[0001] Die Erfindung betrifft ein Betriebsführungssystem für schienengebundene Verkehrsmittel
gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1. Im Rahmen des ETCS (European Train Control
System) sind mehrere Varianten für die Zugbeeinflussung vorgesehen. Die Erfindung
bezieht sich auf Balisen-Zugbeeinflussung und Funk-Zugbeeinflussung, wobei die zugehörigen
Streckenabschnitte aneinandergrenzen und nacheinander befahren werden sollen. Üblicherweise
sind die Streckenabschnitte in fahrerlaubniserteilungspflichtige Überwachungsabschnitte
eingeteilt. Die Überwachungsabschnitte werden von einer Leitzentrale mittels Balisenansteuerung
oder Funkübertragung für die Weiterfahrt des Zuges freigegeben, wenn sichergestellt
ist, dass sich kein anderes Fahrzeug in diesem Überwachungsabschnitt befindet. Dabei
beginnt der letzte Balisen-Überwachungsabschnitt am Anfang des zweiten Streckenabschnittes,
der für Betriebsführung mittels Funk-Zugbeeinflussung ausgelegt ist. Innerhalb dieses
letzten Balisen-Überwachungsabschnittes muss der Zug eine Information über den Frei-
oder Besetzt-Zustand eines neuen Überwachungsabschnittes per Funk-Zugbeeinflussung
erhalten. Diese funkbasierte Fahrerlaubnis überschreibt die noch gültige balisenbasierte
Fahrerlaubnis. Auch alle weiteren balisengenerierten Informationen werden unterdrückt,
so dass der zweite Streckenabschnitt ausschließlich mittels Funk-Zugbeeinflussung
betrieben wird. Bei störungslosem Betrieb erfolgt somit quasi ein gleitender Übergang
von Balisen-Zugbeeinflussung zu Funk-Zugbeeinflussung. Nach ETCS-Sprachgebrauch wird
die Balisen-Variante als Level 1 oder kurz L1 und die Funk-Variante als Level 2 oder
kurz L2 bezeichnet. Jegliche Art von Störungen der Funkübertragung beim Levelwechsel
von L1 zu L2 führt dazu, dass keine gültige Funk-Fahrerlaubnis vorliegt, wodurch der
Zug am Ende der letztgültigen Balisen-Fahrerlaubnis anhalten muss. Der Triebfahrzeugführer
muss dann bestimmte Maßnahmen ergreifen, um mit der Störung umzugehen. Wenn L2-Betrieb,
also Funk-Zugbeeinflussung, initiiert wurde, aber keine Fahrerlaubnis-Informationen
zu dem ersten Funk-Überwachungsabschnitt empfangen wurden, werden eventuell eingetroffene
Balisen-Informationen zu einem nächsten Überwachungsabschnitt unterdrückt. Damit diese
Balisen-Informationen für die Weiterfahrt des Zuges genutzt werden können, muss der
Triebfahrzugführer den Level quasi manuell von L2 auf L1 zurückschalten.
[0002] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Betriebsführungssystem der gattungsgemäßen
Art anzugeben, bei dem im Störungsfall eine automatische Rückschaltung von L2 zu L1
erfolgt. Insbesondere ist anzustreben, dass das Anhalten des Zuges und die manuelle
Levelumschaltung durch den Triebfahrzeugführer entfallen können.
[0003] Die Aufgabe wird mit den kennzeichnenden Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Auf diese
Weise erfolgt bei fehlerhafter oder nicht vorhandener Funk-Übertragung der Fahrerlaubnis
für den nächsten Überwachungsabschnitt eine automatische Umschaltung von Betriebsführung
mittels Funk-Zugbeeinflussung, d. h. von Level 2, auf Betriebsführung mittels Balisen-Zugbeeinflussung,
d. h. Level 1. Der Zug kann die Fahrt ohne anzuhalten im L1-Betrieb fortsetzen. Der
Triebfahrzeugführer muss den Levelwechsel nicht mehr per Hand vornehmen.
[0004] Gemäß Anspruch 2 ist eine zweite Balise oder auch Balisengruppe vorgesehen, durch
die der Levelwechsel von L2 zu L1 vorab angekündigt wird. Eine Vorankündigung dieser
Art erfolgt auch vor dem tatsächlichen Levelwechsel von L1 zu L2.
[0005] Durch den Level-Aufbau des ETCS muss sichergestellt sein, dass immer die dem höchsten
Level entsprechende Betriebsführung realisiert wird, sofern die entsprechende Infrastruktur
vorhanden ist. Dazu ist gemäß Anspruch 3 vorgesehen, dass bei störungsfreiem L2-Betrieb
jegliche L1-Informationen unterdrückt werden, wobei solche Informationen durchaus
gelesen werden können.
[0006] Die Erfindung wird nachfolgend anhand figürlicher Darstellungen näher erläutert.
Es zeigen
- Figur 1
- einen störungsfreien Betriebsablauf bei Levelwechsel und
- Figur 2
- einen Betriebsablauf bei Levelwechsel und Funkstörung.
[0007] Beide Figuren zeigen einen Zug 1, der auf einer Bahnstrecke fährt, die einen L1-Streckenabschnitt
2 und einen L2-Streckenabschnitt 3 aufweist. Der L1-Streckenabschnitt ist für Betriebsführung
mittels Balisen-Zugbeeinflussung projektiert, während der L2-Streckenabschnitt auch
das nächsthöhere Level, nämlich Funk-Zugbeeinflussung ermöglicht. Bevor der Betriebsartenwechsel
von L1 nach L2 tatsächlich erfolgt, wird dieser mittels einer Balise 4 angekündigt.
