[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Wärmebehandeln von Stahlbändern, die aus
einem Stahl, der Si und/oder Al mit der Maßgabe, dass für den Si-Gehalt %Si und den
Al-Gehalt %Al gilt %Si + 2 x %Al ≤ 6,6 Gew.-%, bis zu 2,5 Gew.-% Mn, wahlweise ein
oder mehrere Elemente aus der Gruppe "P, Cr, Ni" mit Gehalten von jeweils bis zu 1
Gew.-%, wahlweise eines oder mehrere Elemente aus der Gruppe "C, N, S" mit Gehalten
von jeweils bis zu 0,1 Gew.-% und als Rest Eisen sowie unvermeidbaren Verunreinigungen
enthält, erzeugt sind, bei dem die Stahlbänder zunächst durchlaufgeglüht und anschließend
kontrolliert in mindestens drei Stufen abgekühlt werden. Ein solches Verfahren ist
beispielsweise aus der
EP 0 357 797 A1 bekannt.
[0002] In langen Bahnen und großen Breiten gefertigte Stahlbänder werden in einem sehr großen
Bereich als Konstruktionswerkstoffe eingesetzt. In einem Dickenbereich von ca. 0,1
bis 2 mm sind für derartige Stahlbänder gleichmäßige mechanische Eigenschaften gefragt.
Diese werden zum Teil erst nach einer Wärmebehandlung mit anschließender Umformung
erreicht. Die Wärmebehandlung schließt dabei in der Regel ein Glühen und eine gesteuerte
Abkühlung ein. Die Glühung und Abkühlung führen in der Praxis zu Unebenplanheiten
und inneren Spannungen des Bandes.
[0003] Bei solchen Herstellverfahren, bei denen nach dem Glühen eine Umformung des Bandmaterials
stattfindet, sind die im Glühprozess erzeugten Unplanheiten und inneren Materialspannungen
bis zu einem gewissen Maß tolerabel. Problematisch sind sie jedoch bei solchen Stahlwerkstoffen,
bei denen ein Glühprozess einen entscheidenden Einfluss auf die Ausprägung ihrer Eigenschaften
hat. Ein Beispiel für derartige Verwendungen von Stahlband sind so genannte "Elektrobleche",
die aufgrund ihrer besonderen elektromagnetischen Eigenschaften im Bereich der Elektrotechnik
verwendet werden.
[0004] Bei den Blechen, bei denen das Glühen einen entscheidenden Einfluss auf die Eigenschaften
hat, führt eine anschließende Umformung zu einer Verschlechterung der betreffenden
Eigenschaft. Daher scheidet bei solchen Materialen ein anschließendes Umformen zur
Verbesserung der Planheit in der Regel aus. Mit zunehmender Automatisierung, Erhöhung
der Qualitätsanforderungen und dem Einsatz neuer Stähle ergibt sich daher die Notwendigkeit,
beim Wärmebehandeln das Planheitsniveau zu verbessern sowie die Entstehung von inneren
Spannungen zu minimieren.
[0005] Von besonderer Bedeutung ist dies bei Stählen für elektrotechnische Anwendungen.
Diese Stähle sind besonders anspruchsvoll bezüglich des Planheitsniveaus, weil sie
im schlussgeglühten Zustand keiner Nachverformung mehr ausgesetzt werden dürfen, um
ihre im Zuge der Glühung eingestellten guten weichmagnetischen Eigenschaften nicht
zu verlieren. Außerdem sind niedrige Eigenspannungsniveaus bei diesen Werkstoffen
im Hinblick auf ihre magnetischen Eigenschaften besonders günstig. Daher ist bei der
Weiterentwicklung dieser Werkstoffe ein besonderes Augenmerk auf das Glühverfahren
zu richten.
[0006] Der Einsatz von elektrotechnischen Stählen liegt im Bereich der Motoren zum Antrieb
von Maschinen und Fahrzeugen ebenso wie im Bereich der Transformation von Energie
zwischen unterschiedlichen elektrischen Spannungsniveaus. Sie werden hier zur Führung
des magnetischen Flusses in Form von gestapelten Elektroblechlamellen als Eisenkern
eingesetzt. Für den Einsatzfall der Energieverteilung wurden besondere verlustarme
Sorten entwickelt. Dieses sind im Wesentlichen kornorientierte Werkstoffe, die durch
in Bandrichtung Gossorientierte Texturen ausgezeichnet sind. Sie werden in aufwändigen
Verfahren mit Silizium-Gehalten von ca. 3 Gew.-% hergestellt. Diese Werkstoffe sollen
hier nur erwähnt, jedoch nicht weiter behandelt werden.
[0007] Der Einsatzfall im Bereich der Aktuatoren, also der Motoren, ist der weitaus häufigere
Anwendungsfall und wird üblicherweise mit nichtkornorientierten Stählen abgedeckt.
Hierbei ist Silizium mit Anteilen von bis zu 3,5 Gew.-% das Hauptlegierungselement.
[0008] Die weich- und ferromagnetischen Werkstoffe sind von großer Bedeutung in der Elektrotechnik
und werden hier z.B. für die Energietransformation und im Bereich der Aktuatoren (Motoren)
eingesetzt. Hierbei sind hochpermeable Werkstoffe in ihrem amorphen, nanokristallinen
oder kristallinen Zustand zu nennen, die alle darauf abgestimmt erzeugt werden, gute
Leiteigenschaften im weichmagnetischen Kern für den magnetischen Fluss bereitzustellen.
