[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Umschlagen von einer an einem Lastseil eines
Kranes oder Baggers hängenden Last, der eine computergesteuerte Regelung zur Dämpfung
der Lastpendelung und einen Bahnplaner aufweist, und insbesondere ein Verfahren zum
automatischen Umschlagen der Last.
[0002] Die Erfindung schließt eine Lastpendeldämpfung bei Kranen oder Baggern ein, die eine
Bewegung der an einem Seil aufgehängten Last in mindestens drei Freiheitsgraden zuläßt.
Derartige Krane oder Bagger weisen ein Drehwerk, das auf einem Fahrwerk aufgebracht
sein kann, auf, welches zum Drehen des Kranes oder Baggers dient. Weiterhin ist ein
Wippwerk zum Aufrichten bzw. Neigen eines Auslegers vorhanden. Schließlich umfaßt
der Kran oder Bagger ein Hubwerk zum Heben bzw. Senken der an dem Seil aufgehängten
Last. Derartige Kräne oder Bagger finden in verschiedenster Ausführung Verwendung.
Beispielhaft sind hier Hafenmobilkräne, Schiffskräne, Offshore-Kräne, Raupenkräne
bzw. Seilbagger zu nennen.
[0003] Beim Umschlagen einer an einem Seil hängenden Last mittels eines derartigen Kranes
oder Baggers entstehen Schwingungen, die einerseits auf die Bewegung des Kranes oder
Baggers selbst oder aber auch auf äußere Störeinflüsse, wie beispielsweise Wind zurückzuführen
sind. Es wurden nun bereits in der Vergangenheit Anstrengungen unternommen, um Pendelschwingungen
bei Lastkranen zu unterdrücken.
[0004] So beschreibt die
DE 127 80 79 eine Anordnung zur selbsttätigen Unterdrückung von Pendelungen einer mittels eines
Seiles an einem in waagerechter Ebene bewegbaren Seilaufhängepunkt hängenden Last
bei Bewegung des Seilaufhängepunktes in mindestens einer waagerechten Koordinate,
bei der die Geschwindigkeit des Seilaufhängepunktes in der waagerechten Ebene durch
einen Regelkreis in Abhängigkeit von einer von dem Auslenkwinkel des Lastseiles gegen
das Endlot abgeleiteten Größe beeinflusst wird.
[0005] Die
DE 20 22 745 zeigt eine Anordnung zur Unterdrückung von Pendelschwingungen einer Last, die mittels
eines Seiles an der Katze eines Kranes aufgehängt ist, deren Antrieb mit einer Drehzahleinrichtung
und einer Wegregeleinrichtung ausgestattet ist, mit einer Regelanordnung, die die
Katze unter Berücksichtigung der Schwingungsperiode während eines ersten Teils des
von der Katze zurückgelegten Weges derart beschleunigt und während eines letzten Teils
dieses Weges derart verzögert, daß die Bewegung der Katze und die Schwingung der Last
am Zielort gleich zu Null werden.
[0006] Aus der
DE 321 04 50 ist eine Einrichtung an Hebezeugen für die selbsttätige Steuerung der Bewegung des
Lastträgers mit Beruhigung des beim Beschleunigen oder Abbremsen der an ihm hängenden
Last auftretenden Pendels der Last während eines Beschleunigungs- bzw. Abbremszeitintervalles
bekannt geworden. Die Grundidee beruht auf dem einfachen mathematischen Pendel. Die
Katz- und Lastmasse wird für die Berechnung der Bewegung nicht miteinbezogen. Coulombsche
und geschwindigkeitsproportionale Reibung der Katz- oder Brückenantriebe werden nicht
berücksichtigt.
[0007] Um einen Lastkörper schnellstmöglich vom Standort zum Zielort transportieren zu können,
schlägt die
DE 322 83 02 vor, die Drehzahl des Antriebsmotors der Laufkatze mittels eines Rechners so zu steuern,
daß die Laufkatze und der Lastträger während der Beharrungsfahrt mit gleicher Geschwindigkeit
bewegt werden und die Pendeldämpfung in kürzester Zeit erreicht wird. Der aus der
DE 322 83 02 bekannte Rechner arbeitet nach einem Rechenprogramm zur Lösung der für das aus Laufkatze
und Lastkörper gebildeten ungedämpften Zwei-Massen-Schwingungssystems geltenden Differentialgleichungen,
wobei die Coulombsche und geschwindigkeitsproportionale Reibung der Katz- oder Brückenantriebe
nicht berücksichtigt werden.
[0008] Bei dem aus der
DE 37 10 492 bekannt gewordenen Verfahren werden die Geschwindigkeit zwischen den Zielorten auf
dem Weg derart gewählt, daß nach Zurücklegen der Hälfte des Gesamtweges zwischen Ausgangsort
und Zielort der Pendelausschlag stets gleich Null ist.
[0009] Das aus der
DE 39 33 527 bekannt gewordene Verfahren zur Dämpfung von Lastpendelschwingungen umfaßt eine normale
Geschwindigkeits-Positionsregelung.
[0010] Die
DE 691 19 913 behandelt ein Verfahren zum Steuern der Verstellung einer pendelnden Last, bei der
in einem ersten Regelkreis die Abweichung zwischen der theoretischen und der wirklichen
Position der Last gebildet wird. Diese wird abgeleitet, mit einem Korrekturfaktor
multipliziert und auf die theoretische Position des beweglichen Trägers addiert. In
einem zweiten Regelkreis wird die theoretische Position des beweglichen Trägers mit
der wirklichen Position verglichen, mit einer Konstanten multipliziert und auf die
theoretische Geschwindigkeit des beweglichen Trägers aufaddiert.
[0011] Die
DE 44 02 563 behandelt ein Verfahren für die Regelung von elektrischen Fahrantrieben von Hebezeugen
mit einer an einem Seil hängenden Last, die aufgrund der Dynamik beschreibenden Gleichungen
den Soll-Verlauf der Geschwindigkeit der Krankatze generiert und auf einen Geschwindigkeits-
und Stromregler gibt. Des weiteren kann die Recheneinrichtung um einen Positionsregler
für die Last erweitert werden.
[0012] Die aus der
DE 127 80 79,
DE 393 35 27 und
DE 691 19 913 bekannt gewordenen Regelverfahren benötigen zur Lastpendeldämpfung einen Seilwinkelsensor.
In der erweiterten Ausführung gemäß der
DE 44 02 563 ist dieser Sensor ebenfalls erforderlich. Da dieser Seilwinkelsensor erhebliche Kosten
verursacht, ist es von Vorteil, wenn die Lastpendelung auch ohne diesen Sensor kompensiert
werden kann.
[0013] Das Verfahren der
DE 44 02 563 in der Grundversion erfordert ebenso mindestens die Krankatzengeschwindigkeit. Auch
bei der
DE 20 22 745 sind für die Lastpendeldämpfung mehrere Sensoren erforderlich. So muß bei der
DE 20 22 745 zumindest eine Drehzahl und Positionsmessung der Krankatze vorgenommen werden.
[0014] Auch die
DE 37 10 492 benötigt als zusätzlichen Sensor zumindest die Katz- bzw. Brückenposition.
[0015] Alternativ zu diesem Verfahren schlägt ein anderer Ansatz, der beispielsweise aus
der
DE 32 10 450 und der
DE 322 83 02 bekannt geworden ist, vor, die dem System zugrundeliegenden Differentialgleichungen
zu lösen und basierend hierauf eine Steuerstrategie für das System zu ermitteln, um
eine Lastpendelung zu unterdrücken, wobei im Falle der
DE 32 10 450 die Seillänge und im Falle der
DE 322 83 02 die Seillänge und Lastmasse gemessen wird. Bei diesen Systemen wird jedoch die im
Kransystem nicht zu vernachlässigenden Reibungseffekte der Haftreibung und geschwindigkeitsproportionalen
Reibung nicht berücksichtigt. Auch die
DE 44 02 563 berücksichtigt keine Reibungs- und Dämpfungsterme.
[0016] Um einen Kran oder Bagger zum Umschlagen von einer an einem Lastseil hängenden Last,
der die Last zumindest über drei Bewegungsfreiheitsgrade bewegen kann, derart weiterzubilden,
daß die während der Bewegung aktiv auftretende Pendelbewegung der Last gedämpft werden
kann und die Last so exakt auf einer vorgegebenen Bahn geführt werden kann, hat die
Anmelderin bereits in ihrer
DE 100 64 182 A1 vorgeschlagen, den Kran oder Bagger mit einer computergesteuerte Regelung zur Dämpfung
der Lastpendelung auszustatten, die ein Bahnplanungsmodul (im folgenden kurz Bahnplaner
genannt), eine Zentripetalkraftkompensationseinrichtung und zumindest einen Achsregler
für das Drehwerk, einen Achsregler für das Wippwerk und einen Achsregler für das Hubwerk
aufweist.
[0017] Ein Verfahren gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 ist aus der
WO 2004/106215 A1 bekannt.
[0018] Beim Umschlagen von Lasten ist es notwendig, mit dem Kran oder Bagger, beispielsweise
einem Hafenmobilkran, zwei Zielpunkte möglichst schnell und positionsgenau anzufahren.
Einer der Zielpunkte liegt in dem zu entladenden Objekt, der andere in dem zu beladenen
Objekt. Ein weitgehend automatisierter Umschlag der Lasten wird als sog. Teach-In-Betrieb
bezeichnet.
[0019] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren für die Umsetzung des sog. Teach-In-Betriebs
für Krane oder Bagger, insbesondere Hafenmobilkrane, zu schaffen.
[0020] Die Lösung ergibt sich aus der Kombination der Merkmale des Hauptanspruchs.
[0021] Besondere Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0022] Der vollautomatische Bahnplaner ist eingebunden in ein aktives Lastpendeldämpfungssystem
für einen Hafenmobilkran. Die Anforderung an den Kranführer mehrfach zwei Punkte im
Arbeitsraum anzufahren, dient dabei als Ausgangspunkt für die Entwicklung des vollautomatischen
Betriebs. Wie in Figur 1 dargestellt, werden diese zwei Punkte vom Kranführer definiert.
Abhängig von der vorgegebenen Richtung durch den Handhebel wird einer der zwei Punkte
als Zielpunkt festgelegt. Ziel ist es den Zielpunkt möglichst schnell und positionsgenau
anzufahren und die Lastschwingung zu minimieren. Weiterhin werden durch die Handhebelsignale
die Sollgeschwindigkeiten für das Dreh- und Wippwerk vorgegeben. Damit behält der
Kranführer auch im vollautomatischen Betrieb die Kontrolle über den Hafenmobilkran.
Hindernisse, die sich im Arbeitsraum befinden, können umfahren werden, da die Last
im gesamten Arbeitsraum frei bewegt werden kann ohne an eine bestimmte Trajektorie
gebunden zu sein. Dabei sorgt die aktive Lastpendeldämpfung, wie in der Patentanmeldung
DE 100 64 182 A1 beschrieben, für die Minimierung der Lastschwingung. Ist es notwendig den Arbeitsraum
zu verlassen, muss der Kranführer eine entsprechende Taste betätigen. Durch diesen
Betriebsmodus, den so genannten Teach-In-Betrieb, werden hohe Umschlagleistungen erzielt
und die Anforderungen an den Kranführer minimiert. Außerdem verhält sich der Kran
im vollautomatischen Betrieb annähernd so wie im halbautomatischen Betrieb, bei dem
das Handhebelsignal zur Kransteuerung genutzt wird und die aktive Lastpendeldämpfung
für die Minimierung der Lastschwingung sorgt. Somit bleibt das dynamische Verhalten
des Krans für den Kranführer berechenbar und gewohnt.
