Gebiet der Erfindung
[0001] Die Erfindung betrifft eine Schlauchkassette für eine peristaltische Pumpe mit einem
Kassettengehäuse, mit einem durch das Kassettengehäuse verlaufenden flexiblen Pumpschlauchsegment,
wobei beide Enden des Pumpschlauchsegments in dem Kassettengehäuse mittels eines ersten
Fixierelements und eines zweiten Fixierelements fixiert sind, wobei das erste Fixierelement
und das zweite Fixierelement im Bereich einer ersten Stirnfläche des Kassettengehäuses
angeordnet sind, und wobei das Kassettengehäuse eine Ausnehmung zum Eingriff eines
Rollenrades der Pumpe in das Innere des Kassettengehäuses aufweist. Die Erfindung
betrifft des Weiteren ein peristaltisches Schlauchpumpensystem mit einer solchen Schlauchkassette.
Stand der Technik und Hintergrund der Erfindung
[0002] Peristaltische Schlauchpumpen werden beispielsweise als Saug-und Spülpumpen für medizinische
Zwecke, insbesondere in der minimalinvasiven Chirurgie, eingesetzt. Konkrete Anwendungsbereiche
sind die Arthroskopie, Laparoskopie, Urologie, Hysteroskopie und Cystoskopie. Bei
medizinischen Anwendungen ist insbesondere eine allen Anforderungen genügende Sterilität
geboten, und aus diesem Grunde wird die Schlauchkassette üblicherweise nach einer
Anwendung verworfen, um eine Kreuzkontämination zwischen verschiedenen Patienten zu
vermeiden. Die Schlauchkassetten müssen folglich einerseits preiswert in der Herstellung
sein und andererseits insbesondere eine einfache Handhabung durch Bedienpersonen ermöglichen,
und zwar bei der Verbindung der Schlauchkassette mit der Pumpe sowie dem Lösen hiervon.
[0003] Im Rahmen von bekannten peristaltischen Pumpen gibt es grundsätzlich zwei verschiedene
Grundkonzeptionen. Die erste Grundkonzeption besteht darin, dass der um das Rollenrad
angeordnete Schlauch mittels eines Andruckbügels oder dergleichen gegen das Rollenrad
gedrückt wird. Solche peristaltischen Schlauchpumpensysteme sind beispielsweise aus
den Literaturstellen
US 4,798,580,
US 5,044,902,
US 5,213,483 und
DE 100 62 600.9 A1 bekannt. Mit einer Verschluss-Hebelmechanik wird der Schlauch fixiert und mittels
des Andruckbügels gegen das Rollenrad gedrückt.
[0004] Die zweite Grundkonzeption, von welcher die Erfindung im Kern ausgeht, besteht darin,
dass der Schlauch durch eine Zugkraft geeigneter Größe mit genügendem Umfassungswinkel
um das Rollenrad gezogen wird. Hierdurch wird ein Anpressbügel oder dergleichen entbehrlich.
Die Zugkraft ist dabei in Abstimmung mit den elastischen Eigenschaften des Schlauches
so zu dimensionieren, dass im Bereich einer Rolle eines Rollenrades der Innenquerschnitt
des Schlauches auf praktisch Null reduziert ist. Hierzu ist beispielsweise aus der
Literaturstelle
DE 199 60 668 Cl bekannt, dass im Rahmen einer Schlauchkassette zumindest ein an das Kreissegment
anschließender Schenkel des Pumpschlauchsegments in dem Kassettengehäuse in Längsrichtung
des Schlauches zwischen einer Montageposition und einer Betriebsposition verschieblich
gelagert ist. Dies hat sich grundsätzlich hervorragend bewährt, baut jedoch relativ
aufwändig und ist in der Herstellung folglich teuer.