Hierzu gilt es, die Koerzitivfeldstärke zu minimieren und die Polarisation bereits
bei geringem Feldbedarf zu maximieren. Daraus resultieren niedrige Ummagnetisierungsverluste
bei geringen Kerngrößen mit niedrigem Kupferbedarf für die Wicklungen. Einen besonderen
wirtschaftlichen Stellenwert bei den weichmagnetischen Werkstoffen nehmen dabei die
siliziumlegierten Stähle ein. Sie werden mit bis zu 3,5 Gew.-% Si in Standardblechstärken
von 0,1 bis 1,0 mm als Band gefertigt und beispielsweise als Blechstapel im Flussleitkern
von Elektromaschinen bzw. Transformatoren eingesetzt. Da die jeweils verarbeiteten
Elektrobleche den Energiebedarf der fertigen Pumpen, Lüfter, Verdichter, Drosseln
und Motoren direkt beeinflussen, sind für den jeweiligen Anwendungsfall Stahlsorten
mit speziell zugeschnittenem Magnetisierungsverhalten entwickelt worden.
[0009] Eine Gruppe dieser Stähle wird beim Stahlband-Produzenten zum Teil im Nachwalzgerüst
und / oder im Streckrichter nachverformt und im so genannten Semi-Finished-Zustand
an den Kunden ausgeliefert. Beim Kunden werden aus dem semi-finished Material Blechteile
gestanzt oder geschnitten, die anschließend geglüht werden. Erst nach dieser Glühung
stellen sich die geforderten guten weichmagnetischen Eigenschaften ein.
[0010] Die andere Gruppe dieser elektrotechnischen Stähle, die als "fully-finished" bezeichnet
wird, wird schon beim Stahlband-Produzenten vor der Auslieferung an den Kunden so
wärmebehandelt, dass es die geforderten magnetischen Eigenschaften auch nach einem
Stanzen bzw. Schneiden beim Kunden behält, ohne dass dazu eine abschließende Glühung
beim Kunden durchgeführt werden muss. Gerade bei solchem "fully-finished-Material"
erfordert die Steigerung der Effizienz der Weiterverarbeitung eine gute Planlage vor
und nach dem Stanzvorgang.
[0011] Um dies zu erreichen, werden Stahlbänder benötigt, bei denen im Auslieferungszustand
nur minimale Planlagefehler vorhanden sind. Von besonderer Bedeutung ist in diesem
Zusammenhang die Randwelligkeit des Stahlbands, da nur bei minimierter Randwelligkeit
eine optimale Materialausnutzung möglich ist. Aufgrund der zum Teil filigranen Stanzteile
mit nur Millimeter großen Strukturen müssen zusätzlich die inneren Spannungen im Blech
niedrig gehalten werden, damit diese Strukturen sich nicht verwerfen, wodurch das
Stapeln der Stanzteile behindert würde.
[0012] Bei dem aus der eingangs bereits erwähnten
EP 0 357 797 A1 bekannten Verfahren wird zur Vermeidung der Entstehung von inneren Wärmespannungen
in einem nicht kornorientierten Elektroblech in Folge des Schlussglühens die Abkühlung
des Blechs nach dem Glühen in drei Stufen durchgeführt. In der ersten, von 620 - 550
°C reichenden Stufe wird dabei eine Abkühlrate von höchstens 8 °C/s eingestellt. Die
mittlere Abkühlgeschwindigkeit in der zweiten, von < 550°C - 300 °C reichenden Abkühlstufe
soll zum einen größer als die Abkühlgeschwindigkeit der ersten Stufe, zum anderen
jedoch auch kleiner als das Vierfache der Abkühlgeschwindigkeit der ersten Stufe sein.
In der dritten, sich an die zweite Abkühlstufe anschließenden Stufe soll schließlich
eine mittlere Abkühlgeschwindigkeit von mindestens 5 °C/s eingehalten werden. Die
praktische Durchführung dieses Verfahrens hat zwar Elektrobleche ergeben, die verbesserte
magnetische Eigenschaften hatten. Das Problem der für die Weiterverarbeitung häufig
mangelhaften Planheit der in der aus der
EP 0 357 797 A1 bekannten Weise wärmebehandelten Elektrobleche bestand jedoch weiter.
[0013] Die vorliegende Erfindung hat sich daher insbesondere mit der im Zuge der Herstellung
von Fully-Finished-Elektrobändern durchgeführten Wärmebehandlung beschäftigt und die
Frage beantwortet, wie eine Glühung mit anschließender Abkühlung durchzuführen ist,
um bei niedrigen inneren Spannungen gute Planheitszustände bei Elektroblechmaterial
zu gewährleisten.
[0014] Ausgehend von einem Verfahren der eingangs angegebenen Art ist diese Aufgabe erfindungsgemäß
dadurch gelöst worden,
- dass die erste Stufe der Abkühlung von der maximalen Bandtemperatur Tmax bis zu einer um 50 °C über der Curie-Temperatur TC liegenden Temperatur TC+50°C reicht und das Stahlband während dieser ersten Stufe der Abkühlung mit einem Abkühlgradienten
CR1 von -38 °C/s bis -1 °C/s gekühlt wird,
- dass die zweite Stufe der Abkühlung von der Temperatur TC+50°C bis zu einer um 80 °C unterhalb der Curie-Temperatur TC liegenden Temperatur TC-80°c reicht und das Stahlband während der zweiten Stufe der Abkühlung mit einem Abkühlgradienten
CR2 gekühlt wird, die in einem Bereich liegt, dessen obere Grenze CR2MAX und untere Grenze CR2MIN wie folgt bestimmt werden:


und
- dass in der unterhalb der Temperatur TC-80°C beginnenden dritten Stufe der Abkühlung mit einem Abkühlgradienten CR3 von bis zu -85 °C/s beschleunigt abgekühlt wird.
[0015] Mit den "Abkühlgradienten" CR1, CR2 und CR3 sind die Temperaturabnahmen pro Zeiteinheit
[°C/s] bezeichnet, die in der jeweiligen Abkühlstufe erreicht werden (CR1, CR2, CR3
jeweils < 0 °C/s).
[0016] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass bei der konventionellen Elektroblechherstellung
inhomogene Temperaturverhältnisse über die Bandbreite beim Durchlaufglühen die primäre
Ursache für die Entstehung von Planheitsabweichungen und inneren Spannungen sind.
Diese sind nicht nur in begrenztem Maße auf Inhomogenitäten der Temperaturverteilung
im Ofenquerschnitt zurückzuführen, sondern ergeben sich wesentlich aus der Oberflächenqualität
und dem angewendeten Stichplan beim Kaltwalzen. Hier spielen beim Aufheizen auf Grund
hoher Wärmeübergangszahlen noch vorhandene partielle Oxidschichten aus dem Vorprozess
(Warmband, Kaltband) eine starke Rolle.
[0017] Beim Kühlen gewinnt die Oberflächenrauheit neben den beim Glühprozess entstehenden
Oxidschichten an Bedeutung. Die Rauheitskennzahl RPc (Rauheitsspitzenzahl) steuert
neben der Legierungszusammensetzung der Oberfläche primär bei recht konstanten mittleren
Rautiefen die Energieaufnahme der Materialoberfläche. Die dadurch hervorgerufenen
geringen Änderungen der Emissionszahl reichen aus, um eine weitere Veränderung der
Emissionszahl über die Temperaturabhängigkeit anzustoßen. Diese Effekte kumulieren
rauheitsabhängig, so dass über größere Zeiträume (ca. 30 - 60 s) bei entsprechend
steilen Kühlgradienten ohne Unterbrechungen in der Kühlung und ohne Anpassung der
Kühlkurve deutliche Temperaturdifferenzen von bis zu 70 °C über die Bandbreite (abhängig
von Ausgangstemperatur, Gradient und Zeit) auftreten.
[0018] Damit ergibt sich für die Gleichmäßigkeit der Materiallängung im Durchlaufofen eine
Abhängigkeit von der Oberflächenqualität, wobei ein Ansprechen der plastischen Dehnung
auf unterschiedliche Kühlkurven bei identischem Vormaterial mit inhomogenen Oberflächen
nachgewiesen werden konnte.
[0019] In allen Fällen liefert der Kaltwalzprozess die Rekristallisationskeime und damit
den Ausgangswert für eine gleichmäßige oder ungleichmäßige Rekristallisation. Inhomogene
Gefügezustände über die Bandbreite werden damit durch hohe Scherungen beim Kaltwalzen
aufgrund hoher Reibungen an der Oberfläche hervorgerufen. Gute homogen gebeizte Oberflächen
ohne Restoxidschichten sind damit wichtige Voraussetzungen für ein günstiges homogenes
Kaltwalzen und ein niedriges Spannungsniveau des Materials nach dem Glühen.
[0020] Bereits aus der Homogenität des Warmwalzvorganges in Form einer gleichmäßigen Temperaturverteilung
über die Bandbreite und damit ggf. eines Umformregimes in anderen kristallographischen
Phasengebieten ergibt sich eine Veränderung der Startbedingungen beim Kaltwalzen.
Auch der Oxidation nach dem Warmwalzen kommt hier gerade im Randbereich des Bandes
eine besondere Bedeutung zu.
[0021] Der Kaltwalzschritt kann diese Gefügezustände oder restzunderbehafteten Oberflächen
nicht beseitigen. Vielmehr schafft er bei stark scherenden Kaltwalzbedingungen und
hohen Walzkräften im Sinne von Versetzungsinhomogenitäten nur noch schlechtere Startbedingungen
für die rekristallisierende Durchlaufglühung. All dies kann dazu führen, dass z. B.
im Mitten- und Kantenbereich beim Durchlaufglühen Schwankungen von Korngrößenverteilungen
aber auch von Koerzitivfeldstärkewerten entstehen, die dann ein Zeichen für hohe innere
Spannungen sind.
[0022] Im Ergebnis konnte somit als maßgeblicher Einfluss für die Homogenität eines Bandes
bezüglich niedriger innerer Spannungen und guter Planheit die jeweilige Oberflächenqualität
und die Korngrößenverteilung des Kaltwalzprozess ausgemacht werden.
[0023] Aus leistungs- und anlagentechnischen Gründen ist es vielfach jedoch nur mit großem
Aufwand und hohen Kosten möglich, den Kaltwalzprozess so zu ändern, dass ein optimiertes
Flachprodukt der in Rede stehenden Art erzeugt werden kann.
[0024] Die Erfindung hat nun einen Weg gezeigt, wie die Entstehung von inneren Spannungen
und Planheitsproblemen bei der Herstellung von Stahlbändern der in Rede stehenden
Art minimiert werden können, ohne dass dazu der Kaltwalzprozess oder die anderen,
voranstehend erwähnten, dem Wärmebehandlungsschritt vorgeschalteten Prozessschritte
geändert werden müssen.
[0025] Indem die auf die Glühung folgende, noch im Auslauf des Durchlaufofens einsetzende
Abkühlung erfindungsgemäß mindestens dreistufig mit einer exakt vorgegebenen Temperaturführung
um die Curie-Temperatur herum durchgeführt wird, lassen sich überraschend solche Einflüsse
ausgleichen, die das Stahlband aus dem Glühschritt selbst und den dem Glühen vorgeschalteten
Prozessen mitbringt.