[0023] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung werden im folgenden anhand der Figuren
näher erläutert.
[0024] Die Regelung des Krans wird durch unterlagerte Schwingungsdämpfung (
DE 100 64 182 A1) realisiert. Die Teilstrukturen für das Dreh- und Wippwerk bestehen im Wesentlichen
aus der Trajektoriengenerierung, den Störbeobachtern und den Zustandsreglern mit Vorsteuerung
(siehe Figur 2). Im vollautomatischen Betrieb werden sowohl das Hebelsignal
ϕ̇DZiel und
ṙALZiel als auch die Start-/Zielpunkte im Arbeitsraum ausgewertet. Mit diesen Informationen
werden abgewandelte Referenzsignale für die Lastgeschwindigkeit in Drehrichtung und
radialer Richtung berechnet. In den Bahnplanern werden aus den Referenzsignalen Solltrajektorien
generiert, die in den Achsreglern für Dreh- und Wippwerk vorsteuernd in die entsprechenden
Ansteuerspannungen für die hydraulischen Antriebe umgesetzt werden.
[0025] Wie in Figur 1 dargestellt ist, werden die zwei durch den Kranführer festgelegten
Punkte im Arbeitsraum in die
ϕD -rAL -Ebene projiziert. Damit lassen sich die Sollpositionen der Last in die Komponenten
ϕD_Ziel und
rAL_Ziel trennen. Figur 2 zeigt die Berücksichtigung dieser Komponenten in den Achsreglern
für das Dreh- und Wippwerk. Je nach Auslenkung des Handhebels wird die vom Kranführer
rechts bzw. links liegende Sollposition als Zielpunkt vorgeben und in die eben aufgeführten
Komponenten getrennt.
Struktur und Wirkungsweise des vollautomatischen Bahnplaners für das Drehwerk:
[0026] Die Grundidee des vollautomatischen Bahnplaners ist die Abwandlung des reduzierten
Handhebelsignals in Abhängigkeit vom verbleibenden Drehbereich bis zur Zielposition
ϕD_Ziel und dem benötigten Bremsweg. Es wird bei einer Auslenkung des Handhebels durch den
Kranführer zunächst mit der im Bahnplaner hinterlegten Rampe beschleunigt. Ist der
verbleibende Drehbereich größer als der zum Verzögern benötigte Drehwinkel, folgt
eine Phase in der mit vorgegebener Maximalgeschwindigkeit gefahren wird. Andererseits
schließt sich der Beschleunigungsphase direkt die Bremsphase an, falls der Drehbereich
entsprechend klein ist. Wie in Figur 3 dargestellt, muss zunächst der verbleibende
Bereich durch die Differenz zwischen Soll- und Ist-Position bestimmt werden. Um den
richtigen Zeitpunkt, ab dem verzögert werden muss, zu finden, wird der benötigte Bremsweg
einbezogen. Abhängig von der Drehrichtung wird die Differenz zwischen verbleibendem
Drehbereich und Bremsweg genau zum richtigen Verzögerungszeitpunkt negativ bzw. positiv.
Um das Verhalten des Hafenmobilkranes beim Anfahren der Zielposition zu verbessern
wird das reduzierte Handhebelsignal
ϕ̇DZielred nicht erst beim Erreichen des Verzögerungszeitpunktes auf Null gesetzt, sondern über
eine angepaßte Look-Up-Tabelle bereits beim Nähern dieses Zeitpunktes reduziert.
[0027] Wie in Figur 4 dargestellt, wird zunächst im Block "Abwandlung Handhebelsignal" die
Drehrichtung anhand des Vorzeichens des reduzierten Handhebelsignals
ϕ̇DZielred festgelegt. Um den vollautomatischen Bahnplaner robust gegenüber Seillängenänderungen
zu machen, wird der Kran schon vor dem Erreichen des eigentlichen Verzögerungszeitpunktes
eingebremst. Die Differenz zwischen Positionsabweichung und Bremsweg wird dabei über
Look-Up-Tabellen auf Faktoren zwischen Null und Eins umgesetzt. Ist die Entfernung
bis zum Verzögerungspunkt, das ist der Drehwinkel ab dem abgebremst werden muß um
den Zielwinkel zu erreichen, größer als 25 Grad wird das reduzierte Handhebelsignal
mit Eins gewichtet und im Bahnplaner in Solltrajektorien umgesetzt. Verringert sich
die Entfernung, wird das Handhebelsignal nichtlinear reduziert. Wird das Signal
diffDW negativ wird der Faktor, mit dem das reduzierte Handhebelsignal gewichtet wird, Null
und damit ist der Verzögerungszeitpunkt erreicht.
[0028] Da der Zustandsregler für das Drehwerk keine Positionsbindung besitzt, also der Drehwinkel
ϕ
D nicht zurückgeführt wird, ist ein P-Regler implementiert, der die Positionsabweichung
zurückführt. Die Stellgröße des P-Reglers wird allerdings nur bei Überfahren des Zielpunktes
aufgeschaltet (siehe Figur 5). Es kann somit für
t → ∞ das Erreichen des Zielwinkels garantiert werden. Die Verstärkung des P-Reglers
wird anhand eines festen Faktors
PFaktor, der mit dem Absolutwert des Handhebelsignals gewichtet ist, festgelegt. Das Handhebelsignal
ist von -1 bis 1 normiert. Damit wird der P-Regler an die Dynamik des Systems angepaßt.
[0029] Die Grundlage für die Berechnung des Bremsweges bildet die allgemeine Lösung des
Zustandsraummodells des geregelten Teilsystems Drehwerk. Die Lösung der Zustandsgleichungen
unterteilt sich in zwei Teile, die homogene Lösung und die partikuläre Lösung. Die
partikuläre Lösung kann dabei für das Drehwerk durch den in Gleichung (0.1) dargestellten
Zusammenhang angenähert werden. Der erste Teil des Bremsweges
ϕDbrems1 wird durch die Berücksichtigung der gemessenen
[0030] Drehgeschwindigkeit
ϕ̇D und der maximalen Beschleunigung ϕ̈
D_max berechnet.

[0031] Der zweite Anteil des Bremsweges
ϕDbrems2 ergibt sich aus der Berechnung der homogenen Lösung des geregelten Teilsystems Drehwerk.
[0032] Homogene Lösung des geregelten Teilsystems Drehwerk:
[0033] Die für das Drehwerk implementierte Schwingungsdämpfung der Last in tangentialer
Richtung führt zu Ausgleichsbewegung des Krans in Drehrichtung. Die Dynamik der Zustandsregelung,
festgelegt durch die Pollagen, hat einen maßgeblichen Einfluss auf den benötigten
Bremsweg des Drehwerks. Um den Drehwinkel zu bestimmen, der sich bei einer Auslenkung
des geregelten Systems ergibt, wird die homogene Lösung dieses Systems berechnet.
Mit der in Gleichung (0.2) dargestellten homogenen Lösung lassen sich alle Zustände
durch Messen der Anfangszustände bestimmen.

[0034] Dabei ist
AR die Systemmatrix des geregelten Systems. Mit den vier Zuständen Drehwinkel, Drehwinkelgeschwindigkeit,
tangentialer Seilwinkel und tangentiale Seilwinkelgeschwindigkeit und der Ansteuerspannung
des Proportionalventils des hydraulischen Kreislaufs als Eingang ergibt sich der Zustandsvektor
und der Eingangsvektor zu

[0035] Mit diesen Definitionen lautet der Zustandsraum des Drehwerks wie folgt

[0036] Dabei ist
lA die Auslegerlänge,
lS die freie Pendellänge,
iD ein Übersetzungsverhältnis,
VMD das Schluckvolumen des Hydraulikmotoren,
TD die Verzögerungszeit des Hydraulischen Antriebs,
KVD die Proportionalitätskonstante zwischen Ansteuerspannung und Förderstrom der Pumpe
und ϕ
A der Aufrichtwinkel des Auslegers. Der Ausgang des Systems ist die Ausladung der Last.
Somit ist die Ausgangsmatrix
CD gegeben durch

[0037] Um den Drehwinkel, der sich bei Auslenkung des geregelten Systems ergibt, berechnen
zu können, muss Gleichung (0.2) für den ersten Zustand (ϕ
D ) gelöst werden. Dazu wird zunächst die Systemmatrix des geregelten Systems mit der
Rückführmatrix
K = [0
k2 k3 k4], deren Elemente durch Polvorgabe bestimmt werden, berechnet. (Gleichung (0.6)).
Die erste Verstärkung der Rückführmatrix ist Null, da einer der vier Pole mit Null
vorgeben ist und somit die Zustandsregelung des Drehwerks keine Positionsbindung besitzt.

[0038] Berechnet man nun die Transitionsmatrix
Φ = e AR (t-t0) und betrachtet den Grenzwert für
t → ∞, ergeben sich die folgenden Elemente der ersten Zeile.

[0039] Die drei verbleibenden Pole des geregelten Teilsystems Drehwerk, die ungleich Null
sind,
werden durch l1,
l2 und
l3 symbolisiert.
[0040] Mit Gleichung (0.2) und den Elementen der Transitionsmatrix läßt sich die homogene
Lösung des geregelten Systems für den Drehwinkel bestimmen. In Gleichung (0.8) ist
der Zusammenhang dargestellt.

[0041] Durch diese Berechnung ist es möglich die dynamischen Eigenschaften der Drehwerksregelung
bei der vollautomatischen Bahnplanung zu berücksichtigen. Der Drehwinkel ϕ
Dhom wird dynamisch berechnet und als zusätzlicher Anteil
ϕDbrems2 des Bremsweges verstanden. Somit ist es möglich Trajektorien zu generieren, die zum
richtigen Anfahren des Zielpunktes führen.
Struktur und Wirkungsweise des vollautomatischen Bahnplaners für das Wippwerk:
[0042] Im Gegensatz zur Drehwerksregelung wird für das Wippwerk der Aufrichtwinkel des Auslegers
ϕ A zurückgeführt. Damit kann durch den Ansatz des Zustandsreglers mit Positionsbindung
das Erreichen der vorgegebenen Position für
t→∞ garantiert werden und der vollautomatische Bahnplaner vereinfacht sich wesentlich
(siehe Figur 6). Analog zum Drehwerksbahnplaner wird im Block "Abwandlung Handhebelsignal"
das reduzierte Handhebelsignal
ṙALZielred so angepaßt, daß die Bewegung des Wippwerks zum richtigen Zeitpunkt verzögert wird,
um die Zielposition zu erreichen. Der im vollautomatischen Betrieb generierte abgewandelte
Sollgeschwindigkeitsverlauf der Last in radialer Richtung wird wie in Figur 2 dargestellt
im Bahnplaner in die Solltrajektorie
rALref umgesetzt.
[0043] Den Verzögerungszeitpunkt
tVerzögerung erhält man dabei durch Richtungsabhängige Auswertung des Vorzeichens der Differenz
zwischen der Abweichung zum Zielradius und dem benötigten Bremsweg (siehe Figur 7).
Um die Genauigkeit des Positionierens zu erhöhen und das Überschwingen zu minimieren
wird zusätzlich ein sogenannter Kriechbereich eingeführt. In diesem Bereich werden
fünf Prozent der maximalen Geschwindigkeit vorgegeben. Der Zeitpunkt
tKriech wird anhand des in Figur 6 dargestellten Parameters
dKriech_WW bestimmt. Durch Addition bzw. Subtraktion des Parameters von der Differenz der Positionsabweichung
und des Bremsweges erhält man mit Hilfe einer richtungsabhängigen Auswertung des Vorzeichens
den Zeitpunkt
tKriech .
[0044] Der Kriechgangzeitpunkt
tKriech dient als Entscheidungsgrundlage, wann das reduzierte Handhebelsignal von vorgegebener
Maximalgeschwindigkeit auf fünf Prozent der Maximalgeschwindigkeit abgewandelt wird.
Damit erhält man den in Figur 8 schematisch dargestellten Verlauf des abgewandelten
Handhebelsignals.
[0045] Der Bremsweg des Wippwerks wird durch Einbeziehen der aktuellen Geschwindigkeit und
der maximalen Beschleunigung des Auslegers in radiale Richtung folgendermaßen bestimmt:

[0046] Die Berücksichtigung der Dynamik des geregelten Systems in Form der homogenen Lösung
des Systems und eine über einen P-Regler zurückgeführte Positionsabweichung ist nicht
notwendig, da der Achsregler des Wippwerks Positionsgebunden ist.
1. Verfahren zum Umschlagen von einer an einem Lastseil eines Kranes oder Baggers hängenden
Last mit einem Drehwerk zum Drehen des Kranes oder Baggers, einem Wippwerk zum Aufrichten
bzw. Neigen eines Auslegers und einem Hubwerk zum Heben bzw. Senken der an dem Seil
aufgehängten Last, mit einer computergesteuerten Regelung zur Dämpfung der Lastpendelung,
die einen Bahnplaner aufweist,
gekennzeichnet durch folgende Schritte:
- Festlegung des Arbeitsraumes durch Auswahl von zwei Punkten,
- Festlegung eines der zwei Punkte als Zielpunkt durch Richtungsvorgabe mittels eines Handhebels,
- Vorgabe der Sollgeschwindigkeiten für das Dreh- und Wippwerk durch Handhebelsignale, so dass die Last im gesamten Arbeitsraum frei bewegt werden kann,
- automatische Abwandlung der Sollgeschwindigkeiten in Abhängigkeit von dem verbleibenden
Drehbereich und/oder radialen Bereich bis zur Zielposition und dem benötigten Bremsweg.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sowohl das Handhebelsignal als auch die Start-/Zielpunkte im Arbeitsraum ausgewertet
werden und daß basierend auf diesen Informationen abgewandelte Refenzsignale für die
Lastgeschwindigkeit in Drehrichtung und radialer Richtung berechnet werden, wobei
in den Bahnplanern aus den Referenzsignalen Solltrajektorien generiert werden, die
in den Achsreglern für das Dreh- und Wippwerk vorsteuernd in die entsprechenden Ansteuerspannungen
für die Antriebe umgesetzt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß sich die Sollposition der Last in Komponenten aufteilen läßt, die jeweils im Achsregler
für das Drehwerk bzw. das Wippwerk berücksichtigt werden.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß beim automatischen Bahnplaner das reduzierte Handhebelsignal in Abhängigkeit vom
verbleibenden Drehbereich bis zur Zielposition und dem benötigten Bremsweg abgewandelt
wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß beim automatischen Bahnplaner das reduzierte Handhebelsignal so angepaßt wird, daß
die Bewegung des Wippwerkes verzögert wird, um die Zielposition zu erreichen.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß beim Verzögern als Sicherheitsbereich ein sog. Kriechbereich vorgesehen ist, in dem
das Wippwerk von der Maximalgeschwindigkeit auf einen Bruchteil der Maximalgeschwindigkeit
verlangsamt wird.
1. A method for the transfer of a load hanging at a load rope of a crane or excavator
comprising a slewing gear to rotate the crane or excavator, a luffing mechanism to
right or incline a boom and a hoisting gear to raise or lower the load suspended at
the rope, comprising a computer-controlled regulator for the damping of the load oscillation
which has a trajectory planner,
characterized by the following steps:
- fixing the working space by selection of two points;
- fixing of one of the two points as the destination point by direction presetting
by means of a hand lever;
- presetting of the nominal speeds for the slewing gear and luffing mechanism by hand
lever signals so that the load can be moved freely in the total working space;
- automatic modification of the desired speeds in dependence on the remaining rotational
range and/or radial range up to the destination point and on the required braking
distance.
2. A method in accordance with claim 1, characterized in that both the hand lever signal and the starting points/destination points in the working
space are evaluated; and in that modified reference signals are calculated on the basis of this information for the
load speed in the direction of rotation and in the radial direction, wherein nominal
trajectories are generated from the reference signals in the trajectory planners and
are implemented in a pre-controlled manner in the axis regulators for the slewing
gear and luffing mechanism into the corresponding control voltages for the drives.
3. A method in accordance with claim 1 or 2, characterized in that the nominal position of the load can be divided into components which are each taken
into account in the axis regulator for the slewing gear or the luffing mechanism.
4. A method in accordance with claim 3, characterized in that, in the automatic trajectory planner, the reduced hand lever signal is modified in
dependence on the remaining rotational range up to the destination position and on
the required braking distance.
5. A method in accordance with either of claims 3 or 4, characterized in that, in the automatic trajectory planner, the reduced hand lever signal is adapted such
that the movement of the luffing mechanism is decelerated to reach the destination
position.
6. A method in accordance with claim 5, characterized in that, on the deceleration, a so-called creeping range is provided as a safety range in
which the luffing mechanism is slowed down from the maximum speed to a fraction of
the maximum speed.
1. Procédé pour transborder une charge suspendue à un câble porteur d'une grue ou d'un
excavateur, avec un dispositif de rotation pour faire tourner la grue ou l'excavateur,
un dispositif de culbutage pour redresser ou incliner une flèche et un dispositif
de levage pour remonter ou abaisser la charge suspendue au câble, avec une régulation
commandée par ordinateur pour amortir les oscillations pendulaires de la charge qui
présente un planificateur de trajectoire,
caractérisé par les étapes suivantes consistant à:
- fixer un espace de travail en sélectionnant deux points,
- fixer l'un des points comme point cible par une spécification de direction au moyen
d'un levier à main,
- spécifier des vitesses théoriques pour le dispositif de rotation et le dispositif
de culbutage par les signaux de levier à main de sorte que la charge peut être déplacée
librement dans tout l'espace de travail,
- modifier automatiquement les vitesses théoriques en fonction de la plage de rotation
et/ou plage radiale restante(s) jusqu'à la position cible et de la distance de freinage
nécessaire.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'aussi bien le signal de levier à main que les points de départ/cible à l'intérieur
de l'espace de travail sont évalués, et en ce que des signaux de référence modifiés sur la base de ces informations sont calculés pour
la vitesse de charge dans le sens de rotation et la direction radiale, dans lequel
des trajectoires théoriques sont générées à partir des signaux de référence dans les
planificateurs de trajectoire, lesdites trajectoires étant converties dans les régulateurs
axiaux pour le dispositif de rotation et le dispositif de culbutage pour la commande
pilote en tensions d'excitation correspondantes pour les dispositifs d'entraînement.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que la position théorique de la charge peut être divisée en composantes qui sont prises
en considération respectivement dans le régulateur axial pour le dispositif de rotation
ou le dispositif de culbutage.
4. Procédé selon la revendication 3, caractérisé en ce que dans le planificateur de trajectoire automatique, le signal de levier à main réduit
est modifié en fonction de la plage de rotation restante jusqu'à la position cible
et de la distance de freinage nécessaire.
5. Procédé selon la revendication 3 ou 4, caractérisé en ce que dans le planificateur de trajectoire automatique, le signal de levier à main réduit
est adapté de telle sorte que le mouvement du dispositif de culbutage est décéléré
afin d'atteindre la position cible.
6. Procédé selon la revendication 5, caractérisé en ce que lors de la décélération, en tant que plage de sécurité, une plage dite de marche
lente est prévue dans laquelle le dispositif de culbutage est ralenti de la vitesse
maximale à une fraction de la vitesse maximale.