TECHNISCHES GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Holzfaserplatte für den Dach- und Wandbau mit
den Merkmalen des Oberbegriffs des unabhängigen Patentanspruchs 1 sowie auf ein Verfahren
zur Herstellung einer solchen Holzfaserplatte mit den Merkmalen des Oberbegriffs des
unabhängigen Patentanspruchs 4.
STAND DER TECHNIK
[0002] Eine Holzfaserplatte mit den Merkmalen des Oberbegriffs des unabhängigen Patentanspruchs
1 ist z. B. aus der
WO 94/23914 bekannt. Dort wird auch ein Verfahren zu ihrer Herstellung mit den Merkmalen des
Oberbegriffs des unabhängigen Patentanspruchs 4 beschrieben. Die bekannte Holzfaserplatte
wird von der Anmelderin als diffusionsoffene Wand- und Deckenplatte angeboten. Beim
Dachbau kann die Holzfaserplatte als zweite Wasser führende Schicht direkt auf die
Sparren aufgebracht werden. Bei einem Neubau wird anschließend das Dach gedeckt, und
die Fenster und Türen werden eingebaut. Danach werden der Estrich und der Innenputz
in den Neubau eingebracht. Damit kommen neben den ohnehin schon im Mauerwerk vorhandenen
Wassermengen weitere größere Feuchtemengen in den Neubau. Im nächsten Schritt wird
üblicherweise die Heizung in Betrieb genommen, um den Neubau auszutrocknen. Dadurch
werden über einen längeren Zeitraum erhebliche Wassermengen verdunstet, die in dem
Neubau nach oben unter das Dach aufsteigen. In der warmen Jahreszeit stellt dies kein
Problem dar, weil das Dach selbst durch Sonneneinstrahlung erwärmt wird. In der kalten
Jahreszeit jedoch ist das Dach - auch wegen der meist noch fehlenden Dämmung - kalt.
[0003] Hierdurch kommt es zu einer Kondensation von Feuchtigkeit an den Holzfaserplatten
und den Sparren. In der Folge kann es innerhalb weniger Wochen zu Schimmelbildung
kommen. Sobald die Innendämmung des Dachs angebracht ist, tritt dieses Problem nicht
mehr auf. Bekannt ist das Problem der Schimmelbildung an Holzfaserplatten aber auch
bei mangelhaft abgedichteten Dächern und unbelüfteten Kaltböden. Es kann ebenso bei
Wänden und auch bei hinterlüfteten Fassaden auftreten bei denen Holzfaserplatten ebenfall
eingesetzt werden.
[0004] Zur Vermeidung von Schimmelbildung bei Holzwerkstoffplatten, zu denen Holzfaserplatten
zählen, ist grundsätzlich der Einsatz verschiedener Substanzen mit fungizider Wirkung
bekannt. Viele dieser Substanzen verbieten sich jedoch für die Verwendung bei Holzfaserplatten
für den Dachbau, weil diese dem Innenbereich eines Hauses, d. h. dem Wohnraum, zuzurechnen
sind, und Fungizide die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen können. Zudem ist
die von der Anmelderin vertriebene diffusionsoffene Wand- und Deckenplatte als umweltfreundlich
zertifiziert, und diese Zertifizierung steht dem Einsatz herkömmlicher Fungizide entgegen.
[0005] Borate werden als Flammschutzmittel für Lignocellulose haltige Baumaterialien, wie
beispielsweise Isolierschüttungen verwendet und gelten aus Umweltgesichtspunkten als
weitgehend unbedenklich. Die Konzentration, in der Borate als Flammschutzmittel eingesetzt
werden, liegen bei typischerweise 8 % atro Fasern. Von Boraten ist es auch bekannt,
dass sie eine fungizide Wirkung haben, die ab einer Konzentration von etwa 1 % atro
Fasern für einen wirksamen Schimmelschutz ausreichend ist. Da der Bindemittelanteil
atro Fasern bei Holzfaserplatten, die Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind,
typischerweise in derselben Größenordnung liegt, wie sie für einen Schimmelschutz
durch Borate erforderlich ist, und sogar kleiner ist als die Menge, in der Borate
als Flammschutz eingesetzt werden, muss ein Verfahren zur Herstellung einer Holzfaserplatte
mit einem derartigen Schimmel- oder Flammschutz auf das Vorliegen relativ großer Boratmengen
speziell abgestimmt werden. Hiermit sind neben den Kosten für die Borate weitere zusätzliche
Kosten verbunden.
