(19)
(11) EP 1 332 872 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
06.08.2003  Patentblatt  2003/32

(21) Anmeldenummer: 03001849.3

(22) Anmeldetag:  29.01.2003
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7B41F 13/60
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IT LI LU MC NL PT SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO

(30) Priorität: 02.02.2002 DE 10204362

(71) Anmelder: MAN Roland Druckmaschinen AG
63012 Offenbach (DE)

(72) Erfinder:
  • Walkmann, Rainer
    86316 Friedberg (DE)
  • Weber, Konrad
    86554 Gundelsdorf (DE)
  • Batke, Manfred
    86157 Augsburg (DE)
  • Mayr, Robert
    86356 Neusäss (DE)

(74) Vertreter: Schober, Stefan, Dipl.-Ing. 
MAN Roland Druckmaschinen AG, Postfach 10 00 96
86135 Augsburg
86135 Augsburg (DE)

   


(54) Falzapparat einer Rotationsdruckmaschine


(57) Um einen Falzapparat zu schaffen, der eine genaue gleichmäßige Falzung eines Produkts ermöglicht, ist an einem Falzmesserzylinder (1) in dessen Drehrichtung nach einer ersten Bandleitung (10) und vor einem Falzklappenzylinder (2) eine lediglich am Falzmesserzylinder (2) anliegende zweite Bandleitung 13 angeordnet.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft einen Falzapparat einer Rotationsdruckmaschine nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.

[0002] Bei Falzapparaten ist es bekannt, Produkte an der Mantelfläche eines Falzmesserszylinders zu halten und zu einem Falzklappenzylinder zu führen. Dort werden die Produkte von einem Falzmesser unter Querfalzung in eine Falzklappe des Falzklappenzylinders übergeben. Am Mantel des Falzmesserzylinders werden die Produkte von einer Bandleitung gehalten, die von einem Schneidzylinderpaar an den Falzmesserzylinder heran bis in den Einlaufspalt zum Falzklappenzylinder führt. Beim Einstecken in die Falzklappe und deren Schließen erfolgt eine Zugwirkung auf das noch von der Bandleitung am Falzmesserzylinder festgeklemmmte Produkt. Das Produkt wird dabei elastisch gedehnt und beim Zurückgang des Falzmessers rückgedehnt. Somit wird das Produkt nicht gleichmäßig tief in die Falzklappe eingesteckt, was einen ungenauen Falz oder eine Schieffalzung zur Folge hat. Falls man mit einer verminderten Zugkraft der Bandleitung arbeitet, um ein Nachziehen des geklemmten Produktendes zu ermöglichen, besteht die Gefahr, daß die Produkte von den Bändern nicht zuverlässig erfaßt und am Falzmesserzylinder gehalten werden.

[0003] Es ist Aufgabe der Erfindung, einen Falzapparat zu schaffen, der eine korrekte Übergabe in die Falzklappe und somit eine genaue Falzung des Produkts ermöglicht.

[0004] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß bei einem gattungsgemäßen Falzapparat mit den kennzeichnenden Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst. Die zweite Bandleitung ermöglicht eine gegenüber der ersten Bandleitung andere Einstellung der Zugkraft der Bänder und kann somit an die Übergabeerfordernisse in die Falzklappe angepasst werden. Es ist dadurch ein gleichmäßiger, genauer Querfalz realisierbar.

[0005] Dabei beeinflußt eine Verstellung der Zugkraft der Bänder der zweiten Bandleitung nicht die Einstellung der ersten Bandleitung.

[0006] Weitere Vorteile und Merkmale ergeben sich aus den Unteransprüchen in Verbindung mit der Beschreibung.

[0007] Die Erfindung soll nachfolgend an einigen Ausführungsbeispielen näher erläutert werden. In den zugehörigen Zeichnungen zeigt schematisch:
Fig. 1:
einen Falzapparat in der Seitenansicht
Fig. 2:
die Ansicht II nach Fig.1
Fig. 3:
eine weitere Ausführungsvariante des Antriebes der zweiten Bandleitung.


[0008] Der in Figur 1 gezeigte Falzapparat enthält einen Falzmesserzylinder 1 und einen Falzklappenzylinder 2, an den sich ein zweiter Querfalzzylinder 3 anschließen kann. Der Falzmesserzylinder 1 ist mit gleichmäßig am Umfang verteilten Falzmessern 4 bestückt, die mit Falzklappen 5 des Falzklappenzylinders 2 zusammenarbeiten. Der Falzmesserzylinder 1 ist weiterhin mit Greifern 6 bestückt, die zugeführte Produkte 7 an seinem Umfang festhalten. Als Halteelemente könnten statt der Greifer 6 auch Punkturen zur Anwendung kommen. In Produktlaufrichtung dem Falzmesserzylinder 1 vorgelagert sind zwei Schneidzylinder 8, 9 eines Schneidzylinderpaares. Von den Schneidzylindern 8, 9 führt eine erste Bandleitung 10 an den Falzmesserzylinder 1 und umschlingt diesen in einem Umfangsbereich. Die erste Bandleitung 10 arbeitet mit einer dritten Bandleitung 11 zusammen und bildet mit dieser einen Einlaufspalt 12.

