(19)
(11) EP 1 712 678 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
24.10.2012  Patentblatt  2012/43

(21) Anmeldenummer: 06110544.1

(22) Anmeldetag:  01.03.2006
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
D21H 23/48(2006.01)
D21H 21/52(2006.01)
D21H 19/38(2006.01)

(54)

Auftragsverfahren

Coating process

Procédé d'enduction


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IS IT LI LT LU LV MC NL PL PT RO SE SI SK TR

(30) Priorität: 16.04.2005 DE 102005017547

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
18.10.2006  Patentblatt  2006/42

(73) Patentinhaber: Voith Patent GmbH
89522 Heidenheim (DE)

(72) Erfinder:
  • Tietz, Martin
    89520 Heidenheim (DE)
  • Fröhlich, Uwe
    89231 Neu-Ulm (DE)

(74) Vertreter: Kunze, Klaus et al
Voith Paper Holding GmbH & Co. KG Abteilung zjp Sankt Poeltener Strasse 43
89522 Heidenheim
89522 Heidenheim (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
EP-A1- 1 516 959
DE-A1- 19 716 647
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Auftragen eines flüssigen bis pastösen Auftragsmediums, insbesondere einer wässrigen Pigmentsuspension auf wenigstens eine Seite einer laufenden Papier- oder Kartonbahn bei der Herstellung von tiefdruckfähigem Papier oder Karton.

    [0002] Bei der Herstellung von tiefdruckfähigem Papier, insbesondere LWC- (light weight coated, d.h. leichtgewichtig gestrichenes) Papier oder Karton (z.B. Magazinpapier) erfolgte die Beschichtung bisher mit Blade-Coatern. Diese Coater arbeiten mit einem Rakelelement (blade), mit welchem die im Überschuss aufgebrachte Auftragsmediumsschicht, auf das gewünschte Strichgewicht gebracht, dabei vergleichmäßigt und bereits etwas geglättet wird. Diese Coater haben insbesondere bei höheren Maschinen- und Bahngeschwindigkeiten einen begrenzten Laufwirkungsgrad (runnability).

    [0003] Bei Verwendung einer Filmpresse, wo die zu beschichtende Bahn zwischen zwei miteinander einen Pressspalt (Nip) bildende Walzen geführt wird und im Nip das zuvor auf die Oberfläche der Walzen aufgebrachte Auftragsmedium an eine oder beide Seiten der Papier- oder Kartonbahn abgegeben wird, ist zwar der Laufwirkungsgrad besser, aber man erzielt eine weniger gute Glätte beim Abzug der beschichteten Bahn aus dem Nip der Filmpresse.

    [0004] Die Verwendung eines Vorhang- Auftragswerkes für das Auftragen von Streichfarbe mit hohem Feststoffgehalt geht aus der EP 1 516 959 A1 hervor.

    [0005] Aus der DE 197 16 647 A1 ist eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Auftragen einer Pigmentstreichfarbe entnehmbar, die mit einer oberhalb der Bahn sich quer zur Bahnlaufrichtung erstreckenden Schlitzdüse in einem frei fallenden Vorhang aufgebracht wird.

    [0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren anzugeben, mit der eine tiefdruckfähige Papier- oder Kartonbahn von verbesserter Glätte bei ebenfalls verbessertem Laufwirkungsgrad herstellbar ist.

    [0007] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass die Beschichtung bzw. das Auftragen des Auftragsmediums mit Hilfe eines Vorhang-Auftragswerkes durchgeführt wird, wobei ein Auftragsmedium (4) mit plättchenförmigen Pigmenten mit einem Aspect Ratio von 15-60 verwendet wird.

    [0008] Unter "Aspect Ratio" versteht man das Verhältnis zwischen abgedeckter Fläche bzw. Durchmesser der plättchenförmigen Pigmente des Auftragsmediums zu ihrer Dicke in µm.

    [0009] Die Pigmentplättchen (z.B. vorwiegend Kaolin oder Talkum) ergeben bei einem Verhältnis zwischen 5 - 80, vorzugsweise zwischen 15-60 eine dachziegelartige und damit hohe Glätte der beschichteten Oberfläche.

    [0010] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren wird dies erstmalig erreicht.

    [0011] Das erfindungsgemäße Verfahren ist deshalb so vorteilhaft, weil wie schon erwähnt, plättchenförmige Pigmente im Auftragsmedium enthalten sind. Diese verbessern den Glättungseffekt.

    [0012] Als plättchenförmige Pigmente für Tiefdruckpapier und -Karton kommt vorwiegend Kaolin, aber auch Talkum zum Einsatz.

    [0013] Bei dem Vorhang- Auftragswerk (auch als Curtain Coater bezeichnet) wird das Auftragsmedium als sich im Wesentlichen schwerkraftbedingt bewegenden, frei fallenden Vorhang kontaktlos an die laufende Papier- oder Kartonbahn abgegeben.

    [0014] Die Erfinder haben erkannt, dass der vom Vorhang-Auftragswerk abgegebene Vorhang gestreckt wird und zwar um einen Faktor zwischen 5 und 20. Mit der Streckung werden die im Auftragsmedium enthaltenen plättchenförmigen Pigmente ausgerichtet, wobei sie sich beim Auftreffen auf die laufende Papier- oder Kartonbahn dabei stark an die Bahnoberfläche orientieren.

    [0015] Dieses Phänomen ist ideal für eine Satinage in einem nachfolgenden Kalander und für die Bedruckbarkeit mittels Tiefdruckverfahren.
    Die Erfindung ist daher sehr geeignet für die Herstellung von LWC (light weight coated) - Papier oder Karton.

    [0016] Ein weiterer Vorteil der Anwendung des Vorhang-Streichens für eine tiefdruckfähige Papier- oder Kartonbahn ist, dass dabei keine Dosierung des Auftragsmediums mehr erforderlich ist. Der Auftrag des Mediums erfolgt von vornherein schon in der richtigen Menge und auch in ausreichender Gleichmäßigkeit über die Beschichtungsbreite hinweg. Das bedeutet, dass nicht im Überschuss aufgetragen werden muss. Es wird nur soviel Medium aufgetragen, wie auch auf der Papier- oder Kartonbahn verbleiben soll.
    Damit wird Pumpenergie bei der Zufuhr des Auftragsmediums und der gesamte Aufwand im Zusammenhang mit einer gemäß Stand der Technik notwendigen Überschussabfuhr eingespart.

    [0017] Die Runnability (d.h. Laufwirkungsgrad)wird ebenfalls durch Anwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens stark verbessert. Am Auftragswerk wird wegen des kontaktlos erfolgenden Auftragens (ohne Anwendung eines Rakelelementes) die Bahn weniger beansprucht und Bahnabrisse daher vermieden.

    [0018] Außerdem treten dadurch die bei einem Blade als Rakelelement befürchteten Nachteile des sogenannten "Überkochens" oder zu hohem Blade-Druck, wenn a) der Feststoffgehalt des Auftragsmediums zu hoch ist oder b) das sogenannte "Aspect Ratio" zu hoch ist, nicht auf.

    [0019] Die Erfindung schlägt außerdem vor, dass im Anschluss an das Beschichten mit dem plättchenförmige Pigmente enthaltenen Auftragsmedium ein Kalandrieren der Papierbahn erfolgt und/oder weitere Beschichtungsvorgänge vorgenommen werden.

    [0020] In bestimmten Fällen kann es zweckmäßig sein, wenn vor der Beschichtung mit dem plättchenförmigen Pigmente enthaltenen Auftragsmedium die Papier- oder Kartonbahn auch vorgeglättet wird, weil dadurch sich der Vorhang auf eine schon relativ glatte Bahn auflegen kann und daher ein noch glatteres Endprodukt erreichbar ist.

    [0021] Nachfolgend soll die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispieles näher erläutert werden.

    [0022] Es zeigt die Figur 1 in grobschematischer Darstellung das Prinzip des erfindungsgemäßen Verfahrens.

    [0023] In Figur 1 ist gezeigt, wie die im Auftragsmedium, bzw. der Pigmentsuspension enthaltenen plättchenförmigen Pigmente mit Hilfe eines Vorhang- Auftragswerkes aufgebracht werden.

    [0024] Das Vorhang-Auftragswerk 1 besteht aus einem Auftragskopf 2, der im Inneren eine Mediums-Verteilkammer 3 enthält, von der das Auftragsmedium 4, d.h. eine wässrige Pigmentsuspension durch eine Abgabedüse 5 in Richtung auf die darunter in Laufrichtung L laufende Papier- oder Kartonbahn 6 abgegeben wird.
    Die im Auftragsmedium 4 enthaltenen plättchenförmigen Pigmente sind mit 4.1. bezeichnet und in Form von kurzen Strichen dargestellt. Man erkennt, dass die Pigmente 4.1 in der Verteilkammer 3 und im fallenden Vorhang 7 noch ungeordnet sind. Der abgegebene Vorhang 7 streckt sich im Verlauf seines Fallweges w und beim Auftreffen auf die laufende Bahn 6, ca. um einen Faktor zwischen 5 und 20. Dadurch orientieren sich die plättchenförmigen Pigmente 4.1 und legen sich auch so orientiert, was mit waagerechten Strichen 4.2 angedeutet sein soll, auf der Papier- oder Kartonbahnoberfläche ab. Eine nachfolgende, nicht dargestellte Satinage oder noch nachfolgende Beschichtungen sind dann einfacher zu bewerkstelligen und die Bedruckbarkeit wird so verbessert.

    [0025] Insgesamt kann mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ein solches Papier oder ein solcher Karton hergestellt werden, welches bzw. welcher sich später hervorragend im Tiefdruckverfahren bedrucken lässt.


    Ansprüche

    1. Verfahren zum Auftragen eines flüssige bis pastöse Auftragsmediums (4), insbesondere einer wässrigen Pigmentsuspension auf wenigstens eine Seite einer laufenden Papier- oder Kartonbahn (6) bei der Herstellung von tiefdruckfähigem Papier oder Karton, wobei
    das Auftragen des Auftragsmediums (4) mit Hilfe eines Vorhang-Auftragswerkes (1), welches das Auftragsmedium als sich im Wesentlichen schwerkraftbedingt bewegenden, frei fallenden Vorhang an die laufende Papier- oder Kartonbahn (6) abgibt, ohne Anwendung eines Rakelelementes erfolgt,
    dadurch gekennzeichnet, dass
    ein Auftragsmedium (4) verwendet wird, welches plättchenförmige Pigmente mit einem Aspect Ratio von 15 - 60 enthält.
     
    2. Verfahren nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet, dass
    als plättchenförmige Pigmente (4.1) Kaolin- oder Talkum- oder Kaolin- und Talkumpläftchen gemeinsam verwendet werden.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
    dadurch gekennzeichnet, dass
    im Anschluss an das Auftragen des plättchenförmige Pigmente (4.1) enthaltenen Auftragsmediums (4) ein Kalandrieren der Papier- oder Kartonbahn (6) erfolgt und/oder weitere Beschichtungsvorgänge vorgenommen werden.
     
    4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3,
    dadurch gekenntzeichnet, dass
    vor dem Auftragen des plättchenförmige Pigmente (41) enthaltenen Auftragsmediums (4) die Papier- oder Kartonbahn (6) vorgeglättet wird.
     


    Claims

    1. Method for applying a liquid to pasty application medium (4), in particular an aqueous pigment suspension to at least one side of a running paper or cardboard web (6) during the production of paper or cardboard which can be gravure printed, the application of the application medium (4) taking place with the aid of a curtain applicator (1) which outputs the application medium to the running paper or cardboard web as a free-falling curtain which moves in a manner which is induced substantially by gravity, without the use of a doctor element, characterized in that an application medium (4) is used which contains flaky pigments with an aspect ratio of from 15 to 60.
     
    2. Method according to Claim 1, characterized in that kaolin flakes or talc flakes or kaolin and talc flakes together are used as flaky pigments (4.1).
     
    3. Method according to Claim 1 or 2, characterized in that, following the application of the application medium (4) which contains flaky pigments (4.1), calendering of the paper or cardboard web (6) takes place and/or further coating operations are performed.
     
    4. Method according to Claims 1 to 3, characterized in that the paper or cardboard web (6) is presmoothed before the application of the application medium (4) which contains flaky pigments (4.1).
     


    Revendications

    1. Procédé d'enduction d'un milieu d'enduction fluide à pâteux (4), en particulier d'une suspension de pigment aqueuse, sur au moins un côté d'une bande de papier ou de carton en mouvement (6) lors de la fabrication de papier ou de carton à héliogravure, l'enduction du milieu d'enduction (4) s'effectuant à l'aide d'un dispositif d'enduction en rideau (1), qui délivre le milieu d'enduction sous la forme d'un rideau tombant librement, se déplaçant essentiellement sous l'effet de la force de pesanteur, sur la bande de papier ou de carton (6) en mouvement, sans l'utilisation d'un élément de raclage,
    caractérisé en ce que
    l'on utilise un milieu d'enduction (4) qui contient des pigments en forme de paillettes avec un rapport de forme de 15-60.
     
    2. Procédé selon la revendication 1,
    caractérisé en ce que
    l'on utilise comme pigments en forme de paillettes (4.1) des paillettes de kaolin, ou de talc, ou d'une combinaison de kaolin et de talc.
     
    3. Procédé selon la revendication 1 ou 2,
    caractérisé en ce que
    suite à l'enduction du milieu d'enduction (4) contenant des pigments en forme de paillettes (4.1), on effectue un calandrage de la bande de papier ou de carton (6) et/ou d'autres opérations de revêtement.
     
    4. Procédé selon les revendications 1 à 3,
    caractérisé en ce que
    avant l'enduction du milieu d'enduction (4) contenant des pigments en forme de paillettes (4.1), la bande de papier ou de carton (6) est préalablement lissée.
     




    Zeichnung








    Angeführte Verweise

    IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



    Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes. Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

    In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente