(19)
(11) EP 2 065 107 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
03.06.2009  Patentblatt  2009/23

(21) Anmeldenummer: 08017161.4

(22) Anmeldetag:  30.09.2008
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
B22F 3/10(2006.01)
B22F 5/10(2006.01)
C23C 8/22(2006.01)
G04B 37/22(2006.01)
B22F 3/11(2006.01)
B22F 7/00(2006.01)
C23C 8/46(2006.01)
C22C 38/00(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MT NL NO PL PT RO SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL BA MK RS

(30) Priorität: 19.11.2007 DE 102007055345
07.12.2007 DE 102007059229

(71) Anmelder: DAMASKO, Konrad
93055 Regensburg (DE)

(72) Erfinder:
  • DAMASKO, Konrad
    93055 Regensburg (DE)

(74) Vertreter: Graf, Helmut et al
Postfach 10 08 26
93049 Regensburg
93049 Regensburg (DE)

   


(54) Verfahren zum Herstellen eines Bauteils mit gehärteter Oberfläche


(57) Bei einem Verfahren zum Herstellen eines Bauteils mit gehärteter Oberfläche, insbesondere eines Funktionselementes für Armbanduhren, wird ein Rohlings des Bauteils als Sinterkörper durch Sintern unter Verwendung eines Edelstahles als Sintermaterial hergestellt und einer Kohlenstoffdiffusion zur Einlagerung von Kohlenstoffatomen in das Metallgitter des Rohlings in einer Salzschmelze bei einer Temperatur über 100°C unterzogen. Die Kohlenstoffdiffusion erfolgt bei einer Temperatur unterhalb von 300°C und bei Anwesenheit wenigstens eines Carbonats in der Salzschmelze.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Herstellen eines Bauteils mit gehärteter Oberfläche, insbesondere eines Funktionselementes für Armbanduhren gemäß Oberbegriff Patentanspruch 1.

[0002] Funktionselemente für Armbanduhren im Sinne der Erfindung sind u. a. das Uhrengehäuse, der zum Verschließen des Uhrengehäuses dienende Deckel oder Boden, Kronen, Drücker sowie auch Metallarmbänder oder Teile der vorgenannten Elemente.

[0003] Speziell Gehäuse für Armbanduhren sind in verschiedensten Ausführungen bekannt. In neuerer Zeit wurde auch vorgeschlagen, derartige Gehäuse aus einem härtbaren, nicht magnetisierbaren Stahl herzustellen, um so für das Gehäuse einer Armbanduhr u. a. eine besonders harte und widerstandsfähige Oberfläche zu erhalten.

[0004] Ein Verfahren der gattungsmäßigen Art ist Gegenstand der älteren, aber nicht vor veröffentlichten DE 10 2004 056 880 A1, und zwar zum Herstellen von Funktionselementen für Armbanduhren.

[0005] Bekannt ist weiterhin ein Verfahren zum Herstellen von Filtermembranen durch Aufbringen von metallischen Partikeln mit einer Partikelgrößer kleiner als 50 µm auf ein poröses metallisches Substrat, durch Vorsintern der von den Partikeln und dem metallischen Substrat gebildeten Schichtfolge, durch Aufbringen von ultrafeinen Keramikpartikeln mit einer Partikelgrößer kleiner als 500 nm, durch anschließendes plastisches Verformen der Keramikpartikel unter Anwendung von Scherkräften und durch anschließendes Sintern zur Bildung einer Komposit-Membrane bestehend aus einer Filterschicht und einem metallischen Substrat (US 5 364 586).

[0006] Bekannt ist weiterhin auch das Aufkohlen von Werkstücken aus Stahl im Salzbad bei einer Temperatur im Bereich von 930°C (DE 39 40 426 C1).

[0007] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren aufzuzeigen, mit welchem in besonders einfacher Weise Bauteile mit hoher Festigkeit bzw. Härte an den Oberflächen gefertigt werden können. Zur Lösung dieser Aufgabe ist ein Verfahren entsprechend dem Patentanspruch 1 ausgebildet.