[0005] Eine Schlauchkassette des eingangs genannten Aufbaus ist aus der Literaturstelle
US 4,537,561 bekannt. Hierbei ist im Rahmen einer Schlauchkassette ein geradlinig verlaufendes
Pumpschlauchsegment eingerichtet. Die Schlauchkassette wird orthogonal zur Erstreckung
des Pumpschlauchsegments in die peristaltische Pumpe eingeschoben, wobei das Pumpschlauchsegment
mit dem Rollenrad in Kontakt kommt und im Zuge des Einschiebens der Schlauchkassette
mit einem geringen Umfassungswinkel um das Rollenrad gespannt wird. Bei der insofern
bekannten Schlauchkassette ist es nachteilig, dass auf Grund der Geometrie der Zusammenhänge
ein ausreichender Druck auf das Pumpschlauchsegment durch das Rollenrad nur mit verhältnismäßig
hohen Kräften erreicht wird. Einerseits erfordert dies hohe Kräfte beim Einschieben
der Schlauchkassette, andererseits werden Bauelemente der Schlauchkassette mit Biegemomenten
beaufschlagt, wodurch diese relativ stabil bauen muss.
Technisches Problem der Erfindung
[0006] Der Erfindung liegt daher das technische Problem zugrunde, eine Schlauchkassette
sowie ein peristaltisches Schlauchpumpensystem anzugeben, wobei die Schlauchkassette
einfach und sicher montierbar ist, einfach baut und eine hohe Betriebssicherheit aufweist.
Grundzüge der Erfindung und bevorzugte Ausführungsformen
[0007] Zur Lösung dieses technischen Problems lehrt die Erfindung, dass das Pumpschlauchsegment
in der Schlauchkassette bei nicht in die Pumpe eingesetzter Schlauchkassette entlang
eines zumindest einen Winkel von 90° überspannenden Kreissegments verläuft. Dabei
ist Pumpschlauchsegment bogenaussenseitig nicht abgestützt, sondern frei von anderen
Bauteilen. Vorzugsweise überspannt das Kreissegment einen Winkel von zumindest 120°
bis zumindest 160°, idealerweise ca. 180°. Mit anderen Worten ausgedrückt, die Enden
des Pumpschlauchsegements stehen zueinander in einem Winkel von 90° bis 220°, vorzugsweise
von 150° bis 200°, idealerweise von 170° bis 190°, beispielsweise ca. 180°. Hierbei
ist ein Winkel von 0° als der Winkel der Enden zueinander zu verstehen, den die Enden
bei geradliniger Erstreckung des Pumpschlauchsegments zueinander haben.
[0008] Hiermit wird erreicht, dass die Enden des Pumpschlauchsegmentes praktisch ausschließlich
auf Zug belastet sind. Zudem ist durch den hohen Umfassungswinkel eine sichere Abdichtung
des Schlauches durch das Rollenrad und folglich ein hoher erreichbarer peristaltischer
Druck gewährleistet, und zwar ohne Andruckbügel oder Stützflächen oder dergleichen.
In jedem Falle ist es entbehrlich, Andruckmittel zum Andrücken des Pumpschlauchsegments
an das Rollenrad bei in der Pumpe eingesetzter Schlauchkassette einzurichten. Ebenso
sind verschiebliche Enden des Pumpschlauchsegments zum Zwecke der Spannung des Pumpschlauchsegments
um das Rollenrad enbehrlich. Die Enden des Pumpschlauchsegments sind vielmehr gegenüber
dem Kasettengehäuse ortsfest.
[0009] Im Rahmen der Erfindung sind zwei grundsätzlich verschiedene Varianten möglich.
[0010] Zum einen kann es vorgesehen sein, dass sich die Ausnehmung für das Rollenrad im
Bereich der ersten Stirnfläche zwischen dem ersten Fixierelement und dem zweiten Fixierelement
erstreckt. Dann erfolgt der Einsatz der Schlauchkassette durch eine im Wesentlichen
lineare Bewegung aus einer Montageposition in eine Betriebsposition in Richtung radial
zum Rollenrad.
[0011] Zum anderen kann sich die Ausnehmung in einem Bereich einer zur ersten Stirnfläche
orthogonalen und zum Kreissegment parallelen Seitenfläche des Kassettengehäuses erstrecken.
Dann kann das Einsetzen der Kassette in eine Montagestellung durch Aufstecken der
Kassette auf das Rollenrad in axialer Richtung erfolgen. Hieran schließt sich entweder
eine lineare Verschiebung der Kassette in radialer Richtung des Rollenrades an oder
eine Schwenkbewegung der Kassette mit Bewegungskomponente radial zum Rollenrad. Beides
Bewegungen enden in der Betriebsposition. In jeder der vorstehenden Varianten wird
das Pumpschlauchsegment bei Bewegung der Schlauchkassette in die Betriebsposition
um das Rollenrad gespannt.
[0012] Eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung ist dadurch gekennzeichnet, dass die
Fixierelemente zwei jeweils mit einem Ende des Pumpschlauchsegments hydrostatisch
kommunizierende Schlauchleitungen aufweisen, wobei die Schlauchleitungen vorzugsweise
im Wesentlichen antiparallel zu den Enden des Pumpschlauchsegments verlaufend angeordnet
sind. Dann können die Schlauchleitungen insbesondere durch eine der ersten Stirnfläche
gegenüberliegenden zweiten Stirnfläche des Kassettengehäuses austreten. Der Begriff
antiparallel bezieht sich hierbei auf die Strömungsrichtung eines Fluids in den Enden
des Pumpschlauchsegments bzw. den Schlauchleitungen. Diese Ausführungsform eignet
sich insbesondere für eine Variante der Erfindung, in welcher die Schlauchkassette
durch eine lineare Bewegung in Richtung radial zum Rollenrad in die Betriebsposition
verschoben wird. In dieser Ausführungsform ist es zudem insbesondere unschwer einrichtbar,
dass das Rollenrad in einem Pumpengehäuse innenliegend angeordnet ist, wodurch jegliche
Verletzungsgefahr bzw. Eingriffsmöglichkeit im Bereich des Rollenrades ausgeschlossen
werden kann. Die Führung der Linearbewegung der Schlauchkassette erfolgt dann durch
einen zur Form der Schlauchkassette komplementären Kassettenschacht.
[0013] In einem erfindungsgemäßen Kassettengehäuse können auch zwei (oder mehr) im Wesentlichen
parallel zueinander gestapelt verlaufende Pumpschlauchsegmente angeordnet sein. In
entsprechender Weise sind dann auch die an die Enden der Pumpschlauchsegmente angeschlossenen
Schlauchleitungen zweifach auszuführen. In dieser Ausführungsform sind typischerweise
zwei Rollenräder im Rahmen der Pumpe eingerichtet sind, wobei jeweils ein Pumpschlauchsegment
einem Rollenrad zugeordnet ist. In dieser Ausführungsform kann auch vorgesehen sein,
dass beide Rollenräder getrennt ansteuerbar sind. Auf diese Weise kann beispielsweise
eine unabhängige Steuerung einer Saugfunktion mittels eines Pumpschlauchsegments und
einer Spülfunktion mittels des anderen Pumpschlauchsegments erfolgen. Es ist aber
auch möglich mit nur einem Rollenrad zu arbeiten, wobei das Rollenrad dann die erforderliche
Breite aufweist, um beide Pumpschlauchsegmente gleichzeitig um das Rollenrad zu spannen.
[0014] Des Weiteren kann es vorgesehen sein, dass zumindest ein Fixierelement eine im Bereich
der ersten Stirnfläche angeordnete und mit dem Pumpschlauchsegment hydrostatisch kommunizierende
flexible Membran aufweist. In der Betriebsstellung der Schlauchkassette ist diese
flexible Membran dann in Verbindung mit einem Kraft- und/oder Wegaufnehmer, wodurch
in der Betriebsposition der Schlauchkassette letztlich eine Druckmessung möglich ist.
Es wird sich in der Regel empfehlen, diese flexible Membran an jedem Fixierelement
anzuordnen, welches die Druckseite des Pumpschlauchsegments darstellt.
[0015] Die Erfindung betrifft des Weiteren ein peristaltisches Schlauchpumpensystem mit
zumindest einer erfindungsgemäßen Schlauchkassette, mit einer Pumpe, welche zumindest
ein Pumpengehäuse sowie ein angetriebenes Rollenrad aufweist, wobei die Schlauchkassette
und das Pumpengehäuse zueinander komplementäre Verbindungselemente aufweisen, welche
mit der Maßgabe zueinander angeordnet sind, dass das Pumpschlauchsegment bei mit dem
Pumpengehäuse verbundener und in eine Betriebsposition bewegter Schlauchkassette um
das Rollenrad herum gespannt ist.
[0016] Als Verbindungselemente kommen insbesondere lösbare Rastverbindungen in Frage. Im
Einzelnen können die Verbindungselemente die folgenden Komponenten aufweisen: a) zumindest
ein an oder in dem Pumpenhäuse angeordnetes Führungselement für eine Translationsbewegung
der Schlauchkassette in Richtungen orthogonal zur ersten Stirnfläche (und radial zum
Rollenrad), b) zumindest eine Rastverbindung mit einem an dem Kassettengehäuse angebrachten
ersten Rastelement und einem an dem Pumpengehäuse angebrachten und zum ersten Rastelement
komplementären zweiten Rastelement, wobei die Rastverbindung bei Verschieben der Schlauchkassette
in Richtung der Betriebsposition in diese einrastet, und c) mit einem Löseelement
zur Lösung der Rastverbindung. Alternativ hierzu können die Verbindungselemente die
folgenden Komponenten aufweisen: a) zumindest eine an oder in dem Pumpengehäuse angeordnete
und im Wesentlichen parallel zur Drehachse des Rollenrades verlaufende Schwenkachse,
um welche die Schlauchkassette verschwenkbar ist, wobei die Schwenkachse gegenüber
dem Mittelpunkt des Pumpschlauchsegments, bezogen auf die erste Stirnfläche, seitlich
verschoben ist, b) eine Rastverbindung mit einem an dem Kassettengehäuse angebrachten
ersten Rastelement und einem an dem Pumpengehäuse angebrachten und zum ersten Rastelement
komplementären zweiten Rastelement, wobei die Rastverbindung bei Verschwenken der
Schlauchkassette um die Schwenkachse in die Betriebsposition in dieser einrastet und
c) mit einem Löseelement zum Lösen der Rastverbindung. In beiden Fällen wird die Schlauchkassette
in einfacher Weise und mit ledilglich einer Hand in Richtung der Betriebsposition
verschoben bzw. verschwenkt, bis die Rastverbindung einrastet. Durch Betätigung des
Löseelements wird dann nicht nur die Rastverbindung gelöst, sondern durch die in der
Betriebsposition eingerichtete Spannung des Pumpschlauchsegments erfolgt auch ein
selbsttätiger Auswurf der Schlauchkassette, insbesondere im Falle der Variante mit
Translationsbewegungen zwischen der Montage- und Betriebsposition.
[0017] Für eine Schlauchkassette mit flexibler Membran kann vorgesehen sein, dass das Pumpengehäuse
einen in Betriebsposition der Schlauchkassette mit der flexiblen Membran der Schlauchkassette
verbundenen Kraft- und/oder Wegaufnehmer aufweist. Hierdurch wird die durch die flexible
Membran vermittelte Druckkraft des Fluids in dem Fixierelement in ein elektrisches
Signal umgewandelt, welches dann zur Druckanzeige und/oder Steuerung bzw. Regelung
verwendet werden kann.
[0018] Eine erfindungsgemäße peristaltische Pumpe weist typischerweise ein elektromotorisches
Antriebsmittel für das Rollenrad auf. Hierbei kann es sich um einen Gleichstrommotor,
Wechselstrommotor oder Schrittschaltmotor handeln. Zwischen einer Abtriebswelle des
Motors und der Antriebswelle des Rollenrades kann ein mechanisches Reduktionsgetriebe
vorgesehen sein. Es ist aber auch ein direkter Antrieb möglich, beispielsweise im
Falle des Schrittschaltmotors. Typischerweise ist die Drehzahl des Motors steuer-
bzw. regelbar. Hierzu wird typischerweise eine Steuerelektronik eingerichtet sein,
wobei eine Bedienperson durch Steuerelemente, wie Tasten oder Schalter, die gewünschten
Flussraten bzw. Drucke einstellen kann, und die Steuerelektronik dann gemäß einem
Betriebsprogramm die korrelierten Drehzahlen ansteuert und regelt. Die Steuerelektronik
wird zudem ggf. im Pumpschlauchsegment gemessenene Druckwerte mit Solldruckwerten
oder maximalen Druckwerten vergleichen und die Drehzahl des Rollenrades in entsprechender
Weise ansteuern. Im Extremfall kann hierbei das Rollenrad auch in reverse Drehrichtung
angesteuert werden. Eine erfindungsgemäße peristaltische Pumpe kann alternativ bzw.
wahlweise mit Netzstrom oder mit Batterie bzw. Akkumulator betrieben werden. Die Technologien
für Antrieb sowie Steuerung bzw. Regelung eines Rollenrades einer peristaltischen
Schlauchpumpe sind bekannt und brauchen daher hier nicht näher erläutert zu werden.
[0019] Die Schlauchkassette bzw. das Kassettengehäuse kann eine Codierung aufweisen, welche
spezifisch für eine Zweckbestimmung, wie beispielsweise Arthroskopie, Laparoskopie,
Urologie oder Hysteroskopie ist. In der Betriebsposition der Schlauchkassette kann
dann durch geeignete Mittel der Pumpe dieser Code ausgelesen werden. Diese Mittel
stehen dann mit der elektronischen Steuerung in Verbindung und steuern für die jeweilige
Anwendung geeignete Arbeitsparameter gemäß dem Betriebsprogramm an. Hierbei kann die
Codierung mechanisch, mittels eines Transponders oder smart labels oder dergleichen
erfolgen.
[0020] Im Folgenden wird die Erfindung anhand von lediglich Ausführungsbeispiele darstellenden
Figuren näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1:
- eine Außenansicht einer erfindungsgemäßen peristaltischen Pumpe,
- Figur 2:
- Einblick in eine erfindungsgemäße Schlauchkassette mit entfernter Seitenwandung,
- Figur 3:
- die wesentlichen mechanischen Komponenten des Gegenstandes der Figur 1 und
- Figur 4:
- eine Variante eines erfindungsgemäßen peristaltischen Schlauchpumpensystems.
[0021] In der Figur 1 erkennt man in Außenansicht eine Pumpe 2, welche ein Pumpengehäuse
16 sowie zumindest ein angetriebenes Rollenrad 11 aufweist. Das Rollenrad 11 ist in
einem Kassettenschacht 20 im Inneren des Pumpengehäuses 16 angeordnet. Im Kassettenschacht
20 erkennt man des Weiteren einen lösbaren Rasthaken 18 sowie einen Kraft- bzw. Wegaufnehmer
19.
[0022] In der Figur 3 erkennt man die wesentlichen mechanischen Komponenten der Pumpe 2.
Das Rollenrad 11 wird durch eine Motor-/Getriebeeinheit 21 angetrieben. Im Rahmen
der Motor-/Getriebeeinheit 21 ist ein elektrisch ansteuerbarer Schrittschaltmotor
eingerichtet, welcher mit der Antriebswelle des Rollenrades 11 verbunden ist. Am der
Öffnung gegenüberliegenden Ende des Kassettenschachtes 20 ist der Kraft- bzw. Wegaufnehmer
19 angeordnet. Des Weiteren erkennt man ein in axialer Richtung betätigbares Ventilelement,
welches in Zusammenwirkung mit einer Schlauchleitung bei eingelegter Kassette ein
sog. Pinch-Ventil bildet. Hierbei drückt das Betätigungselement 22 bei Aktivierung
die Schlauchleitung platt, so dass diese undurchlässig für das Fluid wird.
[0023] In der Figur 2 erkennt man eine erfindungsgemäße Schlauchkassette 1, welche in den
Kassettenschacht 20 der Figur 1 einschiebbar ist. Man erkennt zunächst ein Kassettengehäuse
3, in welchem ein flexibles Pumpschlauchsegment 4 angeordnet ist. Die beiden Enden
5, 6 des Pumpschlauchsegments 4 sind in dem Kassettengehäuse 3 mittels eines ersten
Fixierelements 7 und eines zweiten Fixierelements 8 fixiert. Das erste Fixierelement
7 und das zweite Fixierelement 8 sind im Bereich der ersten Stirnfläche 9 des Kassettengehäuses
3 angeordnet. Das Kassettengehäuse 3 weist eine Ausnehmung 10 zum Eingriff des Rollenrades
11 der Pumpe 2 in das Innere des Kassettengehäuses 3 auf. Die Ausnehmung 10 ist dabei
im Wesentlichen im Bereich der ersten Stirnfläche 9 zwischen dem ersten Fixierelement
7 und dem zweiten Fixierelement 8 angeordnet. Sie erstreckt sich jedoch auch teilweise
in die zur ersten Stirnfläche 9 orthogonalen Seitenfläche 12 des Kassettengehäuses
3, so dass das Kassettengehäuse 3 vollständig über das Rollenrad 11 schiebbar ist.
Das Pumpschlauchsegment 4 ist in der Schlauchkassette 1 bei nicht in die Pumpe 2 eingesetzter
Schlauchkassette 1 entlang eines einen Winkel von ca. 180° überspannenden Kreissegmentes
K verlaufend angeordnet. Hierbei versteht es sich, dass der Begriff des Kreissegmentes
K nicht notwendigerweise als exakt entlang einem Kreisbogen verlaufend zu verstehen
ist, sondern den Verlauf darstellt, welcher sich bei vorgegebenem Winkel der beiden
Enden 5, 6. zueinander (hier 180°) ergibt.
[0024] Der Figur 2 entnimmt man des Weiteren, dass die Fixierelemente 7, 8 zwei jeweils
mit einem Ende 5, 6 des Pumpschlauchsegments 4 hydrostatisch kommunizierende bzw.
hiermit verbundene Schlauchleitungen 13, 14 aufweisen, wobei in diesem Ausführungsbeispiel
die Schlauchleitungen 13, 14 im Wesentlichen antiparallel zu den Enden 5, 6 des Pumpschlauchsegments
4 verlaufend angeordnet sind. Die Schlauchleitungen 13, 14 treten durch die der ersten
Stirnfläche 9 gegenüberliegende zweite Stirnfläche 15a des Kassettengehäuses 3 aus
dem Kassettengehäuse 3 aus. Bei einem Fixierelement 7 ist eine im Bereich der ersten
Stirnfläche 9 angeordnete und mit dem Pumpschlauchsegment 4 hydrostatisch kommunizierende
bzw. hiermit verbundene flexible Membran 15 eingerichtet. Diese wechselwirkt bei in
Betriebsposition eingeschobener Kassette mit dem Kraft-/Wegaufnehmer 19 und stellt
dann eine Druckmessvorrichtung dar. In der Figur 2 erkennt man schließlich einen Ablaufschlauch
23.
[0025] Aus einer vergleichenden Betrachtung der Figuren 1 bis 3 erkennt man, dass der Kassettenschacht
20 als Führungselement für eine Translationsbewegung der Schlauchkasstte 1 in Richtungen
orthogonal zur ersten Stirnfläche 9 darstellt. An dem Kassettengehäuse 3 ist eine
nicht näher dargestellte Rastausnehmung 17 eingerichtet, welche mit dem Rasthaken
18 der Pumpe 2 in Betriebsstellung der Schlauchkassette 1 rastend wechselwirkt. Schließlich
erkennt man einen Knopf 24, welcher ein Löseelement zum Lösen der Rastverbindung darstellt.
Bei Betätigung des Knopfes 24 wird der Rasthaken 18 in axiale Richtung des Rollenrades
11 gezogen und gibt somit die Rastausnehmung 17 des Kassettengehäuses 3 frei. Aufgrund
der Spannung des Pumpschlauchsegments (4) in der Betriebsstellung wird dann die Schlauchkassette
1 aus dem Pumpengehäuse 16 automatisch ausgeworfen.
[0026] In der Figur 4 erkennt man eine Variante des erfindungsgemä-βen Systems. Hier wird
die Schlauchkassette 1 zunächst in axialer Richtung des Rollenrades 11 aufgesetzt,
wobei das Rollenrad 11 durch die Ausnehmung 10 der Seitenfläche 12 hindurchtritt.
Hiernach wird die Schlauchkassette 1 aus der Montageposition in die Betriebsposition
gebracht, entweder durch Verschiebung der Schlauchkassette 1 in Richtung radial zum
Rollenrad 11 oder durch Verschwenken der Schlauchkassette 1 um eine Schwenkachse,
die außerhalb des Rollenrades 11 liegt. Grundsätzlich gelten alle vorstehend erläuterten
Details analog. Diese Variante der Erfindung wird in der Regel dann einzusetzen sein,
wenn an Stelle eines in einem Kassettenschacht 20 angeordneten Rollenrades 11 ein
außerhalb des Pumpgehäuses 16 freistehendes und rotierendes Rollenrad 11 einzurichten
ist.
1. Schlauchkassette (1) für eine peristaltische Pumpe (2)
mit einem Kassettengehäuse (3),
mit einem durch das Kassettengehäuse (3) verlaufenden flexiblen Pumpschlauchsegment
(4),
wobei beide Enden (5), (6) des Pumpschlauchsegments (4) in dem Kassettengehäuse (3)
mittels eines ersten Fixierelements (7) und eines zweiten Fixierelements (8) ortsfest
fixiert sind,
wobei das erste Fixierelement (7) und das zweite Fixierelement (8) im Bereich einer
ersten Stirnfläche (9) des Kassettengehäuses (3) angeordnet sind, und
wobei das Kassettengehäuse (3) eine Ausnehmung (10) zum Eingriff eines Rollenrades
(11) der Pumpe (2) in das Innere der Kassettengehäuses (3) aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Pumpschlauchsegment (4) in der Schlauchkassette (1) bei nicht in die Pumpe (2)
eingesetzter Schlauchkassette (1) entlang eines zumindest einen Winkel von 90° überspannenden
Kreissegments (K) verläuft.
2. Schlauchkassette (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Ausnehmung (10) in einem Bereich der ersten Stirnfläche (9) zwischen dem
ersten Fixierelement (7) und dem zweiten Fixierelement (8) erstreckt und/oder dass
sich die Ausnehmung (10) in einem Bereich einer zur ersten Stirnfläche (9) orthogonalen
und zum Kreissegment (K) parallelen Seitenfläche (12) des Kassettengehäuses (3) erstreckt.
3. Schlauchkassette (1) nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Kreissegment (K) einen Winkel von zumindest 120°, vorzugsweise zumindest 140°,
höchstvorzugsweise zumindest 160°, überspannt.
4. Schlauchkassette (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Fixierelemente (7), (8) zwei jeweils mit einem Ende (5), (6) des Pumpschlauchsegments
(4) hydrostatisch kommunizierende schlauchleitungen (13), (14) aufweisen, wobei die
Schlauchleitungen (13), (14) vorzugsweise im Wesentlichen antiparallel zu den Enden
des Pumpschlauchsegments (4) verlaufend angeordnet sind.
5. Schlauchkassette (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Schlauchleitungen (13), (14) durch eine der ersten Stirnfläche (9) gegenüberliegende
zweite Stirnfläche (15a) des Kassettengehäuses (3) austreten.
6. Schlauchkassette (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Kassettengehäuse (3) zwei oder mehr im Wesentlichen parallel zueinander gestapelt
verlaufende Pumpschlauchsegmente (4) angeordnet sind.
7. Schlauchkassette (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein Fixierelement (7), (8) eine im Bereich der ersten Stirnfläche (9) angeordnete
und mit dem Pumpschlauchsegment (4) hydrostatisch kommunizierende flexible Membran
(15) aufweist.
8. Peristaltisches Schlauchsystem
mit einer Schlauchkassette (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
mit einer Pumpe (2), welche ein Pumpengehäuse (16) sowie zumindest ein angetriebenes
Rollenrad (11) aufweist,
wobei die Schlauchkassette (1) und das Pumpengehäuse (16) zueinander komplementäre
Verbindungselemente (17), (18) aufweisen, welche mit der Maßgabe zueinander angeordnet
sind, dass das Pumpschlauchsegment (4) bei mit dem Pumpenhäuse (16) verbundener und
in eine Betriebsposition bewegter Schlauchkassette (1) um das Rollenrad (11) herumgespannt
ist.
9. Peristaltisches Schlauchpumpensystem nach Anspruch 8, wobei die Verbindungselemente
(17), (18) die folgenden Komponenten aufweisen:
a) zumindest ein an oder in dem Pumpengehäuse (16) angeordnetes Führungselement (19)
für eine Translationsbewegung der Schlauchkassette (1) in Richtungen orthogonal zur
ersten Stirnfläche (9),
b) zumindest eine Rastverbindung mit einem an dem Kassettengehäuse (3) angebrachten
ersten Rastelement (17) und einem an dem Pumpengehäuse (16) angebrachten und zum ersten
Rastelement (17) komplementären zweiten Rastelement (18), wobei die Rastverbindung
bei Verschiebung der Schlauchkassette (1) in Richtung der Translationsbewegung aus
einer Montageposition in eine Betriebsposition einrastet und
c) mit einem Löseelement zur Lösung der Rastverbindung
oder
a) zumindest eine an oder in dem Pumpengehäuse (16) angeordnete und im Wesentlichen
parallel zur Drehachse des Rollenrades (11) verlaufende Schwenkachse, um welche die
Schlauchkassette (1) verschwenkbar ist, wobei die Schwenkachse gegenüber dem Mittelpunkt
(Z) des Pumpschlauchsegments (4), bezogen auf die erste Stirnfläche (9), seitlich
verschoben ist,
b) eine Rastverbindung mit einem an dem Kassettengehäuse (3) angebrachten ersten Rastelement
(17) und einem an dem Pumpengehäuse (16) angebrachten und zum ersten Rastelement (17)
komplementären zweiten Rastelement (18), wobei die Rastverbindung bei Verschwenken
der Schlauchkassette (1) aus einer Montageposition in eine Betriebsposition um die
Schwenkachse in die Betriebsposition in dieser einrastet und
c) mit einem Löseelement zur Lösung der Rastverbindung.
10. Peristaltisches Schlauchpumpensystem nach Anspruch 8 oder 9, wobei das Pumpengehäuse
(16) einen in Betriebsposition der Schlauchkassette (1) mit der flexiblen Membran
(15) der Schlauchkassette (1) verbundenen Kraft- und/oder Wegaufnehmer (19) aufweist.