[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Befüllen eines Fahrzeugtanks mit Gas gemäss
dem Oberbegriff des unabhängigen Patentanspruchs.
[0002] Gasbetriebene Kraftfahrzeuge als Alternative zu konventionellen Kraftfahrzeugen,
welche mit flüssigen Brennstoffen wie Benzin oder Dieselkraftstoff betrieben werden,
gewinnen zunehmend an Bedeutung. Heutzutage wird als Brennstoff für gasbetriebene
Fahrzeuge typischerweise komprimiertes Erdgas verwendet. Modernere Entwicklungen gehen
jedoch auch dahin, gasförmigen Wasserstoff als Brennstoff zu verwenden.
[0003] Um den gasbetriebenen Fahrzeugen eine befriedigende Reichweite zu ermöglichen und
gleichzeitig die Abmessungen des Fahrzeugtanks in vernünftigen Grenzen zu halten,
werden die Fahrzeugtanks üblicherweise auf hohe Drücke befüllt. Im Falle von Erdgas
wird beispielsweise der Fahrzeugtank auf einen Enddruck von etwa 200 bar bezogen auf
eine Referenztemperatur von 15°C befüllt. Im Falle von gasförmigem Wasserstoff werden
noch höhere Enddrücke, beispielsweise 600 bar, angestrebt, was in erster Linie an
der geringeren Energiedichte von Wasserstoff (verglichen mit Erdgas) liegt.
[0004] Für eine sichere Gasbetankung wird bei der Befüllung unter anderem die Aussentemperatur
berücksichtigt. Geht man nämlich davon aus, dass der Enddruck bei einer Referenztemperatur
von 15°C für Erdgas ungefähr 200 bar betragen soll, so muss bei einer Aussentemperatur
von weniger als 15°C die Betankung bei einem Druck von weniger als 200 bar beendet
werden, um zu gewährleisten, dass bei einem Ansteigen der Aussentemperatur in dem
Fahrzeugtank kein unzulässig hoher Druck entsteht. Umgekehrt kann bei einer Aussentemperatur
von mehr als 15°C bis zu einem Enddruck von mehr als 200 bar betankt werden. Die Fahrzeugtanks
sind also derart ausgelegt, dass auch bei Schwankungen der Aussentemperatur kein unzulässig
hoher Druck im Tank entsteht, vorausgesetzt der maximale Enddruck bei der Betankung
endspricht einem Druck von 200 bar bei der Referenztemperatur von 15°C
[0005] Aus der EP-A-0 653 585 ist beispielsweise ein Gasbetankungsverfahren und eine entsprechende
Anlage bekannt, die ein sehr einfaches und insbesondere auch sehr schnelles Betanken
- vergleichbar mit dem Betanken von Benzin -ermöglichen. Gemäss dem dort vorgeschlagenen
Verfahren wird der Fahrzeugtank mit einer druckfesten Leitung an eine Abgabevorrichtung
angeschlossen und das unter Druck stehende Gas mittels der Abgabevorrichtung aus einer
Speichereinheit in den Fahrzeugtank gefüllt. Zunächst wird der für die momentan herrschende
Temperatur zulässige Enddruck berechnet. Dann wird eine kleine Menge Gas in den Fahrzeugtank
eingefüllt, um einen Druckausgleich zwischen dem Fahrzeugtank und der Abgabevorrichtung
zu bewirken. Der im Fahrzeugtank herrschende Anfangsdruck wird nach dem Druckausgleich
in der Abgabevorrichtung gemessen und anschliessend eine bestimmte Masse an Gas in
den Fahrzeugtank gefüllt. Danach wird der Massenstrom des Gases unterbrochen und wiederum
der im Fahrzeugtank herrschende Druck in der Abgabevorrichtung gemessen. Aus diesen
Druckwerten wird ein Zusammenhang zwischen der Masse des abgegebenen Gases und dem
Druck im Fahrzeugtank bestimmt. Anhand dieses Zusammenhangs wird eine Masse von Gas
berechnet, derart, dass zum Befüllen des Fahrzeugtanks auf den Enddruck mindestens
eine weitere Masse Gas zugeführt werden muss. Nachdem die berechnete Masse Gas dem
Fahrzeugtank zugeführt worden ist, wird der Massenstrom wieder unterbrochen und der
im Fahrzeugtank herrschende Druck in der Abgabevorrichtung bestimmt. Die Vorgänge
des Berechnens einer zusätzlichen Masse Gas, des Zuführens dieses Gasmasse und des
Unterbrechens des Massenstroms zur Druckbestimmung werden mehrmals wiederholt, bis
im Fahrzeugtank der temperaturkorrigierte Enddruck erreicht ist.
