[0001] Die Erfindung betrifft einen Stahl, ein Stahlflachprodukt ein daraus hergestelltes
Stahlbauteil und ein Verfahren zur Herstellung eines Stahlbauteils.
[0002] Die Anforderungen an die Automobilindustrie seitens des Gesetzgebers steigen in den
letzten Jahren. Zum einen wird eine erhöhte Passagiersicherheit im Crashfall gefordert,
zum anderen stellt der Leichtbau eine wichtige Voraussetzung für die Minimierung des
CO
2-Ausstoßes und des Kraftstoffverbrauchs dar. Gleichzeitig wachsen von Seiten des Nutzers
die Komfortansprüche, was zur Gewichtszunahme des Automobils aufgrund des erhöhten
Anteils von elektronischen Komponenten führt. Um diese widersprüchlichen Anforderungen
zu erfüllen, setzt die Automobilindustrie und die Flachstahlindustrie stark auf den
Fahrzeugleichtbau im Bereich der Karosseriestruktur.
[0003] Für crashrelevante Automobilbauteile eignen sich insbesondere warmumgeformte, pressgehärtete
Bauteile aus Mangan-Bor-Stählen. Ein typisches Beispiel für diese Stahlqualität ist
der unter der Bezeichnung "22MnB5" bekannte MnB-Stahl (Werkstoffnummer 1.5528). Einsatzmöglichkeiten
von aus MnB-Stählen erzeugten, pressgehärteten Bauteile sind z.B. B-Säule, B-Säulenverstärkung
und Stoßfänger von PKW-Karosserien. Durch eine kombinierte Warmumformung und Presshärtung
lassen sich Bauteile mit komplexen Geometrien und höchste Festigkeiten (R
m: ca. 1500 MPa; R
P 0,
2: ca. 1100 MPa) herstellen.
[0004] Die so erhaltenen Bauteile sind durch ein überwiegend martensitisches Gefüge charakterisiert.
Ihre hohe Festigkeit erlaubt grundsätzlich eine deutliche Verminderung der Wandstärken
und damit ein ebenso deutlich reduziertes Gewicht des Bauteils. Allerdings weisen
aus MnB-Stählen warmpressgehärtete Bauteile typischerweise nur eine geringe Duktilität
auf (A
80: ca. 5 - 6%). Um ein Versagen im Crashfall zu vermeiden, wird daher in der Praxis
die Blechdicke warmpressgehärteter Bauteile aus Sicherheitsgründen in der Regel deutlich
stärker ausgelegt, als dies unter Berücksichtigung ihrer Festigkeit eigentlich nötig
wäre.
[0005] Um einerseits das Leichtbaupotenzial von Bauteilen aus Stählen der in Rede stehenden
Art auszuschöpfen, andererseits aber auch das bei einem Crash erforderliche Umformverhalten
zu gewährleisten, werden Karosseriebauteile aus so genannten "Tailored Blanks" gefertigt.
Dabei handelt es sich um Blechplatinen, die aus Zuschnitten unterschiedlicher Stahlgüten
zusammengesetzt sind. So wird für die Herstellung einer B-Säule einer PKW-Karosserie
beispielsweise ein "Tailored Blank" zur Verfügung gestellt, dessen dem oberen Teil
der B-Säule zugeordneter Bereich aus einem 22MnB5-Stahl besteht. Im dem Fuß der B-Säule
zugeordneten Bereich des Tailored Blanks ist dann eine Stahlgüte vorgesehen, die auch
nach dem Warmpresshärten eine höhere Duktilität ausweist. Ein hierfür in Frage kommender
Stahl ist unter der Bezeichnung H340LAD (Werkstoffnummer 1.0933) bekannt.
[0006] Auch wenn sich durch die Verwendung von Tailored Blanks wesentliche Gewichtseinsparungen
bei gleichzeitig optimierten Gebrauchseigenschaften der daraus hergestellten Bauteile
erzielen lassen, müssen die aus dem duktileren Werkstoff bestehenden Bereiche im kritischen
Bereich des jeweiligen Bauteils in der Regel eine höhere Blechdicke besitzen, um die
im Normalbetrieb auf dem Bauteil lastenden Belastungen aufnehmen zu können. Dies hat
wiederum ein entsprechend höheres Gewicht für das Gesamtbauteil zur Folge.
[0007] Es besteht daher allgemein der Wunsch, hochbelastete Bauteile, wie sie insbesondere
in KFZ-Karosserien verbaut werden, aus einem Stahlblechmaterial zu fertigen, bei dem
hohe Festigkeiten mit guten Dehnungseigenschaften kombiniert sind.
