[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Stabilisierung von Garnen aus Polyacrylnitril.
[0002] Stabilisierte Multifilamentgarne aus Polyacrylnitril werden bei der Herstellung von
Kohlenstofffasern benötigt. Heutige Kohlenstofffasern werden zum überwiegenden Teil
aus Polyacrylnitrilfasern, d.h. aus Polyacrylnitril-Precursorgarnen hergestellt. Dabei
werden die Polyacrylnitril-Precursorgarne zunächst einer Stabilisierung durch eine
Oxidationsbehandlung unterzogen, bevor die stabilisierten Precursorgarne nachfolgend
bei Temperaturen von mindestens 1200 °C in Stickstoffatmosphäre karbonisiert und gegebenenfalls
in einem weiteren Schritt bei Temperaturen bis ca. 2800 °C graphitisiert werden, um
so daraus Kohlenstofffasern zu erhalten.
[0003] Als Stabilisierung von Polyacrylnitril-Precursorgarnen wird allgemein die Umwandlung
der Garne über chemische Stabilisierungsreaktionen, insbesondere über Zyklisierungsreaktionen
und Dehydrierungsreaktionen, von einem thermoplastischen Zustand in einen oxidierten,
unschmelzbaren und gleichzeitig flammfesten Zustand verstanden. Die Stabilisierung
erfolgt heute in der Regel in konventionellen Konvektionsöfen bei Temperaturen zwischen
200 und 300 °C und unter einer sauerstoffhaltigen Atmosphäre (siehe z.B.
F. Fourné: "Synthetische Fasern", Carl Hanser Verlag München Wien 1995, Kapitel 5.7). Dabei findet über eine exotherme Reaktion eine schrittweise Umwandlung des Precursorgarns
von einer thermoplastischen in eine oxidierte, unschmelzbare Faser statt (
J.-B. Donnet, R. C. Bansal: "Carbon Fibers", Marcel Dekker, Inc., New York and Basel
1984, Seiten 14-23). Visuell ist die Umwandlung anhand einer charakteristischen Verfärbung des zunächst
weißen Garns über gelb nach braun und schließlich schwarz zu erkennen. Die Stabilisierung
kann dabei auch in mehreren Schritten bzw. Stufen erfolgen, bei denen zunehmende Stabilisierungsgrade
erreicht werden. Mit zunehmender Stabilisierung nimmt auch die Dichte des Garns zu,
beispielsweise von 1,19 g/cm
3 auf 1,40 g/cm
3, wobei die Änderungen in der Dichte mit zunehmender Stabilisierung ausgeprägter werden.
[0004] Bei den exothermen chemischen Reaktionen zur Umwandlung bzw. Stabilisierung des Polyacrylnitril-Precursors
kann so viel Wärme entstehen, dass es zu einem Schmelzen oder einer thermischen Zersetzung
des Garns kommt. Im konventionellen Stabilisierungsprozess durchläuft das Garn daher
verschieden temperierte Ofenstufen, worüber eine langsame Erwärmung des Garns eingestellt
und so eine ausreichende Abführung der exothermen Wärme aus dem Garnmaterial erreicht
werden kann. So kann die Stabilisierung beispielsweise in einem konventionellen Konvektionsofen
mit drei Ofenstufen erfolgen, wobei in der ersten Stufe bei Temperaturen im Bereich
von 200 bis 300°C in der Regel eine Verweilzeit von mindestens 20 min erforderlich
ist, um die Stabilisierung soweit auszuführen, dass die Dichte des Precursorgarns
um ca. 0,03 g/cm
3 erhöht wird. Ähnliche Verweilzeiten werden auch in den übrigen Ofenstufen benötigt,
so dass im konventionellen Prozess insgesamt eine Verweilzeit von mindestens etwa
einer Stunde für die Stabilisierung erforderlich ist. Die Stabilisierung erfordert
gleichzeitig vergleichsweise langsame Prozessgeschwindigkeiten, wodurch bei der kontinuierlichen
Herstellung von Kohlenstofffasern die Stabilisierung zum geschwindigkeitsbestimmenden
Prozessschritt wird. Gleichzeitig sind wegen der niedrigen Prozessgeschwindigkeiten
und wegen der notwendigen langen Verweilzeiten, die je nach Prozessführung auch bis
zu ca. 2,5 Std. betragen können, große Stabilisierungsöfen erforderlich. Daher besteht
der Wunsch nach Verfahren zur Stabilisierung von Polyacrylnitril-Precursorgarnen,
die kürzere Verweilzeiten und/oder höhere Prozessgeschwindigkeiten erlauben.
[0005] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zur Stabilisierung
von Garnen aus Polyacrylnitril zur Verfügung zu stellen, bei dem die Nachteile der
Verfahren des Stands der Technik zumindest reduziert sind und das die Stabilisierung
von Polyacrylnitril-Precursorgarnen zur Herstellung von Kohlenstofffasern bei höheren
Prozessgeschwindigkeiten und/oder geringeren Verweilzeiten erlaubt.
[0006] Die erfindungsgemäße Aufgabe wird durch ein Verfahren zur Stabilisierung von Garnen
aus Polyacrylnitril durch chemische Stabilisierungsreaktionen gelöst, welches die
folgenden Schritte umfasst:
- Vorlegen eines Precursorgarns auf Basis eines Polyacrylnitrilpolymers,
- Bereitstellen einer Applikationsvorrichtung zur Behandlung des Precursorgarns mit
hochfrequenten elektromagnetischen Wellen, umfassend einen Applikator mit einem Applikationsraum,
Mittel zur Erzeugung der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen sowie Mittel zur
Einspeisung der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen in den Applikationsraum,
- Erzeugen eines Feldes der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen im Applikationsraum,
welches Bereiche mit minimaler elektrischer Feldstärke und Bereiche mit maximaler
elektrischer Feldstärke aufweist und Einstellen der maximalen elektrischen Feldstärke
im Applikationsraum im Bereich von 3 bis 150 kV/m,
- kontinuierliches Einführen des Precusorgarns in und Hindurchführen des Precursorgarns
durch den Applikationsraum und durch das Feld der hochfrequenten elektromagnetischen
Wellen, dabei
- Einleiten eines Prozessgases in den Applikationsraum und Hindurchleiten des Prozessgases
durch den Applikationsraum mit einer Strömungsgeschwindigkeit relativ zu dem den Applikationsraum
durchlaufenden Precursorgarn von mindestens 0,1 m/s, wobei die Temperatur des Prozessgases
so im Bereich zwischen 150 und 300°C eingestellt wird, dass sie oberhalb der kritischen
Minimaltemperatur Tkrit und unterhalb der Maximaltemperatur Tmax liegt und wobei die kritische Minimaltemperatur Tkrit diejenige Temperatur ist, oberhalb derer die hochfrequenten elektromagnetischen Wellen
in das den Applikationsraum durchlaufende Precursorgarn einkoppeln und die chemischen
Stabilisierungsreaktionen ablaufen, und die Maximaltemperatur Tmax diejenige Temperatur, die um 20°C unterhalb der Zersetzungstemperatur des in den
Applikationsraum eingeführten Precursorgarns liegt.
