(19)
(11) EP 1 909 059 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
26.01.2011  Patentblatt  2011/04

(21) Anmeldenummer: 07018763.8

(22) Anmeldetag:  25.09.2007
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
F42C 15/31(2006.01)
F42C 15/188(2006.01)

(54)

Geschosszünder

Projectile detonator

Fusée de projectile


(84) Benannte Vertragsstaaten:
CH DE FR GB LI SE

(30) Priorität: 02.10.2006 DE 102006046811

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
09.04.2008  Patentblatt  2008/15

(73) Patentinhaber: JUNGHANS Microtec GmbH
78655 Dunningen-Seedorf (DE)

(72) Erfinder:
  • Kienzler, Frank
    78048 Villingen-Schwenningen (DE)
  • Schillinger, Wolfgang
    77761 Schiltach (DE)
  • Zehnder, Wolfgang
    78713 Schramberg (DE)
  • Hennig, Reiner
    78087 Mönchweiler (DE)
  • Laufer, Esther
    78078 Niedereschach (DE)
  • Paulini, Siegfried
    66571 Eppelborn (DE)

(74) Vertreter: Diehl Patentabteilung 
c/o Diehl Stiftung & Co. KG Stephanstrasse 49
90478 Nürnberg
90478 Nürnberg (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
EP-A- 0 425 877
US-A- 3 451 340
EP-A- 1 225 418
US-A- 5 693 906
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft einen Geschosszünder gemäß dem Oberbegriff des Anspruches 1.

    [0002] Ein derartiger Geschosszünder kommt beispielsweise als Mörserzünder zur Anwendung.

    [0003] Es sind Geschosszünder mit einer sogenannten Überflugsicherheit bekannt. Eine solche Überflugsicherheit wurde beispielsweise beim Zünder der Typenbezeichnung ANNZ DM 74 als elektrische Lösung eingeführt. Diese bekannte Überflugsicherheit dient dazu, den Geschosszünder über einen größeren Abschnitt der Geschossflugbahn gegen Störversuche und/oder gegen Täuschversuche eines Gegners sowie gegen seltener vorkommende Einflüsse von außen wie innen resistent zu machen. Die sogenannte Bahnzerlegerrate liegt bei solchen bekannten Geschosszündern bei < 10-6. Das erlaubt es nun, ein mit einem solchen Geschosszünder bestücktes Geschoss auch über eigene Truppen hinweg verwenden zu dürfen. Das gilt bspw. bei Übungen mit Geschossen, die mit derartigen Geschosszündern ausgerüstet sind.

    [0004] Realisiert wird eine solche elektrische Überflugsicherheit in der Weise, dass mittels eines externen Programmiergerätes die Flugzeit des Geschosses in die Zünderelektronik einprogrammiert d.h. eingespeist wird. Nach dem Abschuss des Geschosses wird ein Timer/Counter gestartet, der bis zu der einprogrammierten Flugzeit - abzüglich eines festgelegten Zeitwertes - hochzählt und dann einen elektrischen Zündkreis der Zündelektronik auflädt. Dieses Aufladen des Zündkreises liegt im msec-Bereich, so dass der Geschosszünder im vorgegebenen Ziel rechtzeitig zündbereit ist.

    [0005] Bei den bekannten Geschosszündern der oben genannten Art ist die Sicherungsvorrichtung jedoch derartig ausgelegt, dass bereits nach einer in Bezug zur Gesamtflugbahn sehr kurzen Zeitspanne die mechanische Unterbrechung der Zündkette aufgehoben wird, d.h. die sogenannte Vorrohrsicherheit ist vergleichsweise klein.