[0008] Eine erste Entwicklungsrichtung, diese Anforderung zu erfüllen, zielt auf eine Optimierung
des Herstellprozesses ab. So soll durch eine Regelung der Abkühlgeschwindigkeit eine
Stahlgüte mit martensitischem Gefüge und verbesserter Bruchdehnung erzeugt werden
können. Ein Beispiel für diese Vorgehensweise ist in der
EP 1 642 991 B1 beschrieben und sieht bis zum Erreichen der Martensitstop-Temperatur eine hohe und
anschließend eine langsamere Abkühlgeschwindigkeit vor. Auf diese Weise wird ein selbst
angelassener Martensit hergestellt, der eine verbesserte Bruchdehnung aufweist. Eine
alternative Entwicklungsrichtung besteht in der Optimierung des Prozesses zur Herstellung
einer Güte mit mehrphasigem Gefüge mittels der so genannten "Halb-Warmumformung".
Bei diesem Verfahren wird das zu dem jeweiligen Bauteil zu formende Flachstahlprodukt
auf eine zwischen der A
C1- und der A
C3-Temperatur liegende Temperatur erwärmt, bei der der Stahl ein Zweiphasengefüge aufweist.
Wird das so erwärmte Bauteil warmpressgehärtet, weist das fertige Bauteil nach der
Abkühlung gegenüber konventionell austenitisierten und gehärteten Bauteilen einen
geringeren Martensitanteil und höhere Anteile an duktileren Phasen, wie Ferrit oder
Austenit auf. Gleichzeitig besitzen die Bauteile noch eine vergleichbar hohe Festigkeit.
So werden bei halb-warmgeformten Bauteilen Zugfestigkeiten R
m von 800 - 1000 MPa bei nur geringfügig verminderten Bruchdehnungswerten (A
80 ca. 10-20%) im Vergleich zum Ausgangszustand erreicht. Ein solches Vorgehen ist beispielsweise
in der
WO 2007/034063 A1 beschrieben.
[0009] Ein vergleichbares Konzept, jedoch mit besonderer Betonung auf der Ausbildung einer
zum Schutz vor Korrosion aufgebrachten Beschichtung, verfolgt die Patentanmeldung
WO 2008/102012. Bei diesem Stand der Technik ist lediglich vorgegeben, dass die Erwärmungstemperatur
oberhalb der A
C1-Temperatur liegt und unter Berücksichtigung eines möglichen Kornwachstums und der
Verdampfung der Zn-basierten Beschichtung des Stahlflachproduktes gewählt werden soll,
aus dem das Bauteil geformt wird. Das jeweils verarbeitete Stahlflachprodukt ist dabei
nach unterschiedlichen Legierungskonzepten zusammengesetzt. So kann der betreffende
Stahl (in Gew.-%)0,15 - 0,25 % C, 1,0 - 1,5 % Mn, 0,1 - 0,35 % Si, max. 0,8 % Cr,
insbesondere 0,1 - 0,4 % Cr, max. 0,1% Al, bis zu 0,05 % Nb, insbesondere max. 0,03
% Nb, bis zu 0,01 % N, 0,01 - 0,07 Ti, < 0,05 % P, insbesondere < 0,03 % P, < 0,03
% S, >0,0005 bis <0,008 % B, insbesondere mindestens 0,0015 % B, und als Rest unvermeidbare
Verunreinigungen und Eisen enthalten, wobei für den Ti-Gehalt gilt, dass er um das
3,4-fache größer ist als der N-Gehalt.
[0010] Vor dem Hintergrund des voranstehend erläuterten Standes der Technik bestand die
Aufgabe der Erfindung darin, einen Stahl zu schaffen, bei dem mit hoher Zuverlässigkeit
gewährleistet ist, dass ein aus ihm hergestelltes Bauteil jeweils hohe Festigkeitswerte
und eine erhöhte Bruchdehnung besitzt. Ebenso sollten ein unter Verwendung dieses
Stahls hergestelltes Stahlflachprodukt, ein daraus hergestelltes Stahlbauteil und
ein zur Herstellung eines solchen Stahlbauteils geeignetes Verfahren angegeben werden.
[0011] In Bezug auf den Stahl ist diese Aufgabe erfindungsgemäß durch einen gemäß Anspruch
1 legierten Stahl gelöst worden.
[0012] In Bezug auf das Stahlflachprodukt ist die oben genannte Aufgabe erfindungsgemäß
dadurch gelöst worden, dass ein solches Stahlflachprodukt gemäß Anspruch 7 ausgebildet
ist.
[0013] In Bezug auf das Stahlbauteil besteht die erfindungsgemäße Lösung der oben genannten
Aufgabe darin, dass ein solches Stahlbauteil gemäß Anspruch 9 ausgebildet ist.
[0014] Schließlich ist die oben genannte Aufgabe in Bezug auf das Verfahren zur Herstellung
eines Stahlbauteils erfindungsgemäß durch das in Anspruch 14 angegebene Verfahren
gelöst worden.
[0015] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben
und werden wie der Gegenstand der unabhängigen Ansprüche nachfolgend im Einzelnen
erläutert.
[0016] Die Erfindung geht von der Erkenntnis aus, dass sich durch Wahl einer geeigneten
Legierung und Einstellung einer geeigneten Gefügezusammensetzung ein Stahl zur Verfügung
stellen lässt, der nach einer Austenitisierung, Warmformung und Härtung eine hohe
Festigkeit von mindestens 1000 MPa und eine Bruchdehnung A
80 aufweist, die jeweils sicher oberhalb von 6 % liegt. Der erfindungsgemäße Stahl enthält
dazu (in Gew.-%) 0,15 - 0,40 % C, 1,0 - 2,0 % Mn, 0,2 - 1,6 Al, bis zu 1,4 % Si, wobei
die Summe der Gehalte an Si und Al 0,25 - 1,6 % beträgt, bis zu 0,10 % P, 0 - 0,03
% S, bis zu 0,5 % Cr, bis zu 1,0 % Mo, bis zu 0,01 % N, bis zu 2,0 % Ni, 0,012 - 0,25
% Nb, bis zu 0,40 % Ti sowie 0,0015 - 0,0050 B und als Rest Eisen und unvermeidbare
Verunreinigungen.
[0017] Ein erfindungsgemäßes Stahlflachprodukt weist dementsprechend zumindest einen Bereich
auf, der aus einem erfindungsgemäßen Stahl besteht. So kann ein erfindungsgemäßes
Stahlflachprodukt als Tailored Blank ausgebildet sein, bei dem ein Bereich aus einem
erfindungsgemäßen Stahl erzeugt ist, während ein anderer Bereich aus einem anderen
Stahl hergestellt ist. Der aus dem erfindungsgemäßen Stahl hergestellte Bereich des
erfindungsgemäßen Tailored Blanks bildet am fertigen, aus dem Stahlflachprodukt hergestellten
Stahlbauteil dann einen hochfesten Bereich, in dem eine hohe Festigkeit mit einer
guten Bruchdehnung kombiniert ist. Genauso ist es selbstverständlich ebenso möglich,
ein erfindungsgemäßes Stahlflachprodukt in Form eines aus einem Stahlblech oder Stahlband
abgeteilten Platinenzuschnitts einheitlich aus dem erfindungsgemäßen Stahl zu fertigen.
Ein aus einem solchen erfindungsgemäßen Stahlflachprodukt gefertigtes Stahlbauteil
weist dann an jeder Stelle die durch die erfindungsgemäße Stahllegierung erzielte
vorteilhafte Kombination aus hoher Festigkeit und guter Dehnbarkeit auf.
[0018] Ein erfindungsgemäßes Stahlbauteil ist in entsprechender Weise dadurch gekennzeichnet,
dass es zumindest in einem Bereich aus einem erfindungsgemäßen Stahl besteht und dass
sein Gefüge im Bereich des hochfesten erfindungsgemäßen Stahls aus Martensit, Austenit
und bis zu 20 Flächen-% Ferrit zusammengesetzt ist.
[0019] Im Zuge eines erfindungsgemäßen Verfahrens zur Herstellung eines erfindungsgemäßen
Stahlbauteils wird dementsprechend zunächst ein erfindungsgemäßes Stahlflachprodukt
zur Verfügung gestellt. Dieses Stahlflachprodukt wird dann auf eine 850 - 950 °C betragende
Austenitisierungstemperatur durcherwärmt. Die dafür erforderliche Haltezeit beträgt
typischerweise 2 - 10 Minuten.
[0020] Anschließend wird das Stahlflachprodukt üblicherweise zu einem Warmformwerkzeug transportiert,
um dort warmgeformt zu werden. Um während des Transports eine zu starke Abkühlung
zu vermeiden, sollte die Transportzeit auf 5 - 12 Sekunden beschränkt werden. Die
Warmformgebung selbst kann in an sich bekannter Weise als Pressformen durchgeführt
werden.
[0021] Im Anschluss an die Warmformgebung wird das Stahlbauteil so schnell abgekühlt, dass
das nach dem Abkühlen erhaltene Stahlbauteil ein Gefüge aufweist, das aus Martensit,
Austenit und bis zu 20 Flächen-% Ferrit besteht. Die dazu typischerweise erforderlichen
Abkühlgeschwindigkeiten liegen im Bereich von mindestens 25 °C/s. Die Warmformgebung
und Abkühlung kann dabei einstufig oder zweistufig durchgeführt werden. Beim einstufigen
Warmpressformhärten werden die Warmformgebung und die Härtung in einem Zuge gemeinsam
in einem Werkzeug durchgeführt. Dagegen erfolgt beim zweistufigen Verfahren zunächst
eine Kaltumformung (bis zu 100 %) und erst anschließend die endgültige Warmformgebung
einschließlich der Erzeugung des Härtegefüges.
[0022] Wenn das jeweils verarbeitete Stahlflachprodukt innerhalb der oben genannten Temperaturen
austenitisiert worden ist, weist das erfindungsgemäß beschaffene Bauteil nach der
Warmformgebung und der beschleunigten Abkühlung in dem Bereich, der aus einem erfindungsgemäßen
Stahl besteht, ein Gefüge auf, das durch eine Kombination von einer harten Phase (Martensit)
und mindestens einer duktileren Phase (Austenit und Ferrit) gekennzeichnet ist. Der
Ferritanteil ist dabei durch die erfindungsgemäß vorgegebene Zusammensetzung des verarbeiteten
Stahls auf 20 Flächen-% begrenzt, da eine Verbesserung der Dehnungswerte und eine
Erhöhung der Energieabsorption mittels Austenit bevorzugt sind. Durch die Kombination
von Martensit, Austenit und maximal 20 Flächen-% Ferrit werden die mechanisch technologischen
Eigenschaften erfindungsgemäßer Bauteile über den gesamten Temperaturbereich der erfindungsgemäß
bei 850 - 950 °C durchgeführten Austenitisierung zuverlässig erhalten.