AUFGABE DER ERFINDUNG
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Holzfaserplatte für den Dach- und
Wandbau und ein Verfahren zu ihrer Herstellung aufzuzeigen, durch die ein ausreichender
Schimmelschutz mit minimalem Aufwand, d. h. insbesondere mit minimalem Eintrag von
Fremdstoffen in die Holzfaserplatte und minimaler Erhöhung der Kosten für die Herstellung
der Holzfaserplatte erreicht wird.
LÖSUNG
[0007] Die Lösung dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Holzfaserplatte mit den
Merkmalen des unabhängigen Patentanspruchs 1 und durch ein Verfahren zur Herstellung
einer solchen Holzfaserplatte mit den Merkmalen des unabhängigen Patentanspruchs 4
gelöst. In den abhängigen Patentansprüchen sind bevorzugte Ausführungsformen der neuen
Holzfaserplatte und des neuen Verfahrens beschrieben.
BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
[0008] Die neue Holzfaserplatte weist Borate in einer Flächenkonzentration von nicht weniger
als einem Gramm und von nicht mehr als 25 Gramm pro Quadratmeter auf. Diese Borate
sind im Bereich der beim Verbau nach innen, d.h. der beim Dachbau nach unten auszurichtenden
Hauptseite der Holzfaserplatte konzentriert. Aus diesem Grund ist die Menge der Borate
bei der neuen Holzfaserplatte auch als Flächenkonzentration und nicht als Volumenkonzentration
definiert. Bei einer Plattendicke der Holzfaserplatte von 16 mm und einer Rohdichte
der Holzfaserplatte von 565 kg/m
3 entspricht die bei der neuen Holzfaserplatte vorhandene Menge an Boraten weniger
als 0,3 % atro Fasern. Dieser Wert wäre für einen wirksamen Schimmelschutz im Volumen
der Holzfaserplatte völlig unzureichend. Da die Borate bei der neuen Holzfaserplatte
jedoch an einer ihrer Hauptseiten, und zwar der Hauptseite, an der der Schimmelbildung
vorgebeugt werden soll, konzentriert sind, reicht die Boratkonzentration dennoch aus,
um einen guten Schimmelschutz herbeizuführen. Aufgrund der vergleichsweise geringen
Gesamtmenge der Borate sind die Kosten für die neue Holzfaserplatte gegenüber einer
Holzfaserplatte ohne Schimmelschutz nur leicht erhöht. Es ist auch nicht notwendig,
das Verfahren zu ihrer Herstellung wesentlich zu verändern. Letztlich ist der Eintrag
an Fremdstoffen in die Holzfaserplatte so gering, dass diese ihre Unbedenklichkeit
aus Umweltgesichtspunkten nicht verliert, zumal Borate in dieser Beziehung als grundsätzlich
wenig kritisch anzusehen sind.
[0009] Besonders bevorzugt ist es bei der neuen Holzfaserplatte, wenn sich die Borate nicht
nur auf der nach innen auszurichtenden Hauptseite der Holzfaserplatte befinden, sondern
sowohl an als auch hinter der Oberfläche der Holzfaserplatte an dieser Hauptseite
vorliegen. So wird ein Abrieb der Borate bei ihrem Handling, einschließlich des Stapelns
von Holzfaserplatten, und auch ein rasches Abwaschen der Borate unter Einwirkung von
Feuchtigkeit verhindert. Grundsätzlich ist die Gefahr, dass die Borate beispielsweise
durch an der Innenseite der Holzfaserplatten kondensierendes Wasser ab- und ausgewaschen
werden, so dass sie unwirksam werden, relativ gering, weil die Wasserlöslichkeit von
Boraten stark temperaturabhängig ist und bereits bei einer erniedrigten Temperatur
von 10 °C nur noch bei etwa 100 g/l liegt. Auch Witterungseinflüsse auf der Baustelle
sind daher nicht mit der sofortigen Gefahr verbunden, dass die Borate aus ihrem Bereich
an der beim Verbau nach innen ausgerichteten Hauptseite der Holzfaserplatten verloren
gehen.
[0010] Um dem Verwender einen eindeutigen Hinweis darauf zu geben, welche der beiden Hauptseiten
der Holzfaserplatte beim Verbau nach innen auszurichten ist, kann die entsprechende
Hauptseite mit einer Markierung versehen sein. Der einseitige Zusatz der Borate im
Bereich zu einer Hauptseite der Holzfaserplatten ist normalerweise nicht sichtbar.
Er kann jedoch durch Farbstoffe, die z. B. den Boraten direkt zugeschlagen werden,
sichtbar gemacht werden. Es ist auch möglich, die Hauptseiten mit aufgedruckten Hinweisen
auf ihre vorzunehmende Ausrichtung zu versehen. Im einfachsten Fall werden die neuen
Holzfaserplatten so auf Paletten gestapelt, wie es ihrer später vorzunehmenden Ausrichtung
entspricht, d. h. z.B. mit ihren beim Dachbau nach unten auszurichtenden Hauptseiten
nach unten. Wenn diese Orientierung der Holzfaserplatten beibehalten wird, ist keine
Markierung an den Holzfaserplatten selbst notwendig.
[0011] Bei dem neuen Verfahren zur Herstellung der Holzfaserplatte werden die Borate in
einer Flächenkonzentration von nicht weniger als 1 Gramm und nicht mehr als 25 Gramm
pro Quadratmeter auf eine Hauptseite des Faserkuchens, der zu der Holzfaserplatte
verpresst wird, oder der Holzfaserplatte selbst aufgebracht, wobei diese Hauptseite
die beim Verbau nach innen auszurichtende Hauptseite der Holzfaserplatte ausbildet.
Die Borate können also schon vor dem Heißverpressen auf den Faserkuchen oder erst
nach dem Heißverpressen auf die schon im Wesentlichen fertige Holzfaserplatte aufgebracht
werden. Bevorzugt ist jedoch das Aufbringen auf den Faserkuchen, weil hierdurch eine
stärkere Einbindung in das an die später innere Hauptseite angrenzende Volumen der
Holzfaserplatte erfolgt.
[0012] Die Borate können beispielsweise durch Berieseln des Faserkuchens mit trockenen Boraten
oder durch Aufwalzen oder Aufsprühen der Borate auf den Faserkuchen oder die Holzfaserplatte
aufgebracht werden. Günstig ist es, wenn die Borate beim Aufbringen in Form einer
Lösung, insbesondere einer Lösung in Wasser, vorliegen. Das verdampfende Wasser lässt
die Borate zurück und führt zu keiner Fremdstoffbelastung der Holzfaserplatte.
[0013] In der derzeit am meisten bevorzugten Ausführungsform des neuen Verfahren werden
die Borate in Form einer Lösung in Wasser von oben auf den Faserkuchen aufgesprüht,
wobei das mit den Boraten aufgebrachte Wasser beim einschließenden Heißverpressen
der Faserplatten verdampft wird. Die zurückbleibenden Borate sind dann so in das Volumen
der Holzfaserplatte nahe ihrer unteren Hauptseite eingebunden, das ein ungewolltes
Auswaschen durch Kondensationswasser oder das Handling der Holzfaserplatten oder direkte
Witterungseinflüsse auf die Holzfaserplatten auf einer Baustelle zuverlässig verhindert
wird.
[0014] Wenn die Borate von oben auf den Faserkuchen vor dem Heißverpressen aufgebracht werden,
ist es bevorzugt, dass die Holzfaserplatte nach dem Heißverpressen gewendet und mit
ihrer die Borate aufweisenden Hauptseite nach unten weiter bearbeitet, d. h. beispielsweise
verpackt und transportiert, wird. Insbesondere ist es bevorzugt, wenn die Holzfaserplatte
mit anderen identischen Holzfaserplatten zu einem Stapel gestapelt wird, in dem die
beim Dachbau nach unten auszurichtende Hauptseite der Holzfaserplatten jeweils unten
liegt. Allein dadurch sind die Borate vor Witterungseinflüssen, beispielsweise Regen
auf den Stapel, geschützt. Zudem wir ein Hinweis darauf gegeben, in welcher Orientierung
die Holzfaserplatten zu verbauen sind.