    [0006] Dieses Problem wird in der US 5693906 durch eine mechanische Blockade der Entriegelung der Zündkette gelöst, die erst nach einer vorgegebenen Zeitdauer gelöst wird. Hierzu umfasst der Zünder einen Rotor, der durch eine überstehende Nase des Rotors mechanisch in seiner Sicherstellung gehalten ist. Nach Ablauf der Zeitdauer wird die Nase durch ein pyrotechnisches Kraftelement vom Rotor abgesprengt und der Rotor in seine Freigabestellung gedrückt, in der eine Überzündung der Zündkette erfolgen kann.

    [0007] Aus der EP 1 225 418 A1 ist ein Zünder für eine Handgranate bekannt, bei der die Zündkette ebenfalls durch ein zeitgesteuertes pyrotechnisches Kraftelement nach Ablauf einer festgelegten Zeitspanne zur Überzündung freigegeben wird.

    [0008] Eine Zündkette mit einer Anstichnadel und einem Anstichdetonator in einem Rotor eines Zünders ist aus der US 3451340 bekannt.

    [0009] Der Erfindung liegt in Kenntnis dieser Gegebenheiten die Aufgabe zugrunde, einen Geschosszünder der eingangs genannten Art zu schaffen, der eine programmierbare elektrische und mechanische Überflugsicherheit und eine vergleichsweise grosse Vorrohrsicherheit besitzt.

    [0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des Anspruches 1 gelöst. Bevorzugte Aus- bzw. Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Geschosszünders sind in den Unteransprüchen gekennzeichnet.

    [0011] Bei dem erfindungsgemäßen Geschosszünder ist die Sicherungseinrichtung durch ein pyrotechnisches Kraftelement solange gesperrt, d.h. in der Sicherstellung festgehalten, bis die programmierte oder im Bedarfsfall auch manuell eingestellte Flugzeit - abzüglich eines festgelegten Zeitwertes (Überflugsicherheit) erreicht ist. Ist die eingestellte Flugzeit abzüglich des festgelegten Zeitwertes erreicht, so wird der Zündkreis für das Kraftelement aufgeladen und die Sicherungsvorrichtung durch Zünden des Kraftelementes entriegelt. Die Sicherungseinrichtung geht dann in die Scharfstellung, d.h. die Unterbrechung der Zündkette wird aufgehoben und die Zündkette ist dann inline. Nun wird der eigentliche Zündkreis des erfindungsgemäßen Geschosszünders aufgeladen, so dass der Zünder im vorgesehenen Ziel rechtzeitig zündbereit ist.

    [0012] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung zweier in der Zeichnung verdeutlichter Ausführungsbeispiele des erfindungsgemäßen Geschosszünders.

    [0013] Es zeigen:
    Figur 1
    eine schematische Darstellung einer Flugbahn eines Geschosses mit einem bekannten Geschosszünder,
    Figur 2
    eine der Figur 1 ähnliche Flugbahndarstellung eines Geschosses mit einem erfindungsgemäßen Geschosszünder,
    Figur 3
    einen Längsschnitt durch eine erste Ausführungsform des erfindungsgemäßen Geschosszünders, und
    Figur 4
    eine Längsschnittdarstellung einer zweiten Ausbildung des erfindungsgemäßen Geschosszünders.


    [0014] Figur 1 verdeutlicht eine Flugbahn 10 eines einen herkömmlichen Geschosszünder aufweisenden Geschosses, wobei der Pfeil V die Vorrohrsicherheit, der Pfeil Ü die Überflugsicherheit und der Pfeil T die Flugzeit bzw. Zielentfernung bezeichnet. Mit h ist die Zündhöhe des Geschosszünders bezeichnet.

    [0015] Figur 2 verdeutlicht in einer der Figur 1 ähnlichen Darstellung die Flugbahn 10 eines einen erfindungsgemäßen Geschosszünder aufweisenden Geschosses, wobei der Pfeil V wiederum die mechanische Vorrohrsicherheit und der Pfeil T die Flugzeit bzw. Zielentfernung bezeichnet. Mit H ist in Figur 2 die Zündhöhe des Geschosszünders bezeichnet. Der Pfeil Ü bezeichnet auch in Figur 2 die Überflugsicherheit, bei der es sich jedoch um eine elektrische/mechanische Überflugsicherheit handelt, wobei der Punkt S den Punkt der Scharfstellung der Sicherungsvorrichtung des Geschosszünders bezeichnet.