[0006] Ausgehend von diesem Stand der Technik, ist es eine Aufgabe der Erfindung, ein anderes
Verfahren zum Befüllen eines Fahrzeugtanks mit einem Gas vorzuschlagen, welches eine
noch schnellere und genauere Betankung ermöglicht, ohne dass dafür Zugeständnisse
an die Sicherheit vonnöten sind. Das Verfahren soll auch für sehr hohe Enddrücke anwendbar
sein, wie sie bei der Betankung mit gasförmigem Wasserstoff angestrebt werden.
[0007] Das diese Aufgabe lösende Verfahren zum Befüllen eines Fahrzeugtanks mit einem Gas
ist durch die Merkmale des unabhängigen Anspruchs gekennzeichnet.
[0008] Erfindungsgemäss wird also ein Verfahren zum Befüllen eines Fahrzeugtanks mit einem
Gas vorgeschlagen, bei welchem der Fahrzeugtank mit einer druckfesten Leitung an eine
Abgabevorrichtung angeschlossen wird und das unter Druck stehende Gas mittels der
Abgabevorrichtung aus einer Speichereinheit in den Fahrzeugtank gefüllt wird. Das
Verfahren umfasst die folgenden Schritte:
- mit Hilfe einer Sensoreinrichtung, welche in dem Fahrzeugtank angeordnet ist, wird
während der Befüllung der momentane Wert einer Kenngrösse bestimmt, welche repräsentativ
für den momentanen Füllstand des Fahrzeugtanks ist,
- die Befüllung wird beendet, wenn die Kenngrösse einen vorgebbaren Endwert erreicht
hat.
[0009] Da die Kenngrösse, welche repräsentativ für den momentanen Füllstand des Tanks ist,
mit Hilfe einer Sensoranordnung bestimmt wird, die im Fahrzeugtank selbst angeordnet
ist, kann der Befüllungsvorgang ohne Unterbrechung durchgeführt werden. Die Unterbrechungen
des Massestroms wie sie in der EP-A-0-653 585 vorgeschlagenen werden, um jeweils den
aktuellen im Fahrzeugtank herrschenden Druck in der Abgabevorrichtung zu ermitteln,
sind bei dem erfindungsgemässen Verfahren nicht mehr notwendig, weil die für die Kenngrösse
benötigten Messdaten online während der laufenden Befüllung im Fahrzeugtank ermittelt
werden. Dadurch wird das erfindungsgemässe Verfahren besonders schnell und genau,
ohne dass Zugeständnisse an die Sicherheit notwendig sind. Die Sicherheit erhöht sich
sogar eher noch, weil der Füllstand anhand von im Fahrzeugtank ermittelten Messdaten
bestimmt wird. Die Erfassung der Daten im Fahrzeugtank erlaubt eine noch genauerer
Bestimmung des Füllstands, sodass die erlaubten Grenzen für die Befüllung optimaler
ausgenützt werden können, weil sie sich voll ausschöpfen lassen, ohne dass die Gefahr
einer Überschreitung der Sicherheitsgrenzen besteht.
[0010] Vorzugsweise ist der Endwert der Kenngrösse, bei dessen Erreichen die Befüllung beendet
wird, unabhängig von der Temperatur, das heisst es wird eine Kenngrösse gewählt, die
den Füllstand des Fahrzeugtanks unabhängig von der Temperatur repräsentiert. Besonders
bevorzugt wird als Kenngrösse die Dichte des Gases im Fahrzeugtank bestimmt. Für die
Dichte des Gases im Fahrzeugtank kann ein Endwert angegeben werden, nämlich die maximal
erlaubte Dichte oder Betriebsdichte, der unabhängig von der jeweils herrschenden Aussentemperatur
bei der Befüllung ist. Der temperaturunabhängige Endwert für die Kenngrösse hat den
Vorteil, dass es nicht mehr notwendig ist, einen temperaturkorrigierten Wert für den
Enddruck der Betankung zu berechnen.