[0007] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung handelt es sich bei dem im erfindungsgemäßen
Verfahren vorgelegten Precursorgarn auf Basis eines Polyacrylnitrilpolymeren um ein
Garn, welches mindestens 85 % polymerisiertes Acrylnitril enthält. Das Polyacrylnitrilpolymer
kann auch Anteile von Comonomeren wie z.B. von Vinylacetat, Acrylsäuremethylester,
Methacrylsäuremethylester, Vinylchlorid, Vinylidenchlorid, Styrol oder Itaconsäure
(-ester) enthalten.
[0008] Das vorgelegte thermoplastische Polyacrylnitril-Precursorgarn kann ein Garn sein,
das noch keinerlei Stabilisierung unterworfen wurde. Bei dem vorgelegten Precursorgarn
kann es sich jedoch auch um ein Polyacrylnitrilgarn handeln, das bereits einer teilweisen
Stabilisierung unterzogen wurde, wobei dann im erfindungsgemäßen Verfahren die Stabilisierung
weiter fortschreitet. Andererseits ist das erfindungsgemäße Verfahren nicht darauf
beschränkt, dass das vorgelegte Precursorgarn vollständig mittels des erfindungsgemäßen
Verfahrens stabilisiert wird, sondern es kann auch so durchgeführt werden, dass das
Garn nur bis zu einem bestimmten Grad stabilisiert wird. Das erfindungsgemäße Verfahren
ist also geeignet, ein unbehandeltes Precursorgarn aus Polyacrylnitril teilweise oder
auch vollständig zu stabilisieren. Ebenso umfasst das erfindungsgemäße Verfahren die
weitere teilweise oder die vollständige Stabilisierung eines bereits teilweise stabilisierten
Precursorgarns. Dabei kann die vorherige Teilstabilisierung und/oder eine nachgeschaltete
Vervollständigung der Stabilisierung ebenfalls unter Anwendung des erfindungsgemäßen
Verfahrens erfolgen oder auch nach bekannten Verfahren in konventionellen Konvektionsöfen.
[0009] Bei Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens werden z.B. in einem Magnetron
hochfrequente elektromagnetische Wellen erzeugt, die über geeignete Mittel, vorzugsweise
über einen Hohlleiter oder einen Koaxialleiter in den Applikationsraum geführt werden.
Der Applikator weist einen in der Regel kanalförmigen Applikationsraum mit einer Wandung
aus einem leitfähigen Material auf, der von dem zu stabilisierenden Precursorgarn
durchlaufen wird und in den die elektromagnetischen Wellen eingespeist werden. Die
den Applikationsraum umgebende Wandung kann beispielsweise eine durchgehende Metallwandung
sein. Es ist jedoch auch möglich, die Wandung aus einem leitfähigen gitterförmigen
Material auszubilden. Vorzugsweise besitzt der Applikationsraum quer zur Durchführungsrichtung
des Precursorgarns und damit quer zur Ausbreitungssrichtung der elektromagnetischen
Wellen eine kreisförmige, ovale oder rechteckige Kontur. In einer besonders bevorzugten
Ausführungsform handelt es sich bei dem Applikator um einen Rechteckhohlleiter.
[0010] In einer ebenfalls bevorzugten Ausführungsform umfasst der Applikationsraum des Weiteren
in seinem von der Wandung umgebenen Innenraum ein leitfähiges Element, bei dem es
sich vorzugsweise um einen Metallstab handelt. Hierbei ist von Vorteil, wenn sich
das leitfähige Element koaxial zur Längsachse des Applikationsraums erstreckt, d.h.
in Ausbreitungssrichtung der elektromagnetischen Wellen, wodurch ein Koaxialleiter
ausgebildet wird. Besonders bevorzugt ist das leitfähige Element dabei im Zentrum
des Applikationsraums angeordnet. Bei derartigen Koaxialleitern ist es von Vorteil,
wenn der Applikationsraum quer zur Ausbreitungssrichtung der elektromagnetischen Wellen
eine kreisförmige Kontur aufweist.
[0011] Der Applikationsraum kann an seinem Eintrittsende, an dem das Precursorgarn in den
Applikator eintritt und/oder an seinem Austrittsende, aus dem das Precursorgarn den
Applikator verlässt, Blenden aufweisen, durch die das Precursorgarn hindurchgeführt
wird. Durch diese Blenden werden die hochfrequenten elektromagnetischen Wellen im
Applikationsraum gehalten.
[0012] Der Wellenleiter, über den die hochfrequenten elektromagnetischen Wellen von z.B.
einem Magnetron in den Applikator geführt werden, kann z.B. ein Rohr sein, das über
ein Kniestück mit dem Applikationsraum verbunden ist, wobei das zu stabilisierende
Precursorgarn im Bereich des Kniestücks durch dessen Wand in den Applikationsraum
geführt wird.
[0013] Im Applikator, d.h. im Applikationsraum bilden die eingespeisten hochfrequenten elektromagnetischen
Wellen eine durch die Geometrie des Applikationsraums definierte Feldstruktur mit
Wellenmaxima und Wellenminima, d.h. mit Bereichen maximaler elektrischer Feldstärke
und Bereichen minimaler elektrischer Feldstärke aus. Erfindungsgemäß wird im Applikationsraum
die maximale elektrische Feldstärke der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen
auf ein Niveau im Bereich von 3 bis 150 kV/m eingestellt. Das Niveau der Feldstärke
bezieht sich dabei auf den unbeschickten Zustand des Applikators, d:h. auf einen Zustand,
bei dem das zu stabilisierende Precursorgarn den Applikator nicht durchläuft. In Versuchen
hat es sich im Hinblick auf die im Precursorgarn bei der Stabilisierung ablaufenden
Umwandlungsreaktionen als günstig herausgestellt, wenn im Applikationsraum eine maximale
elektrische Feldstärke der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen im Bereich von
5 bis 50 kV/m erzeugt wird. Hierbei zeigte sich gleichzeitig, dass bei Precursorgarnen,
die bereits zu einem Teil stabilisiert sind, Feldstärken im oberen Bereich eingestellt
werden können, wohingegen bei Garnen, die noch nicht einer (Teil-) Stabilisierung
unterzogen wurden, eher geringere Feldstärken einzustellen sind, um zu heftige exotherme
Umwandlungsreaktionen zu vermeiden, die zu einer Zerstörung des Precursorgarns führen
können.
[0014] Für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens sind hochfrequente elektromagnetische
Wellen einer Frequenz von 300 MHz bis 300 GHz bevorzugt, die allgemein als Mikrowellen
bezeichnet werden. Besonders bevorzugt sind Mikrowellen im Bereich von 300 MHz bis
45 GHz und in einer besonderen Ausführungsform Mikrowellen im Bereich von 900 MHz
bis 5,8 GHz Standardmäßig werden Mikrowellen mit einer Frequenz von 915 MHz und 2,45
GHz verwendet, die für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens bestens geeignet
sind.
[0015] Wesentlich bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens ist, dass ein Prozessgas
in den Applikationsraum eingeführt wird und diesen durchströmt und dass die Temperatur
des Prozessgases im Applikationsraum so im Bereich zwischen 150 und 300°C eingestellt
wird, dass sie oberhalb der kritischen Minimaltemperatur T
krit und unterhalb der Maximaltemperatur T
max liegt. Bei dem Prozessgas kann es sich in einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens um ein inertes Gas handeln, beispielsweise um Stickstoff, Argon oder Helium.
Vorzugsweise wird Stickstoff als inertes Gas verwendet. In einer weiteren bevorzugten
Ausführungsform handelt es sich bei dem im erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzten
Prozessgas um ein sauerstoffhaltiges Gas. Es hat sich gezeigt, dass sich bei der Stabilisierung
mittels eines sauerstoffhaltigen Gases höhere Kohlenstoffausbeuten erzielen lassen.
Dabei wird unter einem sauerstoffhaltigen Gas ein Gas verstanden, das molekularen
Sauerstoff enthält, wobei die Konzentration des molekularen Sauerstoffs im sauerstoffhaltigen
Gas bevorzugt weniger als 80 Vol.-% beträgt. Ganz besonders bevorzugt handelt es sich
bei dem sauerstoffhaltigen Gas um Luft.
[0016] Im Zusammenhang mit der vorliegenden Erfindung ist unter der kritischen Minimaltemperatur
T
krit diejenige Temperatur zu verstehen, oberhalb derer die hochfrequenten elektromagnetischen
Wellen in das die Applikationsvorrichtung durchlaufenden Precursorgarn in genügendem
Maße einkoppeln, d.h. oberhalb derer die elektromagnetischen Wellen in genügendem
Maße vom Garn absorbiert werden, und die Umwandlungsreaktionen stattfinden. Es hat
sich nämlich gezeigt, dass die das Precursorgarn im Applikationsraum umgebende Atmosphäre
und damit das den Applikationsraum durchlaufende Precursorgarn selbst eine bestimmte
Schwellentemperatur, d.h. die kritische Minimaltemperatur überschreiten muss, damit
die hochfrequenten elektromagnetischen Wellen in das Precursorgarn so stark einkoppeln,
dass die Umwandlungsreaktionen bzw. chemischen Stabilisierungsreaktionen, d.h. insbesondere
Zyklisierungsreaktionen, Dehhydrierungsreaktionen und Oxidationsreaktionen zur Stabilisierung
des Garns ablaufen können. Unterhalb der kritischen Minimaltemperatur kann es zwar
bereits zu einem Einkoppeln der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen in das Garn
kommen, jedoch führen die eingekoppelten elektromagnetischen Wellen noch nicht zu
einer zur Initiierung der Umwandlungsreaktionen ausreichenden Temperaturerhöhung im
Garn, da gleichzeitig durch das relativ zum Garn strömende Prozessgas eine Abkühlung
des Garn erfolgt.
[0017] Die kritische Minimaltemperatur T
krit kann dabei auf einfachem Wege für das jeweils durch die Applikationsvorrichtung geführte
Precursorgarn ermittelt werden. Wie ausgeführt werden oberhalb der kritischen Minimaltemperatur
die elektromagnetischen Wellen vom Precursorgarn in ausreichendem Maße absorbiert
und infolge der daraus resultierenden Temperaturerhöhung im Garn die zur Stabilisierung
des Garns führenden Umwandlungsreaktionen initiiert. Hierdurch wird unter anderem
HCN-Gas frei. Das HCN-Gas kann mittels üblicher Analysenmethoden wie z.B. über Gaschromatographie,
Massenspektroskopie oder mittels elektrochemischer HCN-Sensoren im Gasaustritt gemessen
werden, über den das in den Applikator eingeführte Prozessgas aus dem Applikator abgeführt
wird. Unter der minimalen Temperatur wird also im Rahmen der vorliegenden Erfindung
diejenige Temperatur verstanden, oberhalb derer die elektromagnetischen Wellen so
stark einkoppeln bzw. so stark vom Garn absorbiert werden, dass die Umwandlungsreaktionen
im Garn, d.h. insbesondere die Zyklisierungsreaktion, stattfinden und infolgedessen
HCN-Gas frei wird. Alternativ kann das Stattfinden der Umwandlungsreaktionen anhand
der mit der HCN-Abspaltung einhergehenden Zyklisierung mittels IR-Spektroskopie detektiert
werden.
[0018] Unter der Maximaltemperatur T
max ist im Rahmen der vorliegenden Erfindung diejenige Temperatur zu verstehen, die um
20°C unterhalb der Zersetzungstemperatur des in die Applikationsvorrichtung eingeführten
Precursorgarns liegt. Für eine sichere kontinuierliche Prozessführung ist es erforderlich,
dass die maximal im Applikationsraum vorherrschenden Temperaturen weit genug unterhalb
der Zersetzungstemperatur des in die Applikationsvorrichtung eingeführten Garns liegen.
Höhere Temperaturen würden zu einer Erhöhung der Gefahr des Zersetzens des Garns und
des Fadenabrisses und damit zu einer Unterbrechung des Prozesses führen. In einer
bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens weist das Prozessgas
im Applikationsraum eine Temperatur im Bereich zwischen (T
krit + 20°C) und (T
max - 20°C) auf. Die Zersetzungstemperatur kann auf einfache Weise über thermogravimetrische
Messungen ermittelt werden. Dabei ist die Zersetzungstemperatur diejenige Temperatur,
bei der eine Probe des im erfindungsgemäßen Verfahrens vorgelegten Precursorgarns
innerhalb einer Zeit von weniger als 5 Minuten 5 % seiner Masse verliert.