    [0016] Figur 3 zeigt in einer Längsschnittdarstellung eine Ausbildung des erfindungsgemäßen Geschosszünders 12, der ein pyrotechnisches Kraftelement 14 aufweist, das mit einer Zündelektronik zusammengeschaltet ist, und das eine Sicherungsvorrichtung 16 solange sperrt, bis die Flugzeit T - abzüglich eines vorgegebenen Zeitwertes Δt (siehe Figur 2) erreicht ist. Sobald das der Fall ist, wird ein Zündkreis des Geschosszünders 12 elektrisch aufgeladen und die Sicherungsvorrichtung 16 durch Zünden des pyrotechnischen Kraftelementes 14 in die Scharfstellung entriegelt. In Figur 3 ist die Sicherstellung der Sicherungsvorrichtung dargestellt.

    [0017] Die Sicherungsvorrichtung 16 weist einen Rotor 18 mit einer Zündnadel 20 und mit einem Anstichdetonator 22 auf. Die Zündnadel 20 und der Anstichdetonator 22 fluchten miteinander axial und sind voneinander beabstandet.

    [0018] Der Geschosszünder 12 weist einen elektrischen Detonator 24 auf, der mit der Zündelektronik zusammengeschaltet ist.

    [0019] Der Geschosszünder 12 weist außerdem eine Verstärkerladung 26 auf, die dem elektrischen Detonator 24 zugeordnet ist. Der Rotor 18 ist zwischen dem elektrischen Detonator 24 und der Verstärkerladung 26 vorgesehen.

    [0020] Während in der in Figur 3 gezeichneten Sicherstellung die Zündnadel 20 und der Anstichdetonator 22 mit dem elektrischen Detonator 24 und der Verstärkerladung 26 nicht inline sind, befinden sich der elektrische Detonator 24, die Zündnadel 20, der Anstichdetonator 22 und die Verstärkerladung 26 in der Scharfstellung des Geschosszünders 12 durch entsprechende Drehung des Rotors 18 um 180° in einer axial fluchtenden Position, d.h. inline.

    [0021] Figur 4 verdeutlicht in einer der Figur 3 ähnlichen Längsschnittdarstellung eine andere Ausbildung des erfindungsgemäßen Geschosszünders 12, wobei gleiche Einzelheiten mit denselben Bezugsziffern wie in Figur 3 bezeichnet sind, so dass es sich erübrigt, in Verbindung mit Figur 4 alle diese Einzelheiten noch einmal zu beschreiben.

    Bezugsziffernliste:



    [0022] 
    10
    Flugbahn
    12
    Geschosszünder
    14
    pyrotechnisches Kraftelement (von 12)
    16
    Sicherungsvorrichtung (von 12)
    18
    Rotor (von 16)
    20
    Zündnadel (an 18)
    22
    Anstichdetonator (an 18)
    24
    elektrischer Detonator (von 12)
    26
    Verstärkerladung (von 12)



    Ansprüche

    1. Geschosszünder mit

    a) einer Zündelektronik, in die die Flugzeit (T) einprogrammierbar ist,

    b) einem Timer/Counter, der bis zur einprogrammierten Flugzeit (T) - abzüglich eines festgelegten Zeitwertes (Δt) - hochzählt und dann einen elektrischen Zündkreis auflädt,

    c) einer mechanischen Sicherungsvorrichtung (16), welche einen Rotor (18) mit einer Zündnadel (20) und einem Anstichdetonator (22) aufweist, wobei die Zündnadel (20) und der Anstichdetonator (22) miteinander fluchtend voneinander axial beabstandet sind, und welche einen elektrischen Detonator (24), die Zündnadel (20), den Anstichdetonator (22) und eine Verstärkerladung (26) aufweisende Zündkette nach einer bestimmten Zeitspanne in die Scharfstellung stellt,

    d) einem pyrotechnischen Kraftelement (14), welches in den Rotor (18) eingreift und welches mit der Zündelektronik zusammengeschaltet ist und die Sicherungsvorrichtung (16) mechanisch solange sperrt, bis die Flugzeit (T) abzüglich des vorgegebenen Zeitwertes (Δt) erreicht ist, wonach der Zündkreis aufgeladen und die Sicherungsvorrichtung (16) durch Zünden des Kraftelementes (14) in die Scharfstellung entriegelt wird.


     
    2. Geschosszünder nach Anspruch 1,
    wobei die Zündelektronik mit dem elektrischen Detonator (24) zusammengeschaltet ist, der von der Verstärkerladung (26) beabstandet ist, und wobei der Rotor (18) zwischen dem elektrischen Detonator (24) und der Verstärkerladung (26) vorgesehen ist.
     


    Claims

    1. Projectile fuze having

    a) fuze electronics in which the time of flight (T) can be programmed,

    b) a timer/counter which counts up to the programmed time of flight (T) - minus a defined time value (Δt) - and then charges an electrical firing circuit,

    c) a mechanical safety and arming unit (16) has a rotor (18) with a fuze needle (20) and a piercing detonator (22), with the fuze needle (20) and the piercing detonator (22) being aligned with one another and being axially separated from one another, and which switches the firing chain, which has an electrical detonator (24), the firing needle (20), the piercing detonator (22) and a booster charge (26), to the armed position after a specific time interval,

    d) a pyrotechnic force element (14), which engages in the rotor (18), is interconnected with the fuze electronics and mechanically blocks the safety and arming unit (16) until the time of flight (T) minus the predetermined time value (Δt) is reached, after which the firing circuit is charged and the safety and arming unit (16) is unlocked to the armed position by initiation of the force element (14).


     
    2. Projectile fuze according to Claim 1,
    wherein the fuze electronics are interconnected to the electrical detonator (24), which is separated from the booster charge (26), and wherein the rotor (18) is provided between the electrical detonator (24) and the booster charge (26).
     


    Revendications

    1. Dispositif d'allumage de projectile comprenant

    a) une électronique d'allumage dans laquelle peut être programmé le temps de vol (T),

    b) un temporisateur/compteur qui compte jusqu'au temps de vol (T) programmé, moins une valeur de temps (Δt) fixe, et charge ensuite un circuit d'allumage électrique,

    c) un dispositif de sécurité (16) mécanique qui présente un rotor (18) avec une aiguille d'allumage (20) et un détonateur à percer (22), l'aiguille d'allumage (20) et le détonateur à percer (22) étant espacés l'un de l'autre dans l'alignement axial, et qui amène une chaîne d'allumage présentant un détonateur électrique (24), l'aiguille d'allumage (20), le détonateur à percer (22) et une charge amplificatrice (26) en position armée après un intervalle de temps donné,

    d) un élément de force (14) pyrotechnique qui vient en prise dans le rotor (18) et qui est interconnecté avec l'électronique d'allumage et qui bloque le dispositif de sécurité (16) mécaniquement jusqu'à ce que le temps de vol (T) moins la valeur de temps (Δt) prédéfinie soit atteint, après quoi le circuit d'allumage est chargé et le dispositif de sécurité (16) est déverrouillé en position armée par allumage de l'élément de force (14).


     
    2. Dispositif d'allumage de projectile selon la revendication 1, l'électronique d'allumage étant interconnectée avec le détonateur électrique (24), lequel est espacé de la charge amplificatrice (26), et le rotor (18) étant prévu entre le détonateur électrique (24) et la charge amplificatrice (26).
     




    Zeichnung














    Angeführte Verweise

    IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



    Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes. Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

    In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente