[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Anordnung zur Strombegrenzung gemäß dem Oberbegriff
des Patentanspruches 1. Bei einer solchen Anordnung zur Begrenzung des elektrischen
Stroms in Niederspannungsnetzen, bei der im Betriebsfall bei den dabei fließenden
Betriebsströmen diffuse Bogenmoden auftreten, sollen im Kurzschlussfall bei den dabei
fließenden Kurzschlussströmen der Lichtbogen durch geeignete Kühlbleche gekühlt oder
durch geeignete Teilerplatten in hintereinander liegende Teillichtbögen aufgespalten
werden.
[0002] Aus der DE 199 13 236 C2 der Anmelderin ist ein Verfahren zur Strombegrenzung in
Niederspannungsnetzen einschließlich zugehöriger Schaltkontaktanordnungen sowie deren
spezielle Verwendung bekannt, bei dem Vakuumschaltröhren für die Strombegrenzung eingesetzt
werden. Im Einzelnen werden Vakuumschaltröhren mit solchen Kontaktkonfigurationen
verwendet, bei welchen ein in Richtung zum Strom im Lichtbogen transversales Eigenmagnetfeld
auftritt, wobei der Lichtbogen durch geeignete Teilerplatten vorteilhafterweise in
Teillichtbögen aufgeteilt werden soll. Gegebenenfalls kann der Lichtbogen auch einteilig
bleiben, wobei in diesem Fall die Teilerplatten außerhalb des Lichtbogenfadens als
Lichtbogenkühlplatten verwendet werden.
[0003] Andere im Niederspannungsbereich bekannte strombegrenzende Schaltelemente, wie Luftleistungsschalter
mit Löschblechkammern und Komponenten auf Basis kohlenstoffgefüllter, leitfähiger
Polymere, wurden bereits früher in der Monographie A. Erk und M. Schmelzle: "Grundlagen
der Schaltgerätetechnik", Springer-Verlag, Berlin - Heidelberg - New York, 1974, Seite
269, beschrieben.
[0004] In der DE 199 13 236 C2 wird bei den einzelnen Ausführungsbeispielen explizit auf
die räumliche Anordnung der Löschbleche, wie insbesondere Kühlbleche bzw. Teilerplatten,
in Bezug zur Lage der Kontakte eingegangen: Speziell bei den Anordnungen entsprechend
den Figuren 1 und 2 der DE 199 13 236 C2 sind die identisch geformten Löschbleche
in Axialrichtung des Kontaktsystems parallel gestapelt. Sie sind also nicht gestaffelt
angeordnet, so dass die mittleren Löschbleche in Kontaktspaltnähe einen sehr großen
Abstand zu den Kontakten in transversaler bzw. radialer Richtung besitzen und nur
die äußeren Löschbleche bis nah an die Kontaktstücke heranreichen.
[0005] Bei der Anordnung mit Topfkontakten entsprechend Figur 3 der DE 199 13 236 C2 sind
die Löschbleche ähnlich wie bei der Anordnung mit Spiralkontakten ausgeführt, nur
dass die beiden äußersten Löschbleche nicht soweit nach innen reichen wie die anderen
Löschbleche. Es ergibt sich in gleicher Weise eine Stapelung der Löschbleche.
[0006] Alle in der DE 199 13 236 C2 beschriebenen Löschblechanordnungen haben die Eigenschaft,
dass der nach Kontakttrennung vom Entstehungsort weglaufende Lichtbogen die Löschbleche
erst erreicht, nachdem er nahezu das gesamte divergierende Kontaktsegment durchlaufen
hat, was dort im Einzelnen anhand Figur 4 ausgeführt wird. Die kühlende Wirkung der
Löschbleche und die angestrebte Bildung von Teillichtbögen können dort erst nach Eintreten
des Lichtbogens in die Löschblechspalte erfolgen, d.h. daher mit starker Verzögerung
in Bezug zur Kontakttrennung. Die angestrebte Strombegrenzung infolge erhöhter Bogenspannung
tritt somit vergleichsweise spät ein.
