[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Hörhilfevorrichtung mit einer Klassifikationseinrichtung
zum Klassifizieren einer aktuellen Hörsituation, einer Einstelleinrichtung zum Einstellen
des Klangs der Hörhilfevorrichtung und einer Speichereinrichtung, die an die Klassifikationseinrichtung
und die Einstelleinrichtung angeschlossen ist, zum Speichern einer Klangeinstellung
mit zugeordneter Klassifikation. Darüber hinaus betrifft die vorliegende Erfindung
ein entsprechendes Verfahren zum Betreiben einer Hörhilfevorrichtung.
[0002] Die individuell bevorzugten Klangeinstellungen eines Hörgeräts sind von der akustischen
Umgebung abhängig. Beispielsweise werden für Musik höhere Pegel bei tiefen Frequenzen
gewünscht als bei einer Unterhaltung in lärmerfüllter Umgebung. Dies bedeutet, dass
die Klangeinstellung in der Regel abhängig von der Signalklasse durchgeführt wird.
[0003] Moderne Hörgeräte besitzen Klassifikationssysteme, welche die aktuelle Hörsituation
erfassen und entsprechende Einstellungen im Hörgerät vornehmen. Diese Einstellungen
werden während einer Anpasssitzung beim Akustiker ermittelt und fest in das Hörgerät
eingegeben. Der Hörgeräteträger kann dann ausgehend von dieser festen Einstellung
bei veränderten Klangwünschen entsprechende Änderungen der Klangeinstellungen jeweils
ausgehend von der festen Einstellung für die jeweilige Hörsituation manuell vornehmen.
Um ein ständiges Nachtstellen zu vermeiden, ist ein Nachjustieren beim Akustiker notwendig.
[0004] Aus der europäischen Patentschrift EP 0 814 634 B1 ist ein programmierbares Hörgerätesystem
bekannt. Dabei wird der jeder Hörsituation zugeordnete Parametersatz eines programmierbaren
Hörhilfegeräts nicht schon bei der Anpassung beim Hör geräteakustiker festgelegt,
sondern es werden anfangs für jede Hörsituation mehrere Versuchsparametersätze vorgesehen.
In einer Optimierungsphase kann der Hörgeräteträger dann ermitteln, welcher Parametersatz
individuell für ihn in den einzelnen Hörsituationen am besten geeignet ist. Dieser
Parametersatz wird schließlich der Hörsituation fest zugeordnet. Damit erfolgt eine
Anpassung an reale akustische Umgebungsbedingungen, die weitgehend vom Hörgeräteträger
selbst vorgenommen werden kann.
[0005] Darüber hinaus beschreibt die Druckschrift DE 101 52 197 A1 ein Verfahren zum Programmieren
eines Hörgeräts mit Hilfe einer Fernbedienung. Der Hörgeräteträger kann sein Hörgerät
in einen Aufnahmemodus schalten, in dem absolute oder relative Parameteränderungen
betreffend die Lautstärke, Höhen- oder Tiefenanhebung, Aktivieren eines Rauschfilters
usw. aufgezeichnet werden. Die Aufzeichnung wird durch Betätigen einer Speicher-Taste
beendet und im Hörgerät oder der Fernbedienung gespeichert. Erkennt nun das Hörgerät
abermals die gleiche Hörsituation, so werden neben der Einstellung des dafür vorgesehenen
Hörprogramms auch die zuvor aufgezeichneten Bedienschritte wirksam, so dass eine individuelle
Anpassung des Hörprogramms an die jeweilige Umgebungssituation erfolgt.
[0006] Die Druckschrift EP 1 453 356 A2 offenbart ferner ein Verfahren zum Einstellen eines
Hörsystems, wobei während des Betriebs eine interaktive Anpassung vorgenommen werden
kann. Ein Klassifikator erkennt verschiedene Hörsituationen und startet interaktive
Anpassprozeduren, in deren Rahmen verschiedene Einstellungen zu bewerten sind. Dabei
werden nur Einstellungen angeboten, die zur Hörsituation passen.
[0007] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, die individuelle Anpassung
eines Hörgeräts komfortabler zu gestalten.
[0008] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch eine Hörhilfevorrichtung mit einer
Klassifikationseinrichtung zum Klassifizieren einer aktuellen Hörsituation, einer
Einstelleinrichtung zum Einstellen des Klangs der Hörhilfevorrichtung und einer Speichereinrichtung,
die an die Klassifikationseinrichtung und die Einstelleinrichtung angeschlossen ist,
zum Speichern einer Klangeinstellung mit zugeordneter Klassifikation, wobei in der
Speichereinrichtung eine Klangeinstellung nach jeder Einstellung automatisch mit der
zugehörigen Klassifikation abspeicherbar ist.
[0009] Ferner ist erfindungsgemäß vorgesehen ein Verfahren zum Betreiben einer Hörhilfevorrichtung
durch Klassifizieren einer aktuellen Hörsituation, Einstellen des Klangs der Hörhilfevorrichtung
und Speichern einer Klangeinstellung mit zugeordneter Klassifikation, wobei eine Klangeinstellung
nach jeder Verstellung automatisch mit der zugehörigen Klassifikation abgespeichert
wird.
[0010] Die erfindungsgemäße Hörhilfevorrichtung befindet sich also ständig im Lernmodus,
wobei immer die letzten Änderungen/Einstellungen, die vom Benutzer vorgenommen wurden,
in dem gerade aktuellen Hörprogramm gespeichert werden. Diese Einstellungen werden
dann erneut übernommen, wenn die Hörhilfevorrichtung wieder in dieses Programm geschaltet
wird.
[0011] Vorzugsweise umfasst die Einstelleinrichtung eine Fernbedienung. Diese gewährleistet
eine komfortablere Bedienung der Hörhilfevorrichtung bzw. des Hörgeräts. Mit der Fernbedienung
lässt sich vorzugsweise auch der Klang der Hörhilfevorrichtung für die aktuelle Hörsituation
einstellen.
[0012] Entsprechend einer bevorzugten Ausführungsform kann mit Hilfe der Klassifikationseinrichtung
automatisch in eine der aktuellen Hörsituation entsprechenden Signalklasse mit zugehöriger
Klangeinstellung geschaltet werden. Mit der automatischen Speicherung der Klangeinstellung
bleibt diese nicht nur beim Ein- und Ausschalten der Hörhilfevorrichtung in dem zuletzt
gewählten Zustand erhalten, sondern auch beim automatischen Wechsel des Hörprogramms
entsprechend der jeweiligen Signalklasse.
[0013] Bei der automatischen Umschaltung des Hörprogramms ist es günstig, wenn von einer
ersten Klangeinstellung in eine zweite Klangeinstellung übergeblendet wird. Dies hat
den Vorteil, dass der Hörgeräteträger nicht von einer hohen Lautstärke überrascht
wird, wenn ein bestimmtes Frequenzband in dem neu eingeschalteten Hörprogramm deutlich
höher verstärkt wird als in dem alten Hörprogramm.
[0014] Die vorliegende Erfindung wird nun anhand der beigefügten Zeichnung näher erläutert,
die ein Blockschaltbild der erfindungsgemäßen Einstellung der Hörvorrichtung zeigt.
[0015] Das nachfolgend geschilderte Ausführungsbeispiel stellt eine bevorzugte Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung dar. Entsprechend dem in der Figur dargestellten Blockschaltbild
erfolgt nach dem Einschalten des Hörgeräts bzw. dem Start ein automatisches Klassifizieren
der aktuellen Hörsituation entsprechend Schritt S1 mit der Klassifikationseinrichtung
des Hörgeräts. Diese Klassifikationsinformation nutzt das Hörgerät, um aus einem Speicher
die der Klassifikationsinformation entsprechenden Klangeinstellung automatisch zu
laden, wie dies in Schritt S2 angedeutet ist.
[0016] Das Hörgerätesystem verfügt nun über eine Einstelleinrichtung, mit der es möglich
ist, während des täglichen Betriebs den Klang einzustellen. Im vorliegenden Beispiel
ist die Einstelleinrichtung mit einer Fernbedienung realisiert. Der Hörgeräteträger
nutzt also zur Klangeinstellung die Tasten auf der Fernbedienung. Diese sendet drahtlos
Informationen über das Verstellen des Klangreglers zum Hörgerät. Im Hörgerät wurde
die aktuelle Hörsituation mit Hilfe des Klassifikators entsprechend Schritt S1 bereits
erfasst, so dass die Klangänderung der erkannten Klasse zugeordnet werden kann. Die
neue Klangeinstellung wird sodann entsprechend Schritt S4 für die aktuelle Signalklasse
in dem Speicher abgelegt.
[0017] Der Speicher des Hörgeräts enthält mehrere Klangeinstellungen für jede Signalklasse
und für jedes Hörgeräteprogramm. Ändert sich die Hörsituation, so wird entsprechend
S1 bis S4 automatisch die entsprechende Klangeinstellung aus dem Speicher abgerufen
und eingestellt. Der Übergang der Klangeinstellung erfolgt durch langsames Überblenden.
[0018] Um das Einstellen eines Mehrprogramm-Hörgeräts noch komfortabler zu gestalten, werden
die Klangeinstellungen in geeigneter Weise zwischen den Hörprogrammen synchronisiert.
D. h. eine Einstellung für Sprache in Ruhe in einem Automatikprogramm wird beispielsweise
in ein festes Programm für ruhige Umgebung übertragen. Folglich muss der Hörgeräteträger
nicht die gleiche Klangeinstellung in allen Hörprogrammen für ähnliche Hörsituationen
durchführen.
[0019] Erfindungsgemäß ist somit gewährleistet, dass der Hörgeräteträger bequem den Klang
seines Geräts nachregeln und auf die aktuelle Hörsituation anpassen kann. Das Hörgerät
speichert dann diese Einstellungen automatisch, so dass der Hörgeräteträger die Einstellungen
nach dem Um- oder Abschalten des Geräts nicht erneut vornehmen muss. Das Hörgerät
merkt sich also stets die jeweilige Einstellung und befindet sich praktisch immer
im Lernmodus. Selbstverständlich kann das Hörgerät mit der Option ausgestattet sein,
den Lernmodus auch abzuschalten.
[0020] Erfindungsgemäß können somit Langzeit-Gewöhnungseffekte, sich ändernde typische akustische
Umgebungen und sich ändernder Hörverlust vom Benutzer selbst in den Einstellungen
berücksichtigt werden, ohne den Akustiker aufsuchen zu müssen.
1. Hörhilfevorrichtung mit
- einer Klassifikationseinrichtung zum Klassifizieren (S1) einer aktuellen Hörsituation,
- einer Einstelleinrichtung zum Einstellen (S3) des Klangs der Hörhilfevorrichtung
und
- einer Speichereinrichtung, die an die Klassifikationseinrichtung und die Einstelleinrichtung
angeschlossen ist, zum Speichern einer Klangeinstellung mit zugeordneter Klassifikation,
dadurch gekennzeichnet, dass
- in der Speichereinrichtung eine Klangeinstellung nach jeder Einstellung automatisch
mit der zugehörigen Klassifikation abspeicherbar (S4) ist.
2. Hörhilfevorrichtung nach Anspruch 1, wobei die Einstelleinrichtung eine Fernbedienung
umfasst.
3. Hörhilfevorrichtung nach Anspruch 2, wobei mit der Fernbedienung der Klang der Hörhilfevorrichtung
für die aktuelle Hörsituation einstellbar ist.
4. Hörhilfevorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei mit Hilfe der Klassifikationseinrichtung
automatisch in eine der aktuellen Hörsituation entsprechende Signalklasse mit zugehöriger
Klangeinstellung schaltbar ist.
5. Hörhilfevorrichtung nach Anspruch 4, wobei von einer ersten Klangeinstellung in eine
zweite Klangeinstellung überblendbar ist.
6. Verfahren zum Betreiben einer Hörhilfevorrichtung durch
- Klassifizieren (S1) einer aktuellen Hörsituation,
- Einstellen (S3) des Klangs der Hörhilfevorrichtung und
- Speichern (S4) einer Klangeinstellung mit zugeordneter Klassifikation,
dadurch gekennzeichnet, dass
- eine Klangeinstellung nach jeder Verstellung automatisch mit der zugehörigen Klassifikation
abgespeichert (S4) wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, wobei automatisch in eine der aktuellen Hörsituation entsprechende
Signalklasse mit zugehöriger Klangeinstellung geschaltet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, wobei von einer ersten Klangeinstellung in eine zweite
Klangeinstellung übergeblendet wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 8, wobei eine Klangeinstellung für ein erstes
Hörprogramm für die aktuelle Hörsituation in ähnlicher Weise auch für ein zweites
Hörprogramm automatisch abgespeichert wird.