[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen eines Bauteils aus einem mit
einem Al-Si-Schutzüberzug überzogenen Stahlprodukt. Darüber hinaus betrifft die Erfindung
auch ein Zwischenprodukt, das im Zuge eines solchen Verfahrens entsteht und für die
Herstellung von Bauteilen der in Rede stehenden Art genutzt werden kann.
[0002] Bei Stahlprodukten der hier in Rede stehenden Art handelt es sich typischer Weise
um Stahlbänder oder -bleche, die in an sich bekannter Weise beispielsweise durch Feueraluminieren
mit einem Al-Si-Überzug versehen sind. Es kann sich dabei jedoch auch um vorgeformte
Halbzeuge handeln, die beispielsweise aus Blechen vorgeformt und dann zu dem jeweiligen
Bauteil fertig geformt werden.
[0003] Durch den Al-Si-Überzug ist das aus dem jeweiligen Stahlprodukt geformte Bauteil
während seines praktischen Einsatzes gegen Korrosion geschützt. Die Korrosionsschutzwirkung,
insbesondere den Schutz vor Verzunderung, bietet der Al-Si-Schutzüberzug jedoch auch
schon bereits unmittelbar nach der Beschichtung des Stahlsubstrats und behält sie
im Zuge des Umformvorgangs bei. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Formgebung als
so genanntes "Presshärten" durchgeführt wird.
[0004] Beim Presshärten wird das zu verformende Ausgangsprodukt vor der Formgebung auf eine
Temperatur gebracht, bei der ein zumindest teilaustenitisches Gefüge vorliegt, und
im warmen Zustand verformt. Entweder schon während des Warmformvorgangs oder unmittelbar
daran anschließend wird das erhaltene Bauteil dann beschleunigt abgekühlt, um Härtegefüge
zu bilden. Als Ausgangsprodukt für das Presshärten können Flachprodukte, wie Blechzuschnitte,
oder bereits vor- bzw. endgeformte Halbzeuge verwendet werden.
[0005] Während des Presshärtens verhindert der Al-Si-Überzug, dass sich auf dem Stahlprodukt
Zunder bildet, der den Formgebungsvorgang massiv behindern würde. Auf diese Weise
ist es möglich, auch aus hochfesten, vergütbaren Stählen Bauteile zu formen, die in
der Praxis besonders hohen Belastungen ausgesetzt sind.
[0006] Eine typischerweise für diesen Zweck verwendete Stahlgüte ist in der Praxis unter
der Bezeichnung "22MnB5" bekannt. Aus Stahlgüten dieser Art werden beispielsweise
Karosserieteile von Kraftfahrzeugen gefertigt, die bei geringer Flachproduktdicke
und damit einhergehend vergleichbar geringem Gewicht eine hohe Festigkeit besitzen
müssen. Ebenso können jedoch auch andere Stahlgüten, wie beispielsweise Tiefziehstähle
der unter der Handelsbezeichnung "DX55D" bekannten, gemäß DIN EN 10327 zusammengesetzten
Art, sowie mikrolegierte Stähle der gemäß DIN EN 10292 legierten, unter der Bezeichnung
"HX300/340 LAD" im Handel erhältlichen Art, pressformgehärtet werden. Auch ist es
möglich, die Ausgangsprodukte zu verwenden, die nach Art von Tailored Blanks/Patchwork
Blanks aus mehreren Blechen zusammengesetzt sind.
[0007] Damit der Al-Si-Überzug auf dem Stahlsubstrat so fest haftet, dass er bei der Umformung
nicht bricht oder abplatzt, ist es erforderlich, das mit dem Al-Si-Überzug versehene
Stahlprodukt vor der Umformung einer Wärmebehandlung zu unterziehen, bei dem Eisen
aus dem Stahlsubstrat in den Al-Si-Überzug einlegiert wird. Ziel ist dabei, den Überzug
über seine gesamte Dicke durchzulegieren, um sicherzustellen, dass es auch in den
oberen, an die freie Außenseite des überzogenen Flachprodukts angrenzenden Schichten
des Überzugs zu keinen Brüchen oder Abplatzungen kommt. Die Art bzw. der Grad der
Durchlegierung von Al-Si-Überzügen hat darüber hinaus auch Einfluss auf die Schweiß-
und Lackierbarkeit der durch Presshärten hergestellten Bauteile.
[0008] Ein Verfahren der voranstehend beschriebenen Art ist in der
EP 1 380 666 A1 beschrieben. Bei diesem Verfahren wird ein mit einem Al-Si-Überzug beschichtetes
Stahlblech zunächst über eine Dauer von 2 bis 8 Minuten auf 900 °C bis 950 °C erwärmt.
Daraufhin wird das beschichtete Stahlblech auf eine 700 - 800 °C betragende Temperatur
abgekühlt und bei dieser Temperatur warmverformt. Anschließend wird das geformte Stahlteil
schnell auf eine Temperatur unterhalb von 300 °C abgekühlt, um ein martensitisches
Gefüge in dem erhaltenen Stahlteil zu erzeugen. Die Wärmebehandlung des mit dem Überzug
versehenen Stahlsubstrats wird dabei so durchgeführt, dass durch Diffusion des Eisens
aus dem Stahlsubstrat nach der Wärmebehandlung der Eisenanteil im Überzug in einem
Bereich zwischen 80 % und 95 % liegt. Auf diese Weise soll ein warmgeformtes Bauteil
erhalten werden, bei dem eine gute Schweißeignung und eine gute Formbarkeit mit einem
hohen Korrosionsschutz kombiniert sind.
[0009] Ein Problem bei der Durchführung der für das Durchlegieren erforderlichen Wärmebehandlung
besteht darin, dass dabei neben der Einstellung einer ausreichenden Erwärmungstemperatur
eine gewisse Ofenliegezeit eingehalten werden muss. Die Dauer, über die das jeweilige
Stahlprodukt im Ofen gehalten werden muss, resultiert aus der Aufheizgeschwindigkeit
des Substrates und der benötigten Durchlegierung des Substrates mit der Al-Si-Schicht.
Stand der Technik ist eine Ofenliegezeit von fünf bis 14 Minuten.
[0010] In der Praxis werden zum vor der Warmumformung durchgeführten Erwärmen der mit Al-Si-Überzügen
versehenen Stahlprodukte Strahlungsöfen eingesetzt. Grundlagenuntersuchung zum Aufheizverhalten
von mit Al-Si-Überzügen versehenen Stahlprodukten haben in diesem Zusammenhang ergeben,
dass in solchen Öfen die Reflexion der Wärmestrahlung an der Oberfläche des jeweiligen
Überzugs zu einer reduzierten Aufheizgeschwindigkeit im Vergleich zu unbeschichteten
bzw. organisch oder anorganisch beschichteten Werkstoffen führt. Damit einhergehend
muss eine verhältnismäßig lange Zeitdauer für die Erwärmung in Kauf genommen werden.
[0011] Diese lange Zeitdauer führt beim Verarbeiter der mit einem Al-Si-Überzug versehenen
Flachprodukte zu langen Prozesszeiten, durch die nicht nur die Taktzeiten bei der
Bauteilherstellung verlängert, sondern auch der apparative Aufwand für den für die
Erwärmung benötigten Ofen erhöht wird.
[0012] Technisch wäre es auch möglich, den Stahl-Grundwerkstoff der Flachprodukte mit seiner
Beschichtung durch induktive oder konduktive Erwärmung schneller aufzuheizen. Auch
könnte die Aufheizung durch erzwungene Konvektion der Wärmestrahlung beschleunigt
werden. Im Fall einer beschleunigten Erwärmung besteht allerdings die Gefahr, dass
der Legierungsprozess in der Al-Si-Überzugsschicht langsamer abläuft als die Aufheizgeschwindigkeit
mit dem Ergebnis, dass die Al-Si-Schicht nicht vollständig oder fehlerhaft durchlegiert
wird. Im Extremfall kann es sogar dazu kommen, dass die Al-Si-Schicht vom Stahlprodukt
abfließt.
[0013] Aus der
DE 10 2004 007 071 B4 ist ein Versuch bekannt, die Prozesszeit beim Verarbeiter der mit einem Al-Si-Überzug
versehenen Flachprodukte dadurch zu verkürzen, dass das Durchlegieren des Überzugs
und die Erwärmung des Stahlflachprodukts auf Erwärmungstemperatur in zwei getrennten
Arbeitsschritten durchgeführt wird. Dieses Vorgehen erlaubt es, den Prozess der Durchlegierung
beim Hersteller des mit dem Al-Si-Überzug versehenen Stahlflachprodukts durchzuführen.
Beim Verarbeiter kann die Erwärmung des mit dem dann bereits durchlegierten Überzug
versehenen Stahlflachprodukts beispielsweise mittels Induktion oder Konduktion in
optimal kurzer Zeit erfolgen, ohne dass dabei auf die Ausbildung des Überzugs Rücksicht
genommen werden muss. Dementsprechend ist es bei Anwendung des bekannten Verfahrens
grundsätzlich möglich, Stahlflachprodukte, die beim Hersteller bereits mit einem vollständig
durchlegierten Überzug versehen sind, in einem Zwischenlager zu speichern, aus dem
sie dann im Bedarfsfall für die Weiterverarbeitung beim Verarbeiter kurzfristig abgerufen
werden können.
[0014] Als problematisch erweist sich bei dem voranstehend erläuterten Vorschlag allerdings,
dass der vollständig durchlegierte Überzug selbst sowohl während der Lagerung der
vorproduzierten Stahlflachprodukte im Zwischenlager als auch im Zuge der beim Verarbeiter
durchlaufenen Arbeitsschritte einem korrosiven Angriff ausgesetzt ist. Dieses Problem
ergibt sich aus dem Eisenanteil, der an der freien Oberfläche des durchlegierten Überzugs
vorhanden ist. Um eine solche Oberflächenkorrosion zu unterdrücken, sind aufwändige
Schutzmaßnahmen erforderlich, die die mit der Entkopplung von Durchlegierung und Presshärten
erreichten Vorteile zum großen Teil wieder aufzehren. Hinzukommt, dass ein unter Umständen
vor dem Warmumformen erforderlich werdender Zuschnitt der mit dem durchlegierten Überzug
überzogenen Flachproduktplatinen schwierig ist, da durchlegierte Al-Si-Schichten hart
und spröde sind.Vor dem Hintergrund des voranstehend erläuterten Standes der Technik
lag der Erfindung die Aufgabe zu Grunde, ein Verfahren zu schaffen, das verkürzte
Verarbeitungszeiten beim Verarbeiter von mit einem Al-Si-Überzug versehenen Stahlprodukten
ermöglicht, ohne dass dazu die Gefahr von korrosiven Angriffen oder Nachteile bei
einem nachträglichen Zuschnitt der beschichteten Flachprodukte in Kauf genommen müssen.
[0015] Erfindungsgemäß ist diese Aufgabe durch das in Anspruch 1 angegebene Verfahren gelöst
worden. Vorteilhafte Ausgestaltungen dieses Verfahrens sind in den auf Anspruch 1
rückbezogenen Ansprüchen angegeben.
[0016] Bei dem erfindungsgemäß verarbeiteten Stahlprodukt kann es sich um ein Stahlflachprodukt,
wie ein Stahlblech oder Stahlband, oder ein beispielsweise aus einem Stahlblech vorgeformtes
Halbzeug handeln, dass beim erfindungsgemäß durchgeführten Warmpresshärten fertig
verformt wird. Auch lassen sich in erfindungsgemäßer Weise aus mehreren nach Art von
Tailored Blanks/Patchwork Blanks zusammengesetzte Bleche verarbeiten.
[0017] Auch beim erfindungsgemäßen Verfahren findet eine zweistufige Wärmebehandlung statt,
wobei es ebenfalls in Übereinstimmung mit dem Stand der Technik im ersten Erwärmungsschritt
zum Einlegieren von Eisen aus dem Stahlsubstrat in den Al-Si-Überzug kommt.
[0018] Im Unterschied zum Stand der Technik wird dieser erste Legierungsschritt jedoch durch
Einstellung einer geeigneten Temperatur und Behandlungsdauer so ausgeführt, dass der
Al-Si-Überzug nach dem ersten Erwärmungsschritt nur unvollständig mit Eisen des Stahlprodukts
durchlegiert ist.
[0019] Anschließend kann das mit dem erfindungsgemäß unvollständig durchlegierten Überzug
versehene Stahlprodukt auf Raumtemperatur abgekühlt und gelagert werden, bis es der
Weiterverarbeitung zum jeweiligen Bauteil zugeführt wird. Da der Al-Si-Überzug im
ersten Erwärmungsschritt nur unvollständig legiert wird, weist der Al-Si-Überzug auch
nach dem ersten Erwärmungsschritt eine geringe Korrosionsanfälligkeit auf, so dass
seine Lagerung, sein Transport und die weiteren im Vorfeld der zweiten Wärmebehandlung
durchgeführten Arbeitsschritte problemlos durchgeführt werden können, ohne dass dazu
zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind.
[0020] Gleichzeitig behält der erfindungsgemäß im Zuge des ersten Erwärmungsschritts nur
teilweise durchlegierte Überzug eine Zähigkeit, die es auch nach dem ersten Erwärmungsschritt
noch erlaubt, die dabei erhaltenen Flachprodukte mit einfachen Schneidoperationen
zu zerteilen oder zu beschneiden, ohne dass es dabei zu einer nachhaltigen Beschädigung
der Überzugsschicht kommt.
[0021] Vor seiner Umformung zu dem Bauteil durchläuft das nach dem ersten Erwärmungsschritt
erhaltene, erfindungsgemäß mit einem nur vorlegierten Überzug versehene Flachprodukt
einen zweiten Erwärmungsschritt. Dieser zweite Erwärmungsschritt wird in der Regel
beim Endverarbeiter durchgeführt, während der erste zu absolvierende Wärmebehandlungsschritt
in der Regel beim Erzeuger der Stahlprodukte ablaufen wird.
[0022] Der zweite Erwärmungsschritt wird dabei üblicher Weise unmittelbar vor der Warmformgebung
absolviert werden. Im Zuge des zweiten Erwärmungsschritts wird das in erfindungsgemäßer
Weise nur mit einem vorlegierten Al-Si-Überzug versehene Stahlprodukt auf die für
die nachfolgende Härtung erforderliche Erwärmungstemperatur erwärmt, die oberhalb
der Ac1-Temperatur liegt, bei der das Stahlprodukt ein zumindest teilaustentisches
Gefüge aufweist. Erforderlichenfalls lässt sich auch eine mindestens der Ac3-Temperatur
entsprechende oder darüber liegende Erwärmungstemperatur einstellen, um im zu verformenden
Ausgangsprodukt ein weitestgehend vollständiges Austenitgefüge einzustellen.
[0023] Dabei sind die Temperatur und Dauer des zweiten Erwärmungsschritts erfindungsgemäß
so einzustellen, dass der Al-Si-Überzug im Zuge des zweiten Erwärmungsschritts vollständig
mit Fe des Stahlprodukts durchlegiert wird.
[0024] Überraschend hat sich in diesem Zusammenhang ergeben, dass der erfindungsgemäß mit
dem Stahlsubstrat nur unvollständig legierte Überzug einen Reflektionsgrad aufweist,
der gegenüber der Erwärmung von mit vollständig durchlegierten Al-Si-Fe-Überzügen
versehenen Flachprodukten deutlich höhere Aufheizgeschwindigkeit bei der Erwärmung
in Strahlungsöfen auf die Erwärmungstemperatur erlaubt, ohne dass ein Abfließen des
Überzugs erfolgt.
[0025] Ein in erfindungsgemäßer Weise erhaltenes Zwischenprodukt ist somit dadurch gekennzeichnet,
dass es mit einem nur mit dem Eisen des Stahlsubstrats unvollständig vorlegierten
Al-Si-Überzug versehen ist.
