[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung einer mehrschichtigen Lackierung
von eine autophoretisch beschichtbare metallische Oberfläche aufweisenden Substraten.
[0002] Heutige, hochwertige Kraftfahrzeugserienlackierungen werden im allgemeinen erzeugt
durch elektrophoretische Abscheidung einer vor Korrosion schützenden Grundierung auf
eine in der Regel mit einer Konversionsschicht versehene Rohkarosse, und nachfolgender
Spritzapplikation von Folgeschichten bestehend aus einer Füllerschicht und einer anschließend
aufgebrachten dekorativen Zwecken dienenden Lackierung aus farb- und/oder effektgebender
Basislackschicht und einer die Oberfläche versiegelnden schützenden Klarlackschicht.
Die Konversionsschicht auf den unbeschichteten Rohkarossen wird erzeugt durch eine
erheblichen Aufwand bedeutende chemische Vorbehandlung, im allgemeinen bestehend aus
Phosphatierung und Passivierung.
[0003] Die Gesamtschichtdicke derartiger Kraftfahrzeuglackierungen liegt in der Praxis zwischen
90 und 130 µm, die sich als Summe aus 15 bis 25 µm Schichtdicke für die Grundierung,
30 bis 40 µm für die Füllerschicht, 10 bis 25 µm für die Basislackschicht und 30 bis
40 µm für die Klarlackschicht ergibt. Es ist aber bisher notwendig, diese Schichtdicken
erheblich zu überschreiten, wenn Lackierungen mit besonders gutem optischem Erscheinungsbild,
d.h. mit herausragendem Glanz und Decklackstand beispielsweise bei der Lackierung
von Kraftfahrzeugen der Ober- und Luxusklasse erzielt werden sollen. In der DE-A-42
15 070 und in der DE-A-38 39 905 wird beispielsweise der Auftrag mehrerer Klarlackschichten
auf eine Basislackschicht beschrieben. Es ergeben sich dann Schichtdicken von über
110 µm, z.B. bis zu 170 µm, was aus Gründen der Materialersparnis und Gewichtsersparnis
am fertigen Fahrzeug unerwünscht ist.
[0004] Aus der DE-B-22 27 289 ist ein Verfahren bekannt, bei dem eine Zweischichtlackierung
hergestellt wird durch elektrophoretische Abscheidung einer Überzugsschicht auf einer
zuvor autophoretisch auf eisen- und/oder zinkhaltigen Metalloberflächen abgeschiedenen,
elektrisch leitfähigen Überzugsschicht. Das autophoretisch abscheidbare Überzugsmittel
(Autophoreselack) enthält elektrisch leitendes Material, insbesondere 10 bis 100 g
elektrisch leitenden Kohlenstoff pro Liter des Überzugsmittels.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist die Bereitstellung von Mehrschichtlackierungen, insbesondere
Kraftfahrzeuglackierungen, die den Anforderungen eines herausragenden Glanzes und
Decklackstands genügen, ohne das normale Maß der Gesamtschichtdicken von Kraftfahrzeuglackierungen
zu überschreiten und ohne dabei Nachteile im Gesamteigenschaftsniveau hinnehmen zu
müssen.
[0006] Es hat sich gezeigt, daß diese Aufgabe überraschenderweise gelöst werden kann durch
ein Verfahren zur Mehrschichtlackierung durch Auftrag einer Grundierungsschicht, einer
Basislackschicht und einer oder mehrerer Klarlackschichten auf ein Substrat, das eine
autophoretisch beschichtbare metallische Oberfläche aufweist, wobei zwischen dem Auftrag
der Grundierungsschicht und dem Auftrag der Basislackschicht eine Zwischenschicht
aufgetragen werden kann, das dadurch gekennzeichnet ist, daß die Grundierungsschicht
als erste Überzugsschicht aus einem autophoretisch abscheidbaren Überzugsmittel durch
autophoretische Abscheidung aufgetragen und anschließend eingebrannt wird, worauf
die weiteren Überzugsschichten aufgebracht werden, so daß die Gesamttrockenschichtdicke
der Mehrschichtlackierung bei 80 - 130 µm liegt und die Gesamttrockenschichtdicke
der Klarlackschichten bei 40 - 80 µm liegt.
[0007] Es ist besonders günstig, wenn die erste Überzugsschicht aus einem autophoretisch
abscheidbaren Überzugsmittel erstellt wird, das zu einer im eingebrannten Zustand
elektrisch leitfähigen Überzugsschicht führt. Auf eine solche erste Überzugsschicht
kann dann bevorzugt die direkt folgende Schicht durch elektrophoretische Abscheidung
eines elektrophoretisch abscheidbaren wäßrigen Überzugsmittels aufgebracht werden,
das bevorzugt zu einer elektrisch isolierenden zweiten Überzugsschicht führt. Als
zweite Überzugsschicht kann eine Zwischenschicht gebildet und eingebrannt werden,
worauf als dritte Überzugsschicht eine Basislackschicht aus einem farb- und/oder effektgebenden
Überzugsmittel aufgetragen wird, die mit einer oder mehreren Klarlacküberzugsmitteln
überlackiert wird.
[0008] Nach einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird als zweite Überzugsschicht
eine Basislackschicht aus einem elektrophoretisch abscheidbaren wäßrigen Überzugsmittel
durch elektrophoretische Abscheidung gebildet, die mit einer oder mehreren Klarlackschichten
überlackiert wird.
[0009] Beim Arbeiten mit einer Zwischenschicht als zweite Überzugsschicht wird bevorzugt
so gearbeitet, daß die Gesamttrockenschichtdicke des Lackaufbaus bei 90 - 130 µm,
besonders bevorzugt unter 110 µm liegt.
[0010] Wird als zweite, elektrophoretisch abgeschiedene Überzugsschicht eine Basislackschicht
gebildet, so liegt die Gesamttrockenschichtdicke des Lackaufbaus bevorzugt bei 80
- 110 µm.
[0011] Zusammenfassend ergeben sich für die Erfindung zwei bevorzugte Ausführungsformen:
[0012] Eine erste liegt in einem Verfahren zur Herstellung einer Mehrschichtlackierung auf
einem eine autophoretisch beschichtbare, metallische Oberfläche aufweisenden Substrat,
bei dem eine erste Überzugsschicht aus einem autophoretisch abscheidbaren Überzugsmittel
autophoretisch abgeschieden und anschließend eingebrannt wird, worauf weitere Überzugsschichten
aufgebracht werden, das dadurch gekennzeichnet ist, daß man als autophoretisch abscheidbares
Überzugsmittel ein solches verwendet, das zu einer im eingebrannten Zustand elektrisch
leitfähigen Überzugsschicht führt, worauf nach dem Einbrennen der ersten Überzugsschicht
eine elektrisch isolierende zweite Überzugsschicht aus einem elektrophoretisch abscheidbaren
wäßrigen Überzugsmittel elektrophoretisch abgeschieden und eingebrannt wird, worauf
als dritte Überzugsschicht eine Basislackschicht aus einem farb- und/oder effektgebenden
Überzugsmittel aufgetragen wird, die mit einer vierten, transparenten Überzugsschicht
aus einem Klarlacküberzugsmittel überlackiert und mit dieser gemeinsam eingebrannt
wird, worauf gegebenenfalls eine oder mehrere weitere transparente Überzugsschichten
aufgetragen werden, wobei die Gesamttrockenschichtdicke des Lackaufbaus zwischen 90
und 130 µm, bevorzugt unter 110 µm liegt und die Trockenschichtdicke der transparenten
Überzugsschicht oder die Gesamtschichtdicke der transparenten Überzugsschichten zwischen
40 und 80 µm, bevorzugt zwischen 40 und 60 µm beträgt. Die Klarlackschicht kann aus
einer oder mehreren Schichten bestehen, wobei die erste Klarlackschicht bevorzugt
vor Auftrag der weiteren Klarlackschichten eingebrannt wird. Werden mehrere Klarlackschichten
aufgetragen, so können diese aus dem gleichen oder verschiedenen Klarlacküberzugsmitteln
erstellt werden.
[0013] Eine zweite besonders bevorzugte Ausführungsform der Erfindung besteht in einem Verfahren
zur Herstellung einer Mehrschichtlackierung auf einem eine autophoretisch beschichtbare,
metallische Oberfläche aufweisenden Substrat, bei dem eine Grundierung aus einem autophoretisch
abscheidbaren wäßrigen Überzugsmittel autophoretisch aufgetragen und anschließend
eingebrannt wird, worauf eine farbund/oder effektgebende Basislackschicht aus einem
wäßrigen Überzugsmittel aufgebracht und eingebrannt wird und diese danach ohne Aufbringen
von Zwischenschichten mit einem oder mehreren Klarlacküberzügen versehen wird, das
dadurch gekennzeichnet ist, daß man als autophoretisch abscheidbares Überzugsmittel
ein solches verwendet, das zu einer im eingebrannten Zustand elektrisch leitfähigen
Grundierungsschicht führt, die Basislackschicht aus einem elektrophoretisch abscheidbaren
wäßrigen Überzugsmittel durch elektrophoretische Abscheidung gebildet wird, die Gesamttrockenschichtdicke
der Klarlackschicht oder Klarlackschichten zwischen 40 und 80 µm, bevorzugt zwischen
40 und 60 µm liegt und die Gesamttrockenschichtdicke der Mehrschichtlackierung bei
80 bis 110 µm liegt. Die Klarlackschicht kann aus einer oder mehreren Schichten bestehen,
wobei die erste Klarlackschicht bevorzugt vor Auftrag der weiteren Klarlackschichten
eingebrannt wird. Werden mehrere Klarlackschichten aufgetragen, so können diese aus
dem gleichen oder verschiedenen Klarlacküberzugsmitteln erstellt werden.
[0014] Überraschenderweise weisen die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren erhaltenen Mehrschichtlackierungen
eine den hohen Anforderungen der Autoserienlackierung genügende Haftung zwischen der
ersten, autophoretisch abgeschiedenen Überzugsschicht und der zweiten, elektrophoretisch
abgeschiedenen Überzugsschicht auf.
[0015] Beim erfindungsgemäßen Verfahren können als autophoretisch abscheidbare Überzugsmittel
an sich bekannte autophoretisch abscheidbare Überzugs-mittel verwendet werden zur
Erzeugung der ersten Überzugsschicht, wobei das autophoretisch abscheidbare Überzugsmittel
bevorzugt Bestandteile enthält, die der ersten Überzugsschicht im eingebrannten Zustand
einen zur elektrophoretischen Abscheidung einer weiteren Überzugsschicht aus einem
elektrophoretisch abscheidbaren Überzugsmittel ausreichend niedrigen spezifischen
Widerstand verleihen.
[0016] Bei den autophoretisch abscheidbaren Überzugsmitteln handelt es sich um Überzugsmittel
auf Basis wäßriger Bindemitteldispersionen mit negativer Oberflächenladung der Bindemittelteilchen.
Aufgrund ihres in der Regel sauren pH-Wertes von beispielsweise zwischen 1 und 6,
bevorzugt zwischen 1,5 und 5,0, und ihres in der Regel oxidierenden Charakters sind
Autophoreselacke befähigt, ausreichend unedle Metalloberflächen unter Freisetzung
entsprechender Metallionen anzugreifen. Wird dabei im Bereich der Metalloberfläche
eine Metallionenkonzentration erreicht, die ausreicht die in der Wasserphase dispergierten
Bindemittelteilchen zu destabilisieren und zu koagulieren, so kommt es zur Abscheidung
eines Überzugsfilms auf der Metalloberfäche.
[0017] Die im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbaren autophoretisch abcheidbaren Überzugsmittel
besitzen im allgemeinen einen niedrigen Festkörpergehalt von beispielsweise bis zu
20 Gew.-%, wobei die Untergrenze in der Regel beispielsweise 5 Gew.-% und die Obergrenze
beispielsweise 10 Gew.-% beträgt. Sie enthalten neben autophoretisch abscheidbarem
filmbildenden Bindemittel, Wasser, Säure und gegebenenfalls elektrisch leitfähigen
Bestandteilen in der Regel auch Oxidationsmittel sowie gegebenenfalls Vernetzer für
die Bindemittel, Füllstoffe, Pigmente und lackübliche Additive.
[0018] Die für die Erzeugung der ersten Überzugsschicht erfindungsgemäß verwendbaren autophoretisch
abscheidbaren Überzugsmittel können physikalisch trocknend oder unter Ausbildung kovalenter
Bindungen vernetzbar sein. Bei den unter Ausbildung kovalenter Bindungen vernetzenden
Autophoreselacken kann es sich um selbst- oder fremdvernetzende Systeme handeln.
[0019] Die im erfindungsgemäßen Verfahren für die Herstellung der ersten Überzugsschicht
verwendbaren Autophoreselacke enthalten ein oder mehrere an sich neutrale oder anionische
Gruppen aufweisende, filmbildende Bindemittel. Sie können, insbesondere falls die
Bindemittel nicht selbstvernetzend oder physikalisch trocknend (thermoplastisch) sind,
gegebenenfalls auch Vernetzer enthalten. Bindemittel und gegebenenfalls enthaltene
Vernetzer liegen als wäßrige Dispersion mit negativer Oberflächenladung der Teilchen
vor. Die negative Oberflächenladung stabilisiert die dispergierten Teilchen in der
wäßrigen Phase. Die negative Oberflächenladung kann beispielsweise von anionischen
Gruppen im Bindemittel und/oder insbesondere bei an sich neutralen Bindemitteln von
anionischem Emulgator für das Bindemittel und die Vernetzer herrühren. Beispiele für
anionische Gruppen im Bindemittel sind anionische Gruppen des Bindemittels an sich,
beispielsweise Carboxylgruppen oder Sulfonatgruppen, und/oder anionische Reste aus
der Bindemittelherstellung, beispielsweise aus der Herstellung eines an sich neutralen
Bindemittels. Beispiele für anionische Reste aus der Bindemittelherstellung sind Sulfatgruppen
als im Bindemittel enthaltene Überreste aus einer durch Peroxodisulfat initiierten
radikalischen Polymerisation. Sowohl die Bindemittelkomponente als auch die Vernetzerkomponente
unterliegen an sich keinerlei Beschränkung; es können lackübliche, dem Fachmann geläufige
Harze verwendet werden. Beispielsweise können als filmbildende Bindemittel Polyester-,
Polyurethan-, Epoxid- und/oder Polymerisatharze verwendet werden. Polymerisatharze,
d.h. durch radikalische Polymerisation, insbesondere durch Emulsionspolymerisation
oder Saatpolymerisation hergestellte Bindemittel sind besonders bevorzugt im Rahmen
des erfindungsgemäßen Verfahrens. Insbesondere bevorzugt sind übliche wäßrige, thermoplastische
Polymerisatdispersionen (Latices), die Homo- oder Copolymere von olefinisch ungesättigten
Monomeren mit Glastemperaturen beispielsweise zwischen 0 und 100°C als disperse Phase
enthalten. Beispiele für geeignete olefinisch ungesättigte Monomere zum Aufbau solcher
Homound Copolymeren sind (Meth)acrylsäureester, wie z.B. Methyl(meth)acrylat, Ethyl(meth)acrylat,
n-Butyl(meth)acrylat, Hydroxyethyl(meth)acrylat, Hydroxypropyl(meth)acrylat, Ethylhexyl-(meth)acrylat;
Glycidylester ungesättigter Carbonsäuren, wie z.B. Glycidyl(meth)acrylat; (Meth)acrylamid,
(Meth)acrylnitril, anionische Gruppen enthaltende Monomere, wie Alkali- z.B. Natrium-2-Sulfoethylmethacrylat,
(Meth)acrylsäure; aber auch Monomere ohne weitere funktionelle Gruppen oder mit anderen
funktionellen Gruppen, wie z.B. Ethylen, Styrol, Vinylchlorid, Vinylidenchlorid, Vinylacetat,
Butadien. Beispiele für im Rahmen der Erfindung geeignete wäßrige Polymerisat-dispersionen
sind Styrol/Butadien-, Butadien/Acrylnitril-, Vinylchlorid-, Ethylen/Vinylacetat-
sowie Vinylidenchlorid-Copolymeridispersionen, wobei letztere besonders bevorzugt
sind.
[0020] Die Auswahl der gegebenenfalls enthaltenen Vernetzer richtet sich nach der Funktionalität
der Bindemittel, d.h. die Vernetzer werden aus üb-lichen, dem Fachmann geläufigen
Vernetzern so ausgewählt, daß sie eine zur Funktionalität der Bindemittel komplementäre,
reaktive Funktionalität aufweisen. Beispiele für solche komplementäre Funktionalitäten
zwischen Bindemittel und Vernetzer sind: Hydroxyl/Methylolether, Hydroxyl/ blockiertes
Isocyanat. Sofern miteinander verträglich, können auch mehrere solcher komplementärer
Funktionalitäten in einem Autophorese-lack nebeneinander vorliegen. Die gegebenenfalls
in den Autophoreselacken verwendeten Vernetzer können einzeln oder im Gemisch vorliegen.
[0021] Die autophoretisch abscheidbaren Überzugsmittel enthalten eine oder mehrere freie
Säuren in einer Menge zur Einstellung des vorstehend genannten pH-Bereichs und bevorzugt
auch ein oder mehrere Oxidationsmittel. Beispiele für bevorzugte Säuren sind anorganische
Säuren, wie Salzsäure, Phosphorsäure, Schwefelsäure, Salpetersäure, und organische
Säuren, wie Ameisensäure, Essigsäure. Flußsäure ist besonders bevorzugt. Beispiele
für bevorzugte Oxidationsmittel sind Chromat, Dichromat, Bromat, Chlorat, Perchlorat,
Permanganat, Persulfat, Peroxodisulfat. Besonders bevorzugt ist Wasserstoffperoxid.
[0022] Eine besonders bevorzugte Kombination von Säure und Oxidationsmittel ist die Kombination
Flußsäure/Wasserstoffperoxid.
[0023] Bevorzugt enthalten die im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbaren autophoretisch
abscheidbaren Überzugsmittel elektrische Leitfähigkeit vermittelnde Bestandteile.
Sie sollen der ersten Überzugsschicht im eingebrannten Zustand einen zur elektrophoretischen
Abscheidung einer weiteren Überzugsschicht aus dem elektrophoretisch abscheidbaren
Überzugsmittel ausreichend niedrigen spezifischen Widerstand, im allgemeinen unter
10
8 Ohm.cm, beispielsweise zwischen 10
3 und 10
8 Ohm.cm verleihen. Beispiele für derartige Bestandteile sind teilchenförmige anorganische
oder organische elektrische Leiter oder Halbleiter, wie sie für diesen Zweck üblich
und dem Fachmann geläufig sind, beispielsweise Eisenoxidschwarz, Graphit, Leitfähigkeitsruß,
Metallpulver, z.B. aus Kupfer oder Edelstahl, Molybdändisulfid. Die elektrische Leitfähigkeit
verleihenden Bestandteile sind in dem autophoretisch abscheidbaren Überzugsmittel
in einer derartigen Menge enthalten, daß der gewünschte spezifische Widerstand der
daraus abgeschiedenen Überzugsschicht im eingebrannten Zustand erreicht wird. Bezogen
auf den Festkörpergehalt des autophoretisch abgeschiedenen Überzugsmittels beträgt
der Anteil des oder der elektrische Leitfähigkeit verleihenden Bestandteile beispielsweise
zwischen 1 und 30 Gew.-%. Der Anteil kann vom Fachmann leicht ermittelt werden; er
ist beispielsweise abhängig vom spezifischen Gewicht, der spezifischen elektrischen
Leitfähigkeit und der Teilchengröße der eingesetzten elektrische Leitfähigkeit verleihenden
Bestandteile. Es können ein oder mehrere dieser Bestandteile in Kombination vorliegen.
[0024] Bevorzugt enthalten die im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbaren autophoretisch
abscheidbaren Überzugsmittel Pigmente und/oder Füllstoffe. Als Pigmente kommen beispielsweise
übliche, anorganische oder organische, insbesondere säurefeste Pigmente und/oder Füllstoffe
in Frage. Beispiele sind Ruß, Titandioxid, Eisenoxidpigmente, Kaolin, Talkum oder
Siliciumdioxid, aber auch Korrosionsschutzpigmente.
[0025] Pigmente, Füllstoffe sowie dem eingebrannten Autophoreselack elektrische Leitfähigkeit
vermittelnde Bestandteile können beispielsweise als Pigmentsuspensionen (Pigmentslurrys)
oder Pigmentanreibungen in Wasser und/oder organischen, wassermischbaren Lösemitteln,
wie Glykole, z.B. Ethylenglykol, Propylenglykol; Alkohole, z.B. sec.-Butanol und Hexanol;
Glykolether, z.B. Ethoxypropanol, Methoxypropanol und Butoxyethanol bei der Formulierung
des erfindungsgemäß einsetzbaren autophoretisch abscheidbaren Überzugsmittels eingesetzt
werden. Derartige Pigmentanreibungen sind auch im Handel erhältlich und werden z.B.
von der Firma HOECHST unter der Bezeichnung Colanyl
R vertrieben. Beispielsweise können wäßrige nicht-ionisch stabilisierte Pigmentdispersionen
mit anionisch stabilisierten Harzdispersionen vermischt werden unter Erzeugung von
zur Pigmentierung von Autophoreselacken geeigneten Pigmentkonzentraten.
[0026] Die im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbaren autophoretisch abscheidbaren Überzugsmittel
können weiterhin übliche Additive enthalten. Beispiele dafür sind übliche Lackaddditive,
wie Netzmittel, anionische und/oder nicht-ionische Emulgatoren, Schutzkolloide, Verlaufsmittel,
Korrosionsinhibitoren, Weichmacher, Antischaummittel, Lösemittel beispielsweise als
Filmbildehilfsmittel, Lichtschutzmittel, Fluoride, insbesondere z.B. Eisentrifluorid,
Hydrogenfluoride, komplexe Fluoranionen, z.B. Tetrafluoroborate, Hexafluorozirkonate,
Hexafluorotitanate. Insbesondere Schutzkolloide und/oder Emulgatoren sind bevorzugt
nur in kleinstmöglicher Menge enthalten, beispielsweise unterhalb der kritischen Mizellenkonzentration,
und entstammen bevorzugt den bei der Formulierung der autophoretisch abscheidbaren
Überzugsmittel eingesetzten Bindemitteldispersionen. Beispielsweise handelt es sich
um bei der Herstellung der Bindemitteldispersionen eingesetzte Schutzkolloide und/oder
Emulgatoren.
[0027] Zur Erzeugung der zweiten Überzugsschicht können beim erfindungsgemäßen Verfahren
beispielsweise und bevorzugt elektrophoretisch abscheidbare Überzugsmittel verwendet
werden. Hierzu sind die an sich bekannten anodisch oder kathodisch abscheidbaren Elektrotauchlacke
(ETL) geeignet.
[0028] Bei den Überzugsmitteln handelt es sich um wäßrige Überzugsmittel mit einem Festkörper
bis zu 50 Gew.-%, beispielsweise bis 20 Gew.-%, wobei die Untergrenze beispielsweise
bei 10 Gew.-% liegt. Der Festkörper wird gebildet aus für die Elektrotauchlackierung
üblichen Bindemitteln, wobei zumindest ein Teil der Bindemittel ionische und/oder
in ionische Gruppen überführbare Substituenten sowie gegebenenfalls zur chemischen
Vernetzung fähige Gruppen trägt, sowie gegebenenfalls vorhandenen Vernetzern, Füllstoffen,
Pigmenten und lacküblichen Additiven.
[0029] Die ionischen Gruppen oder in ionische Gruppen überführbare Gruppen der Bindemittel
können anionische oder in anionische Gruppen überführbare Gruppen, saure Gruppen,
wie -COOH, -SO
3H und/oder -PO
3H
2 und die entsprechenden, mit Basen neutralisierten anionischen Gruppen sein. Sie können
auch kationische oder in kationische Gruppen überführbare, z.B. basische Gruppen,
bevorzugt stickstoffhaltige basische Gruppen sein; diese Gruppen können quarternisiert
vorliegen oder sie werden mit einem üblichen Neutralisationsmittel, z.B. einer organischen
Monocarbonsäure, wie z.B. Ameisensäure oder Essigsäure in ionische Gruppen überführt.
Beispiele sind Amino-, Ammonium-, z.B. quartäre Ammonium-, Phosphonium-und/oder Sulfonium-Gruppen.
[0030] Im erfindungsgemäßen Verfahren können zur Herstellung der zweiten Überzugsschicht
beispielsweise die üblichen kathodischen Elektrotauchlacke (KTL) auf Basis kationischer
bzw. basischer Bindemittel verwendet werden. Solche basischen Harze sind beispielsweise
primäre, sekundäre und/oder tertiäre Aminogruppen enthaltende Harze, deren Aminzahlen
z.B. bei 20 bis 250 mg KOH/g liegen. Das Gewichtsmittel der Molmasse (Mw) der Basisharze
liegt bevorzugt bei 300 bis 10000. Bei-spiele für solche Basisharze sind Amino(meth)acrylatharze,
Aminoepoxidharze, Aminoepoxid-harze mit endständigen Doppelbindungen, Aminoepoxidharze
mit primären OH-Gruppen, Aminopolyurethanharze, aminogruppenhaltige Polybutadienharze
oder modifizierte Epoxidharz-Kohlendioxid-Amin-Umsetzungs-produkte. Diese Basisharze
können selbst-vernetzend sein oder sie werden mit bekannten Vernetzern im Gemisch
eingesetzt. Beispiele für solche Vernetzer sind Aminoplastharze, blockierte Polyisocyanate,
Vernetzer mit endständigen Doppelbindungen, Polyepoxidverbindungen oder Vernetzer,
die umesterungsfähige Gruppen enthalten.
[0031] Ebenfalls im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbar zur Herstellung der zweiten Überzugsschicht
sind die üblichen anionische Gruppen enthaltenden anodisch abscheidbaren Elektrotauchlack-Bindemittel
und Lacke (ATL). Es handelt sich beispielsweise um Bindemittel auf Basis von Polyestern,
Epoxidharzestern, (Meth)acrylcopolymerharzen, Maleinatölen oder Polybutadienölen mit
einem Gewichtsmittel der Molmasse (Mw) von beispielsweise 300 bis 10000 und einer
Säurezahl von 35 bis 300 mg KOH/g. Die Bindemittel tragen -COOH, -SO
3H und/oder -PO
3H
2-Gruppen. Die Harze können nach Neutralisation von mindestens einem Teil der sauren
Gruppen in die Wasserphase überführt werden. Die Bindemittel können selbstvernetzend
oder fremdvernetzend sein. Die Lacke können daher auch übliche Vernetzer enthalten,
z.B. Triazinharze, Vernetzer, die umesterungsfähige Gruppen enthalten oder blockierte
Polyisocyanate.
[0032] Es ist im erfindungsgemäßen Verfahren bevorzugt, als ETL-Überzugsmittel ein ATL-Überzugsmittel
zu verwenden, insbesondere bei der Realisierung der besonderen und unabhängigen Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung, bei der der Basislack elektrophoretisch abgeschieden wird.
[0033] Zusätzlich zu den Basisharzen und gegebenenfalls vorhandenem Vernetzer können die
ETL-Überzugsmittel Pigmente, Füllstoffe und/oder lackübliche Additive enthalten. Als
Pigmente kommen beispielsweise die üblichen anorganischen und/oder organischen Buntpigmente
und/oder Effektpigmente und/oder Füllstoffe in Frage. Als Pigmente kommen beispielsweise
die üblichen anorganischen und/oder organischen Buntpigmente und/oder Effektpigmente,
wie z.B. Titandioxid, Eisenoxidpigmente, Ruß, Phthalocyaninpigmente, Chinacridonpigmente,
Metallpigmente, z.B. aus Titan, Aluminium oder Kupfer, Interferenzpigmente, wie z.B.
titandioxidbeschichtetes Aluminium, beschichteter Glimmer, Graphiteffektpigmente,
plättchenförmiges Eisenoxid, plättchenförmige Kupferphthalocyaninpigmente in Frage.
Beispiele für Füllstoffe sind Kaolin, Talkum oder Siliciumdioxid.
[0034] Die Pigmente können zu Pigmentpasten dispergiert werden, z.B. unter Verwendung von
bekannten Pastenharzen. Insbesondere im Fall der ATL-Überzugsmittel ist es möglich,
Pigmentpasten zu verwenden, wie sie in den dem Fachmann bekannten zur Herstellung
von Zweischichtlackierungen des Basislack/Klarlack-Typs geeigneten Wasserbasislacken
verwendet werden. Derartige Pigmentpasten können erhalten werden durch Anreiben der
Pigmente in einem speziellen wasserverdünnbaren Pastenharz.
[0035] Als Additive sind die üblichen Additive möglich, wie sie insbesondere für ETL-Überzugsmittel
bekannt sind. Beispiele dafür sind Netzmittel, Neutralisationsmittel, Verlaufsmittel,
Katalysatoren, Korrosionsinhibitoren, Antischaummittel, Lösemittel, insbesondere jedoch
Lichtschutzmittel gegebenenfalls in Kombination mit Antioxidantien.
[0036] Im erfindungsgemäßen Verfahren können für die Erzeugung der dritten Überzugsschicht
an sich bekannte farb- und/oder effektgebende Basislacküberzugsmittel verwendet werden,
wie sie zur Herstellung von Basislack/Klarlack-Zweischichtlackierungen eingesetzt
werden und in großer Zahl beispielsweise aus der Patentliteratur bekannt sind.
[0037] Die für die Erzeugung der dritten Überzugsschicht erfindungsgemäß verwendbaren Basislacke
können physikalisch trocknend oder unter Ausbildung kovalenter Bindungen vernetzbar
sein. Bei den unter Ausbildung kovalenter Bindungen vernetzenden Basislacken kann
es sich um selbst- oder fremdvernetzende Systeme handeln.
[0038] Die im erfindungsgemäßen Verfahren verwendbaren farb- und/oder effektgebenden Basislacke
sind flüssige Überzugsmittel. Es kann sich um ein- oder mehrkomponentige Überzugsmittel
handeln, einkomponentige sind bevorzugt. Es kann sich um Systeme auf Basis organischer
Lösemittel handeln oder es handelt sich bevorzugt um Wasserbasislacke, deren Bindemittelsysteme
in geeigneter Weise, z.B. anionisch, kationisch oder nicht-ionisch stabilisiert sind.
[0039] Bei den im erfindungsgemäßen Verfahren für die Herstellung der dritten Überzugsschicht
verwendbaren Basislacküberzugsmitteln handelt es sich um übliche Lacksysteme, die
ein oder mehrere übliche Basisharze als filmbildende Bindemittel enthalten. Sie können,
falls die Basisharze nicht selbstvernetzend oder selbsttrocknend sind, gegebenenfalls
auch Vernetzer enthalten. Sowohl die Basisharzkomponente als auch die Vernetzerkomponente
unterliegen keinerlei Beschränkung. Als filmbildende (Basisharze) können beispielsweise
Polyester-, Polyurethan- und/oder (Meth)acrylcopolymerharze verwendet werden. Im Fall
der bevorzugten Wasserbasislacke sind bevorzugt Polyurethanharze enthalten, besonders
bevorzugt mindestens zu einem Anteil von 15 Gew.-%, bezogen auf den Festharzgehalt
des Wasserbasislacks. Die Auswahl der gegebenenfalls enthaltenen Vernetzer ist unkritisch,
sie richtet sich nach der Funktionalität der Basisharze, d.h. die Vemetzer werden
so ausgewählt, daß sie eine zur Funktionalität der Basisharze komplementäre, reaktive
Funktionalität aufweisen. Beispiele für solche komplementäre Funktionalitäten zwischen
Basisharz und Vernetzer sind: Hydroxyl/Methylolether, Hydroxyl/Freies Isocyanat, Hydroxyl/Blockiertes
Isocyanat, Carboxyl/Epoxid. Sofern miteinander verträglich, können auch mehrere solcher
komplementärer Funktionalitäten in einem Basislack nebeneinander vorliegen. Die gegebenenfalls
in den Basislacken verwendeten Vernetzer können einzeln oder im Gemisch vorliegen.
[0040] Die beim erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzten Basislacke enthalten neben den
üblichen physikalisch trocknenden und/oder chemisch vernetzenden Bindemitteln anorganische
und/oder organische Buntpigmente und/oder Effektpigmente, wie z.B. Titandioxid, Eisenoxidpigmente,
Ruß, Azopigmente, Phthalocyaninpigmente, Chinacridonpigmente, Metallpigmente, z.B.
aus Titan, Aluminium oder Kupfer, Interferenzpigmente, wie z.B. titandioxidbeschichtetes
Aluminium, beschichteter Glimmer, Graphiteffektpigmente, plättchenförmiges Eisenoxid,
plättchenförmige Kupfertphthalocyaninpigmente.
[0041] Weiterhin können die Basislacke lackübliche Additive enthalten, wie z.B. Füllstoffe,
Katalysatoren, Verlaufsmittel, Antikratermittel oder insbesondere Lichtschutzmittel
gegebenenfalls in Kombination mit Antioxidantien.
[0043] Als Klarlacküberzugsmittel für die Erzeugung der vierten und gegebenenfalls weiterer
Überzugsschichten oder im Falle der besonderen und unabhängigen Ausführungsform der
vorliegenden Erfindung für die Erzeugung der dritten und gegebenenfalls weiterer Überzugsschichten
sind grundsätzlich alle üblichen Klarlacke oder transparent farbig oder farblos pigmentierten
Überzugsmittel geeignet. Dabei kann es sich um ein- oder mehrkomponentige Klarlacküberzugsmittel
handeln. Sie können lösemittelfrei (flüssig oder als Pulverklarlack) sein, oder es
kann sich um Systeme auf der Basis von Lösemitteln handeln oder es handelt sich um
wasserverdünnbare Klarlacke, deren Bindemittelsysteme in geeigneter Weise, z.B. anionisch,
kationisch oder nicht-ionisch stabilisiert sind. Bei den wasserverdünnbaren Klarlacksystemen
kann es sich um wasserlösliche oder in Wasser dispergierte Systeme, beispielsweise
Emulsionssysteme oder Pulverslurry-Systeme handeln. Die Klarlacküberzugsmittel härten
beim Einbrennen unter Ausbildung kovalenter Bindungen infolge chemischer Vernetzung
aus.
[0044] Bei den im erfindungsgemäßen Verfahren verwendbaren Klarlacken handelt es sich um
übliche Klarlacküberzugsmittel, die ein oder mehrere übliche Basisharze als filmbildende
Bindemittel enthalten. Sie können, falls die Basisharze nicht selbstvernetzend sind,
gegebenenfalls auch Vernetzer enthalten. Sowohl die Basisharzkomponente als auch die
Vernetzerkomponente unterliegen keinerlei Beschränkung. Als filmbildende Bindemittel
(Basisharze) können beispielsweise Polyester-, Polyurethan- und/oder (Meth)acryl-Copolymer-Harze
verwendet werden. Die Auswahl der gegebenenfalls enthaltenen Vernetzer ist unkritisch,
sie richtet sich nach der Funktionalität der Basisharze, d.h. die Vernetzer werden
so ausgewählt, daß sie eine zur Funktionalität der Basisharze komplementäre, reaktive
Funktionalität aufweisen. Beispiele für solche komplementäre Funktionalitäten zwischen
Basisharz und Vernetzer sind: Carboxyl/Epoxid, Hydroxyl/Methylolether, Hydroxyl/Freies
Isocyanat, Hydroxyl/Blockiertes Isocyanat, (Meth)acrylolyl/CH-acide Gruppe. Sofern
miteinander verträglich, können auch mehrere solcher komplementären Funktionalitäten
in einem Klarlack nebeneinander vorliegen. Die gegebenenfalls in den Klarlacken verwendeten
Vernetzer können einzeln oder im Gemisch vorliegen.
[0045] Neben den chemisch vernetzenden Bindemitteln sowie gegebenenfalls Vernetzern können
die im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbaren Klarlacke lackübliche Additive, wie
z.B. Katalysatoren, Verlaufsmittel, Farbstoffe, insbesondere jedoch Rheologiesteuerer,
wie Mikrogele, NAD (= non-aqueous-dispersions), disubstituierte Harnstoffe ("sagging
control agents") sowie Lichtschutzmittel gegebenenfalls in Kombination mit Antioxidantien
enthalten.
[0046] Der transparente Überzug kann in einer einzigen Schicht oder in Form von mehreren
Schichten aus dem gleichen oder aus mehreren verschiedenen transparenten Überzugsmitteln
aufgebracht werden. Zweckmäßig wird die transparente Überzugsschicht jedoch als vierte
Schicht oder im Fallle der besonderen und unabhängigen Ausführungsform der vorliegenden
Erfindung als dritte Schicht aus nur einem Klarlacküberzugsmittel aufgebracht. Bevorzugt
werden dabei solche Klarlacküberzugsmittel verwendet, die eine möglichst geringe Ablaufneigung
besitzen, beispielsweise festkörperreiche Klarlacke mit entsprechend eingestelltem
rheologischen Verhalten. Besonders bevorzugt sind Pulverklarlacke.