[0007] Beim Stand der Technik sind die Innenkanten der schenkel- bzw. kreisringförmigen
Löschbleche als einfache, glatte Konturen ausgeführt. Kompliziertere, von Luftleistungsschaltern
her bekannte geometrische Löschblechstrukturen, die sich vorteilhaft auf die strombegrenzende
Bildung von Lichtbogenfußpunkten auf den Löschblechen auswirken, werden nicht angewandt.
[0008] Ausgehend vom Stand der Technik ist es Aufgabe der Erfindung, geeignete Löschblechanordnungen,
und zwar im Einzelnen Kühlbleche bzw. Teilerplatten, für Kontakte in einer strombegrenzenden
Vakuumschaltröhre anzugeben, welche die strombegrenzenden Schalteigenschaften der
Röhre verbessern.
[0009] Die Aufgabe ist erfindungsgemäß bei einer Anordnung der eingangs genannten Art durch
die Merkmale des Patentanspruches 1 gelöst. Weiterbildungen dieser Anordnung sind
in den Unteransprüchen angegeben.
[0010] Bei der Erfindung werden die einzelnen Löschbleche vorteilhafterweise nicht etwa
in Axialrichtung des Kontaktsystems parallel versetzt positioniert bzw. gestapelt,
sondern sind vielmehr gestaffelt in Richtung auf die Schaltstücke. Insbesondere die
Löschbleche haben eine unterschiedliche Eintauchtiefe, wobei das gebildete Löschblechpaket
mit den Rändern der einzelnen Löschbleche einen Profilverlauf entsprechend der Kontaktanordnung
hat. Dadurch reichen nicht nur die äußeren Löschbleche bis nahe an die Kontakte heran,
sondern weisen insbesondere auch die mittleren Löschbleche in Kontaktspaltnähe einen
geringen transversalen bzw. radialen Abstand zu den Kontakten auf. Die Innenkanten
der Löschbleche liegen also in einem räumlichen Band entlang der divergierenden Kontaktsegmente.
Das Band kann dabei parallel zu den Kontakten verlaufen. Dies ist insbesondere dann
von Bedeutung, wenn die Kontakte schnabel- oder rotationsförmig ausgebildet sind.
[0011] Bei der Erfindung sind die gestaffelten Löschbleche vorteilhafterweise derart geformt,
dass die dem Lichtbogen zugewandte Kante von einer geraden oder kreisförmigen Kontur
abweicht. Damit wird die Randlänge der einzelnen gegeneinander versetzten Löschbleche
verlängert. Die Randkontur kann regelmäßig, beispielsweise zackenförmig, oder unregelmäßig
sein.
[0012] Bei Spiralkontakten sind die Konturen vorzugsweise an die Schlitzungen angepasst.
[0013] Vorteilhafterweise können bei der Erfindung Vakuumschaltröhren mit solchen Kontaktkonfigurationen
verwendet werden, die sich zwar an den bekannten Aufbau anlehnen. Erfindungsgemäß
verbessern jedoch die gestaffelten Löschblechanordnungen durch die geometrischen Abänderungen
die Strombegrenzung und damit das Schaltverhalten des Vakuumschalters entscheidend.
[0014] Der Erfindung lag eine Analyse des Strombegrenzungsverhaltens bei der DE 199 13 236
C2 zugrunde, was zu teilweise neuen Erkenntnissen führte. Es wurde erkannt, dass die
Lage der Löschblech-Innenkanten entsprechend Figur 4 der DE 199 13 236 C2 weder eine
Verlängerung des vorwiegend axialen, einteiligen Lichtbogenfadens vor Eintritt in
die Löschbleche in radialer Richtung erzwingt noch die kühlende Wirkung der Löschbleche
durch Verlängerung der Berührungszone Lichtbogen-Löschbleche begünstigt. Beides wiederum
ist unvorteilhaft für die Bildung von Lichtbogenfußpunkten auf den Löschblechen, da
geringe Lichtbogenlänge und schlechte Kühlung einen nur geringen Bogenspannungsbedarf
vor Eintritt in die Löschbleche bedingen.