[0026] Nach dem zweiten Erwärmungsschritt wird das nun mit einem durchlegierten Si-Al-Fe-Überzug
versehene Ausgangsprodukt dann in an sich bekannter Weise in einem geeigneten Warmformwerkzeug
zu dem gewünschten Bauteil umgeformt. Bei dem erhaltenen Bauteil kann es sich um ein
fertig endgeformtes Bauteil handeln oder um ein Halbzeug, das anschließend weiteren
Verformungsschritten unterzogen wird.
[0027] Bereits während der Warmformgebung oder unmittelbar anschließend wird das warmgeformte
Bauteil schließlich kontrolliert abgekühlt, um im Stahlsubstrat Härtegefüge zu erzeugen.
Die Arbeitsschritte "Warmformen" und "Abkühlen" lassen sich dabei insbesondere in
der vom "Pressformhärten" bekannten Weise durchführen.
[0028] Die erfindungsgemäße Vorgehensweise erlaubt es somit, auf kostengünstige und gleichzeitig
besonders effiziente Weise, ein aluminiertes, durch Pressformhärten erzeugtes Bauteil
innerhalb verkürzter Verarbeitungszeiten zur Verfügung zu stellen. Dabei ist nicht
der Aufwand für den in der Regel beim Produzenten des Stahlprodukts durchgeführten
Erwärmungsschritt aufgrund dessen verkürzt, dass die Prozesszeit und die Behandlungstemperatur
für die nur teilweise erfolgende Legierung der Al-Si-Schicht mit dem Eisen des Stahlsubstrats
gegenüber dem Stand der Technik verkürzt ist, sondern auch der in der Regel beim Verarbeiter
des mit dem erfindungsgemäß nur unvollständig legierten Al-Si-Überzug durchgeführte
zweite Erwärmungsschritt in verkürzter Prozessdauer bei entsprechend vermindertem
Energiebedarf und minimiertem apparativen Aufwand ablaufen kann.
[0029] Die Tatsache, dass nach dem erfindungsgemäß durchgeführten ersten Erwärmungsschritt
in der Al-Si-Schicht ein geringerer Fe-Anteil vorhanden ist als im nach dem Warmpresshärten
erhaltenen Bauteil, bei der nur ein minimales Korrosionsrisiko besteht, erlaubt es
insbesondere, das Stahlprodukt zwischen dem ersten und dem zweiten Erwärmungsschritt
auf Raumtemperatur abzukühlen und zu lagern, bevor es dann der Weiterverarbeitung
zugeführt wird. Die Korrosionsschutzwirkung der nach dem ersten Erwärmungsschritt
vorhandenen, nur unvollständig legierten Al-Si-Schicht ist dabei so groß, dass sich
das Stahlprodukt zwischen dem ersten und dem zweiten Erwärmungsschritt problemlos
an Luft beispielsweise zwischen dem Werk des Erzeugers des Stahlprodukts und dem Werk
des Endverarbeiters transportieren lässt.
[0030] Praktische Versuche haben ergeben, dass die Temperatur des ersten Erwärmungsschritts
mindestens 500 °C beträgt, gleichzeitig jedoch höchstens gleich der A
C1-Temperatur des Stahlprodukts ist. In der Praxis eignen sich daher für den ersten
Erwärmungsschritt insbesondere Temperaturen, die im Bereich von 550 - 723 °C, insbesondere
550 - 700 °C, liegen. Durch eine Erwärmung in diesem Temperaturbereich werden die
mechanisch technologischen Kennwerte des Stahlproduktes nicht verschlechtert und das
Grundgefüge bleibt in seinen Bestandteilen erhalten.
[0031] Die für den ersten Erwärmungsschritt bei diesen Erwärmungstemperaturen einzuplanende
Zeitdauer beträgt bei Al-Si-Überzugsdicken im Ausgangszustand von 10 - 30 µm (entsprechend
80 - 150 g/m
2) 4 - 24 h bei einer Erwärmung im Haubenofen. Es ist auch eine Erwärmung im Durchlaufofen
oder Kammerofen denkbar, wobei die Erwärmungszeiten dabei jeweils weniger als eine
Stunde betragen.
[0032] Bevorzugt werden Temperatur und Dauer des ersten Behandlungsschritts dabei jeweils
so eingestellt, dass der Al-Si-Überzug, gemessen ausgehend von dem Stahlsubstrat,
über mindestens 50 %, insbesondere 70 - 99 %, bevorzugt 90 - 99 %, seiner Dicke mit
Fe legiert ist.
[0033] Abhängig von der beim Hersteller des Stahlprodukts vorhandenen Ofentechnik kann der
erste Erwärmungsschritt in einem Haubenglühofen, Kammerofen oder in einem Durchlaufglühofen
durchgeführt werden. Im Fall der Verarbeitung eines Stahlflachproduktes ist es dabei
möglich, eine Vorlegierung in einem Durchlaufofen zu erhalten, der direkt inline am
Austritt einer Beschichtungsanlage angeordnet ist, ähnlich wie dies bei einer Anlage
für das Galvannealing der Fall ist und die Erwärmung in einem Temperaturbereich zwischen
600 und 723 °C erfolgt. Genauso kann das erfindungsgemäß erhaltene, mit einem nur
teilweise legierten Al-Si-Überzug versehene Stahlprodukt im zweiten Erwärmungsschritt
in einem Durchlaufofen auf die erforderliche Erwärmungstemperatur erwärmt werden.
Dabei kann die zweite Erwärmung induktiv, konduktiv oder mittels Wärmestrahlung erfolgen.
[0034] Nachfolgend wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
[0035] Es wurden Proben eines 1,5 mm dicken Stahlblechs untersucht, das neben Eisen und
unvermeidbaren Verunreinigungen (in Gew.-%) C: 0,226 %, Si: 0,25 %, Mn: 1,2 %, Cr:
0,137 %, Mo: 0,002 %, Ti: 0,034 %, B: 0,003 % enthielt und durch konventionelles Feueraluminieren
mit einem 20 µm (entsprechend 120g /m
2) dicken Al-Si-Überzug versehen worden war.
[0036] Die Proben sind in einem einem Haubenglühofen nachgebildeten Versuchsofen für jeweils
acht Stunden einer dem ersten Erwärmungsschritt des erfindungsgemäßen Verfahrens entsprechenden
Wärmebehandlung unterzogen worden. Ein erster Teil von Proben ist dabei bei 500 °C,
ein zweiter Teil bei 550 °C und ein dritter Teil bei 600 °C geglüht worden. Zusätzlich
haben weitere Proben in sechs Minuten bei 950 °C den Durchlaufofen durchlaufen. Dies
stellt eine typische Wärmebehandlung zum Presshärten dar, bei der die Al-Si-Überzugsschicht
durchlegiert wird. Nach den jeweiligen Glühungen sind die Proben auf Raumtemperatur
abgekühlt worden. Die erhaltenen Proben wiesen bis auf die bei 950 °C wärmebehandelte
Probe jeweils eine nicht vollständig durchlegierte Al-Si-Überzugsschicht auf.
[0037] Anschließend sind die zuvor geglüht und abgekühlten Proben in einer dem zweiten Erwärmungsschritt
entsprechenden Glühbehandlung in einem Strahlungsofen auf eine Erwärmungstemperatur
von 950 °C erwärmt worden, bei der das Stahlsubstrat Austenitgefüge besaß. Dabei wurden
die Aufheizraten erfasst, d. h. es wurde überwacht, wie schnell die Proben auf die
Zieltemperatur von 950 °C aufgeheizt worden sind.
[0038] In Diag. 1 ist die Temperatur T der jeweiligen Proben über die Glühzeit t eingetragen.
Zusätzlich ist in Diag. 1 die für eine nicht in einem vorgeschalteten ersten Erwärmungsschritt
geglühte Probe eingetragen (Kurve "- °C / - s").
[0039] Es zeigt sich, dass sich bei den untersuchten Proben optimale Aufheizraten ergeben,
wenn die Proben im ersten Erwärmungsschritt im Haubenofen für 8 h bei 550 °C oder
600 °C geglüht worden sind. Ein genauso gutes Aufheizverhalten wurde für die im Durchlaufofen
bei 950 °C für sechs Minuten geglühten Proben festgestellt.
[0040] Das schlechtere Aufheizverhalten der zuvor bei 500 °C für 8 h geglühten Proben ist
darin begründet, dass sich bei diesen Proben in der oberen, nicht legierten Schicht
des Al-Si-Überzugs die Reflektion der Strahlung genauso verhält, wie bei herkömmlichen
Al-Si-Überzügen im Anlieferungszustand ohne vorherige Wärmebehandlung.
[0041] Mit dem erfindungsgemäßen Prozess lassen sich die Zeiten, die für die Durchlegierung
im Austenitisierungsofen vor der Warmumformung benötigt werden, deutlich verkürzen.
So konnte gezeigt werden, dass gegenüber der konventionellen Vorgehensweise ein Zeitgewinn
von mindestens 90 s erwartet werden kann. Mit diesem Zeitgewinn können die für die
Erwärmung vor der Warmformgebung benötigten Öfen kleiner konzipiert werden. Bei der
Wartung der Öfen mit konventioneller Größe erfolgt ein Abkühlen auf Raumtemperatur
in etwa 10 Tagen, wohingegen bei der durch die Erfindung möglichen Reduzierung der
Ofengröße mit einem Zeitgewinn von mindestens 2 bis 3 Tagen für die Abkühlung gerechnet
werden kann.
1. Verfahren zum Herstellen eines Bauteils aus einem mit einem Al-Si-Schutzüberzug überzogenen
Stahlprodukt, wobei im Zuge des Verfahrens
- das mit dem Al-Si-Überzug überzogene Stahlprodukt einem ersten Erwärmungsschritt
unterzogen wird, bei dem die Temperatur und die Dauer der Wärmebehandlung so eingestellt
werden, dass der Al-Si-Überzug nur unvollständig mit Fe des Stahlprodukts vorlegiert
wird,
- das Stahlprodukt in einem zweiten Erwärmungsschritt auf eine oberhalb der Ac1-Temperatur
liegende Erwärmungstemperatur erwärmt wird, bei der das Stahlprodukt ein mindestens
teilaustentisches Gefüge aufweist, wobei die Temperatur und Dauer des zweiten Erwärmungsschritts
so eingestellt werden, dass der Al-Si-Überzug im Zuge des zweiten Erwärmungsschritts
vollständig mit Fe des Stahlprodukts durchlegiert wird,
- das auf die Erwärmungstemperatur erwärmte Stahlprodukt zu dem Bauteil umgeformt
wird und
- das erhaltene Bauteil kontrolliert abgekühlt wird, um Härtegefüge zu erzeugen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlprodukt zwischen dem ersten und dem zweiten Erwärmungsschritt auf Raumtemperatur
abgekühlt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlprodukt zwischen dem ersten und dem zweiten Erwärmungsschritt an Luft transportiert
wird.
4. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Temperatur des ersten Erwärmungsschritts mindestens 500 °C beträgt und gleichzeitig
höchstens gleich der AC1-Temperatur des Stahlprodukts ist.
5. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Temperatur des ersten Erwärmungsschritts 550 - 723 °C, insbesondere 550 - 700
°C, beträgt.
6. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Erwärmungsschritt in einem Haubenglühofen durchgeführt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass der erste Erwärmungsschritt in einem Durchlaufofen durchgeführt wird.
8. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Erwärmungstemperatur, auf die das Stahlprodukt im zweiten Erwärmungsschritt erwärmt
wird, mindestens der Ac3-Temperatur entspricht.
9. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Erwärmungsschritt in einem Durchlaufofen durchgeführt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Erwärmungsschritt in einem Kammerofen durchgeführt wird.
11. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlprodukt aus einem Vergütungsstahl besteht.
12. Verfahren nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlprodukt ein Stahlflachprodukt, wie ein Stahlblech oder ein Stahlband ist.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11,
dadurch gekennzeichnet, dass das Stahlprodukt ein vorgeformtes Halbzeug ist.