[0047] Als Substrate für das erfindungsgemäße Verfahren sind autophoretisch beschichtbare,
metallische Oberfläche aufweisende Rohkarossen bevorzugt. Diese können aus einem einzigen
Metall gefertigt oder in Mischbauweise aus mehreren metallischen Werkstoffen und/oder
aus mit einer entsprechenden Metallschicht versehenen Kunststoffteilen aufgebaut sein.
Als metallische Oberflächen kommen von Autophoreselacksystemen, insbesondere bei saurem
pH von beispielsweise zwischen 1 und 6 unter Freisetzung von Metallionen angreifbare,
dem Fachmann geläufige übliche Metalloberflächen in Frage, beispielsweise aus Eisen,
Zink, Aluminium oder entsprechenden Legierungen, aber auch beispielsweise verzinkte
Stahloberflächen. Die Metalloberflächen können vorbehandelt, beispielsweise mit einer
Phosphatierung und gegebenenfalls Passivierung versehen sein. Dies ist jedoch gerade
unter Korrosionsschutzgesichtspunkten nicht notwendig und stellt somit einen weiteren
Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens dar. Es sei darauf hingewiesen, daß der in
der vorliegenden Erfindung verwendete Begriff "Rohkarossen" insbesondere Kraftfahrzeugrohkarossen
aber beispielsweise auch deren Bauteile sowie Sichtflächen beinhaltende Kraftfahrzeugchassis
umfaßt.
[0048] Auf diese Substrate wird die erste Überzugsschicht aus dem autophoretisch abscheidbaren
Überzugsmittel autophoretisch in üblicher Weise, bevorzugt im Tauchverfahren, bevorzugt
in einer Trockenschichtdicke von beispielsweise 5 bis 25 µm, besonders bevorzugt von
10 bis 20 µm abgeschieden. Vor der weiteren Beschichtung mit dem elektrophoretisch
abscheidbaren Überzugsmittel kann die autophoretisch abgeschiedene Überzugsschicht
vor dem Einbrennen mit Wasser und/oder gegebenenfalls mit speziellen Lösungen nachbehandelt,
beispielsweise gespült werden. (Im Zusammenhang mit der Applikation des autophoretisch
abscheidbaren Überzugsmittels kann der Begriff "Einbrennen" abhängig von der Art des
Autophoreselacksystems ein Einbrennen unter chemischer Vernetzung der Autophoreseüberzugsschicht
oder eine rein physikalische Trocknung bei erhöhter Temperatur, beispielsweise unter
Schmelzen oder Versintern und Ausbildung eines geschlossenen Autophoreselacküberzuges
bedeuten). Nach dem Einbrennen bei dem verwendeten Autophoreselacksystem angepaßten
Temperaturen zwischen 80 und 190°C, beispielsweise bevorzugt zwischen 100°C und 160°C,
wird auf das so erhaltene mit einer einen spezifischen Widerstand von unter 10
8 Ohm.cm, insbesondere 10
3 bis 10
8 Ohm.cm aufweisenden Überzugsschicht versehene Substrat die zweite Überzugsschicht
aus einem elektrophoretisch abscheidbaren Überzugsmittel bevorzugt in einer Trockenschichtdicke
von beispielsweise 5 bis 45 µm, besonders bevorzugt zwischen 10 bis 30 µm, aufgetragen
und bei erhöhten Temperaturen, beispielsweise zwischen 130 und 180°C eingebrannt.
Die zweite Überzugsschicht besitzt im allgemeinen praktisch keine elektrische Leitfähigkeit,
d.h. sie weist im eingebrannten Zustand einen spezifischen Widerstand von im allgemeinen
über 10
9 Ohm.cm auf und es handelt sich bei ihr insbesondere im Falle der besonderen und unabhängigen
Ausführungsform der vorliegenden Erfindung um eine farb- und/oder effektgebende Überzugsschicht,
nämlich eine Basislackschicht.
[0049] Die autophoretisch abgeschiedene, erste Überzugsschicht dient insbesondere der Schutzwirkung
gegen chemischen und korrosiven Angriff, so daß es bevorzugt ist die gesamte Oberfläche
des Substrates zu beschichten.
[0050] Der durch Elektrotauchlackierung erhaltene und im eingebrannten Zustand elektrisch
isolierende Überzug kann sich, muß sich aber nicht ganzflächig über das beispielsweise
dreidimensionale Substrat erstrecken. So ist es beispielsweise im erfindungsgemäßen
Verfahren bevorzugt (insbesondere bei der besonderen und unabhängigen Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung) eine ganzflächige erste Beschichtung durch autophoretische
Abscheidung aus dem Autophoreselack und eine zweite Beschichtung aus dem ETL-Überzugsmittel
im wesentlichen nur an äußeren Bereichen, insbesondere an sichtbaren Flächen eines
dreidimensionalen Substrats durchzuführen, d.h. beispielsweise nicht in engen Hohlräumen
einer Karosserie.
[0051] Anschließend erfolgt der Auftrag, beispielsweise ein Spritzauftrag, der dritten Überzugsschicht,
beispielsweise aus einem farb- und/oder effektgebenden Basislack oder im Falle der
besonderen und unabhängigen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung aus einem Klarlacküberzugsmittel.
[0052] Ein Spritzauftrag der dritten Überzugsschicht aus dem farb- und/oder effektgebenden
Basislack erfolgt in einer vom Farbton abhängigen Trockenschichtdicke von 10 bis 25
µm, beispielsweise durch Druckluftspritzen, Airless-Spritzen oder ESTA-Hochrotationsspritzen.
[0053] Im Anschluß an die Applikation einer dritten farb- und/oder effektgebenden Überzugsschicht
erfolgt nach einer kurzen Ablüftphase, z.B. bei 20 bis 80°C, der Auftrag des Klarlacks,
bevorzugt im Naß-in-Naß-Verfahren. Die vierte Überzugsschicht wird aus einem üblichen
flüssigen Lack oder Pulverklarlack (in diesem Fall handelt es sich um eine Trocken-in-Naß-Applikation)
aufgebracht und gemeinsam mit der dritten Überzugsschicht bei erhöhten Temperaturen
beispielsweise von 80 bis 160°C eingebrannt. Gegebenenfalls können weitere Klarlackschichten
aus dem gleichen oder davon verschiedenen Klarlacküberzugsmitteln aufgebracht werden.
Erfindungsgemäß wird so gearbeitet, daß die Schichtdicke der transparenten Überzugsschicht
oder die Gesamtschichtdicke der transparenten Überzugsschichten zwischen 40 und 80
µm, bevorzugt zwischen 40 und 60 µm beträgt.
[0054] Es ist auch möglich, wenn auch nicht bevorzugt, die farb- und/oder effektgebende
Basislackschicht im Naß-in-Naß-Verfahren auf die nicht eingebrannte zweite Überzugsschicht
aufzubringen und die beiden Überzugsschichten gemeinsam vor Applikation der transparenten
Überzugsschicht oder Überzugsschichten einzubrennen.
[0055] Im Falle der besonderen und unabhängigen Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
erfolgt der Auftrag des Klarlacks auf die zweite, eingebrannte farbund/oder effektgebende
ETL-Überzugsschicht. Die Klarlacküberzugsschicht wird aus einem üblichen flüssigen
oder Pulverklarlack aufgebracht und beispielsweise bei Temperaturen von 80 bis 160°C
eingebrannt. Gegebenenfalls können weitere Klarlackschichten aus dem gleichen oder
davon verschiedenen Klarlacküberzugsmitteln aufgebracht werden. Erfindungsgemäß wird
bevorzugt so gearbeitet, daß die Schichtdicke der transparenten Überzugsschicht oder
die Gesamtschichtdicke mehrerer transparenter Überzugsschichten zwischen 40 und 80
µm, besonders bevorzugt zwischen 40 und 60 µm beträgt.
[0056] Gute Ergebnisse können auch erhalten werden, wenn auf die aus dem autophoretisch
abscheidbaren und aus dem elektrophoretisch abscheidbaren Überzugsmittel erstellte
Zweischichtaufbau anstelle des Basislack/Klarlack-Aufbaus eine Überzugsschicht aus
einem pigmentierten Pulverdecklack in einer Schichtdicke von 40 bis 90 µm, bevorzugt
von 50 bis 80 µm aufgetragen und eingebrannt wird, wobei der Auftrag von einer oder
mehreren Klarlackschichten folgen kann. Dabei kann dem Pulverdecklack ein an sich
bekanntes Pulverklarlack-Bindemittel/Vernetzer-System zugrundeliegen, wie beispielsweise
vorstehend schon im Zusammenhang mit den Pulverklarlacken beschrieben. Der Pulverdecklack
enthält farb- und/oder effektgebende Pigmente, wie sie beispielsweise vorstehend für
die Basislacke beschrieben sind.
[0057] Das erfindungsgemäße Verfahren erlaubt die Herstellung von Mehrschichtlackierungen,
insbesondere von Kraftfahrzeuglackierungen mit im Vergleich zum Stand der Technik
vergleichbarem Gesamteigenschaftsniveau sowie verbessertem Glanz und Decklackstand.
Es hat sich gezeigt, daß hervorragende Eigenschaften durch die erfindungsgemäße Verfahrensweise
erzielt werden, obwohl diese den Wegfall von üblichen Spritzfüllerschichten ermöglicht.
Trotz hoher Schichtdicke beim Klarlackauftrag sind die Gesamtschichtdicken der nach
dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Mehrschichtlackierungen sehr gering.
Sie liegen insbesondere bei 90 bis 130 µm oder im Falle der besonderen und unabhängigen
Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens bei 80 bis 110 µm und unterschreiten
den Bereich üblicher Kraftfahrzeugerstlackierungen mit vergleichbar hoher Klarlackschichtdicke.
1. Verfahren zur Mehrschichtlackierung durch Auftrag einer Grundierungsschicht, einer
Basislackschicht und einer oder mehrerer Klarlackschichten auf ein Substrat, das eine
autophoretisch beschichtbare metallische Oberfläche aufweist, wobei zwischen dem Auftrag
der Grundierungsschicht und dem Auftrag der Basislackschicht eine Zwischenschicht
aufgetragen werden kann, dadurch gekennzeichnet, daß die Grundierungsschicht als erste Überzugsschicht aus einem autophoretisch abscheidbaren
Überzugsmittel durch autophoretische Abscheidung aufgetragen und anschließend eingebrannt
wird, worauf die weiteren Überzugsschichten aufgebracht werden, so daß die Gesamttrockenschichtdicke
der Mehrschichtlackierung bei 80 - 130 µm liegt und die Gesamttrockenschichtdicke
der Klarlacksehichten bei 40 - 80 µm liegt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die erste Überzugsschicht aus einem autophoretisch abscheidbaren Überzugsmittel durch
autophoretische Abscheidung aufgetragen wird, das zu einer im eingebrannten Zustand
elektrisch leitfähigen Überzugsschicht führt.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die auf die erste Überzugsschicht direkt folgende Schicht durch elektrophoretische
Abscheidung eines elektrophoretisch abscheidbaren wäßrigen Überzugsmittels aufgebracht
wird, das zu einer elektrisch isolierenden zweiten Überzugsschicht führt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß als zweite Überzugsschicht eine Zwischenschicht gebildet und eingebrannt wird, worauf
als dritte Überzugsschicht eine Basislackschicht aus einem farb- und/oder effektgebenden
Überzugsmittel aufgetragen wird, die mit einer oder mehreren Klarlacküberzugsmitteln
überlackiert wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß als zweite Überzugsschicht eine Basislackschicht aus einem elektrophoretisch abscheidbaren
wäßrigen Überzugsmittel durch elektrophoretische Abscheidung gebildet wird, die mit
einer oder mehreren Klarlackschichten überlackiert wird.
6. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß so gearbeitet wird, daß die Gesamttrockenschichtdicke des Lackaufbaus bei 90 - 130
µm liegt.
7. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß so gearbeitet wird, daß die Gesamttrockenschichtdicke des Lackaufbaus bei 80 - 110
µm liegt.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die erste Überzugsschicht in einer Trockenschichtdicke von 5 - 25 µm erstellt wird.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es zur Lackierung von Kraftfahrzeugen oder Kraftfahrzeugteilen durchgeführt wird.