[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung von Schraubenfedern
durch Federwinden mittels einer numerisch gesteuerten Federwindemaschine gemäß dem
Oberbegriff von Anspruch 1 sowie auf eine zur Durchführung des Verfahrens geeignete
Federwindemaschine.
[0002] Schraubenfedern sind Maschinenelemente, die in zahlreichen Anwendungsbereichen in
großen Stückzahlen und unterschiedlichen Ausgestaltungen benötigt werden. Schraubenfedern,
die auch als gewundene Torsionsfedern bezeichnet werden, werden üblicherweise aus
Federdraht herstellt und je nach der bei der Nutzung vorliegenden Belastung als Zugfedern
oder Druckfedern ausgelegt. Druckfedern, insbesondere Tragfedern, werden beispielsweise
in großen Mengen im Automobilbau benötigt. Die Federcharakteristik kann unter anderem
dadurch beeinflusst werden, dass Abschnitte unterschiedlicher Steigung oder Steigungsverläufe
gestaltet werden. Beispielsweise gibt es bei Druckfedern häufig einen mehr oder weniger
langen mittleren Abschnitt mit konstanter Steigung (Konstantabschnitt), an den sich
zu beiden Enden der Feder Anlagebereiche mit zu den Enden geringer werdender Steigung
anschließen. Der Federdurchmesser ist bei zylindrischen Schraubenfedern über die Länge
der Federn konstant, er kann aber auch über die Länge variieren, wie z.B. bei kegelförmigen
oder tonnenförmigen Schraubenfedern. Auch die Gesamtlänge der (unbelasteten) Feder
kann für unterschiedliche Anwendungen stark variieren.
[0003] Schraubenfedern werden heutzutage üblicherweise durch Federwinden mit Hilfe numerisch
gesteuerter Federwindemaschinen hergestellt. Dabei wird ein Draht (Federdraht) unter
der Steuerung durch ein NC-Steuerprogramm mittels einer Zuführeinrichtung einer Umformeinrichtung
der Federwindemaschine zugeführt und mit Hilfe von Werkzeugen der Umformeinrichtung
zu einer Schraubenfeder umgeformt. Zu den Werkzeugen gehören in der Regel ein oder
mehrere bezüglich ihrer Stellung einstellbare Windestifte zur Festlegung und ggf.
zur Veränderung des Durchmessers von Federwindungen und ein oder mehrere Steigungswerkzeuge,
durch die die lokale Steigung der Federwindungen in jeder Phase des Fertigungsprozesses
bestimmt wird.
[0004] Federwindemaschinen sollen in der Regel bei hoher Stückleistung viele Federn mit
einer bestimmten Federgeometrie (Soll-Geometrie) innerhalb sehr enger Toleranzen erzeugen.
Zu den funktionswichtigen Geometrieparametern gehört u.a. die Gesamtlänge der fertigen
Schraubenfeder im unbelasteten Zustand. Durch die Gesamtlänge werden u.a. die Einbaumaße
der Feder und die Federkraft mitbestimmt.
[0005] Im Hinblick auf hohe Qualitätsanforderungen, z.B. im Automobilbereich, ist es üblich,
gewisse Federgeometriedaten, wie beispielsweise den Durchmesser, die Länge und/oder
die Steigung bzw. den Steigungsverlauf der Feder, nach Fertigstellung einer Feder
zu messen und die fertigen Federn abhängig vom Ergebnis der Messung automatisch in
Gutteile (Federgeometrie innerhalb der Toleranzen) und Schlechtteile (Ergebnis außerhalb
der Toleranzen) und ggf. in weitere Kategorien zu sortieren. Diese Vorgehensweise
ist insbesondere bei langen Federn sehr unökonomisch, da bei langen Federn jeweils
pro Feder eine relativ große Drahtlänge verbraucht wird, die verworfen werden muss,
wenn sich herausstellt, dass die fertige Feder außerhalb der Toleranzen liegt.
[0006] Es ist auch schon vorgeschlagen worden, den Durchmesser, die Länge und die Steigung
der Feder durch geeignete Messmittel während der Fertigung zu überprüfen und bei außerhalb
von Toleranzgrenzen liegenden Abweichungen Fertigungsparameter so zu verändern, dass
die Federgeometrie innerhalb der Toleranzen bleibt.
[0007] Die
DE 103 45 445 B4 zeigt eine Federwindemaschine, die ein integriertes Messsystem mit einer Videokamera
hat, die auf denjenigen Bereich der Federwindemaschine gerichtet ist, in dem die Formung
der Feder beginnt. Ein an die Videokamera angeschlossenes Bildverarbeitungssystem
mit entsprechenden Auswertealgorithmen soll es erlauben, den Durchmesser, die Länge
und die Steigung der Feder während der Fertigung zu überprüfen und es soll möglich
sein, diese Federgeometrieparameter durch Rückkopplung zu den motorisch verstellbaren
Bearbeitungswerkzeugen während der Fertigung zu verändern. Ein Auswertealgorithmus
zur Bestimmung des aktuellen Federdurchmessers ist im Detail beschrieben.
AUFGABE UND LÖSUNG
[0008] Es ist eine Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung der gattungsgemäßen
Art so zu optimieren, dass insbesondere bei der Herstellung von relativ langen Schraubenfedern
mit großer Zuverlässigkeit aus Drahtmaterialien unterschiedlichster Qualität Schraubenfedern
innerhalb enger geometrischer Toleranzen hergestellt werden können. Insbesondere sollen
lange Schraubenfedern mit geringer Streuung der Gesamtlänge und geringer Ausschussrate
herstellbar sein.
[0009] Diese Aufgaben werden gelöst durch ein Verfahren zur Herstellung von Schraubenfedern
durch Federwinden mit den Merkmalen von Anspruch 1 sowie durch eine Federwindemaschine
mit den Merkmalen von Anspruch 12. Vorteilhafte Weiterbildungen sind in den abhängigen
Ansprüchen angegeben. Der Wortlaut sämtlicher Ansprüche wird durch Bezugnahme zum
Inhalt der Beschreibung gemacht.
[0010] Bei dem Verfahren werden zunächst eine gewünschte Soll-Geometrie der herzustellenden
Schraubenfeder und ein entsprechendes, zur Erzeugung dieser Soll-Geometrie geeignetes
NC-Steuerprogramm definiert. Damit wird die Abfolge von koordinierten Arbeitsbewegungen
der Maschinenachsen der Federwindemaschine festgelegt, die bei der Herstellung einer
Feder zu durchlaufen sind.
[0011] Während der Herstellung einer Schraubenfeder wird eine Messung einer Istposition
eines ausgewählten Strukturelementes der Schraubenfeder relativ zu einem Referenzelement
durchgeführt. Durch die Messung kann ein lstabstand zwischen dem ausgewählten Strukturelement
und dem Referenzelement ermittelt werden. Die Messung findet zu einem Messzeitpunkt
statt, der nach dem Beginn und vor dem Ende der Herstellung der Schraubenfeder liegt,
also während des Ablaufs der für die Federfertigung vorgesehenen Arbeitsbewegungen
der Federwindemaschine. Es ist also zum Messzeitpunkt erst ein Teil der Feder hergestellt.
Das ausgewählte Strukturelement liegt dabei in einem Messbereich, der in Längsrichtung
der Schraubenfeder einen endlichen Abstand von der Umformeinrichtung hat. Dieser Abstand
ist kleiner als die Gesamtlänge der fertig gestellten Schraubenfeder, d.h. kleiner
als die sich aus der Soll-Geometrie ergebenden Gesamtlänge. Durch einen Vergleich
der Istposition des Strukturelementes mit einer Sollposition des Strukturelementes
für den Messzeitpunkt wird eine aktuelle Positionsdifferenz ermittelt, die die Differenz
der Istposition zur Sollposition zum Messzeitpunkt repräsentiert. In Abhängigkeit
von der Positionsdifferenz wird dann die Stellung mindestens eines die Steigung der
Schraubenfeder beeinflussenden Werkzeuges der Umformeinrichtung gesteuert, um eine
Annäherung der Istposition an die Sollposition zu erreichen.
[0012] Ein Regelungseingriff bleibt dabei aus, wenn der Istwert dem Sollwert entspricht.
Wird dagegen eine signifikante Abweichung (Positionsdifferenz) festgestellt, so wird
die im Moment der Umformung erzeugte Steigung der Feder durch Veränderung der Stellung
des Steigungswerkzeuges und/oder eines anderen die Steigung beeinflussenden Werkzeuges
(z.B. eines gesteuert verdrehbaren und/oder verkippbaren Windestifts) derart verändert,
dass eine Verringerung der Positionsdifferenz bei der nächsten Messung erwartet werden
kann. Die momentan erzeugte Steigung wird also auf Basis der Messung geregelt. Vorzugsweise
wird hierzu ausschließlich die Stellung eines Steigungswerkzeugs gesteuert bzw. geregelt.
[0013] Dadurch, dass der Messbereich in einem endlichen Abstand vom Ort des Umformprozesses
an der Umformeinrichtung liegt, kann durch die Messung ein kumulativer Längenfehler
in dem zwischen der Umformeinrichtung und dem Messbereich liegenden Federabschnitt
ermittelt werden. Da weiterhin der Abstand des Messbereichs von der Umformeinrichtung
kleiner als die Gesamtlänge der fertig gestellten Schraubenfeder ist, kann der Messzeitpunkt
in Bezug auf die Gesamtdauer der Herstellung einer Schraubenfeder so frühzeitig liegen,
dass ein aufgrund der Messung ggf. durchgeführte Regeleingriff in den Umformprozess
noch zur Korrektur eventueller Fehleinstellungen genutzt werden kann, um nach Abschluss
der Fertigung eine Gesamtlänge der Schraubenfeder innerhalb der Toleranzen zu erhalten.
[0014] Der Abstand des Messbereiches von der Umformeinrichtung wird vorzugsweise an die
Gesamtlänge der fertigen Schraubenfeder derart angepasst, dass dieser Abstand zwischen
5% und 70% der Gesamtlänge, insbesondere zwischen 10% und 50% der Gesamtlänge beträgt.
Wenn diese bevorzugten Mindestwerte für den Abstand eingehalten werden, kann sich
bei nicht perfekten Umformbedingungen über den Federabschnitt ein Längsfehler aufbauen,
der im Vergleich zur Messgenauigkeit des Messsystems ausreichend groß ist, um signifikante
Messergebnisse zu ermöglichen. Werden die bevorzugten Obergrenzen für den Abstand
eingehalten, so bleibt in der Regel noch genügend Restzeit übrig, um durch einen oder
mehrere Regeleingriffe am Ende der Fertigung eine Schraubenfeder mit der gewünschten
Gesamtlänge zu erhalten.
[0015] Innerhalb des Abstandes liegen vorzugsweise eine oder mehrere Federwindungen, so
dass der Messbereich z.B. zwei, drei, vier, fünf, sechs oder mehr Federwindungen entfernt
vom Ort der Umformung bzw. von der Umformeinrichtung liegen kann. Abhängig von der
Steigung sind häufig bereits ab zwei bis drei Windungen Abstand aussagekräftige Ergebnisse
erzielbar.
[0016] Bei bevorzugten Ausführungsformen des Verfahrens wird die Messung der Istposition
relativ zu einem maschinenfesten Referenzelement durchgeführt. Ein maschinenfestes
Referenzelement ist ein Element, dessen Koordinaten in Bezug auf ein maschinenfestes
Koordinatensystem bekannt oder bestimmbar sind. Da das Referenzelement in diesem Fall
in Bezug auf das Maschinenkoordinatensystem der Fehlerwindemaschine definierte Koordinaten
hat, ist diese Messung eine Absolutmessung. Hierdurch ist eine besonders hohe Messgenauigkeit
möglich.
[0017] Alternativ kann das Referenzelement auch ein Strukturelement der Schraubenfeder sein,
insbesondere eine näher an der Umformeinrichtung liegender Windungsabschnitt bzw.
die Kontur eines Windungsabschnittes. In diesem Fall wird eine Relativmessung durchgeführt.
Um zu erreichen, dass ein eventueller akkumulierter Längenfehler zwischen dem für
die Messung ausgewählten Strukturelement und dem Referenzelement groß genug ist, um
zuverlässig gemessen werden zu können, sollten zwischen dem Strukturelement und dem
Referenzelement mehrere Windungen liegen, beispielsweise zwei, drei, vier, fünf oder
mehr Windungen.
[0018] Die Messung wird vorzugsweise berührungslos, insbesondere mit optischen Messmitteln
durchgeführt. Dabei könnte beispielsweise ein Lasermesssystem zum Einsatz kommen.
Vorzugsweise wird zur Messung eine Kamera mit einem zweidimensionalen Bildfeld (Gesichtsfeld,
Erfassungsbereich) verwendet und der Messbereich wird in das Bildfeld der Kamera gelegt.
Kamerabasierte Messsysteme mit leistungsfähiger Bildverarbeitungshardware und -software
sind kommerziell verfügbar und können hierfür genutzt werden. Die Kamera sollte möglichst
vibrationsarm an einem Träger befestigt sein, der im Betrieb fest mit dem Gestell
der Federwindemaschine verbunden ist. Vorzugsweise sitzt die Kamera an oder auf einer
Längsführung, die eine Fixierung der Kamera in unterschiedlichen Abständen zur Umformeinrichtung
zulässt, um für verschiedene Federgeometrien jeweils den optimalen Abstand einstellen
zu können. Die Position des Trägers kann vertikal verstellbar sein, um z.B. eine Anpassung
an Federn unterschiedlicher Durchmesser zu erlauben. Eine Verstelleinrichtung sollte
bei Bedarf auch eine schräg zur Federachse geneigte Anordnung des Trägers erlauben.
[0019] Bei manchen Verfahrensvarianten liegt der Referenzpunkt für die Messung am Rand des
z.B. rechteckförmigen Bildfeldes der Kamera, der in Bezug auf das Maschinenkoordinatensystem
bekannte Koordinaten hat. ln diesem Fall wird ein virtuelles Referenzelement durch
den Bildfeldrand gebildet, vorzugsweise durch denjenigen Seitenrand des Bildfeldes,
der der Umformeinrichtung zugewandt ist. Die Messung der lstposition der Strukturelemente
kann dann auf eine einfache Abstandsmessung innerhalb des Bildfeldes reduziert werden.
[0020] Bei einer anderen, alternativ oder zusätzlich nutzbaren Verfahrensvariante ist ein
maschinenfester Referenzkörper vorgesehen, der in dem Bildfeld der Kamera in einem
Abstand zum Messbereich positioniert wird, wobei ein Strukturelement des Referenzkörpers,
z.B. eine gerade Kante, als Referenz der Messung genutzt wird. Eventuelle Vibrationen
der Kamera während der Messung können sich bei dieser Verfahrensvariante nicht auf
die Messgenauigkeit der Messung auswirken, da diese Vibrationen keinen Einfluss auf
den im Bildfeld der Kamera sichtbaren Abstand zwischen dem der Messung zugrundeliegenden
Strukturelement der Schraubenfeder und einem Referenzpunkt am Referenzkörper haben.
[0021] Bei einer Messung mit Hilfe einer 2D-Kamera hat es sich als besonders günstig herausgestellt,
wenn das für die Messung genutzte ausgewählte Strukturelement der Schraubenfeder ein
im Bildfeld mehr oder weniger geradlinig erscheinender Konturabschnitt einer Federwindung
ist, welcher quer zur Längsrichtung der Feder, insbesondere in einem Winkel zwischen
ca. 45° und ca. 90° zur Längsrichtung der Schraubenfeder, verläuft. Hierdurch ist
es mit Hilfe einfacher Konturerfassungsalgorithmen des Bildverarbeitungssystems möglich,
die lstposition des Strukturelementes in Längsrichtung der Feder sehr genau zu bestimmen.
Alternativ wäre es beispielsweise auch möglich, den Messbereich an den äußeren Rand
einer Federwindung zu legen, den Ort des maximalen Abstands (Maximumsort) dieses Windungsabschnittes
zur Längsachse der Schraubenfeder zu ermitteln und den Abstand dieses Maximumortes
zum Referenzelement zu bestimmen.
[0022] Die Sollposition des Strukturelementes zum Messzeitpunkt sollte möglichst genau bekannt
sein, um eine zielgerichtete Regelung des Fertigungsprozesses zu ermöglichen. Vorzugsweise
ist die Sollposition des Strukturelementes für jeden Zeitpunkt während der Fertigung
bekannt, so dass aus einer entsprechenden Programmzeitfunktion die Sollposition zum
Messzeitpunkt unmittelbar abgeleitet werden kann. Bei der Fertigung von Schraubenfedern,
die einen mehr oder weniger langen Konstantabschnitt (Abschnitt konstanter Steigung)
haben, beginnt die Messung vorzugsweise erst dann, wenn ein eventuell vorhandener
Federabschnitt mit veränderlicher Steigung den Messbereich passiert hat. Bei Messungen
im Konstantabschnitt kann man ausnutzen, dass die Sollposition eines ausgewählten
Strukturelementes über längere Zeit konstant bleibt, so dass sich eine relativ einfache
Messwerterfassung und Auswertung ergibt. Grundsätzlich ist es auch möglich, in Federabschnitten
mit Steigungsänderungen zu messen. Hier ergeben sich in der Regel zeitlich veränderliche,
d.h. wandernde Sollpositionen, die dem Vergleichsschritt dann mit dem für den Messzeitpunk
gültigen Sollwert zugrunde gelegt werden.
[0023] Im Allgemeinen werden die Koordinaten der Sollposition des Strukturelements zum Messzeitpunkt
aus einer vor der Messung bestimmten Programmzeitfunktion für die Koordinaten der
Sollposition des Strukturelementes abgeleitet. Der richtige Sollwert ist dann für
jeden Messzeitpunkt eindeutig ermittelbar. Die Programmzeitfunktion für die Koordinaten
der Sollposition kann aufgrund einer Simulation auf rechnerischer Basis ermittelt
werden. In der Regel ist jedoch eine experimentelle Ermittlung innerhalb relativ kurzer
Zeit möglich und sinnvoll. Bei manchen Verfahrensvarianten wird die Programmzeitfunktion
für die Koordinaten der Sollposition des Strukturelementes auf Basis eines Referenz-Herstellungsprozesses
mindestens einer Referenz-Schraubenfeder ermittelt, also experimentell.
[0024] Der Begriff "Programmzeitfunktion" bezeichnet hier eine Funktion, die sich auf bestimmte
Stellen innerhalb des NC-Steuerungsprogramms bezieht. Das Erreichen eines bestimmten
NC-Satzes entspricht dabei einem bestimmten Programmzeitpunkt bzw. einem Zeitpunkt
innerhalb des Programmablaufs. Insoweit entspricht ein Programmzeitpunkt einer Ablaufposition
im sequentiellen Ablauf von Programmschritten beim der Programmabarbeitung. Wird beispielsweise
in einer bestimmten Phase der Programmabarbeitung ein Auslösesignal (Trigger) zur
Ansteuerung einer Bildaufnahme durch eine Kamera benötigt, so kann dieses Auslösesignal
durch eine an entsprechender Stelle vorliegende Programmzeile ausgelöst werden. Solche
Signale sind im Programm unmittelbar verknüpft mit bestimmten Positionen der Maschinenachsen,
z.B. mit der Maschinenachse des Drahtvorschubs und/oder mit der Maschinenachse für
die Position des Steigungswerkzeugs. Ein Zeitpunkt in einer Programmzeitfunktion entspricht
somit einem Ort in der Bewegungskurve einer oder mehrerer Maschinenachsen. Aus der
Programmzeitfunktion ergeben sich Zeitpunkte (Programmzeitpunkte) innerhalb eines
NC-Programms, die synchron zum Fortschritt der Federproduktion sind. Insoweit ist
die Programmzeitfunktion auch eine Wegfunktion in Bezug auf die Bewegungen von Maschinenachsen.
Insbesondere entspricht eine Programmzeitfunktion auch einer Wegfunktion des Drahtvorschubes.
[0025] Bei manchen Fertigungsprozessen, z.B. bei relativ kurzen Schraubenfedern, können
eine einzige Messung und ein einziger danach gegebenenfalls durchgeführter Regeleingriff
ausreichen, um eine Schraubenfeder mit ausreichend geringem Längenfehler herzustellen.
lnsbesondere bei relativ langen Schraubenfedern werden während der Fertigung der Schraubenfeder
mehrere Messungen zu mit zeitlichem Abstand aufeinanderfolgenden Messzeitpunkten durchgeführt,
so dass ein zeitliche Veränderung der Federgeometrie während des Fertigungsprozesses
beobachtet und gegebenenfalls mehrere Regeleingriffe durchgeführt werden können.
[0026] Die Anzahl der Messungen pro Zeiteinheit ist theoretisch durch die Aufnahme- und
Auswertekapazität des Messsystems begrenzt. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass
eine hohe Messfrequenz in der Regel weder erforderlich noch sinnvoll ist. Bei bevorzugten
Verfahrensvarianten wird der zeitliche Abstand zwischen unmittelbar aufeinanderfolgenden
Messzeitpunkten derart an die Zuführgeschwindigkeit des Drahtes angepasst, dass in
einem Zeitintervall zwischen zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Messungen mindestens
eine Windung erzeugt wird, wobei vorzugsweise in dem Zeitintervall zwischen eine und
zwei Windungen erzeugt werden. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass eventuelle
akkumulierte Längenfehler dann groß genug sind, um im Rahmen der Messgenauigkeit des
Messsystems zuverlässig festgestellt werden zu können. Die Signifikanz der Messergebnisse
wird dadurch verbessert und die Regelung arbeitet stabiler.
[0027] Vorzugsweise werden mehrere Messungen während der Erzeugung eines Konstantabschnitts
der Schraubenfeder durchgeführt. Unter diesen Bedingungen sollte ein beobachtetes
Strukturelement seine Positionen über eine gewisse Zeit nicht verändern. Der für den
Vergleichsschritt genutzte Sollwert bleibt in dieser Zeit konstant. Wandert das Strukturelement
bei der Fertigung eines Konstantabschnittes in Richtung der Umformeinrichtung, so
deutet dies auf eine zu geringe Steigung beim Umformen hin und kann entsprechend korrigiert
werden. Umgekehrt kann ein Wandern des Strukturelementes von der Umformeinrichtung
weg durch Verkleinerung der Steigung kompensiert werden.
[0028] Bei manchen Verfahrensvarianten wird aus den lstwerten mehrerer aufeinanderfolgender
Messungen nach einer vordefinierten Anzahl von Messungen, insbesondere nach jeder
Messung, ein laufender Durchschnittswert für die Istwerte ermittelt. Aus diesem laufenden
Durchschnittswert können aussagekräftige Informationen über die Wirksamkeit des Regeleingriffs
abgeleitet werden. Vorzugsweise wird an einer Anzeigeeinheit der Federwindemaschine
eine zeitliche Entwicklung des laufenden Durchschnittswerts angezeigt. Daran kann
ein Bediener unmittelbar erkennen, ob die an der Bedieneinrichtung vorgenommenen Einstellungen
für eine wirksame Regelung ausreichen, um am Ende eines Fertigungsschrittes eine Schraubenfeder
gewünschter Gesamtlänge zu erhalten.
[0029] Es sind unterschiedliche Regelkonzepte bzw. Regelungsalgorithmen realisierbar. Bei
manchen Varianten wird für jede ermittelte Positionsdifferenz ein gewichteter Differenzwert
ermittelt und die Position des Werkzeugs wird auf Basis des gewichteten Differenzwerts
verändert. Insbesondere kann ein zur Positionsdifferenz proportionaler gewichteter
Differenzwert ermittelt werden, wobei vorzugsweise ein Proportionalitätsfaktor vom
Bediener eingestellt und bei Bedarf verändert werden kann. Jede bei einer Messung
festgestellte Abweichung vom Sollwert kann bei dieser Variante zu einem Regeleingriff
führen, so dass auf Abweichungen schnell reagiert werden kann. Es ist auch möglich,
die Position des Werkzeugs erst dann zu korrigieren, wenn die Positionsdifferenz oder
ein daraus abgeleiteter gewichteter Differenzwert einen bestimmten Schwellwert überschreitet.
[0030] Um eine bleibende Regelabweichung zu vermeiden, wird vorzugsweise eine zeitliche
Integration der Regelabweichungen nach Art eines I-Reglers durchgeführt, so dass insgesamt
die Reglungscharakteristik eines Pl-Reglers realisiert sein kann.
[0031] Im Rahmen des Verfahrens kann eine Messung der Position eines ausgewählten Strukturelementes
auf unterschiedliche Weise ausgelöst werden. Beispielsweise kann ein Auslösesignal
(Trigger) zur Auslösung einer Messung durch eine an entsprechender Stelle des NC-Steuerungsprogramms
vorliegende Progammzeile ausgelöst werden.
[0032] Dadurch ist eine automatische Synchronisierung mit der Programmzeitfunktion sichergestellt.
Typische Genauigkeiten bei der Festlegung des Messzeitpunktes liegen dann in der Größenordnung
der Zykluszeit der Steuerung, die beispielsweise in der Größenordnung von einer oder
wenigen Millisekunden liegen kann. Insbesondere bei Messungen während der Erzeugung
eines Konstantabschnittes sind solche Genauigkeiten völlig ausreichend, da sich der
zu vermessende Strukturabschnitt praktisch nicht bewegt. Bei anderen Verfahrensvarianten
wird zur Festlegung des Messzeitpunktes ein vom NC-Steuerungsprogramm unabhängiger
Zeitgeber verwendet, der zu einem Referenzzeitpunkt mit dem NC-Steuerungsprogramm
synchronisiert wird. Ein solcher Zeitgeber kann beispielsweise durch eine zusätzliche
Karte in der Steuerungseinheit realisiert werden. Dadurch können unabhängig von der
Zykluszeit der Steuerung hohe Genauigkeiten bei der Festlegung des Messzeitpunktes
erreicht werden. Bei manchen Varianten wird der Messzeitpunkt bezogen auf einen Referenzzeitpunkt
der Programmzeitfunktion mit einer Genauigkeit von 100 Mikrosekunden oder weniger
bestimmt. Hierdurch sind ausreichend präzise Messungen auch dann möglich, wenn im
Bereich von Federabschnitten mit Steigungsänderung gemessen wird. ln solchen Fällen
ergibt sich in der Regel eine zeitlich veränderliche, d.h. eine wandernde Sollposition,
die dem Vergleichsschritt zugrunde zu legen ist. Daher ist es wichtig, den Messzeitpunkt
möglichst genau zu erkennen, um auch mit ausreichender Genauigkeit die zum Messzeitpunkt
gehörige Sollposition des beobachteten Strukturelementes ermitteln zu können.
[0033] lnsbesondere bei der Messung von Federabschnitten mit Steigungsänderungen kann es
auch vorteilhaft sein, wenn mehrere Messungen in unterschiedlichen Messbereichen vorgenommen
und die Messergebnisse bei der Regelung berücksichtigt werden. Bei manchen Ausführungsformen
wird zu einem ersten Messzeitpunkt eine erste Messung in einem ersten Messbereich
durchgeführt, der in einem ersten Abstand von der Umformeinrichtung liegt, und in
einem zeitlich danach liegenden zweiten Messpunkt wird eine zweite Messung in einem
zum ersten Messbereich versetzten zweiten Messbereich durchgeführt, der in einem zweiten
Abstand von der Umformeinrichtung liegt, der größer als der erste Abstand ist. Werden
die Ergebnisse von zwei oder mehr zeitlich versetzten Messungen in räumlich versetzten
Messbereichen gemeinsam verarbeitet, können präzise Aussagen über die zeitliche Entwicklung
des Federwindeprozesses und über Tendenzen bei eventuellen Sollabweichungen getroffen
werden. Dadurch kann eine noch präzisere Regelung des Federwindeprozesses sichergestellt
werden.
[0034] Die Erfindung bezieht sich auch auf eine numerisch gesteuerte Federwindemaschine,
die besonders zur Durchführung des Verfahrens konfiguriert ist. Sie hat eine Zuführeinrichtung
zum Zuführen von Draht zu einer Umformeinrichtung sowie eine Umformeinrichtung mit
mindestens einem Windewerkzeug, welches im Wesentlichen den Durchmesser der Schraubenfeder
an einer vorgebbaren Position bestimmt, sowie mindestens ein Steigungswerkzeug, dessen
Eingriff an der sich entwickelnden Schraubenfeder die lokale Steigung der Schraubenfeder
bestimmt.
[0035] Vorzugsweise hat die Federwindemaschine eine erste Kamera, die derart angeordnet
ist, dass ein Messbereich im Bildfeld der Kamera einen Teil eines Federabschnitts
mit endlichem Abstand von den Werkzeugen der Umformeinrichtung erfasst. Der Abstand
des Messbereichs von der Umformeinrichtung ist vorzugsweise an die Gesamtlänge der
fertigen Schraubenfeder derart angepasst, dass der Abstand zwischen 5% und 70%, insbesondere
zwischen 10% und 50% der Gesamtlänge beträgt und/oder dass innerhalb des Abstandes
eine oder mehrere Federwindungen liegen, beispielsweise mindestens zwei oder drei
Federwindungen. Weiterhin kann eine zweite Kamera vorgesehen sein, die mit Abstand
zur ersten Kamera derart positioniert ist, dass ein freier Federendabschnitt in einer
Endphase der Herstellung der Schraubenfeder in den Erfassungsbereich der zweiten Kamera
hineinläuft. Bei Verwendung einer Kamera mit ausreichend großem Erfassungsbereich
kann eine einzige Kamera ausreichen, um den mit endlichem Abstand von den Werkzeugen
der Umformeinrichtung liegenden Messbereich und den Messbereich zur Erfassung des
Endabschnitts abzudecken.
[0036] Bei manchen modernen CNC-Federwindemaschinen, die bereits ein geeignetes Messsystem
mit Kamera haben, kann die Erfindung mit bereits vorhandenen konstruktiven Voraussetzungen
umgesetzt werden. Die Fähigkeit zur Ausführung von Ausführungsformen der Erfindung
kann in Form zusätzlicher Programmteile oder Programmmodule bzw. in Form einer Programmänderung
in die Steuerungssoftware von computergestützten Steuereinrichtungen implementiert
werden.
[0037] Daher betrifft ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung ein Computerprogrammprodukt,
welches insbesondere auf einem computerlesbaren Medium gespeichert oder als Signal
verwirklicht ist, wobei das Computerprogrammprodukt, wenn es in den Speicher eines
geeigneten Computers geladen und von einem Computer ausgeführt ist bewirkt, dass der
Computer ein Verfahren gemäß der Erfindung bzw. einer bevorzugten Ausführungsform
hiervon durchführt.
[0038] Diese und weitere Merkmale gehen außer aus den Ansprüchen auch aus der Beschreibung
und den Zeichnungen hervor, wobei die einzelnen Merkmale jeweils für sich allein oder
zu mehreren in Form von Unterkombinationen bei einer Ausführungsform der Erfindung
und auf anderen Gebieten verwirklicht sein und vorteilhafte sowie für sich schutzfähige
Ausführungen darstellen können.
KURZBESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
[0039]
Fig. 1 zeigt eine schematische Übersichtsdarstellung einer Ausführungsform einer Federwindemaschine
mit Teilen der Zuführeinrichtung und der Umformeinrichtung,
Fig. 2 zeigt in perspektivischer Darstellung Anbaugruppen für die in Fig. 1 gezeigte
Federwindemaschine, inklusive zweier Kameras eines kamerabasierten, optischen Messsystems
zur berührungslosen Echtzeiterfassung von Daten über die Geometrie einer aktuell hergestellten
Feder, und einer Federführungseinrichtung;
Fig. 3 zeigt einen von der Umformeinrichtung erzeugten Federabschnitt der aktuell
erzeugten Feder aus einer Blickrichtung parallel zur Richtung des Drahtvorschubs bzw.
parallel zur optischen Achse der Kameraoptik der ersten Kamera, wobei ein Windungsabschnitt
der Feder in einem innerhalb des Bildfeldes der Kamera liegenden Messbereich liegt;
Fig. 4 zeigt Diagramme der zeitlichen Entwicklung des laufenden Durchschnittswerts
für die bei eine Serie einzelner Messungen ermittelten lstwerte während der Fertigung
einer Feder, wobei in 4A die zeitliche Entwicklung ohne Regelung und in 4B die zeitliche
Entwicklung mit aktiver Regelung gezeigt ist;
Fig. 5 zeigt Histogramme und Diagramme der Streuung von lstwerten bei einer Serie
einzelner Messungen während der Fertigung einer Feder, wobei in 4A die Istwerte ohne
Regelung und in 4B die mit aktiver Regelung erhaltenen Istwerte gezeigt sind;
Fig. 6 zeigt ein rechteckförmiges Bildfeld der ersten Kamera, wobei im Bildfeld ein
Abschnitt einer zu vermessenden Feder und das Bild eines maschinenfest montierten
Referenzelementes erkennbar sind.
DETAILLIERTE BESCHREIBUNG DER BEVORZUGTEN AUSFÜHRUNGSFORMEN
[0040] Die schematische Übersichtsdarstellung in Fig. 1 zeigt wesentliche Elemente einer
CNC-Federwindemaschine 100 gemäß einer an sich bekannten Konstruktion. Die Federwindemaschine
100 hat eine mit Zuführrollen 112 ausgestattete Zuführeinrichtung 110, die aufeinanderfolgende
Drahtabschnitte eines von einem Drahtvorrat kommenden und durch eine Richteinheit
geführten Drahtes 115 mit numerisch gesteuertem Vorschubgeschwindigkeitsprofil in
den Bereich einer Umformeinrichtung 120 zuführt. Der Draht wird mit Hilfe von numerisch
gesteuerten Werkzeugen der Umformeinrichtung zu einer Schraubenfeder umgeformt. Zu
den Werkzeugen gehören zwei um 90° winkelversetzt angeordnete Windestifte 122, 124,
die in Radialrichtung zur Mittelachse 118 (entspricht der Lage der gewünschten Federachse)
ausgerichtet sind und dafür vorgesehen sind, den Durchmesser der Schraubenfeder zu
bestimmen. Die Position der Windestifte kann zur Grundeinstellung für den Federdurchmesser
beim Einrichten entlang der strichpunktiert gezeigten Verfahrlinien sowie in horizontaler
Richtung (parallel zur Vorschubrichtung des Einzugs 112) verändert werden, um die
Maschine für unterschiedliche Federdurchmesser einzurichten. Diese Bewegungen können
auch mit Hilfe geeigneter elektrischer Antriebe unter Kontrolle der numerischen Steuerung
vorgenommen werden.
[0041] Ein Steigungswerkzeug 130 hat eine im Wesentlichen senkrecht zur Federachse ausgerichtete
Spitze, die neben den Windungen der sich entwickelnden Feder eingreift. Das Steigungswerkzeug
ist mit Hilfe eines numerisch gesteuerten Verstellantriebs der entsprechenden Maschinenachse
parallel zur Achse 118 der sich entwickelnden Feder (d.h. senkrecht zur Zeichnungsebene)
verfahrbar. Der bei der Federherstellung vorgeschobene Draht wird vom Steigungswerkzeug
entsprechend der Position des Steigungswerkzeugs in Richtung parallel zur Federachse
abgedrängt, wobei durch die Position des Steigungswerkzeuges die lokale Steigung der
Feder im entsprechenden Abschnitt bestimmt wird. Steigungsänderungen werden durch
achsparalleles Verfahren des Steigungswerkzeugs während der Federherstellung bewirkt.
[0042] Die Umformeinrichtung hat ein weiteres, von unten vertikal zustellbares Steigungswerkzeug
140 mit einer keilförmigen Werkzeugspitze, die bei Einsatz dieses Steigungswerkzeuges
zwischen benachbarte Windungen eingeführt wird. Die Verstellbewegungen dieses Steigungswerkzeuges
verlaufen senkrecht zur Achse 118. Dieses Steigungswerkzeug ist beim gezeigten Herstellungsverfahren
nicht im Eingriff.
[0043] Oberhalb der Federachse ist ein numerisch steuerbares Trennwerkzeug 150 angebracht,
das nach Abschluss der Umformoperationen die hergestellte Schraubenfeder mit einer
vertikalen Arbeitsbewegung vom zugeführten Drahtvorrat abtrennt. In Fig. 1 ist der
zugeführte Draht in einer Situation unmittelbar nach Abtrennen der vorher fertig gestellten
Schraubenfeder gezeigt. ln dieser Stellung hat der Draht bereits eine halbe Windung
gebildet und das Drahtende, das den Federanfang bildet, befindet sich 0,3 Windungen
vor der Position des Steigungswerkzeugs 130.
[0044] Die zu den Werkzeugen gehörenden Maschinenachsen der CNC-Maschine werden durch eine
computernumerische Steuereinrichtung 180 gesteuert, die Speichereinrichtungen hat,
in denen die Steuerungssoftware residiert, zu der u.a. ein NC-Steuerprogramm für die
Arbeitsbewegungen der Maschinenachsen gehört.
[0045] Zur Fertigung einer Schraubenfeder wird der Draht ausgehend von der gezeigten "Feder-Fertig-Position"
mit Hilfe der Zuführeinrichtung 110 in Richtung der Windestifte 122, 124 vorgeschoben
und durch die Windestifte auf den gewünschten Durchmesser unter Ausbildung einer kreisbogenförmigen
Krümmung umgelenkt, bis das freie Drahtende das Steigungswerkzeug 130 erreicht. Bei
weiterem Drahtvorschub bestimmt die axiale Position des Steigungswerkzeuges die aktuelle
lokale Steigung der sich entwickelnden Schraubenfeder. Das Steigungswerkzeug wird
unter der Kontrolle des NC-Steuerprogramms axial verschoben, wenn während der Federentwicklung
die Steigung geändert werden soll. Die Stellbewegungen des Steigungswerkzeuges legen
im Wesentlichen den Steigungsverlauf entlang der Schraubenfeder fest.
[0046] Bei der Einrichtung der Federwindemaschine werden die Umformwerkzeuge in ihre jeweiligen
Grundstellungen gebracht. Außerdem wird das NC-Steuerprogramm erstellt oder geladen,
welches die Stellbewegungen der Werkzeuge während des Fertigungsprozesses steuert.
Die Geometrieeingabe wird bei der Federwindemaschine durch einen Bediener an der Anzeige-
und Bedieneinheit 170 vorgenommen, welche an die Steuereinrichtung 180 angeschlossen
ist.
[0047] Anhand Fig. 2 werden nun einige Anbaugruppen für die in Fig. 1 gezeigte Federwindemaschine
erläutert, welche für die Umsetzung des Verfahrens vorteilhaft sind. Die aus Fig.
1 bereits bekannten Elemente sind mit den gleichen Bezugszeichen wie in Fig. 1 gekennzeichnet.
Fig. 2 zeigt die Federwindemaschine während der Herstellung einer relativ langen,
zylindrischen Schraubenfeder 200, von der zu dem in der Abbildung gezeigten Zeitpunkt
etwa zwanzig Windungen bereits hergestellt sind. Es handelt sich um eine lange Feder
mit einem Verhältnis UD zwischen Gesamtlänge L der fertig gestellten Feder und Durchmesser
D der Feder von mehr als zehn. Um sicherzustellen, dass die mit zunehmendem Drahtvorschub
immer länger werdende Feder gerade bleibt und sich nicht mit ihrem freien Ende nach
unten durchbiegt, ist eine Federführungseinrichtung 210 vorgesehen. Die Federführungseinrichtung
hat ein mit horizontaler Längsachse am Gestell der Federwindemaschine befestigtes
Winkelblech 212 mit V-förmigem Profil. Die nach unten zusammenlaufenden, ebenen Schrägflächen
des Winkelblechs stützen die Feder nach unten und seitlich ab, so dass die Längsachse
(Zentralachse) der sich entwickelnden Feder koaxial zur Mittelachse 118 der sich entwickelnden
Feder verläuft. Das Winkelblech ist mittels einer nicht gezeigten Haltereinrichtung
am Maschinengestellt befestigt und in seiner Höhe sowie in seitlicher Richtung verstellbar,
um für Federn unterschiedlicher Durchmesser die gewünschte, zur Mittelachse 118 der
Feder koaxiale Führung zu ermöglichen. Das Winkelblech kann nach Abschluss der Fertigung
einer Feder automatisch mittels eines hydraulischen Schwenkantriebs nach unten geschwenkt
werden, damit die fertige Feder in einen Sammelbehälter rutschen kann.
[0048] Das der Umformeinrichtung zugewandte Ende des Winkelblechs befindet sich in einem
lichten Abstand einiger Zentimeter von der Umformeinrichtung entfernt, so dass zwischen
den Werkzeugen der Umformeinrichtung und dem maschinenseitigen Beginn des Winkelblechs
ein frei schwebender Federabschnitt 202 verbleibt. Die Länge des Winkelblechs ist
so an die Gesamtlänge der fertigen Schraubenfeder angepasst, dass der zuerst gefertigte
Federendabschnitt in der Endphase der Fertigung frei über das maschinenferne Ende
des Winkelblechs hinausragt. Der maschinennahe, frei schwebende Federabschnitt 202
und der maschinenferne Federendabschnitt 204 werden dadurch für eine optische Messung
mit Beobachtungsrichtung senkrecht zur Längsachse der Schraubenfeder zugänglich.
[0049] Die Federwindemaschine ist mit einem kamerabasierten, optischen Messsystem zur berührungslosen
Echtzeiterfassung von Daten über die Geometrie einer aktuell hergestellten Feder ausgestattet.
Das Messsystem hat zwei identische CCD-Videokameras 250, 260, die im Beispielsfall
bei einer Auflösung von 1024 x 768 Pixeln (Bildelementen) bis zu 100 Bilder pro Sekunde
(frames per second) über eine Schnittstelle an ein angeschlossenes Bildverarbeitungssystem
liefern können. Die Bilderfassung der Einzelbilder wird jeweils über Auslösesignale
(Trigger) der Steuerung ausgelöst. Dadurch werden die Messzeitpunkte festgelegt. Die
Software für die Bildverarbeitung ist in einem Programmmodul untergebracht, welches
mit der Steuereinrichtung 180 der Federwindemaschine zusammenarbeitet bzw. in diese
integriert ist.
[0050] Beide Kameras sind auf einer verwindungssteifen Trägerschiene 255 befestigt, die
seitlich neben der Federführungseinrichtung im Bereich der Führungsrollen der Zuführeinrichtung
am Maschinengestell der Federwindemaschine so befestigt ist, dass die Längsachse der
Trägerschiene parallel zur Maschinenachse 118 verläuft. Die Messkameras sind auf der
Trägerschiene längsverschieblich und an beliebig wählbaren Längspositionen fixierbar.
[0051] Die maschinennahe erste Kamera 250 ist so angebracht, dass ihr rechteckiges Bildfeld
252 (Bildererfassungsbereich) einen Teil des frei schwebenden Federabschnitts 202
mit Abstand von den umformenden Werkzeugen erfasst (vergleiche Fig. 3). Die optische
Achse der Kameraoptik ist im Beispielsfall etwa auf Höhe der Mittelachse der Schraubenfeder
(d.h. auf Höhe der Achse 118) angeordnet und verläuft senkrecht zu dieser Achse. Innerhalb
des rechteckigen Bildfeldes 252 ist ein kleinerer rechteckförmiger Messbereich 254
erkennbar, durch welchen schräg von links oben nach rechts unten ein der Kamera zugewandter
Windungsabschnitt der Feder verläuft. Das Bild dieses (bei der Federherstellung in
Längsrichtung des Drahtes bewegten) Windungsabschnitts bzw. seine maschinenferne Kontur
dient als Strukturelement für die Längenmessung.
[0052] Die zweite Kamera 260 ist für die Erfassung des freien Federendes 204 bestimmt und
daher so auf der Trägerschiene positioniert, dass das freie Federende in der Endphase
der Herstellung der Schraubenfeder in den Erfassungsbereich der zweiten Kamera hineinläuft.
[0053] Diametral gegenüber den Kameras ist auf Höhe der Achse 118 eine Beleuchtungseinrichtung
angebracht, die zu den von der Steuerung vorgegebenen Messzeitpunkten als Reaktion
auf Auslösesignale (Trigger) der Steuerung blitzartig aufleuchtet und eine Messung
im Durchlicht ermöglicht. Auf der Seite der Kameras kann eine Auflicht-Beleuchtungseinrichtung
vorgesehen sein, um die Sichtbarkeit interessierender Details der Feder für die Messung
zu verbessern.
[0054] Fig. 3 zeigt die in Fig. 2 dargstellte Situation aus einer Blickrichtung parallel
zur Richtung des Drahtvorschubs (C-Achse der Federwindemaschine) bzw. parallel zur
optischen Achse der Kameraoptik der ersten Kamera. Links ist ein Schnitt durch den
Draht 115 erkennbar, der in Vorschubrichtung (senkrecht zur Zeichnungsebene) auf eine
gekrümmte Schrägfläche des unteren Windewerkzeugs 124 vorgeschoben wird. Durch das
Windewerkzeug wird der Draht nach oben auf eine kreisförmig gekrümmte Bahn in Richtung
des oberen Windewerkzeugs gedrängt und dabei bleibend umgeformt. Oberhalb des Windewerkzeugs
ist die Spitze des Steigungswerkzeuges 130 zu erkennen, die mit einer seitlichen Arbeitsfläche
an der sich entwickelnden Windung anliegt. Das Steigungswerkzeug ist mit Hilfe der
zugeordneten Maschinenachse NCgesteuert parallel zur Federachse 118 (in Pfeilrichtung)
verschiebbar, so dass die lokale Steigung der Feder am Ort der Umformung durch die
Stellung des Steigungswerkzeuges bestimmt wird.
