[0001] Die Erfindung betrifft eine explosionsgeschützte Einrichtung in Form einer Kraft-
und/oder Arbeitsmaschine, mit einem stillstehend und/oder bewegt angeordneten ersten
Bauteil und einem sich relativ dazu bewegenden zweiten Bauteil, wobei zwischen den
mindestens zwei Bauteilen eine oder mehrere Zonen geringer Spaltweiten ausgebildet
sind und die Einrichtung einer zündfähigen Atmosphäre ausgesetzt ist.
[0002] Für die verschiedenen Produktions- und Förderanlagen, insbesondere im Bereich der
Chemie, existieren besondere Vorschriften im Zusammenhang mit dem Explosionsschutz.
In solchen Anlagen finden sowohl Arbeitsmaschinen, beispielsweise Pumpen oder Turbinen
als nicht elektrischen Geräte, und Kraftmaschinen, beispielsweise ein Antriebsmotor
als ein elektrisches Gerät, Verwendung. Für elektrische Geräte existieren seit langem
bewährte Sicherheitsstandards. In diesen Standards ist festgeschrieben, welche baulichen
Maßnahmen zu treffen sind, um ein elektrisches Gerät in den verschiedenen explosionsgefährdeten
Bereichen, den sogenannten Zonen, einsetzen zu können.
[0003] Für die nicht elektrischen Geräte, gewöhnlich Arbeitsmaschinen, wurde unter dem Arbeitstitel
ATEX eine Explosionsschutz-Richtlinie 94/9/EG verabschiedet, aus der die europäische
Norm EN 1127-1 entstanden ist. Diese stellt einen Leitfaden zur Beurteilung möglicher
Zündquellen bei nicht elektrischen Betriebsmitteln dar, insbesondere ist dieser Leitfaden
für das Verhüten von Explosionen durch Maßnahmen beim Bau und bei der Ausführung von
Geräten gedacht.
[0004] In diesen Explosionsschutzrichtlinien erfolgt eine Einteilung von gefährdeten Bereichen
in Zonen für Gase/Dämpfe und für Stäube. Wenn beispielsweise eine Einrichtung, vielleicht
ein Raum mit einem darin angeordneten rotierenden Bauteil, ständig mit einer Flüssigkeit
gefüllt ist, ist dadurch gewährleistet, dass sich innerhalb eines solchen Raumes keine
explosionsfähige Atmosphäre ergibt. Anders verhält es sich dagegen bei einem Raum,
in dem bei bestimmungsgemäßen Betrieb der Einrichtung gelegentlich oder ständig eine
explosionsfähige Atmosphäre als Mischung brennbarer Stoffe auftritt. Ein solcher Raum
wird damit nach der Norm in die Zone 1 oder 0 eingeteilt.
[0005] Bei solchen Räumen, in denen die Entstehung einer explosionsfähigen Atmosphäre möglich
ist, müssen die Zündquellen, das heißt die Entstehung von Reib- und Schlagfunken,
Reibungswärme und elektrische Aufladung_vermieden werden und mögliche Auswirkungen
einer Explosion durch vorbeugende und konstruktive Maßnahmen berücksichtigt werden.
Solche Räume können Innenräume von Arbeits- oder Kraftmaschinen sein. Ebenso können
es Räume sein, in denen derartige Einrichtungen angeordnet und von einer explosionsfähigen
Atmosphäre umgeben sind.
[0006] Der Erfindung liegt daher das Problem zugrunde, bei explosionsgeschützten Einrichtungen
in Form einer Kraft- und/oder Arbeitsmaschine, bei denen die Bildung eines ständig
oder zeitweise vorhandenen explosionsfähigen Gemisches möglich ist, potentielle Zündquellen
auszuschalten.
[0007] Die Lösung dieses Problems sieht vor, dass durch ein Anlaufen eines bewegten Bauteiles
gefährdete Flächen von Zonen mit geringen Spalten aus einem Material bestehen, dessen
Schmelzpunkt unterhalb der Zündtemperatur der explosionsfähigen Atmosphäre liegt.
Damit wird bewusst zugelassen, dass bei einem Anlaufen eines bewegten oder auch rotierenden
Bauteiles an einer Berührungsstelle das Material anschmilzt. Dies kann eine Berührung
zwischen einer Gehäusefläche und einem bewegten Bauteil sein, es kann auch eine Berührung
zwischen zwei relativ zueinander bewegten Bauteile sein.