[0011] Eine weitere vorteilhafte Massnahme besteht darin, dass zunächst die Kenngrösse bestimmt
wird, bevor der Fahrzeugtank mit Gas befüllt wird, sodass der aktuelle Füllstand des
Fahrzeugtanks vor dem Beginn der Befüllung als Anfangswert bekannt ist. Dieser Anfangswert
dient dazu, während der Betankung den messtechnisch im Fahrzeugtank ermittelten aktuellen
Füllstand mit den in der Abgabevorrichtung bestimmten Daten zu vergleichen. Kommt
es bei diesem Vergleich zu Diskrepanzen, so deutet dies auf einen Fehler hin und es
können entsprechende Gegenmassnahmen getroffen werden. Wie allgemein üblich, wird
in der Abgabevorrichtung die Masse des abgegebenen Gases messtechnisch erfasst. Aus
der abgegebenen Gasmasse wird dann unter Berücksichtigung des Anfangswerts eine der
Kenngrösse entsprechende Kontrollgrösse bestimmt, die Kontrollgrösse wird jeweils
mit der Kenngrösse verglichen, und es erfolgt eine Fehlermeldung oder das Abbrechen
der Befüllung, wenn die Abweichung zwischen der Kenngrösse und der Kontrollgrösse
einen vorgebbaren Grenzwert überschreitet.
[0012] Durch diese Massnahme lässt sich die Betriebssicherheit bei der Gasbetankung deutlich
erhöhen, denn es erfolgen jeweils zwei unterschiedliche Bestimmungen des aktuellen
Füllstands des Fahrzeugtanks. Zum einen wird mit Hilfe der im Fahrzeugtank angeordneten
Sensoreinrichtung die für den aktuellen Füllstand repräsentative Kenngrösse ermittelt
und zum anderen wird in der Abgabevorrichtung anhand der dort messtechnisch erfassten
Masse des abgegebenen Gases die der Kenngrösse entsprechende Kontrollgrösse bestimmt.
Durch den jeweiligen Vergleich dieser beiden Grössen lassen sich Fehler bei der Befüllung,
beispielsweise Leckagen, frühzeitig und zuverlässig erkennen.
[0013] Gemäss einer besonders bevorzugten Ausführungsform umfasst die im Fahrzeugtank angeordnete
Sensoreinrichtung einen Temperatursensor und einen Drucksensor, mit welchen die Temperatur
und der Druck des Gases im Tank gemessen wird. Daraus wird dann jeweils die Dichte
des Gases als Kenngrösse bestimmt.
[0014] Das erfindungsgemässe Verfahren eignet sich für eine Vielzahl von Gasbetankungsanlagen
und insbesondere für solche, mit denen komprimiertes Erdgas oder gasförmiger Wasserstoff
in einen Tank gefüllt wird.
[0015] Weitere vorteilhafte Massnahmen und bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben
sich aus den abhängigen Ansprüchen.
[0016] Im Folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels und anhand der
Zeichnung näher erläutert. In der schematischen, nicht massstäblichen Zeichnung zeigen:
- Fig. 1:
- die wesentlichen Teile einer Gasbetankungsanlage zur Durchführung eines Ausführungsbeispiels
des erfindungsgemässen Verfahren sowie einen zu befüllenden Fahrzeugtank in schematischer
Darstellung, und
- Fig. 2:
- ein Flussdiagramm zur Veranschaulichung des Ausführungsbeispiels des erfindungsgemässen
Verfahrens.
[0017] Fig. 1 zeigt in einer schematischen Darstellung die wesentlichen Teile einer Gasbetankungsanlage
zur Durchführung eines Ausführungsbeispiels des erfindungsgemässen Verfahrens, die
gesamthaft mit dem Bezugszeichen 1 bezeichnet ist. Ferner ist ein gasbetriebenes Kraftfahrzeug
30 angedeutet, welches einen Fahrzeugtank 31 aufweist, der als Druckbehälter ausgestaltet
ist. Der Fahrzeugtank 31 dient als Vorratsbehälter für einen gasförmige Brennstoff,
beispielsweise komprimiertes Erdgas oder gasförmigen Wasserstoff, der für den Betrieb
des Kraftfahrzeugs 30 benötigt wird. Es versteht sich, dass der Fahrzeugtank 31 so
ausgestaltet ist, dass er dem Enddruck sowie den üblichen Sicherheitsreserven problemlos
standhält. Mit dem Enddruck ist dabei der Druck gemeint, bis auf welchen der Fahrzeugtank
31 bei der Betankung befüllt wird. Im Falle von Erdgas ist es beispielsweise üblich,
den Enddruck so zu wählen, dass er einem Druck von ungefähr 200 bar bei einer Referenztemperatur
von 15°C entspricht. Im Falle von Wasserstoff wird der Enddruck normalerweise höher
gewählt, beispielsweise 600 bar bezogen auf die Referenztemperatur 15°C.
[0018] Der Fahrzeugtank 31 ist über eine druckfeste Verbindungsleitung 36 mit einem von
aussen zugänglichen Einfüllstutzen 37 verbunden, der hier an der Aussenseite des Kraftfahrzeugs
30 angeordnet ist.
[0019] Im Fahrzeugtank 31 ist eine Sensoreinrichtung vorgesehen, welche bei dem hier beschriebenen
Ausführungsbeispiel einen Drucksensor 32 und einen Temperatursensor 33 umfasst, mit
denen der aktuelle Druck und die aktuelle Temperatur im Fahrzeugtank 31 messtechnisch
erfassbar sind. Die Sensoren 32,33 sind über Leitungen 35 mit einem ausserhalb des
Fahrzeugtanks 31, aber im Kraftfahrzeug 30 vorgesehenen Elektronikmodul 34 verbunden.
Das Elektronikmodul 34 empfängt die von den Sensoren 32,33 erfassten Messwerte und
verarbeitet diese. Ferner dient das Elektronikmodul 34 der Übermittlung von Daten
an die Gasbetankungsanlage 1.
[0020] In einem Speicher 38 ist das Volumen des Fahrzeugtanks 31 abgespeichert, welches
eine konstante Grösse ist. Das Volumen kann über eine Signalleitung an das Elektronikmodul
34 übermittelt werden. Natürlich ist es auch möglich, das Volumen des Fahrzeugtanks
31 direkt in dem Elektronikmodul 34 abzuspeichern.
[0021] Die nur mit ihren wesentlichen Teilen dargestellte Gasbetankungsanlage 1 umfasst
eine Abgabevorrichtung 2 und eine stationäre Speichereinheit 3, in der das Gas für
die Betankung, also beispielsweise Erdgas oder gasförmiger Wasserstoff, gespeichert
ist. Ferner ist eine nicht näher dargestellte Kompressionseinrichtung vorgesehen,
welche die Speichereinheit 3 bei Bedarf wieder mit Gas auffüllt. Üblicherweise umfasst
die Speichereinheit mehrere Speichertanks, hier drei Speichertanks, von denen jeder
über eine separate druckfeste Verbindungsleitung 4a, 4b bzw. 4c mit der Abgabevorrichtung
2 verbunden ist.
[0022] Die Abgabevorrichtung 2 umfasst eine Umschalteinrichtung 5, an welche die drei Verbindungsleitungen
4a,4b und 4c angeschlossen sind. Von der Umschalteinrichtung 5 erstreckt sich eine
druckfeste Leitung 7 über ein Ventil, das vorzugsweise als Magnetventil 6 ausgestaltet
ist, und über einen dem Magnetventil 6 nachgeschalteten Massendurchflussmesser 8 zum
Ausgang 9 der Abgabevorrichtung 2. An den Ausgang 9 ist eine druckfeste Leitung 10
angeschlossen, die an ihrem anderen Ende mit einer Kupplung 11 versehen ist, welche
mit dem Einfüllstutzen 37 des Kraftfahrzeugs 30 verbindbar ist.
[0023] Die Abgabevorrichtung umfasst ferner ein Kommunikationsmodul 13, eine Auswerte- und
Regeleinheit 12 sowie ein Bedienmodul 14. Über das Bedienmodul 14 kann die Gasbetankungsanlage
durch entsprechende Eingaben in Betrieb gesetzt bzw. bedient werden. Das Bedienmodul
14 umfasst ferner eine Anzeigeeinheit, auf welcher z. B. die Masse des getankten Gases
oder der Preis für das Gas angezeigt werden.
[0024] Das Kommunikationsmodul 13 empfängt Daten von dem Elektronikmodul 34 des Kraftfahrzeugs
30 und leitet diese über eine Signalleitung an die Auswerte- und Regeleinheit 12 weiter.
Die Auswerte- und Regeleinheit 12 ist ferner über Signalleitungen mit dem Massendurchflussmesser
8 verbunden sowie mit dem Magnetventil 6.