[0026] Im Zuge des erfindungsgemäßen Verfahrens wird beim Aufheizen ein Teil der Wärmeenergie
zur Auflösung der ferro-magnetischen Ordnung benötigt. In diesem Bereich kommt es
zur Temperaturkonvergenz der Bandtemperatur über die Bandbreite, so dass Volumenquerschnitte
über die Bandbreite im unkritischen Oberflächenqualitätsfall alle ihre angestrebte
Maximum-Temperatur erreichen und höchstens unterschiedliche Zeiten für die Rekristallisation
bei dieser Temperatur zur Verfügung stehen. Im kritischen Fall mit inhomogener Oberfläche
und nur kurzer oder keiner Haltezeit ist auch ein Erreichen der maximalen Bandtemperatur
nicht gewährleistet. Damit können jedoch in beiden Fällen Korngrößendifferenzen über
die Bandbreite auftreten, die vom Kühlprozess nur begrenzt homogenisiert werden können.
Die Umformung im Bereich der Aufheizstrecke auf Grund stetig steigender Temperaturen
mit erleichterter Umformfähigkeit schlägt sich in Bandeinschnürungen und maximal zu
verlängerten Kantenbereichen auf Grund kurzer oder homogener Längenverhältnisse der
Bandkante zur Bandmitte nieder. Auch Bandlaufschwierigkeiten können hierzu beitragen.
[0027] Die kritischen Bereiche für Dehnungen beim Durchlaufglühen liegen in zwei Bereichen
der Kühlung. Zum einen im Bereich der Curie-Temperatur, die durch die Anomalien der
spezifischen Wärmekapazität und das Emissionszahlverhalten zur temperaturabhängigen
Verwertung der eingestrahlten Wärmeenergie führt. Das Aufbauen der ferro-magnetischen
Kopplung der Atome beim Kühlvorgang kostet Energie, die nicht zur Temperaturabsenkung
zur Verfügung steht. Dadurch kann eine bis dahin bestehende kleine Temperaturdifferenz
in Bandbereichen quer über die Bandbreite zu einer deutlichen Vergrößerung angeregt
werden. Die beiden wesentlichen Einflussgrößen in der Temperaturübertragung, Emissionszahl
und spezifische Wärmekapazität, sind hier temperaturabhängig und tragen im ungünstigen
Fall zu einer gegenseitigen Beeinflussung und zur Schaffung deutlich unterschiedlicher
Werte über die Bandbreite bei. Durch die entstehende Temperaturdifferenz ergibt sich
bei Auswertung der auf Grund der aus der lokalen Temperaturdifferenz über die Bandbreite
entstehenden unterschiedlichen Ausdehnungen, die ebenfalls temperaturabhängig sind,
und der Bandzüge, die sich in "kälteren", kürzeren Bandbereichen hinzuaddieren, eine
Umformung des Materials.
[0028] Ansonsten ist von einem homogenen Längungsbild des Materials auszugehen. Beim Kühlen
hingegen reduziert sich die Umformfähigkeit des Materials mit fallender Temperatur.
Hierbei kann es im Bereich der Curie-Temperatur wegen recht hoher m-Werte (m = d(ln
σ
F) / d(ln &) ; & =Umformgeschwindigkeit; σ
F = Fließspannung (temperaturabhängig)) zu lokalen Umformeffekten kommen, wenn diese
Umformgeschwindigkeiten sich von 0,1 s
-1 auf 1,0 s
-1 ändern (Scherungseffekte). Das hat Umformungen im jeweiligen Kristall (Korn) zur
Folge und damit Spannungseinbringungen in das Gefüge, die nicht nur im Korngrenzenbereich
stattfinden (Gitterbaufehler). Zwischen 550 °C und 700° C sind bei niedrigen Umformgeschwindigkeiten
(< 0,01 s
-1) Ausheileffekte nur begrenzt möglich.
[0029] Für eine 1,3 Gew.-% Si und 0,15 Gew.-% Al enthaltende Elektroblechlegierung konnten
die im Zuge der erfindungsgemäßen Wärmebehandlung entstehenden Spannungen anhand magnetischer
Messungen, insbesondere der Koerzitivfeldstärke, nachgewiesen werden. Eine Anpassung
der Glühkurve in diesem Temperaturbereich der Kühlung in Form einer um 730 - 750 °C
(740 °C beträgt die Curie-Temperatur dieser Legierung) liegenden Temperaturhaltestufe
ergab eine deutliche Verbesserung bei den magnetischen Eigenschaften gegenüber der
Fahrweise ohne den erfindungsgemäßen Kühlstopp. Dies gilt insbesondere, wenn inhomogene
Rauheitsprofile über die Bandbreite gemessen wurden. Hierbei verhalten sich die Rauheitsprofile
des kaltgewalzten Materials bezüglich mittlerer Rautiefe und Rauheitsspitzenzahl nahezu
identisch, so dass nach dem nichtoxidierenden Glühvorgang die Tafelproben nach der
Glühung zum Vergleich herangezogen werden konnten.
[0030] Entsprechende deutliche Verbesserungen der magnetischen Eigenschaften werden erzielt,
wenn für eine 3,0 Gew.-% Si und 0,4 Gew.-% Al enthaltende Elektroblechlegierung, deren
Curie-Temperatur bei 746 °C liegt, die Glühkurve in Form einer um 730 °C - 765 °C
liegenden Temperaturhaltekurve angepasst wird.
