[0001] Die Erfindung betrifft einen elektronischen Sperrmechanismus für einen in einem Gehäuse
beweglichen Kern, insbesondere eines Schließzylinders eines Einsteckschlosses, mit
einer einen elektrisch ansteuerbaren Aktor aufweisenden Sperreinrichtung, mit einer
Steuereinrichtung zur Ansteuerung des Aktors und mit einer die Bewegung des Kerns
erfassenden Erfassungseinrichtung.
[0002] Ein solcher elektronischer Sperrmechanismus ist beispielsweise aus der
EP 2 017 410 A2 bekannt. Die Erfassungseinrichtung erfasst eine Öffnungsbetätigung des Sperrmechanismus
und liefert ein Signal, welches zur Aktivierung der Steuereinrichtung verwendet wird.
Die Öffnungsbetätigung kann beispielsweise das Einführen eines Schlüssels in einen
Schließkanal des Schließzylinders oder die anfängliche Drehung des Kerns sein. Wird
die Öffnungsbetätigung erkannt, erfolgt die Aktivierung der Steuereinrichtung und
das Auslesen eines Codes eines auf dem Schlüssel oder einer Karte angeordneten Transponders.
Hierdurch wird der Energieverbrauch der Steuereinrichtung besonders gering gehalten.
Ein Nachweis, ob nach der Öffnungsbetätigung der Schließzylinder auch tatsächlich
betätigt wird oder ob es sich um einen Manipulationsversuch handelt, ist nicht vorgesehen.
[0003] Zur Erhöhung der Sicherheit des Schließzylinders gegen eine Manipulation ist es jedoch
von Vorteil zu erfassen, wann und wie der Schließzylinder angesteuert wird. Nach dieser
Erfassung der Ansteuerung des Schließzylinders können gegebenenfalls Abwehrmechanismen
gestartet werde. Man könnte daran denken, die bekannte Erfassung der Öffnungsbetätigung
abzuspeichern. Dies würde jedoch nur unwesentlich zur Erhöhung der Manipulationssicherheit
des Sperrmechanismus beitragen.
[0004] Der Erfindung liegt das Problem zugrunde, die Möglichkeiten zur Erfassung eines Manipulationsversuches
am Sperrmechanismus der eingangs genannten Art zu erhöhen.
[0005] Dieses Problem wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Erfassungseinrichtung
zur Erzeugung von unterschiedlichen Signalen in Abhängigkeit von der Bewegungsrichtung
des Kerns ausgebildet ist.
[0006] Durch diese Gestaltung kann erfasst werden, ob der erfindungsgemäße Sperrmechanismus
in Schließrichtung oder in Öffnungsrichtung angesteuert werden soll. Damit können
neben der vorgesehenen Öffnungsbetätigung auch die Schließvorgänge selbst erfasst
werden. Mögliche Abwehrmaßnahmen gegen eine unberechtigte Manipulation lassen sich
dank der Erfindung auf Entriegelungsversuche beschränken.
[0007] Öffnungs- und Schließvorgänge des erfindungsgemäßen Sperrmechanismus lassen sich
einfach protokollieren, wenn die Steuereinrichtung mit einem Speicher zur Abspeicherung
der Drehrichtung des Kerns in Verbindung mit einem die Steuereinrichtung ansteuernden
Signal oder Code ausgebildet ist. Ein unberechtigter Entriegelungsversuch des Sperrmechanismus
lässt sich hierdurch erkennen und protokollieren. Weiterhin lassen sich bei einem
unberechtigten Entriegelungsversuch Gegenreaktionen wie beispielsweise die Auslösung
eines Alarms einleiten. Damit trägt die erfindungsgemäße Gestaltung des erfindungsgemäßen
Sperrmechanismus zur Abwehr von Manipulationsversuchen bei.
[0008] Die Erfassungseinrichtung gestaltet sich gemäß einer anderen vorteilhaften Weiterbildung
der Erfindung konstruktiv besonders einfach, wenn die Erfassungseinrichtung ein bei
der Drehung des Kerns betätigbares Potentiometer hat. Als Potentiometer kann nahezu
jedes Bauteil dienen, welches elektrische Signale in Abhängigkeit von seiner Stellung
liefert, wie mehrere in einer Reihe angeordnete Schalter, ein Drehkondensator, eine
verstellbare Induktivität, eine Widerstandsschleifbahn oder dergleichen.
[0009] Die Signale zur Erfassung der Bewegungsrichtung des Kerns lassen sich gemäß einer
anderen vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung ausschließlich durch die Bewegung
des Kerns erzeugen, wenn das Potentiometer der Erfassungseinrichtung eine bei einer
Drehung des Kerns verformende Piezofolie hat. Eine ständige Versorgung des Potentiometers
mit elektrischem Strom lässt sich hierdurch vermeiden, weil Piezofolien bei ihrer
Verformung selbständig Signale liefern. Durch diese Gestaltung weist der erfindungsgemäße
Sperrmechanismus einen besonders geringen Stromverbrauch aus.
[0010] Der bauliche Aufwand zur Verformung der Piezofolie in Abhängigkeit von der Drehstellung
des Kerns lässt sich gemäß einer anderen vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung
besonders gering halten, wenn der Kern oder das Gehäuse eine von der Piezofolie abgedeckte
Nut aufweist und wenn in dem gegenüberstehenden Bauteil des Gehäuses oder des Kerns
ein Vorspannelement zur Verformung der Piezofolie angeordnet ist.
[0011] Eine ständige Verformung der Piezofolie lässt sich gemäß einer anderen vorteilhaften
Weiterbildung der Erfindung einfach vermeiden, wenn das Vorspannelement beweglich
gegen die Piezofolie geführt ist.
[0012] Die Erzeugung der für die Verformung erforderlichen Kraft lässt sich gemäß einer
anderen vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung einfach einstellen, wenn das Vorspannelement
ein Federelement zu seiner Vorspannung gegen die Piezofolie hat.
[0013] Der Verbrauch des erfindungsgemäßen elektronischen Sperrmechanismus an elektrischer
Energie lässt sich besonders gering halten, wenn die Erfassungseinrichtung zur Aktivierung
der Steuereinrichtung bei einer Einführung eines Schlüssels oder einer anfänglichen
Bewegung des Kerns ausgebildet ist. Hierdurch hat die Steuereinrichtung eine so genannte
Weckschaltung, welche bewirkt, dass die Steuereinrichtung im Grundzustand in einem
energiesparenden Modus gehalten wird. Erst wenn der elektronische Sperrmechanismus
durch das Einführen eines Schlüssels oder das anfängliche Bewegen des Kerns angesteuert
werden soll, wird die Steuereinrichtung aktiviert und erfasst beispielsweise Signale
eines Transponderschlüssels. Eine solche Aktivierung ist beispielsweise in der
EP 2 017 410 A2 ausführlich beschrieben, so dass zur Offenbarung der Aktivierung des Sperrmechanismus
ausdrücklich auf diese Schrift verwiesen wird.
[0014] Die Aktivierung der Steuereinrichtung bei einem Einführen des Schlüssels gestaltet
sich gemäß einer anderen vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung konstruktiv besonders
einfach, wenn das Vorspannelement mit einem der Piezofolie abgewandten Ende in einen
Schließkanal des Kerns hineinragt. Durch diese Gestaltung wird zudem sichergestellt,
dass die Steuereinrichtung und damit das Auslesen des Codes erst aktiviert werden,
wenn ein Schlüssel eingesetzt wird. Dies trägt zur Erhöhung der Sicherheit des erfindungsgemäßen
Sperrmechanismus gegen ein unberechtigtes Entriegeln ohne berechtigten Schlüssel bei.
[0015] Eine direkte Bewegung des Vorspannelementes durch einen Schlüssel lässt sich gemäß
einer anderen vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung einfach vermeiden, wenn das
Vorspannelement einer Rampe eines im Kern verschieblich angeordneten Schiebers gegenübersteht.
Durch diese Gestaltung kann der erfindungsgemäße Sperrmechanismus auch bei Schließzylindern
mit einem im Schließkanal angeordneten Schieber oder bei Schließeinrichtungen ohne
Schließkanal eingesetzt werden.
[0016] Die Erfindung lässt zahlreiche Ausführungsformen zu. Zur weiteren Verdeutlichung
ihres Grundprinzips sind zwei davon in der Zeichnung dargestellt und werden nachfolgend
beschrieben. Diese zeigt in
- Fig. 1
- einen Längsschnitt durch einen Schließzylinder mit einem erfindungsgemäßen Sperrmechanismus,
- Fig. 2
- eine Schnittdarstellung durch den Schließzylinder aus Figur 1 entlang der Linie II
- II,
- Fig. 3
- einen Längsschnitt durch einen Teilbereich eines Schließzylinders mit einer weiteren
Ausführungsform des erfindungsgemäßen Sperrmechanismus,
- Fig. 4
- stark vergrößert eine Erfassungseinrichtung des Sperrmechanismus aus Figur 3.
[0017] Figur 1 zeigt einen Schließzylinder mit einem in einem Gehäuse 1 drehbaren Kern 2.
Der Kern 2 ist mit einem Schließbart 3 verbunden. Der Schließzylinder weist einen
elektronischen Sperrmechanismus 4 mit einer Sperreinrichtung 5 auf. Die Sperreinrichtung
5 hat einen elektrisch ansteuerbaren Aktor 6 zur wahlweisen Blockierung oder Freigabe
der Bewegung des Kerns 2. Weiterhin hat der elektronische Sperrmechanismus 4 eine
Steuereinrichtung 7, welche Signale eines nicht dargestellten Transponders empfängt
und in Abhängigkeit der Signale die Sperreinrichtung 5 ansteuert. Der Sperrmechanismus
4 hat zudem eine Erfassungseinrichtung 8 zur Erzeugung von unterschiedlichen Signalen
in Abhängigkeit von der Drehrichtung des Kerns 2. Der Kern 2 hat beispielhaft einen
Schließkanal 9 zur Aufnahme eines den Transponder aufweisenden Schlüssels. Die Erfassungseinrichtung
8 hat ein in den Schließkanal 9 hineinragendes Vorspannelement 10 und ein von dem
Vorspannelement 10 betätigbares Potentiometer 11. Das Potentiometer 11 weist eine
Piezofolie 12 auf, welche eine Nut 13 eines mit dem Gehäuse 1 verbundenen Halteelements
14 abdeckt. Bei dem Halteelement 14 kann es sich beispielsweise um eine Antenne zum
Auslesen des Codes des Transponders handeln.
[0018] Figur 2 zeigt in einer Schnittdarstellung durch den Schließzylinder aus Figur 1 entlang
der Linie II - II, dass die Nut 13 um den Kern 2 umläuft. Die Piezofolie 12 deckt
ausgehend von dem Vorspannelement 10 jeweils einen in die Drehrichtungen angeordneten
Teilkreis ab. Das Vorspannelement 10 und die Piezofolie 12 bilden zusammen ein Potentiometer
15, welches Signale in Abhängigkeit von der Bewegung und der Stellung des Vorspannelementes
10 erzeugt.
[0019] Beim Einführen des Schlüssels in den Schließkanal 9 drückt das Vorspannelement 10
auf die Piezofolie 12 und erzeugt ein elektrisches Signal, welches von der Steuereinrichtung
7 erfasst wird. Bei einer anschließenden Drehung des Kerns 2 verformt das Vorspannelement
10 die Piezofolie 12 in Abhängigkeit von der Drehrichtung des Kerns 2. Durch die um
den Kern 2 umlaufende Anordnung der Nut 13 und der Abmessung der Piezofolie 12 ermöglicht
die Erfassungseinrichtung 8 die Erzeugung der unterschiedlichen Signale in Abhängigkeit
von der Drehrichtung des Kerns 2. Diese Signale werden zusammen mit dem Code des Transponders
in einem nicht dargestellten Speicher der Steuereinrichtung 7 abgespeichert. Die Bewegung
des Vorspannelementes 10 auf die Piezofolie 12 bewirkt zudem, dass die Steuereinrichtung
7 aus einem Stand-by-Modus in einen Betriebsmodus aktiviert wird. In dem Betriebsmodus
wird der Code des Transponders ausgelesen.
[0020] Figur 3 zeigt eine weitere Ausführungsform des Schließzylinders mit einer Sperreinrichtung
16, welche sich von der aus den Figuren 1 und 2 vor allem dadurch unterscheidet, dass
in einem Schließkanal 17 ein von einem Schlüssel bewegbarer Schieber 18 angeordnet
ist. Der Schieber 18 drückt mit einer Verbreiterung 19 einen Sperrriegel 20 eines
Sperrmechanismus 21 nieder und steht mit einer Rampe 22 einer Erfassungseinrichtung
23 gegenüber.
[0021] Die Erfassungseinrichtung 23 hat ein Potentiometer 24 mit einem Vorspannelement 25
und einer Piezofolie 26 und ist stark vergrößert in Figur 4 näher dargestellt. Die
Piezofolie 26 überspannt eine im Gehäuse 1 angeordnete umlaufende Nut 27 und weist
die in Figur 2 beschriebenen Abmessungen auf. Das Vorspannelement 25 hat einen der
Rampe 22 gegenüberstehenden Kopf 28 und einen sich auf der Piezofolie 26 abstützenden
Fuß 29. Ein Federelement 30 spannt den Kopf 28 und den Fuß 29 voneinander weg. Beim
Einführen eines Schlüssels in den Schließkanal 17 wird der Schieber 18 bewegt, so
dass die Rampe 22 das Vorspannelement 25 niederdrückt. Dabei wird die Piezofolie 26
verformt und erzeugt ein Signal, welches eine in Figur 3 dargestellte Steuereinrichtung
31 aktiviert. Anschließend wird der Code des Schlüssels ausgelesen. In Abhängigkeit
von dem Code wird eine Sperreinrichtung 32 des Sperrmechanismus 21 angesteuert oder
die Ansteuerung unterbleibt. Beim Einführen des Schlüssels wird zudem die Verbreiterung
19 von der Sperreinrichtung 31 weg bewegt und damit die Bewegung des Sperrriegels
20 freigegeben. Ansonsten ist diese Ausführungsform wie die aus den Figuren 1 und
2 aufgebaut.
1. Elektronischer Sperrmechanismus (4, 21) für einen in einem Gehäuse (1) beweglichen
Kern (2), insbesondere eines Schließzylinders eines Einsteckschlosses, mit einer einen
elektrisch ansteuerbaren Aktor (6) aufweisenden Sperreinrichtung (5, 32), mit einer
Steuereinrichtung (7, 31) zur Ansteuerung des Aktors (6) und mit einer die Bewegung
des Kerns (2) erfassenden Erfassungseinrichtung (8, 23) , dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassungseinrichtung (8, 23) zur Erzeugung von unterschiedlichen Signalen in
Abhängigkeit von der Bewegungsrichtung des Kerns (2) ausgebildet ist.
2. Elektronischer Sperrmechanismus nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung (7, 31) mit einem Speicher zur Abspeicherung der Drehrichtung
des Kerns (2) in Verbindung mit einem die Steuereinrichtung (7, 31) ansteuernden Code
ausgebildet ist.
3. Elektronischer Sperrmechanismus nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassungseinrichtung (8, 23) ein bei der Drehung des Kerns (2) betätigbares
Potentiometer (11, 24) hat.
4. Elektronischer Sperrmechanismus nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Potentiometer (11, 24) der Erfassungseinrichtung (8, 23) eine bei einer Drehung
des Kerns verformende Piezofolie (12, 26) oder Folienpotentiometer hat.
5. Elektronischer Sperrmechanismus nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Kern (2) oder das Gehäuse (1) eine von der Piezofolie (12, 26) abgedeckte Nut
(13, 27) aufweist und dass in dem gegenüberstehenden Bauteil des Gehäuses (1) oder
des Kerns (2) ein Vorspannelement (10, 25) zur Verformung der Piezofolie (12, 26)
angeordnet ist.
6. Elektronischer Sperrmechanismus nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Vorspannelement (10, 25) beweglich gegen die Piezofolie (12, 26) oder das Folienpotentiometer
geführt ist.
7. Elektronischer Sperrmechanismus nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Vorspannelement (25) ein Federelement (30) zu seiner Vorspannung gegen die Piezofolie
(26) oder das Folienpotentiometer hat.
8. Elektronischer Sperrmechanismus nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Erfassungseinrichtung (8, 23) zur Aktivierung der Steuereinrichtung (5, 31) bei
einer Einführung eines Schlüssels oder einer anfänglichen Bewegung des Kerns (2) ausgebildet
ist.
9. Elektronischer Sperrmechanismus nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Vorspannelement (10) mit einem der Piezofolie (12) abgewandten Ende in einen
Schließkanal (9) des Kerns (2) hineinragt.
10. Elektronischer Sperrmechanismus nach einem der Ansprüche 5 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Vorspannelement (25) einer Rampe (22) eines im Kern (2) verschieblich angeordneten
Schiebers (18) gegenübersteht.