[0055] In Fig. 3 ist eine Situation in der Anfangsphase der Fertigung einer zylindrischen
Schraubenfeder 200 gezeigt, die einen bereits erzeugten endseitigen Anlageabschnitt
206 mit kontinuierlich zunehmender Steigung, einen darauf folgenden Konstantabschnitt
208 mit konstanter Steigung und einen zum gezeigten Zeitpunkt noch nicht gefertigten
gegenüberliegenden Anlageabschnitt mit abnehmender Steigung hat. Zum dargestellten
Zeitpunkt ist die Fertigung bereits so weit vorangeschritten, dass das freie Federende
mit dem Anlageabschnitt den Messbereich 254 passiert und bereits das Winkelblech der
Federführungseinrichtung erreicht hat und somit der frei schwebende Federabschnitt
202 mit konstanter Steigung stabil koaxial zur Achse 118 liegt.
[0056] Die erste Kamera 250 ist so ausgerichtet, dass der Messbereich 254 in Längsrichtung
der Schraubenfeder betrachtet, einen relativ großen Abstand 210 von den Werkzeugen
122, 130 der Umformeinrichtung hat. Im Beispielsfall liegen in diesem Abstand etwa
vier Windungen der Schraubenfeder. Der Abstand beträgt im Beispielsfall zwischen ca.
10% und ca. 20% der Gesamtlänge der fertig gestellten Feder, insbesondere bei kurzen
Federn kann er z.B. auch bis zu 30% oder 40% oder 50% der Gesamtlänge betragen.
[0057] Bei der Serienfertigung von Schraubenfedern mit Hilfe dieser Federwindemaschine kann
wie folgt vorgegangen werden. Zunächst wird die gewünschte Soll-Geometrie der Schraubenfeder
an der Anzeige- und Bedieneinheit 170 eingegeben oder es werden, beispielsweise durch
Eingabe einer ldentifizierungsnummer, entsprechende bereits vorliegende Geometriedaten
aus einem Speicher der Federwindemaschine geladen. Auf Grundlage der Geometriedaten
errechnet ein sogenannter NC-Generator ein NC-Steuerprogramm, dessen einzelne NC-Sätze
und deren Abfolge bei der nachfolgenden Fertigung die koordinierten Arbeitsbewegungen
der Einrichtungen und Werkzeuge der Federwindemaschine steuern.
[0058] Nachdem die Werkzeuge der Umformeinrichtung eingereichtet sind, wird in einem ersten
Referenz-Fertigungsvorgang eine erste Schraubenfeder gefertigt, ohne dass die mit
dem Messsystem aufgebaute Regelung aktiviert ist. Die erste Kamera 250 erfasst dabei
mit ihrem Messbereich 254 ein ausgewähltes Strukturelement der Feder, im Beispielsfall
den schräg von links oben nach rechts unten durch den Messbereich verlaufenden Windungsabschnitt.
Dieser erscheint im Kamerabild dunkel und hebt sich unter Bildung einer geradlinigen
Hell/Dunkel-Kontur klar vom hellen Hintergrund ab. Zur Verbesserung der Erkennbarkeit
der Konturen kann die Schraubenfeder im Bereich des Messbereiches von der Seite der
Kamera und/oder im Inneren beleuchtet werden. Die im Bildfeld erscheinende maschinenferne
Begrenzung bzw. der Rand dieses Windungsabschnitts wird zur Bestimmung der Ist-Position
des Strukturelementes genutzt. Dabei können beispielsweise durch das Bildverarbeitungssystem
die Koordinaten des oberen Schnittpunkts 256-1 und des unteren Schnittpunkts 256-2
des Hell/Dunkel-Übergangs mit der oberen bzw. unteren Begrenzung des Messbereichs
bestimmt und die Koordinaten des dazwischenliegenden geradlinigen Bereichs durch Interpolation
ermittelt werden. Für einen mittig zwischen dem oberen und dem unteren Schnittpunkt
liegenden Messpunkt 270 wird dann mit Hilfe eines "Abstandswerkzeugs" der Bildverarbeitungssoftware
der achsparallele Abstand zu einem maschinenfesten Referenzpunkt bestimmt, um einen
ersten lstwert für die Position des Strukturelementes zu erhalten. lm Beispielsfall
von Fig. 3 dient die maschinennahe (linke) geradlinige Begrenzung des Bildfeldes 252
als virtuelles Referenzelement bzw. als "fester Anschlag" für die Messung. Der achsparallel
(zur Achse 118) gemessene Abstand zwischen dem Messpunkt 270 am ausgewählten Strukturelement
und dem Referenzelement wird dann von der Steuerung als erster Sollwert für die weitere
Fertigung übernommen.
[0059] Danach wird die Gesamtlänge der fertigen Feder unabhängig gemessen. Wenn diese Gesamtlänge
innerhalb der vorgegebenen Toleranz liegt, wird davon ausgegangen, dass der gemessene
erste Sollwert als Startwert für die folgende Serienfertigung genommen werden kann.
Liegt die Gesamtlänge dagegen außerhalb der Toleranz, so werden Einstellungen für
den Fertigungsprozess verändert, um bei einer nachfolgenden Feder eine entsprechende
weitere Referenzmessung durchführen zu können. Diese einzelnen Referenzmessungen werden
schrittweise so lange wiederholt, bis eine gefertigte Feder sehr gut innerhalb der
Fertigungstoleranz für die Gesamtlänge der Schraubenfeder liegt. Der bei der Fertigung
dieser "guten" Feder ermittelte Sollwert für das Strukturelement wird dann für die
Serienfertigung übernommen.
[0060] Hierbei ist im Beispielsfall zu beachten, dass die Bestimmung des Sollwertes zu einem
Zeitpunkt erfolgt, wenn sich bereits der Konstantabschnitt 208 der Feder im Messbereich
254 befindet. Unter diesen Bedingungen ist dann der Absolutwert des Sollmaßes über
ein längeres Zeitintervall konstant, so dass sich idealer Weise am Erscheinungsbild
der von der Kamera erfassten Projektion der sich entwickelnden Feder nichts ändert,
solange Windungen des Konstantabschnittes durch den Erfassungsbereich der Kamera bewegt
werden.
[0061] Danach kann die Regelung eingestellt und für die Fertigung nachfolgender Federn einer
Serie aktiviert werden. Dabei beginnt eine Messung zweckmäßig erst dann, wenn ein
gegebenenfalls vorhandener Anlagebereich mit wechselnder Steigung durch den Messbereich
hindurch gewandert ist und der Messbereich sich im konstanten Teil der Feder befindet.
Danach beginnt der Regelzyklus mit einer ersten Messung des lstabstandes des ausgewählten
Strukturabschnitts zum definierten Referenzelement (Kante des Bildfeldes). Die ermittelte
Istposition bzw. der ermittelte lstabstand wird dann durch eine Auswertesoftware mit
der vorher ermittelten Sollposition bzw. dem Sollabstand des Strukturelementes für
den Messzeitpunkt verglichen. Dieser rechnerische Vergleich erzeugt einen Wert für
eine aktuelle Positionsdifferenz, die die Differenz der Istposition zur Sollposition
zum Messzeitpunkt repräsentiert. Beim folgenden Beispiel sind die Zahlenangaben aus
Gründen der Übersichtlichkeit jeweils ohne Dimension angegeben, die Dimension ist
z.B. Millimeter.
[0062] Liegt der Sollwert beispielsweise bei 10,5 und der Istwert bei 10,7, so ergibt sich
eine Positionsdifferenz von -0,2. Aus dieser Positionsdifferenz wird ein gewichteter
Differenzwert ermittelt. Hierzu wird im Beispielsfall ein vom Bediener einstellbarer
Gewichtungsparameter mit der Bezeichnung "Regelschritt" genutzt, der in Prozent definiert
ist und der auf die ermittelte Positionsdifferenz angewandt wird. Wird beispielsweise
ein Regelschritt von 50% eingestellt, so ergibt sich bei einer Positionsdifferenz
von -0,2 ein gewichteter Differenzwert von -0,1. Dieser nach der Gewichtung verbleibende
Wert wird nun zu einem Korrekturwert addiert, um einen neuen (modifizierten) Korrekturwert
zu erhalten. Der Korrekturwert kann zunächst beispielsweise auf den Wert 0 (null)
gesetzt sein und wird dann während der Regelung schrittweise verändert. Im Beispielsfall
(Korrekturwert zunächst 0) wird gemäß der Rechenbeziehung 0 + (-0,1) = (-0,1) ein
neuer Korrekturwert errechnet, der dann zur Steuerung der Federwindemaschine als Korrektur
geschickt wird.