[0008] Eine Ausgestaltung sieht hierzu vor, dass das Material elektrisch leitend und nicht
funkend ausgebildet ist. Somit ist sichergestellt, dass eine während einer Berührung
und des dadurch bedingten Anschmelzens maximal entstehende Temperatur immer im oder
nur unwesentlich über dem Schmelzpunkt des Materials liegt. Und bei einer solchen
Berührung wird auch durch die Materialeigenschaft eine Funkenbildung sicher verhindert
sowie infolge der elektrischen Leitfähigkeit auch eine elektrostatische Aufladung
als eine Zündquelle sicher ausgeschlossen. Und da ein solcher Materialschmelzpunkt
wiederum wesentlich unter dem Zündpunkt des explosionsfähigen Gemisches liegt, wird
mittels einer an sich als nachteilig angesehenen Maßnahme eines Anlaufens eine einfache
und sehr wirkungsvolle Explosionsschutzmaßnahme erreicht. Beim Anschmelzen verringert
sich der örtliche Anpressdruck an der Anlaufstelle sofort, der während des Anlaufens
bedingte Abtrag des angeschmolzenen Materials vergrößert ein Spiel oder einen Spalt
zwischen den zueinander in Kontakt stehenden Bauteilen und beseitigt damit automatisch
die explosionsgefährdende Risikostelle.
[0009] Hierzu besteht mindestens ein Bauteil ganz oder teilweise aus dem elektrisch leitenden
und nichtfunkenden Material mit einem unterhalb der Zündtemperatur liegenden Schmelzpunkt
oder mindestens ein relativ bewegtes Bauteil besteht ganz oder teilweise aus dem Material
mit einem unterhalb der Zündtemperatur liegenden Schmelzpunkt. Hinsichtlich der elektrischen
Leitfähigkeit sollte beispielsweise ein Wert von 1 Gigaohm unterschritten werden.
[0010] Es ist auch ohne weiteres möglich, aus einem leicht schmelzenden Material bestehende
Anlaufflächen an einem stehenden und/oder an einem relativ bewegten Bauteil anzuordnen.
Dazu sind aus einem leicht schmelzenden Material bestehende Anlaufflächen an einem
Gehäuse und/oder an einem rotierenden Bauteil angeordnet.
[0011] Weitere Ausgestaltung der Erfindung sehen vor, dass ein stehendes Bauteil als ein
Gehäuse, insbesondere als ein Strömungsmaschinengehäuse, ausgebildet ist oder dass
das relativ bewegte Bauteil als ein Rad, insbesondere als ein Laufrad einer Strömungsmaschine,
ausgebildet ist.
[0012] Ebenso ist es möglich, dass das stehende Bauteil als ein Gehäuse, insbesondere als
ein Motorengehäuse, ausgebildet ist oder dass das relativ bewegte Bauteil als ein
Rotor eines Antriebsmotors ausgebildet ist.
[0013] Als leicht schmelzende Materialien kommen Metalle oder Kunststoffe, die einerseits
bei einer geeignet niedrigen Temperatur schmelzen, dabei aber eine für die Bauteilfunktion
ausreichende Festigkeit bei einer maximal zulässigen Betriebstemperatur haben. Als
Kunststoffe kommen beispielsweise PE-UHMW, PEDH und vergleichbare in Frage. Durch
einen geeigneten Werkstoffzusatz, beispielsweise Graphit, wird die elektrische Leitfähigkeit
sichergestellt.
[0014] Ein Ausführungsbeispiel ist in der Zeichnung dargestellt und wird im folgenden näher
beschrieben.
[0015] In der Zeichnung ist eine explosionsgeschützte Einrichtung in Form einer Arbeitsmaschine
1 dargestellt. Als Beispiel für die Arbeitsmaschine 1 wurde eine Strömungsmaschine
in Form einer selbstansaugenden Kreiselpumpe gewählt. In deren Gehäuse 2 ist ein rotierendes
Bauteil 3 in Form eines offenen Laufrades angeordnet. Die Rotationsbewegung des Bauteiles
3 wird durch eine Welle 4 in das Gehäuse 2 eingeleitet. Zwischen dem Bauteil 3 und
dem Gehäuse 2 befinden sich mehrere Zonen mit geringen Spalten 5 - 7, in denen beispielsweise
bei einem unbemerkten Verschleiß von Lagern 8, die Gefahr eine Anlaufens und damit
eines direkten Kontaktes besteht. In diesen Zonen mit geringen Spalten 5 - 7 besteht
die Gefahr des Anlaufens von Bauteilen.
[0016] Wenn das Gehäuse 2 einer solchen Arbeitsmaschine vollständig mit einem zu förderndem
Fluid, beispielsweise einer brennbaren Flüssigkeit gefüllt ist, dann ist damit das
Risiko der Bildung einer zündfähigen Atmosphäre nicht gegeben. Dagegen existiert bei
nicht vollständiger Füllung mit Flüssigkeit immer das Risiko der zeitweiligen Bildung
von zündfähigen Atmosphären. Bei der dargestellten Strömungsmaschine in Form der selbstansaugenden
Kreiselpumpe können daher Betriebszustände auftreten, beispielsweise beim Anfahren,
bei denen innerhalb des Gehäuses 2 ein explosionsfähiges Gemisch vorhanden ist.
[0017] Kommt es bei einem solchen Betriebszustand zu einem Anlaufen der rotierenden Teile
im Bereich der Spalte 5 - 7 am feststehenden Gehäuse 2, dann kann eine dadurch bedingte
Funkenbildung oder Erhitzung eine Explosion des zündfähigen Gemisches auslösen. Ein
solches Anlaufen wäre durch beschädigte Lager möglich. Auch bei der Verwendung sogenannter
nichtfunkender Werkstoffe sind lokal erhöhte Temperaturen nicht auszuschließen, wodurch
eine Zündquelle besteht und damit eine Explosion ausgelöst werden kann.
[0018] Im Bereich der engen Spalte 5 - 7 sind deshalb die durch ein Anlaufen gefährdeten
Flächen mit einem Material ausgestattet, dessen Schmelzpunkt unterhalb der Zündtemperatur
eines zündfähigen Gemisches liegt und welches elektrisch leitend und nichtfunkend
ausgebildet ist. Dabei können die gefährdeten Flächen ganz oder teilweise aus einem
solchen Material bestehen. Zu dessen Anbringung sind die bekannten Verfahren geeignet.
Auch eine ausreichend dicke Beschichtung der in Bezug auf ein Anlaufen zu berücksichtigenden
Oberflächen mit leichtschmelzendem Material kann grundsätzlich die gewünschte Schutzfunktion
erfüllen, ohne dass das ganze Bauteil vollständig aus diesem Werkstoff bestehen muss.
[0019] Ebenso sind Ausführungen möglich, bei denen nicht ein gesamtes rotierendes Bauteil,
hier das Laufrad, oder eine gesamte gehäuseseitige Anlauffläche aus leichtschmelzendem
Material gefertigt sind, sondern bei denen nur die von einem Anlaufen unmittelbar
betroffenen Flächen der Spalte 5 - 7. Ebenso können auch definierte Anlaufzonen vorgesehen
und aus entsprechendem Material ausgeführt sein, z.B. Ringe auf einer gehäuseseitigen
Anlauffläche.
[0020] Im Bereich einer Wellendurchführung der Welle 4 durch das Gehäuse 2 sind für Abdichtungszwecke
zwei Gleitringdichtungen 9, 10 angeordnet, zwischen denen ein mit Flüssigkeit gefüllter
Raum 11 angeordnet ist. Damit wird die Entstehung einer potenziellen Zündquelle an
den Gleitringdichtungen 9, 10 verhindert.
[0021] Weiterhin befinden sich an der Welle 4 geringe Spalte 12 einer berührenden Dichtung
13. Auch im Bereich der Spalte 12 der Dichtung 13 sind an der Welle 4 und/oder an
der Dichtung 13 Materialien angeordnet, deren Schmelztemperatur unterhalb der Zündtemperatur
einer explosionsfähigen Atmosphäre liegt.
1. Explosionsgeschützte Einrichtung in Form einer Kraft- und/oder Arbeitsmaschine, mit
einem stillstehend und/oder bewegt angeordneten ersten Bauteil (2) und einem sich
relativ dazu bewegenden zweiten Bauteil (3), wobei zwischen den mindestens zwei Bauteilen
ein oder mehrere Zonen geringer Spaltweiten (5 - 7, 12) ausgebildet sind und die Einrichtung
einer explosionsfähigen Atmosphäre ausgesetzt ist, dadurch gekennzeichnet, dass durch ein Anlaufen eines bewegten Bauteiles (3, 4) gefährdete Flächen von Zonen mit
geringen Spalten (5 - 7, 12) aus einem Material bestehen, dessen Schmelzpunkt unterhalb
der Zündtemperatur der explosionsfähigen Atmosphäre liegt.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Material elektrisch leitend und nicht funkend ausgebildet ist.
3. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Bauteil (2, 3 oder 13) ganz oder teilweise aus dem Material mit einem
unterhalb der Zündtemperatur liegenden Schmelzpunkt besteht.
4. Einrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein relativ bewegtes Bauteil (3, 4) ganz oder teilweise aus dem Material
mit einem unterhalb der Zündtemperatur liegenden Schmelzpunkt besteht.
5. Einrichtung nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass aus einem leicht schmelzenden Material bestehende Anlaufflächen an einem stehenden
und/oder an einem relativ bewegten Bauteil (3, 4) angeordnet sind.
6. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass ein stehendes Bauteil als ein Gehäuse (2), insbesondere als ein Strömungsmaschinengehäuse,
ausgebildet ist.
7. Einrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das relativ bewegte Bauteil als ein Rad (3), insbesondere als ein Laufrad einer Strömungsmaschine,
ausgebildet ist.
8. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das stehende Bauteil als ein Gehäuse (2), insbesondere als ein Motorengehäuse, ausgebildet
ist.
9. Einrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass das relativ bewegte Bauteil als ein Rotor eines Antriebsmotors ausgebildet ist.