[0015] Die drei vorgenannten Aspekte wirken sich somit nachteilig auf den effizienten Aufbau
erhöhter Bogenspannungsamplituden aus.
[0016] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus nachfolgender Figurenbeschreibung
von Ausführungsbeispielen anhand der Zeichnung in Verbindung mit den weiteren Patentansprüchen.
Es zeigen in jeweils schematischer Darstellung
- Figur 1 und Figur 2
- bekannte Vakuumschaltkontakte mit zugeordneten Lichtbogenteilerplatten in seitlicher
Schnittdarstellung und Draufsicht,
- Figur 3 und Figur 4
- eine Anordnung mit erfindungsgemäß ausgebildeten Löschblechen, in Figur 3 mit einem
vorwiegend axialen, einteiligen Lichtbogenfaden vor etwaigem Eintritt in die Löschbleche,
- Figur 5
- eine Darstellung des Kontaktes im geschlossenen und geöffneten Zustand entsprechend
der Anordnung aus Figur 3,
- Figur 6 und Figur 7
- Vakuumschalter-Spiralkontakte gemäß Figur 1 zur Erzeugung von Radialmagnetfeldern
mit zugeordneten Lichtbogenteilerplatten in seitlicher Schnittdarstellung und Draufsicht,
- Figur 8 und Figur 9
- Spiralkontakte zur Erzeugung von Radialmagnetfeldern mit erfindungsgemäß gestaffelt
angeordneten Löschblechen in seitlicher Schnittdarstellung und in Draufsicht,
- Figur 10
- eine vorteilhafte Kontur einer dem Lichtbogen zugewandten Löschblechkante bei der
Anordnung gemäß Figur 8/9 in Draufsicht und
- Figur 11
- Zeitverläufe der Bogenspannungsamplitude, gemessen an schnabelförmigen Vakuumschaltkontakten
mit und ohne Staffelung der Löschbleche.
[0017] In der DE 199 13 236 C2 ist ein Verfahren zur Strombegrenzung in Niederspannungsnetzen
beschrieben, wobei dort Vakuumschaltröhren verwendet werden, denen als Mittel zur
Strombegrenzung Löschbleche in der Röhre zugeordnet sind. Dabei können in den Vakuumschaltröhren
Kontaktanordnungen vorhanden sein, die ein radiales Magnetfeld erzeugen.
[0018] Der aus der DE 199 13 236 C2 bekannte strombegrenzende Vakuumschalter wird nun durch
die anhand der Figuren im Einzelnen beschriebenen Maßnahmen weiter verbessert.
[0019] In Figur 1 sind mit 1 und 2 zwei Kontaktbolzen gezeigt, über die Ströme zu Kontaktträgern
3 und 4 mit zugehörigen Kontaktauflagen geführt werden. Es ist eine Löschanordnung
5 vorhanden, wie sie im Prinzip aus Luftschaltern bekannt ist, die aus einzelnen Löschplatten
6a bis 6j besteht, wobei eine umrandende Keramikbegrenzung 7 vorhanden ist. Letzteres
wird aus der Draufsicht gemäß Figur 2 deutlich.
[0020] Die Figuren 1 und 2 zeigen also eine Anordnung, die sich an die in konventionellen
Niederspannungs-Leistungsschalter verwendeten Luftschaltkammern anlehnt, wobei geeignete
Materialien für Vakuumverhältnisse verwendet werden. Diese Anordnung zeigt bei hohen
Kurzschlussströmen ein gutes strombegrenzendes Verhalten. Ein im Bereich der Teilerplatten
stationär brennender Lichtbogen mit mehreren 10 kA kann jedoch gegebenenfalls die
Teilerplatten und den äußeren, vom Lichtbogen belasteten Kontaktbereich zerstören
und daher keine ausreichende Lebensdauer ermöglichen.
