[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Herstellen eines Bauteils mit gehärteter
Oberfläche, insbesondere eines Funktionselementes für Armbanduhren gemäß Oberbegriff
Patentanspruch 1.
[0002] Funktionselemente für Armbanduhren im Sinne der Erfindung sind u. a. das Uhrengehäuse,
der zum Verschließen des Uhrengehäuses dienende Deckel oder Boden, Kronen, Drücker
sowie auch Metallarmbänder oder Teile der vorgenannten Elemente.
[0003] Speziell Gehäuse für Armbanduhren sind in verschiedensten Ausführungen bekannt. In
neuerer Zeit wurde auch vorgeschlagen, derartige Gehäuse aus einem härtbaren, nicht
magnetisierbaren Stahl herzustellen, um so für das Gehäuse einer Armbanduhr u. a.
eine besonders harte und widerstandsfähige Oberfläche zu erhalten.
[0004] Ein Verfahren der gattungsmäßigen Art ist Gegenstand der älteren, aber nicht vor
veröffentlichten
DE 10 2004 056 880 A1, und zwar zum Herstellen von Funktionselementen für Armbanduhren.
[0005] Bekannt ist weiterhin ein Verfahren zum Herstellen von Filtermembranen durch Aufbringen
von metallischen Partikeln mit einer Partikelgrößer kleiner als 50 µm auf ein poröses
metallisches Substrat, durch Vorsintern der von den Partikeln und dem metallischen
Substrat gebildeten Schichtfolge, durch Aufbringen von ultrafeinen Keramikpartikeln
mit einer Partikelgrößer kleiner als 500 nm, durch anschließendes plastisches Verformen
der Keramikpartikel unter Anwendung von Scherkräften und durch anschließendes Sintern
zur Bildung einer Komposit-Membrane bestehend aus einer Filterschicht und einem metallischen
Substrat (
US 5 364 586).
[0006] Bekannt ist weiterhin auch das Aufkohlen von Werkstücken aus Stahl im Salzbad bei
einer Temperatur im Bereich von 930°C (
DE 39 40 426 C1).
[0007] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren aufzuzeigen, mit welchem in besonders
einfacher Weise Bauteile mit hoher Festigkeit bzw. Härte an den Oberflächen gefertigt
werden können. Zur Lösung dieser Aufgabe ist ein Verfahren entsprechend dem Patentanspruch
1 ausgebildet.
[0008] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird zunächst unter Verwendung eines Sinterwerkstoffes,
der in Pulver- oder Partikelform vorliegt, in einem Formgebungs- und Sinterverfahren
ein Rohling aus Sintermaterial gefertigt, der in seiner Form bereits weitestgehend
dem herzustellenden Bauteil oder Funktionselement, beispielsweise Gehäuse oder Gehäuseboden
bzw. -deckel usw. entspricht. Im Fortgang des Verfahrens erfolgt dann eine Kohlenstoffdiffusion
bei einer Temperatur über 100°C aber deutlich unter 400°C zum Einlagern von Kohlenstoffatome
in das Metallgitter des Rohlings bzw. Sinterkörpers, sodass dann für den Rohling eine
Oberflächenschicht mit besonders großer Härte erreicht wird, und zwar mit einer relativ
großen Dicke, d. h. mit einer Dicke bis zu 1 mm.
[0009] Durch die bei dem Sinterprozess erzeugten Poren wird die Kohlenstoffdiffusion begünstigt,
sodass dieser Verfahrensschritt in überraschender Weise bei Anwesenheit wenigstens
eines Carbonats in der Salzschmelze bereits bei Temperaturen deutlich unter 400°C,
beispielsweise bei Temperaturen unter 300°C wirksam durchgeführt werden kann und sich
hierbei eine relativ dicke, sehr harte Oberflächenschicht bis zu 1 mm erzielen lässt.
[0010] Durch die Herstellung des Rohlings im Sinterverfahren lässt sich weiterhin der Aufwand
bei der mechanischen und/oder chemischen Nachbehandlung des Rohlings zur Erzielung
der angestrebten Form und/oder Oberflächenstruktur wesentlich reduzieren.
[0011] Weiterbildungen, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der Erfindung ergeben sich
auch aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen und aus der Figur.
Dabei sind alle beschriebenen und/oder bildlich dargestellten Merkmale für sich oder
in beliebiger Kombination grundsätzlich Gegenstand der Erfindung, unabhängig von ihrer
Zusammenfassung in den Ansprüchen oder deren Rückbeziehung. Auch wird der Inhalt der
Ansprüche zu einem Bestandteil der Beschreibung gemacht.
[0012] Die Erfindung wird im Folgenden im Zusammenhang mit der Figur, die in vereinfachter
schematischer Darstellung als Bauteil oder Funktionselement das Gehäuse 1 einer Armbanduhr
zeigt, näher erläutert.
[0013] Die Herstellung des Gehäuses 1 erfolgt in mehreren Verfahrensschritten. In einem
ersten Verfahrensschritt wird zunächst ein der Form des Gehäuses 1 entsprechender
Rohling aus einem Metall-Sinter-Material hergestellt, und zwar unter Verwendung eines
für die Herstellung von Uhrengehäuse geeigneten nichtmagnetisierbaren Stahles oder
austenitischen Edelstahles in Pulver- oder Partikelform, beispielsweise eines Stahles
mit der Werkstoffnummer 1.4401 durch Formen bzw. Kompaktieren und anschließendes Sintern.
Der Rohling wird bei diesem Sinterprozess beispielsweise derart hergestellt, dass
Poren in der Größe zwischen 0,1 - 0,5 µm, vorzugsweise in der Größe zwischen 0,1 -
30 µm verbleiben, wobei sich eine Porengröße zwischen etwa 5 und 25 µm als besonders
vorteilhaft erwiesen hat.
[0014] Als Sinterwerkstoff eignen sich beispielsweise auch folgende Stähle in Pulver- oder
Partikelform:
| |
Werkstoffnummer |
DIN-Kurzname |
Markenbezeichnung |
| |
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| Ohne Molybdän |
1.4310 |
X 10 CrNi 18 8 |
AISI 301 |
| |
1.4319 |
X 3 CrNiN 17 8 |
AISI 302 |
| |
1.4567 |
X 3 CrNiCu 18 9 |
AISI 302 HO |
| |
1.4305 |
X 12 CrNiS 18 9 |
AISI 303 |
| |
1.4301 |
X 5 CrNi 18 9 |
AISI 304 |
| |
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| Mit Molybdän |
1.4401 |
X 5 CrNiMo 17 12 2 |
AISI 316 |
| |
1.4571 |
X 6 CrNiMoTi 17 12 2 |
AISI 316Ti |
| |
1.4404 |
X 2 CrNiMo 17 13 2 |
AISI 316L |
| |
1.4429 |
X 2 CrNiMoN 17 13 3 |
AISI 316LN |
| |
1.4435 |
X 2 CrNiMo 18 14 3 |
AISI 316L |
| |
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| Superausteniten |
1.4539 |
X 1 NiCrMoCu 25 20 5 |
AISI 904L |
| |
1.4547 |
X 1 CrNMoCuN 20 18 7 |
254 SMO |
| |
1.4563 |
X 1 NiCrMoCuN 31 27 4 |
Sanicro 28 |
| |
1.4591 |
X 1 CrNiMoCuN 33 32 1 |
Alloy 33 |
| |
1.4652 |
|
654 SMO |
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| Duplex-Stähle (tenitisch - austenitischer Stähle) |
1.4362 |
X 2 CrNiN 23 4 |
SAF 2304 |
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1.4460 |
X 3 CrNiMoN 27 5 2 |
AISI 329 |
| |
1.4462 |
X 2 CrNiMoN 22 5 3 |
SAF 2205 |
| |
|
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|
| Superduplex-Stähle |
1.4410 |
X 2 CrNiMo 25 7 4 |
SAF 2507 |
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Ferralium 225 |
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1.4501 |
X 2 CrNiMoCuWN 25 7 4 |
Zeron 100 |
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| Nickelbasislegierungen |
2.4616 |
EL NiMo 29 |
Hastelloy B-2 |
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Hastelloy B-3 |
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2.4612 |
EL NiMo 15 Cr 15 Ti |
Hastelley C-4 |
| |
2.4602 |
NiCr 21 Mo 14 W |
Hastelloy C-22 |
| |
2.4819 |
NiMo 16 Cr 15 W |
Hastelloy C-276 |
| |
2.4856 |
NiCr 22 Mo 9 Nb |
Inconel 625 |
| |
2.4668 |
NiCr 19 NbMo |
Inconel 718 |
| |
2.4858 |
NiCr 21 Mo |
Incoloy 825 |
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1.4847 |
X 8 CrNiAlTi 20 20 |
Incoloy 800 |
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| Ausscheidungshärt bare Stähle |
1.4944/1.3980 |
X 4 NiCrTi 26 15 |
AISI 660 |
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1.4534 |
X 3 CrNiMoAl 13 8 2 |
PH13-8Mo |
| |
1.4542 |
- |
17-4 PH |
| |
1.4568 |
- |
17.7PH |
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1.4545 |
- |
15-5 PH |
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| Spezialitäten |
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Corrax |
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Phynox |
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Cronidur 30 |
[0015] Nach dem Sinterprozess wird der hergestellte Rohling z.B. an seinen Oberflächen nachbearbeitet,
und zwar durch geeignete material- oder spanabhebende Techniken,
wobei bei dieser Behandlung oder in einem anschließenden Verfahrensschritt beispielsweise
durch Schleifen oder dgl. und/oder chemische Verfahren die Poren des Sintermaterials
an den Oberflächen freigelegt werden. Die Dichte des Sintermaterials liegt dann beispielsweise
im Bereich zwischen 6,8 und 8 kg/dm
3.
[0016] In einem weiteren Verfahrensschritt erfolgt einer Kohlenstoff-Diffusionsbehandlung
des Rohlings an seinen gesamten Oberfläche zur Einlagerung von Kohlenstoffatomen durch
Diffusion in das Metallgitter des Rohlings (Sinterkörpers). Hierfür wird der Rohling
über einen Zeitraum von mehreren Tagen, beispielsweise über einen Zeitraum von bis
zu 6 Tagen, in einer kohlenstoffhaltigen Atmosphäre (Schutzgasatmosphäre) bei einer
Temperatur deutlich über Umgebungstemperatur, z.B. bei einer Temperatur über 100°C,
aber beispielsweise unter 300°C gehalten, und zwar in einer Salzschmelze bei Anwesenheit
wenigstens eine Carbonats.
[0017] Mit diesem Verfahren wird dann eine hohe Oberflächenhärte bis zu 1.800 HV, 0,05 oder
ca. 80 HRC erreicht, und zwar bis zu einer relativ hohen Materialtiefe, beispielsweise
bis zu einer Materialtiefe von etwa 1 mm. Nach der Kohlenstoffdiffusion erfolgt in
einem weiteren Verfahrensschritt ein Imprägnieren des Rohlings mit einem für das Verschließen
der Poren geeigneten Material, beispielsweise mit einem aushärtenden Kunststoff unter
Druck.
[0018] Die Erfindung wurde voranstehend an einem Ausführungsbeispiel beschrieben. Es versteht
sich, dass zahlreiche Änderungen sowie Abwandlungen möglich sind, ohne das dadurch
der der Erfindung zugrunde liegende Erfindungsgedanke verlassen wird. So ist die Erfindung
auch auf andere Bauteile anwendbar, beispielsweise für die Herstellung von Kugellagern.
1. Verfahren zum Herstellen eines Bauteils mit gehärteter Oberfläche, insbesondere eines
Funktionselementes für Armbanduhren, wobei ein Rohlings des Bauteils als Sinterkörper
durch Sintern unter Verwendung eines Edelstahles als Sintermaterial hergestellt und
einer Kohlenstoffdiffusion zur Einlagerung von Kohlenstoffatomen zur Bildung einer
Diffusionszone oder Diffusionsschicht an der Oberfläche des Rohlings, in einer Salzschmelze
bei einer Temperatur über 100°C unterzogen wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Kohlenstoffdiffusion bei einer Temperatur unterhalb von 300°C und bei Anwesenheit
wenigstens eines Carbonats und/oder Phosphats in der Salzschmelze erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling für die Kohlenstoffdiffusion in einer kohlenstoffenthaltenden Atmosphäre,
beispielsweise Schutzgasatmosphäre, bei einer Temperatur deutlich über Raumtemperatur
behandelt wird.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling nach der Kohlenstoffdiffusion mit einem die Poren des Rohlings verschließenden
Material, beispielsweise mit einem aushärtenden Kunststoffmaterial imprägniert wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling mit einer Dichte zwischen etwa 5,2 und 8 kg/dm3 oder mit einer Dichte zwischen etwa 6,8 und 7,25 kg/dm3 gefertigt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling mit einer Porengröße im Bereich zwischen etwa 0,01 und 2,0 µm gefertigt
wird, vorzugsweise mit einer Porengröße zwischen etwa 0,01 und 0,5 µm
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling mit einer Porengröße im Bereich zwischen etwa 0,01 und 30,0 µm gefertigt
wird, vorzugsweise mit einer Porengröße zwischen etwa 5 und 25 µm
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling mit einer Porengröße im Bereich zwischen etwa 0,1 und 0,5 µm gefertigt
wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Kohlenstoffdiffusion in einer kohlenstoffenthaltenden Schutzgasatmosphäre erfolgt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Kohlenstoffdiffusion über einen Zeitraum bis zu 14 Tagen, beispielsweise über
einen Zeitraum von 5 - 6 Tage durchgeführt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche des Rohlings zum Freilegen der Poren vor der Kohlenstoffdiffusion
chemisch und/oder mechanisch bearbeitet wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 12, dadurch gekennzeichnet, dass als Sinterwerkstoff ein Chrom und/oder Nickel enthaltender Stahl verwendet wird.
12. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass als Sinterwerkstoff ein Stahl verwendet wird, der zusätzlich Molybdän und/oder Kupfer
und/oder Stickstoff und/oder Titan und/oder Wismut und/oder Niob und/oder Aluminium
enthält.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 12, dadurch gekennzeichnet, dass als Sinterwerkstoff ein austenitischer Edelstahl verwendet wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 15, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling vor der Kohlenstoffdiffusion an seinen Oberflächen mechanisch und/oder
chemisch bearbeitet wird.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 16, gekennzeichnet durch die Herstellung eines Uhrengehäuses (1) und/oder eines Gehäusedeckels oder -bodens
oder einer eines Drückers oder einer Krone für eine Armbanduhr und/oder durch das Aufbringen einer Hartstoff- oder Hartmetallbeschichtung zur Erhöhung der Verschleißbeständigkeit.