[0025] Das Magnetventil 6 ist ein elektromagnetisch betätigtes Ventil, welches durch Signale,
die von der Auswerte- und Regeleinheit 12 kommen, angesteuert wird. Mittels des Magnetventils
6 kann die Strömungsverbindung für das Gas zwischen der Umschalteinrichtung 5 und
dem Ausgang 9 geöffnet bzw. geschlossen werden, sodass durch Betätigung des Magnetventils
6 der Befüllungsvorgang begonnen bzw. beendet werden kann.
[0026] Der Massendurchflussmesser 8 ist vorzugsweise ein Messgerät, das auf dem Coriolis-Prinzip
basiert. Solche Coriolis-Massendurchflussmesser an sich sind hinreichend bekannt.
Mit ihnen wird die Masse des Gases gemessen, welches bei der Betankung abgegeben wird.
[0027] Die Umschalteinrichtung 5 dient dazu, jeweils eine der Verbindungsleitungen 4a oder
4b oder 4c mit der Leitung 7 zu verbinden. Ist beispielsweise die Verbindungsleitung
4a mit der Leitung 7 verbunden und sinkt während der Betankung der Druck in dem zur
Verbindungsleitung 4a gehörenden Speichertank der Speichereinheit 3 so weit ab, dass
der Massestrom des Gases zu gering wird, so kann mit der Umschalteinrichtung 5 auf
einen anderen Speichertank umgeschaltet werden, indem die Leitung 7 mit der Verbindungsleitung
4b oder 4c verbunden wird.
[0028] Bezüglich weiterer Details und Ausführungsformen sei hier auf die bereits zitierte
EP-A-0 653 585 verwiesen, wo derartige Gasbetankungsanlagen mit Ausnahme des Kommunikationsmoduls
ausführlich beschrieben sind.
[0029] Das Kommunikationsmodul 13 empfängt Daten, beispielsweise Messwerte oder das Volumen
des Fahrzeugtanks 31 von dem Elektronikmodul 34 des Kraftfahrzeugs 30. Dazu ist das
Kommunikationsmodul 13 mit dem Elektronikmodul 34 signalverbunden. Dies kann beispielsweise
über eine Signalleitung 23 erfolgen. Es ist auch möglich, die Signalleitung 23 in
die druckfeste Leitung 10 zu integrieren, beispielsweise die Signalleitung 23 an der
Aussenseite der Leitung 10 anzuordnen. Ferner ist es möglich, die Signalverbindung
zwischen dem Elektronikmodul 34 und dem Kommunikationsmodul 13 kabellos auszugestalten,
beispielsweise mittels Funk oder optischer Methoden wie Infrarotsignale.
[0030] Das erfindungsgemässe Verfahren basiert darauf, mit Hilfe der Sensoreinrichtung,
welche in dem Fahrzeugtank 31 angeordnet ist, während der Befüllung den momentanen
Wert einer Kenngrösse zu bestimmen, welche repräsentativ für den momentanen Füllstand
des Fahrzeugtanks 31 ist, das heisst, der aktuelle Füllstand des Fahrzeugtanks 31
wird durch Messungen im Fahrzeugtank 31 selbst ermittelt.
[0031] Im Folgenden wird nun ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemässen Verfahrens unter
Bezugnahme auf das in Fig. 2 dargestellte Flussdiagramm näher erläutert. Bei diesem
Ausführungsbeispiel wird als Kenngrösse die Dichte ρ des Gases im Fahrzeugtank 31
verwendet. Diese auch als Betriebsdichte bezeichnete Kenngrösse hat den Vorteil, dass
für sie ein maximal zulässiger Endwert angegeben werden kann, der unabhängig von der
jeweils herrschenden Temperatur ist. Somit ist es nicht mehr notwendig, einen von
der bei der Betankung herrschenden Aussentemperatur abhängigen Druck zu berechnen,
bei welchem die Betankung beendet wird. Bei bisher bekannten Verfahren muss der temperaturabhängige
Enddruck für die Befüllung z. B. aus dem Isochorenverhalten des Gases berechnet werden.
Bei dem hier vorgeschlagenen Verfahren kann ein maximal erlaubter Endwert für die
Dichte des Gases vorgegeben werden, und die Befüllung kann dann - unabhängig von der
jeweils herrschenden Aussentemperatur - solange fortgesetzt werden, bis dieser Endwert
für die Dichte im Fahrzeugtank 31 erreicht ist.
[0032] Bei der Befüllung wird ständig die momentan im Fahrzeugtank herrschende Dichte des
Gases ermittelt. Im Hinblick auf die Betriebssicherheit ist es besonders vorteilhaft,
diese Dichte jeweils auf zwei unterschiedliche Weisen zu bestimmen, nämlich einerseits
mit Hilfe der Messwerte der im Fahrzeugtank 31 angeordneten Sensoren 32,33 und andererseits
mit Hilfe der von der Abgabevorrichtung 2 abgegebenen Gasmasse, welche mittels des
Massendurchflussmessers 8 in der Abgabevorrichtung 2 gemessen wird. Weichen diese
beiden Werte für die Dichte stärker als ein vorgebbarer Grenzwert voneinander ab,
so deutet dies auf einen Fehler hin. Beispielsweise kann eine Leckage aufgetreten
sein oder einer der Sensoren 32,33 arbeitet nicht ordnungsgemäss. Mittels dieser jeweils
zweifachen Bestimmung der Dichte können somit auch gefährliche Zustände, wie beispielsweise
eine Überfüllung des Fahrzeugtanks 31 vermieden werden.
[0033] Für die Dichte ρ
T des Gases im Fahrzeugtank 31 gilt:

wobei m
T die Masse des Gases im Fahrzeugtank 31 bezeichnet und V das Volumen des Fahrzeugtanks
31, das eine konstante Grösse ist.
[0034] Andererseits ergibt sich aus der Gasgleichung

wobei p
T den Druck im Tank bezeichnet, z den Realgasfaktor, der eine gasspezifische, von Druck
und Temperatur abhängige Grösse ist, R die allgemeine Gaskonstante und T
T die Temperatur des Gases im Tank. Durch Messung der Temperatur T
T und des Drucks p
T im Fahrzeugtank 31 mittels des Temperatursensors 33 bzw. des Drucksensors 32 lässt
sich dann also die momentane Dichte ρ
T im Fahrzeugtank 31 bestimmen. Der jeweilige Wert für den Realgasfaktor z kann beispielsweise
aus einer gespeicherten Tabelle als Funktion des Drucks und der Temperatur entnommen
werden.
[0035] Für die Betankung des Kraftfahrzeugs 30 wird die druckfeste Leitung 10 der Abgabevorrichtung
2 mittels der Kupplung 11 an den Einfüllstutzen 37 des Kraftfahrzeugs 30 angeschlossen.
Ferner wird gegebenenfalls die Signalleitung 23 einerseits mit dem Elektronikmodul
34 und andererseits mit dem Kommunikationsmodul 13 verbunden. Bevor der Fahrzeugtank
31 mit Gas befüllt wird, erfolgt zunächst mittels des Drucksensors 32 bzw. des Temperatursensors
33 eine Messung des Anfangsdrucks p
0 bzw. der Anfangstemperatur T
0, die vor dem Beginn der Befüllung im Fahrzeugtank 31 herrschen (Schritt 101 in Fig.
2). Aus p
0, T
0 und dem entsprechenden Wert für den Realgasfaktor z wird dann im Schritt 102 die
Dichte ρ
0 als Anfangswert ermittelt. ρ
0 gibt die aktuelle Dichte des Gases im Fahrzeugtank 31 vor dem Beginn der Befüllung
an. Das Elektronikmodul 34 übermittelt den Wert von ρ
0 sowie das Volumen V des zu befüllenden Fahrzeugtanks 31 an das Kommunikationsmodul
13 der Abgabevorrichtung 2.
[0036] In der Abgabevorrichtung 2, vorzugsweise in der Auswerte- und Regeleinheit 12, wird
aus dem Volumen V des Fahrzeugtanks 31 und dem Anfangswert ρ
0 die Anfangsmasse m
0 des Gases im Fahrzeugtank 31 gemäss der Beziehung

bestimmt. Der Anfangswert m
0 gibt also die Masse des Gases an, das vor dem Beginn der Befüllung im Fahrzeugtank
31 vorhanden ist.