[0021] Aus letzterem Grund ist die Anordnung gemäß Figuren 1 und 2 nicht zum betriebsmäßigen
Schalten der vorkommenden Betriebsströme von einigen 100 A bis zu einigen kA vorgesehen.
Die hierbei auftretenden Lichtbögen entstehen zwischen den Kontaktauflagen der sich
trennenden Schaltstücke zwar im intensiven Mode, mit zunehmenden Kontaktabständen
gehen sie aber in den diffusen Mode über. Dabei dehnen sich die Lichtbogenansätze
auf den Elektroden größenmäßig aus und können so in unerwünschten Schaltkammergebieten
brennen.
[0022] In Figur 3 und Figur 4 ist jeweils die verbesserte Löschblechanordnung dargestellt.
Die Schalteranordnung 1 bis 4 mit den schnabelförmigen Kontaktträgern 4 und den Kontakten
9 entspricht der Figur 1 bzw. 2. Dargestellt ist nunmehr eine Anordnung von Löschblechen
36a bis 36i, bei denen die einzelnen Löschbleche eine unterschiedliche laterale Ausdehnung
haben. Während die einzelnen Löschbleche an der rechten Seite bündig enden und in
einer in der Figur 3 nicht dargestellten Halterung aus elektrisch isolierendem, nicht
gasendem Material befestigt sind, sind sie an der gegenüberliegenden Seite unterschiedlich
lang. Das komplette Löschblechpaket 36 bildet an dieser Seite insgesamt in etwa ein
dreieckförmiges Profil.
[0023] An diesem Profil bildet sich bei geöffneten Kontakten 9 entlang der schnabelförmigen
Verlängerung 4 der in Figur 3 dargestellten Anordnung ein solcher Lichtbogen 100 aus,
der gegenüber einem Lichtbogen bei einer Anordnung mit nicht gestaffelten Löschblechen
erheblich verlängert ist. Der Lichtbogen 100 hat durch seine längenmäßige Vergrößerung
wirksamere Berührungsflächen mit den Löschblechenden, so dass zumindest eine bessere
Kühlung erfolgt. Damit ist - auch unabhängig von einem Eindringen des Lichtbogens
100 in die Zwischenräume des Löschblechpaketes 36 - eine verbesserte Kühlwirkung gegeben,
so dass eine besonders wirksame Strombegrenzung möglich wird.
[0024] Aus der Figur 4 ergibt sich in der Draufsicht die gestaffelte Anordnung der Löschbleche.
Es sind hier weiterhin seitliche und rückseitige Halterungen 37 und 38 dargestellt.
[0025] Speziell aus der Figur 5 ergibt sich die Wirkung des Löschblechpaketes 36 sowohl
im geschlossenen Kontaktzustand als auch bei geöffneten Kontakten 9. Dabei sind die
gleichen Bezugszeichen wie in Figur 3 verwendet.
[0026] In Abwandlung zu Figur 5 kann es vorteilhaft sein, das zentrale Löschblech 36e, das
in Figur 5 bis in den Kontaktspalt reicht, zurückzunehmen, so dass sich für das Löschblechpaket
insgesamt von der Dreiecksform eine abweichende Kontur ergibt. Insbesondere ein Materialabbrand
durch eine vom Lichtbogen verursachte Metalldampfentwicklung, der zwangläufig eine
Änderung der Geometrie zur Folge hätte, wird dadurch vermieden.
[0027] Bei den Figuren 3 bis 5 bestehen der Schaltbolzen aus OFHC-Kupfer, an denen die eigentlichen
Kontaktstücke 9 aus Kontaktmaterial, beispielsweise CuCr50, angeordnet sind. Die einzelnen
Löschbleche des Löschblechpaketes mit vorgegebenem Endprofil bestehen aus Eisen, Stahl
oder Kupfer, insbesondere OFHC-Kupfer. Insbesondere Eisen ist ggf. auch ein spezifischer
Stahl, ist magnetisierbar, wodurch das Laufen des Lichtbogens in das Löschblechpaket
begünstigt wird. Speziell Eisen wird zur Korrosionsverhinderung galvanisch vernickelt.
[0028] In den Figuren 6 und 7 bedeuten 11 und 12 zwei Kontaktbolzen zur Stromführung, von
denen einer über einen nicht dargestellten Federbalg beweglich ausgebildet ist. Auch
die eigentliche Vakuumschaltröhre ist nicht im Einzelnen dargestellt. Es sind Kontaktstücke
13 und 14 vorhanden, die jeweils entsprechende Schlitze zur Generierung von radialen
bzw. transversalen Magnetfeldern aufweisen. Zwischen den seitlich abgeschrägten Kontakten
13 und 14 ist eine Anordnung 15 vorhanden, die im Einzelnen aus einzelnen Teilerplatten
16a bis 16h und zugehörigen Keramik- bzw. Metallteilen besteht. Insbesondere sind
die Teilerplatten 16a bis 16h endseitig in eine Keramikhalterung 17 eingebracht und
ist gemäß Figur 6 wenigstens ein Radialschlitz 18 vorhanden.
[0029] Mit dieser Anordnung soll für eine gewünschte Strombegrenzung im Kurzschlussfall
entweder eine Aufspaltung des Lichtbogens in hintereinander liegende Teillichtbögen
oder eine intensive Kühlung der Lichtbogensäule an den Löschblechkonturen erreicht
werden. Gleichzeitig wird nunmehr erfindungsgemäß durch die in den Figuren 8 und 9
dargestellte Anordnung auch der bei Betriebsströmen auftretende diffuse Bogenmode
beherrscht. Beide Anordnungen, d.h. die Anordnung gemäß Figur 6/7 und die Anordnung
gemäß Figur 8/9, bestehen im wesentlichen aus zwei Schaltstücken und kreisringförmigen
Lichtbogenteilerplatten, die zwischen diesen angeordnet sind.
[0030] Basis dieser Ausführungsformen ist, dass die Funktionsweise von Vakuumschaltkontakten
mit Radialmagnetfeld und umlaufendem Lichtbogen dahingehend modifiziert wird, dass
der umlaufende Lichtbogen durch das Magnetfeld in einen Löschblechstapel gelenkt und
dadurch, unter Beibehaltung der Rotation, in eine Serie von hintereinander geschalteten,
rasch umlaufenden Einzellichtbögen aufgespaltet wird. Durch diese bisher nicht bekannte
Maßnahme kann sowohl die thermische Belastung aller betroffenen Kontaktteile niedrig
gehalten werden, als auch gleichzeitig ein so großer Betrag an Brennspannung aufgebaut
werden, dass der prospektive Kurzschlussstrom auf in dieser Geometrie beherrschbare
Amplituden begrenzt wird.