[0009] Am Falzmesserzylinder 1 schließt sich in dessen Drehrichtung nach der ersten Bandleitung 10 eine zweite Bandleitung 13 an, die bis in den Einlaufspalt mit dem Falzklappenzylinder 2 hineinreicht. Die zweite Bandleitung 13 ist in zwei nebeneinanderliegende Gruppen von Bändern 13.1, 13.2 aufgeteilt (Fig. 2), wobei die Bänder 13.1 der einen Gruppen mit einer anderen Zugkraft betrieben werden können als die Bänder 13.2 der anderen Gruppe. Hierzu werden die Bänder 13.1, 13.2 um jeweils eine Leitrolle 14 geführt, an der ein Arbeitszylinder 15.1, 15.2 ziehend angreift, wobei den Arbeitszylindern 15.1 der Bänder 13.1 der einen Gruppe Druckluft über einen Druckluftminderer 16.1, den Arbeitszylindern 15.2 der Bänder 13.2 Druckluft über einen Druckluftminderer 16.2 zugeführt wird. Die Bänder der ersten Bandleitung 10 werden jeweils mittels Arbeitszylindern 17 und die Bänder der dritten Bandleitung 11 mittels Arbeitszylindern 18 gespannt. Der Antrieb der zweiten Bandleitung 13 erfolgt vorteilhaft von der ersten Bandleitung 10, indem den Bandleitungen 10, 13 zugeordnete Bandzugwalzen 19, 20 in Antriebsverbindung 21 stehen. Statt dessen kann die zweite Bandleitung 13 auch mit dem Antriebsräderzug des Falzapparates in Antriebsverbindung stehen. In einer anderen Antriebsvariante (Fig. 3) kann auch die zweite Bandleitung 13 von einem eigenen Motor 25 angetrieben werden. Der Motor 25 ist mit einer Bandzugwalze 22 der zweiten Bandleitung 13 antriebsmäßig verbunden.

[0010] Nachfolgend soll die Arbeitsweise des Falzapparates erklärt werden. Eine von einer Rotationsdruckmaschine bedruckte und ggf. bereits längsgefalzte Bahn 23 wird beim Passieren der Schneidzylinder 8, 9 in Produkte 7 quergeschnitten, die in den Einlaufspalt 12 geführt und von den Bändern der ersten und dritten Bandleitung 10, 11 erfasst werden und dem Falzmesserzylinder 1 zugeführt werden. Dort werden die Produkte 7 kopfseitig von den Greifern 6 erfaßt und am Umfang des Falzmesserzylinders 1 bei dessen Drehung weiter transportiert. Dabei werden die Produkte 7 mittels der ersten Bandleitung 10 am Umfang des Falzmesserzylinders gehalten. Mittels der Arbeitszylinder 17 wird auf die Bänder der ersten Bandleitung 10 eine Zugkraft aufgebracht, die so bemessen ist, dass die Produkte 7 im Einlaufspalt 12 zuverlässig erfasst und bei ihrem weiteren Transport sicher am Umfang des Falzmesserzylinders 1 gehalten werden. Unter weiterer Drehung des Falzmesserzylinders 1 wird das Produkt 7 in den Einlaufspalt mit dem Falzklappenzylinder 2 geführt, wobei in diesem Bereich die zweite Bandleitung 13 die Führung am Falzmesserzylinders 1 übernimmt. In der in Figur 1 gezeigten Stellung hat gerade das Falzmesser 4 das Produkt 7 unter Bildung eines Querfalzes in die Falzklappe 5 des Falzklappenzylinders 2 eingesteckt, worauf das Falzmesser 4 wieder aus der Falzklappe 5 herausgezogen wurde. Außerdem hat bereits der Greifer 6 den Kopf des Produkts 7 freigeben. Beim Einstecken des Produktes 7 in die Falzklappe 5 hat das Produktende den Bereich der ersten Bandleitung 10 bereits verlassen.

[0011] Mittels der Druckluftminderer 16.1 und 16.2 sind die Drücke p1 und p2, mit denen die Arbeitszylinder 15.1, 15.2 mit einem Fluid, vorzugsweise Druckluft, beaufschlagt werden, einstellbar. Damit sind die Zugkräfte auf die Bänder 13.1, 13.2 und damit deren Zugkräfte und somit deren Andrückkräfte gegen den Falzmesserzylinder einstellbar. Mittels der Drücke p1 und p2 wird die Bänderandrückkraft so gewählt, dass das Produkt 7 vom Falzmesser 4 gleichmäßig in die Falzklappe 5 einbringbar ist und ein entsprechend genauer und gleichmäßiger Querfalz erzeugt wird. Die Zugkraft der Bänder 13.1 und 13.2 ist so eingestellt, dass diese bei der Falzung ein Nachziehen des Produktendes im erforderlichen Maße erlauben. Weiterhin wird das Produktende bei der Falzung nicht mehr von der ersten Bandleitung 10 geklemmt. Gewöhnlich ist die Andrückkraft der zweiten Bandleitung 13 niedriger als die der ersten Bandleitung 10. Mittels der Druckluftminderer 16.1 und 16.2 ist weiterhin in den Bändern 13.1 eine andere Zugkraft als in den Bändern 13.2 einstellbar. Es kann damit einem Schräglauf der Produkte 7 und einer nachfolgenden Schieffalzung entgegengewirkt werden. Derartige Verstellungen sind auch während des Betriebes des Falzapparates möglich. Auch bei einer Umstellung des Falzapparates, z.B. bei einer Umstellung von Deltafalz auf Doppelparallelfalz, oder bei Wechsel der Papiersorte und -dicke kann an den Druckluftminderern 16.1, 16.2 eine anpassende Verstellung der Zugspannung der Bänder 13.1, 13.2 der zweiten Bandleitung 13 vorgenommen werden.

[0012] Die Erfindung ist auch anwendbar, wenn die zu verarbeitende Bahn 23 bis an den Falzmesserzylinder 1 herangeführt und dort von einem mit diesem zusammenarbeitenden Schneidmesserzylinder 24 geschnitten wird. Ein solcher Schneidmesserzylinder 24 ist in Fig. 1 dünn eingezeichnet. Die erste Bandleitung 10 erstreckt sich dann lediglich am Falzmesserzylinder 1 vom Schneidmesserzylinder 24 bis zur zweiten Bandleitung 13.

Bezugszeichenliste



[0013] 
1.
Falzmesserzylinder
2.
Falzklappenzylinder
3.
Zweiter Querfalzzylinder
4.
Falzmesser
5.
Falzklappe
6.
Greifer
7.
Produkt
8.
Schneidzylinder
9.
Schneidzylinder
10.
Erste Bandleitung
11.
Dritte Bandleitung
12.
Einlaufspalt
13.
Zweite Bandleitung
13.1
Band
13.2
Band
14.
Leitrolle
15.1
Arbeitszylinder
15.2
Arbeitszylinder
16.1
Druckluftminderer
16.2
Druckluftminderer
17.
Arbeitszylinder
18.
Arbeitszylinder
19.
Bandzugwalze
20.
Bandzugwalze
21.
Antriebsverbindung
22.
Bandzugwalze
23.
Bahn
24.
Schneidmesserzylinder
25.
Motor
p1
Druck
p2
Druck



Ansprüche

1. Falzapparat einer Rotationsdruckmaschine mit einem mit Halteelementen bestückten Falzmesserzylinder zum Halten von Produkten, die in die Falzklappen eines Falzklappenzylinders übergebbar sind, sowie mit einer an einem Umfangsbereich des Falzmesserzylinders in dessen Drehrichtung vor dem Falzklappenzylinder anliegendem ersten Bandleitung, dadurch gekennzeichnet, dass an dem Falzmesserzylinder (1) in dessen Drehrichtung nach der ersten Bandleitung (10) und vor dem Falzklappenzylinder (2) eine lediglich am Falzmesserzylinder (2) anliegende zweite Bandleitung (13) angeordnet ist.
 
2. Falzapparat nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Zugkraft der Bänder (13.1, 13.2) der zweiten Bandleitung (13) verstellbar ist.
 
3. Falzapparat nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Bänder (13.1, 13.2) in zwei nebeneinander liegende Gruppen aufgeteilt sind, wobei die Bänder (13.1) der einen Gruppe mit einer anderen Zugkraft betrieben werden als die Bänder (13.2) der anderen Gruppe.
 
4. Falzapparat nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Bänder (13.1, 13.2) um jeweils eine Leitrolle (14) geführt sind, an der ein Arbeitszylinder (15.1, 15.2) ziehend angreift.
 
5. Falzapparat nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Zugkraft der Bänder (13.1, 13.2) während des Betriebes des Falzapparates verstellbar ist.
 
6. Falzapparat nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Bandleitung (13) von einem eigenen Motor (25) oder von der ersten Bandleitung (10) oder separat vom Räderzug des Falzapparates angetrieben wird.
 
7. Falzapparat nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Bandleitung (10) von einem Schneidzylinderpaar (8, 9) zu dem Falzmesserzylinder (1) führt.
 
8. Falzapparat nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass an dem Falzmesserzylinder (1) ein Schneidmesserzylinder (24) angeordnet und die erste Bandleitung (10) in Drehrichtung des Falzmesserzylinder (1) nach dem Schneidmesserzylinder (24) angeordnet ist.
 




Zeichnung