[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur elektrochemischen Reduktion
von Küpen- und Schwefelfarbstoffen in wässrigen Lösungen gemäss Patentanspruch 1 und
eine Apparatur zur Durchführung dieses Verfahrens gemäss Patentanspruch 11.
[0002] Die Applikationen von Küpen- und Schwefelfarbstoffen auf cellulosische Materialien
erfolgt in der reduzierten Form, da nur diese wasserlöslich ist und eine hohe Substrataffinität
besitzt. Durch die nach dem Färben durchgeführte Oxidation wird der Farbstoff von
seiner Leukoform wieder in die wasserunlösliche Pigmentstruktur überführt.
[0003] Die Verwendung von Küpen- und Schwefelfarbstoffen zum Bedrucken und Färben von cellulosischen
Fasern ist bis anhin an den Einsatz von überstöchiometrischen Reduktionsmittelmengen
(bezogen auf die zu reduzierende Farbstoffmenge) gebunden. Die Reduktion der Küpenfarbstoffe
erfolgt üblicherweise in alkalischen (pH > 9), wässrigen Lösungen mit Natriumdithionit
(Hydrosulfit) oder davon abgeleiteten Reduktionsmitteln (RONGALIT C, BASF) in Verbindung
mit Netzmitteln und Komplexbildnern. Andere Reduktionsmittel wie Thioharnstoffdioxid
oder Endiolate haben sich aus preislichen Gründen kaum durchgesetzt, wobei im Falle
von Thioharnstoffdioxid ein ähnliches Umweltproblem wie bei Hydrosulfit besteht.
[0004] Die zur Reduktion der Küpenfarbstoffe geeigneten Reduktionsmittel zeigen unter den
zur Verküpung der Farbstoffe notwendigen Bedingungen ein Redoxpotential von -400 mV
bis -1'000 mV. Sowohl der Einsatz von Hydrosulfit als auch Thioharnstoffdioxid führen
zu einer hohen Sulfit- bzw. Sulfatbelastung des Abwassers. Diese Salzfrachten sind
einerseits toxisch und andererseits korrosiv und führen zur Zerstörung von Betonleitungen.
Ein weiteres Problem der aus dem Sulfit entstehenden Sulfatfracht im Abwasser ist
die durch anaerobe Organismen verursachte Schwefelwasserstoffbildung in den Kanallsationsrohren.
[0005] Auch neuere Verfahren konnten die erwähnten Probleme nur teilweise lösen, wobei hier
die Reduktion in Ultraschallreaktoren in Verbindung mit den üblichen Reduktionsmitteln
bzw. die elektrochemische Verküpung unter Zuhilfenahme eines Mediators erwähnenswert
sind. Die Verküpung in einem Ultraschallreaktor bietet den Vorteil, dass der Reduktionsmittelverbrauch
auf stöchiometrische Verhältnisse reduziert sowie das Hydrosulfit durch Endiole ersetzt
werden kann.
Die direkte elektrochemische Reduktion von Farbstoffpigmenten wurde bis anhin nicht
realisiert. Ein bekanntes elektrochemisches Verfahren benutzt Hydrosulfit, aus dem
weitere, den Farbstoff reduzierende Reaktionsprodukte entstehen, welche zu einer Verringerung
der zur Fabstoffverküpung notwendigen Hydrosulfiteinsatzmenge führen (E.H. Daruwalla,
Textile Asia, 165-9, September 1975).
Ein weiteres bekanntes Verfahren benutzt Redox-Mediatorsysteme wie beispielsweise
Eisen (II)- bzw. Eisen (III)-Komplexe (T. Bechtold et. al., Angew. Chem. Int. Ed.
Engl. 1992, 31, No. 8, 1068-9; WO 90/15182).
[0006] Bei all diesen elektrochemischen Verküpungsverfahren sind das eingesetzte Reduktionsmittel
bzw. der Mediator das den Farbstoff reduzierende Agenz. Das Mediatorsystem wird elektrochemisch,
gemäss dem oben erwähnten Beispiel (z.B. Fe
2+ <--> Fe
3+) kathodisch regeneriert. Aufgrund der hohen Einsatzmengen und der ökologischen Bedenklichkeit
solcher Mediatoren besteht nach wie vor ein akutes Umweltproblem, das nur durch zusätzliche
Investitionen in eine adäquate Abwassertechnologie oder durch ein Recyclingverfahren
gelöst werden kann. Ein weiterer Nachteil dieser Verfahren ist der permanente Mediatornachsatz
zur Aufrechterhaltung des Redoxkreislaufes in der Kontinuefärbetechnik. Die Nachsatzdosierung
des Mediatorsystemes ergibt sich durch den gewebe- bzw. garnflussproportionalen Flottenaustrag.
[0007] Es war bis heute nicht möglich, im technischen Massstab Küpenfarbstoffe ohne Mediatorzusatz
elektrochemisch zu reduzieren. Die Ursache für die erwähnten Schwierigkeiten sind
durch das Farbstoffpigment vorgegeben, da dieses durch seine Wasserunlöslichkeit ein
völlig indifferentes Verhalten in einer Elektrolysezelle aufweist.
[0008] Aufgabe der vorliegenden.Erfindung ist es daher, unter Vermeidung der erwähnten Nachteile
bekannter Reduktionsverfahren ein weitgehend reduktionsmittelfreies Verküpungsverfahren
zur Herstellung von voll reduzierten Farbstofflösungen zum Färben von cellulosischen
Textilmaterialien bereitzustellen.
[0009] Die Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren gemäss Patentanspruch 1 und einer Apparatur
gemäss Patentanspruch 11.
[0010] Das Verfahren und die dazu gehörige Apparatur werden im folgenden beschrieben. Es
zeigen:
- Fig. 1
- Schematische Darstellung der elektrochemischen Verküpung
- Fig. 2
- Schematische Darstellung einer Apparatur zur kontinuierlichen, elektrochemischen Farbstoffreduktion
[0011] Unter Küpenfarbstoffen im Sinne der vorliegenden Erfindung sind ausser den indigoiden
Farbstoffen, wobei Indigo selbst bevorzugt ist, auch anthrachinoide Farbstoffe und
gegebenenfalls auch nicht vorreduzierte Schwefelfarbstoffe zu verstehen.
[0012] Das Verfahren beruht im Wesentlichen auf einem geschlossenen Reaktionskreislauf,
der unter stationären Reaktionsbedingungen aufrechterhalten wird und durch die nachstehenden
Reaktionsgleichungen (I) und (II) beschrieben wird:
A + P → 2R (I)
2R + 2e
- → 2P (II)
[0013] Der Farbstoff A reagiert mit der reduzierten Farbstoffspezies P, im weiteren kurz
mit Spezies P bezeichnet, die die Leukoform des Farbstoffes A darstellt, in einer
Komproportionierungsreaktion (I), in der sich zwei Farbstoff-Radikalanionen 2R bilden.
[0014] Als Komproportionierung wird eine Reaktion bezeichnet, bei der eine höhere und eine
niedrigere Oxidationsstufe eines Elements, bzw. einer chemischen Verbindung zu einer
mittleren zusammentreten (G. Ackermann, et al., Elektrolytgleichgewichte und Elektrochemie,
Fachstudium Chemie Bd. 5, S. 188 (1974), Verlag Chemie, Weinheim; Römpp, Lexikon Chemie,
10. Auflage, Thieme Verlag, S. 2223 (1997)).
[0015] In einem zweiten Schritt werden die zwei Farbstoff-Radikalanionen 2R, die aufgrund
ihrer Ladung wasserlöslich sind, elektrochemisch gemäss Reaktionsgleichung (II) an
der Kathode zu den Dianionen, resp. den Spezies 2P reduziert. Um dies zu erreichen,
wird an den vorhandenen Elektroden eine dem Redoxpotential der Farbstoff-Radikalanionen
2R angepasste Gleichspannung angelegt. Bei richtig gewählten Spannungsverhältnissen
kann so, unter Berücksichtigung der Komproportionierungsreaktion, eine für den weiteren
Prozess reduktionsmittelfreie Farbstoffverküpung durchgeführt werden.
[0016] Fig. 1 zeigt in schematischer Darstellung die eben beschriebene elektrochemische
Verküpung.
[0017] Die Erreichung der stationären Reaktionsbedingungen wird durch verschiedene Startreaktionen
ermöglicht, die später beschrieben werden.
[0018] Die Farbstoffreduktion erfolgt in einem sauerstofffreien Elektrolysegefäss, welches
sowohl die Elektroden als auch ein allfälliges Mischaggregat enthält. Diverse Zellenanschlüsse
lassen einerseits den kontinuierlichen und andererseits den Batchbetrieb der Elektrolyseapparatur
zu.
Das Farbstoffpigment A wird in einer wässerigen, diverse Zusatzstoffe enthaltenden
Suspension, in das Elektrolysegefäss eingebracht. Der zur Farbstoffreduktion notwendige
alkalische pH-Wert liegt bei 10,5 - 13, welcher mit Alkalimetallhydroxyd, insbesondere
Natriumhydroxydlösungen eingestellt wird. Als Zusatzstoffe werden gemäss den gewünschten
Reaktionsstartbedingungen Tenside, Reduktions- und Lösungsmittel in geringen Konzentrationen
eingesetzt. Die verwendeten Zusatzstoffe können erfindungsgemäss nach erfolgtem Reaktionsstart
abgesetzt bzw. in ihrer Konzentration verändert werden.
[0019] Die Startreaktionen, die zur Erreichung der stationären Reaktionsbedingungen führen,
werden im Folgenden an Hand der Reaktionsgleichungen (IIIA) - (IIIC) beschrieben.
[0020] Die Reaktionsgleichung (IIIA) zeigt eine erste Startreaktion:
A + B → P (IIIA)
[0021] Als Reaktionsstarter wird im einfachsten Fall ein handelsübliches, zur Reduktion
von Küpenfarbstoffen geeignetes Reduktionsmittel B wie z.B. Hydrosulfit oder ein Endiolat
in unterstöchiometrischem Verhältnis bezüglich des Farbstoffes A eingesetzt.
[0022] Dabei reduziert das Reduktionsmittel B, kurz Starter oder Reduktionsstarter genannt,
eine seiner Einsatzmenge entsprechende Menge des Farbstoffes A zur Spezies P, bzw.
zum Dianion.
[0023] Nach der einmaligen unterstöchiometrischen Reduktionsstarterzugabe genügt für die
Aufrechterhaltung des stationären Verküpungsbetriebs lediglich die Zugabe von weiterem
Farbstoffpigment und Alkali sowie allfälliger geringer Mengen von Zusatzstoffen, wobei
der durch die Startbedingungen eingeleitete Reduktionsprozess im weiteren nur durch
die Reaktionsgleichungen (I) und (II) bestimmt wird.
[0024] Damit unterscheidet sich das erfindungsgemässe Verfahren ganz wesentlich von einer
Reaktionsführung, die ein Mediatorsystem verwendet, das permanent in zwingender Weise
anwesend sein muss.
[0025] Als Reduktionsstarter B werden unterstöchiometrische Mengen folgender Verbindungen
eingesetzt:
- Hydrosulfit und dessen Derivate, wie z.B. Formaldehydsulfoxylat (RONGALIT C, BASF),
- Thioharnstoffdioxyd,
- Glukose,
- α-Hydroxyketone, wie z.B. Monohydroxyaceton, Dihydroxyaceton,
- α-Hydroxyaldehyde, wie z.B. Glykolaldehyd, Triose-Redukton (2,3-Dihydroxyacrylaldehyd)
oder
- Reduktinsäure (Cyclopentendiol-on).
[0026] Die Reaktionsgleichungen (IIIB) zeigen eine zweite Startreaktion:
A + X → (AX)
sol (IIIB.1)
(AX)
sol + 2e
- → P (IIIB.2)
[0027] Um die elektrochemische Reduktion einzuleiten, werden Zusätze von farbstoffaffinen
Solubilisierungs- bzw. Dispergierungsmitteln zugegeben, die kurz als Hilfsstoffe X
bezeichnet werden.
Der Farbstoff A, bzw. das Farbstoffpigment, bildet mit diesen Hilfsstoffen einen solubilisierten
Komplex (AX)
sol (IIIB.1), der elektrochemisch zur Spezies P reduziert wird (IIIB.2).
Die Hilfsstoffe ermöglichen damit eine direkte elektrochemische Reduktion des mikrodispers
vorliegenden Farbpigmentes, dessen Verhalten durch die Solubilisierung ähnlich einer
gelösten Verbindung ist.
Als Hilfsstoffe X, resp. als farbstoffaffine Solubilisierungs- bzw. Dispergierungshilfsmittel,
werden folgende Verbindungen eingesetzt:
- Ketone, wie z.B. N-Methylpyrrolidon, 4-Hydroxy-4-methylpentanon-2 (Diacetonalkohol),
- Alkohole, wie z.B. Methanol, Ethanol, iso-Propanol, wobei Methanol und iso-Propanol
besonders bevorzugt sind,
- Acetale, wie z.B. Glykolformal und Glyzerinformal,
- Glykole und Glykolether, wie z.B. Propylenglykol, Ethylenglykolmonomethyl-, ethyl-
oder -butylether, Diethylenglykolmonomethyl- oder -ethylether,
- Pyridine, wie z.B. Pyridin und α-, β- sowie γ-Picoline,
- Lactame, wie z.B. Pyrrolidon, N-Methylpyrrolidon und 1,5-Dimethylpyrrolidon,
- Säuren und Säureamide, wie z.B. Benzolsulfonsäuren,
- Naphthalinsulfonsäurederivate, wie z.B. Setamol WS (mit Formaldehyd kondensiertes
Naphthalinsulfonat),
- N,N-Dimethylformamid, und Acetamid.
[0028] Die Hilfsstoffe werden in Mengen von ca. 1 bis 90 %, vorzugsweise 5 bis 30 %, bezogen
auf die eingesetzte Farbstoffmasse verwendet. Zur Unterstützung der Solubilisierung
bzw. Dispergierung durch die beschriebenen Hilfsstoffe hat sich der Einsatz von Ultraschall
als Dispergierhilfe bewährt. Hierbei wird während bzw. vor der Reduktion des Farbstoffes
die Suspension mit Ultraschallenergie beaufschlagt.
[0029] Die Reaktionsgleichungen (IIIC) zeigen eine dritte Startreaktion:
S → S* (IIIC.1)
S* + A → R (IIIC.2)
[0030] Ein Radikalstarter S wird unter Einwirkung physikalischer Mittel, wie etwa einer
UV-Strahlung, einer Kobaltstrahlung und/oder Ultraschall aktiviert, wobei er in einen
angeregten Zustand S* des Radikalstarters übergeführt wird (IIIC.1). Dieser reagiert
mit dem Farbstoff A, aus welchem ein Radikalanion R entsteht (IIIC.2). Damit sind
die Bedingungen gegeben, dass der stationäre Kreislauf mit den Reaktionsgleichungen
(I) und (II) einsetzen kann.
Als Radikalstarter werden Benzophenone, seine Diarylketon-Derivate, Anthrachinone
sowie Xanthone verwendet. Weitere als Radikalstarter geeignete Verbindungsklassen
sind Azo-Verbindungen und Diazoniumsalze (z.B. Azo-isobutyronitril).
Zur Unterstützung der Radikalbildung können UV-Brenner, bzw. beliebige Strahlungsquellen
auch härterer Strahlung, und Ultraschall in bekannter Weise eingesetzt werden. Die
Ultraschallwellen, die verfahrensgemäss zur Anwendung gelangen, werden mit üblichen
Ultraschallgeneratoren erzeugt. Ihre Frequenz liegt im Bereich von 16 kHz und darüber,
vorzugsweise bei 20 bis 30 kHz. Die einzusetzende Ultraschallenergie ist vom Farbstoff
bzw. von der radikalbildenden Substanz und der Grösse des Reaktionsgefässes abhängig.
Üblicherweise werden Leistungen zwischen 0.5 bis 1 kW eingesetzt, um im Reaktionsmedium
die zur Radikalbildung benötigte Kavitation zu erzeugen.
[0031] Kombinationen von Reduktionsstarter- mit Solubilisierungs- bzw. Dispergierungsmittel
zeigen synergistische Effekte in der Weise, dass die in der Startphase zu erzielende
Reaktionsgeschwindigkeit grösser ist als jene mit dem Reduktionsstarter oder mit dem
Solubilisierungs- bzw. Dispergierungsmittel allein. Mit zunehmendem Reaktionsumsatz
erhöht sich die Reaktionsgeschwindigkeit durch die Überlagerung der Komproportionierungsreaktion
und des zuvor beschriebenen Reaktionsablaufes mit den eingesetzten Solubilisierungs-
bzw. Dispergierhilfsmittel. Bevorzugte Kombinationen zum Start der Reaktion sind Natriumhydrosulfit
als Starter und gewisse Naphthalinsulfonsäuren (Setamol WS der Fa. BASF Ludwigshafen)
bzw. deren Kombinationen als Dispergierungsmittel.
[0032] Zur Reaktionsbeschleunigung werden erfindungsgemäss auch ionische bzw. nichtionische
Tenside sowie protische und aprotische Lösungsmittel (wie zuvor beschrieben) als Zusatzstoffe
eingesetzt, welche sowohl eine Farbstoff- als auch Elektrodenaffinität aufweisen und
selbst nicht reduzierend wirken. Typische Vertreter dieser Substanzen sind Alkoholpropoxylate
wie z.B. Lavotan SFJ, Alkoholsulfate wie z.B. Sandopan WT, Subitol MLF und Alkylsulfonate
wie z.B. Levapon ML.
[0033] Die Einsatzmengen dieser Zusatzstoffe liegen im Bereich von 0.1 bis 10 g/l, bevorzugte
Konzentrationen liegen zwischen 1 und 5 g/l.
[0034] Mit dem erfindungsgemässen Verfahren werden überraschende Vorteile auf dem Gebiet
des Färbens von cellulosischen Materialien mit Küpenfarbstoffen, insbesondere Indigo,
erreicht.
Der grosse Vorteil dieser Reaktionsführung liegt in der nur einmaligen, zu Beginn
der Reaktion, zu tätigenden Starter-Chemikalienzugabe. Damit sind im weiteren Reaktionsverlauf
(I) und (II) in einer sauerstofffreien Reaktionszelle nur der zu färbende Küpenfarbstoff,
das zur pH-Einstellung notwendige Alkali, eine entsprechende elektrische Spannung
zur Aufrechterhaltung der Reaktion, sowie allfällige geringe Mengen von Zusatzstoffen
notwendig. Die beschriebene Reduktionstechnik erlaubt, in Verbindung mit einer sauerstofffreien
Zelle, auch nach längeren Stillstandzeiten einen erneuten Reaktionsstart, ohne jeglichen
Starterzusatz. Durch ein dem Komproportionierungsschritt (I) angepasstes Verküpungspotential
und geeignete Elektrodenmaterialien wird eine Überreduktion der Farbstoffe verhindert,
wie sie sehr oft bei Hydrosulfit und Thioharnstoffdioxid als Reduktionsmittel anzutreffen
ist. Bedingt durch die weitgehende Salzfreiheit können Farbstoffkonzentrationen bis
zu 200 g/l in den Stammküpen erreicht werden. Die hohe Farbstofflöslichkeit ist von
besonderer Bedeutung, da durch konzentriertere Stammküpenflotten Farbüberläufe in
den Färbebädern verhindert werden können.
Diese Verküpungstechnik führt im weiteren zu einem weitgehend salzfreien Färben, wodurch
automatisch eine höhere Reproduzierbarkeit und bessere Gewebe- bzw. Garnqualität sichergestellt
werden können. Weitere Vorteile sind die hohe Stabilität der reduzierten Stammküpenflotte
im sauerstofffreien Elektrolysegefäss, die hohe Farbstofflöslichkeit der verküpten
Spezies, die kontinuierliche Farbstoffreduktion und somit die "Just in Time"-Herstellung
der Färbelösung.