[0031] Die Schaltstücke 13 und 14 weisen in ihrem Grundriss Ähnlichkeiten mit in der Vakuumschalttechnik
verwendeten Spiralkontakten auf. In diesem Fall besitzt die auf den intensiven Lichtbogen,
der zwischen den sich trennenden Kontaktauflagen entsteht, wirkende Magnetkraft Komponenten,
die den Lichtbogen in Richtung Laufring treiben. Bei dieser Lichtbogenwanderung wird
durch Abschrägung der Schaltstücke eine Verlängerung des Lichtbogens erreicht. Während
dieses Bewegungsvorganges wird der Lichtbogen in den diffusen Mode übergehen und sich
dabei über die gesamte Schaltstückfläche ausdehnen, wenn ein vom Schaltstückdurchmesser
D abhängiger Grenzstrom von I
G ≈ 15 - 25 kA nicht überschritten wird. Bei Momentanströmen, die über diesem Grenzwert
liegen, bleibt der Lichtbogen dagegen im kontrahierten Mode erhalten, wobei sein Spannungsbedarf
beim Wandern infolge der Verlängerung auf einige 100 V zunimmt und somit die Strombegrenzung
wirksam wird. In der Nähe des Laufrings wird der Spannungsbedarf eines langen Lichtbogens
zumindest für die immer wieder auftretenden instabilen Bogenkonfigurationen größer
sein als die Summe des Spannungsbedarf von Teillichtbögen, die zwischen zwei Teilerplatten
bzw. zwischen einem Laufring und einer Teilerplatte brennen. Für solche Lichtbogenkonfigurationen
erfolgt innerhalb weniger µs die Kommutierung des langen Bogens in den Bereich der
Teilerplatten und seine Aufteilung. Bei diesem Vorgang werden die Brennspannung und
die damit verbundene Strombegrenzung nur unwesentlich reduziert. Erst wenn vor Stromnull
der Momentanstrom den Grenzwert I
G unterschreitet, zieht sich der Lichtbogen aus dem Teilerplattenbereich zurück und
wechselt in den diffusen Mode. Er breitet sich dabei über die Schaltstückoberfläche
aus, und die Bogenspannung sinkt mit abnehmendem Strom ebenfalls ab.
[0032] Die Laufrichtung der zwischen den Teilerplatten entstehenden kontrahierten Lichtbögen
ist durch das lokale Magnetfeld bestimmt, das von der Stromführung in den Schaltstücken
bzw. Laufringen und den Teilerplatten abhängt. Sie kann deshalb für die einzelnen
Bögen, wie anhand der Figuren 7 und 9 für einen Ausschnitt der Teilerplatten und Laufringe
gezeigt wird, unterschiedlich sein.
[0033] Da die strombegrenzende Wirkung bei einer Abschaltung möglichst schnell einsetzen
soll und unmittelbar mit dem Lichtbogenspannungsaufbau zusammenhängt, muss der Lichtbogen
rasch von den Kontaktauflagen in Richtung der Teilerplatten wandern. Außerdem muss
die Kommutierung in den Bereich der Teilerplatten zügig erfolgen, damit Neuzündungen
im Rücken des Bogens und damit Bogenspannungseinbrüche vermieden werden.
[0034] Aus den Figuren 8 und 9 ergeben sich Verbesserungen der gestaffelten Löschbleche
speziell für eine axiale Symmetrie. Im Einzelnen ist hier ein Löschblechpaket 86 mit
innenseitig gestaffelten Löschblechen 86a bis 86i und weiteren Löschblechen 86j bis
861 dargestellt. Alle Löschbleche 86a bis 861 sind rückseitig in einer Isolieranordnung
87 befestigt, die gleichzeitig die Wandung der Vakuumschaltröhre sein kann. Bei dieser
Anordnung liegen in Bezug auf die Kontaktanordnung axialsymmetrische Löschbleche vor.
[0035] Die bekannte Vakuumschaltröhre mit strombegrenzender Eigenschaft besteht somit aus
mindestens zwei Kontakten mit Maßnahmen zur Erzeugung von radial gerichteten Magnetfeldern,
von denen mindestens ein Kontakt in Richtung der Stromzuführung gegenüber dem anderen
Kontakt beweglich ist, aus einer vakuumdichten Hülle, einem Isolator sowie einem elektrisch
weitgehend isoliert angebrachten, die Hauptkontakte umschließenden Löschblechpaket
zur Lichtbogenaufteilung.
[0036] Die gestaffelt angeordneten und/oder geformten Löschbleche bringen beachtliche technische
Verbesserungen: Der vom Entstehungsort weglaufende Lichtbogen erreicht die mittleren
Löschbleche unmittelbar nach Kontakttrennung. Die kühlende Wirkung der mittleren Löschbleche
erfolgt daher ohne Verzögerung, ebenso eine eventuelle Bildung von Teillichtbögen
zumindest in den mittleren Löschblechspalten. Die Strombegrenzung infolge erhöhter
Bogenspannung tritt somit vorteilhaft frühzeitig bei Überlast ein.
