[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anordnung zur automatischen, rekursiven
Anpassung eines von einer Person getragenen Hörgeräts, wobei der Person eine Höraufgabe
zur Lösung gestellt wird und objektiv eine damit verbundene Höranstrengung anhand
neuropsychologischer Korrelate der auditiven Verarbeitung erfasst wird.
[0002] Hörgeräte besitzen prinzipiell als wesentliche Komponenten einen Eingangswandler,
einen Verstärker und einen Ausgangswandler. Der Eingangswandler ist in der Regel ein
Schallempfänger, z. B. ein Mikrofon, und/oder ein elektromagnetischer Empfänger, z.
B. eine Induktionsspule. Der Ausgangswandler ist meist als elektroakustischer Wandler,
z. B. Miniaturlautsprecher, oder als elektromechanischer Wandler, z. B. Knochenleitungshörer,
realisiert. Der Verstärker ist üblicherweise in eine Signalverarbeitungseinheit integriert.
Dieser prinzipielle Aufbau ist in Figur 1 am Beispiel eines Hinter-dem-Ohr Hörgeräts
1 dargestellt. In ein Hörgerätegehäuse 2 zum Tragen hinter dem Ohr sind üblicherweise
zwei Mikrofone 3 zur Aufnahme des Schalls aus der Umgebung eingebaut. Oberhalb der
Mikrofone 3 sind Mikrofonöffnungen 7 in dem Hörgerätegehäuse 2 ausgebildet. Durch
die Mikrofonöffnungen 7 kann der Schall zu den Mikrofonen 3 im Inneren des Hörgerätegehäuses
2 gelangen. Eine Signalverarbeitungseinheit 4, die ebenfalls in das Hörgerätegehäuse
2 integriert ist, verarbeitet die Mikrofonsignale und verstärkt sie. Das Ausgangssignal
der Signalverarbeitungseinheit 4 wird an einen Lautsprecher bzw. Hörer 5 übertragen,
der ein akustisches Signal ausgibt. Der Schall wird gegebenenfalls über einen nicht
dargestellten Schallschlauch, der mit einer Otoplastik im Gehörgang fixiert ist, zum
Trommelfell des Hörgeräteträgers übertragen. Die Energieversorgung des Hörgeräts 1
und insbesondere die der Signalverarbeitungseinheit 4 erfolgt durch eine ebenfalls
ins Hörgerätegehäuse 2 integrierte Batterie 6.
[0003] In der
DE 10 2008 018 041 A1 ist ein derartiges Hinter-dem-Ohr Hörgerät mit einer Mikrofonöffnung, mit einem Lautsstärkeregler,
mit einer Programmierbuchse, mit einer Programmtaste mit Aus-Funktion und mit einem
Batteriefach offenbart.
[0004] Die Anpassung eines Hörgeräts erfolgt in der Regel im Dialog zwischen einem Hörgeräteträger
und einem Hörgeräteakustiker. Dem Hörgeräteträger werden dabei unterschiedliche Testsignale
dargeboten, die er subjektiv wahrnimmt und seine Eindrücke dem Akustiker mitteilt.
Dieser vergleicht die Wahrnehmung des Hörgeräteträgers mit den Eindrücken Normalhörender
bezüglich des jeweiligen Testsignals. Aus den unterschiedlichen Wahrnehmungen leitet
der Akustiker Hörgeräteparameter ab, die in der Regel zu einer verbesserten Anpassung
des Hörgeräts an den Hörgeräteträger führen. Dieses Vorgehen wird so lange wiederholt,
bis der Schwerhörige eine Anzahl an Testsignalen subjektiv ähnlich empfindet wie ein
Normalhörender.
