[0001] Die Erfindung betrifft transparente Sicherheitselemente, die einen Farbkippeffekt,
bewirkt durch metallische Cluster, die über eine definierte transparente Schicht von
einer Schicht mit hohem Brechungsindex getrennt sind, aufweisen.
[0002] Aus
WO 02/18155 ist ein Verfahren zur fälschungssicheren Markierung von Gegenständen bekannt, wobei
der Gegenstand mit einer Markierung bestehend aus einer elektromagnetische Wellen
reflektierenden ersten Schicht auf die eine für elektromagnetische Wellen durchlässige
inerte Schicht mit einer definierten Dicke aufgebracht wird, worauf auf diese inerte
Schicht eine aus metallischen Clustern gebildet dritte Schicht folgt, versehen wird.
[0003] Aus
EP 1 716 007 A ist ein fälschungssicheres Sicherheitselement bestehend aus jeweils mindestens einer
elektromagnetische Wellen reflektierenden Schicht, einer polymeren Abstandsschicht
und einer Schicht gebildet von metallischen Clustern, wobei eine oder mehrere der
Schichten zusätzlich zu ihrer Funktion im Farbkippeffekt-Setup weitere Sicherheitsfunktionen
erfüllen, bekannt.
[0004] Dabei wird jeweils durch Aufbringung von Clusterschichten, in Kombination mit einer
polymeren Abstandschicht und einer metallischen Reflexionsschicht, ein Farbkippeffekt
erzeugt.
[0005] Nachteil dabei ist, dass weitere Elemente oder Sicherheitselemente, wie beispielsweise
Fluoreszenzen, Texte, Mikrotexte, Bilder und dergleichen unterhalb der metallischen
Reflexionsschicht nicht mehr erkennbar sind.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist daher ein Sicherheitselement bereitzustellen, das einen
Farbkippeffekt aufweist, der auch ohne metallische Reflexionsschicht erkennbar ist
und außerdem das darunter liegende Element oder Sicherheitselement, beispielsweise
ein Foto, ein Text, ein Mikrotext oder ein fluoreszierendes Merkmal erkennbar ist.
[0007] Gegenstand der Erfindung ist daher ein Sicherheitselement aufweisend ein Trägersubstrat,
bestehend aus jeweils mindestens einer ersten Schicht, einer polymeren Abstandsschicht
und einer Schicht gebildet von metallischen Clustern,
dadurch gekennzeichnet, dass die erste Schicht eine transparente Schicht mit hohem Brechungsindex (HRI-Schicht)
ist.
[0008] Als Trägersubstrat kommen vorzugsweise transparente flexible Kunststofffolien, beispielsweise
aus Pl, PP, MOPP, PE, PPS, PEEK, PEK, PEI, PSU, PAEK, LCP, PEN, PBT, PET, PA, PC,
COC, POM, ABS, PVC in Frage. Die Trägerfolien weisen vorzugsweise eine Dicke von 5
- 700 µm, bevorzugt 5 - 200 µm, besonders bevorzugt 5 - 50 µm auf.
[0009] Auf das Trägersubstrat wird eine transparente Schicht mit hohem Brechungsindex aufgebracht.
Diese Schicht kann vollflächig oder partiell, aufgebracht werden.
[0010] Diese Schicht weist einen Brechungsindex auf, der höher ist, als der Brechungsindex
der Abstandsschicht, vorzugsweise einen Brechungsindex von > 2.0 auf und wird auch
als HRI-Schicht (high refractive index - Schicht) bezeichnet.
Dabei kommen beispielsweise im Vakuum aufgedampfte, oder gedruckte oder lackierte
transparente Materialien, wie beispielsweise Metalloxide oder Metallsulfide, beispielsweise
Ti-Oxide , Ta-Oxide, Si-Oxide oder ZnS in Frage.
