[0001] Die Erfindung betrifft eine Überspannnngsschutzeinrichtung zum Einsatz in der Stromversorgung,
insbesondere von Niederspa,nnungsnetzen, mit einem Gehäuse, mit einer ersten Elektrode,
mit mindestens einer zweiten Elektrode, mit einer im Inneren des Gehäuses zwischen
beiden Elektroden ausgebildeten Lichtbogenbrennkammer und mit einer zwischen den beiden
Elektroden ausgebildeten Durchschlag-Funkenstrecke, wobei beim Zünden der Durchschlag-Funkenstrecke
zwischen den beiden Elektroden ein Lichtbogen entsteht.
[0002] Elektrische, insbesondere aber elektronische Meß-, Steuer-, Regel- und Schaltkreise,
vor allem auch Telekommunikationseinrichtungen und -anlagen, sind empfindlich gegen
transiente Überspannungen, wie sie insbesondere durch atmosphärische Entladungen,
aber auch durch Schalthandlungen oder Kurzschlüsse in Energieversorgungsnetzen auftreten
können. Diese Empfindlichkeit hat in dem Maße zugenommen, in dem elektronische Bauelemente,
insbesondere Transistoren und Thyristoren, verwendet werden; vor allem sind zunehmend
eingesetzte integrierte Schaltkreise in starkem Maße durch transiente Überspannungen
gefährdet.
[0003] Elektrische Stromkreise arbeiten mit der für sie spezifizierten Spannung, der Nennspannung,
normalerweise störungsfrei. Das gilt dann nicht, wenn Überspannungen auftreten. Als
Überspannungen gelten alle Spannungen, die oberhalb der oberen Toleranzgrenze der
Nennspannung liegen. Hierzu zählen vor allem auch die transienten Überspannungen,
die aufgrund von atmosphärischen Entladungen, aber auch durch Schalthandlungen oder
Kurzschlüsse in Energieversorgungsnetzen auftreten können und galvanisch, induktiv
oder kapazitiv in elektrische Stromkreise eingekoppelt werden können. Um nun elektrische
oder elektronische Stromkreise, insbesondere elektronische Meß-, Steuer-, Regel- und
Schaltkreise, vor allem auch Telekommunikationseinrichtungen und -anlagen, wo auch
immer sie eingesetzt sind, gegen transiente Überspannungen zu schützen, sind Überspannungsschutzeinrichtungen
entwickelt worden und seit mehr als zwanzig Jahren bekannt.
[0004] Wesentlicher Bestandteil von Überspannungsschutzeinrichtung der hier in Rede stehenden
Art ist mindestens eine Funkenstrecke, die bei einer bestimmten Überspannung, der
Ansprechspannung, anspricht und damit verhindert, daß in dem durch eine Überspannungsschutzeinrichtung
geschützten Stromkreis Überspannungen auftreten, die größer als die Ansprechspaunung
der Funkenstrecke sind.
[0005] Eingangs ist ausgeführt worden, daß die erfindungsgemäße Überspannungsschutzeinrichtung
zwei Elektroden und eine zwischen den beiden Elektroden existente bzw. wirksame Durchschlag-Funkenstrecke
aufweist Bei einer Durchschlag-Funkenstrecke kann es sich sowohl um eine Luft-Durchschlag-Funkenstrecke
als auch um eine solche Durchschlag-Funkenstrecke handeln, bei der nicht Luft, sondern
ein anderes Gas zwischen den Elektroden vorhanden ist. Neben Überspannungsschutzeinrichtungen
mit einer Durchschlag-Funkenstrecke gibt es Überspannungsschutzeinrichtungen mit einer
Überschlag-Funkenstrecke, bei denen beim Ansprechen eine Gleitentladung auftritt.
[0006] Überspannungssehutzeinrichtungen mit einer Durchschlag-Funkenstrecke haben gegenüber
Überspannungsschutzeinnchtungen mit einer Überschlag-Funkenstrecke den Vorteil einer
höheren Stoßstromtragfahigkeit, jedoch den Nachteil einer höheren - und auch nicht
sonderlich konstanten - Ansprechspannung. Deshalb sind bereits verschiedene Überspannungsschutzeinnchtungen
mit einer Durchschlag-Funkenstrecke vorgeschlagen worden, die in bezug auf die Ansprechspannung
verbessert worden sind. Dabei sind im Bereich der Elektroden bzw. der zwischen den
Elektroden wirksamen Durchschlag-Funkenstrecke in verschiedener Weise Zündhilfen realisiert
worden, z. B. dergestalt, daß zwischen den Elektroden mindestens eine eine Gleitentladung
auslösende Zündhilfe vorgesehen worden ist, die zumindest teilweise in die Durchsehlag-Funkenstrecke
hineinragt, stegartig ausgeführt ist und aus Kunststoff besteht (vgl. DE 41 41 681
A1 oder DE 44 02 615 A1).
[0007] Die bei den bekannten Überspannungsschutzeinrichtungen vorgesehenen, zuvor angesprochenen
Zündhilfen können gleichsam als "passive Zündhilfen" bezeichnet werden, "passive Zündhilfen"
deshalb, weil sie nicht selbst "aktiv" ansprechen, sondern nur durch eine Überspannung
ansprechen, die an den Hauptelektroden auftritt.
[0008] Aus der DE 198 03 636 Al ist eine Ü'berspannungsschutzeinrichtung mit zwei Elektroden,
mit einer zwischen den beiden Elektroden wirksamen Durchschlag-Funkenstrecke und einer
Zündhilfe bekannt. Bei dieser Überspannungsschutzeinrichtung ist die Zündhilfe, als
"aktive Zündhilfe" ausgebildet, nämlich dadurch, daß neben den beiden Elektroden -
dort als Hauptelektroden bezeichnet - noch zwei Zündelektroden vorgesehen sind. Diese
beiden Zündelektroden bilden eine zweite, als Zündfunkenstrecke dienende Durchschlag-Funkenstrecke.
Bei dieser Überspannungsschutzeinrichtung gehört zu der Zündhilfe außer der Zündfunkenstrecke
noch ein Zündkreis mit einem Zündschaltelement. Bei Anliegen einer Überspannung an
der Überspannungsschutzeinrichtung sorgt der Zündkreis mit dem Zündschaltelement für
ein Ansprechen der Zündfunkenstrecke. Die beiden Zündelektroden sind in bezug auf
die beiden Hauptelektroden derart angeordnet, daß dadurch, daß die Zündfunkenstrecke
angesprochen hat, auch die Durchschlag-Funkenstrecke zwischen den beiden Hauptelektroden,
anspricht.
[0009] Bei den bekannten, zuvor beschriebenen Ausführungsformen von Überspannungsschutzeinrichtungen
mit Zündhilfen führen die Zündhilfen zu einer verbesserten, nämlich niedrigeren und
konstanteren Ansprechspannung.
[0010] Bei Überspannungsschutzeinrichtungen der in Rede stehenden Art - mit oder ohne Verwendung
einer Zündhilfe - entsteht beim Zünden der Durchschlag-Funkenstrecke durch den entstehenden
Lichtbogen eine niederimpedante Verbindung zwischen den beiden Elektroden. Über diese
niederimpedante Verbindung fließt zunächst - gewollt - der abzuleitende transiente
Stoßstrom. Bei anliegender Netzspannung folgt dann jedoch ein unerwünschter Netzfolgestrom
über die niederimpedante Verbindung der Überspannungsschutzeinrichtung, so daß man
bestrebt ist, den Lichtbogen möglichst schnell nach abgeschlossenem Ableitvorgang
zu löschen. Eine Möglichkeit zur Erreichung dieses Ziels besteht darin, die Lichtbogenlänge
und damit die Lichtbogenspannung nach dem Ansprechen der Funkenstrecke zu vergrößern.
[0011] Eine weitere Möglichkeit, den Lichtbogen nach dem Ableitvorgang zu löschen, besteht
in der Kühlung des Lichtbogens durch die Kühlwirkung von Isolierstoffwänden sowie
die Verwendung von Gas abgebenden Isolierstoffen. Dabei ist eine starke Strömung des
Löschgases notwendig, was einen hohen konstruktiven Aufwand erfordert.
[0012] Ist bei Überspannungsschutzeinrichtungen der in Rede stehenden Art der Lichtbogen
gelöscht, so ist zwar zunächst die niederimpedante Verbindung zwischen den beiden
Elektroden unterbrochen, der Raum zwischen den beiden Elektroden, d. h. die Lichtbogenbrennkammer,
ist jedoch noch fast vollständig mit Plasma gefüllt. Durch das vorhandene Plasma ist
die Ansprechspannung zwischen den beiden Elektroden derart herabgesetzt, daß es bereits
bei anliegender Betriebsspannung zu einem erneuten Zünden der Durchschlag-Funkenstrecke
kommen kann. Dieses Problem tritt besonders dann auf, wenn die Überspannungsschutzeinrichtung
ein gekapseltes oder nur halboffenes Gehäuse aufweist, da dann ein Abkühlen oder Verflüchtigen
des Plasmas durch das im wesentlichen geschlossene Gehäuse verhindert wird.
[0013] Um ein erneutes Zünden der Überspannungsschutzeinrichtung, d. h. der Durchschlag-Funkenstrecke,
zu verhindern, sind bisher verschiedene Maßnahmen getroffen worden, um die ionisierte
Gaswolke von den Zündelektroden wegzutreiben oder abzukühlen. Hierbei muß jedoch berücksichtigt
werden, daß das heiße Plasma nicht einfach aus dem Gehäuse ausgeblasen werden darf,
da sonst benachbarte Anlagenteile zerstört werden können und die Gefahr besteht, daß
sich in der Nähe befindliche Personen durch die unter hohem Druck ausströmenden heißen
Gase verletzen können. Bekannte Überspannungsschutzeinrichtungen weisen daher häufig
mehrere Kammern auf, in die das heiße Plasma nach dem Zünden ausweichen kann oder
aktiv durch Beblasen getrieben wird. In den Kammern kann sich dann das Plasma abkühlen.
Ein Nachteil derartiger, entsprechende Kammern aufweisender Überspannungsschutzeinrichtungen
besteht jedoch darin, daß dann, wenn die Kammern vollständig geschlossen sein sollen,
sehr große Volumina erforderlich sind, so daß sich die Abmessungen der Überspannungsschutzeinnchtung
insgesamt stark vergrößern.
[0014] Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, eine Überspannungsschutzeinrichtung
der eingangs beschriebenen Art so weiterzubilden, daß das Auftreten eines Netzfolgestroms
und ein erneutes Zünden der Dwchschlag-Funkenstrecke noch zuverlässiger verhindert
wird.
[0015] Diese Aufgabe ist bei der eingangs beschriebenen Überspannungsschutzeinrichtung dadurch
gelöst, daß im Gehäuse mindestens ein Ausström- und Kühlkanal ausgebildet ist, durch
den das heißt Plasma aus der Lichtbogenbrennkammer austreten kann, wobei der Ausström-
und Kühlkanal sich in Längsrichtung des Gehäuses erstreckt und schraubenförmig ausgebildet
ist Durch die schraubenförmige Ausbildung des Ausström- und Kühlkanals weist dieser
eine Länge auf, die um ein Vielfaches größer als die Länge des Gehäuses sein kann.
Durch die so erzielte Verlängerung des Ausblasweges wird eine hohe Bremswirkung für
das heiße Plasma erzielt, so daß die aus dem Inneren des Gehäuses nach außen austretende
Druckwelle so gering ist, daß Beschädigungen an benachbarten Anlageteilen verhindert
werden.
[0016] Durch die schraubenförmige Ausbildung des Ausström- und Kühlkanals und die dadurch
erzielt hohe Bremswirkung für das heiße Plasma kann der Ausström- und Kühlkanal einen
relativ großen Querschnitt aufweisen, so daß es zu einem raschen Abbau des hohen Drucks
im Inneren des Gehäuses und somit zu einer zügigen Druckentlastung des Innenbereichs
kommt. Durch die rasche Abführung der in dem Gehäuse eingeschlossenen thermischen
Energie nach außen wird eine Beschädigung von im Inneren des Gehäuses angeordneten
Bauteilen, insbesondere von Kunststoffteilen, verhindert.
[0017] Gemäß einer besonders bevorzugten Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Überspannungsschutzeinrichtung
wird der Ausström- und Kühlkanal dadurch realisiert, daß das Gehäuse zweiteilig ausgebildet
ist, wobei die beiden Gehäuseteile koaxial zueinander angeordnet sind, und der Zwischenraum
zwischen den beiden Gehäuseteilen als Ausström- und Kühlkanal für das ionisierte Gas
ausgebildet ist. Vorteilhafterweise weist dabei das innere Gehäuseteil ein Außengewinde
und das äußere Gehäuseteil ein korrespondierendes Innengewinde auf, so daß im fertig
montierten Zustand der Überspannungsschutzeinrichtung das innere Gehäuseteil in das
äußere Gehäuseteil eingeschraubt ist. Durch die Zweiteiligkeit des Gehäuses und die
Ausnutzung bzw. Ausbildung des Gewindegangs zwischen dem inneren Gehäuseteil und dem
äußeren Gehäuseteil als Ausström- und Kühlkanal steht eine maximale Fläche zur Kühlung
des heißen Plasmas zur Verfügung. Darüber hinaus wird durch die Realisierung des Ausström-
und Kühlkanals zwischen den beiden Gehäuseteilen erreicht, daß das heiße Plasma beim
Abströmen keinen weiteren Kontakt zu den in der Regel im Gehäuseinneren angeordneten
Kunststoffteilen hat, wodurch - wie zuvor bereits beschrieben - eine Zerstörung der
Kunststoffteile verhindert und darüber hinaus eine zusätzliche Erhöhung des Drucks
durch die Abgabe von Gas bei der Dissoziation des Kunststoffs vermieden wird.
[0018] Um den Druck und die Temperatur des aus dem Gehäuse austretenden Gases weiter herabzusetzen,
ist gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen, daß das Außengewinde
des inneren Gehäuseteils und/oder das Innengewinde des äußeren Gehäuseteils teilweise
unterbrochen ist, so daß zwischen dem inneren Gehäuseteil und dem äußeren Gehäuseteil
eine oder mehrere Kammern ausgebildet sind. In diesen zwischen den beiden Gehäuseteilen
ausgebildeten Kammern kann sich das Plasma dann weiter abkühlen, ohne daß hierfür
ein entsprechendes zusätzliches Volumen im Inneren der Überspannungsschutzeinrichtung
erforderlich ist Sind die beiden Gehäuseteile aus Stahl, so weist das Gehäuse bezogen
auf die anderen Bauteile der Überspannungsschutzeinrichtung die größte Masse zum Zwischenspeichern
der thermischen Energie auf. Darüber hinaus hat das Stahlgehäuse im Vergleich zu den
der Isolation dienenden Kunststoffteilen im Inneren des Gehäuses eine wesentlich höhere
Wärmekapazität und höhere Wärmebeständigkeit, so daß verbunden mit der großen Oberfläche
des Stahlgehäuses bzw. der beiden Gehäuseteile nicht nur eine gute Zwischenspeicherung
der thennischen Energie im Außenbereich der Übezspannungsschutzeinrichtung, sondern
auch eine direkte Energieabgabe an die Umgebung möglich ist.
[0019] Die zuvor beschriebene Zweiteiligkeit des Gehäuses, wobei die beiden Gehäuseteile
koaxial zueinander angeordnet sind, bietet darüber hinaus die Möglichkeit, die Gehäuseteile
über eine maximale Länge miteinander zu verschrauben. Hierdurch wird neben der Verlängerung
des zwischen dem Innengewinde des Gehäuseaußenteils und dem Außengewinde des Gehäuseinnenteils
ausgebildeten Ausblasweges auch eine Erhöhung der Druckfestigkeit der Überspannungsschutzeinrichtung
insbesondere in axialer Richtung erreicht.
[0020] Vorteilhafterweise kann die Drucklastaufnahme des Gehäuses dadurch weiter erhöht
werden, daß das innere Gehäuseteil einen zumindest teilweise konischen Außenumfang
und das äußere Gehäuseteil einen zumindest teilweise konischen Innenumfang aufweist,
so daß die Verschraubung zwischen dem inneren Gehäuseteil und dem äußeren Gehäuseteil
konisch ausgeführt ist. Diese Konizität der Verschraubung ermöglicht eine Ausbildung
des inneren Gehäuseteils und des äußeren Gehäuseteils derart, daß die beiden Gehäuseteile
an ihren einander abgewandten Enden, an denen die beiden Gehäuseteile jeweils den
Druck alleine aufnehmen müssen, die maximale Wandstärke aufweisen. Zu den anderen
Enden hin verjüngt sich dagegen die Wandstärke des inneren und des äußeren Gehäuseteils,
so daß dort, wo die Druckbelastung für die einzelnen Gehäuseteile am geringsten ist,
auch deren Wandstärke minimal ist.
[0021] Neben der Erhöhung der maximalen Druckfestigkeit des Gehäuses wird durch die konische
Ausgestaltung der beiden Gehäuseteile auch erreicht, daß das Gehäuse insgesamt sowohl
einen konstanten Innendurchmesser als auch einen konstanten Außendurchmesser aufweist,
wodurch eine hohe Ausnutzung des vorhandenen Volumens und somit bei gegebenen Anforderungen
eine geringe Baugröße erzielt werden kann.
[0022] Im einzelnen gibt es nun eine Vielzahl von Möglichkeiten, die erfindungsgemäße Überspannungsschutzeinrichtung
auszugestalten und weiterzubilden. Dazu wird verwiesen einerseits auf die dem Anspruch
1 nachgeordneten Ansprüche, andererseits auf die nachfolgende Beschreibung eines bevorzugten
Ausführungsbeispiels in Verbindung mit der Zeichnung. In der Zeichnung zeigen
- Fig. 1
- ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Überspannungsschutzeinrichtung, teilweise
im Längsschnitt,
- Fig. 2
- das Gehäuse der erfindungsgemäßen Überspannungsschutzeinnchtung, teilweise im Längsschnitt,
und
- Fig. 3
- eine perspektivische Darstellung der beiden Gehäuseteile der erfindungsgemäßen Überspannungsschutzeinrichtung,
im noch nicht miteinander verschraubten Zustand
[0023] Die Fig. 1 zeigt ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Überspannungsschutzeinrichtung
1, mit einem Gehäuse 2, welches für sich in den Fig. 2 und 3 nochmals genauer dargestellt
ist. Zu der Überspannungsschutzeinrichtung 1 gehören neben dem Gehäuse 2 insbesondere
noch zwei Elektroden 3 und 4, wobei die beiden Elektroden 3 und 4 einander gegenüberliegen
und zwischen ihnen eine Lichtbogenbrennkammer 5 ausgebildet ist. Die Lichtbogenbrennkammer
5 ist dabei - was aus der Schnittdarstellung der Fig. 1 jedoch nicht ersichtlich ist
- so ausgebildet, daß sie die beiden Elektroden 3, 4 miteinander verbindet, wobei
die Lichtbogenbrennkammer 5 jedoch teilweise schräg zur Längserstreckung der Überspannungsschutzeinrichtung
1 verläuft. Dadurch wird ein Entladungsraum bzw. Entladungskanal geschaffen, der schräg
zur Richtung des elektrischen Feldes einer anliegenden Netzspannung verläuft, so daß
die vom Lichtbogen zu überwindende Strecke zwischen den beiden Elektroden 3, 4 eine
Querkomponente zum elektrischen Feld aufweist. Dies führt dazu, daß die an den beiden
Elektroden 3, 4 anliegende elektrische Spannung, die nach dem Zünden der Durchschlag-Funkenstrecke
in der Lichtbogenbrennkammer enthaltenen freien Ladungsträger nicht mehr durchgängig
von der einen Elektrode zur anderen Elektrode beschleunigen kann, wodurch der Lichtbogen
gelöscht werden kann.
[0024] Da auch nach dem Löschen des Lichtbogens die Lichtbogenbrennkammer 5 noch mit heißem
Plasma gefüllt ist, wodurch die Ansprechspannung zwischen den beiden Elektroden 3,
4 sehr stark herabgesetzt wird, so daß es bei anliegender Betriebsspannung zu einem
erneuten Zünden der Durchschlag-Funkenstrecke kommen kann, ist in dem Gehäuse 2 ein
Ausström und Kühlkanal 6 ausgebildet, durch den das heiße Plasma aus der Lichtbogenbrennkammer
5 austreten kann. Der schraubenförmige Ausström- und Kühlkanal 6, der im Inneren des
Gehäuses 2 mit der Lichtbogenbrennkammer 5 verbunden ist, ist bei der erfindungsgemäßen
Überspannungsschutzeinrichtung 1 dadurch realisiert, daß das Gehäuse 2 ein erstes,
inneres Gehäuseteil 7 und ein zweites, äußeres Gehäuseteil 8 aufweist, wobei der Zwischenraum
zwischen den beiden Gehäuseteilen 7, 8 den Ausström- und Kühlkanal 6 bildet.
[0025] Sowohl aus der Fig. 1 als auch aus den Fig. 2 und 3 ist dabei ersichtlich, daß das
innere Gehäuseteil 7 ein Außengewinde 9 und das äußere Gehäuseteil 8 ein korrespondierendes
Innengewinde 10 aufweist, so daß das innere Gehäuseteil 7 im - in Fig. 1 dargestellten
- fertig montierten Zustand in das äußere Gehäuseteil 8 eingeschraubt ist. Durch die
schraubenförmige Ausbildung des Ausström- und Kühlkanals 6 weist dieser eine Länge
auf, die wesentlich größer als die Länge des Gehäuses 2 der Überspannungsschutzeinrichtung
1 ist. Dadurch wird innerhalb des Ausström- und Kühlkanals 6 eine hohe Bremswirkung
des heißen Plasmas erzielt, so daß der Ausström- und Kühlkanal 6 einen relativ großen
Querschnitt aufweisen kann, ohne daß die Gefahr besteht, daß durch das aus der Überspannungsschutzeinrichtung
1 austretende Gas benachbarte Anlagenteile zerstört oder Personen verletzt werden.
[0026] Um das Abkühlen des heißen Plasmas zwischen den aus Metall bestehenden Gehäuseteilen
7 und 8 weiter zu erhöhen, ist das Außengewinde 9 des inneren Gehäuseteils 7 teilweise
unterbrochen, so daß zwischen dem inneren Gehäuseteil 7 und dem äußeren Gehäuseteil
8 mehrere Kammern 11 ausgebildet sind. Selbstverständlich kann auch das Innengewinde
10 des äußeren Gehäuseteils 8 alternativ oder zusätzlich entsprechende gewindefreie
Abschnitte aufweisen.
[0027] Die durch die beiden Gehäuseteile 7,8 verwirklichte Zweischaligkeit des Gehäuses
2 bietet die Möglichkeit, die beiden Gehäuseteile 7, 8 mit ihren korrespondierenden
Gewinden 9, 10 über eine maximale Länge miteinander zu verschrauben, wodurch auch
die Druckfestigkeit des Gehäuses 2 in axialer Richtung erhöht wird. Dabei weist das
erste, innere Gehäuseteil 7 einen im wesentlichen konischen Außenumfang und das zweite,
äußere Gehäuseteil 8 einen entsprechenden konischen Innenumfang auf, so daß die Verschraubung
zwischen dem inneren Gehäuseteil 7 und dem äußeren Gehäuseteil 8 insgesamt konisch
ausgeführt ist. Wie aus den Schnittdarstellungen der Fig. 1 und 2 ersichtlich ist,
weisen das innere Gehäuseteil 7 und das äußere Gehäuseteil 8 an ihren einander abwandten
Enden 12, 13 jeweils die maximale Wandstärke auf, während sich die Wandstärke des
inneren Gehäuseteils 7 und des äußeren Gehäuseteils 8 in Richtung auf das andere Ende
14 bzw. 15 hin jeweils verjüngt. Somit sind die beiden Gehäuseteile 7, 8 an den Enden
12, 13, an denen sie jeweils den Druck alleine aufnehmen müssen, von ihrer Wandstärke
her maximal. Durch die konische Ausbildung der beiden Gehäuseteile 7, 8 wird darüber
hinaus erreicht, daß das Gehäuse 2 insgesamt sowohl einen konstanten Innendurchmesser
als auch einen konstanten Außendurchmesser aufweist, wodurch bei gegebenen Anforderungen
eine sehr geringe Baugröße der Überspannungsschutzeinrichtung 1 erreichbar xst.
[0028] Aus der Fig. 1 ist erkennbar, daß das Gehäuseinnere mit isolierenden Material 16
ausgekleidet ist, wobei durch die Ausgestaltung des isolierenden Materials 16, bei
dem es sich beispielsweise um einen thermoplastischen Kunststoff handeln kann, die
Abmessungen der Lichtbogenbrennkammer 5 sowie der Verbindungskanal von der Lichtbogenbrennkammer
5 zum Ausström- und Kühlkanal 6 festgelegt werden- Darüber hinaus weist die in Fig.
1 dargestellte Überspannungsschutzeinrichtung 1 noch ein Zündelement 17 und eine Zündelektrode
18 auf, die gemeinsam als Zündhilfe dienen und durch die die Ansprechspannung der
Überspannungsschutzeinrichtung 1 - ggf. zusammen mit einem Zündschaltelement - auf
den gewünschten Wert eingestellt werden kann. Zur elektrischen Kontaktierung der im
Inneren des Gehäuses 2 angeordneten ersten Elektrode 3 ist ein Elektrodenhalter 19
vorgesehen, der ebenso wie die Elektrode 4 mittels eines Isolierteils 20 von dem Gehäuse
2 elektrisch isoliert ist. Im Unterschied zu den beiden Elektroden 3, 4, die in der
Regel aus Kupfer-Wolfram bestehen, besteht der Elektrodenhalter 19 überwiegend aus
Messing.