[0005] Wie die
DE 41 28 172 A1 zeigt, besteht seit Langem das Bedürfnis, subjektive Messungen des Hörvermögens durch
objektive Messungen und einer gegebenenfalls anschließenden Korrektur von Hörgeräteparametern
zu ersetzen. Neueste Forschungen auf dem Gebiet der objektiven Ermittlung der Höranstrengung
scheinen neue Perspektiven in diesem Sinne zu ermöglichen. Beispielsweise wird in
D.J. Strauss et al., "On the Cognitive Neurodynamics of Listening Effort: A Phase
Clustering Analysis of Large-Scale Neural Correlates, 31st Annual International Conference
of the IEEE EMBS Minneapolis, Minnesota, USA, September 2-6, 2009, Seiten 2048-2081 vorgeschlagen, die Höranstrengung aus der elektrischen neuronalen Aktivität des Gehirns
durch mathematische Transformationsanalysen zu ermitteln.
[0006] Es ist daher Aufgabe der Erfindung die Einstellung von Hörgeräten zu objektivieren,
zu automatisieren und in Bezug auf neuropsychologische Variablen der Hörverarbeitung
zu verbessern.
[0007] Gemäß der Erfindung wird die gestellte Aufgabe mit dem Verfahren und der Anordnung
der unabhängigen Patentansprüche gelöst.
[0008] Die Erfindung beansprucht ein Verfahren zur automatischen, durch eine Rechen- und
Steuerungseinheit kontrollierten, rekursiven Anpassung eines von einer Person getragenen
Hörgeräts, wobei der Person eine Höraufgabe zur Lösung gestellt wird und eine dazugehörige
Höranstrengung objektiv anhand neuropsychologischer Korrelate der auditiven Verarbeitung
erfasst wird. Mit dem Verfahren wird mindestens ein akustischer Reiz an die Person
dargeboten, die neuronale Aktivität des Gehirns der Person aufgrund des akustischen
Reizes erfasst, ein Maß der Höranstrengung aus der erfassten neuronalen Aktivität
ermittelt, durch eine Rechen- und Steuerungseinheit mindestens ein Hörgeräteparameter
in Abhängigkeit des ermittelten Maßes der Höranstrengung geändert und das Verfahren
kontrolliert durch die Rechen- und Steuerungseinheit wiederholt, bis das Maß der Höranstrengung
einen vorgebbaren ersten Schwellwert unterschreitet bzw. im Sinne eines zuvor definierten
Abbruchskriteriums der Rechen- und Steuerungseinheit minimiert ist. Die Erfindung
bietet den Vorteil, dass auf sehr robuste und verlässliche Weise Hörgeräte objektiv
und automatisch im Hinblick auf neuropsychologische Parameter angepasst werden können.
[0009] In einer Weiterbildung werden mehrere akustische Reize dargeboten, die neuronalen
Aktivitäten erfasst und die erfassten neuronalen Aktivitäten einer mathematischen
Analyse zur Merkmalsextraktion unterzogen.
[0010] In einer weiteren Ausführungsform kann die Merkmalsextraktion auch auf dem Bildbereich
geeigneter mathematischer Transformationen (z.B. komplexe Zeit-Frequenztransformationen)
definiert werden.
[0011] Des Weiteren kann der akustische Reiz eine Wortfolge, eine Sprechsilbenfolge oder
eine Tonfolge umfassen.
[0012] In einer Weiterbildung des Verfahrens kann die neuronale Aktivität des Gehirns durch
ein Elektroenzephalogramm erfasst werden.
[0013] In einer bevorzugten Ausführungsform kann aus dem EEG eine Auditory Late Response
ermittelt werden.
[0014] Des Weiteren kann aus komplexen Transformationen (z.B. Hilbert-, komplexe Wavelet
Transformation, Gabor Frame Transformation) von mindestens zwei Auditory Late Responses
die über das Merkmal der Momentanphase gewonnene Inter-Trial Phase Stability ermittelt
werden.
[0015] Bevorzugt kann die Inter-Trial Phase Stability das Maß für die Höranstrengung sein.
[0016] In einer weiteren Ausführungsform des Verfahrens kann die neuronale Aktivität des
Gehirns durch ein Magnetoenzephalogramm erfasst werden.
[0017] In einer weiteren Ausführungsform des Verfahrens kann die neuronale Aktivität des
Gehirns auch durch funktionelle bildgebende Verfahren (z.B. fMRI, PET, SPECT, fOCT)
erfasst werden.
[0018] Bevorzugt können die Änderungen der Hörgeräteparameter mittels evolutionärer Algorithmen
ermittelt werden. Dadurch ist eine mehrdimensionale stochastische Optimierung möglich.
[0019] Die Erfindung beansprucht auch eine Anordnung zur automatischen, durch eine Rechen-
und Steuerungseinheit kontrollierten, rekursiven Anpassung mindestens eines von einer
Person getragenen Hörgeräts. Die Anordnung umfasst eine Stimuli-Generatoreinheit,
die an das Hörgerät mindestens einen akustischen Reiz abgibt, eine Signalerfassungseinheit
mit mindestens einem Sensor, die eine neuronale Aktivität des Gehirns der Person aufgrund
des akustischen Reizes erfasst, eine Rechen- und Steuereinheit, die ein Maß der Höranstrengung
aus der erfassten neuronalen Aktivität ermittelt und daraus Änderungen von Hörgeräteparametern
bestimmt, sowie eine Hörgerätesteuereinheit, die die Hörgeräteparameter ändert. Die
Rechen- und Steuereinheit veranlasst wiederholt die Stimuli-Generatoreinheit zum Abgeben
eines Hörreizes und die Hörgerätesteuereinheit zum gezielten Ändern eines Hörgeräteparameters
gemäß einer Optimierungsvorschrift, bis das Maß der Höranstrengung einen vorgebbaren
ersten Schwellwert unterschreitet oder im Sinne einer anderen zuvor in der Rechen-
und Steuereinheit definierten Abbruchbedingung minimiert ist.
[0020] In einer Weiterbildung der Anordnung kann der akustische Reiz eine Wortfolge, eine
Sprechsilbenfolge oder eine Tonfolge umfassen.
[0021] In einer weiteren Ausführungsform der Anordnung können die Signalerfassungseinheit
und der mindestens eine Sensor die neuronale Aktivität des Gehirns mittels Elektroenzephalografie
erfassen.
[0022] Des Weiteren kann die Signalerfassungseinheit mindestens eine Auditory Late Response
ermitteln.
[0023] Bevorzugt kann die Rechen- und Steuereinheit aus mindestens zwei Auditory Late Responses
eine mittlere Inter-Trial Phase Stability ermitteln.
[0024] Bevorzugt kann bei der Anordnung die über komplexe Transformationen ermittelte Momentanphase
zur Berechnung der Inter-Trial Phase Stability dienen, welche als Merkmal zur Quantifizierung
der Höranstrengung eingesetzt wird.
[0025] In einer weiteren Ausführungsform können die Signalerfassungseinheit und der mindestens
eine Sensor die neuronale Aktivität des Gehirns mittels Magnetoenzephalografie erfassen.
[0026] In einer weiteren Ausführungsform der Anordnung kann die neuronale Aktivität des
Gehirns auch durch funktionelle bildgebende Verfahren (z.B. fMRI, PET, SPECT, fOCT)
erfasst werden.
[0027] Außerdem können in der Rechen- und Steuereinheit die Änderungen der Hörgeräteparameter
durch einen evolutionären Algorithmus ermittelt werden.
[0028] Weitere Besonderheiten und Vorteile der Erfindung werden aus den nachfolgenden Erläuterungen
mehrerer Ausführungsbeispiele anhand von schematischen Zeichnungen ersichtlich.
[0029] Es zeigen:
- Figur 1:
- ein Blockschaltbild eines Hinter-dem-Ohr Hörgeräts gemäß Stand der Technik,
- Figur 2:
- ein Ablaufdiagramm des Verfahrens zur Einstellung eines Hörgeräts durch Ermittlung
der Höranstrengung aus der IPS und
- Figur 3:
- ein Blockschaltbild einer Vorrichtung zur Anpassung von Hörgeräteparametern mit Hilfe
eines EEG.
[0030] Figur 2 zeigt ein Ablaufdiagramm des erfindungsgemäßen Verfahrens zum Einstellen
von mindestens einem Hörgeräteparameter eines Hörgeräts. Im ersten Schritt 100 wird
eine Person auf die Hörgeräteeinstellung vorbereitet.
[0031] Die Person trägt an jedem Ohr ein eingeschaltetes und funktionsfähiges Hörgerät,
d.h. die Person trägt die Hörgeräte entsprechend der Bedienungsanleitung hinter dem
Ohr. Die Hörgeräteparameter, wie Kanalverstärkung, Kompressionsrate, Kompressionsknickpunkt,
Mikrofoncharakteristik, Störgeräuschreduzierung, Zeitkonstanten, befinden sich in
einer Grundeinstellung, die beispielsweise durch ein Audiogramm ermittelt wurde.
[0032] Zur Messung einer summierten elektrischen Aktivität des Gehirns der Person müssen
die Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche der Person mittels Elektroenzephalografie
(EEG abgekürzt) aufgezeichnet werden. Das Elektroenzephalogramm (auch EEG abgekürzt)
ist die grafische Darstellung dieser Schwankungen. Ursache der Potenzialschwankungen
sind physiologische Vorgänge einzelner Gehirnzellen, die durch ihre elektrischen Zustandsänderungen
zur Informationsverarbeitung des Gehirns beitragen. Entsprechend ihrer spezifischen
räumlichen Anordnung addieren sich die von einzelnen Neuronen erzeugten Potenziale
auf, so dass sich über den gesamten Kopf verteilte Potenzialänderungen messen lassen.
Zur Bewertung wird eine Aufzeichnung in mehreren Kanälen von verschiedenen Elektrodenkombinationen
benötigt. Dazu werden der Person mehrere Elektroden auf der Kopfhaut angebracht.
[0033] Im nachfolgenden vorbereitenden Schritt 101 wird der Person beispielsweise von einem
Hörgeräteakustiker eine Höraufgabe gestellt, beispielsweise die Sprechsilbe "pa" aus
einer Sprechsilbenfolge mit den Sprechsilben "pa", "da" und "ba" zu erkennen, wobei
die Sprechsilben in beliebiger Reihenfolge und Wiederholung auftreten können.
[0034] Im Schritt 102 wird der Person ein Hörreiz in Form einer oben erwähnten gesprochenen
Silbenfolge dargeboten. Das Darbieten kann direkt mit dem Hörgerät oder aber indirekt
über Kopfhörer oder Lautsprecher erfolgen. Bei letzteren nimmt das Hörgerät den Hörreiz
akustisch auf. Die Person versucht ("strengt sich an"), die Höraufgabe ("Erkennen
der Sprechsilbe "pa"") zu lösen. Optional können auch Tonfolgen oder ganze Sätze dargeboten
werden.
[0035] Im Schritt 103, der parallel zum Schritt 102 ausgeführt wird, wird die neuronale
Aktivität des Gehirns der Person mittels EEG gemessen. Das heißt, es werden die elektrischen
Potenziale zwischen auf der Kopfhaut angebrachten Elektroden gemessen.
[0036] Im Schritt 104 werden aus dem EEG das akustisch evozierte Potenzial, insbesondere
die Auditory Late Response ALR bestimmt.
[0037] Die Schritte 102 bis 104 werden mehrmals wiederholt, um das Signal/Rauschverhältnis
der sehr schwachen Potenziale zu verbessern. Aus den so ermittelten ALRs erfolgt im
Schritt 105 die Bestimmung einer über komplexe Transformationen und die Momentanphase
gewonnene Inter-Trial Phase Stability (IPS), die ein Maß der Höranstrengung LE ist.
Die IPS kann Werte zwischen "0" und "1" annehmen, wobei "1" eine große Höranstrengung
LE bedeutet. Die IPS gibt die Stabilität der Momentanphase der ALRs für definierte
Zeitpunkte an.
[0038] Im folgenden Schritt 106 wird automatisch mindestens ein Hörgeräteparameter mit dem
Ziel verändert, die Höranstrengung LE zu reduzieren. Dieses mehrdimensionale Optimierungsproblem
wird bevorzugt mit Hilfe eines in einer Rechen- und Steuereinheit ablaufenden evolutionären
Algorithmus gelöst.
[0039] Der Optimierungsfortschritt der Hörgeräteparameter wird im Schritt 107 überprüft,
indem nach jeder Änderung der Hörgeräteparameter die Schritte 102 bis 106 wiederholt
werden und die Änderung der Höranstrengung LE zwischen zwei Ermittlungen der Höranstrengung
LE bestimmt wird. Unterschreitet die Änderung einen vorgebbaren zweiten Schwellwert,
beispielsweise 0,2, wird das Verfahren mit dem Schritt 108 abgebrochen und das Hörgerät
ist bezogen auf die Höranstrengung optimal eingestellt. Alternativ kann eine andere,
zuvor definierte Abbruchbedingung in der Rechen- und Steuereinheit eine minimale Höranstrengung
(LE) detektieren.
[0040] Optional können zusätzlich auch andere physiologische Reize, wie z.B. visuelle oder
taktile, der Person dargeboten werden. Zusätzlich kann die Person optional auch über
eine Betätigungseinheit die subjektive Lösung der Höraufgabe signalisieren. Damit
kann die Verbesserung der Hörgeräteeinstellung überwacht werden.
[0041] Figur 3 zeigt ein vereinfachtes Blockschaltbild einer erfindungsgemäßen Anordnung
zur Anpassung von Hörgeräteparametern mit Hilfe einer ermittelten Höranstrengung.
Eine Person 16 trägt zwei Hörgeräte 10 zur Versorgung einer Schwerhörigkeit und zur
Messung einer neuronalen Aktivität des Gehirns mehrere Elektroden 11 auf der Kopfhaut,
die elektrische Potenziale ableiten können. Die Elektroden 11 sind mit einer Signalerfassungseinheit
13 verbunden, welche die von den Elektroden 11 aufgenommenen Signale in Form eines
EEG erfasst.
[0042] Mit der Signalerfassungseinheit 13 ist außerdem eine Betätigungseinheit 20, beispielsweise
ein Druckknopf, verbunden. Die Person 16 kann die Betätigungseinheit 20 betätigen,
wenn sie eine gestellte Höraufgabe glaubt, gelöst zu haben. Damit kann objektiv überprüft
werden, ob gestellte Höraufgaben auch tatsächlich gelöste werden. Eine einfache Höraufgabe
wäre, eine vorgegeben gesprochene Silbe oder einen Ton mit einer bestimmten Tonhöhe
zu erkennen.
[0043] Mittels einer Stimuli-Generatoreinheit 12, die mit den Hörgeräten 10 verbunden ist,
werden der Person 16 akustische Reize in Form von Tonfolgen, Sprechsilben oder Sätzen
dargeboten. Die Person 16 muss versuchen, aus dem Reiz die Höraufgabe zu lösen, das
heißt beispielsweise die vorgegebene Sprechsilbe zu erkennen. Die damit verbundene
Anstrengung wird im Deutschen als Höranstrengung (eigentlich "Zuhöranstrengung") und
im Englischen als "Listening Effort" bezeichnet. Alternativ kann der Hörreiz auch
über Lautsprecher 17 oder Kopfhörer 18 dargeboten werden. In diesen Fällen nehmen
die Hörgeräte 10 den Schall auf und geben ihn verändert und verstärkt an die Person
16 wieder ab.
[0044] Die Stimuli-Generatoreinheit 12 kann auch optionale Stimuli 19, beispielsweise in
Form von visuellen und/oder taktilen Reizen, abgeben.
[0045] Mit Hilfe einer Hörgerätesteuereinheit 14 können unterschiedlichste Hörgeräteparameter,
wie zum Beispiel Kanalverstärkung, Kompressionsrate, Kompressionsknickpunkt, Mikrofoncharakteristik,
Störgeräuschreduzierung oder Zeitkonstanten, verändert werden, um die Anpassung der
Hörgeräte an das Hörvermögen bzw. die Hörschwäche der Person 16 zu ermöglichen.
[0046] Eine Rechen- und Steuereinheit 15, die mit der Stimuli-Generatoreinheit 12, der Hörgerätesteuereinheit
14 und der Signalerfassungseinheit 13 verbunden ist, steuert diese Einheiten und ermittelt
aus den aufgenommenen Signalverläufen des EEG die Höranstrengung. Vorzugsweise werden
ALR aus einer Versuchsreihe ermittelt und die mittlere IPS daraus errechnet. Die mittlere
IPS ist ein sehr robustes und verlässliches Maß der Höranstrengung. Die mittlere IPS
wird nun in einem Differential Evolution Algorithmus der Rechen- und Steuereinheit
15 zur Bestimmung der Änderung der Hörgeräteparameter verwendet. Nach jeder Änderung
der Hörgeräteparameter werden erneut Hörreize dargeboten, bis die Different oder mehrere
Differenzen der ermittelten Höranstrengungen nur mehr um einen zweiten Schwellwert
voneinander abweichen.
[0047] Die mittlere IPS kann Werte zwischen "0" und "1" annehmen, der zweite Schwellwert
ist vorzugsweise "0,2". Die Differential Evolution ist ein mathematisches Verfahren
zur Optimierung einer mehrdimensionalen Funktion.
Bezugszeichenliste
[0048]
- 1
- Hinter-dem-Ohr Hörgerät
- 2
- Hörgerätegehäuse
- 3
- Mikrofon
- 4
- Signalverarbeitungseinheit
- 5
- Hörer
- 6
- Batterie
- 7
- Mikrofonöffnung im Hörgerätegehäuse 2
- 10
- Hörgerät
- 11
- EEG-Elektroden
- 12
- Stimuli-Generatoreinheit
- 13
- Signalerfassungseinheit
- 14
- Hörgerätesteuereinheit
- 15
- Rechen- und Steuereinheit
- 16
- Person
- 17
- Lautsprecher
- 18
- Kopfhörer
- 19
- Optionale Stimuli
- 20
- Betätigungseinheit
- 100
- Vorbereitung
- 101
- Stellen der Höraufgabe
- 102
- Darbieten eines Hörreizes / von Sprechsilben
- 103
- Aufzeichnen eines EEG
- 104
- Ermittlung der ALR
- 105
- Ermittlung der IPS/Höranstrengung LE
- 106
- Ändern mindestens eines Hörgeräteparameters
- 107
- Vergleich der Werte zweier Höranstrengungsmaße
- 108
- Abbruch der Einstellung des Hörgeräts
- ALR
- Auditory Late Response
- EEG
- Elektroenzephalogramm / -grafie
- IPS
- Inter-Trial Phase Stability
- LE
- Höranstrengung
1. Verfahren zur automatischen, rekursiven Anpassung eines von einer Person (16) getragenen
Hörgeräts (10), wobei der Person (16) eine Höraufgabe zur Lösung gestellt wird und
eine dazugehörige Höranstrengung (LE) erfasst wird, mit folgenden Schritten:
a) Darbieten (102) mindestens eines akustischen Reizes an die Person (16),
b) Erfassung (103, 104) der neuronalen Aktivität des Gehirns der Person (16) aufgrund
des akustischen Reizes,
c) Ermittlung (105) eines Maßes der Höranstrengung (LE) aus der erfassten neuronalen
Aktivität,
d) Ändern (106) mindestens eines Hörgeräteparameters in Abhängigkeit des ermittelten
Maßes der Höranstrengung (LE) und
e) durch eine Rechen- und Steuereinheit (15) kontrolliertes Wiederholen der Schritte
a) bis d) bis das Maß der Höranstrengung (LE) einen vorgebbaren ersten Schwellwert
unterschreitet oder im Sinne einer in der Rechen- und Steuereinheit (15) vorgebbar
definierten Abbruchbedingung minimiert ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
gekennzeichnet durch:
- Wiederholen der Schritte a) und b) und
- mathematische Analyse der erfassten neuronalen Aktivitäten zur verbesserten Extraktion
von neuropsychologischen Korrelaten der Höranstrengung (LE).
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Extraktion auch auf dem Bildbereich geeigneter mathematischer Transformationen,
insbesondere komplexe Zeit/Frequenztransformationen, definiert werden.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass der akustische Reiz eine Wortfolge, eine Sprechsilbenfolge oder eine Tonfolge umfasst.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die neuronale Aktivität des Gehirns durch ein (EEG) erfasst wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass aus dem Elektroenzephalogramm (EEG) eine Auditory Late Response (ALR) ermittelt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass aus mindestens zwei Auditory Late Responses (ALR) eine mittlere Inter-Trial Phase
Stability (IPS) ermittelt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Inter-Trial Phase Stability (IPS) das Maß für die Höranstrengung (LE) ist.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die neuronale Aktivität des Gehirns durch ein Magnetoenzephalogramm (MEG) erfasst
wird.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Änderungen der Hörgeräteparameter mittels eines Differential Evolution Algorithmus
ermittelt werden.
11. Anordnung zur automatischen, rekursiven Anpassung mindestens eines von einer Person
(16) getragenen Hörgeräts (10) mit:
- einer Stimuli-Generatoreinheit (12), die an das Hörgerät (10) mindestens einen akustischen
Reiz abgibt,
- einer Signalerfassungseinheit (13) mit mindestens einem Sensor (11), die eine neuronale
Aktivität des Gehirns der Person (16) aufgrund des akustischen Reizes erfasst,
- einer Rechen- und Steuereinheit (15), die ein Maß der Höranstrengung (LE) aus der
erfassten neuronalen Aktivität ermittelt und daraus Änderungen von Hörgeräteparametern
bestimmt, und
- einer Hörgerätesteuereinheit (14), die die Hörgeräteparameter ändert,
wobei die Rechen- und Steuereinheit (15) wiederholt die Stimuli-Generatoreinheit (12)
zum Abgeben eines Hörreizes und die Hörgerätesteuereinheit (14) zum Ändern eines Hörgeräteparameters
veranlasst, bis das Maß der Höranstrengung (LE) einen vorgebbaren ersten Schwellwert
unterschreitet oder im Sinne einer in der Rechen- und Steuereinheit (15) vorgebbar
definierten Abbruchbedingung minimiert ist.
12. Anordnung nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass der akustische Reiz eine Wortfolge, eine Sprechsilbenfolge oder eine Tonfolge umfasst.
13. Anordnung nach Anspruch 11 oder 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Signalerfassungseinheit (13) und der mindestens eine Sensor (11) die neuronale
Aktivität des Gehirns mittels Elektroenzephalografie (EEG) erfasst.
14. Anordnung nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Signalerfassungseinheit (13) mindestens eine Auditory Late Response (ALR) ermittelt.
15. Anordnung nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Rechen- und Steuereinheit (15) aus mindestens zwei Auditory Late Responses (ALR)
eine Inter-Trial Phase Stability (IPS) aus deren Momentanphase ermittelt.
16. Anordnung nach Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Inter-Trial Phase Stability (IPS) das Maß für die Höranstrengung (LE) ist.
17. Anordnung nach Anspruch 11 oder 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Signalerfassungseinheit (13) und der mindestens eine Sensor (11) die neuronale
Aktivität des Gehirns mittels Magnetoenzephalografie (MEG) erfasst.
18. Anordnung nach einem der Ansprüche 11 bis 17,
dadurch gekennzeichnet,
dass in der Rechen- und Steuereinheit (15) die Änderungen der Hörgeräteparameter durch
einen Differential Evolution Algorithmus ermittelt werden.