[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Tieftemperaturzerlegung von Luft gemäß dem
Oberbegriff des Patentanspruchs 1.
[0003] Bei einem derartigen Innenverdichtungsverfahren wird mindestens eines der Produkte
(zum Beispiel Stickstoff aus der Hochdrucksäule, Sauerstoff aus der Niederdrucksäule
eines Zwei-Säulen-Luftzerlegers) flüssig aus einer der Säulen des Destilliersäulen-Systems
oder aus einem mit einer dieser Säulen verbundenen Kondensator entnommen, in flüssigem
Zustand auf einen erhöhten Druck gebracht, in indirektem Wärmeaustausch mit Einsatzluft
im Hauptwärmetauscher verdampft beziehungsweise (bei überkritischem Druck) pseudo-verdampft
und schließlich als gasförmiges Druckprodukt gewonnen. Bei dem vorliegenden Verfahren
wird nicht nur ein Teil der Einsatzluft, sondern die Gesamtluft auf einen ersten Druck
verdichtet, der deutlich höher als der Betriebsdruck der Hochdrucksäule ist. Unter
"deutlich höher" wird hier ein Druckunterschied von mindestens 2 bar, vorzugsweise
mindestens 5 bar verstanden.
[0004] Das erfindungsgemäße Verfahren mit zwei Turbinen ähnelt grundsätzlich dem Prozess
mit einer Turbine, der in der älteren europäischen Patentanmeldung mit dem Aktenzeichen
10002439.7 beschrieben ist. Während jener besonders gut für reine Gasproduktion oder
für Prozesse mit nur geringfügiger Flüssigproduktion geeignet ist, eignet sich das
erfindungsgemäße Verfahren für Prozesse mit relativ hoher Kälteleistung von etwa 120
kW oder höher, die in der Regel bei relativ hohem Flüssigproduktanteil benötigt wird
(der Zahlenwert 120 kW bezieht sich auf die Turbinenleistung, die ins Warme abgegeben
wird). Die molare Gesamtmenge an flüssigem Endprodukt beträgt bei dem Verfahren beispielsweise
mehr als 10 % des gasförmigen Druckprodukts (in der Regel des gasförmigen Drucksauerstoffs)
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten Art
und eine entsprechende Vorrichtung anzugeben, die wirtschaftlich besonders günstig
zu betreiben sind.
[0006] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass das Massenstromverhältnis zwischen dem ersten
Luftstrom und dem zweiten Luftstrom zwischen 0,38 und 0,67 liegt und das Druckverhältnis
am Kaltverdichter 1,3 bis 2,3 beträgt. Hierdurch ergibt sich ein besonders effizientes
Verfahren. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform liegt das Massenstromverhältnis
zwischen dem ersten Luftstrom und dem zweiten Luftstrom zwischen 0,45 und 0,51 und/oder
das Druckverhältnis am Kaltverdichter beträgt 1,6 bis 1,8.
[0007] Beide Luftströme werden den bei dem erfindungsgemäßen Verfahren nach ihrer (Pseudo-)Verflüssigung)
beziehungsweise arbeitsleistenden Entspannung vorzugsweise in die Hochdrucksäule eingeleitet.
Alternativ dazu kann mindestens ein Teil des ersten und/oder des zweiten Luftstroms
in die Niederdrucksäule eingeleitet werden, insbesondere nach Durchströmen eines Abscheiders
zur Phasentrennung und gegebenenfalls nach Unterkühlung.
[0008] Der "Hauptwärmetauscher" kann aus einem oder mehreren parallel und/oder seriell verbundenen
Wärmetauscherabschnitten gebildet sein, zum Beispiel aus einem oder mehreren Plattenwärmetauscher-Blöcken.
[0009] Die beiden Entspannungsmaschinen werden vorzugsweise durch Expansionsturbinen gebildet.
Sie sind "parallel" geschaltet; das bedeutet in der vorliegenden Anmeldung, dass ihre
Eintritts- und Austrittsdrücke und Eintrittstemperaturen jeweils paarweise gleich
sind. Der Eintrittsdruck der arbeitsleistenden Entspannung ist "im Wesentlichen gleich"
dem ersten Druck, das heißt der zweite Luftstrom wird zwischen Hauptluftverdichter
und arbeitsleistender Entspannung keinem Nachverdichtungsschritt unterzogen; kleinere
Druckunterschiede, die durch den natürlichen Druckverlust beim Durchströmen der zwischengeschalteten
Apparate entstehen, sind dabei zugelassen.
[0010] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren ist der erste Druck, auf den die Gesamtluft verdichtet
wird, "deutlich höher" als der Betriebsdruck der Hochdrucksäule. Dies bedeutet hier,
dass die Druckdifferenz zwischen dem erstem Druck und dem Betriebsdruck der Hochdrucksäule
nicht nur dem natürlichen Druckabfall durch Leitungen, Wärmetauscher und andere Apparate
entspricht, sondern mindestens 1 bar, vorzugsweise mindestens 3 bar, höchst vorzugsweise
mindestens 5 bar beträgt. Die Druckdifferenz zwischen erstem Druck und Betriebsdruck
der Hochdrucksäule beträgt beispielsweise 5 bis 25 bar, vorzugsweise 7 bis 15 bar.
(Alle hier und im Folgenden angegeben Drücke sind Absolutdrücke.)
[0011] Beispielsweise wird das erfindungsgemäße Verfahren mit den folgenden Drücken gefahren:
- Erster Druck (stromabwärts des Hauptluftverdichters):
10 bis 25 bar, vorzugsweise 16 bis 20 bar
- Betriebsdruck der Hochdrucksäule:
4 bis 8 bar, vorzugsweise 5 bis 7 bar
- Zweiter Druck stromabwärts des warmen Nachverdichters
12 bis 31 bar, vorzugsweise 19 bis 25 bar
- Dritter Druck stromabwärts des Kaltverdichters
20 bis 52 bar, vorzugsweise 32 bis 42. bar
- Erhöhter Druck des Produktdruckstroms
6 bis 50 bar, vorzugsweise 25 bis 35 bar.
[0012] Beim Produktdruck ist grundsätzlich jedes Niveau möglich, insbesondere auch eine
Mehrzahl von Druckniveaus. Zum Beispiel kann flüssiger Sauerstoff in einer Innenverdichtungspumpe
auf 30 bar gebracht und vor dem Hauptwärmetauscher im Kalten in zwei Teilströmen aufgeteilt
werden, von denen einer auf einen niedrigeren Druck abgedrosselt wird, bevor er im
Hauptwärmetauscher verdampft und angewärmt wird. Alternativ oder zusätzlich können
ein oder mehrere flüssige Stickstoffströme im Hauptwärmetauscher (pseudo-)verdampft
werden.
[0013] Wenn die Drücke des Druckproduktstroms und des ersten Luftstroms unterkritisch sind,
werden diese im Hauptwärmetauscher verdampft oder verflüssigt. Bei überkritischem
Druck findet kein echter Phasenübergang statt, dann wird der entsprechende Strom pseudo-verdampft
beziehungsweise pseudo-verflüssigt.
[0014] Es ist günstig, wenn der gesamte kaltverdichtete zweite Luftstrom im Hauptwärmetauscher
(pseudo-)verflüssigt wird. Dadurch wird die gesamte Druckerhöhung, die durch den Kaltverdichter
bewirkt wird auf denjenigen Luftteil konzentriert, der zur (Pseudo-)Verdampfung des
flüssigen Produktstroms eingesetzt wird. Somit kann der erste Druck entsprechend niedriger
gewählt und Energie gespart werden.
[0015] Vorzugsweise wird die gesamte in den Hauptwärmetauscher eingeführte verdichtete Einsatzluft
auf den ersten und den zweiten Luftstrom aufgeteilt. Es gibt also keinen dritten Luftstrom,
sondern die gesamte Einsatzluft wird entweder unter dem dritten Druck (pseudo-)verflüssigt
(erster Luftstrom) oder unter dem ersten Druck der arbeitsleistenden Entspannung zugeführt
(zweiter Luftstrom). Ein kleinerer Teil der auf den ersten, zweiten oder dritten Druck
verdichteten Luft kann stromaufwärts des Hauptwärmetauschers als Instrumentenluft
abgezweigt werden.
[0016] Vorzugsweise ist eine der beiden Entspannungsmaschinen mechanisch mit dem warmen
Nachverdichter gekoppelt und die andere der beiden Entspannungsmaschinen mechanisch
mit dem Kaltverdichter gekoppelt. Dadurch können einerseits beide Nachverdichter angetrieben
werden, ohne dass externe Energie eingesetzt werden muss; andererseits wird dem Prozess
Wärme entzogen durch die Übertragung der mechanischen Energie aus der arbeitsleistenden
Entspannung auf den warmen Nachverdichter. Durch die mit dem Kaltverdichter gekoppelte
Entspannungsmaschinen strömen beispielsweise zwischen 40 und 60 %, vorzugsweise 46
bis 54 % des zweiten Luftstroms, der Rest des zweiten Luftstroms wird in die mit dem
warmen Nachverdichter gekoppelte Entspannungsmaschine.