[0008] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird zunächst unter Verwendung eines Sinterwerkstoffes, der in Pulver- oder Partikelform vorliegt, in einem Formgebungs- und Sinterverfahren ein Rohling aus Sintermaterial gefertigt, der in seiner Form bereits weitestgehend dem herzustellenden Bauteil oder Funktionselement, beispielsweise Gehäuse oder Gehäuseboden bzw. -deckel usw. entspricht. Im Fortgang des Verfahrens erfolgt dann eine Kohlenstoffdiffusion bei einer Temperatur über 100°C aber deutlich unter 400°C zum Einlagern von Kohlenstoffatome in das Metallgitter des Rohlings bzw. Sinterkörpers, sodass dann für den Rohling eine Oberflächenschicht mit besonders großer Härte erreicht wird, und zwar mit einer relativ großen Dicke, d. h. mit einer Dicke bis zu 1 mm.

[0009] Durch die bei dem Sinterprozess erzeugten Poren wird die Kohlenstoffdiffusion begünstigt, sodass dieser Verfahrensschritt in überraschender Weise bei Anwesenheit wenigstens eines Carbonats in der Salzschmelze bereits bei Temperaturen deutlich unter 400°C, beispielsweise bei Temperaturen unter 300°C wirksam durchgeführt werden kann und sich hierbei eine relativ dicke, sehr harte Oberflächenschicht bis zu 1 mm erzielen lässt.

[0010] Durch die Herstellung des Rohlings im Sinterverfahren lässt sich weiterhin der Aufwand bei der mechanischen und/oder chemischen Nachbehandlung des Rohlings zur Erzielung der angestrebten Form und/oder Oberflächenstruktur wesentlich reduzieren.

[0011] Weiterbildungen, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der Erfindung ergeben sich auch aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen und aus der Figur. Dabei sind alle beschriebenen und/oder bildlich dargestellten Merkmale für sich oder in beliebiger Kombination grundsätzlich Gegenstand der Erfindung, unabhängig von ihrer Zusammenfassung in den Ansprüchen oder deren Rückbeziehung. Auch wird der Inhalt der Ansprüche zu einem Bestandteil der Beschreibung gemacht.

[0012] Die Erfindung wird im Folgenden im Zusammenhang mit der Figur, die in vereinfachter schematischer Darstellung als Bauteil oder Funktionselement das Gehäuse 1 einer Armbanduhr zeigt, näher erläutert.

[0013] Die Herstellung des Gehäuses 1 erfolgt in mehreren Verfahrensschritten. In einem ersten Verfahrensschritt wird zunächst ein der Form des Gehäuses 1 entsprechender Rohling aus einem Metall-Sinter-Material hergestellt, und zwar unter Verwendung eines für die Herstellung von Uhrengehäuse geeigneten nichtmagnetisierbaren Stahles oder austenitischen Edelstahles in Pulver- oder Partikelform, beispielsweise eines Stahles mit der Werkstoffnummer 1.4401 durch Formen bzw. Kompaktieren und anschließendes Sintern. Der Rohling wird bei diesem Sinterprozess beispielsweise derart hergestellt, dass Poren in der Größe zwischen 0,1 - 0,5 µm, vorzugsweise in der Größe zwischen 0,1 - 30 µm verbleiben, wobei sich eine Porengröße zwischen etwa 5 und 25 µm als besonders vorteilhaft erwiesen hat.

[0014] Als Sinterwerkstoff eignen sich beispielsweise auch folgende Stähle in Pulver- oder Partikelform:
  Werkstoffnummer DIN-Kurzname Markenbezeichnung
       
Ohne Molybdän 1.4310 X 10 CrNi 18 8 AISI 301
  1.4319 X 3 CrNiN 17 8 AISI 302
  1.4567 X 3 CrNiCu 18 9 AISI 302 HO
  1.4305 X 12 CrNiS 18 9 AISI 303
  1.4301 X 5 CrNi 18 9 AISI 304
       
Mit Molybdän 1.4401 X 5 CrNiMo 17 12 2 AISI 316
  1.4571 X 6 CrNiMoTi 17 12 2 AISI 316Ti
  1.4404 X 2 CrNiMo 17 13 2 AISI 316L
  1.4429 X 2 CrNiMoN 17 13 3 AISI 316LN
  1.4435 X 2 CrNiMo 18 14 3 AISI 316L
       
Superausteniten 1.4539 X 1 NiCrMoCu 25 20 5 AISI 904L
  1.4547 X 1 CrNMoCuN 20 18 7 254 SMO
  1.4563 X 1 NiCrMoCuN 31 27 4 Sanicro 28
  1.4591 X 1 CrNiMoCuN 33 32 1 Alloy 33
  1.4652   654 SMO
       
Duplex-Stähle (tenitisch - austenitischer Stähle) 1.4362 X 2 CrNiN 23 4 SAF 2304
  1.4460 X 3 CrNiMoN 27 5 2 AISI 329
  1.4462 X 2 CrNiMoN 22 5 3 SAF 2205
       
Superduplex-Stähle 1.4410 X 2 CrNiMo 25 7 4 SAF 2507
      Ferralium 225
  1.4501 X 2 CrNiMoCuWN 25 7 4 Zeron 100
       
Nickelbasislegierungen 2.4616 EL NiMo 29 Hastelloy B-2
      Hastelloy B-3
  2.4612 EL NiMo 15 Cr 15 Ti Hastelley C-4
  2.4602 NiCr 21 Mo 14 W Hastelloy C-22
  2.4819 NiMo 16 Cr 15 W Hastelloy C-276
  2.4856 NiCr 22 Mo 9 Nb Inconel 625
  2.4668 NiCr 19 NbMo Inconel 718
  2.4858 NiCr 21 Mo Incoloy 825
  1.4847 X 8 CrNiAlTi 20 20 Incoloy 800
       
Ausscheidungshärt bare Stähle 1.4944/1.3980 X 4 NiCrTi 26 15 AISI 660
  1.4534 X 3 CrNiMoAl 13 8 2 PH13-8Mo
  1.4542 - 17-4 PH
  1.4568 - 17.7PH
  1.4545 - 15-5 PH
       
Spezialitäten     Corrax
      Phynox
      Cronidur 30


[0015] Nach dem Sinterprozess wird der hergestellte Rohling z.B. an seinen Oberflächen nachbearbeitet, und zwar durch geeignete material- oder spanabhebende Techniken,
wobei bei dieser Behandlung oder in einem anschließenden Verfahrensschritt beispielsweise durch Schleifen oder dgl. und/oder chemische Verfahren die Poren des Sintermaterials an den Oberflächen freigelegt werden. Die Dichte des Sintermaterials liegt dann beispielsweise im Bereich zwischen 6,8 und 8 kg/dm3.

[0016] In einem weiteren Verfahrensschritt erfolgt einer Kohlenstoff-Diffusionsbehandlung des Rohlings an seinen gesamten Oberfläche zur Einlagerung von Kohlenstoffatomen durch Diffusion in das Metallgitter des Rohlings (Sinterkörpers). Hierfür wird der Rohling über einen Zeitraum von mehreren Tagen, beispielsweise über einen Zeitraum von bis zu 6 Tagen, in einer kohlenstoffhaltigen Atmosphäre (Schutzgasatmosphäre) bei einer Temperatur deutlich über Umgebungstemperatur, z.B. bei einer Temperatur über 100°C, aber beispielsweise unter 300°C gehalten, und zwar in einer Salzschmelze bei Anwesenheit wenigstens eine Carbonats.

[0017] Mit diesem Verfahren wird dann eine hohe Oberflächenhärte bis zu 1.800 HV, 0,05 oder ca. 80 HRC erreicht, und zwar bis zu einer relativ hohen Materialtiefe, beispielsweise bis zu einer Materialtiefe von etwa 1 mm. Nach der Kohlenstoffdiffusion erfolgt in einem weiteren Verfahrensschritt ein Imprägnieren des Rohlings mit einem für das Verschließen der Poren geeigneten Material, beispielsweise mit einem aushärtenden Kunststoff unter Druck.

