ist zwischen einer Abwickelrolle 4 und einer Aufwickelrolle 5 über die Kanalkanten 2, 3 gespannt. Hierzu kann die Aufwickelrolle 5 mit einem Motor und die Abwickelrolle 4 mit einer Bremsvorrichtung gekoppelt sein. Die Figur 1 zeigt weiterhin die Spannungsverteilung in der Druckfolie 1 entlang der Breite b. Die Spannungsvektoren 7 zeigen in Umfangsrichtung des Zylinders. In der Nähe der Ränder 8, 9 der Druckfolie sind die Spannungsvektoren 7 betragsmäßig größer als in der Umgebung der Mittellinie 10 der Druckfolie 1. Diese ungleichmäßige Spannungsverteilung hat zur Folge, dass die Druckfolie 1 in der Umgebung der Mittellinie 10 weniger fest auf der Mantelfläche des Zylinders haftet als in der Nähe der Ränder 8, 9. Im Zusammenwirken mit einem weiteren Zylinder kann die Druckfolie 1 auf der Mantelfläche rutschen, was zu Registerfehlern beim Drucken führen kann. Der Druckformzylinder darf in radialer Richtung keine Formabweichungen aufweisen, sodass in radialer Richtung kein Ausgleich der ungleichmäßigen Spannungsverteilung möglich ist.

[0009] Ein Ausgleich für die unterschiedlichen Spannungen wird durch ballige Kanalkanten erreicht, was in den Figuren 2 und 3 näher dargestellt ist. Figur 2 zeigt einen Querschnitt durch einen Zylinder 11 mit einem Kanal 12, der Kanalkanten 13 und 14 aufweist. Innerhalb des Zylinders 11 befindet sich eine Vorratsspule 15 für Druckfolie 16. Die bahnförmige Druckfolie 16 ist ausgehend von der Vorratsspule 15 durch den Kanal 12 über die Kanalkante 14 geführt und umschlingt die Mantelfläche 17 des Zylinders 11. Das andere Ende der Druckfolie 16 führt über die Kanalkante 15 und den Kanal 12 ins Innere des Zylinders 11 auf eine Aufwickelspule 18.

[0010] Mit Blick in Richtung A zeigt Figur 3 die ballige bzw. gewölbte Ausführung der Kanalkanten 13, 14. Die Wölbungen der Kanalkanten 13, 14 sind so ausgeführt, dass sie im Bereich der Mittellinie 19 der symmetrisch auf die Mantelfläche 17 des Zylinders 11 gelegten Druckfolie 16 vorstehen. Der Kanal 12 ist in diesem Bereich verengt. In Richtung der Ränder 20, 21 der Druckfolie 16 sind die Kanalkanten 13, 14 zurückgenommen, sodass der Kanal 12 weiter als in der Mitte ist. Das Krümmungsmaß für die Kanalkanten 13, 14 ergibt sich aus den nötigen Korrekturwerten für eine gleichmäßige Spannungsverteilung. Die gleichmäßige Spannungsverteilung ergibt sich dadurch, dass bei ballig ausgeführten Kanalkanten 13, 14 in der Umgebung der Mittellinie 19 die Zugkräfte auf die Druckfolie 16 korrigierend gegenüber den Randbereichen erhöht wird. Die Zugkräfte können in herkömmlicher Weise mittels eines Aufwickelantriebes erzeugt werden, der mit der Aufwickelspule 18 gekoppelt ist. Wie oben bereits beschrieben, kann die Vorratsrolle beim Spannen mittels des Aufwickelantriebes mit einer Bremsvorrichtung gekoppelt sein oder blockiert werden.

[0011] Der positive Effekt des Spannungsausgleiches tritt bereits ein, wenn nur eine der Kanalkanten 13, 14 ballig ausgeführt ist. Zur Verbesserung des Spannungsvorganges können Maßnahmen getroffen werden, die die Reibung der Druckfolie 16 auf der Mantelfläche 17 und über die Kanalkanten 13, 14 verringert. Zum Beispiel können die Kanalkanten 13, 14 abgerundet und mit geringer Reibung ausgebildet sein. Des Weiteren wären Rollenelemente einsetzbar, über die die Druckfolie 16 an den Kanalkanten 13, 14 geführt ist, wobei die Rollenelemente die konvexe Form der Kanalkanten 13, 14 annehmen. Bei Zylindern, die mehrere Kanäle 12 aufweisen, können die Kanalkanten 13, 14 einheitlich, wie oben beschrieben, ballig ausgeführt werden.

Bezugszeichenliste



[0012] 
1
Druckfolie
2, 3
Kanalkante
4
Abwickelrolle
5 6
Aufwickelrolle
7
Spannungsvektor
8, 9
Rand
10
Mittellinie
11
Zylinder
12
Kanal
13, 14
Kanalkante
15
Vorratsspule
16
Druckfolie
17
Mantelfläche
18
Aufwickelspule
19
Mittellinie
20, 21
Rand
b
Breite
l
Länge



Ansprüche

1. Zylinder zur Aufnahme einer Druckform, enthaltend einen ins Innere des Zylinders ragenden Kanal mit Kanalkanten, der sich in Richtung der Mantellinien des Zylinders erstreckt und durch den die Enden der Druckform geführt sind,
und enthaltend eine Vorrichtung zum Spannen der Druckform auf der Mantelfläche des Zylinders,
dadurch gekennzeichnet,
dass zum Erreichen im Wesentlichen über die Breite (b) der Druckform (1, 16) konstanter Spannkräfte (7) mindestens eine der Kanalkanten (2, 3, 13, 14) gewölbt ausgeführt ist.
 
2. Zylinder nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass im Bereich der Mitte (10, 19) der Druckform (1, 16) in Umfangsrichtung des Zylinders (11) die Wölbung vorsteht und in den Seitenbereichen (8, 9, 20, 21) der Druckform (1, 16) abnimmt.
 
3. Zylinder nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass beim Verwenden einer an beiden Enden der Druckform (1, 16) angreifenden Spannvorrichtung beide Kanalkanten (2, 3, 13, 14) ballig ausgeführt sind, wobei der Abstand der Kanalkanten (2, 3, 13, 14) im Bereich der Mitte (10, 19) der Druckform (1, 16) verringert ist und den Seitenbereichen (8, 9, 20, 21) der Druckform (1, 16) stetig zunimmt.
 
4. Zylinder nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Kanalkanten (2, 3, 13, 14) abgerundet sind.
 
5. Zylinder nach Anspruch 1 und 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Kanalkanten (2, 3, 13, 14) mit einem geringen Reibkoeffizienten ausgebildet sind.
 
6. Zylinder nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass zur Verringerung der Reibung entlang der gewölbten Kanalkante (2, 3, 13, 14) Rollenelemente ausgebildet sind, die im Wesentlichen die Druckforrn (1, 16) tragen.
 




Zeichnung