[0017] Der Austrittsdruck der arbeitsleistenden Entspannung ist vorzugsweise etwa gleich
dem Betriebsdruck der Hochdrucksäule. "Etwa gleich" schließt geringe Druckdifferenzen
in der Größenordnung des natürlichen Druckabfalls zwischen dem Austrittsdruck der
arbeitsleistenden Entspannung und dem Betriebsdruck der Hochdrucksäule ein.
[0018] Vorzugsweise liegt die Gesamtmenge an flüssig erzeugten Produkten zwischen 0,05 %
und 2,0 % der Einsatzluftmenge, insbesondere zwischen 0,1 % und 1,0 % der Einsatzluftmenge.
Unter "Gesamtmenge an flüssig erzeugten Produkten" wird hier die molare Menge an Flüssigprodukten
wie Flüssigsauerstoff, Flüssigstickstoff und gegebenenfalls Flüssigargon verstanden,
die in dem Prozess als Endprodukt gewonnen werden.
[0019] Die Erfindung betrifft außerdem eine Vorrichtung zur Tieftemperaturzerlegung von
Luft gemäß den Patentansprüchen 7 bis 9.
[0020] Die Erfindung sowie weitere Einzelheiten der Erfindung werden im Folgenden anhand
eines in der Zeichnung schematisch dargestellten ersten Ausführungsbeispiels näher
erläutert.
[0021] Atmosphärische Luft wird als Einsatzluft über Leitung 1 von einem Hauptluftverdichter
2 angesaugt, dort auf einen "ersten Druck" von 10 bis 30 bar, vorzugsweise etwa 19
bar gebracht, in einer Vorkühlung 3 auf etwa Umgebungstemperatur abgekühlt und einer
adsorptiven Luftreinigung 4 zugeführt. Der gereinigte Hauptluftstrom 5 wird bei 6
in einen ersten Luftstrom 7 und einen zweiten Luftstrom 8 verzweigt.
[0022] Der erste Luftstrom 7 wird in einem Booster-Wärmetauscher 9 auf etwa Kühlwassertemperatur
angewärmt und in einem im Warmen betriebenen Nachverdichter 10 weiter auf einen "zweiten
Druck" von 15 bis 60 bar, vorzugsweise etwa 25 bar verdichtet. Anschließend wird die
Verdichtungswärme mindestens teilweise in einem ersten Nachkühler 11 entfernt. (Alternativ
kann der Booster-Wäremtauscher 9 auch weggelassen werden; in diesem Fall tritt der
erste Luftstrom unter der Austrittstemperatur der Luftreinigung 4 in den warmen Nachverdichter
10 ein.)
[0023] Der Luftstrom 12b, 12c wird anschließend in den Hauptwärmetauscher 16 eingeführt
und bei einer "ersten Zwischentemperatur" von 120 bis 180 K, vorzugsweise etwa 48
K wieder aus dem Hauptwärmetauscher 16 entnommen (12c) und in einem Kaltverdichter
weiter auf einen "dritten Druck" von 22 bis 90 bar, vorzugsweise etwa 40 bar verdichtet.
Stromabwärts der Kaltverdichtung 113 wird der zweite Luftstrom 115 bei einer "zweiten
Zwischentemperatur" von 140 bis 220 K, vorzugsweise etwa 180 K wieder in den Hauptwärmetauscher
16 eingeführt und wird dort abgekühlt und verflüssigt, beziehungsweise (bei überkritischem
Druck) pseudo-verflüssigt. Der kalte erste Luftstrom 17 wird auf einen Druck von 4
bis 10 bar, vorzugsweise etwa 6 bar entspannt (in dem Beispiel in einem Drosselventil
18) und unter diesem Druck in mindestens teilweise flüssigem Zustand über Leitung
19 in die Hochdrucksäule 21 eines Destilliersäulen-System zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung
20 eingeleitet, das außerdem eine Niederdrucksäule 22, einen nicht dargestellten Kondensator-Verdampfer
und einen Unterkühlungs-Gegenströmer 23 aufweist.
[0024] Nicht nachverdichtet wird der zweite Luftstrom 8. Er wird unter dem ersten Druck
in den Hauptwärmetauscher 16 eingeleitet und dort auf eine "dritte Zwischentemperatur"
von 125 bis 200 K, vorzugsweise etwa 140 K abgekühlt.
[0025] Der zweite Luftstrom wird bei dieser Zwischentemperatur in zwei Teilströme 24, 27
verzweigt und der arbeitsleistenden Entspannung in zwei parallel geschalteten Turbinen
25, 28 unterworfen, die beide auf etwa den Betriebsdruck der Hochdrucksäule 21 entspannen.
Die beiden entspannten Teilströme 26, 29 werden wieder vereinigt und über Leitung
30 im Wesentlichen im Gaszustand in die Hochdrucksäule 21 eingeleitet.
[0026] Die "erste Zwischentemperatur" (Eintrittstemperatur des Kaltverdichters 113) kann
kleiner oder gleich der "dritten Zwischentemperatur" (Eintrittstemperatur der Turbinen
25, 28) sein, vorzugsweise ist sie - entgegen der Darstellung in der Zeichnung - höher.
Die "zweite Zwischentemperatur" (Austrittstemperatur des Kaltverdichters 113) ist
höher als die Turbinen-Eintrittstemperatur.
[0027] Aus der Niederdrucksäule 22 des Destilliersäulen-Systems zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung
20 wird direkt oder über einen Flüssigtank Sauerstoff 31 als "flüssiger Produktstrom"
abgezogen, durch eine Pumpe 32 in flüssigem Zustand auf einen erhöhten Druck von 4
bis 70 bar, vorzugsweise etwa 40 bar gebracht. Unter diesem erhöhten Druck wird der
flüssige beziehungsweise überkritische Sauerstoff 33 in dem Hauptwärmetauscher 16
durch indirekten Wärmeaustausch mit dem ersten Luftstrom verdampft beziehungsweise
pseudo-verdampft und auf etwa Umgebungstemperatur angewärmt. Der Sauerstoff wird schließlich
als gasförmiger Produktstrom 34 abgegeben. Aus dem Destilliersäulen-System zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung
20 können ein oder mehrere weitere Produkt- oder Restströme 35 über den Hauptwärmetauscher
abgezogen werden. Zusätzlich oder alternativ zu der in den Zeichnungen dargestellten
Innenverdichtung von Sauerstoff kann auch Stickstoff, beispielsweise aus dem Hauptkondensator
oder aus der Hochdrucksäule des Destilliersäulen-Systems zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung
20 auf analoge Weise innenverdichtet werden.
[0028] In dem Ausführungsbeispiel sind die erste Turbine 25 und der warme Nachverdichter
10 sowie die zweite Turbine 28 und der Kaltverdichter 113 über jeweils eine gemeinsame
Welle paarweise mechanisch gekoppelt.
[0029] Der Booster-Wärmetauscher 9 und der Nachkühler stromabwärts des warmen Nachverdichters
10 sind optional. Sie können einzeln oder insgesamt weggelassen werden.
[0030] Abweichend von dem Ausführungsbeispiel kann der zweite Luftstrom stromaufwärts des
kalten Nachverdichters 113 auch bis zum kalten Ende des Hauptwärmetauschers 16 geführt
und dabei mindestens teilweise verflüssigt werden: Er wird dann anschließend leicht
abgedrosselt, wieder in das kalte Ende des Hauptwärmetauschers eingeführt, wieder
verdampft und schließlich bis zur Eintrittstemperatur des Verdichters 113 angewärmt,
wie es beispielsweise in
EP 1067345 B1 im Einzelnen erläutert ist.
[0031] Aufgrund des hohen Drucks sind hier alle folgenden Variationen für die Vorkühlung
der Luft aus dem Luftverdichter 3 sinnvoll:
1. Luftverdichter mit Nachkühler, anschließend Wasserabscheider danach direkt zur
Reinigungsvorrichtung.
2. Luftverdichter mit Nachkühler, anschließend weiterer indirekter Kaltwassernachkühler,
der mit Kaltwasser aus einem Verdunstungskühler betrieben wird.
3. Luftverdichter ohne Nachkühler, aber mit Direktkontaktkühler (wie in der Zeichnung
dargestellt), wobei der Direktkontaktkühler vorzugsweise mit einer Kühlwasseranwärmung
von mehr als 10°C betrieben wird.
4. Wie Variante 3 mit zusätzlichem Verdunstungskühler für die Erzeugung von Kaltwasser
für den Direktkontaktkühler.
5. Zusätzlich kann bei allen Varianten eine Kälteanlage zur Vorkühlung der Einsatzluft
eingesetzt werden.
1. Verfahren zur Tieftemperaturzerlegung von Luft in einem Destilliersäulen-System (20)
zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung, das eine Hochdrucksäule (21) und eine Niederdrucksäule
(22) aufweist, bei dem
- Einsatzluft (1) in einem Hauptluftverdichter (2) auf einen ersten Druck verdichtet
wird, der deutlich höher als der Betriebsdruck der Hochdrucksäule (21) ist,
- die verdichtete Einsatzluft (5) in einen ersten und einen zweiten Luftstrom (7,
8) aufgeteilt und in einem Hauptwärmetauscher (16) gegen Rückströme (34, 35) abgekühlt
wird,
- der erste Luftstrom (7) stromaufwärts der Einleitung in den Hauptwärmetauscher (16)
in einem warmen Nachverdichter (10) auf einen zweiten Druck nachverdichtet wird, der
höher als der erste Druck ist,
- der erste Luftstrom nach teilweiser Abkühlung im Hauptwärmetauscher (16) bei einer
ersten Zwischentemperatur aus dem Hauptwärmetauscher (16) entnommen (12c) und in einem
Kaltverdichter (113) auf einen dritten Druck nachverdichtet wird, der höher als der
zweite Druck ist,
- der kaltverdichtete erste Luftstrom (115) bei einer zweiten Zwischentemperatur,
die höher als die erste Zwischentemperatur ist, dem Hauptwärmetauscher (16) wieder
zugeführt und im Hauptwärmetauscher (16) weiter abgekühlt und verflüssigt oder pseudo-verflüssigt
wird,
- der (pseudo-)verflüssigte erste Luftstrom (17) in das Destilliersäulen-System zur
Stickstoff-Sauerstoff-Trennung eingeleitet wird,
- der zweite Luftstrom (8) in dem Hauptwärmetauscher (16) auf eine dritte Zwischentemperatur
abgekühlt, unter der dritten Zwischentemperatur aus dem Hauptwärmetauscher (16) entnommen
(24, 27) und anschließend arbeitsleistend entspannt (25, 28) wird,
- der arbeitsleistend entspannte zweite Luftstrom (30) ebenfalls in das Destilliersäulen-System
zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung eingeleitet wird,
- ein flüssiger Produktstrom (31) aus dem Destilliersäulen-System entnommen, in flüssigem
Zustand auf einen erhöhten Druck gebracht (32) und unter diesem erhöhten Druck im
Hauptwärmetauscher (16) verdampft oder pseudo-verdampft und schließlich als gasförmiger
Druckproduktstrom (34) abgezogen wird und
- die arbeitsleistende Entspannung des zweiten Luftstroms in zwei parallel geschalteten
Entspannungsmaschinen (25, 28) durchgeführt wird,
- wobei der Eintrittsdruck der arbeitsleistenden Entspannung (25, 28) im Wesentlichen
gleich dem ersten Druck ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
- das Massenstromverhältnis zwischen dem ersten Luftstrom (7) und dem zweiten Luftstrom
(8) zwischen 0,38 und 0,67 liegt und
- das Druckverhältnis am Kaltverdichter (113) 1,3 bis 2,3 beträgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der gesamte kaltverdichtete zweite Luftstrom (115) im Hauptwärmetauscher (16) (pseudo-)verflüssigt
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die gesamte in den Hauptwärmetauscher (16) eingeführte verdichtete Einsatzluft auf
den ersten und den zweiten Luftstrom (7, 8) aufgeteilt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass eine der beiden Entspannungsmaschinen (25) mechanisch mit dem warmen Nachverdichter
(10) und die andere der beiden Entspannungsmaschinen (28) mechanisch mit dem Kaltverdichter
(113) gekoppelt ist.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass Austrittsdruck der arbeitsleistenden Entspannung (25, 28) etwa gleich dem Betriebsdruck
der Hochdrucksäule (21) ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Gesamtmenge an flüssig erzeugten Produkten zwischen 0,05 % und 2,0 % der Einsatzluftmenge,
insbesondere zwischen 0,1 % und 1,0 % der Einsatzluftmenge liegt.
7. Vorrichtung zur Tieftemperaturzerlegung von Luft
- mit einem Destilliersäulen-System (20) zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung, das eine
Hochdrucksäule (21) und eine Niederdrucksäule (22) aufweist,
- mit einem Hauptluftverdichter (2) zum Verdichten von Einsatzluft (1) auf einen ersten
Druck, der deutlich höher als der Betriebsdruck der Hochdrucksäule (21) ist,
- mit Mitteln zum Aufteilen der verdichteten Einsatzluft (8) in einen ersten und einen
zweiten Luftstrom (7, 8),
- mit Mitteln zum Zuführen des ersten und des zweiten Luftstroms in einen Hauptwärmetauscher
(16) zur Abkühlung gegen Rückströme (34, 35),
- mit einem warmen Nachverdichter (10) zum Nachverdichten des ersten Luftstroms (7),
stromaufwärts der Einleitung in den Hauptwärmetauscher (16) auf einen zweiten Druck,
der höher als der erste Druck ist,
- mit Mitteln zum Entnehmen (12c) des ersten Luftstroms nach teilweiser Abkühlung
auf eine erste Zwischentemperatur aus dem Hauptwärmetauscher (16),
- mit einem Kaltverdichter (113) zum Nachverdichten des entnommenen ersten Luftstroms
auf einen dritten Druck,
- mit Mitteln zum Zuführen des kaltverdichteten ersten Luftstroms (115) zum Hauptwärmetauscher
(16) bei einer zweiten Zwischentemperatur, die höher als die erste Zwischentemperatur
ist, zwecks dessen weiteren Abkühlung und Verflüssigung beziehungsweise Pseudo-Verflüssigung
im Hauptwärmetauscher (16),
- mit Mitteln zum Einleiten des (pseudo-)verflüssigten ersten Luftstroms (15) in das
Destilliersäulen-System zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung,
- mit Mitteln zum Entnehmen (24, 27) des zweiten Luftstroms nach teilweiser Abkühlung
auf eine dritte Zwischentemperatur aus dem Hauptwärmetauscher (16),
- mit Mitteln zur arbeitsleistenden Entspannung (25, 28) des entnommenen zweiten Luftstroms
(24, 27) von dem ersten Druck aus,
- mit Mitteln zum Einleiten des arbeitsleistend entspannten zweiten Luftstroms (30)
in das Destilliersäulen-System zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung,
- mit Mitteln zum Entnehmen eines flüssigen Produktstroms (31) aus dem Destilliersäulen-System,
- mit Mitteln (32) zur Druckerhöhung auf einen erhöhten Druck des flüssigen Produktstroms
(31),
- mit Mitteln zum Einleiten des flüssigen Produktstroms unter diesem erhöhten Druck
in den Hauptwärmetauscher (16) zwecks Verdampfen oder Pseudo-Verdampfen und
- mit Mitteln zum Abziehen des (pseudo-)verdampften Produktstroms als gasförmigem
Druckproduktstrom (34),
- mit Mitteln zum Übertragen eines ersten Teils der bei der arbeitsleistenden Entspannung
(21) erzeugten mechanischen Energie auf den Kaltverdichter (13),
- wobei die Mittel zur arbeitsleistenden Entspannung als zwei parallel geschaltete
Entspannungsmaschinen (25, 28) ausgestaltet sind,
gekennzeichnet durch Regelungsmittel, die
- das Massenstromverhältnis zwischen dem ersten Luftstrom (7) und dem zweiten Luftstrom
(8) im Normalbetrieb der Anlage so einstellen, dass es zwischen zwischen 0,38 und
0,67 liegt, und
- das Druckverhältnis am Kaltverdichter (113) im Normalbetrieb der Anlage so einstellen,
dass es 1,3 bis 2,3 beträgt.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Mittel zum Zuführen des kaltverdichteten ersten Luftstroms (12b) zum Hauptwärmetauscher
(16) so ausgebildet sind, dass beim Betrieb der Vorrichtung der gesamte kaltverdichtete
zweite Luftstrom (12c) im Hauptwärmetauscher (16) (pseudo-)verflüssigt wird.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass alle Mittel zur Führung von Einsatzluft so ausgebildet sind, dass beim Betrieb der
Vorrichtung die gesamte in den Hauptwärmetauscher (16) eingeführte verdichtete Einsatzluft
(5) auf den ersten und den zweiten Luftstrom (7, 8) aufgeteilt wird.