[0037] Die Lage der vom Lichtbogen beanspruchten Löschblechkanten erzwingt eine Verlängerung
des Lichtbogenfadens vor bzw. statt einer Teilung durch die Löschbleche in transversaler
bzw. radialer Richtung. Sie bewirkt insbesondere eine bessere Kühlung des Lichtbogens
durch die lange Berührungszone zwischen Lichtbogen und Löschblechen. Der damit einhergehende
erhöhte Bogenspannungsbedarf vor Eintritt in die Löschblechspalte begünstigt die Bildung
von Lichtbogenfußpunkten auf den Löschblechen. Die angegebenen geometrischen Maßnahmen
wirken sich somit vorteilhaft auf den Aufbau erhöhter Bogenspannungsamplituden aus.
[0038] Auch die Formen der beschriebenen Löschbleche können vorteilhaft weitergebildet werden.
Einerseits verbessert eine große Länge der dem Lichtbogen ausgesetzten Kante die Kühlung
des Lichtbogens. Andererseits bewirken die große Kantenlänge und gegebenenfalls eine
strukturierte, unebene oder mit Öffnungen versehene Löschblechoberfläche die Wahrscheinlichkeit,
Lichtbogenansätze auf den Blechen zu bilden. Beide Eigenschaften begünstigen den Bogenspannungsaufbau.
[0039] Nach Kontakttrennung wird der Lichtbogen wirksam in Richtung des Löschblechpaketes
getrieben, da weder die erfindungsgemäße Staffelung der Löschbleche, noch der durch
die Lichtbogenbeanspruchung der Bleche gebildete Metalldampf die Ausbildung einer
Stromschleife behindern.
[0040] Ausschaltversuche an den in Figur 3/4 dargestellten schnabelförmigen Vakuumschaltkontakten
mit gestaffelt angeordneten Löschblechen haben gezeigt, dass deutlich höhere Bogenspannungsamplituden
gemessen werden als im Falle nicht gestaffelter, d.h. gestapelter Löschbleche, wobei
der Kurzschlussstrom weiter begrenzt wird.
[0041] Bei hohen Kurzschlussströmen führen somit die erfinderischen Maßnahmen insgesamt
zu einem unverzögert einsetzenden, starken Bogenspannungsbedarf, der ein deutlich
verbessertes strombegrenzendes Schaltverhalten bewirkt.
[0042] In der Figur 10 ist an der dem Lichtbogen zugewandten Kante der Löschbleche 86a bis
86i eine Kontur 90 angebracht. Die Kontur 80 kann insbesondere eine regelmäßige Zackenform
aufweisen und dient der Verlängerung des Löschblechrandes. Die Kontur 90 kann aber
auch unregelmäßig ausgebildet sein, wobei eine solche Kontur von der Schlitzung der
Spiralkontakte abhängt.
[0043] Vakuumschaltröhren mit den erfindungsgemäßen Kontaktkonfigurationen und Löschblechanordnungen
gemäß den Figuren 3 bis 5 einerseits und den Figuren 8 bis 10 andererseits lassen
sich in Anlehnung an die Figuren 1/2 und 6/7 des Standes der Technik realisieren.
[0044] Es wurden Messungen an schnabel- und rotationsförmigen Kontaktstücken ohne Strombegrenzung
und mit Strombegrenzung bei gestapelten Löschblechen einerseits und gestaffelten Löschblechen
andererseits durchgeführt. Figur 11 zeigt typische Zeitverläufe der Bogenspannung
für die rotationssymmetrische Anordnung. Aufgetragen ist auf der Abszisse die Zeit
in s und auf der Ordinate die Bogenspannung in Volt. Dargestellt sind die Graphen
101 bis 103 zum Vergleich der Erfindung mit dem Stand der Technik.
