[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Türgriffanordnung mit einer Handhabe zur
mittelbaren Betätigung eines Türschlosses, die wenigstens einen in die Tür eingreifenden
Lagerarm aufweist.
[0002] Derartige Türgriffanordnungen werden insbesondere im Fahrzeugbau zur Betätigung der
Schlösser von Türen oder Klappen verwendet. Dazu wird die Handhabe von einem Nutzer
umgriffen und aus einer Ausgangsstellung in eine Gebrauchsstellung verbracht, wodurch
das Türschloss, beispielsweise über einen Betätigungszug, betätigt wird und in Abhängigkeit
vom Schließzustand die Tür oder Klappe gegenüber dessen Rahmen entriegelt.
[0003] Derartige Türgriffanordnungen sind beispielsweise aus der
JP 8120980 A2 oder
DE 2237998 A1 bekannt. Die gattungsbildende
EP 1 580 353 A1 offenbart eine Betätigungseinrichtung für ein Kraftfahrzeug-Türschloss; mit einem
Türschloss-Betätiger, einer Griffplatte, einem die Griffplatte mit wenigstens einem
Lagerarm durchgreifenden Handgriff, welcher Lagerarm an einer Rückseite der Griffplatte
mit einem Lagerblock über eine parallel zur Längsachse des Handgriffs verlaufenden
Steckachse schwenkbar angebunden ist. Dadurch lässt sich der Türgriff in einer Art
Parallelverschiebung unter Beschreibung einer Schwenkbewegung von der Tür abziehen.
Die Schwenkbewegung zeigt sich jedoch nachteilig in Bezug auf die Bedienbarkeit, da
der Nutzer die Kurvenbewegung des Handgriffs ständig ausgleichen muss. Besonders bei
hohen Fahrzeugen oder bei Betätigung durch Kinder ergeben sich hierbei Komforteinbußen.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher eine Türgriffanordnung der eingangs
genannten Art bereitzustellen, die eine komfortable Bedienung und möglichst spielfreie
Führung der Handhabe erlaubt.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0006] Ein Fahrzeug mit einer erfindungsgemäßen Türgriffanordnung wird in Patentanspruch
10 beansprucht.
[0007] Türgriffanordnung mit einer Handhabe zur mittelbaren Betätigung eines Türschlosses,
die wenigstens einen in die Tür eingreifenden Lagerarm aufweist, wobei der Lagerarm
von einem ersten Schwenkhebel, der um eine erste Drehachse schwenkbar ist, und einem
zweiten Schwenkhebel, der um eine zweite Drehachse schwenkbar ist, gelagert wird und
wobei die Schwenkhebel an voneinander beabstandeten Angriffspunkten drehbeweglich
an dem Lagerarm angreifen.
[0008] Indem zwei Schwenkhebel mit inkongruenten Drehachsen an dem wenigstens einem Lagerarm
mit voneinander beabstandeten Angriffspunkten drehbeweglich angreifen, ergibt sich
ein Viergelenk, durch das die Handhabe zwangsgeführt wird. Durch geeignete Auslegung
der Schwenkhebel lassen sich der Handhabe verschiedene Bewegungsabläufe auferlegen,
wobei vorzugsweise nur geringe Schwenkanteile vorhanden sein sollten. Damit kann eine
sehr komfortable Bedienung der Handhabe gewährleistet werden, da diese nahezu geradlinig
relativ zur Tür bewegt werden kann. Unter Türen sollen vorliegend alle Elemente zum
Öffnen bzw. Verschließen von Durchgängen, unabhängig von deren Ausrichtung der Schwenkachse
im Raum, verstanden werden. Insbesondere zählen hierzu Klappen und Türen. Die Handhabe
kann von einem Nutzer zumindest teilweise umgriffen werden, wodurch diese vorzugsweise
mit einer Zugbewegung aus einer Ausgangsstellung in eine Gebrauchsstellung verbringbar
ist. Spätestens in der Gebrauchsstellung ist ein mittelbar daran angeschlossenes Türschloss
in Abhängigkeit von dessen Schließzustand betätigbar. Die Handhabe ist durch geeignete
Mittel selbsttätig in die Ausgangsstellung rückstellend ausgebildet.
[0009] In einer bevorzugten Ausführung sind die Drehachsen auf unterschiedlichen Seiten
einer Geraden durch die Angriffspunkte angeordnet. Die daraus resultierende Anordnung
der Schwenkhebel ermöglicht eine besonders vorteilhafte Kinematik der Türgriffanordnung,
indem beginnend von der Ausgangsstellung eine geradlinige Bewegung erfolgt, die in
Richtung der Gebrauchsstellung in eine leichte Schwenkbewegung übergeht. Besonders
bevorzugt verlaufen die Drehachsen der Schwenkhebel parallel zur Längserstreckung
der Handhabe.
[0010] In einer bevorzugten Ausführung weist die Handhabe zwei endständig angeordnete Lagerarme
auf, die von den Schwenkhebeln gelagert werden. Indem an den äußeren Enden der Handhabe
jeweils ein Lagerarm ausgebildet ist, der von den beiden Schwenkhebeln kontaktiert
wird, kann eine besonders spielfrei Führung der Handhabe sichergestellt werden.
[0011] In einer bevorzugten Ausführung kann ein von einem der Schwenkhebel zwangsgeführter
Betätigungszug das Türschloss betätigen. Besonders bevorzugt weist der Betätigungszug
dazu einen Betätigungshebel und ein Zugmittel auf, wobei der Betätigungshebel mit
einem an dem Schwenkhebel ausgebildeten Zahnsegment kämmt. Indem der Betätigungshebel
direkt mit dem Zahnsegment eines der Schwenkhebel kämmt, wird jede Bewegung der Handhabe
direkt in eine Schwenkbewegung des Betätigungshebels übertragen. An dem Betätigungshebel
greift ein Zugmittel an, beispielsweise ein Bowdenzug oder eine Betätigungsstange,
das zum Türschloss führt.
[0012] In einer bevorzugten Ausführung unterbindet eine federvorgespannte, schwenkbar gelagerte
Massensperre bei Überschreiten einer definierten Beschleunigung das Verschwenken eines
der Schwenkhebel. Wird die Tür einer übermäßigen Beschleunigung ausgesetzt, so verhindert
die Massensperre eine Bewegung der Handhabe und folglich eine Betätigung des Türschlosses.
Dadurch lässt sich beispielsweise in verunfallten Fahrzeugen ein unbeabsichtigtes
Öffnen der Tür verhindern.
[0013] In einer bevorzugten Ausführung sind die Schwenkhebel und die Massensperre in einem
gemeinsamen Lagerbügel gelagert. Der Lagerbügel ist fest innerhalb der Tür angeordnet
und dient zur Lagerung der einzelnen Komponenten der Türgriffanordnung.
[0014] In einer bevorzugten Ausführung verkeilt sich die Massensperre, bei Überschreiten
einer definierten Beschleunigung, zwischen einem Fortsatz eines der Schwenkhebel und
dem Lagerbügel. Dadurch wird die Bewegung des Schwenkhebels in einer Lage gestoppt,
in der der Betätigungszug das Türschloss noch nicht betätigten konnte.
[0015] In einer bevorzugten Ausführung ist mindestens einer der Schwenkhebel in Richtung
der Ausgangsstellung federvorbelastet. Durch die Vorbelastung mittels einer Feder
werden die Schwenkhebel stets wieder in Richtung der Ausgangsstellung rückgestellt,
wenn der Nutzer die Handhabe loslässt.
[0016] Ein Fahrzeug hat wenigstens eine erfindungsgemäße Türgriffanordnung. Die Türgriffanordnung
ist insbesondere von außerhalb des Fahrzeugs bedienbar und dient der Betätigung einer
eine Karosserieöffnung verschließenden Tür oder Klappe
[0017] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachstehenden
Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels unter Bezugnahme auf die Zeichnungen.
[0018] Darin zeigen:
Fig. 1 eine Seitenansicht einer Türgriffanordnung in Ausgangsstellung und Gebrauchsstellung;
Fig. 2 eine Ansicht einer in eine Tür eingebauten Türgriffanordnung;
Fig. 3a eine Türgriffanordnung in Ausgangsstellung;
Fig. 3b eine Türgriffanordnung in Gebrauchsstellung;
Fig. 3c eine Türgriffanordnung mit aktivierter Massensperre.
[0019] Gemäß Fig. 1 hat eine Türgriffanordnung 1 eine bügelförmige Handhabe 2 mit zwei jeweils
endständig angeordneten Lagerarmen 4. Ein erster Schwenkhebel 7, der um eine erste
Drehachse A schwenkbar ist, greift an den beiden Lagerarmen 4 im Punkt C an. Ein zweiter
Schwenkhebel 8, der um eine zweite Drehachse B schwenkbar ist, greift an den beiden
Lagerarmen 4 im Punkt D an. Wird durch die Punkte C und D eine Gerade E gelegt, so
befinden sich die Drehachsen A und B auf unterschiedlichen Seiten dieser Gerade E
und bilden somit ein Viergelenk. Die Schwenkhebel 7 und 8 werden, durch nicht dargestellte
Federn, stets in Richtung Ausgangsstellung rückgestellt. Mit dem zweiten Schwenkhebel
8 ist ein Betätigungshebel 5a eines Betätigungszugs 5 gekoppelt. An dem Betätigungshebel
5a greift ein Zugmittel 5b an, dass mit einem Türschloss 6 in Wirkverbindung steht.
Weiterhin hat eine Türgriffanordnung 1 eine (federvorbelastete) Massensperre 10, die
mit einem Fortsatz 11 des zweiten Schwenkhebels 8 so zusammenwirken kann, dass bei
Überschreiten einer definierten Beschleunigung der Türgriffanordnung 1 keine unbeabsichtigte
Betätigung des Türschlosses 6 erfolgt.
[0020] In Fig. 2 ist eine Türgriffanordnung 1 gemäß Fig. 1 dargestellt, die in eine Tür
3 verbaut wurde. Dazu wird an der Tür 3 ein Lagerbügel 12 fest angeordnet, der die
Komponenten der Türgriffanordnung 1 lagert. Die Handhabe 2 liegt außerhalb der Tür
3, wobei sich die Lagerarme 4 ins Türinnere erstrecken und dort von den Schwenkhebeln
7 und 8 gelagert werden. Der Betätigungshebel 5a kämmt mit einem an dem zweiten Schwenkhebel
8 ausgebildeten Zahnsegment 9. An dem ersten Schwenkhebel 7 ist ein Anschlag 13 ausgebildet,
der die Massensperre 10 bei normaler Betätigung der Türgriffanordnung 1 in Richtung
der aktiven Stellung drückt, bevor diese sich zwischen Fortsatz 11 des zweiten Schwenkhebels
8 und Lagerbügel 12 verkeilen kann. Letzteres ist nur dann der Fall, wenn die Massensperre
10 durch eine von außen einwirkende Beschleunigung in die aktive Stellung gedrückt
wurde, bevor der Fortsatz 11 die Massensperre 10 passieren konnte.
[0021] Die Fig. 3a, 3b und 3c zeigen die Türgriffanordnung 1 gemäß Fig. 1 in drei verschiedenen
Betätigungszuständen. In Fig. 3a ist die Türgriffanordnung 1 unbetätigt, wobei der
Anschlag 13 noch von der nicht-aktivierten Massensperre 10 entfernt liegt. In Fig.
3b ist die Türgriffanordnung 1 von einem Nutzer durch Zug an der Handhabe 2 bestimmungsgemäß
betätigt. Wie ersichtlich ist, wird durch die Zwangsführung des Betätigungshebels
5a an dem zweiten Schwenkhebel 8 das Zugmittel 5b angezogen und somit das Türschloss
6 betätigt. Der Anschlag 13 des ersten Schwenkhebels 7 hat die Massensperre 10 kontaktiert
und leicht in Richtung der aktiven Stellung verschoben, dabei konnte der Fortsatz
11 des zweiten Schwenkhebels 8 die Massensperre 10 jedoch passieren. In Fig. 3c ist
die Massensperre 10 aufgrund einer übermäßigen Beschleunigung in die aktive Stellung
ausgelenkt worden, wodurch diese sich zwischen Lagerbügel 12 und Fortsatz 11 verkeilt,
so dass die Schwenkhebel 7 und 8 an der weiteren Bewegung gehindert werden.
Liste der Bezugszeichen:
[0022]
- A
- erste Drehachse
- B
- zweite Drehachse
- C
- erster Angriffspunkt
- D
- zweiter Angriffspunkt
- E
- Gerade
- 1
- Türgriffanordnung
- 2
- Handhabe
- 3
- Tür
- 4
- Lagerarm
- 5
- Betätigungszug
- 5a
- Betätigungshebel
- 5b
- Zugmittel
- 6
- Türschloss
- 7
- erster Schwenkhebel
- 8
- zweiter Schwenkhebel
- 9
- Zahnsegment
- 10
- Massensperre
- 11
- Fortsatz
- 12
- Lagerbügel
- 13
- Anschlag
1. Türgriffanordnung (1) mit einer Handhabe (2) zur mittelbaren Betätigung eines Türschlosses
(6), die wenigstens einen in die Tür (3) eingreifenden Lagerarm (4) aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass der Lagerarm (4) von einem ersten Schwenkhebel (7), der um eine erste Drehachse (A)
schwenkbar ist, und einem zweiten Schwenkhebel (8), der um eine zweite Drehachse (B)
schwenkbar ist, gelagert wird, wobei die Schwenkhebel (7, 8) an voneinander beabstandeten
Angriffspunkten (C, D) drehbeweglich an dem Lagerarm (4) angreifen.
2. Türgriffanordnung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Drehachsen (A, B) auf unterschiedlichen Seiten einer Geraden (E) durch die Angriffspunkte
(C, D) angeordnet sind.
3. Türgriffanordnung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Handhabe (2) zwei endständig angeordnete Lagerarme (4) aufweist, die von den
Schwenkhebeln (7, 8) gelagert werden.
4. Türgriffanordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass ein von einem der Schwenkhebel (7, 8) zwangsgeführter Betätigungszug (5) das Türschloss
(6) betätigen kann.
5. Türgriffanordnung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Betätigungszug (5) einen Betätigungshebel (5a) und ein Zugmittel (5b) aufweist,
wobei der Betätigungshebel (5a) mit einem an dem Schwenkhebel (7, 8) ausgebildeten
Zahnsegment (9) kämmt.
6. Türgriffanordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass eine federvorgespannte, schwenkbar gelagerte Massensperre (10) bei Überschreiten
einer definierten Beschleunigung das Verschwenken eines der Schwenkhebel (7, 8) unterbindet.
7. Türgriffanordnung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Schwenkhebel (7, 8) und die Massensperre (10) in einem gemeinsamen Lagerbügel
(12) gelagert sind.
8. Türgriffanordnung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Massensperre (10), bei Überschreiten einer definierten Beschleunigung, zwischen
einem Fortsatz (11) eines der Schwenkhebel (7, 8) und dem Lagerbügel (12) verkeilt.
9. Türgriffanordnung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens einer der Schwenkhebel (7, 8) in Richtung einer Ausgangsstellung federvorbelastet
ist.
10. Fahrzeug mit wenigstens einer Türgriffanordnung (1) nach Anspruch 1.