[0029] Durch die zuvor im einzelnen beschriebene Ausgestaltung des Gehäuses 2, insbesondere
die Ausbildung der beiden Gehäuseteile 7 und 8 sowie die Ausbildung und Nutzung der
Verschraubung zwischen den beiden Gehäuseteilen 7, 8 als Ausström- und Kühlkanal 6,
wird eine Überspannungsschutzeinrichtung 1 zur Vertagung gestellt, bei der das Auftreten
eines unerwünschten Netzfolgestroms nach dem eigentlichen Ableitvorgang und ein erneutes
Zünden der Durchschlag-Funkenstrecke noch zuverlässiger verhindert wird, wobei das
Gehäuse 2 darüber hinaus eine sehr hohe Druckfestigkeit aufweist.
1. Überspannungsschutzeinrichtung zum Einsatz in der Stromversorgung, insbesondere von
Niederspannungsnetzen, mit einem Gehäuse (2), mit einer ersten Elektrode (3), .mit
mindestens einer zweiten Elektrode (4), mit einer im Inneren des Gehäuses (2) zwischen
beiden Elektroden (3, 4) ausgebildeten Lichtbogenbrennkammer (5), und mit einer zwischen
beiden Elektroden (3, 4) ausgebildeten Durchschlag-Funkenstrecke, wobei beim Zünden
der Durchschlag-Funkenstrecke zwischen den beiden Elektroden (3, 4) ein Lichtbogen
entsteht,
dadurch gekennzeichnet,
daß im Gehäuse (2) mindestens ein Ausström- und Kühlkanal (6) ausgebildet ist, durch
den das heiße Plasma aus der Lichtbogenbrennkammer (5) austreten kann, wobei der Ausström-
und Kühlkanal (6) sich in Längsrichtung des Gehäuses (2) erstreckt und schraubenförmig
ausgebildet ist.
2. Überspannungsschutzeinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Ausström- und Kühlkanal (6) einen relativ großen Querschnitt aufweist.
3. Überspannungsschutzeinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Gehäuse (2) zweiteilig ausgebildet ist und die beiden Gehäuseteile (7, 8) koaxial
zueinander angeordnet sind, und daß der Zwischenraum zwischen den beiden Gehäuseteilen
(7, 8) als Ausström- und Kühlkanal (6) für das ionisierte Gas ausgebildet ist.
4. Überspannungsschutzeinrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das erste, innere Gehäuseteil (7) ein Außengewinde (9) und das zweite, äußere Gehäuseteil
(8) ein korrespondierendes Innengewinde (10) aufweist, und daß das innere Gehäuseteil
(7) in das äußere Gehäuseteil (8) eingeschraubt ist
5. Überspannungsschutzeinrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Außengewinde (9) des inneren Gehäuseteils (7) und/oder das Innengewinde (10)
des äußeren Gehäuseteils (8) teilweise unterbrochen ist, so daß zwischen dem inneren
Gehäuseteil (7) und dem äußeren Gehäuseteil (8) eine oder mehrere Kammern (11) ausgebildet
sind.
6. Überspannungsschutzeinuichtung nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, daß das innere Gehäuseteil (7) einen zumindest teilweise konischen Außenumfang und das
äußere Gehäuseteil (8) einen zumindest teilweise konischen Innenumfang aufweist, so
daß die Verschraubung zwischen dem inneren Gehäuseteil (7) und dem äußeren Gehäuseteil
(8) konisch ausgeführt ist.
7. Überspannungsschutzeinrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß das innere Gehäuseteil (7) und das äußere Gehäuseteil (8) an ihren einander abgewandten
Enden (12, 13) jeweils die maximale Wandstärke aufweisen, und daß sich die Wandstärke
des inneren Gehäuseteils (7) und des äußeren Gehäuseteils (8) zum anderen Ende (14,
15) hin verjüngt.
8. Überspannungsschutzeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Gehäuse (2) bzw. die beiden Gehäuseteile (7, 8) aus Stahl ist bzw. sind.
9. Überspannungsschutzeinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Lichtbogenbrennkammer (5) zumindest teilweise mit einem isolierendem Material
(16) ausgekleidet ist und zumindest teilweise quer zur Längserstreckung der Überspannungsschutzeinrichtung
verläuft.