[0045] Der Graph 103 einer Messung mit Löschblech-Staffelung beinhaltet gegenüber dem Graph
102 der Messung ohne Löschblechstaffelung, aber Stapelung, und dem Graphen 101 ohne
Strombegrenzung eine beachtliche Verbesserung zu höheren Bogenspannungen, was als
technischer Fortschritt zu werten ist.
[0046] Auf der Basis der gemessenen Bogenspannungen ergibt sich mit einer Anordnung gemäß
Figur 8/9 eine deutliche Verringerung des Kurzschlussstromes. Diese Verringerung erfolgt
bei der Staffelung der Löschbleche wesentlich deutlicher als bei der Stapelung der
Löschbleche. Damit ist natürlich auch die Kurzschlussdauer geringer.
1. Anordnung zur Strombegrenzung in Niederspannungsnetzen, enthaltend eine Vakuumschaltröhre
mit zwei Schaltstücken, wobei als Mittel zur Strombegrenzung Löschbleche für den Lichtbogen,
die zumindest teilweise zwischen den Schaltstücken angeordnet sind, vorhanden sind,
dadurch gekennzeichnet, dass die Löschbleche (36a bis 36i, 86a bis 86i) unterschiedliche laterale Ausdehnungen
haben und in Richtung auf die Schaltstücke (3, 4; 13, 14) gestaffelt angeordnet sind.
2. Anordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das von den Löschblechen (36a bis 36i, 86a bis 86i) gebildete Löschblechpaket (36,
86) das Kontaktprofil der Schaltstücke (3, 4; 13, 14) nachbildet.
3. Anordnung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass bei geschlossenen Schaltstücken (3, 4; 13, 14) die äußeren Löschbleche (36a bis 36i;
86a bis 86i) bis nahe an die Schaltstücke (3, 4; 13, 14) heranreichen.
4. Anordnung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die äußeren Löschbleche (36a bis 36i; 86a bis 86i) bis zum halben Kontakthub, vorzugsweise
bis zu etwa 3mm, an die Schaltstücke (3, 4; 13, 14) heranreichen.
5. Anordnung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, dass die in Kontaktspaltnähe angeordneten mittleren Löschbleche (36e, 86e) einen geringeren
Abstand zu den Schaltstücken (3, 4; 13, 14) als die äußeren Löschbleche (36a bis 36d,
36f bis 36i, 86a bis 86d, 86f bis 86i) haben.
6. Anordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Löschblechpaket (36, 86) ein solches Profil umfasst, welches einer spezifischen
Kontaktkonfiguration nachgebildet ist.
7. Anordnung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Löschbleche (36a bis 36i; 86e bis 86i) ein Paket (36, 86) bilden, das mit den
Löschblechen (36a bis 36i, 86a bis 86i) einen dreieckförmigen Verlauf hat.
8. Anordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das zentrale Löschblech (36e, 86e) gegenüber den beiden benachbarten Löschblechen
(36d, 36f; 86d 86f) rückwärts versetzt ist.
9. Anordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Löschbleche (36a bis 36i, 86a bis 86i) aus Eisen, Edelstahl oder Kupfer bestehen.
10. Anordnung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das metallische Löschblechpaket (36, 86) in einer elektrisch isolierenden, nicht
gasenden Halterung (37, 87), vorzugsweise aus Keramik, fixiert ist.
11. Anordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Löschbleche (36a bis 36i, 86a bis 86i) eine Randkontur (90) aufweisen.
12. Anordnung nach Anspruch 11,dadurch gekennzeichnet, dass mit der Randkontur die dem Kontaktspalt zugewandten Löschblechfront (90) vergrößert
wird.
13. Anordnung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Löschbleche (36a bis 36i, 86a bis 86i) Oberflächenstrukturen aufweisen.