Die gesamte Strecke ist in fahrerlaubniserteilungspflichtige Überwachungsabschnitte
eingeteilt. Die zur Einfahrt in den L2-Streckenabschnitt 3 erforderliche Fahrerlaubnis
- Movement Authority MA - 5 wird noch von der L1-Betriebsführung übertragen. Dazu
dient eine Balisengruppe 6 an der Levelgrenze L1/L2. Wenn der Zug 1 die Levelgrenze
passiert und von dem L1-Streckenabschnitt 2 in den L2-Streckenabschnitt 3 einfährt,
gilt zunächst die L1 MA-Fahrerlaubnis 5. Neue L1-Informationen werden aber ignoriert.
Nach Befahren eines Teilabschnittes 5' des Überwachungsabschnittes für die L1-Fahrerlaubnis
5 erhält der Zug gemäß Figur 1 eine neue L2-Fahrerlaubnis von einer Streckenzentrale
für die Funk-Zugbeeinflussung. Diese L2-Fahrerlaubnis 7 überschreibt die an sich noch
gültige L1-Fahrerlaubnis 5. Die ausfahrseitige Begrenzung der Überwachungsabschnitte
für die L1-Fahrerlaubnis 5 und die L2-Fahrerlaubnis 7 können - wie im dargestellten
Beispiel - übereinstimmen. Der Zug 1 fährt die erste funkübertragene L2-Fahrerlaubnis
7 ab und empfängt bei störungsfreiem Betrieb für jeden nachfolgenden Überwachungsabschnitt
eine weitere L2-Fahrerlaubnis. Informationen von Level 1 werden ignoriert. Die notwendigen
Informationen über den aktuellen Aufenthaltsort des Zuges 1 erhält die Streckenzentrale
über streckenseitige Positionserfassungssysteme 8.
[0008] Als weitere Informationsquelle für den Triebfahrzeugführer können Lichtsignale 9
vorgesehen sein.
[0009] Figur 2 veranschaulicht den Betriebsablauf bei Nichtempfang der L2-Fahrerlaubnis
7. In diesem Fall wird durch die Projektierung der Strecke erreicht, dass der Zug
1 ohne anhalten zu müssen und ohne Fahrermitwirkung wieder zurück in den L1-Betrieb,
d. h. in Betriebsführung mittels Balisen-Zugbeeinflussung, wechselt. Dazu sind Balisen
10 für die Ankündigung des L2/L1-Wechsels und 11 für die Initiierung dieses Wechsels
vorgesehen. Während der noch gültigen L1-Fahrerlaubnis 5 sind die Balisen 10 und 11
für den Levelwechsel zurück nach L1 mit dem letzten Balisen-Überwachungsabschnitt
gelinkt. Wird jedoch auf diesem Streckenabschnitt mit L1-Fahrerlaubnis 5 eine L2-Fahrerlaubnis
7, wie bei der störungslosen Betriebsweise, die in Figur 1 dargestellt ist, empfangen,
wird die Verlinkung verändert und weitere L1-Informationen dadurch ignoriert. Der
Zug 1 würde dadurch im Level 2 verbleiben. Jede neue Fahrerlaubnis, deren Format der
aktuellen Betriebsweise L1 oder L2 entspricht, überschriebt die letztgültige Fahrerlaubnis.
[0010] ETCS fordert für ein Fahrzeug, dass, falls Balisen gelinkt wurden, ausschließlich
diese Balisen gelesen werden. Andere Balisen werden ignoriert. Dadurch kann man mittels
Linking bestimmte Informationen "ausblenden". Durch Veränderung des Linking durch
den Funk, wird die auf der Strecke projektierte Rückschaltung nach L1 - Balise 10
und 11 - nicht mehr gelesen bzw. ausgeführt.
[0011] Die Erfindung beschränkt sich nicht auf das vorstehend angegebenen Ausführungsbeispiel.
Vielmehr ist eine Anzahl von Varianten denkbar, welche auch bei grundsätzlich anders
gearteter Ausführung von den Merkmalen der Erfindung Gebrauch machen.
1. Betriebsführungssystem für schienengebundene Verkehrsmittel mit einem ersten Streckenabschnitt
(2) für Betriebsführung mittels Balisen-Zugbeeinflussung (L1) und einem daran anschließenden
zweiten Streckenabschnitt (3) für Betriebsführung mittels Funk-Zugbeeinflussung (L2),
wobei die Streckenabschnitte (2, 3) in fahrerlaubniserteilungspflichtige Überwachungsabschnitte
eingeteilt sind,
dadurch gekennzeichnet,
dass innerhalb des ersten Überwachungsabschnittes des Streckenabschnittes (3) für Betriebsführung
mittels Funk-Zugbeeinflussung (L2), der der letzte Balisen-Überwachungsabschnitt ist,
mindestens eine erste Balise (11) angeordnet ist, die bei Störung der Funk-Übertragung
bezüglich der Fahrerlaubnis (7) für den nächsten Überwachungsabschnitt eine Umschaltung
von Betriebsführung mittels Funk-Zugbeeinflussung (L2) auf Betriebsführung mittels
Balisen-Zugbeeinflussung (L1) auslöst.
2. Betriebsführungssystem nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens eine zweite Balise (10) zur Ankündigung der Umschaltung mit der ersten
Balise (11) und mit dem letzten Balisen-Überwachungsabschnitt verlinkt ist.
3. Betriebsführungssystem nach einem der vorangehenden Ansprüche
dadurch gekennzeichnet,
dass zugseitige Mittel zum Ignorieren der Balisen-Information bei störungsfreier Betriebsführung
mittels Funk-Zugbeeinflussung (L2) vorgesehen sind.