[0063] Das NC-Steuerprogramm ist für die Regelung an vorgegebenen Stellen so vorbereitet,
dass durch die speicherprogrammierte Steuerung (SPS) im NC-Programm eine sofortige
Änderung eines NC-Satzes entsprechend dem empfangenen Korrekturwert vorgenommen werden
kann. Diese Änderung wirkt sich unmittelbar (in Echtzeit) auf die Stellung des Steigungswerkzeuges
130 im Sinne einer Verringerung der Positionsdifferenz aus.
[0064] Bei der unmittelbar nachfolgenden zweiten Messung wird beispielsweise eine lstposition
mit dem lstmaß 10,6 ermittelt. Bei dem immer noch geltenden Sollwert von 10,5 ergibt
sich eine Positionsdifferenz von -0,1. Bei unverändertem Gewichtungsfaktor (Regelschritt
50%) ergibt sich ein gewichteter Differenzwert von -0,05 und damit ein Korrekturwert
gemäß: (-0,1) + (-0,05) = -0,15. Hier ist ersichtlich, dass die erneute Korrektur
nicht am ursprünglichen Korrekturwert (=
0) angreift, sondern an dem aufgrund der vorhergehenden Messung veränderten Korrekturwert
(-0,1). Nach der zweiten Messung wird also ein Korrekturwert von -0,15 zur Steuerung
als Korrektur geschickt und in der vorher beschriebenen Weise zur unmittelbaren Änderungen
des NC-Steuerprogramms verarbeitet.
[0065] Diese beispielhaft erläuterte Verarbeitung der Messdaten entspricht einem
Pl-Regler mit einstellbarem Proportionalanteil und der integrierenden Wirkung eines Integralanteils.
[0066] Diese Schritte werden nun während der Fertigung des Konstantabschnitts der Schraubenfeder
zu mehreren mit zeitlichem Abstand aufeinanderfolgendem Messzeitpunkt durchgeführt,
so dass eine Vielzahl von Regeleingriffen stattfindet bzw. stattfinden kann. Der Draht
wird während der Messungen kontinuierlich vorgeschoben, es ist kein Anhalten nötig.
Der zeitliche Abstand zwischen den aufeinanderfolgenden Messzeitpunkten ist bei dieser
Verfahrensvariante an die Vorschubgeschwindigkeit des Drahtes so angepasst, dass zwischen
zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Messzeitpunkten etwa 1,4 Windungen erzeugt werden.
Durch diese im Vergleich zur möglichen Bildfrequenz der Kamera relativ langsame Messfolge
kann erreicht werden, dass sich zwischen den einzelnen Messungen bei nicht-optimalem
Prozessablauf gegebenenfalls in der Feder ein Fehler ausreichender Größe aufbauen
kann, der im Rahmen der Messgenauigkeit des optischen Messsystems zu einem signifikanten
Messwert führt, so dass eine Korrektur der richtigen Größe in die richtige Richtung
einleitet wird.
[0067] Die präzisionssteigernde Wirkung dieser Regelung kann anhand der Fig. 4A, 4B und
5A, 5B demonstriert werden. Diese Figuren zeigen Messergebnisse, die bei der Herstellung
von Kupplungsdämpferfedern mit 47 Windungen aus Federdraht mit 3,8 mm Durchmesser
gewonnen wurden. Die Federn hatten mit einen Durchmesser von ca. 27 mm und eine Gesamtlänge
von ca. 350 mm. Die Diagramme in den Fig. 4A, 4B zeigen jeweils die zeitliche Entwicklung
des laufenden Durchschnittswerts für die bei den einzelnen Messungen ermittelten Istwerte
während der Fertigung einer Feder. Auf der Abszisse sind jeweils dimensionslose Zähler
für äquidistante Messzeitpunkte angegeben, so dass die Abszisse eine Zeitachse ist.
Die Ordinate zeigt jeweils die Werte für den laufenden Durchschnitt des Istwertes
im Vergleich zu dem mit fetter Linie gezeigten Sollwert von 10,55 mm. Figur 4A zeigt
ein typisches Messdiagramm für eine konventionelle Fertigung ohne Regelung. Zum Zählerzeitpunkt
351 beginnt die Fertigung einer neuen Schraubenfeder. Links davon ist die Endphase
der vorhergehenden Fertigung gezeigt, die mit einem zu kleinen Durchschnittswert (ca.
10,48 mm) endet, so dass die gefertigte Gesamtlänge dieser Feder zu kurz ist. Bei
der neuen Schraubenfeder sind die Istwerte zunächst zu hoch, der laufende Durchschnitt
nähert sich zunächst dem Sollwert an und unterschreitet diesen dann aber mit zunehmendem
Abstand immer weiter, so dass auch diese Schraubenfeder nach Fertigstellung deutlich
zu kurz ist.
[0068] Fig. 4B zeigt die entsprechende Darstellung für eine Fertigung mit eingeschalteter
Regelung. Zum Zählerzeitpunkt 405 endet die Fertigung der vorhergehenden Feder bei
einem Durchschnittswert, der sehr nahe am Sollwert liegt, so dass die Gesamtlänge
der Feder sehr nahe am Sollwert für die Gesamtlänge liegt. Bei der Fertigung der darauffolgenden
Schraubenfeder liegen die Istwerte zunächst deutlich unterhalb des Sollwertes. Der
Eingriff der Regelung führt jedoch ab der dritten Messung zu einer Annäherung des
laufenden Durchschnitts an den Sollwert (10,55 mm), dem sich der laufende Durchschnitt
gegen Ende der Fertigung asymptotisch annähert, wobei am Ende der Fertigung der laufende
Durchschnittswert wiederum fast exakt am Sollwert liegt.
[0069] Die Fig. 5A, 5B zeigen in einer anderen Darstellung die Wirkung der Regelung, wobei
in 5A jeweils die Ergebnisse ohne Regelung und in 5B Ergebnisse mit eingeschalteter
Regelung gezeigt sind. Die jeweils rechts gezeigten Diagramme zeigen in ihren Abszissen
wiederum die Messzeitpunkte in willkürlichen Einheiten eines Zählers und an der Ordinate
die jeweils gemessene Positionsdifferenz zwischen Istwert und Sollwert. Die parallel
zur Null-Linie verlaufenden fetten Linien oberhalb und unterhalb repräsentieren die
Grenzen des Toleranzbereichs für die Fertigung. In den jeweils linken Teilfiguren
sind die Messergebnisse in Form von Histogrammen dargestellt. Bei der in Fig. 5A gezeigten
Fertigung ohne Regelung streuen die lstwerte in beide Richtungen stark um den Sollwert,
wobei noch alle Werte innerhalb der Toleranzen liegen. Wird die Regelung aktiviert
(Fig. 5B), so ergeben sich signifikant geringere Streuungen um den Sollwert, so dass
sichergestellt ist, dass alle mit Hilfe der Regelung gefertigten Schraubenfedern eine
Gesamtlänge sehr nahe am Sollwert für die Gesamtlänge haben.
[0070] Die erste Kamera 250 ist relativ nahe bei den Umformwerkzeugen auf der Trägerschiene
255 angeordnet, so dass eventuelle Schwingungen am Ort der ersten Kamera nur kleine
Amplituden haben können, die die Messgenauigkeit kaum beeinträchtigen. Dennoch kann
es sein, dass durch Bewegungen der Kamera das Messergebnis beeinträchtigt wird. Anhand
von Fig. 6 wird eine Möglichkeit erläutert, das Messergebnis unabhängig von eventuellen
Kameraschwingungen zu machen und dadurch die Messgenauigkeit zu erhöhen. Dargestellt
ist ein rechteckförmiges Bildfeld 652 der ersten Kamera. Ein kleinerer rechteckförmiger
Messbereich 654 schließt eine fast senkrecht von oben nach unten verlaufende Kontur
eines im Schärfebereich der Kamera liegenden, der Kamera zugewandten Windungsabschnitts
ein. Zwischen den Schnittpunkten der Hell/Dunkel-Kontur mit den oberen und unteren
Rändern des Messbereichs werden durch Interpolation die Koordinaten der lstposition
des beobachteten Strukturelementes der Feder bestimmt. Weiterhin ist im Bildfeld das
Bild eines Referenzelementes 680 erkennbar, das durch einen vertikal ausgerichteten
Bolzen gebildet wird, der mit Hilfe eines stabilen Trägers am Maschinengestell befestigt
ist. Der Bolzen ragt von unten in das Bildfeld hinein und bildet in der Schärfezone
der Kamera eine scharf abgebildete, vertikale Kontur mit einem Hell/Dunkel-Übergang.
Bei der Messung wird nun der Abstand zwischen dem Strukturelement und der dem Strukturelement
zugewandten Kante des Referenzelementes 680 bestimmt und der Auswertung als lstmaß
zugrunde gelegt. Dieser gemessene Abstand ist unabhängig von eventuellen Schwingungen
der Kamera und eventuellen damit verbundenen Verschiebungen des Bildfeldes relativ
zur beobachteten Feder. Eventuelle Bewegungen der Kamera gehen also nicht in die Messfehler
ein.
[0071] Die Messungen des Abstandes zwischen dem Strukturelement der Schraubenfeder (z.B.
Kontur eines Windungsabschnittes) und einem virtuellen oder körperlich vorhandenen
Referenzelement können wie beschrieben in Richtung parallel zur Achse 118 oder aber
in geeigneten anderen Richtungen schräg dazu durchgeführt werden.
[0072] Die ausführlich beschriebenen Ausführungsbeispiele wurden anhand der Herstellung
einer langen Feder mit über 30 Windungen erläutert. Bei nicht bildlich dargestellten
Versuchen wurde eine ca. 65 mm lange Schraubenfeder mit nur 7 Windungen hergestellt.
Während der Herstellung wurde zu nur zwei Messzeitpunkten gemessen und ggf. korrigiert.
Die Streuung der Gesamtlänge konnte von ca. 0.3 mm im ungeregelten Betrieb auf ca.
0,15 mm im geregelten Betrieb reduziert werden.
[0073] Alternativ oder zusätzlich zur beschriebenen Absolutmessung relativ zu einem maschinenfesten
Referenzelement ist in manchen Fällen auch eine Relativmessung in Bezug auf ein Referenzelement
möglich, das durch einen Teil der Feder gebildet wird. Wenn z.B. das in Fig. 3 gezeigte
Bildfeld 252 ausreichend groß ist, um in Längsrichtung der Feder mehr Windungen zu
erfassen, könnte der Längsabstand zwischen dem Messpunkt 270 an der im Messbereich
254 liegenden Windungskontur und einer näher an den Umformwerkzeugen liegenden, 3
oder 4 Windungen entfernten, entsprechenden Windungskontur, gemessen und der Regelung
zugrunde gelegt werden. So könnte z.B. die erste vollständige Windung 214 bzw. deren
maschinenferne Kontur als Referenzelement dienen.
1. Verfahren zur Herstellung von Schraubenfedern durch Federwinden mittels einer numerisch
gesteuerten Federwindemaschine, worin ein Draht unter der Steuerung durch ein NC-Steuerprogramm
durch eine Zuführeinrichtung einer Umformeinrichtung der Federwindemaschine zugeführt
und mit Hilfe von Werkzeugen der Umformeinrichtung zu einer Schraubenfeder umgeformt
wird, mit folgenden Schritten:
Definieren einer gewünschten Soll-Geometrie der Schraubenfeder und eines zur Erzeugung
der Soll-Geometrie geeigneten NC-Steuerprogramms;
Messen einer lstposition eines ausgewählten Strukturelements der Schraubenfeder relativ
zu einem Referenzelement zu mindestens einem nach dem Beginn und vor dem Ende der
Herstellung der Schraubenfeder liegenden Messzeitpunkt in einem Messbereich, der in
Längsrichtung der Schraubenfeder einen endlichen Abstand von der Umformeinrichtung
hat, wobei der Abstand kleiner als die Gesamtlänge der fertig gestellten Schraubenfeder
ist;
Vergleichen der lstposition mit einer Sollposition des Strukturelements für den Messzeitpunkt
zur Ermittlung einer aktuellen Positionsdifferenz, die die Differenz der Istposition
zur Sollposition zum Messzeitpunkt repräsentiert;
Steuern der Stellung mindestens eines die Steigung der Schraubenfeder bestimmenden
Werkzeugs der Umformeinrichtung in Abhängigkeit von der Positionsdifferenz.
2. Verfahren nach Anspruch 1, worin der Abstand des Messbereichs von der Umformeinrichtung
an die Gesamtlänge der fertigen Schraubenfeder derart angepasst wird, dass der Abstand
zwischen 5% und 70%, insbesondere zwischen 10% und 50% der Gesamtlänge beträgt und/oder
dass innerhalb des Abstandes eine oder mehrere Federwindungen liegen.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, worin zur Messung eine Kamera mit einem zweidimensionalen
Bildfeld verwendet wird und der Messbereich im Bildfeld der Kamera liegt.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, worin die Messung der lstposition
relativ zu einem maschinenfesten Referenzelement durchgeführt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, worin ein virtuelles Referenzelement genutzt wird, das
durch einen Rand des Bildfeldes einer Kamera gebildet wird, vorzugsweise durch denjenigen
Seitenrand des Bildfeldes, der der Umformeinrichtung zugewandt ist, oder worin ein
maschinenfester Referenzkörper vorgesehen ist, der in dem Bildfeld der Kamera in einem
Abstand zum Messbereich positioniert wird, wobei ein Element des Referenzkörpers,
insbesondere eine gerade Kante, als Referenzelement der Messung genutzt wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, worin das für die Messung genutzte
ausgewählte Strukturelement der Schraubenfeder eine im Bildfeld geradlinig erscheinende
Kontur eines Windungsabschnitts ist, welche quer zur Längsrichtung der Schraubenfeder,
insbesondere in einem Winkel zwischen ca. 45° und ca. 90° zu dieser Längsrichtung,
verläuft.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, worin die Koordinaten der Sollposition
des Strukturelements zum Messzeitpunkt aus einer vor der Messung bestimmten Programmzeitfunktion
für die Koordinaten der Sollposition des Strukturelements abgeleitet werden, wobei
vorzugsweise die Programmzeitfunktion für die Koordinaten der Sollposition des Strukturelements
auf Basis mindestens eines Referenz-Herstellungsprozesses einer Referenz-Schraubenfeder
experimentell ermittelt wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, worin während der Fertigung der
Schraubenfeder mehrere Messungen zu mit zeitlichem Abstand aufeinanderfolgenden Messzeitpunkten
durchgeführt werden, wobei der zeitliche Abstand vorzugsweise derart an eine Zuführgeschwindigkeit
des Drahtes angepasst wird, dass in einem Zeitintervall zwischen zwei unmittelbar
aufeinanderfolgenden Messungen mindestens eine Windung erzeugt wird, wobei vorzugsweise
in dem Zeitintervall zwischen ein und zwei Windungen erzeugt werden.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, worin mehrere Messungen während
der Erzeugung eines Konstantabschnitts der Schraubenfeder durchgeführt werden, und/oder
worin aus den Istwerten mehrerer aufeinanderfolgender Messungen nach einer vordefinierten
Anzahl von Messungen, insbesondere nach jeder Messung, ein laufender Durchschnittswert
für die Istwerte ermittelt wird, wobei insbesondere eine zeitliche Entwicklung des
laufenden Durchschnittswerts an einer Anzeigeeinheit der Federwindemaschine angezeigt
wird.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, worin für jede ermittelte Positionsdifferenz
ein gewichteter Differenzwert, insbesondere ein der Positionsdifferenz proportionaler
gewichteter Differenzwert, ermittelt und die Position des Werkzeugs auf Basis des
gewichteter Differenzwerts verändert wird.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, worin, insbesondere bei der Messung
von Federabschnitten mit Steigungsänderung, zu einem ersten Messzeitpunkt eine erste
Messung in einem ersten Messbereich durchgeführt wird, der in einem ersten Abstand
von der Umformeinrichtung liegt, zu einem zeitlich danach liegenden zweiten Messpunkt
eine zweite Messung in einem zum ersten Messbereich versetzten zweiten Messbereich
durchgeführt wird, der in einem zweiten Abstand von der Umformeinrichtung liegt, der
größer als der erste Abstand ist, und wobei Ergebnisse der ersten Messung und der
zweiten Messung gemeinsam verarbeitet werden.
12. Federwindemaschine (100) zur Herstellung von Schraubenfedern (200) durch Federwinden
unter der Steuerung durch ein NC-Steuerprogramm, mit einer Zuführeinrichtung (110)
zum Zuführen von Draht (115) zu einer Umformeinrichtung (120), wobei die Umformeinrichtung
mindestens ein Windewerkzeug (122, 124), welches im Wesentlichen den Durchmesser der
Schraubenfeder an einer vorgebbaren Position bestimmt, sowie mindestens ein Steigungswerkzeug
(130) aufweist, dessen Eingriff an einer sich entwickelnden Schraubenfeder die lokale
Steigung der Schraubenfeder bestimmt, dadurch gekennzeichnet, dass die Federwindemaschine zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden
Ansprüche konfiguriert ist.
13. Federwindemaschine nach Anspruch 12, worin die Federwindemaschine eine erste Kamera
(259) aufweist, die derart angeordnet ist, dass ein Messbereich (254) im Bildfeld
(252) der ersten Kamera einen Teil eines Federabschnitts mit endlichem Abstand (210)
von den Werkzeugen der Umformeinrichtung (120) erfasst, wobei der Abstand (210) vorzugsweise
an die Gesamtlänge der fertigen Schraubenfeder derart angepasst ist, dass der Abstand
zwischen 5% und 70%, insbesondere zwischen 10% und 50% der Gesamtlänge beträgt und/oder
dass innerhalb des Abstandes eine oder mehrere Federwindungen liegen.
14. Federwindemaschine nach Anspruch 12 oder 13, worin die Federwindemaschine eine zweite
Kamera (260) aufweist, die mit Abstand zur ersten Kamera (250) derart positioniert
ist, dass ein freier Federendabschnitt (204) in einer Endphase der Herstellung der
Schraubenfeder in den Erfassungsbereich der zweiten Kamera hineinläuft.
15. Computerprogrammprodukt, welches insbesondere auf einem computerlesbaren Medium gespeichert
oder als Signal verwirklicht ist, wobei das Computerprogrammprodukt, wenn es in den
Speicher eines geeigneten Computers geladen und von einem Computer ausgeführt ist
bewirkt, dass der Computer ein Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 11 durchführt.