[0015] Ein anderer oder zusätzlicher Hinweis auf die sinnvolle Orientierung der neuen Holzfaserplatten
beim Verbau kann im Rahmen ihrer Herstellung dadurch gegeben werden, dass zusammen
mit den Boraten ein Farbstoff auf die eine Hauptseite des Faserkuchens oder der Holzfaserplatte
aufgebracht wird, die die beim Verbau nach innen auszurichtende Hauptseite der Holzfaserplatte
ausbildet.
[0016] Die bislang angegebene Obergrenze für die Flächenkonzentration der Borate von nicht
mehr als 25 g/m
2, die bei einer 16 mm dicken Holzfaserplatte von 565 kg/m
3 Rohdichte weniger als 0,3 % atro Fasern entspricht, muss nicht ausgeschöpft werden,
um den gewünschten Schimmelschutz bereitzustellen. Dieser wird auch mit maximal 20
g/m
2 für sehr lange Zeiträume erreicht. Selbst bei 8 bis 10 g/m
2 kann mit einem Schimmelschutz bei einem noch nicht isolierten Dach von etwa einem
halben Jahr gerechnet werden. Ein in aller Regel bereits völlig ausreichender Schimmelschutz
von mindestens zwei Monaten wird bereits mit etwa 6, d.h. 5 bis 7 g/m
2 zuverlässig erreicht. Eine darunter liegende Flächenkonzentration der Borate vermag
nur einen verkürzten Schutz zu bewirken. Eine Flächenkonzentration von weniger als
2 g/m
2 ist bereits im Wesentlichen wirkungslos.
[0017] Als Borate zur Verwendung bei der neuen Holzfaserplatte und deren Herstellung kommen
vor Allem anorganische Borate, insbesondere Alkali-, Erdalkali- und/oder Ammoniumborate,
in Frage. Diese Borate sind einerseits kostengünstig verfügbar und andererseits unter
Umweltgesichtspunkten weitestgehend unbedenklich. Mit Umweltgesichtspunkten ist hier
sowohl der Einfluss der Holzfaserplatte auf das Wohnklima in einem angrenzenden Wohnraum
als auch die Recyclebarkeit der Holzfaserplatte gemeint.
[0018] Als in günstiger Weise für die neue Holzfaserplatte und das Verfahren zu deren Herstellung
verwendbar haben sich kommerzielle Flammschutzmittel auf der Basis von anorganischen
Boraten erwiesen, diie jedoch im Rahmen der vorliegenden Erfindung in außergewöhnlich
geringer Konzentration und damit entgegen den Herstelleranweisungen verwendet werden.
[0019] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus den Patentansprüchen,
der Beschreibung und den Zeichnungen. Die in der Beschreibungseinleitung genannten
Vorteile von Merkmalen und von Kombinationen mehrerer Merkmale sind lediglich beispielhaft
und können alternativ oder kumulativ zur Wirkung kommen, ohne dass die Vorteile zwingend
von erfindungsgemäßen Ausführungsformen erzielt werden müssen. Weitere Merkmale sind
den Zeichnungen - insbesondere den dargestellten Geometrien und den relativen Abmessungen
mehrerer Bauteile zueinander sowie deren relativer Anordnung und Wirkverbindung -
zu entnehmen. Die Kombination von Merkmalen unterschiedlicher Ausführungsformen der
Erfindung oder von Merkmalen unterschiedlicher Patentansprüche ist ebenfalls abweichend
von den gewählten Rückbeziehungen der Patentansprüche möglich und wird hiermit angeregt.
Dies betrifft auch solche Merkmale, die in separaten Zeichnungen dargestellt sind
oder bei deren Beschreibung genannt werden. Diese Merkmale können auch mit Merkmalen
unterschiedlicher Patentansprüche kombiniert werden. Ebenso können in den Patentansprüchen
aufgeführte Merkmale für weitere Ausführungsformen der Erfindung entfallen.
KURZBESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0020] Im Folgenden wird die Erfindung anhand in den Figuren dargestellter bevorzugter Ausführungsbeispiele
weiter erläutert und beschrieben.
- Fig. 1
- zeigt einen schematischen Querschnitt durch eine neue Holzfaserplatte.
- Fig. 2
- zeigt ein Ablaufdiagramm zu dem neuen Verfahren zur Herstellung der neuen Holzfaserplatte;
und
- Fig. 3
- skizziert einen Stapel aus neuen Holzfaserplatten.