[0011] Zur partiellen Aufbringung eignet sich besonders ein Verfahren unter Verwendung eines
löslichen Farbauftrags zur Herstellung der partiellen HRI-Schicht. Dabei wird in einem
ersten Schritt auf dem Trägersubstrat ein in einem Lösungsmittel löslicher Farbauftrag
aufgebracht, in einem zweiten Schritt diese Schicht gegebenenfalls mittels eines Inline-Plasma-,
Corona- oder Flammprozesses behandelt und in einem dritten Schritt eine Schicht des
zu strukturierenden Materials in einem Vakuumaufdampfverfahren oder durch Drucken
oder durch Lackieren aufgebracht, worauf in einem vierten Schritt der Farbauftrag
mittels eines Lösungsmittels, gegebenenfalls kombiniert mit einer mechanischen Einwirkung,
entfernt wird.
Der lösliche Farbauftrag erfolgt partiell, die Aufbringung der HRI-Schicht kann vollflächig
oder partiell erfolgen.
[0012] Die Dicke der HRI- Schicht beträgt vorzugsweise etwa 30-100 nm, wobei aber auch höhere
bzw. geringere Schichtdicken möglich sind.
[0013] In einer besonderen Ausführungsform kann die partielle transparente Schicht durch
eine nicht-transparente Schicht, z.B. durch eine Metallschicht, die vollflächig oder
partiell, entweder genau oder partiell deckungsgleich oder versetzt zu der HRI-Schicht
aufgebracht ist, ergänzt werden..
[0014] Die darauf folgende polymere Abstandschicht bzw. die polymeren Abstandsschichten
können ebenfalls vollflächig oder partiell aufgebracht werden. Die polymeren Schichten
bestehen beispielsweise aus konventionell oder strahlungshärtenden, insbesondere UV-härtenden,
Farb- oder Lacksystemen auf Basis von Nitrocellulose, Epoxy-, Polyester-, Kolophonium-,
Acrylat-, Alkyd-, Melamin-, PVA-, PVC-, Isocyanat-, Urethan- oder PS-Copolymersystemen.
[0015] Diese polymere Schicht dient im Wesentlichen als transparente Abstandsschicht, kann
aber je nach Zusammensetzung in einem bestimmten Spektralbereich absorbierend und/oder
fluoreszierend bzw. phosphoreszierend sein. Gegebenenfalls kann diese Eigenschaft
auch durch Beimengung eines geeigneten Chromophors verstärkt werden. Durch die Auswahl
verschiedener Chromophore kann ein geeigneter Spektralbereich ausgewählt werden. Dadurch
kann neben dem Kippeffekt auch die polymere Schicht zusätzlich maschinenlesbar gestaltet
werden. So kann beispielsweise im blauen Spektralbereich (im Bereich von etwa 400
nm) ein gelber AZO-Farbstoff, beispielsweise Anilide, Rodural, Eosin, eingesetzt werden.
Der Farbstoff ändert darüber hinaus des Spektrum des Sicherheitsmerkmals in charakteristischer
Weise.
[0016] Bei Einsatz eines Fluorophors mit Anregung außerhalb des sichtbaren Bereichs (z.
B. im UV) und Abstrahlung im sichtbaren Bereich, läßt sich bei Wahl einer geeigneten
Konzentration sogar eine Markierung mit Farbwechsel bei Beleuchtung generieren. Optimalerweise
weist dabei der Schichtaufbau bei dem anvisierten Beobachtungswinkel ein Spektrum
mit hoher Absorption im Wellenlängenbereich der Emission des Fluorophors auf.
[0017] In einer besonderen Ausführungsform weist die polymere Abstandsschicht Bereiche unterschiedlicher
Dicke auf. Durch definierte Variation der Dicke (Gradient, definierte Stufen, definierte
Strukturen) der polymeren Abstandsschicht wird eine Kombination unterschiedlicher
Farbkippeffekte in einem fertigen Sicherheitselement erzeugt (Mehrfarbenkippeffekt).
[0018] Die Dicke der Schicht kann dabei in einem weiten Bereich gezielt variiert werden,
beispielsweise in einem Bereich von 10 nm bis 3 µm.
[0019] Bei einer Abstandsschichtdicke über ca. 1,5 µm ergibt der Schichtaufbau keine für
das menschliche Auge mehr erkennbare Farbe. Das liegt daran, dass das Spektrum mit
zunehmender Schichtdicke immer komplexer wird (Multipeak) und nicht mehr aufgelöst
werden kann. Für Lesegeräte ist das Spektrum aber weiterhin gut messbar und sogar
hoch charakteristisch, wobei die maximal zu vermessende Abstandsschichtdicke vom Auflösungsvermögen
des jeweiligen Gerätes abhängt. Dies stellt eine Möglichkeit dar, eine unscheinbare
aber maschinenlesbare Markierung zu erzeugen.
[0020] Ferner kann bei der Aufbringung der polymeren Abstandsschicht ein bestimmter definierter
Schichtdickenverlauf, entweder in einem Aufbringungsschritt oder durch Aufbringung
mehrerer Schichten, die wiederum je nach gewünschtem Schichtdickenverlauf vollflächig
bzw. partiell sein kann, eingestellt werden.
Der Schichtdickenverlauf kann auch in Form eines Stufenaufbaus ausgeführt sein, wobei
auf eine Basisschicht unterschiedliche Dicken einer weiteren polymeren Schicht partiell
aufgebracht werden.
Ferner ist es möglich mehrere Schichten aus unterschiedlichen Polymeren, beispielsweise
Polymeren mit unterschiedlichen Brechungsindizes aufzubringen.
[0021] In einer besonderen Ausführungsform kann mindestens eine Schicht der polymeren Abstandsschicht
optisch aktive Strukturen, beispielsweise Beugungsgitter, Beugungsstrukturen, Hologramme
und dergleichen aufweisen, die in die polymere Abstandsschicht, vorzugsweise vor der
vollständigen Aushärtung geprägt werden können. Ein entsprechendes Verfahren ist beispielsweise
aus
EP -A 1352732 A oder aus
EP -A 1310381 bekannt.
[0022] Üblicherweise weist die polymere Abstandsschicht einen Brechungsindex von ca. 1,3
bis 1,7 auf, jedenfalls aber einen niedrigeren Brechungsindex als die aufgebrachte
HRI - Schicht.
[0023] Anschließend wird eine Schicht aus metallischen Clustern aufgebracht.
Die metallischen Cluster können beispielsweise aus Aluminium, Gold, Palladium, Platin,
Chrom, Silber, Kupfer, Nickel, Tantal, Zinn und dergleichen oder deren Legierungen,
wie beispielsweise Au/Pd, Cu/Ni oder Cr/Ni bestehen. Vorzugsweise können auch Clustermaterialien
aufgebracht werden, beispielsweise halbleitende Elemente der III. bis VI. Haupt- bzw.
der II. Nebengruppe, deren Plasmonenanregung extern (z.B. über Röntgen- oder lonenstrahlung
oder elektromagnetische Wechselwirkungen) triggerbar ist. Dadurch wird bei Betrachtung
mit einem geeigneten Lesegerät eine Änderung im Farbspektrum (z.B. Intensitätsänderung)
bzw. ein Blinken des Farbkippeffekts sichtbar.
Die Clusterschicht kann auch zusätzliche Eigenschaften, beispielsweise elektrisch
leitfähige, magnetische oder fluoreszierende Eigenschaften aufweisen. So weist beispielsweise
eine Clusterschicht aus Ni, Cr/Ni, Fe bzw. Core-Shell-Strukturen mit diesen Materialien
bzw. Mischungen dieser Materialien mit den oben erwähnten Clustermaterialien derartige
zusätzliche Merkmale auf.
[0024] Diese Clusterschicht kann auf bekannte Weise durch Sputtern (beispielsweise lonenstrahl
oder Magnetron) oder Verdampfen (thermisch, mittels Elektronenstrahl, aus einer Lösung)
oder durch Adsorption aufgebracht werden.
[0025] Die Clusterschicht kann vollflächig oder partiell aufgebracht werden.
[0026] Aufgrund der transparenten HRI - Schicht ändert sich auch die Farbe winkelabhängig,
sodass ein auf beiden Seiten sichtbarer Farbkippeffekt entsteht, dessen Farbänderungen
auf der Vorder- und Rückseite des Aufbaus unterschiedlich sein können.
[0027] In analoger Weise kann auch ein inverser Setup mit einer Clusterschicht (Aufbringen
der Clusterschicht auf das Trägersubstrat, anschließendes Aufbringen der polymeren
Abstandsschicht und der HRI-Schicht) hergestellt werden, wobei die Eigenschaften der
einzelnen Schichten der vorangehenden Beschreibung entsprechen.