[0023] Die Stabilität der mechanisch-technologischen Eigenschaften des erfindungsgemäß erzeugten
Bauteils wird durch das erfindungsgemäße Analysenkonzept sichergestellt. Das aus einer
Kombination von harten (Martensit) und duktilen (Austenit und Ferrit) Phasen bestehende
Gefüge eines erfindungsgemäßen Bauteils gewährleistet ein optimales Verhalten bei
einer Crashbelastung. Die Phasenumwandlung von Austenit in Martensit, die während
der Verformung des warmumgeformten Bauteils auftritt, bewirkt eine nachträgliche Aufhärtung
des Bauteils, wenn es im Crashfall mit hoher kinetischer Energie verformt wird.
[0024] Besonders sicher wird die erfindungsgemäß angestrebte Kombination aus hoher Festigkeit,
guter Bruchdehnung und optimalem Crashverhalten im Bereich seines hochfesten Bereichs
dann erreicht, wenn bei einem erfindungsgemäßen Bauteil der Martensit-Gehalt des Gefüges
in dem betreffenden hochfesten Bereich mindestens 75 Flächen-% beträgt. Die geforderte
hohe Bruchdehnung kann dadurch sichergestellt werden, dass der Austenit-Gehalt des
Gefüges des erfindungsgemäßen Bauteils mindestens 2 Flächen-% beträgt.
[0025] Die Zugfestigkeit eines aus erfindungsgemäßen Stahl gefertigten Bauteils soll im
Bereich seines hochfesten Bereichs nicht unterhalb von 1000 MPa liegen. Damit die
für diesen Zweck notwendige Martensithärte erreicht wird, enthält die erfindungsgemäße
Stahllegierung einen C-Gehalt von mindestens 0,15 Gew.-%. Um gleichzeitig eine für
die Praxis ausreichende Schweißeignung zu sichern, ist der C-Gehalt des erfindungsgemäßen
Stahls nach oben auf 0,4 Gew.- % beschränkt.
[0026] Im Hinblick auf die erfindungsgemäße Einstellung des Gefüges kommt den Legierungselementen
Mn, Si und Al eines erfindungsgemäß verwendeten Stahls eine besondere Bedeutung zu,
da sie den Austenit bei Raumtemperatur stabilisieren.
[0027] Das in Gehalten von mindestens 1,0 Gew.-% im erfindungsgemäßen Stahl vorhandene Mn
dient als Austenitbildner, indem es die Ac
3-Temperatur des Stahls herabsetzt. Das Ergebnis ist ein Gefüge, das nach der Warmumformung
im Wesentlichen aus Austenit und Martensit besteht. Um gleichzeitig eine für die jeweilige
Verwendung optimale Schweißeignung zu sichern, ist der Mn-Gehalt auf maximal 2 Gew.-%
beschränkt.
[0028] Silizium ist im erfindungsgemäßen Stahl in Gehalten von bis zu 1,4 Gew.-% vorhanden.
Es beeinflusst die Härtbarkeit und dient bei der Erschmelzung des Stahls des erfindungsgemäßen
Bauteils als Desoxidationsmittel. Gleichzeitig steigert Si die Streckgrenze, stabilisiert
den Ferrit und den Austenit bei Raumtemperatur und verhindert eine unerwünschte Karbidausscheidung
im Austenit während der Abkühlung. Ein zu hoher Si-Gehalt verursacht jedoch Oberflächenfehler.
Daher ist der Si-Gehalt eines erfindungsgemäßen Stahls auf 1,4 Gew.-% beschränkt.
[0029] Aluminium trägt im erfindungsgemäßen Stahl ähnlich wie Si zu Stabilisierung des Ferrits
und des Austenits bei Raumtemperatur bei und bewirkt eine Korngrößenkontrolle. Diese
Effekte werden sicher erreicht, wenn die Gehalte an Al in erfindungsgemäßer Weise
auf 0,2 - 1,6 Gew.-% beschränkt sind, wobei sich Al-Gehalte von mindestens 0,4 Gew.-%
besonders positiv auf die Eigenschaften eines erfindungsgemäßen Bauteils auswirken.
Durch einen oberhalb von 0,4 Gew.-% liegenden Al-Gehalt wird die Karbidbildung während
der Wärmebehandlung unterdrückt und so der erfindungsgemäß vorgesehene Anteil an Austenit
von bevorzugt mindestens 2 Flächen-% im warmgeformten Gefüge stabilisiert.