[0031] Bei einer Elektroblechlegierung mit 0,15 Gew.-% Si und 0,1 Gew.-% Al sowie einer
Curie-Temperatur von 767 °C können entsprechende Verbesserungen der magnetischen Eigenschaften
mit einer um 750 - 775 °C liegenden Temperaturhaltestufe in der Glühkurve erzielt
werden.
[0032] Nach dem Verlassen des kritischen Bereichs der zweiten Stufe der Abkühlung kann während
der dritten Stufe die Abkühlung beschleunigt erfolgen. Dabei lässt sich zum jeweiligen
Zeitpunkt der dritten Stufe der Abkühlung der dann jeweils optimale Abkühlgradient
CR
3 mit einer Toleranz von ± 20 °C wie folgt bestimmen:

mit t
schnell [sec]: Jeweiliger Zeitpunkt der Abkühlung, für den der einzustellende Abkühlgradient
CR
3 bestimmt werden soll; CR3 ≤ 0 °C/s.
Typischerweise beträgt dabei die die Dauer der dritten Stufe der Abkühlung 14 - 30
Sekunden.
[0033] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet,
dass die Abkühlung ab einem 5 - 10 Sekunden vor Erreichen der Curie-Temperatur T
C liegenden Zeitpunkt und bis zu einem 5 - 10 Sekunden nach dem Erreichen der Curie-Temperatur
T
C liegenden Zeitpunkt mit einem Abkühlgradienten CR
2 nahe dem minimalen Abkühlgradienten CR
2MIN eingestellt wird. Auf diese Weise wird der Aufbau von thermischen Spannungen im Material
sicher verhindert, zu dem es andernfalls aufgrund der im kritischen Temperaturbereich
von T
C nicht linearen spezifischen Wärmekapazität des jeweils verarbeiteten Blechmaterials
kommen kann. Der im Bereich der Curie-Temperatur stattfindende Aufbau der ferromagnetischen
Ordnung benötigt Energie, die dann nicht zur Veränderung der Temperatur zur Verfügung
steht. Indem erfindungsgemäß der Abkühlgradient in diesem Temperaturbereich reduziert
wird, wird so das Potenzial für die Entstehung von inneren Spannungen minimiert.
[0034] Ebenso trägt es zur weiteren Optimierung der Eigenschaften des erfindungsgemäß verarbeiteten
Stahlbandes bei, wenn die Abkühlung ab einem 5 - 15 Sekunden vor Erreichen der Temperatur
T
C-80°C liegenden Zeitpunkt mit einem Abkühlgradienten CR
2 durchgeführt wird, der nahe dem minimalen Abkühlgradienten CR
2MIN eingestellt wird. Durch diese Maßnahme werden hinsichtlich der Temperaturhomogenität
optimale Startbedingungen über die Bandbreite für die anschließend absolvierte dritte
Stufe der Abkühlung geschaffen. Im Ergebnis führt diese Maßnahme so zu einer optimalen
Planheit des erfindungsgemäß wärmebehandelten Warmbands.
[0035] Eine Oxidation des Stahlbands während des Glühens kann auch bei erfindungsgemäßer
Vorgehensweise dadurch vermieden werden, dass das Durchlaufglühen unter einer Schutzgas-Atmosphäre
durchgeführt wird. Diese Schutzgas-Atmosphäre kann in ebenfalls an sich bekannter
Weise entkohlend wirken, um minimierte C-Gehalte im fertigen Stahlband zu erreichen.
[0036] Gemäß einer ersten Variante des Glühschrittes wird das Stahlband beim Durchlaufglühen
in einer einzigen Aufheizstufe auf die Glühtemperatur erwärmt. Dabei kann zum Erwärmen
des Stahlbands eine Schnellheizeinrichtung eingesetzt werden, die das Stahlband im
Bereich von 20 - 450 °C in einer offen beheizten Verbrennungsgasatmosphäre mit einer
Heizrate von mehr als 100 °C/s erwärmt. Durch die schnelle Aufheizung wird eine Oberflächenoxidation
bewirkt, die die Energieaufnahme während des gesamten Glühprozesses vergleichmäßigt
und so die Temperaturunterschiede über die Bandbreite minimiert.
[0037] Gemäß einer alternativen Variante des Glühschrittes wird das Erwärmen des Stahlbands
auf die Glühtemperatur in mindestens zwei Stufen durchgeführt. Hierdurch wird eine
gleichmäßige Erwärmung des Stahlbands auf maximale Temperatur sichergestellt.
[0038] Es hat sich im Hinblick auf eine Optimierung der Eigenschaften des erhaltenen Stahlbands
als besonders günstig erwiesen, wenn Temperaturhaltestufen um T
c und vor T
c-80°C durch Absenkung der Ofenraumtemperatur für 3 bis 10 s vor der jeweiligen Temperaturhaltestufe
um 30 - 200 °C unter die Ofenraumtemperatur der nachfolgenden Ofenraumtemperaturen
eingestellt werden. Auf diese Weise werden höhere Energieübergänge erzeugt, welche
die Möglichkeiten der sich anschließenden erfindungsgemäßen Reduzierung der Abkühlgradienten
im Material erweitern.
[0039] Die erfindungsgemäße Verfahrensweise eignet sich speziell für solche Stahlbänder,
die aus Stählen mit Si-Gehalten %Si und Al-Gehalten %A1, für die gilt %Si + 2 x %A1
≤ 6,6 Gew.%, hergestellt sind und deren mittlere spezifische Wärmekapazität C
P bei T
c eine nichtlineare Überhöhung zeigt.
[0040] Das erfindungsgemäße Verfahren besitzt eine höhere Toleranzbreite gegenüber über
der Bandbreite auf Ober- und Unterseite schwankenden Oberflächenrauheiten. So lassen
sich mit der erfindungsgemäßen Vorgehensweise auch noch bei solchen Stahlbändern geringe
innere Spannungen und eine gute Planheit gewährleisten, bei denen über die Breite
des Bands die Rauheitsspitzenzahlen (RPc) von 100 bis 300 und R
z-Werte von 2 bis 7 µm schwanken.
[0041] Auch zeigt sich, dass bei erfindungsgemäßer Vorgehensweise auch bei restspannungsbehafteten
inhomogenen Gefügen nach dem Glühprozess niedrige magnetische Streuungen (Standardabweichung)
unter 1,2 % für die Koerzitivfeldstärkenänderung durch eine anschließende Spannungsfreiglühung
bei 650 °C gewährleistet werden können.
[0042] Auch bei restspannungsbehafteten homogenen Ausgangsgefügen nach dem Glühprozess ermöglicht
die Erfindung niedrige magnetische Streuungen (Standardabweichung) unter 1,0 % für
die Koerzitivfeldstärkenänderung durch eine anschließende Spannungsfreiglühung bei
650 °C gegenüber einer Glühung ohne Haltestufen. Zudem zeigt sich eine Verbesserung
bei den Mittelwerten in der Koerzitivfeldstärkeänderung durch die Spannungsfreiglühung
von < 5 % auf < 2,5 %.
[0043] Ebenso konnte nachgewiesen werden, dass bei erfindungsgemäßer Vorgehensweise 5 -
10 % niedrigere Ummagnetisierungsverluste P
1,5 bei (1,5 T Polarisation) für das geglühte Material gegenüber einer konventionell
durchgeführten linearen Standardkühlung (ohne erfindungsgemäßen Kühlstopp) erzielt
werden können. Auch lassen sich bis zu 1 % höhere Polarisationswerte bei 2500 und
5000 A/m für das erfindungsgemäß wärmebehandelte Material erreichen.
[0044] Des Weiteren ergab die Erfindung gegenüber konventionell verarbeitetem Stahlband
höhere Permeabilitätswerte bei 1,0 und 1,5 T Polarisation.
[0045] Besonders vorteilhafte Permeabilitätswerte bei 1,0 und 1,5 T Polarisation mit einer
Verbesserung um bis zu 20 % lassen sich bei erfindungsgemäßer Verarbeitung für Elektroblechlegierungen
erzielen, für deren Si-Gehalt %Si und Al-Gehalt %Al gilt 0,9 Gew.-% ≤ %Si + 2 x %Al
≤ 1,8 Gew.-%.
[0046] Erfindungsgemäß wärmebehandeltes Stahlband weist darüber hinaus regelmäßig bis zu
40 % niedrigere Koerzitivfeldstärkewerte bei 2500 und 5000 A/m für das geglühte Material
gegenüber der linear erfolgenden Standardkühlung (ohne erfindungsgemäßen Kühlstopp)
auf.
[0047] Ebenso konnte nachgewiesen werden, dass sich bei erfindungsgemäßer Verarbeitungsweise
allenfalls symmetrische Einschnürungen und damit verbundene Längungen in Glührichtung
(Bandlängsrichtung) über die Bandbreite bei verminderter Randwelligkeiten für das
geglühte Material einstellen.
[0048] Schließlich weist erfindungsgemäß nach dem Glühen abgekühltes Material gegenüber
Material, das konventionell linear gekühlt worden ist, eine größere Toleranz bezüglich
des Einflusses von Kohlenstoffrestgehalten auf die magnetische Alterung auf. So ergab
sich bei einer vierjährigen Auslagerung bei Raumtemperatur bei erfindungsgemäß erzeugtem
Material ein nur max. 5 % höherer Ummagnetisierungsverlust gegenüber einer bei konventionellem
Kühlverfahren eintretenden Ummagnetisierungsverlusterhöhung von 10 - 20 %. Dies gilt
insbesondere dann, wenn der Kohlenstoffgehalt auf weniger als 30 ppm begrenzt wird,
wobei sich herausgestellt hat, dass bei Elektroblechen, für deren S-Gehalt %Si und
Al-Gehalt %Al gilt %Si + 2 x %Al ≥ 1,8 Gew.-%, die erfindungsgemäße Verbesserung sich
auch bei Kohlenstoffgehalten von bis zu 50 ppm einstellt.
[0049] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispiele darstellenden Zeichnungen
näher erläutert. Es zeigen jeweils schematisch:
- Fig. 1
- eine Anlage zur Wärmebehandlung von kaltgewalztem Stahlband;
- Fig. 2
- einen in der Anlage gemäß Fig. 1 eingesetzten Durchlaufofen.
[0050] Die konventionell aufgebaute Anlage A zur Wärmebehandlung eines kaltgewalzten Stahlbands
S umfasst in Bandlaufrichtung B aufeinander folgend eine Abhaspeleinrichtung C, einen
Einlaufspeicher D, einen Durchlaufofen E, eine an den Durchlaufofen E angeschlossene
Kühleinrichtung F, einen Auslaufspeicher G und eine Aufhaspeleinrichtung H.
[0051] Der Durchlaufofen E ist in 26 in Bandlaufrichtung B aufeinander folgend durchlaufene,
jeweils unmittelbar ineinander übergehende Ofenzonen 1 bis 26 untergliedert, von denen
die Ofenzone 1 dem Ofeneinlauf E
ein und die Ofenzone 26 dem Ofenauslauf E
aus zugeordnet ist. Die Ofenzonen 1 bis 12 bilden dabei einen Strahlrohr-Aufheizabschnitt
E
A, während die Ofenzonen 13 - 26 gemeinsam einen Strahlungskühlungsabschnitt E
K bilden. Jede einzelne Ofenzone 1 - 26 ist hinsichtlich der in ihr herrschenden Temperaturen
T
o regelbar.
[0052] Die unmittelbar an den Ausgang des Durchlaufofens E angeschlossene Kühleinrichtung
F ist in an sich ebenfalls bekannter Weise als Schutzgas-Jet-Schnellkühleinrichtung
ausgebildet. Zum Nachweis der Wirkung der Erfindung sind in der Anlage A 0,5 mm dicke
und 1265 mm breite kaltgewalzte Elektroblech-Stahlbänder wärmebehandelt worden, die
aus einer Stahllegierung erzeugt worden sind, die bei einem ersten Beispiel (Beispiel
1) 1,3 Gew.-% Si und 0,15 Gew.-% Al, bei einem zweiten Beispiel (Beispiel 2) 3,0 Gew.-%
Si und 0,4 Gew.-% Al sowie bei einem dritten Beispiel (Beispiel 3) 0,15 Gew.-% Si
und 0,1 Gew.-% Al enthielt, wobei jede der Stahllegierungen des Weiteren in Summe
bis zu 1 Gew.-% Gehalte an Mn, P, Cr, Ni und in Summe bis zu 0,1 Gew.-% Gehalte an
C, N, S, Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen aufwies. Die entsprechend zusammengesetzten
Bänder sind in konventioneller Weise zunächst zu Warmbändern warmgewalzt worden und
anschließend in ebenso konventioneller Weise auf Enddicke kaltgewalzt worden sind.
Die als Coils I angelieferten, kaltgewalzten Elektroblechstahl-Stahlbänder S sind
in der Abhaspeleinrichtung C abgewickelt und über den Bandspeicher D in den Durchlaufofen
E geleitet worden. Dort sind sie zunächst in den ersten 12 Ofenzonen 1 - 12 aufgeheizt
worden, bis sie beim Verlassen der Ofenzone 12 über ihren Bandquerschnitt eine gleichmäßige
Temperatur von mindestens 800 °C aufwiesen.
[0053] Die Steuerung der jeweiligen Ofentemperatur T
o in den Ofenzonen 1 bis 12 erfolgte dabei so, dass die Temperatur beim Eintritt des
Stahlbands S in die Ofenzone 13 oberhalb der kritischen Curie-Temperatur T
C lag, die beim Beispiel 1 740 °C, beim Beispiel 2 746 °C und beim Beispiel 3 767 °C
betrug.
[0054] In der Ofenzone 14 ist eine deutlich niedrigere Ofentemperatur T
o eingestellt worden als in den benachbarten Ofenzonen 13 und 15, um eine möglichst
geringe Temperaturveränderung des Bandes beim Durchlauf durch diese Ofenzone 14 sicherzustellen.
Die Folge davon war, dass die Bandtemperatur T
B bis etwa zur Ofenzone 19 im Wesentlichen konstant gehalten worden ist. Ab der Ofenzone
20 ist dann die dortige Ofentemperatur T
o bis zur Ofenzone 22 wieder deutlich abgesenkt worden, so dass etwa in der Ofenzone
22 auch die Bandtemperatur T
B auf eine um mehr als 80 °C unterhalb der Curie-Temperatur liegende Temperatur abgekühlt
worden ist. Die Ofentemperatur T
o in den Ofenzonen 23 bis 26 lag gegenüber der Ofentemperatur T
o im Bereich der Ofenzone 22 auf einem deutlich höheren Niveau, so dass über die Ofenzonen
23 - 26 die Bandtemperatur T
B nur geringfügig abnahm. Nach Austritt aus dem Durchlaufofen E und Eintritt in die
Kühleinrichtung F ist das Band dann durch Beaufschlagung mit einem Gasstrom beschleunigt
gekühlt worden.
[0055] In Diag. 2 ist für ein erfindungsgemäß wärmebehandeltes Stahlband S
E die jeweilige Bandtemperatur T
B über die Ofenzonen 1 bis 26 aufgetragen. Die sich auf das erfindungsgemäß wärmebehandelte
Stahlband S
E beziehenden Einträge sind durch ungefüllte Quadrate gekennzeichnet. Zusätzlich ist
in Diag. 2 für ein auf konventionelle Weise linear abgekühltes Stahlband S
K die jeweilige Bandtemperatur T
B über die Ofenzonen 1 bis 26 aufgetragen. Die für das konventionell erwärmte und abgekühlte
Stahlband S
K ermittelten Temperaturwerte sind durch Kreise gekennzeichnet. Die bei erfindungsgemäßer
und konventioneller Wärmebehandlung eingestellten Temperaturgradienten CR
1, CR
2, CR
3 sind in der nachfolgenden Tabelle angegeben.
| Gradient |
Erfindungsgemäß |
Konventionell |
| CR1 |
-2 °C/s |
- 4,8 °C/s |
| CR2 |
Von TC-80 bis TC-66:-0,9 °C/s Von TC-80 bis TC+10:-1,1 °C/s |
- 4,8 °C/s |
| CR3 |
-9,14 °C/s |
12,21 °C/s |
In Diag. 1 sind für das erfindungsgemäß wärmebehandelte und das konventionell verarbeitete
Stahlband S
E die jeweiligen Ofentemperaturen T
O über die jeweils zugeordnete Ofenzone 1 - 26 aufgetragen. Die für das erfindungsgemäß
verarbeitete Stahlband S
E ermittelten Temperaturen T
O sind dabei durch ungefüllte Quadrate und die für das konventionell wärmebehandelte
Stahlband S
K eingestellten Temperaturen T
o durch Kreise angezeigt.
[0056] Die Eigenschaften der erfindungsgemäß und konventionell wärmebehandelten Stahlbänder
sind in der nachfolgenden Tabelle gegenüber gestellt:
| |
Erfindungsgemäß Wärmebehandelt |
Konventionell wärmebehandelt |
| |
| Beispiel |
1 |
2 |
3 |
1 |
2 |
3 |
| Randwelligkeit [%] |
< 1 |
< 1 |
< 1 |
< 1,5 |
< 1,5 |
< 1,5 |
| P1,5 [W/kg] |
4,8 |
4,2 |
7,3 |
5,2 |
4,8 |
7,8 |
| J2500 [T] |
1,68 |
1,623 |
1,646 |
1,67 |
1,606 |
1,630 |
| µ1,0 |
5800 |
6000 |
3850 |
4800 |
3700 |
3400 |
| µ1,5 |
3200 |
2000 |
1800 |
2800 |
1400 |
1600 |
Es zeigt sich eine deutliche Überlegenheit der Planheit (Randwelligkeit) und der magnetischen
Eigenschaften des erfindungsgemäß wärmebehandelten Stahlbands S
E.
1. Verfahren zum Wärmebehandeln von Stahlbändern, die aus einem Stahl, der Si und/oder
Al mit der Maßgabe, dass für den Si-Gehalt %Si und den Al-Gehalt %Al gilt %Si + 2
x %Al ≤ 6,6 Gew.-%, bis zu 2,5 Gew.-% Mn, wahlweise ein oder mehrere Elemente aus
der Gruppe "P, Cr, Ni" mit Gehalten von jeweils bis zu 1 Gew.-%, wahlweise eines oder
mehrere Elemente aus der Gruppe "C, N, S" mit Gehalten von jeweils bis zu 0,1 Gew.-%
und als Rest Eisen sowie unvermeidbaren Verunreinigungen enthält, erzeugt sind, bei
dem die Stahlbänder zunächst durchlaufgeglüht und anschließend in mindestens drei
Stufen kontrolliert abgekühlt werden,
dadurch gekennzeichnet,
- d a s s die erste Stufe der Abkühlung von der maximalen Bandtemperatur Tmax bis zu einer um 50 °C über der Curie-Temperatur TC liegenden Temperatur TC+50°C reicht und das Stahlband während dieser ersten Stufe der Abkühlung mit einem Abkühlgradienten
CR1 von -38 °C/s bis -1 °C/s gekühlt wird,
- d a s s die zweite Stufe der Abkühlung von der Temperatur TC+50°C bis zu einer um 80 °C unterhalb der Curie-Temperatur TC liegenden Temperatur TC-80°C reicht und das Stahlband während der zweiten Stufe der Abkühlung mit einem Abkühlgradienten
CR2 gekühlt wird, die in einem Bereich liegt, dessen obere Grenze CR2MAX und untere Grenze CR2MIN wie folgt bestimmt werden:


- und d a s s in der unterhalb der Temperatur TC-80°C beginnenden dritten Stufe der Abkühlung mit einem Abkühlgradienten CR3 von bis zu -85 °C/s beschleunigt abgekühlt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass der während der dritten Stufe der Abkühlung zum jeweiligen Zeitpunkt t
schnell eingestellte Abkühlgradient CR
3 mit einer Toleranz von ± 20 °C wie folgt bestimmt wird:

mit t
schnell [sec] : Jeweiliger Zeitpunkt der Abkühlung, für den der einzustellende Abkühlgradient
CR
3 bestimmt werden soll; CR
3 ≤ 0 °C/s.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Dauer der dritten Stufe der Abkühlung 14 - 30 Sekunden beträgt.
4. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Abkühlung ab einem 5 - 10 Sekunden vor Erreichen der Curie-Temperatur TC liegenden Zeitpunkt und bis zu einem 5 - 10 Sekunden nach dem Erreichen der Curie-Temperatur
TC liegenden Zeitpunkt mit einem Abkühlgradienten CR2 nahe dem minimalen Abkühlgradienten CR2MIN eingestellt wird.
5. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Abkühlung ab einem 5 - 15 Sekunden vor Erreichen der Temperatur TC-80°C liegenden Zeitpunkt mit einem Abkühlgradienten CR2 durchgeführt wird, der nahe dem minimalen Abkühlgradienten CR2MIN eingestellt wird.
6. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Durchlaufglühen unter einer Schutzgas-Atmosphäre durchgeführt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Schutzgas-Atmosphäre entkohlend wirkt.
8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlband beim Durchlaufglühen in einer Aufheizstufe auf die Glühtemperatur erwärmt
wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass zum Erwärmen des Stahlbands eine Schnellheizeinrichtung eingesetzt wird, die das
Stahlband im Bereich von 20 - 450 °C in einer offen beheizten Verbrennungsgasatmosphäre
mit einer Heizrate von mehr als 100 °C/s erwärmt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Erwärmen des Stahlbands auf die Glühtemperatur in mindestens zwei Stufen durchgeführt
wird.
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass Temperaturhaltestufen um Tc und vor Tc -80°C durch Absenkung der Ofenraumtemperatur für 3 bis 10 s vor der jeweiligen Temperaturhaltestufe
um 30 - 200 °C unter die Ofenraumtemperatur der nachfolgenden Ofenraumtemperaturen
eingestellt werden.
12. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass für den Si-Gehalt %Si und den Al-Gehalt %Al gilt 0,9 Gew.-% ≤ %Si + 2 x %Al ≤ 1,8
Gew.-%.