[0037] Im Schritt 103 (Fig. 2) beginnt nun der Vorgang des Befüllens. Die Auswerte- und
Regeleinheit 12 öffnet das Magnetventil 6 und das Gas kann aus der Speichereinheit
3 durch den Massendurchflussmesser 8, die druckfeste Leitung 10 und die Verbindungsleitung
36 in den Fahrzeugtank 31 einströmen. Während des Befüllungsvorgangs messen der Drucksensor
32 und der Temperatursensor 33 ständig oder in kurzen Zeitabständen den jeweils aktuellen
Druck p
T bzw. die jeweils aktuelle Temperatur T
T im Fahrzeugtank 31 (Schritt 104). Aus diesen beiden Werten wird im Schritt 105 der
aktuelle Wert ρ
T für die Dichte des Gases im Fahrzeugtank 31 gemäss der weiter vorne angegebenen Beziehung
bestimmt und an die Abgabevorrichtung 2 übermittelt.
[0038] Während des Befüllungsvorgangs wird in der Abgabevorrichtung 2 ständig mittels des
Massendurchflussmessers 8 die Masse m
G des abgegebenen Gases messtechnisch erfasst (Schritt 106). Dies erfolgt beispielsweise
mit einer Rate von etwa hundert Pulsen (Messungen) pro Kilogramm abgegebenen Gases.
Die Auswerte- und Regeleinheit 12 der Abgabevorrichtung 2 ermittelt im Schritt 107
mit Hilfe des Volumens V des Fahrzeugtanks 31, der Anfangsmasse m
0 des Gases im Fahrzeugtank und dem jeweils aktuellen Wert der Masse m
G des abgegebenen Gases einen Vergleichswert ρ
m als Kontrollgrösse für die Dichte des Gases im Fahrzeugtank gemäss der Beziehung

[0039] Im Schritt 108 wird dann die Kontrollgrösse ρ
m mit der im Fahrzeugtank 31 bestimmten Dichte ρ
T verglichen. Falls die Abweichung zwischen der Kontrollgrösse ρ
m und der im Fahrzeugtank bestimmten Dichte ρ
T einen vorgebbaren Grenzwert D überschreitet, wird die Befüllung beendet (Schritt
110) und/oder eine Fehlerwarnung gegeben. Anderenfalls wird im Schritt 109 überprüft,
ob die Dichte p des Gases im Fahrzeugtank 31 einen vorgebbaren Endwert ρ
E erreicht hat. Da bei Erreichen des Schritts 109 bereits sichergestellt ist, dass
sich ρ
T und ρ
m höchstens um D unterscheiden, ist es prinzipiell egal, ob ρ
T oder ρ
m für den Vergleich mit dem Endwert ρ
E herangezogen werden. Natürlich kann auch der Mittelwert oder ein gewichteter Mittelwert
von ρ
T und ρ
m für den Vergleich mit ρ
E verwendet werden. Hat die Dichte p den Endwert ρ
E erreicht, so wird die Befüllung im Schritt 110 beendet, anderenfalls wird die Befüllung
fortgesetzt.
[0040] Ein Vorteil des beschriebenen Verfahrens liegt darin, dass die maximal zulässige
Dichte oder Betriebsdichte ρ
E für ein gegebenes Gas unabhängig von der Aussentemperatur ist, bei welcher die Betankung
stattfindet.
[0041] Ein weiterer Vorteil ist es, insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit, dass die
Dichte des Gases im Fahrzeugtank auf zwei unterschiedliche Arten ermittelt wird.
[0042] Prinzipiell ist es möglich, dass z. B. einer der beiden Sensoren 32,33, die im Fahrzeugtank
angeordnet sind, bereits beim Beginn der Betankung fehlerbehaftet ist. Dies führt
dann unter anderem auch dazu, dass die Anfangsmasse m
0 des Gases verkehrt berechnet wird und folglich auch die in der Abgabevorrichtung
ermittelte Kontrollgrösse ρ
m fehlerhaft ist. Da aber die mittels der Sensoren 32,33 erfassten Anfangswerte p
0 für den Druck und T
0 für die Temperatur im Fahrzeugtank 31 nur über als Anfangsbedingung in die jeweilige
Bestimmung der Kontrollgrösse ρ
m eingehen, werden die Werte für die im Tank ermittelte Dichte ρ
T einerseits und die Werte für die Kontrollgrösse ρ
m mit fortschreitender Befüllung immer mehr divergieren, sodass auch solche Fehler
erkannt werden, bevor es zu einer gefährlichen Überfüllung des Fahrzeugtanks 31 kommt.
[0043] Es versteht sich, dass die jeweilige Berechnung der Dichte ρ
T nicht im Kraftfahrzeug durchgeführt werden muss. Es ist auch möglich, dass das Elektronikmodul
34 die Messwerte bzw. Daten des Temperatursensors 33 und des Drucksensors 32, also
z. B. p
0, T
0, p
T, T
T, an die Abgabevorrichtung 2 übermittelt und dort dann jeweils die Bestimmung von
ρ
0 und ρ
T erfolgt.
1. Verfahren zum Befüllen eines Fahrzeugtanks mit einem Gas, bei welchem der Fahrzeugtank
(31) mit einer druckfesten Leitung (10) an eine Abgabevorrichtung (2) angeschlossen
wird und das unter Druck stehende Gas mittels der Abgabevorrichtung (2) aus einer
Speichereinheit (3) in den Fahrzeugtank (31) gefüllt wird,
gekennzeichnet durch die folgenden Schritte:
- mit Hilfe einer Sensoreinrichtung (32,33), welche in dem Fahrzeugtank (31) angeordnet
ist, wird während der Befüllung der momentane Wert einer Kenngrösse (ρT) bestimmt, welche repräsentativ für den momentanen Füllstand des Fahrzeugtanks (31)
ist,
- die Befüllung wird beendet, wenn die Kenngrösse (ρT) einen vorgebbaren Endwert (ρE) erreicht hat.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei welchem der Endwert (ρE) der Kenngrösse unabhängig von der Temperatur ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei welchem zunächst die Kenngrösse bestimmt wird,
bevor der Fahrzeugtank (31) mit Gas befüllt wird, sodass der aktuelle Füllstand des
Fahrzeugtanks vor dem Beginn der Befüllung als Anfangswert (ρ0) bekannt ist.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, wobei in der Abgabevorrichtung (2)
die Masse (mG) des abgegebenen Gases messtechnisch erfasst wird, daraus eine der Kenngrösse (ρT) entsprechende Kontrollgrösse (ρm) bestimmt wird, die Kontrollgrösse (ρm) jeweils mit der Kenngrösse (ρT) verglichen wird, und eine Fehlermeldung oder das Abbrechen der Befüllung erfolgt,
wenn die Abweichung zwischen der Kenngrösse (ρT) und der Kontrollgrösse (ρm) einen vorgebbaren Grenzwert (D) überschreitet.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei welchem als Kenngrösse die Dichte
(ρT) des Gases im Fahrzeugtank (31) bestimmt wird.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei welchem die im Fahrzeugtank
(31) angeordnete Sensoreinrichtung einen Temperatursensor (33) und einen Drucksensor
(31) umfasst, mit welchen die Temperatur und der Druck des Gases im Tank gemessen
wird, und daraus die Dichte (ρT) des Gases als Kenngrösse bestimmt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, bei welchem:
- zunächst die Dichte (ρ0) bestimmt wird, bevor der Fahrzeugtank (31) mit Gas befüllt wird, sodass die aktuelle
Dichte des Gases im Fahrzeugtank vor dem Beginn der Befüllung als Anfangswert bekannt
ist,
- das Volumen (V) des zu befüllenden Fahrzeugtanks (31) an die Abgabevorrichtung (2)
übermittelt wird,
- aus dem Volumen (V) und dem Anfangswert der Dichte (ρ0) die Anfangsmasse (m0) des Gases, die vor dem Beginn der Befüllung im Fahrzeugtank vorhanden ist, bestimmt
wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, bei welchem in der Abgabevorrichtung (2) mit Hilfe des
Volumens (V) des Fahrzeugtanks (31), der Anfangsmasse (m0) des Gases im Fahrzeugtank und der messtechnisch erfassten Masse (mG) des abgegebenen Gases ein Vergleichswert für die Dichte des Gases im Fahrzeugtank
als Kontrollgrösse (ρm) ermittelt und jeweils mit der im Fahrzeugtank (31) bestimmten Dichte (ρT) verglichen wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, bei welchem die Befüllung beendet wird, wenn die Dichte
einen vorgebbaren Endwert (ρE) erreicht, oder wenn die Abweichung zwischen der Kontrollgrösse (ρm) und der im Fahrzeugtank bestimmten Dichte (ρT) einen vorgebbaren Grenzwert (D) überschreitet.
10. Gasbetankungsanlage betrieben nach einem Verfahren gemäss einem der vorangehenden
Ansprüche.