FIGURENBESCHREIBUNG
[0021] Die in
Fig. 1 im Querschnitt wiedergegebene Holzfaserplatte 1 ist neben dem Wandbau speziell zur
Verwendung im Dachbau vorgesehen und hier entsprechend mit einer Dachneigung dargestellt.
Die Holzfaserplatte 1 weist eine typische Dicke von 12 bis 20 mm und eine typische
mittlere Rohdichte von 530 bis 600 kg/m
3 auf. Die Holzfaserplatte 1 bildet beim Dachbau eine diffusionsoffene Schicht, durch
die also Wasserdampf hindurch treten kann. Beim Auftreten sehr großer Wasserdampfmengen
an der beim Dachbau nach unten, innen gerichteten Hauptseite 2 der Holzfaserplatte
1, können diese jedoch nicht sofort auf die gegenüberliegende, nach oben, außen gerichtete
Hauptseite 3 abdiffundieren. Bei kalten Außentemperaturen und deshalb kalter Holzfaserplatte
und gleichzeitig großem Anfall an Luftfeuchtigkeit an der Innenseite des Dachs können
so Fälle auftreten, in denen sich Kondensationswasser an der unteren Hauptseite 2
der Holzfaserplatte 1 niederschlägt. Damit dieses Kondensationswasser bzw. die mit
ihm verbundene überschüssige Feuchtigkeit der Holzfaserplatte 1 an ihrer unteren Hauptseite
2 zu keiner Schimmelbildung führt, sind anorganische Borate 4 vorgesehen, die die
Holzfaserplatte 1 an und hinter ihrer Oberfläche 5 an ihrer unteren Hauptseite 2 aufweist.
Die Borate 4 liegen also an der Oberfläche 5, aber auch innerhalb des sich daran angrenzenden
Volumens der Holzfaserplatte 1 vor, nicht jedoch an deren oberer Hauptseite 3, wo
kein Schimmelschutz benötigt wird. Die Konzentration der Borate 4 an der unteren Hauptseite
2 ermöglicht es, der Holzfaserplatte 1 einen ausreichenden Schimmelschutz mit bezogen
auf atro Fasern der Holzfaserplatte 1 sehr geringen Mengen an Boraten 4 zu verleihen.
Beispielsweise kann mit einer Flächenkonzentration von etwa 6 g/m
2 an Boraten 4, was atro Fasern weniger als 0,1 % bedeutet, ein ausreichender Schimmelschutz
für einen Belastungszeitraum von mindestens 3 Monaten bewirkt werden.
[0022] Fig. 2 skizziert die Herstellung der neuen Holzfaserplatte 1 gemäß Fig. 1. Auf einem Faserkuchen
6 aus mit Bindemitteln beleimten Lignocellulose haltigen Fasern wird eine Lösung 7
aus den Boraten 4 in Wasser von oben aufgesprüht, bevor der Faserkuchen 6 in einer
Heißpresse 8 unter Einwirkung von erhöhtem Druck und erhöhter Temperatur zu der Holzfaserplatte
1 verpresst wird. Bei der Holzfaserplatte 1 hinter der Heißpresse 8 ist die Hauptseite
2, an der die Borate 4 vorliegen, nach oben orientiert. In einem Wender 9, beispielsweise
einem so genannten Sternwender, wird die Holzfaserplatte 1 anschließend um 180° gewendet,
so dass die Hauptseite 2 mit den Boraten 4 danach nach unten zeigt. Statt bereits
auf den Faserkuchen 6 aufgesprüht zu werden, könnte die Lösung 7 auch nach der Heißpresse
8 auf die noch warme Holzfaserplatte 1 aufgesprüht werden, bevor diese in dem Wender
9 gewendet wird.
[0023] Fig. 3 skizziert einen Stapel 10 aus mehreren Holzfaserplatten 1 auf einer Unterlage 11.