[0030] Aufgrund der erfindungsgemäßen Phasenkonstellation wird eine Verringerung der Streuung
der mechanischen Eigenschaften eines erfindungsgemäßen Stahls nach seiner Austenitisierung,
Warmumformung und Abkühlung erzielt. Überraschend hat sich hier gezeigt, dass die
mechanischen Eigenschaften eines erfindungsgemäß erzeugten Bauteils mit hoher Zuverlässigkeit
über eine vergleichsweise große Temperaturspanne der Austenitisierungstemperaturen
erzielt werden kann. So können trotz der in der Praxis unvermeidbar auftretenden Toleranzen
bei der Einstellung der Austenitisierungstemperatur die angestrebten Eigenschaften
erfindungsgemäßer Bauteile mit hoher Sicherheit und Stabilität des Arbeitsergebnisses
gewährleistet werden.
[0031] Negative Einflüsse auf die Oberflächenbeschaffenheit, die Si und Al haben könnten,
werden dadurch vermieden, dass die Summe der Al- und Si-Gehalte eines erfindungsgemäßen
Stahls bzw. eines daraus hergestellten Bauteils auf 0,25 - 1,6 Gew.-% beschränkt sind.
Um gleichzeitig die positiven Einflüsse der kombinierten Anwesenheit von Al- und Sibesonders
sicher zu nutzen, kann die Summe der Al- und Si-Gehalte eines erfindungsgemäßen Stahlbauteils
auf mindestens 0,5 Gew.-% heraufgesetzt werden.
[0032] Mo kann in einem erfindungsgemäßen Stahl in Gehalten von bis zu 1,0 Gew.-% vorhanden
sein. Die Anwesenheit von Mo fördert die Martensitbildung und verbessert die Zähigkeit
des Stahls. Ein zu hoher Mo-Gehalt kann jedoch Kaltrissbildung verursachen.
[0033] Durch Zugabe von Cr in Gehalten von bis zu 0,5 Gew.-% zur Legierung eines erfindungsgemäßen
Stahls kann die Härtbarkeit gesteigert werden. Jedoch sollte der Cr-Gehalt nicht höher
liegen, um Oberflächenfehler zu vermeiden. Sicher können diese Effekte erzielt werden,
wenn der Cr-Gehalt auf 0,1 Gew.-% beschränkt ist.
[0034] P kann in Gehalten von bis zu 0,10 Gew.-% zur Erhöhung der Streckgrenze und damit
zur Sicherung der mechanischen Eigenschaften zulegiert werden. Ein zu hoher P-Gehalt
schadet jedoch der Duktilität und der Zähigkeit eines erfindungsgemäß beschaffenen
Stahls.
[0035] Ti in Gehalten von bis zu 0,40 Gew.-% erhöht die Streckgrenze sowohl gelöst als auch
durch Ausscheidungsbildung (z.B. von Ti-Carbonnitriden). Ti bindet N zu TiN ab und
fördert so die Wirksamkeit von B hinsichtlich des Umwandlungsverhaltens. Dieser Effekt
kann dadurch gewährleistet werden, dass der Ti-Gehalt des erfindungsgemäßen Stahls
die Bedingung

erfüllt, wobei mit %Ti sein jeweiliger Ti-Gehalt und mit %N sein jeweiliger N-Gehalt
bezeichnet ist.
[0036] Durch 0,0010 - 0,0050 Gew.-% B ist die Härtbarkeit eines erfindungsgemäßen Stahls
durch Verzögerung der Ferritumwandlung während der Abkühlung in Richtung längerer
Umwandlungszeiten verbessert. Gleichzeitig stabilisiert das im erfindungsgemäßen Stahl
vorhandene Bor die mechanischen Eigenschaften für einen weiten Temperaturbereich des
Warmumformprozesses.
[0037] Bis zu 0,01 Gew.-% N stabilisiert den Austenit und erhöht die Streckgrenze eines
erfindungsgemäßen Stahls. Sofern der im erfindungsgemäß legiertem Stahl vorhandene
Stickstoff nicht vollständig von Ti abgebunden ist, reagiert er in Kombination mit
Bor zu Bornitriden. Diese Bornitride bewirken eine Kornfeinung des Ausgangsgefüges
und damit eine Feinung des martensitischen warmumgeformten Gefüges. Im Ergebnis wird
so die Rissanfälligkeit eines erfindungsgemäß verarbeiteten Stahls verringert. Gleichzeitig
tragen die Bornitride wesentlich zur Steigerung der Festigkeit des erfindungsgemäßen
Stahls bei.
[0038] Soll N in Kombination mit B durch Bildung von Bornitriden zur Kornfeinung und Festigkeitssteigerung
genutzt werden, kann der dazu benötigte nicht an Ti gebundene N-Gehalt dadurch gezielt
eingestellt werden, dass bei Anwesenheit von Ti der N-Gehalt des erfindungsgemäßen
Stahls die Bedingung

erfüllt, wobei mit %Ti sein jeweiliger Ti-Gehalt und mit %N sein jeweiliger N-Gehalt
bezeichnet ist.
[0039] Die zusätzliche Zugabe von Nb in Gehalten von 0,012 - 0,25 Gew.-% unterstützt bei
einem erfindungsgemäß legierten Stahl die Kombination hoher Zugfestigkeitswerte mit
erhöhter Bruchdehnung, was insgesamt in einer Erhöhung des Energieabsorptionsvermögens
erfindungsgemäß beschaffener Stahlbauteile resultiert. Nb erhöht in erfindungsgemäß
zusammengesetztem Stahl die Streckgrenze mittels Karbidausscheidung und bewirkt durch
Austenitkornfeinung ein feines Martensitgefüge, das eine hohe Stabilität gegenüber
Rissausbreitung aufweist. Zudem können Nb-Ausscheidungen als Wasserstofffallen wirken,
wodurch die Anfälligkeit gegenüber wasserstoffinduzierter Rissbildung herabgesetzt
werden kann. Besonders sicher tritt die positive Wirkung von Niob ein, wenn der Nb-Gehalt
des erfindungsgemäßen Stahls auf 0,012 - 0,040 Gew.-% beschränkt ist.
[0040] Ni in Gehalten von bis zu 2,0 Gew.-% trägt zur Erhöhung der Streckgrenze und der
Bruchdehnung bei.
[0041] Der S-Gehalt des Stahls eines erfindungsgemäßen Bauteils ist auf max. 0,03 Gew.-%
beschränkt, weil S einen stark negativen Einfluss auf die Schweißbarkeit und die Möglichkeiten
der Oberflächenveredelung hat. Auch soll durch diese Beschränkung die Bildung schädlicher,
gestreckter MnS-Ausscheidungen verhindert werden.
[0042] Das erfindungsgemäße Stahlbauteil kann an seiner freien Oberfläche mit einem vor
Oxidation schützenden Überzug beschichtet sein. Dieser ist bevorzugt bereits auf dem
Stahlflachprodukt vorhanden, aus dem das Bauteil warmgeformt wird. Der Schutzüberzug
kann dabei so ausgelegt sein, dass er gegen Zunderbildung während der Erwärmung und
Warmformgebung und/oder Korrosion während der Verarbeitung oder im praktischen Einsatz
schützt. Dazu können Überzüge auf metallischer, organischer oder anorganischer Basis
sowie Kombinationen dieser Überzüge verwendet werden.
[0043] Die Beschichtung des Stahlflachprodukts kann durch konventionelle Verfahren erfolgen.
Bevorzugt wird eine Oberflächenveredelung im Schmelztauchprozess. Die optional aufgebrachten
metallischen Überzüge basieren auf den Systemen Zn, Al, Zn-Al, Zn-Mg, Al-Mg, Al-Si
und Zn-Al-Mg und ihren nicht vermeidbaren Verunreinigungen. Überzüge auf einer Al-Si-Basis
haben sich dabei besonders bewährt.
[0044] Zur Verbesserung der Oberflächenqualität und der Anbindung des Überzugs an die Stahloberfläche
kann dem Schmelztauchprozess vorteilhafterweise eine Voroxidation vorgeschaltet werden.
Dabei wird auf dem Stahlflachprodukt gezielt eine Oxidschicht erzeugt, die 10 - 1000
nm dick ist, wobei sich besonders gute Beschichtungsqualitäten ergeben, wenn die Oxidschicht
70 - 500 nm dick ist. Die Einstellung der Oxidschichtdicke erfolgt in einer Oxidationskammer,
wie es beispielsweise aus der
WO 2007/124781 A1 bekannt ist. Vor dem Eintauchen in die Schmelze bzw. vor einer Oberflächenveredelung
wird die Eisenoxidschicht durch Wasserstoff der Glühatmosphäre reduziert. Dabei können
an der Oberfläche sowie bis zu einer Tiefe von 10 µm Oxide der Legierungselemente
vorliegen.
[0045] Des Weiteren ist es möglich, das erfindungsgemäß verarbeitete Stahlflachprodukt in
kontinuierlichen Glühanlagen oder in einer Haubenglühanlagen zu glühen und mittels
einer nachgeschalteten offline Oberflächenveredelungsanlage zu beschichten. Hierzu
können unterschiedliche Verfahren eingesetzt werden.
[0046] Besonders eignet sich die elektrolytische Beschichtung zum Aufbringen des jeweiligen
Überzugs. Besonders gute Ergebnisse stellen sich dabei dann ein, wenn als Überzugsmaterial
Zn-, ZnFe-, ZnMn-, ZnNi-Systeme oder deren Kombination eingesetzt werden.
[0047] Jedoch ist es auch möglich, den Überzug durch PVD- (PVD = Physical Vapour Deposition)
oder CVD- (CVD = Chemical Vapour Deposition) Beschichtungsverfahren aufzubringen.
Genauso kann eine stromlose bzw. chemische Abscheidung von metallischen (Legierungs-)Überzügen
auf Basis von Zn, Zn-Ni, Zn-Fe sowie deren Kombinationen sowie organische / metallorganische
/ anorganische Überzüge in Bandbeschichtungsanlagen im Coilcoating-, Spritz- oder
Tauchverfahren zweckmäßig sein. Typische Dicken der mit den hier beschriebenen Verfahren
erzeugbaren Überzügen liegen im Bereich von 1 - 15 µm.
[0048] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
[0049] Aus Stählen E1 - E4, deren Zusammensetzungen in Tabelle 1 angegeben sind, sind in
konventioneller Weise kaltgewalzte Stahlbleche erzeugt worden. Von diesen Stahlblechen
ist jeweils eine größere Zahl von Blechplatinen abgeteilt worden, die einheitlich
aus dem jeweiligen Stahl E1 - E4 bestanden.
[0050] Zum Vergleich ist in entsprechender Weise aus Vergleichsstahl V mit einer in Tabelle
1 ebenfalls angegebenen Zusammensetzung ein Stahlblech erzeugt und von diesem Stahlblech
eine größere Zahl von Blechplatinen abgeteilt worden, die ebenfalls einheitlich aus
dem Vergleichsstahl V bestanden.
[0051] Die aus den Stählen E1 - E4 und V bestehenden Platinen sind jeweils auf eine im Bereich
von 880 - 925 °C liegende Austenitisierungstemperatur durcherwärmt, anschließend in
ein Warmformwerkzeug eingelegt und dann zu einem Bauteil warmverformt worden. Nach
der Warmformgebung sind die aus den Platinen jeweils warmgeformten Bauteile jeweils
mit einer mindestens 25 °C/s betragenden Abkühlgeschwindigkeit so schnell abgekühlt
worden, dass sich in ihnen Härtegefüge gebildet haben.
[0052] Für die erhaltenen Bauteile sind die mechanischen Eigenschaften Dehngrenze R
p0,2, Zugfestigkeit R
m und Dehnung A
80 bestimmt worden. Die jeweils gemittelten Werte R
p0,2, R
m und A
80 sowie die zugehörigen Standardabweichungen σR
p0,2, σR
m und σA
80 sind für die aus den Stählen E
1 - E
4 und V erzeugten Stahlbauteile in Tabelle 2 angegeben.
[0053] Des Weiteren sind in Tabelle 2 für die aus den Stählen E1 - E4 und V bestehenden
Stahlbauteile das Produkt aus Zugfestigkeit R
m und Dehnung A
80 sowie das Ergebnis eines 3-Punkt-Biegeversuchs eingetragen, bei dem die jeweilige
Prüfprobe auf zwei beabstandet zueinander angeordnete Auflagen positioniert und in
der Mitte mit einem Prüfstempel belastet worden sind. Ebenso sind in Tabelle 2 für
die aus den Stählen E1, E2 und V hergestellten Bauteile die Gefügezusammensetzungen
eingetragen.
[0054] Es zeigt sich, dass die aus den erfindungsgemäßen Stählen E1 - E4 bestehenden Bauteile
ein durchweg hohes, durch einen hohen Wert des Produkts aus Zugfestigkeit R
m und Dehnung A
80 gekennzeichnetes Restverformungsvermögen und damit einhergehend hohes Energieabsorptionsvermögen
besitzen. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse der Versuche, dass sich die mechanischen
Eigenschaften R
p0,2, R
m und A
80 der aus den erfindungsgemäßen Stählen E1 - E4 erzeugten Bauteile mit einer deutlich
höheren, durch geringe Werte der jeweiligen Standardabweichung gekennzeichneten Zuverlässigkeit
reproduzieren lassen, als dies bei den aus dem Vergleichsstahl V erzeugten Bauteilen
der Fall ist.
Tabelle 1 (Angaben in Gew.-%)
| Stahl |
C |
Si |
Mn |
P |
s |
Al |
Cr |
Mo |
N |
Ni |
Nb |
Ti |
B |
| E1 |
0,217 |
0,39 |
1,63 |
0,003 |
<0,001 |
1,08 |
0,038 |
0,0016 |
0,0011 |
0,014 |
0,025 |
0,036 |
0,0030 |
| E2 |
0,217 |
0,41 |
1,64 |
0,005 |
0,002 |
0,62 |
0,027 |
0,0016 |
0,0023 |
0,008 |
0,029 |
0,022 |
0,0024 |
| E3 |
0,205 |
0,203 |
1,64 |
≤0,10 |
≤0,10 |
0,690 |
<0,1 |
|
0,0041 |
|
0,012 |
0,0010 |
0,0029 |
| E4 |
0,211 |
0,203 |
1,65 |
≤0,10 |
≤0,10 |
0,662 |
<0,1 |
|
0,0024 |
|
0,013 |
0,0020 |
0,0032 |
| v |
0,214 |
0,14 |
1,62 |
0,005 |
0,002 |
1,386 |
0,086 |
<0,002 |
0,0015 |
0,006 |
0,006 |
0,0030 |
0,0004 |
Tabelle 2
| Stahl |
Rp0,2 [MPa] |
ORp0,2 [MPa] |
Rm [MPa] |
σRm [MPa] |
A80 [%] |
σA80 [%] |
Rm x A80 [MPa x %] |
Energie-aufnahme im 3-Punkt Biege-versuch [J] |
Ferrit [Fl. -%] |
Austenit [Fl. -%] |
Martensit [F1. -%] |
| E1 |
966 |
81 |
1467 |
29 |
8,5 |
1,1 |
12470 |
80,4 |
10 |
4 |
86 |
| E2 |
1225 |
12 |
1525 |
5 |
8,1 |
0,4 |
12353 |
83,3 |
0 |
3 |
97 |
| E3 |
1128 |
22 |
1443 |
8 |
6,7 |
0,6 |
10101 |
73 |
0 |
2 |
98 |
| E4 |
1156 |
32 |
1479 |
12 |
6,5 |
0,5 |
10353 |
74 |
0 |
2 |
98 |
| V1 |
688 |
121 |
1231 |
55 |
9,6 |
2,6 |
11818 |
83,3 |
22 |
3 |
75 |
1. Stahl für die Herstellung eines Stahlbauteils durch Warmumformung mit anschließender
Härtung, enthaltend (in Gew.-%)
| C: |
0,15 |
- 0,40 %, |
| Mn: |
1,0 |
- 2,0 %, |
| Al: |
0,2 |
- 1,6 %, |
| Si: |
0 |
- 1,4 %, |
| Summe der Gehalte an Si und Al: 0,25 - 1,6 %, |
| P: |
0 |
- 0,10 %, |
| S: |
0 |
- 0,03 %, |
| Cr: |
0 |
- 0,5 %, |
| Mo: |
0 |
- 1,0 %, |
| N: |
0 |
- 0,01 %, |
| Ni: |
0 |
- 2,0 %, |
| Nb: |
0,012 - |
0,25 %, |
| Ti: |
0 |
- 0,40 %, |
| B: |
0,0010 - |
0,0050 %, |
| Rest Eisen und unvermeidbare Verunreinigungen. |
2. Stahl nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Summe seiner Al- und Si-Gehalte mindestens 0,5 Gew.-% beträgt.
3. Stahl nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sein Al-Gehalt mindestens 0,4 Gew.-% beträgt.
4. Stahl nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass sein Nb-Gehalt höchstens 0,040 Gew.-% beträgt.
5. Stahl nach einem der voranstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass sein Ti-Gehalt die Bedingung

erfüllt, wobei mit %Ti sein jeweiliger Ti-Gehalt und mit %N sein jeweiliger N-Gehalt
bezeichnet ist.
6. Stahl nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass bei Anwesenheit von Ti sein N-Gehalt die Bedingung

erfüllt, wobei mit %Ti sein jeweiliger Ti-Gehalt und mit %N sein jeweiliger N-Gehalt
bezeichnet ist.
7. Stahlflachprodukt für die Herstellung eines Stahlbauteils dadurch gekennzeichnet, dass es mindestens einen Bereich aufweist, der aus hochfestem, gemäß einem der Ansprüche
1 bis 6 beschaffenem Stahl besteht.
8. Stahlflachprodukt nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass es einheitlich aus dem hochfesten Stahl besteht.
9. Stahlflachprodukt nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, dass mindestens eine seiner Oberflächen mit einem vor Oxidation schützenden Überzug überzogen
ist.
10. Stahlbauteil hergestellt aus einem gemäß einem der Ansprüche 7 bis 9 beschaffenen
Stahlflachprodukt, wobei sein Gefüge im Bereich des hochfesten, gemäß einem der Ansprüche
1 bis 6 beschaffenen Stahls aus Martensit, Austenit und bis zu 20 Flächen-% Ferrit
besteht.
11. Stahlbauteil nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass im Bereich des hochfesten Stahls der Martensit-Gehalt seines Gefüges mindestens 75
Flächen-% beträgt.
12. Stahlbauteil nach einem der Ansprüche 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass im Bereich des hochfesten Stahls der Austenit-Gehalt seines Gefüges mindestens 2 Flächen-%
beträgt.
13. Stahlbauteil nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass seine Oberfläche mit einem vor Oxidation schützenden Überzug beschichtet ist.
14. Verfahren zur Herstellung eines gemäß einem der Ansprüche 10 bis 13 beschaffenen Stahlbauteils
umfassend folgende Arbeitsschritte:
- Zurverfügungstellen eines gemäß einem der Ansprüche 7 bis 9 ausgebildeten Stahlflachproduktes,
- Durcherwärmen des Stahlflachprodukts auf eine 850 - 950 °C betragende Austenitisierungstemperatur,
- Warmformen des Stahlflachprodukts zu dem Stahlbauteil,
- beschleunigtes Abkühlen des Stahlbauteils, so dass das nach dem Abkühlen erhaltene
Stahlbauteil mindestens im Bereich des hochfesten Stahls ein Gefüge aufweist, das
aus Martensit, Austenit und bis zu 20 Flächen-% Ferrit besteht.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Abkühlgeschwindigkeit bei der Abkühlung des Stahlbauteils mindestens 25 °C/s
beträgt.