1. Process for producing a component from a steel product coated with a protective Al-Si
coating wherein, during the course of the process:
- the steel product coated with the Al-Si coating undergoes a first heating stage
in which the temperature and the duration of the heat treatment are set such that
the Al-Si coating is only incompletely pre-alloyed with Fe from the steel product,
- the steel product, in a second heating stage, is heated to a heating temperature,
above the Ac1 temperature, at which the steel product has an at least partially austenitic
structure, wherein the temperature and duration of the second heating stage are set
such that the Al-Si coating is fully alloyed with Fe from the steel product during
the course of the second heating stage,
- the steel product heated to the heating temperature is shaped to form the component,
and
- the component obtained is cooled in a controlled manner, in order to obtain a martensitic
structure.
2. Process according to claim 1, characterised in that the steel product is cooled to room temperature, between the first and the second
heating stage.
3. Process according to claim 2, characterised in that the steel product is transported into air between the first and the second heating
stage.
4. Process according to one of the preceding claims, characterised in that the temperature of the first heating stage is at least 500°C and, at the same time,
is at most the same as the AC1 temperature of the steel product.
5. Process according to one of the preceding claims, characterised in that the temperature of the first heating stage is 550 - 723°C, in particular 550-700°C.
6. Process according to one of the preceding claims, characterised in that the first heating stage is carried out in a bell-type annealing furnace.
7. Process according to one of claims 1 to 5, characterised in that the first heating stage is carried out in a continuous furnace.
8. Process according to one of the preceding claims, characterised in that the heating temperature to which the steel product is heated in the second heating
stage corresponds to at least the Ac3 temperature.
9. Process according to one of the preceding claims, characterised in that the second heating stage is carried out in a continuous furnace.
10. Process according to claims 1 to 8, characterised in that the second heating stage is carried out in a chamber furnace.
11. Process according to one of the preceding claims, characterised in that the steel product consists of quenched and tempered steel.
12. Process according to one of the preceding claims, characterised in that the steel product is a flat steel product such as a steel sheet or a steel strip.
13. Process according to one of claims 1 to 11, characterised in that the steel product is a preformed, semi-finished product.
1. Procédé de fabrication d'un élément, qui consiste en un produit en acier pourvu d'un
revêtement de protection en Al-Si, procédé au cours duquel
- le produit en acier, pourvu d'un revêtement en Al-Si, est soumis à une première
étape de chauffage, dans laquelle la température et la durée du traitement thermique
sont réglées de sorte que le revêtement en Al-Si ne soit qu'incomplètement allié au
Fe du produit en acier,
- le produit en acier est chauffé, au cours d'une deuxième étape de chauffage, à une
température de chauffage supérieure à la température Ac1 à laquelle le produit en
acier présente une structure au moins partiellement austénitique, sachant que la température
et la durée de la deuxième étape de chauffage sont réglées de sorte que la revêtement
en Al-Si soit complètement allié au Fe du produit en acier, au cours de la deuxième
étape de chauffage,
- le produit en acier, porté à la température de chauffage, est formé en l'élément,
et
- l'élément obtenu est refroidi pour la réalisation de la structure de trempe.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le produit en acier est refroidi à la température ambiante, entre la première et
la deuxième étape de chauffage.
3. Procédé selon la revendication 2, caractérisé en ce que le produit en acier est transporté à l'air entre la première et la deuxième étape
de chauffage.
4. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la température de la première étape de chauffage est d'au moins 500 °C et, simultanément,
tout au plus égale à la température AC1 du produit en acier.
5. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la température de la première étape de chauffage est de 550 à 723 °C, en particulier
de 550 à 700 °C.
6. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la première étape de chauffage est exécutée dans un four de recuit à cloche.
7. Procédé selon l'une des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que la première étape de chauffage est exécutée dans un four à passage continu.
8. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la température de chauffage, à laquelle le produit en acier est chauffé au cours
de la deuxième étape de chauffage, correspond au moins à la température Ac3.
9. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la deuxième étape de chauffage est exécutée dans un four à passage continu.
10. Procédé selon l'une des revendications 1 à 8, caractérisé en ce que la deuxième étape de chauffage est exécutée dans un four à moufle.
11. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le produit en acier est constitué d'un acier d'amélioration.
12. Procédé selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le produit en acier est un produit en acier plat, comme une tôle d'acier ou un feuillard
d'acier.
13. Procédé selon l'une des revendications 1 à 11, caractérisé en ce que le produit en acier est un demi-produit préformé.