Jede der Holzfaserplatten 1 weist die Borate im Bereich ihrer nach unten weisenden
Hauptseite 2 auf. Hierdurch sind die Borate 4 bei den Holzfaserplatten 1 innerhalb
des Stapels 10 vor Witterungseinflüssen weitgehend geschützt. Durch die Einbettung
der Borate 4 in die Holzfaserplatten 1, so dass die Borate 4 nicht nur auf der Oberfläche
5 der Holzfaserplatten 1 vorliegen, sind sie zudem vor Abrieb von den Holzfaserplatten
1 geschützt. Die Einbettung steht auch einem einfachen Auslaugen der Borate 4 mit
Regenwasser oder an der Hauptseite 2 kondensierendem Wasser entgegen. Dabei macht
es sich auch vorteilhaft bemerkbar, dass die Wasserlöslichkeit der Borate bei reduzierten
Temperaturen nur gering ist. Neben der Auszeichnung der Seiten 2 der Holzfaserplatten
1 in dem Stapel 10 dadurch, dass sie nach unten gewandt sind, kann der Verwender der
Holzfaserplatten 1 auch dadurch auf die notwendige Orientierung der Holzfaserplatten
1 beim Dachbau hingewiesen werden, das zusammen mit den Boraten 4 ein Farbstoff aufgebracht
wird, der die Hauptseite 2 der Holzfaserplatten von ihrer boratfreien Hauptseite 3
unterscheidet.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0024]
- 1
- Holzfaserplatte
- 2
- Hauptseite
- 3
- Hauptseite
- 4
- Borat
- 5
- Oberfläche
- 6
- Faserkuchen
- 7
- Lösung
- 8
- Heißpresse
- 9
- Wender
- 10
- Stapel
- 11
- Unterlage
1. Holzfaserplatte für den Dach- und Wandbau auf der Basis von mit Bindemittel beleimten
und heiß verpressten Lignocellulose haltigen Fasern und mit einer beim Verbau nach
außen auszurichtenden Hauptseite und mit einer beim Verbau nach innen auszurichtenden
Hauptseite, dadurch gekennzeichnet, dass die Holzfaserplatte (1) Borate (4) in einer Flächenkonzentration von nicht weniger
als 1 und von nicht mehr als 25 g/m2 aufweist, die im Bereich der beim Verbau nach innen auszurichtenden Hauptseite (2)
der Holzfaserplatte (1) konzentriert sind.
2. Holzfaserplatte nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Borate (4) an und hinter der Oberfläche (5) der Holzfaserplatte (1) an ihrer
beim Dachbau nach innen auszurichtenden unteren Hauptseite (2) vorliegen.
3. Holzfaserplatte nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine der beiden Hauptseiten (2, 3) der Holzfaserplatte (1), insbesondere ihre beim
Dachbau nach innen auszurichtende Hauptseite (2), eine Markierung, insbesondere eine
Farbmarkierung, aufweist.
4. Verfahren zur Herstellung einer Holzfaserplatte für den Dach- und Wandbau mit einer
beim Verbau nach außen auszurichtenden Hauptseite und mit einer beim Verbau nach innen
auszurichtenden Hauptseite, wobei ein Faserkuchen aus mit Bindemittel beleimten Lignocellulose
haltigen Fasern heiß verpresst wird, dadurch gekennzeichnet, dass Borate (4) in einer Flächenkonzentration von nicht weniger als 1 und von nicht mehr
als 25 g/m2 auf eine Hauptseite (2) des Faserkuchens (6) oder der Holzfaserplatte (1) aufgebracht
werden, die die beim Verbau nach innen auszurichtende Hauptseite (2) der Holzfaserplatte
(1) ausbildet.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Borate (4) in Form einer Lösung (7), insbesondere einer Lösung in Wasser, auf
den Faserkuchen (6) oder die Holzfaserplatte (1) aufgebracht werden.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Lösung (7) von oben auf den Faserkuchen (6) aufgesprüht wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Holzfaserplatte (1) nach dem Heißverpressen gewendet wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Holzfaserplatte (1) mit anderen identischen Holzfaserplatten (1) zu einem Stapel
(10) gestapelt wird, in dem die beim Verbau nach innen auszurichtende Hauptseite (2)
der Holzfaserplatten (1) jeweils unten liegt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass zusammen mit den Boraten (4) ein Farbstoff auf die eine Hauptseite des Faserkuchens
(6) oder der Holzfaserplatte (1) aufgebracht wird.
10. Holzfaserplatte oder Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Flächenkonzentration der Borate (4) 2 bis 20 g/m2, vorzugsweise 5 bis 10g/m2, beträgt.
11. Holzfaserplatte oder Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Borate (4) anorganische Borate, insbesondere Alkali-, Erdalkali- und/oder Ammoniumborate
sind.