[0018] Die Erfindung wurde voranstehend an einem Ausführungsbeispiel beschrieben. Es versteht sich, dass zahlreiche Änderungen sowie Abwandlungen möglich sind, ohne das dadurch der der Erfindung zugrunde liegende Erfindungsgedanke verlassen wird. So ist die Erfindung auch auf andere Bauteile anwendbar, beispielsweise für die Herstellung von Kugellagern.


Ansprüche

1. Verfahren zum Herstellen eines Bauteils mit gehärteter Oberfläche, insbesondere eines Funktionselementes für Armbanduhren, wobei ein Rohlings des Bauteils als Sinterkörper durch Sintern unter Verwendung eines Edelstahles als Sintermaterial hergestellt und einer Kohlenstoffdiffusion zur Einlagerung von Kohlenstoffatomen zur Bildung einer Diffusionszone oder Diffusionsschicht an der Oberfläche des Rohlings, in einer Salzschmelze bei einer Temperatur über 100°C unterzogen wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Kohlenstoffdiffusion bei einer Temperatur unterhalb von 300°C und bei Anwesenheit wenigstens eines Carbonats und/oder Phosphats in der Salzschmelze erfolgt.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling für die Kohlenstoffdiffusion in einer kohlenstoffenthaltenden Atmosphäre, beispielsweise Schutzgasatmosphäre, bei einer Temperatur deutlich über Raumtemperatur behandelt wird.
 
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling nach der Kohlenstoffdiffusion mit einem die Poren des Rohlings verschließenden Material, beispielsweise mit einem aushärtenden Kunststoffmaterial imprägniert wird.
 
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling mit einer Dichte zwischen etwa 5,2 und 8 kg/dm3 oder mit einer Dichte zwischen etwa 6,8 und 7,25 kg/dm3 gefertigt wird.
 
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling mit einer Porengröße im Bereich zwischen etwa 0,01 und 2,0 µm gefertigt wird, vorzugsweise mit einer Porengröße zwischen etwa 0,01 und 0,5 µm
 
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling mit einer Porengröße im Bereich zwischen etwa 0,01 und 30,0 µm gefertigt wird, vorzugsweise mit einer Porengröße zwischen etwa 5 und 25 µm
 
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling mit einer Porengröße im Bereich zwischen etwa 0,1 und 0,5 µm gefertigt wird.
 
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Kohlenstoffdiffusion in einer kohlenstoffenthaltenden Schutzgasatmosphäre erfolgt.
 
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Kohlenstoffdiffusion über einen Zeitraum bis zu 14 Tagen, beispielsweise über einen Zeitraum von 5 - 6 Tage durchgeführt wird.
 
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche des Rohlings zum Freilegen der Poren vor der Kohlenstoffdiffusion chemisch und/oder mechanisch bearbeitet wird.
 
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 12, dadurch gekennzeichnet, dass als Sinterwerkstoff ein Chrom und/oder Nickel enthaltender Stahl verwendet wird.
 
12. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass als Sinterwerkstoff ein Stahl verwendet wird, der zusätzlich Molybdän und/oder Kupfer und/oder Stickstoff und/oder Titan und/oder Wismut und/oder Niob und/oder Aluminium enthält.
 
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 12, dadurch gekennzeichnet, dass als Sinterwerkstoff ein austenitischer Edelstahl verwendet wird.
 
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 15, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling vor der Kohlenstoffdiffusion an seinen Oberflächen mechanisch und/oder chemisch bearbeitet wird.
 
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 16, gekennzeichnet durch die Herstellung eines Uhrengehäuses (1) und/oder eines Gehäusedeckels oder -bodens oder einer eines Drückers oder einer Krone für eine Armbanduhr und/oder durch das Aufbringen einer Hartstoff- oder Hartmetallbeschichtung zur Erhöhung der Verschleißbeständigkeit.
 




Zeichnung







Recherchenbericht










Angeführte Verweise

IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes. Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente