[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Bestimmen der Nullposition
eines über einen Schrittmotor changierbaren Fadenführers einer Spulvorrichtung einer
Kreuzspulen herstellenden Textilmaschine.
[0002] Um eine Textilspule herzustellen, ist es bekanntlich erforderlich, die betreffende
Textilspule einerseits in Rotation zu versetzen und andererseits den auf die Spule
auflaufenden Faden längs der Spulenachse zu changieren.
Durch relativ schnelles Changieren des Fadens kann dabei eine Textilspule mit einer
sogenannten Kreuzbewicklung erstellt werden, die sich nicht nur durch einen verhältnismäßig
stabilen Spulenkörper, sondern auch durch ein gutes Ablaufverhalten auszeichnet.
[0003] In Verbindung mit der Herstellung solcher Kreuzspulen sind in der Praxis bereits
verschiedene Fadenverlegesysteme im Einsatz, die in zahlreichen Schutzrechtsanmeldungen
ausführlich beschrieben sind.
[0004] Es ist beispielsweise bei Spulmaschinen, die mit relativ hohen Wickelgeschwindigkeiten
arbeiten, weit verbreitet, als Fadenchangiereinrichtungen sogenannte Fadenführungstrommeln
einzusetzen.
[0005] Derartige Fadenführungstrommeln weisen eine Nut zum Changieren des Fadens auf und
treiben gleichzeitig die Textilspule reibschlüssig an.
Solche an sich bewährten Fadenführungstrommeln sind allerdings in der Herstellung
relativ teuer und systembedingt nur für die Herstellung von Kreuzspulen in der Wicklungsart
"wilde Wicklung" einsetzbar, da zur Erzeugung einer sogenannten Präzisions- oder Stufen-Präzisionswicklung
der Antrieb der Kreuzspule und der Antrieb der Fadenchangiereinrichtung getrennt sein
müssen.
[0006] Im Zusammenhang mit Spulstellen, die jeweils einen separaten Antrieb zum Rotieren
der Auflaufspule und einen separaten Antrieb zum Changieren des auflaufenden Fadens
aufweisen, sind verschiedenartige Fadenchangiereinrichtungen bekannt.
Es sind beispielsweise Changiereinrichtungen bekannt, die einen parallel zur Rotationsachse
der Kreuzspule verschiebbar gelagerten Fadenführer aufweisen, der beispielsweise über
ein Zugmittel mit einem reversierbaren Einzelantrieb verbunden ist. Des Weiteren sind
Einrichtungen bekannt, die mit einem sogenannten Fingerfadenführer arbeiten. D. h.
mit einem Fadenführer, der einen fingerartigen Fadenverlegehebel aufweist, der um
eine im wesentlichen senkrecht zur Kreuzspulenachse angeordnete Achse über einen bestimmten
Winkelbereich schwenkbar ist.
[0007] Fadenchangiereinrichtungen mit einem parallel zur Rotationsachse der Kreuzspule verschiebbaren
Fadenführer sind beispielsweise in der DE 37 34 478 A1, in der DE 100 21 963 A1 oder
in der nachveröffentlichten DE 10 2004 003 173.8 beschrieben.
[0008] Die in der DE 37 34 478 A1 beschriebene Fadenchangiereinrichtung verfügt über einen
Fadenführer, der im Changierbereich an einer Fadenführerstange geführt ist und über
ein Endloszugmittel von einem microprozessorgesteuerten Schrittmotor angetrieben wird.
[0009] Auch in der nachveröffentlichten DE 10 2004 003 173.8 ist eine Fadenchangiereinrichtung
beschrieben, deren Fadenführer an einer Fadenführerstange geführt und über einen Zahnriemen
an einen reversierbaren Einzelantrieb angeschlossen ist.
Die Fadenführerstange, die Zahnräder für den Zahnriemen sowie der zugehörige Einzelantrieb
sind dabei in einem weitestgehend geschlossenen Gehäuse angeordnet.
Das heißt, der Innenraum dieser als modulares Bauteil ausgebildeten Fadenchangiereinrichtung
ist frontseitig durch das Endloszugmittel abgedichtet.
[0010] Eine Fadenchangiereinrichtung mit einem Changierfadenführer, der an einem Endlosriemen
festgelegt und durch einen Einzelantrieb beaufschlagbar ist, ist des Weiteren in der
DE 100 21 963 A1 beschrieben.
Der Einzelantrieb des Fadenführers ist dabei so ansteuerbar, dass ein in seiner Länge
veränderbarer Changierhub ausgeführt werden kann.
Der Einzelantrieb des Changierfadenführers ist zu diesem Zweck mit einem Winkelgeber
ausgerüstet, der die Rotorstellung des Elektromotors erfasst und an eine entsprechende
Arbeitsstellensteuerung meldet.
[0011] Nachteilig bei den vorgenannten an sich vorteilhaften Fadenchangiereinrichtungen
ist allerdings der verhältnismäßig große Steuerungsaufwand, der betrieben wird, um
eine ordnungsgemäße Traversierung eines Fadens zu gewährleisten. Das heißt, die bekannten
Fadenchangiereinrichtungen verfügen über relativ aufwendige und damit kostspielige
Steuerungs- und Überwachungseinrichtungen.
[0012] Ausgehend vom vorgenannten Stand der Technik liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde,
ein Verfahren und eine Vorrichtung zu schaffen, das/die eine sichere und genaue Changierung
eines auf eine Kreuzspule auflaufenden Fadens ermöglicht, wobei der Steuerungsaufwand
möglichst gering sein soll.
[0013] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren gelöst, das die im Anspruch
1 beschriebenen Merkmale aufweist bzw. durch eine Vorrichtung gemäß Anspruch 2.
[0014] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0015] Das erfindungsgemäße Verfahren hat insbesondere den Vorteil, dass auf einfache Weise,
das heißt ohne zusätzliche Sensoreinrichtungen oder dgl. gewährleistet wird, dass
der Fadenführer zu Beginn des Changierprozesses stets aus einer definierten Position
heraus gestartet werden kann.
In Verbindung mit einem Schrittmotor ist damit sichergestellt, dass der Changierprozesses
ordnungsgemäß durchgeführt werden kann, das heißt, dass sich der Fadenführer bei der
Changierung des auflaufenden Fadens stets zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen
Position befindet.
Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens sind dabei, wie vorstehend erwähnt,
keine zusätzlichen Sensoreinrichtungen erforderlich, sondern nur Hard- bzw. Software,
die für den Betrieb eines über einen Schrittmotor changierbaren Fadenführers ohnehin
benötigt wird.
Das bedeutet, das erfindungsgemäße Verfahren lässt sich recht kostengünstig realisieren.
[0016] Die Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens weist, wie im Anspruch
2 dargelegt, in vorteilhafter Ausbildung einen als Hybrid-Schrittmotor ausgebildeten
Fadenführerantrieb auf.
Der Rotor dieses Hybrid-Schrittmotors ist dabei mit einem axial magnetisierten Permanentmagneten
ausgerüstet und weist rotorendseitig jeweils ausgeprägte Pole in Form von gezahnten
Polkappen auf.
Derartig ausgebildete Rotoren mit einer relativ großen Anzahl von Polen im Bereich
ihrer Polkappen führen während des Betriebes des Schrittmotors zu kleinen Winkelschritten,
was sich einerseits positiv auf den Rundlauf des Schrittmotors auswirkt und andererseits
bei der Abschaltung des Schrittmotors zu einer Vielzahl sogenannter Raststellung des
Rotors führt.
Das heißt, ein derartig ausgebildeter Schrittmotor zeichnet sich einerseits durch
einen guten Rundlauf aus, ist im Bedarfsfall aber auch feinfühlig in einer vorgebbaren
Raststellung positionierbar.
[0017] Der Rundlauf des Schrittmotors kann dabei auf relativ einfache Weise dadurch weiter
optimiert werden, dass, wie im Anspruch 4 dargelegt, die Pole der ersten Polkappe
gegenüber den Polen der zweiten Polkappe winkelversetzt angeordnet sind.
Insbesondere die im Anspruch 5 beschriebene, vorteilhafte Ausführungsform führt in
Verbindung mit durchgehenden Statormagnetpolen zu einer Halbierung der Schrittweite
der einzelnen Winkelschritte des Motors und damit zu einem sehr gleichmäßigen Rundlauf
des Schrittmotors.
[0018] Wie im Anspruch 6 beschrieben, ist in bevorzugter Ausführungsform außerdem vorgesehen,
dass der Stator des Hybrid-Schrittmotors eine Vielzahl von Statorsegmenten aufweist,
die jeweils von bestrombaren Wicklungen umgeben sind.
Eine Hälfte der Wicklungen ist dabei an eine erste Phase einer Gleichstromquelle angeschlossen,
während die andere Hälfte der Wicklungen mir einer zweiten Phase in Verbindung steht.
Das heißt, auf dem Umfang des Stators wechseln sich Statorsegmente, die über die erste
Phase bestromt werden, mit Statorsegmenten ab, die an die zweite Phase angeschlossen
sind. Über eine Steuerung entsprechend beaufschlagt, läuft ein solcher Schrittmotor
zuverlässig im Bipolarbetrieb (Anspr. 8).
[0019] Die Statorsegmente weisen dabei, wie im Anspruch 7 dargelegt, Polzähne auf, die entsprechend
der Bestromung der Wicklungen der Statorsegmente mit den Polen der Polkappen des Rotors
korrespondieren.
Das heißt, bei der Bestromung der Wicklungen der Statorsegmente werden sowohl die
N-Pole der vorderen Polkappe des Rotors als auch die S-Pole der hinteren Polkappe
des Rotors beeinflusst.
[0020] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist außerdem vorgesehen, dass auf der Motorwelle
des Schrittmotors drehfest ein verzahntes Antriebsrad festgelegt ist (Anspr. 9), das
einen Zahnriemen mit einer Zahnteilung von vorzugsweise 2 mm antreibt.
In vorteilhafter Ausführungsform weist das Antriebsrad dabei beispielsweise 48 Zähne
auf (Anspr. 10).
[0021] Eine solche Ausbildung der mechanischen Antriebselemente gewährleistet, dass jede
Bewegung des Schrittmotors sowohl was den Changierbereich, die Changierbreite oder
die Changiergeschwindigkeit betrifft, exakt, das heißt ohne Schlupf umgesetzt werden.
In Verbindung mit einem Hybrid-Schrittmotor ist auf diese Weise eine ordnungsgemäße
Fadenchangierung sowie eine ausreichend genaue Positionierung des Fadenführers in
seiner Nullstellung möglich.
[0022] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in den Zeichnungen dargelegten Ausführungsbeispieles
näher erläutert.
[0023] Es zeigt:
- Fig. 1
- eine Seitenansicht einer Arbeitsstelle einer Kreuzspulen herstellenden Textilmaschine,
mit einer erfindungsgemäßen Fadenchangiereinrichtung im Bereich der Spulvorrichtung,
- Fig. 2
- in einem größeren Maßstab eine perspektivische Ansicht einer erfindungsgemäßen Fadenchangiereinrichtung,
- Fig. 3
- den Fadenführer der Fadenchangiereinrichtung gemäß Fig. 2 in seiner Nullstellung,
- Fig. 4
- eine Vorderansicht auf einen als Hybrid-Schrittmotor ausgebildeten Fadenführerantrieb,
ohne vordere Motorabdeckung,
- Fig. 5
- den Rotor des Hybrid-Schrittmotors in Seitenansicht, im Schnitt.
[0024] In Fig. 1 ist schematisch in Seitenansicht eine Hälfte einer Kreuzspulen herstellende
Textilmaschine 1, im Ausführungsbeispiel einer Offenend-Rotorspinnmaschine, dargestellt.
[0025] Derartige Textilmaschinen verfügen, wie bekannt, zwischen ihren (nicht dargestellten)
Endgestellen über eine Vielzahl gleichartiger Arbeitsstellen 2.
Die Arbeitstellen 2 weisen dabei jeweils ein Spinnaggregat 3 sowie eine Spulvorrichtung
4 auf.
In den Spinnaggregaten 3 werden Faserbänder 6, die in Spinnkannen 5 bevorratet sind,
zu Fäden 7 verarbeitet, die anschließend auf den Spulvorrichtungen 4 zu Kreuzspulen
8 aufgewickelt werden.
Die fertig gestellten Kreuzspulen 8 werden über eine Kreuzspulen-Transporteinrichtung
12 zu einer maschinenendseitig angeordneten (nicht dargestellten) Ladestation befördert.
[0026] Wie in Fig. 1 angedeutet, weisen die Arbeitsstellen 2 jeweils neben dem Spinnaggregat
3 und der Spulvorrichtung 4 noch weitere Handhabungseinrichtungen, beispielsweise
eine Fadenabzugseinrichtung 10, eine Saugdüse 17 oder einen Paraffineur 14 auf.
Die Funktion dieser Bauteil ist bekannt und in zahlreichen Patentschriften ausführlich
erläutert.
[0027] Die Spulvorrichtung 4 verfügt über einen Spulrahmen 9, eine Spulenantriebswalze 11
sowie eine Fadenchangiereinrichtung 16.
[0028] Die Spulenantriebswalze 11, die durch einen Antrieb 13 einzelmotorisch beaufschlagbar
ist, treibt dabei die im Spulenrahmen 9 frei drehbar gelagerte Kreuzspule 8 reibschlüssig
an.
[0029] In der Fig. 2 ist die erfindungsgemäße Fadenchangiereinrichtung 16, wie sie jeweils
im Bereich der Spulvorrichtung 4 der zahlreichen Arbeitsstellen 2 der Textilmaschine
1 angeordnet ist, im Detail dargestellt.
[0030] Die Fig. 2 zeigt dabei eine perspektivische Ansicht auf eine als modulare Fadenführungseinheit
22 ausgebildete, weitestgehend geschlossene Fadenchangiereinrichtungen 16.
Das heißt, der Innenraum 37 des Gehäuses 23 der Fadenführungseinheit 22 ist nach vorne
durch das Endloszugmittel 30 abgedichtet, nach oben mit einem (nicht dargestellten)
Deckelelement abdeckbar und dann gegen das Eindringen von Textilstaub und Faserflug
weitestgehend geschützt.
Wie weiter ersichtlich, ist der Fadenführer 25, der, wie üblich, aus einem abriebfesten
Material, vorzugsweise einer Oxydkeramik gefertigt ist, an einem Führungsschuh 26
festgelegt, der seinerseits an einem Führungselement 27 gleitend geführt ist.
Das Führungselement 27 ist dabei ihrerseits in den Seitenwänden 28, 29 der Fadenführungseinheit
22 festgelegt.
Der Führungsschuh 26 ist außerdem an der Außenseite eines Endloszugmittels, vorzugsweise
eines Zahnriemens 30, befestigt, der, wie angedeutet, über Umlenkräder 31, 32, die
seitlich neben dem Changierbereich B des Fadenführers 25 angeordnet sind, sowie ein
Antriebsrad 33 geführt.
Das Antriebsrad 33 ist dabei drehfest auf der Motorwelle 24 eines elektromotorischen,
reversiblen Antriebes, vorzugsweise eines Hybrid-Schrittmotors 34, angeordnet, der
über eine Steuerleitung 36 an einen Steuerungsrechner 35, beispielsweise einen Zentralrechner
der Textilmaschine angeschlossen ist.
[0031] In alternativer Ausführungsform kann als Steuerungsrechner 35 selbstverständlich
auch ein Sektionsrechner oder ein separater Arbeitsstellenrechner zum Einsatz kommen.
[0032] Fig. 3 zeigt den Fadenführer 25 in seiner Nullstellung NS, das heißt, in einer definierten
Position mit einem Abstand a zu einer Anlaufkante 15 des Gehäuses 23 der Fadenführungseinheit
22.
Diese Nullstellung NS stellt jeweils die Ausgangstellung für den Fadenführer 25 und
damit für den Schrittmotor 34 zu Beginn eines Changiervorganges bzw. bei einem Neustart
der Fadenchangiereinrichtung 16 dar.
[0033] Die Fig. 4 zeigt eine Vorderansicht in den als Hybrid-Schrittmotor 34 ausgebildeten
Fadenführerantrieb.
Wie ersichtlich, weist der Stator 18 acht Statorsegmente 19A und 19B mit ausgeprägten
(gezahnten) Polen 40 auf.
Die Statorsegmente 19A und 19B sind dabei jeweils von bestrombaren Wicklungen 20A
bzw. 20B umgeben.
Die Wicklungen 20A der Statorsegmente 19A sind dabei über eine erste Stromphase 21A
mit einer Gleichstromquelle 38 verbunden, während die Wicklungen 20B der Statorsegmente
19B über eine zweite Stromphase 21B an die Gleichstromquelle 38 angeschlossen sind.
Die Schaltungsanordnung 39 ist dabei so ausgelegt, dass Bipolarbetrieb möglich ist,
das heißt, dass die Magnetisierung der an den Statorsegmenten 19A und 19B angeordneten
Zähne 40 wahlweise auf N-Pol oder S-Pol geschaltet werden kann.
[0034] Wie in Fig. 5 dargestellt, besteht der Rotor 41 im wesentlichen aus einer Motorwelle
42, einem axial magnetisierten, vorzugsweise ringförmigen Zweipol-Permanentmagneten
43 sowie zwei, ebenfalls gezahnten Polkappen 44A und 44B.
Die Zähne 45A der Polkappe 44A sind dabei beispielsweise N-Pole während die Zähne
45B der Polkappe 44B S-Pole bilden.
Die Zähne 45A der Polkappe 44A sind außerdem um eine halbe Zahnteilung gegenüber den
Zähnen 45B der Polkappe 44B versetzt.
Funktion des erfindungsgemäßen Verfahrens:
[0035] Um das erfindungsgemäße Verfahren zu verstehen sind zunächst folgende Anmerkungen
nützlich.
Bei der im Ausführungsbeispiel gewählten Ausführungsform eines Hybrid-Schrittmotors
34 mit jeweils 25 Zähnen je Polkappe sowie 2-Phasenbetrieb ergibt sich für die Schrittzahl
z des Motors nach der Formel: z = k × p
wobei k = 2 × m
s ist
und m
s = für die Anzahl der Phasen des Stators
sowie p = für die Anzahl der Pole des Rotors steht,
z = 2 × 2 × 50 = 200 Einzelschritte pro Rotordrehung.
Das bedeutet, bei jedem Schritt läuft der Rotor des Motor
360° / 200 Schritte = 1,8° weiter.
Da der Rotor insgesamt 50 Pole aufweist, die jeweils 7,2° von einander beabstandet
sind, werden zwischen den einzelnen Polen jeweils vier Einzelschritte benötigt.
Die 50 Pole des Rotors bilden in Verbindung mit den Zähnen an den Statorelementen
außerdem jeweils ein sogenanntes Rastmoment, das heißt, eine definierte Stellung,
in die der Rotor einrastet sobald der Motor stromlos geschaltet wird.
[0036] Im Ausführungsbeispiel ergibt sich außerdem aus dem Teilungsabstand des Zahnriemens,
der den Fadenführer mit seinem zugehörigen Antrieb verbindet, von 2 mm sowie der Zähnezahl
48 des auf der Motorwelle des Schrittmotors angeordneten Antriebsrades für den Fadenführer
pro Motorschritt eine Verlegestrecke s = Weg / Schritte = 2 mm × 48 / 200 = 0,48 mm.
Das heißt, zwei Raststellungen des Motors liegen jeweils 4 × 0,48 mm = 1,92 mm beabstandet.
[0037] Zu Beginn des Verfahrens befindet sich der Fadenführer 25 in einem beliebigen Abstand
zu seiner angestrebten Nullstellung NS, die sich, bei dem in Fig. 3 dargestellten
Ausführungsbeispiel zum Beispiel 0,2 mm vor der Anlaufkante 15 des Gehäuses 23 der
Fadenführungseinheit 22 befindet.
Der Fadenführer 25 wird durch den Schrittmotor 34 zunächst langsam in Richtung dieser
Nullstellung NS verfahren und zwar so weit bis sichergestellt ist, dass er die Nullstellung
NS erreicht oder überfahren hat.
Das heißt, zu einem beliebigen Zeitpunkt erreicht der Führungsschuh 26 des Fadenführers
25 die Anlaufkante 15 des Gehäuses 23 und läuft bis zum Abschalten des Schrittmotors
34 immer wieder gegen diese Anlaufkante 15 an.
Beim Abschalten fällt der Rotor 41 des Schrittmotors 34 in eine sogenannte Raststellung.
Die Position dieser Raststellung ergibt sich dabei, wie vorstehend erläutert, aus
der Bauart des Schrittmotors 34 sowie aus dem elektrischen Schaltschritt in dem sich
der Schrittmotor 34 zum Zeitpunkt des Abschaltens befunden hat.
Das heißt, der Rotor 41 befindet sich entweder in der letzten Raststellung, in der
der Führungsschuh 26 des Fadenführers 25 unmittelbar an der Anlaufkante 15 des Gehäuses
23 steht oder in der vorletzten Raststellung, in der der Führungsschuh 26 des Fadenführers
25 beabstandet zur Anlaufkante 15 positioniert ist,
wobei dieser Abstand im Ausführungsbeispiel, wie vorstehend erläutert, 1,92 mm betragen
würde.
[0038] Anschließend wird der Schrittmotor 34 wieder bestromt.
Das heißt, die Wicklungen 20A und 20B der Statorelemente 19A und 19B des Schrittmotors
34 werden so angesteuert, dass der Rotor 41 um 4 Schritte a 1,8° in Richtung der letzten
Raststellung und damit der Nullstellung NS des Fadenführers 25 weiterdreht bzw. versucht
weiterzudrehen.
[0039] Das bedeutet, wenn der Fadenführer 25 zum Zeitpunkt des Wiederzuschaltens des Schrittmotors
34 bereits in seiner Nullstellung NS an der Anlaufkante 15 des Gehäuses 23 steht,
kann der Rotor 41 der elektrischen Steuerung nicht folgen und fällt bei der anschließenden
Stromabschaltung wieder in die letzte Raststellung zurück.
Wenn der Rotor 41 beim Wiederzuschalten des Stromes allerdings in die vorletzte Raststellung
positioniert ist, dreht der Rotor 41 des Schrittmotors 34 4 Schaltschritte weiter,
so dass der Rotor 41 bei der folgenden Stromabschaltung ebenfalls in der letzten Raststellung
und damit der Fadenführer 25 in seiner Nullstellung NS steht.
[0040] Diese Nullstellung NS bildet bei jedem Start eines Changierprozesses jeweils den
Ausgangswert für die Steuerung.
1. Verfahren zum Bestimmen der Nullposition eines über einen Schrittmotor changierbaren
Fadenführers einer Spulvorrichtung einer Kreuzspulen herstellenden Textilmaschine,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Fadenführer (25) oder ein mit dem Fadenführer (25) gekoppeltes Element durch
den Schrittmotor (34) beaufschlagt in Richtung seiner Nullstellung (NS) verfahren
und mit geringer Geschwindigkeit an einem in Fahrtrichtung hinter der Nullstellung
(NS) angeordneten, definierten Anschlag (15) positioniert wird,
dass dann der Schrittmotor (34) stromlos geschaltet wird, wodurch der Rotor (41) des Schrittmotors
(34) in eine von zwei möglichen Raststellungen (RS1, RS2) fällt und
dass dann der Schrittmotor (34) durch definierte Bestromung seiner Statorwicklungen (20A,
20B) so angesteuert wird, dass der Rotor (41) des Schrittmotors (34) bei einem erneuten
Abschalten in der Raststellung (RS2) steht, in der der Fadenführer (25) in seiner
Nullstellung (NS) positioniert ist.
2. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb des Fadenführers (25) als Hybrid-Schrittmotor (34) ausgebildet ist, mit
einem Rotor (41), der in der Rotormitte einen axial magnetisierten Zweipol-Permanentmagneten
(43) aufweist und rotorendseitig jeweils ausgeprägte Pole (N bzw. S) in Form von gezahnten
Polkappen (44A, 44B) besitzt.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Polkappen (44A und 44B) jeweils 25 als Zähne ausgebildete Pole (45) aufweisen.
4. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Pole (45) einer ersten Polkappe (44A) gegenüber den Polen (45) einer zweiten
Polkappe (44B) winkelversetzt angeordnet sind.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Winkelversatz zwischen den Polen (45) der ersten Polkappe (44A) und den Polen
(45) der zweiten Polkappe (44B) einen halben Teilungsabstand beträgt.
6. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Stator (18) des Hybrid-Schrittmotors (34) Statorsegmente (19A, 19B) aufweist,
die von bestrombaren Wicklungen (20A, 20B) umgeben sind, wobei jeweils eine Hälfte
der Wicklungen über eine Schaltungsanordnung (39) an eine erste Phase (21A) und die
andere Hälfte der Wicklungen an eine zweite Phase (21B) einer elektrischen Gleichstromquelle
(38) angeschlossen sind.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass Statorsegmente (19A, 19B) jeweils Polzähne (40) aufweisen, die mit den Polen (45)
der Polkappen (44A, 44B) des Rotors (41) korrespondieren.
8. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die elektrische Ansteuerung der Wicklungen (20A, 20B) im Bereich der Statorsegmente
(19A, 19B)für einen Bipolarbetrieb ausgelegt ist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass auf der Motorwelle (42) des Schrittmotors (34) drehfest ein Antriebsrad (33) für
einen Zahnriemen (30) festgelegt ist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Antriebsrad (33) 48 Zähne und der Zahnriemen (30) eine Teilung von 2 mm aufweist.