Diese Reduktionstechnik ist sowohl für Farbstammansätze als auch für Färbeflotten
geeignet. Der enorme wirtschaftliche Vorteil liegt somit in der Senkung des Chemikalienverbrauches
(Reduktionsmittel und Natronlauge), der Fertigung eines qualitativ besseren Produktes
und wesentlich geringeren Abwasserkosten aufgrund der nun vorhandenen Biokompatibilität
der verbleibenden Abwasserinhaltstoffe.
Abwasserseitig entstehen keine toxischen Belastungen, womit eine Rezyklierung des
Abwassers mit wesentlich geringeren Aufwendungen gegenüber konventionellen Färbesystemen
möglich wird.
[0035] Als Elektrodenmaterial können grundsätzlich alle im alkalischen Bereich (pH 9 bis
14) beständigen, elektrisch leitenden Materialien eingesetzt werden, welche bei dem
für die Farbstoffreduktion notwendigen Redoxpotential keine Wasserstoffbildung aufweisen.
Hierzu zählen auch Elektroden, welche durch spezielle Oberflächenbehandlungen modifiziert
wurden. Dies kann durch Adsorption spezieller Tenside mit einem typischen HLB-Wert
(Hydrophilic/Hydrophobic-Balance) von 8 bis 14 oder durch eine Teilbeschichtung mit
einer hydrophoben Polymer-Suspension erfolgen. Typische Substanzen sind Polytetrafluorethylen,
Tetrafluorethen-Oligomere und Polystyrol.
Die Grösse der Elektrodenoberfläche ist durch die geforderte Verküpungsleistung bestimmt
und wird reaktorspezifisch ausgelegt.
Die an die Elektroden angelegte Spannung ist eine Funktion des Verküpungspotentiales
des Farbstoffes (unter Berücksichtigung der Komproportionierungsreaktion) und hängt
im weiteren auch von der Elektrodenbeschaffenheit ab. Üblicherweise werden Spannungen
von 2.3 V bis 2.6 V angelegt.
[0036] Fig. 2 zeigt eine Apparatur zur kontinuierlichen, elektrochemischen Farbstoffreduktion
in schematischer Darstellung.
[0037] Ein Elektrolysegefäss 1 mit Deckel 1', über Dichtungen 2 dicht verschlossen, ist
Bestandteil eines Kreislaufes mit der Leitung 13, mit einer Pumpe P1, einer Leitung
13', einer Stahlrohrspirale 3, einer Leitung 13" und einem Einleitungsrohr 4, das
über den Deckel 1' in das Elektrolysegefäss 1 zurückführt. Die Stahlrohrspirale 3
befindet sich auf einem Ultraschallschwinger 5. Die über den Ultraschallschwinger
5 eingetragene Energie beträgt 100 - 1000 Watt und dient der Radikalbildung und Farbstoffdispergierung.
Die im Elektrolysegefäss 1 befindliche Farbstoffsuspension mit dem Alkali und den
von der gewählten Startreaktion abhängigen Zusätzen wird während der gesamten Verküpungszeit
in einem Zirkulationsstrom V1' mittels der Pumpe P1 im Kreislauf geführt, wobei die
Stahlrohrspirale 3 mit dem Ultraschallschwinger 5 als Dispergierhilfe wirken.
Im Elektrolysegefäss 1 befindet sich im weiteren ein Elektrodenpaar 6, 6', an welches
nach abgeschlossener Startreaktion eine elektrische Spannung von ca. 2.2 V angelegt
wird.
Dieser Zustand wird solange aufrecht erhalten, bis die gesamte vorgelegte Farbstoffmenge
vollständig reduziert ist.
In der darauffolgenden Reaktionsphase stellen sich stationäre Reaktionsbedingungen
ein, indem dem Elektrolysegefäss 1 kontinuierlich ein Volumenstrom V2' der Farbstoffsuspension
zugeführt und ein äquivalenter Volumenstrom V3' reduzierter Farbstoff abgeführt wird.
Dazu wird aus einem zweiten Gefäss 11 mit Deckel 11' eine gleiche wie die ursprünglich
vorgelegte Farbstoffsuspension mittels einer Pumpe P2 in einem Volumenstrom V2' über
Leitungen 14, 14' in die Leitung 13 eingeleitet und somit dem Zirkulationsstrom V1'
zugeführt.
Gleichzeitig, wird aus dem Elektrolysegefäss 1 ein dem Volumenstrom V2' entsprechender
Volumenstrom V3' entnommen und mittels einer Pumpe P3 über Leitungen 15, 15' und ein
Einleitungsrohr 16 in ein sauerstofffreies Vorratsgefäss 21 dosiert, welches mit einem
Deckel 21' und Dichtungen 22 dicht verschlossen ist. Die auf diese Weise durchgeführte
reduktionsmittelfreie, elektrochemische Farbstoffverküpung entspricht den Prinzipien
der kontinuierlichen Reaktionsführung in einem idealgemischten Rührkessel.
[0038] Nach ca. 6τ ist der Flotteninhalt des Elektrolysegefässes soweit ausgetauscht, dass
weder die zur Startreaktion verwendeten Chemikalien noch die aus ihnen entstandenen
Reaktionsprodukte im Elektrolysegefäss vorhanden sind.
τ entspricht der hydrodynamischen Verweilzeit, welche durch den Quotienten von Reaktionsbehältervolumen
V1 über dem zu- bzw. abgeführten Volumenstrom V2' definiert ist, gemäss der Beziehung
τ = V1/V2'. Ein vollständiger Austausch (> 99,9%) des Reaktionsvolumens ist nach 6
τ erreicht.
[0039] Durch die nachfolgenden Beispiele wird die vorliegende Erfindung detailliert erläutert,
ohne den Anspruch zu erheben, das erfindungsgemässe technische Potential voll beschrieben
zu haben.
[0040] Beispiel 1 beschreibt eine elektrochemische Batchverküpung mit einem Reduktionsmittel
B gemäss Startreaktion (IIIA).
10 g Indigo werden in 100 ml Wasser, welches gleichzeitig 4.0 g Natronlauge und 1
ml einer 10 %igen Subitol SE-Lösung (BEZEMA AG) als Netzmittel enthält dispergiert
und in ein auf 40 °C thermostatisiertes Elektrolysegefäss gegeben. Anschliessend erfolgt
unter Ausschluss von Sauerstoff eine Hydrosulfitzugabe von 1.7 g. Dies entspricht
ca. 0.25 Redoxäquivalenten bezogen auf die vorhandene Indigomenge. Nach ca. 30 Minuten
ist die Startreaktion abgeschlossen und der Farbstoff liegt in einer der Reduktionsmittelstöchiometrie
proportionalen Menge als Dianion vor, entsprechend dem eingestellten pH-Wert von ca.
12.5. Nun wird eine Spannung von 2.3 V an die vorhandenen Elektroden angelegt. Der
Arbeitsstrom beträgt ca. 1.5 A. Diese Bedingungen werden während 2 Stunden aufrecht
erhalten, um den restlichen Farbstoff vollständig zu reduzieren.
Mit 20 ml dieses Stammküpenansatzes wird eine Färbelösung hergestellt, deren Farbstoffkonzentration
5 g/l beträgt. Das Färben erfolgt unter Ausschluss von Sauerstoff mit 10 g Baumwollgewebe
bei einer Temperatur von 30 °C während 10 Minuten. Nach abgeschlossener Färbezeit
wird das Muster an der Luft oxidiert, gespült und abschliessend bei 50 °C gewaschen.
Das so hergestellt Muster zeigt einen brillianten Blauton, die Farbtiefe ist identisch
mit derjenigen eines Farbmusters, hergestellt nach der konventionellen Färbemethode
mit Natriumhydrosulfit.
[0041] Beispiel 2 beschreibt eine erste kontinuierliche elektrochemische Verküpung gemäss
den Startreaktionen (IIIB) mit Solubilisierungs- und Dispergierungshilfsstoffen.
Die elektrochemische Verküpung wird in einer Apparatur gemäss Fig. 2 durchgeführt.
5 g Indigo werden in 100 ml Wasser dispergiert, welches gleichzeitig 3.5 g Natronlauge
und 2 g Setamol SW als Dispergator enthält. Die Farbstoffsuspension wird in ein auf
40 °C thermostatisiertes, gerührtes, sauerstofffreies und mit Elektroden 6, 6' bestücktes
Elektrolysegefäss 1 gegeben.
Die Farbstoffsuspension wird während der gesamten Verküpungszeit mit einem Zirkulationsstrom
V1' von 20 ml/min im Kreislauf gepumpt.
[0042] Die an den Elektroden angelegte Arbeitsspannung beträgt 2.0 V bei einem Stromfluss
von 2.0 A. Nach ca. 40 Minuten resultiert unter den angegebenen Bedingungen im Elektrolysegefäss
eine zu 100 % reduzierte Farblösung.
Die über den Ultraschallschwinger 5 eingetragene Leistung beträgt ca. 150 Watt und
dient der Radikalbildung und Farbstoffdispergierung.
[0043] Anschliessend wird aus dem zweiten Gefäss 11 eine 5 %ige Indigosuspension in den
Zirkulationsstrom V1' mittels der Pumpe P2 mit einem Volumenstrom V2' von 1.5 ml/min
gefördert. Die in dem Vorratsgefäss 11 befindliche Indigosuspension besitzt dieselbe
Zusammensetzung wie sie eingangs beschrieben wurde. Parallel wird aus dem Elektrolysegefäss
1 ein dem Farbeinlauf V2' entsprechender Volumenstrom V3' von 1.5 ml/min entnommen
und in das sauerstofffreie Vorratsgefäss 21 mittels der Pumpe P3 dosiert.
Nach ca. 400 Minuten (ca. 6τ) ist der Flotteninhalt des Elektrolysegefässes soweit
ausgetauscht, dass keine Starterchemikalien mehr vorhanden sind und die weitere Reduktion
durch die in den Reaktionsgleichungen (I) und (II) beschriebenen Reaktionen erfolgt.
Dieser Betriebszustand wird während einer weiteren Stunde aufrecht erhalten, um so
die absolut starterfreie, elektrochemische Direktverküpung zu demonstrieren.
[0044] Die innerhalb dieser Zeit analysierten Verküpungsgrade zeigen Werte > 95 %. Die Färbungen,
welche mit dieser Lösung hergestellt wurden entsprechen allen Kriterien (Farbtiefe
und Echtheiten) wie sie mit konventionell hergestellten Küpenfarbflotten erzielt werden.
[0045] Beispiel 3 beschreibt eine zweite kontinuierliche elektrochemische Verküpung von
Indigo mit Hilfe von Solubilisierungs- bzw. Dispergierungshilfsstoffen gemäss den
Startreaktionen (IIIB).
5 g Indigo werden in 100 ml Wasser dispergiert, in welches zuvor 2 g Setamol WS und
5 ml Methanol gegeben wurden. Zusätzlich werden der Suspension 3 g Natronlauge zugesetzt,
welche anschliessend in das stickstoffgespülte und gerührte Elektrolysegefäss gegeben
wird. Das beheizbare Elektrolysegefäss wird auf 35 °C thermostatisiert. Nach Erreichen
der Temperatur (35 °C) erfolgt die Stromanschaltung (2.2 V, 2.0 A) zur elektrochemischen
Farbstoffverküpung.
Durch die Zugabe von Methanol und Setamol WS verhält sich ein Teil des feinst dispergierten
Farbstoffes ähnlich der gelösten Farbstoffspezies, welche nun direkt an der Elektrode
sorbiert und reduziert wird. Mit zunehmender Bildung des Farbstoffdianions dominieren
die Reaktionsschritte, welche über eine Komproportionierung zum Dianion führen.
Nach abgeschlossener Startreaktion (ca. 2 Stunden) wird der kontinuierliche Prozess
gestartet. Hierbei wird lediglich eine Setamol WS (3 g/l) und Indigo (50 g/l) enthaltende
Suspension (ohne Methanol) mit einem Volumenstrom von 1.5 ml/min im Elektrolysegefäss
zugeführt. Der aus dem Gefäss abgeführte Volumenstrom beträgt ebenfalls 1.5 ml/min
und enthält den zu über 95 % reduzierten Farbstoff. Das im kontinuierlichen Betrieb
zugeführte Setamol WS führt im oben beschriebenen Prozess zu einem synergistischen
Effekt, welcher sich in einer erhöhten Reaktionsgeschwindigkeit zeigt.
[0046] Die Vorteile dieser Verfahrenstechnik sind analog den in den zuvor beschriebenen
Beispielen zitierten, wobei durch Variation der Dispergatorkonzentration die Verküpungsgeschwindigkeit
erhöht werden kann.
[0047] Beispiel 4 beschreibt eine elektrochemische Verküpung mit photochemischer Startreaktion
gemäss den Startreaktionen (IIIC).
5 g Indigo werden in 200 ml Wasser, welches 2 g Natronlauge und 10 ml Methanol enthält,
mit Hilfe von Ultraschall dispergiert. Anschliessend wird der Farbstoffsuspension
0.5 g Michler's Keton [4,4-Bis(N,N-dimethyl-amino)benzophenon] als Radikalstarter
zugesetzt. Das Reaktionsgemisch wird in ein stickstoffgespültes, auf 30 °C thermostatisiertes
und gerührtes Elektrolysegefäss gegeben, welches parallel zur Elektrode mit einem
UV-Brenner ausgerüstet ist. Nach vollständigem Sauerstoffaustausch (nach ca. 10 -
15 Minuten) wird sowohl der UV-Brenner als auch die Elektrolyse zugeschaltet. Der
UV-Brenner arbeitet mit einer Strahlerleistung von 150 W, wobei das Maximum der spektralen
Energieverteilung bei ca. 250 nm liegt. Die an den Elektroden angelegte Spannung beträgt
2.0 V bei einem Stromfluss von 1.7 A.
Unter den gegebenen Reaktionsbedingungen erfolgt eine photochemische Anregung des
Michler's Keton unter Bildung eines Radikals. In einem Folgeschritt wird das Elektron
des Radikalstarters auf ein Farbstoffmolekül, unter Bildung des Farbstoffmonoanionradikals
übertragen, welches gemäss dem Reaktionsschema (IIIC.2) elektrochemisch zum Farbstoffdianion
reduziert wird.
Nach vollständiger Reduktion des Farbstoffes wird der UV-Brenner abgeschaltet und
die kontinuierliche Verküpung gestartet, welche ausschliesslich elektrochemisch geführt
wird.
[0048] Hierzu wird ein Farbstoffvolumenstrom von 1 ml/min einer Farbstoffsuspension mit
25 g/l Indigo und 3 g/l Ätznatron (ohne Radikalstarter und Methanol) dem Elektrolysegefäss
zugeführt und gleichzeitig ein Volumenstrom von 1 ml/min aus dem Elektrolysegefäss
abgeführt. Das Reaktionsgefäss wird als ideal-gemischter Rührkessel betrieben, womit
unter den gegebenen Bedingungen im Reaktorabfluss ein Verküpungsgrad von > 95 % ermittelt
wurde.
Die so kontinuierlich hergestellte Küpenstammlösung enthält nur noch Farbstoff und
Natronlauge, da der anfänglich eingesetzte Radikalstarter und das Methanol nach ca.
6τ vollständig ausgetragen sind und die Farbstoffreduktion direkt, ohne weitere Hilfsstoffe
erfolgt.
Die mit dieser Lösung hergestellten Färbungen zeigen in sämtlichen färberischen Kriterien
analoge Ergebnisse wie sie auch mit konventionell (Hydrosulfit) hergestellten Färbelösungen
erzielbar sind. Neben den färberischen Vorteilen (geringere Kosten, geringere Salzbelastung
der Farbbäder, höhere Farbstofflöslichkeit etc.) resultiert eine weit geringere Umweltbelastung
im Vergleich mit den konventionellen bzw. mit elektrochemischen mit Mediatorzusatz
geführten Verfahren.
[0049] Erfindungswesentlich ergeben sich damit die nachstehenden Aspekte:
- Es werden keine umweltrelevanten Problemstoffe eingesetzt.
- Es werden im kontinuierlichen Verküpungsbetrieb ausser Farbstoff und Natronlauge und
allenfalls geringer Mengen von Zusatzstoffen keine weiteren, im Redoxprozess wirksamen
Chemikalien eingesetzt.
- Die für den Reaktionsstart notwendigen Reduktionsstarter oder Hilfsstoffe sind nur
in geringen Konzentrationen einzusetzen.
- Die Rückgewinnung von kosten- oder umweltrelevanten Stoffen (z.B. Mediatorsystem)
entfällt.
- Die für die Startphase benötigten Reduktionsstarter oder Hilfsstoffe und deren Einsatzmengen
können den gewünschten Bedingungen (Reaktionsgeschwindigkeit, Kosten etc.) optimal
angepasst werden.
- Durch die Kombination von Ultraschall und direkter elektrochemischer Farbstoffreduktion
sind wesentlich höhere Verküpungsgeschwindigkeiten bei gleichzeitiger Minimierung
des Hilfsstoffeinsatzes zu erzielen.
- Durch die verschiedenen Möglichkeiten des Reaktionsstartes und der Kombination zwischen
direkter elektrochemischer Reduktion mit Ultraschall können Farbstoffe und Hilfsmittel
unterschiedlicher Qualität und Hersteller eingesetzt werden, ohne dass dabei Störungen
im Reaktionsablauf zu erwarten sind.
- Nebenreaktionen, wie z.B. Farbstofffällungen, Schlammbildung und Korrosion, wie bei
Mediatoreinsatz können nicht eintreten.
1. Verfahren zur elektrochemischen Reduktion von Küpen- und Schwefelfarbstoffen in wässrigen
Lösungen dadurch gekennzeichnet, dass zwei Farbstoff-Radikalanionen (2R) in einer Komproportionierungsreaktion zwischen
einem Farbstoff (A) und seiner reduzierten Form (P), resp. Spezies (P) gebildet werden
(Reaktionsgleichung I), dass die zwei Farbstoff-Radikalanionen (2R) elektrochemisch
zur gleichen Spezies (2P) reduziert werden (Reaktionsgleichung II),
A + P → 2R (I)
2R + 2e- → 2P (II)
dass die Reaktionsgleichungen (I) und (II) einen stationären Kreislauf bilden, dass
das Erreichen der stationären Reaktionsbedingungen durch eine Startreaktion bewirkt
wird, und dass der stationäre Kreislauf aufrecht erhalten wird, wobei die gebildete
Spezies (P) einerseits für die Aufrechterhaltung des Kreislaufes benötigt wird und
andererseits für den Färbeprozess verwendet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Startreaktion gemäss Reaktionsgleichung (IIIA) erfolgt,
A + B → P (IIIA)
indem der Farbstoff (A) mit einer geringen, bezüglich dem Farbstoff unterstöchiometrischen
Menge eines Reduktionsmittels (B) eine geringe Menge der Spezies (P) bildet, wodurch
der Kreislauf der Reaktionsgleichungen (I) und (II) in die stationären Reaktionsbedingungen
geführt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Startreaktion gemäss den Reaktionsgleichungen (IIIB) erfolgt,
A + X → (AX)sol (IIIB.1)
(AX)sol + 2e- → P (IIIB.2)
indem der Farbstoff (A) mit einem Hilfsstoff (X) solubilisiert und in der solubilisierten
Form elektrochemisch reduziert wird, wobei eine geringe Menge der Spezies (P) gebildet
wird, und dass dadurch der Kreislauf der Reaktionsgleichungen (I) und (II) in die stationären Reaktionsbedingungen
geführt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Startreaktion gemäss den Reaktionsgleichungen (IIIC) erfolgt,
S → S* (IIIC.1)
S* + A → R (IIIC.2)
indem ein Radikalstarter (S) unter Einwirkung von physikalischen Mitteln aktiviert
wird, wobei der Radikalstarter (S) in einen angeregten Zustand (S*) geführt wird,
dass letzterer mit dem Farbstoff (A) reagiert und ein Radikalanion (R) bildet, und
dass dadurch der Kreislauf der Reaktionsgleichungen (I) und (II) in die stationären Reaktionsbedingungen
geführt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 4, dadurch gekennzeichnet, dass als Farbstoff (A) indigoide und anthrachinoide Farbstoffe, sowie Schwefelfarbstoffe
verwendet werden.
6. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass als Reduktionsmittel (B) in unterstöchiometrischen Mengen Hydrosulfit und dessen
Derivate, Thioharnstoffdioxyd, Glukose, α-Hydroxyketone, α-Hydroxyaldehyde, Triose-Redukton
oder Reduktinsäure verwendet werden.
7. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass als Hilfsstoff (X) Ketone, Alkohole, vorzugsweise Methanol und iso-Propanol, Acetale,
Glykole und Glykoläther, Pyridine, Lactame, Säuren, Naphthalinsulfonsäurederivate,
und Säureamide verwendet werden.
8. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass als Radikalstarter (S) Benzophenone, seine Diarylketon-Derivate, Anthrachinone, Xanthone
sowie Azo-Verbindungen und Diazoniumsalze verwendet werden.
9. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass als physikalische Mittel energiereiche Strahlung, vorzugsweise UV-Strahlung, Kobaltstrahlung,
und/oder Ultraschall eingesetzt werden.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 9, dadurch gekennzeichnet, dass der im Rahmen einer kontinuierlichen Farbstoffreduktion aus dem Elektrolysegefäss
(1) ein Volumenstrom (V3') direkt in das Färbebad abgeführt wird, und dass dies entsprechend
dem durch das Färbegut verbrauchten Farbstoffanteil in einer 'Just-in-time'-Zudosierung
erfolgt.
11. Apparatur zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 - 10, dadurch gekennzeichnet, dass für eine in einem Elektrolysegefäss (1) befindliche Farbstoffsuspension (A) ein Kreislauf
mit einem Zirkulationsstrom (V1') vorgesehen ist, wobei das Elektrolysegefäss (1)
mit Elektroden (6, 6') ausgerüstet ist, dass eine gleiche Farbstoffsuspension, die
sich in einem zweiten Gefäss (11) befindet, über Leitungen (14, 14') und einer Pumpe
(P2) zur Einleitung mit einem ersten Volumenstrom (V2') in den Kreislauf vorgesehen
ist, dass das Elektrolysegefäss (1) mit zweiten Leitungen (15, 15') und einer zweiten
Pumpe (P3) zur Entnahme einer Menge dem ersten Volumenstrom (V2') äquivalenten zweiten
Volumenstrom (V3') ausgerüstet ist, wobei die zweite Leitung (15') mit einem dritten
Gefäss (21) verbunden ist.
12. Apparatur nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Kreislauf aus einer ersten Pumpe (P1), einer Stahlrohrspirale (3), einem Einleitungsrohr
(4) und Leitungen (13, 13', 13") besteht, wobei unter der Stahlrohrspirale (3) ein
Ultraschallschwinger (5) angeordnet ist, der der Radikalbildung und der Farbstoffdispergierung
dient.
13. Apparatur nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass das Elektrolysegefäss (1) und das dritte Gefäss (21) dicht verschlossen und sauerstofffrei
sind.
14. Apparatur nach einem der Ansprüche 11 - 13, dadurch gekennzeichnet, dass der im Rahmen einer kontinuierlichen Farbstoffreduktion aus dem Elektrolysegefäss
(1) abgeführte Volumenstrom (V3') zur direkten Zuführung in das Färbebad vorgesehen
ist, entsprechend dem durch das Färbegut verbrauchten Farbstoffanteil und somit die
Bedingungen einer 'Just-in-time'-Zudosierung erfüllt sind.
1. Process for electrochemical reduction of vat and sulfur dyes in aqueous solutions,
characterized by the fact that two dye-radical anions (2R) are formed (reaction equation (I)) in a
comproportionation reaction between a dye (A) and its reduced form (P), resp. species
(P), that the two dye-radical anions (2R) are reduced electrochemically (reaction
equation (II)) to the same species,


that the reaction equations (I) and (II) form a steady-state cycle, that the reaching
of the steadystate reaction conditions is effected through a start reaction, and that
the steady-state cycle is maintained, whereby the formed species (P) on the one hand
is necessary for maintaining the circuit and on the other hand is used for the dyeing
process.
2. Process according to claim 1,
characterized by the fact that the start reaction takes place according to the reaction equation (IIIA),

in that the dye (A) with a quantity, small with respect to the dye, of sub-stochiometric
reducing agent (B) forms a small quantity of the species (P), whereby the cycle of
the reaction equations (I) and (II) is led into the steady-state reaction conditions.
3. Process according to claim 1,
characterized by the fact that the start reaction takes place according to the reaction equation (IIIB),


in that the dye (A), with the aid of an auxiliary agent (X), is solubilized and in
the solubilized form is electrochemically reduced, whereby a small amount of the species
(P) is formed, and that through this the cycle of reaction equations (I) and (II)
is led into the steady-state reaction conditions.
4. Process according to claim 1,
characterized by the fact that the start reaction takes place according to the reaction equations
(IIIC),


in that a radical starter (S) is activated through the effect of physical means,
whereby the radical starter (S) is led into an excited state (S*), that the latter
reacts with the dye (A) and forms a radical anion (R), and that through this the cycle
of the reaction equations (I) and (II) is led into the steady-state reaction conditions.
5. Process according to one of the claims 1 - 4, characterized by the fact that as dye (A) indigoid and anthraquinoid dyes, as well as sulfur dyes,
are used.
6. Process according to claim 2, characterized by the fact that as reducing agent (B) used in substochiometric quantities are hydrosulfite
and its derivatives, thiourea dioxide, glucose, α-hydroxyketones, α-hydroxyaldehydes,
triose-reducton or reducton acids.
7. Process according to claim 3, characterized by the fact that as auxiliary agent (X) ketones, alcohols, preferably methanol and iso-propanol,
acetates, glycoles and glycole ethers, pyridines, lactames, acids, naphthaline sulfonic
acid derivatives, and acid amines are used.
8. Process according to claim 3, characterized by the fact that as radical starter (S) benzophenone, its diarylketone derivatives,
anthraquinones, xanthones, as well as azo-compounds and diazonium salts are used.
9. Process according to claim 4, characterized by the fact that as physical means energetic radiations, preferably UV radiation, cobalt
radiation, and/or ultrasound are used.
10. Process according to one of the claims 1 - 9, characterized by the fact that in the framework of a continuous dye reduction a volume stream (V3')
is lead from the electrolysis vessel (1) directly into the dye bath, and that this
takes place in a "just-in-time" metered addition corresponding to the portion of dye
used up by the dyed goods.
11. Equipment for carrying out the process according to one of the claims 1 - 10, characterized by the fact that for a dye suspension (A) located in an electrolysis vessel (1) provision
is made for a circuit with a circulation stream (V1'), whereby the electrolysis vessel
(1) is fitted out with electrodes (6, 6'), that provision is made for a like dye suspension,
located in a second vessel (11), for introduction with a first volume stream (V2')
into the circuit via conduits (14, 14') and a pump (P2), that the electrolysis vessel
(1) is fitted out with second conduits (15, 15') and a second pump (P3) for the removal
of a volume stream (V3') of a quantity equivalent to the first volume stream (V2'),
whereby the second conduit (15') is connected to a third vessel (21).
12. Equipment according to claim 11, characterized by the fact that the circuit comprises a first pump (P1), a steel pipe spiral (3), an
inlet pipe (4) and conduits (13, 13', 13"), whereby arranged under the steel pipe
spiral (3) is an ultrasound oscillator (5) that serves for the formation of radicals
and dye dispersion.
13. Equipment according to claim 11 or 12, characterized by the fact that the electrolysis vessel (1) and the third vessel (21) are tightly sealed
and oxygen-free.
14. Equipment according to claim 11 - 13, characterized by the fact that, in the framework of a continuous dye reduction, provision is made
for feeding the volume stream (V3'), drained from the electrolysis cell (1), directly
to the dye bath, corresponding to the portion of dye used up by the dyed goods, and
thus the conditions of ujust in time" metered addition are fulfilled.
1. Procédé permettant la réduction électrochimique de colorants au cupe et au soufre
dans des solutions aqueuses,
caractérisé en ce que deux anions radicaux de colorant (2R) sont formés dans une réaction de comproportionation
entre un colorant (A) et sa forme (P) ou son espèce (P) réduite (équation de réaction
I), que les deux anions radicaux de colorant (2R) sont réduits de manière électrochimique
à la même espèce (2P) (équation de réaction II),


que les équations de réaction (I) et (II) forment un cycle stationnaire, que l'obtention
des conditions stationnaires de réaction résulte d'une réaction initiale et que le
cycle stationnaire est préservé, l'espèce (P) formée étant, d'une part, nécessaire
pour la préservation du cycle et, d'autre part, utilisée pour le processus de coloration.
2. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce que la réaction initiale s'effectue selon l'équation de réaction (IIIA)

par la formation du colorant (A) avec une faible quantité sous-stoechiométrique par
rapport au colorant d'un agent réducteur (B) d'une faible quantité de l'espèce (P),
le cycle des équations de réaction (I) et (II) étant ainsi amené dans des conditions
stationnaires de réaction.
3. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce que la réaction initiale s'effectue selon les équations de réaction (IIIB)


par la solubilisation du colorant (A) avec une substance auxiliaire (X) et par la
réduction électrochimique sous la forme solubilisée, ce qui permet de former une faible
quantité de l'espèce (P) et d'amener le cycle des équations de réaction (I) et (II)
dans les conditions stationnaires de réaction.
4. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce que la réaction initiale s'effectue selon les équations de réaction (IIIC)


par l'activation d'un initiateur radicalaire (S) sous l'influence de moyens physiques,
l'initiateur radicalaire (S) étant amené dans un état excité (S*) de sorte que ce
dernier réagit avec le colorant (A) et forme un anion radical (R), ce qui permet d'amener
le cycle des équations de réaction (I) et (II) dans les conditions stationnaires de
réaction.
5. Procédé selon une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce que les colorants (A) utilisés sont des colorants indigoides et anthraquinoniques ainsi
que des colorants au soufre.
6. Procédé selon la revendication 2, caractérisé en ce que les agents réducteurs (B) utilisés en quantités sous-stoechiométriques sont l'hydrosulfite
et ses dérivés, le dioxyde de thio-urée, la glucose, l'α-hydroxycétone, l'α-hydroxyaldéhyde,
la réduction de triose ou l'acide de réductine.
7. Procédé selon la revendication 3, caractérisé en ce que les substances auxiliaires (X) utilisées sont des cétones, des alcools, de préférence
le méthanol et l'isopropanol, des acétales, des glycols et des glycoléthers, des pyridines,
des lactames, des acides, des dérivés des acides naphthaline-sulfoniques et des amides
d'acide.
8. Procédé selon la revendication 3, caractérisé en ce que les initiateurs radicalaires (S) utilisés sont des benzophénones, ses dérivés de
diarylcétone, des anthraquinones, des xanthones ainsi que des composés azoïques et
des sels de diazonium.
9. Procédé selon la revendication 4, caractérisé en ce que les moyens physiques utilisés sont un rayonnement riche en énergie, de préférence
un rayonnement UV, une radiation au cobalt, et/ou des ultrasons.
10. Procédé selon une des revendications 1 à 9, caractérisé en ce qu'un débit volumétrique (V3') est directement transféré dans le cadre d'une réduction
continue de colorant de la cuve d'électrolyse (1) vers le bain de coloration et que
ceci s'effectue en fonction de la part de colorant consommée par la matière à colorer
par une addition 'juste-à-temps'.
11. Appareillage permettant de réaliser le procédé selon une des revendications 1 à 10,
caractérisé en ce qu'un cycle avec un débit de circulation (V1') est prévu pour une suspension de colorant
(A) contenue dans une cuve d'électrolyse (1), la cuve d'électrolyse (1) étant équipée
d'électrodes (6, 6'), qu'une suspension de colorant identique contenu dans une deuxième
cuve (11) est prévue pour l'introduction avec un premier débit volumétrique (V2')
par des conduites (14, 14') et une pompe (P2) dans le cycle, que la cuve d'électrolyse
(1) est équipée de deuxièmes conduites (15, 15') et d'une seconde pompe (P3) pour
l'extraction d'une quantité d'un second débit volumétrique (V3') équivalent au premier
débit volumétrique (V2'), la seconde conduite (15') étant reliée à une troisième cuve
(21).
12. Appareillage selon la revendication 11, caractérisé en ce que le cycle est composé d'une première pompe (P1), d'une spirale en acier (3), d'un
tuyau d'entrée (4) et de conduites (13, 13', 13"), la spirale en acier (3) étant disposée
sur un émetteur d'ultrasons (5) servant à la formation radicalaire et à la dispersion
de colorant.
13. Appareillage selon une des revendications 11 ou 12, caractérisé en ce que la cuve d'électrolyse (1) et la troisième cuve (21) sont hermétiquement fermées et
exemptes d'oxygène.
14. Appareillage selon les revendications 11-13, caractérisé en ce que le débit volumétrique (V3') évacué dans le cadre d'une réduction continue de colorant
de la cuve d'électrolyse (1) est prévu pour le transfert direct vers le bain de coloration,
en fonction de la part de colorant consommée par la matière à colorer, ce qui permet
de remplir les conditions d'une addition 'juste-à-temps'.