[0028] Der Schichtaufbau kann anschließend gegebenenfalls ein oder beidseitig mit einer
Haftvermittlerschicht und einer Klebebeschichtung zur Aufbringung auf ein Substrat
versehen werden.
Als Klebeschichtung kommen dabei Heiß- oder Kaltsiegelkleber oder Selbstklebebeschichtungen
in Frage.
[0029] Gegebenfalls kann der beschriebene Schichtaufbau auch gegen ein weiteres Trägersubstrat
kaschiert werden.
[0030] Das Sicherheitselement kann beispielsweise auf ein Substrat aufgebracht werden, das
Elemente oder Sicherheitselemente, beispielsweise ein Foto, einen Text, ein fluoreszierendes
Merkmal, Graphiken, Bilder, Symbole und dergleichen aufweist.
[0031] An der Grenzfläche zwischen Abstandsschicht und HRI-Schicht wird nur ein Teil des
einfallenden Lichts reflektiert und erzeugt durch Interferenzeffekte einen Farbkippeffekt.
Der Anteil des Lichts, der durch die HRI-Schicht transmittiert wird, gelangt zu dem
Substrat, auf das das Sicherheitselement aufgebracht ist und durch den Mehrschichtaufbau
wieder zum Betrachter zurück. Dadurch bleiben Elemente oder Sicherheitselemente, die
auf dem Substrat vorhanden sind, für den Betrachter sichtbar.
[0032] Das erfindungsgemäße Sicherheitselement kann als Laminierfolie, beispielsweise für
Wertdokumente, wie Ausweisdokumente, Karten, Banknoten und dergleichen verwendet werden.
Nach Kaschierung mit einem weiteren Trägersubstrat, kann das Sicherheitselement aber
auch zur Einbringung in Wertdokumente verwendet werden, wobei der Farbkippeffekt durch
eine Aussparung im Wertdokument (Fenster) sichtbar wird. Ist die Aussparung so ausgeführt,
dass das Sicherheitselement von beiden Seiten sichtbar ist, kann ein von beiden Seiten
unterschiedlicher Farbkippeffekt erkennbar werden.
1. Sicherheitselement aufweisend ein Trägersubstrat, bestehend aus jeweils mindestens
einer ersten Schicht, einer polymeren Abstandsschicht und einer Schicht gebildet von
metallischen Clustern, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Schicht eine transparente Schicht mit hohem Brechungsindex (HRI-Schicht)
ist.
2. Sicherheitselement nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die transparente Schicht einen Brechungsindex, der größer ist als der Brechungsindex
der Abstandsschicht, aufweist.
3. Sicherheitselement nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, dass die transparente Schicht aus einem im Vakuumaufdampfverfahren aufgebrachten Metalloxid
oder Metallsulfid besteht.
4. Sicherheitselement nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die transparente Schicht aus ZnS oder Ti-Oxiden, Si-Oxiden oder Ta-Oxiden besteht.
5. Sicherheitselement nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Schicht aus metallischen Clustern vollflächig aufgebracht ist.
6. Sicherheitselement nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Schicht aus metallischen Clustern partiell aufgebracht ist.
7. Sicherheitselement nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die transparente Schicht vollflächig aufgebracht ist.
8. Sicherheitselement nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die transparente Schicht partiell entweder genau oder partiell deckungsgleich oder
versetzt zu der vollflächigen oder partiellen Clusterschicht aufgebracht ist.
9. Sicherheitselement nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich zu der HRI-Schicht eine nicht transparente oder semi-transparente Metallschicht
vollflächig, partiell entweder genau oder partiell deckungsgleich oder versetzt zu
der vollflächigen oder partiellen HRI-Schicht aufgebracht ist.
10. Sicherheitselement nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass es mit einer ein- oder beidseitiger Klebebeschichtung versehen ist oder gegen eine
zweite Trägerfolie kaschiert ist.
11. Sicherheitselement nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Abstandsschicht einen fluoreszierenden Farbstoff aufweist.
12. Verwendung der Sicherheitselemente nach einem der Ansprüche 1 bis 11 als Laminierfolie
für Wertdokumente oder zur Applikation auf oder zur zumindest partiellen Einbringung
in Wertdokumente.