[0019] Die jeweilige kritische Minimaltemperatur T
krit sowie die Maximaltemperatur T
max ist abhängig vom Precursormaterial, d.h. beispielsweise von konkreten Polyacrylnitrilpolymer.
Dabei können bei dem erfindungsgemäßen Verfahren die üblicherweise für Zwecke der
Kohlenstofffaserherstellung verwendeten Polyacrylnitril-Precursorgarne eingesetzt
werden. Die kritische Minimaltemperatur sowie die Maximaltemperatur kann darüber hinaus
durch gegebenenfalls dem Polyacrylnitril zugesetzte Additive beeinflusst werden. So
kann das Precursorgarn in einer vorteilhaften Ausgestaltung Additive enthalten, die
eine Verbesserung der Absorptionsfähigkeit des Precursorgarns gegenüber hochfrequenten
elektromagnetischen Wellen bewirken. Besonders bevorzugt handelt es sich bei diesen
Additiven um Polyethylenglykol, Ruß oder Kohlenstoffnanoröhrchen.
[0020] Die kritische Minimaltemperatur sowie die Maximaltemperatur sind darüber hinaus auch
abhängig vom Stabilisierungsgrad des im erfindungsgemäßen Verfahren vorgelegten Precursorgarns.
So zeigt sich, dass sich mit zunehmendem Stabilisierungsgrad die kritische Minimaltemperatur
zu höheren Werten hin verschiebt. Ebenso zeigt sich, dass eine zunehmende Stabilisierung
sich in Richtung einer zunehmenden thermischen Stabilität und daraus resultierend
in zunehmenden Zersetzungstemperaturen auswirkt und damit auch in ansteigenden Maximaltemperaturen
im Sinne der vorliegenden Erfindung.
[0021] Die Einstellung der Temperatur des den Applikationsraum durchströmenden Prozessgases
kann beispielsweise durch Zuführung eines auf die erforderliche Temperatur erhitzten
Gases in einen wärmeisolierten Applikationsraum erfolgen. Ebenso kann ein zunächst
auf ein niedrigeres Temperaturniveau temperiertes Prozessgas im Applikationsraum oder
in einem dem Applikationsraum vorgeschalteten Wärmetauscher z.B. mittels geeigneter
Heizelemente oder mittels IR-Strahlung auf die erforderliche Temperatur aufgeheizt
werden. Natürlich ist auch eine Kombination verschiedener Methoden möglich, um die
erforderliche Temperatur des Prozessgases im Applikationsraum einzustellen.
[0022] Bei der Stabilisierung von Precursorgarnen aus Polyacrylnitril finden Umwandlungsreaktionen
wie z.B. Zyklisierungsreaktionen oder Dehydrierungsreaktionen statt, bei denen eine
Umwandlung der Garne von einem thermoplastischen in letztlich ein thermisch vernetztes
Garn und damit in einen unschmelzbaren und gleichzeitig flammfesten Zustand erfolgt.
Dabei findet die bereits zuvor beschriebene charakteristische Verfärbung des Garns
statt. Die ablaufenden Umwandlungsreaktionen zeigen eine stark exotherme Wärmetönung,
und es kommt infolge der Stabilisierung zu einem Schrumpfen des Garns sowie zu einem
Gewichtsverlust des Garns, verbunden mit der Bildung flüchtiger Abbauprodukte wie
z.B. HCN, NH
3 oder H
2O. Gleichzeitig findet eine Erhöhung der Dichte des Precursorgarns statt. So ist z.B.
für einen Precursor auf Basis eines Polyacrylnitrilpolymers festzustellen, dass die
Dichte von beispielsweise ursprünglich ca. 1,19 g/cm
3 durch die Stabilisierung letztlich auf einen Wert von bis zu ca. 1,40 g/cm
3 ansteigt. Der Grad der Stabilisierung lässt sich somit auch anhand der Dichte des
Precursormaterials bestimmen.
[0023] Im erfindungsgemäßen Verfahren hat das in den Applikationsraum eingespeiste Prozessgas
zum einen die Aufgabe, am Garn ein Temperaturniveau zu gewährleisten, bei dem eine
ausreichende Einkopplung der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen in das Garn
erfolgt. Darüber hinaus kommt dem Prozessgas die Aufgabe zu, zum einen die bei den
Umwandlungsreaktionen freiwerdenden flüchtigen Abbauprodukte wie z.B. HCN, NH
3 oder H
2O, zum anderen aber auch die entstehende Reaktionswärme abzutransportieren und für
ein Temperaturniveau insbesondere im Bereich des Precursorgarns zu sorgen, das unterhalb
der Maximaltemperatur T
max liegt. Im bevorzugten Fall, dass als Prozessgas ein sauerstoffhaltiges Gas eingesetzt
wird, hat dieses Gas schließlich auch die Aufgabe, für die zur Stabilisierung führenden
Umwandlungs- bzw. Oxidationsreaktionen im Precursorgarn die erforderliche Menge an
Sauerstoff zur Verfügung zu stellen. Daher wird im erfindungsgemäßen Verfahren das
Prozessgas so durch den Applikationsraum geführt, dass es relativ zu dem den Applikationsraum
durchlaufenden Precursorgarn eine Strömungsgeschwindigkeit von mindestens 0,1 m/s
aufweist. Die Strömungsgeschwindigkeit ist dabei oberhalb von 0,1 m/s relativ zum
Precursorgarn so einzustellen, dass die zuvor genannten Anforderungen erfüllt werden.
Andererseits sind hinsichtlich der Strömungsgeschwindigkeit insoweit nach oben hin
Grenzen gesetzt, da eine zu hohe Strömungsgeschwindigkeit des Gases zu Instabilitäten
im Fadenlauf des Precursorgarns führen und damit die Gefahr von Fadenbrüchen bzw.
des Abreißen des Garns besteht.
[0024] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Prozessgas
so in den Applikationsraum eingeführt und aus diesem abgeführt, dass es den Applikationsraum
senkrecht zum Precursorgarn durchströmt, wobei die Strömungsgeschwindigkeit senkrecht
zum Precursorgarn im Bereich von 0,1 bis 2 m/s liegt. In einer weiteren bevorzugten
Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Prozessgas so in den Applikationsraum
eingeführt und aus diesem abgeführt, dass das Prozessgas den Applikationsraum parallel
zum Precursorgarn im Gleichstrom oder im Gegenstrom zur Transportrichtung des Precursorgarns
mit einer auf den freien Querschnitt des Applikationsraums bezogenen mittleren Strömungsgeschwindigkeit
von 0,1 bis 20 m/s relativ zu dem den Applikationsraum durchlaufenden Precursorgarn
durchströmt. Besonders bevorzugt liegt die Strömungsgeschwindigkeit im Bereich zwischen
0,5 und 5 m/s.
[0025] Um dem bei der Stabilisierung auftretenden Schrumpf entgegenzuwirken und um eine
Orientierung der Polyacrylnitrilmoleküle zu erhalten bzw. zu erreichen, ist es erforderlich,
dass das Precursorgarn im Applikator unter einer definierten Spannung gehalten wird.
Vorzugsweise wird das Precursorgarn unter einer Fadenspannung im Bereich von 0,125
bis 5 cN/tex durch den Applikator geführt. Besonders bevorzugt ist eine Fadenspannung
im Bereich von 0,5 bis 3,5 cN/tex.
[0026] Um einerseits eine ausreichende Stabilisierung bzw. Teilstabilisierung zu erreichen,
andererseits aber Prozessbedingungen hinsichtlich z.B. der Feldstärke im Applikationsraum,
der Temperatur des Prozessgases oder dessen Strömungsgeschwindigkeit einstellen zu
können, die einen stabilen Fadenlauf und einen stabilen Prozess ermöglichen, beträgt
die Verweilzeit des Precursorgarns im Applikationsraum mindestens 20 s. Eine Obergrenze
der Verweilzeit resultiert dabei aus z.B. dem gewünschten Stabilisierungsgrad, der
nach Durchlaufen des Garns durch den Applikator erreicht werden soll oder auch aus
gerätetechnischen Randbedingungen etwa hinsichtlich der darstellbaren Länge des Applikators.
[0027] Um genügend lange Verweilzeiten zum Erreichen hoher Stabilisierungsgrade zu realisieren,
besteht zum einen die Möglichkeit, einen einzelnen Applikator entsprechen lang auszuführen.
In einer bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das Precursorgarn
nacheinander durch mehrere, d.h. durch mindestens zwei hintereinander angeordnete
Applikationsvorrichtungen kontinuierlich hindurchgeführt. Dabei kann jede dieser Applikationsvorrichtungen
mit eigenen Mitteln zur Erzeugung eines Feldes hochfrequenter elektromagnetischer
Wellen ausgestattet sein, es ist jedoch auch möglich, dass alle Applikationsvorrichtungen
z.B. einen gemeinsamen Mikrowellengenerator aufweisen. Generell bietet die Hintereinanderschaltung
mehrerer Applikationsvorrichtungen den Vorteil, dass in jeder der Applikationsvorrichtungen
unter Berücksichtigung z.B. des aktuellen Stabilisierungsgrades des die jeweilige
Applikationsvorrichtung durchlaufenden Precursorgarns eine unabhängige Anpassung hinsichtlich
der optimalen Prozessparameter erfolgen kann, wie z.B. hinsichtlich der Feldstärke,
der Temperatur, der Strömungsgeschwindigkeit des Prozessgases, des Sauerstoffanteils
des gegebenenfalls eingesetzten sauerstoffhaltigen Gases, der Verweilzeit, der Fadenspannung
usw..
[0028] In der Anwendung ist die Frequenz z.B. der Mikrowellen technisch durch die Verfügbarkeit
günstiger leistungsstarker Quellen auf bestimmte Bereiche festgelegt. Gleichzeitig
ist die Feldverteilung im Applikationsraum durch dessen Geometrie und durch die Frequenz
und die Leistung der eingespeisten elektromagnetischen Wellen bestimmt. Hierbei kommt
es im Applikationsraum zur Ausprägung von Feldmaxima, deren Abstand unter anderem
von der Geometrie des Applikationsraums bestimmt ist.
[0029] In einem kontinuierlichen Prozess mit ausreichenden Verweilzeiten im Applikationsraum
durchläuft das zu stabilisierende Precursorgarn im Applikationsraum in einem durch
die Garngeschwindigkeit vorgegebenen Rhythmus die stehenden Feldmaxima. Dabei findet
je nach mittlerer Feldstärke und Temperatur des Prozessgases im Bereich der Maxima
eine ausgeprägte Erwärmung bzw. Erhitzung des Garns statt und im Bereich der Minima
durch das die Faser anströmende Prozessgas eine Abkühlung. Bei relativ niedrigen Fasergeschwindigkeiten
und insbesondere bei Precursorgarnen, an denen noch keine oder nur in geringem Maße
eine Stabilisierung erfolgt ist, kann dies dazu führen, dass der Stabilisierungsprozess
in einen instabilen Bereich gerät. Auf der einen Seite kann es im Bereich der Maxima
durch die hohe Intensität der eingekoppelten elektromagnetischen Wellen in starkem
Maße zu den beschriebenen exotherm ablaufenden Umwandlungsreaktionen kommen, die ihrerseits
zu einer Temperaturerhöhung im Garnmaterial führen. Hieraus resultiert wiederum eine
verbesserte Einkopplung der elektromagnetischen Wellen und damit eine Intensivierung
der exothermen Reaktionen, verbunden mit einer weiteren Erhöhung der Temperatur im
Garn. Auf der anderen Seite kann über das anströmende Prozessgas entstehende Wärme
nur in begrenztem Umfang abgeführt werden, so dass der Stabilisierungsprozess instabil
wird. Eine Stabilisierung des Prozesses kann in solchen Fällen beispielsweise über
eine zeitliche Veränderung der Feldstärke erreicht werden.
[0030] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens weist daher
die Feldstärke im Applikationsraum eine sich über der Zeit periodisch verändernde
Intensität auf, wobei die Periodendauer vornehmlich durch die Garngeschwindigkeit
und durch den Abstand der stehenden Feldmaxima bestimmt ist. Besonders bevorzugt ändert
sich die Intensität sinusförmig oder in Form von Pulsen, wobei bei einer gepulsten
Intensitätsänderung die Feldstärke sich beispielsweise zwischen zwei von Null verschiedenen
Niveaus oder zwischen Null und einem von Null verschiedenen Niveau ändern kann.
[0031] Die Erfindung wird anhand der nachfolgenden Figur sowie anhand der nachfolgenden
Beispiele näher erläutert:
In Figur 1 ist eine Applikationsvorrichtung 1 dargestellt, wie sie zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens geeignet ist. Die Applikationsvorrichtung 1 weist
einen Applikator 2 mit einem Applikationsraum 3 auf, der über einen Heizmantel 4 auf
die erforderliche Temperatur temperiert werden kann. An seinem Eintrittsende 5 ist
der Applikator 2 mit einem Kniestück oder Rohrkrümmer 6 verbunden, über den die in
einem Magnetron 7 erzeugten hochfrequenten elektromagnetischen Wellen in den Applikationsraum
3 eingeleitet werden.
[0032] Das zu stabilisierende Polyacrylnitril-Precursorgarn 8 wird von einer Spule 9 abgezogen,
nach Umschlingung einer Umlenkrolle 10 über eine Blendenöffnung 11 im Kniestück 6
in den Applikator 2 eingeführt und durch den Applikationsraum 3 hindurchgeführt. Nach
Durchlaufen des Applikationsraums 3 verlässt das im Applikator 2 behandelte Precursorgarn
8 über ein mit dem Austrittsende 12 des Applikators 2 verbundenes Kniestück 13 durch
eine Blendenöffnung 14 die Applikationsvorrichtung 1. Nach Umschlingung einer weiteren
Umlenkrolle 15 wird das behandelte, d.h. das zumindest teilweise stabilisierte Garn
16 auf einer Spule 17 aufgewickelt. Die Fadenspannung des Precursorgarns kann durch
die Antriebsgeschwindigkeiten der Umlenkrollen 10, 15 eingestellt werden.
[0033] Über einen Eintrittsstutzen 18 wird das im erfindungsgemäßen Verfahren benötigte
Prozessgas in den Applikationsraum 3 eingeführt und durchläuft im dargestellten Fall
im Gleichstrom zum Precursorgarn 8 den Applikationsraum 3. Über einen am Kniestück
13 angebrachten Austrittsstutzen 19 wird das Prozessgas zusammen mit den flüchtigen
Abbauprodukten, die infolge der im Applikationsraum 3 im Garn 8 ablaufenden Umwandlungsreaktionen
entstanden sind, aus dem Applikator 2 abgeführt.
[0034] Das Kniestück 13 am Austrittsende 12 des Applikators 2 ist im dargestellten Fall
mit einem Rohrstück 20 verbunden, das an seinem freien Ende mit einer Metallplatte
21 verschlossen ist. Hierdurch wird erreicht, dass die elektromagnetischen Wellen
in den Applikationsraum 3 zurückreflektiert werden.
Beispiel 1:
[0035] Es wurde ein unbehandeltes Precursorgarn aus Polyacrylnitril vorgelegt, wie es zur
Herstellung von Kohlenstofffasern geeignet ist, wobei das Precursorgarn 12000 Filamente
mit einem Filamentdurchmesser von ca. 8 µm aufwies. Die Dichte des Precursorgarns
betrug 1,18 g/cm
3.
[0036] Die verwendete Applikationsvorrichtung zur Mikrowellenbehandlung entsprach im Aufbau
der in Figur 1 dargestellten Vorrichtung. In einem Mikrowellengenerator wurden Mikrowellen
mit einer Wellenlänge von 2,45 GHz erzeugt und über einen mit dem Mikrowellengenerator
verbundenen Rechteckhohlleiter über ein Kniestück in den Applikationsraum (Rechteckhohlleiter
des Typs R 26) geführt, der eine Länge von 120 cm aufwies. In den Rechteckhohlleiter
wurde über einen seitlich angebrachten Stutzen Heißluft mit einer Temperatur von 190°C
zugeführt und im Gleichstrom zum Precursorgarn durch den Applikationsraum geführt,
wobei der Volumenstrom so bemessen war, dass sich im Applikationsraum eine mittlere
Strömungsgeschwindigkeit von 2 m/s ergab. Der Applikationsraum wurde durch in der
Wand angeordnete Heizelemente auf eine Temperatur von 170 °C temperiert, so dass im
Applikationsraum eine Lufttemperatur von 170 °C herrschte. Im Applikationsraum wurde
eine maximale elektrische Feldstärke von 30 kV/m eingestellt.
[0037] Im Bereich des Kniestücks wurde das Polyacrylnitril-Precursorgam in die Applikationsvorrichtung
eingeführt und durchlief den Applikator kontinuierlich mit einer Geschwindigkeit von
30 m/h und unter einer Fadenspannung von 0,9 cN/tex. Im Bereich eines mit dem Auslass
des Applikators verbundenen Kniestücks wurde das Garn aus der Applikationsvorrichtung
herausgeführt.
[0038] Bereits nach einer Verweilzeit von 2,4 min konnte anhand einer deutlich erkennbaren
Gelbfärbung des Garns ein Fortschritt hinsichtlich der Garnstabilisierung festgestellt
werden. Die Dichte des Garns war auf 1,19 g/cm
3 angestiegen.
Beispiel 2:
[0039] Es wurde dieselbe Applikationsvorrichtung wie in Beispiel 1 verwendet. Auch die Verfahrensparameter
waren dieselben wie im Beispiel 1. Anstelle des unbehandelten Precursorgarns wurde
jedoch ein Polyacrylnitril-Precursorgam vorgelegt, welches bereits in einem konventionellen
Prozess in einem Konvektionsofen einer teilweisen Stabilisierung unterzogen worden
war. Das in diesem Beispiel vorgelegte Garns hatte eine Dichte von 1,19 g/cm
3 und wies eine gelbe Färbung auf.
[0040] Nach Durchlaufen der Applikationsvorrichtung war die Dichte des Garns auf 1,20 g/cm
3 angestiegen und das Garn hatte eine dunkelbraune Farbe angenommen.
Beispiel 3:
[0041] Es wurde dieselbe Applikationsvorrichtung wie in Beispiel 1 verwendet, wobei der
Applikator jedoch abweichend von Beispiel 1 eine Länge von 1,0 m aufwies. Als Precursorgarn
wurde ein teilweise stabilisiertes Garn vorgelegt, das aufgrund der Teilstabilisierung
eine Dichte von 1,21 g/cm
3 und eine dunkelbraune bis schwarze Farbe aufwies. Abweichend von den Verfahrensbedingungen
des Beispiels 1 wurde die Temperatur der zugeführten Heißluft und die Temperatur der
in der Wand des Applikators angeordneten Heizelemente auf 170°C eingestellt, so dass
die Heißluft im Applikationsraum ebenfalls eine Temperatur von 170°C aufwies. Die
Fadengeschwindigkeit betrug 10 m/h, die Fadenspannung 1,25 cN/tex.
[0042] Es wurde im Applikationsraum ein pulsierendes Mikrowellenfeld durch Ein-/Ausschaltung
des Magnetron eingestellt, bei dem die maximale elektrische Feldstärke 25 kV/m (15
s) und Null kV/m (6 s) pulste.
[0043] Bereits nach einem einfachen Durchlauf, d.h. nach einer Verweilzeit von ca. 6 min,
hatte sich die Farbe des die Applikationsvorrichtung verlassenden Garns in Richtung
einer schwarzen Färbung verändert. Die Dichte hatte sich 1,24 g/cm
3 erhöht.
Beispiel 4:
[0044] Es wurde eine Applikationsvorrichtung wie in Beispiel 1 verwendet, wobei auch dieselben
Verfahrensparameter wie im Beispiel 1 eingestellt wurde. Als Precursorgarn wurde das
Garn verwendet, das auch in Beispiel 1 eingesetzt wurde. Abweichend von Beispiel 1
wurde das Garn jedoch mehrfach hintereinander in der Applikationsvorrichtung behandelt,
indem es insgesamt dreimal durch die Applikationsvorrichtung geführt wurde. Dabei
diente das teilweise stabilisierte Precursorgarn des vorherigen Durchlaufs durch die
Applikationsvorrichtung als Vorlage für den folgenden Durchlauf.
[0045] Die Gesamtverweilzeit in der Applikationsvorrichtung betrug ca. 7,5 min. Das so dreimal
behandelte Precursorgarn hatte eine Dichte von 1,22 g/m
3. Das ursprünglich weiße Precursorgarn hatte nach der Behandlung eine dunkelbraune
bis schwarze Farbe.
Beispiel 5:
[0046] Es wurde wie in Beispiel 3 vorgegangen, jedoch wurde die maximale elektrische Feldstärke
konstant auf einen Wert von 30 kV/m eingestellt. Bei dem in diesem Beispiel vorgelegten
Garn handelte es sich um ein teilweise stabilisiertes Polyacrylnitril-Precursorgarn
mit einer Dichte von 1,26 g/cm
3. Nach Durchlaufen der Applikationsvorrichtung, d.h. nach einer Verweilzeit von 6
min bei einer Fadengeschwindigkeit von 10 m/h, hatte das behandelte Garn eine Dichte
von 1,40 g/cm
3.
Vergileichsbeispiel 1:
[0047] In einem konventionellen mehrstufigen Konvektionsofen zur Stabilisierung von Polyacrylnitril-Precursorgarnen
für die Herstellung von Kohlenstofffasern wurde an einem nicht stabilisierten Precursorgarn,
wie es in Beispiel 1 vorgelegt worden war, eine Stabilisierung vorgenommen. Durch
den Konvektionsofen wurde Luft hindurchgeleitet. In der ersten Stufe des Ofens wurde
eine Temperatur von ca. 230°C eingestellt.
[0048] Nach einer Verweilzeit von 23 min verließ das teilweise stabilisierten Precursorgarn
die erste Ofenstufe. Das teilweise stabilisierte Precursorgarn hatte eine dunkelbraune
bis schwarze Farbe und eine Dichte von 1,21 g/cm
3.
1. Verfahren zur Stabilisierung von Garnen aus Polyacrylnitril durch chemische Stabilisierungsreaktionen,
umfassend die folgenden Schritte:
- Vorlegen eines Precursorgarns auf Basis eines Polyacrylnitrilpolymers,
- Bereitstellen einer Applikationsvorrichtung zur Behandlung des Precursorgarns mit
hochfrequenten elektromagnetischen Wellen, umfassend einen Applikator mit einem Applikationsraum,
Mittel zur Erzeugung der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen sowie Mittel zur
Einspeisung der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen in den Applikationsraum,
- Erzeugen eines Feldes der hochfrequenten elektromagnetischen Wellen im Applikationsraum,
welches Bereiche mit minimaler elektrischer Feldstärke und Bereiche mit maximaler
elektrischer Feldstärke aufweist und Einstellen der maximalen elektrischen Feldstärke
im Applikationsraum im Bereich von 3 bis 150 kV/m,
- kontinuierliches Einführen des Precursorgarns in und Hindurchführen des Precursorgarns
durch den Applikationsraum und durch das Feld der hochfrequenten elektromagnetischen
Wellen, dabei
- Einleiten eines Prozessgases in den Applikationsraum und Hindurchleiten des Prozessgases
durch den Applikationsraum mit einer Strömungsgeschwindigkeit relativ zu dem den Applikationsraum
durchlaufenden Precursorgarn von mindestens 0,1 m/s, wobei die Temperatur des Prozessgases
so im Bereich zwischen 150 und 300°C eingestellt wird, dass sie oberhalb der kritischen
Minimaltemperatur Tkrit und unterhalb der Maximaltemperatur Tmax liegt, und wobei die kritische Minimaltemperatur Tkrit diejenige Temperatur ist, oberhalb derer die hochfrequenten elektromagnetischen Wellen
in das den Applikationsraum durchlaufende Precursorgarn einkoppeln und die chemischen
Stabilisierungsreaktionen ablaufen, und die Maximaltemperatur Tmax diejenige Temperatur, die um 20°C unterhalb der Zersetzungstemperatur des in die
Applikationsvorrichtung eingeführten Precursorgarns liegt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass im Applikationsraum eine maximale elektrische Feldstärke der hochfrequenten elektromagnetischen
Wellen von 5 bis 50 kV/m erzeugt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Precursorgarn unter einer Fadenspannung im Bereich von 0,125 bis 5 cN/tex durch
den Applikator geführt wird.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Prozessgas den Applikationsraum senkrecht zum Precursorgarn mit einer Strömungsgeschwindigkeit
von 0,1 bis 2 m/s durchströmt.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Prozessgas den Applikationsraum parallel zum Precursorgarn mit einer auf den
freien Querschnitt des Applikationsraums bezogenen mittleren Strömungsgeschwindigkeit
von 0,1 bis 20 m/s relativ zu dem den Applikationsraum durchlaufenden Precursorgarn
durchströmt.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Prozessgas ein sauerstoffhaltiges Gas ist.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das sauerstoffhaltige Gas Luft ist.
8. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Precursorgarn Additive zur Verbesserung der Absorptionsfähigkeit des Precursorgarns
gegenüber hochfrequenten elektromagnetischen Wellen enthält.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei den Additiven um Polyethylenglykol, Ruß oder Kohlenstoffnanoröhrchen
handelt.
10. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die hochfrequenten elektromagnetischen Wellen Mikrowellen mit einer Frequenz im Bereich
von 0,3 bis 45 GHz sind.
11. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Verweilzeit des Precursorgarns im Applikationsraum mindestens 20 s beträgt.
12. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Prozessgas im Applikationsraum eine Temperatur im Bereich zwischen (Tkrit + 20°C) und (Tmax - 20°C) aufweist.
13. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Feldstärke im Applikationsraum eine mit der Zeit sich periodisch verändernde
Intensität aufweist.
14. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis13, dadurch gekennzeichnet, dass das Precursorgarn durch mindestens zwei hintereinander angeordnete Applikationsvorrichtungen
geführt wird.
1. A method for stabilizing yarns made from polyacrylonitrile using chemical stabilization
reactions, comprising the following steps:
- Provision of a precursor yarn based on a polyacrylonitrile polymer,
- Provision of an application device for treatment of the precursor yarn using high-frequency
electromagnetic waves, comprising an applicator with an application space, means for
generating the high-frequency electromagnetic waves, as well as means for supplying
the high-frequency electromagnetic waves into the application space,
- Generation of a field of high-frequency electromagnetic waves in the application
space, which has areas with minimum electric field strength and areas with maximum
electric field strength, and adjustment of the maximum electric field strength in
the application space in the range from 3 to 150 kV/m,
- Continuous supply of the precursor yarn into and conveying the precursor yarn through
the application space and through the field of the high-frequency electromagnetic
waves, thereby
- Introducing a process gas into the application space and conveying the process gas
through the application space with a flow rate of at least 0.1 m/s relative to the
precursor yarn being conveyed through the application space, wherein the temperature
of the process gas is set in the range between 150 and 300ºC, so that it is above
the critical minimum temperature Tcrit and below the maximum temperature Tmax, and whereby the critical minimum temperature Tcrit is that temperature above which the high-frequency electromagnetic waves couple into
the precursor yarn being conveyed through the application space and the chemical stabilization
reactions proceed, and the maximum temperature Tmax is that temperature which lies 20ºC below the decomposition temperature of the precursor
yarn being supplied into the application space.
2. A method according to Claim 1, characterized in that a maximum electric field strength of the high-frequency electromagnetic waves from
5 to 50 kV/m is generated in the application space.
3. A method according to Claim 1 or 2, characterized in that the precursor yarn is fed through the applicator at a thread tension in the range
from 0.125 to 5 cN/tex.
4. A method according to one or more of Claims 1 to 3, characterized in that the process gas flows through the application space vertically to the precursor yarn
at a flow rate of 0.1 to 2 m/s.
5. A method according to one or more of Claims 1 to 3, characterized in that the process gas flows through the application space parallel to the precursor yarn
at an average flow rate, in relation to the open cross-section of the application
space, of 0.1 to 20 m/s relative to the precursor yarn being conveyed through the
application space.
6. A method according to one or more of Claims 1 to 5, characterized in that the process gas is a gas containing oxygen.
7. A method according to Claim 6, characterized in that the gas containing oxygen is air.
8. A method according to one or more of Claims 1 to 7, characterized in that the precursor yarn contains additives to improve the absorption capability of the
precursor yarn with regard to high-frequency electromagnetic waves.
9. A method according to Claim 8, characterized in that the additives are polyethylene glycol, carbon black, or carbon nanotubes.
10. A method according to one or more of Claims 1 to 9, characterized in that the high-frequency electromagnetic waves are microwaves with a frequency in the range
of 0.3 to 45 GHz.
11. A method according to one or more of Claims 1 to 10, characterized in that the residence time of the precursor yarn in the application space is at least 20
s.
12. A method according to one or more of Claims 1 to 11, characterized in that the process gas in the application space has a temperature in the range between (Tcrit + 20ºC) and (Tmax - 20ºC).
13. A method according to one or more of Claims 1 to 12, characterized in that the field strength in the application space has a periodically changing intensity
over time.
14. A method according to one or more of Claims 1 to 13, characterized in that the precursor yarn is fed through at least two application devices arranged in series.
1. Procédé de stabilisation de fils en polyacrylonitrile au moyen de réactions de stabilisation
chimiques, comportant les étapes suivantes :
- mise en place d'un fil à traiter à base d'un polymère du type polyacrylonitrile,
- mise à disposition d'un dispositif d'application destiné au traitement du fil à
traiter au moyen d'ondes électromagnétiques à haute fréquence, ce dispositif comprenant
un élément d'application doté d'un espace d'application, de moyens de génération des
ondes électromagnétiques à haute fréquence ainsi que de moyens d'introduction des
ondes électromagnétiques à haute fréquence dans l'espace d'application,
- génération d'un champ d'ondes électromagnétiques à haute fréquence dans l'espace
d'application, qui comprend des zones d'intensité de champ électrique minimale et
des zones d'intensité de champ électrique maximale et réglage de l'intensité maximale
de champ électrique dans l'espace d'application qui se situe dans la plage comprise
entre 3 kV/m et 150 kV/m,
- introduction en continu du fil à traiter et passage du fil à traiter dans l'espace
d'application et dans le champ d'ondes électromagnétiques à haute fréquence, à cette
occasion l'introduction d'un gaz de traitement dans l'espace d'application et passage
du gaz de traitement dans l'espace d'application à une vitesse d'écoulement relative,
d'au moins 0,1 m/s par rapport au fil à traiter en cours de passage dans l'espace
d'application, la température du gaz de traitement étant ainsi réglée dans une plage
comprise entre 150°C et 300°C, de telle sorte qu'elle se situe au-dessus de la température
critique minimum Tkrit et au-dessous de la température maximum Tmax, et la température critique minimum Tkrit étant la température au-dessus de laquelle les ondes électromagnétiques à haute fréquence
provoquent un couplage dans le fil à traiter en cours de passage dans l'espace d'application
et font se dérouler les réactions de stabilisation chimiques et la température maximale
Tmax étant la température qui se situe 20°C au-dessous de la température de décomposition
du fil à traiter introduit dans le dispositif d'application.
2. Procédé selon la revendication 1 caractérisé en ce qu'une intensité de champ électrique maximum des ondes électromagnétiques à haute fréquence
de 5 à 50 kV/m est produite dans l'espace d'application.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2 caractérisé en ce que le fil à traiter passe dans l'applicateur sous une tension de fil comprise de 0,125
cN/tex à 5 cN/tex.
4. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 3 caractérisé en ce que le gaz de traitement traverse l'espace d'application perpendiculairement au fil à
traiter avec une vitesse d'écoulement comprise de 0,1 m/s à 2 m/s.
5. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 3 caractérisé en ce que le gaz de traitement traverse l'espace d'application parallèlement au fil à traiter
avec une vitesse d'écoulement moyenne rapportée à la section libre de l'espace d'application,
comprise de 0,1 m/s à 20 m/s par rapport au fil à traiter qui traverse l'espace d'application.
6. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 5 caractérisé en ce que le gaz de traitement est un gaz contenant de l'oxygène.
7. Procédé selon la revendication 6 caractérisé en ce que le gaz contenant de l'oxygène est de l'air.
8. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 7 caractérisé en ce que le fil à traiter contient des additifs destinés à l'amélioration de la capacité d'absorption
du fil à traiter vis-à-vis des ondes électromagnétiques à haute fréquence.
9. Procédé selon la revendication 8 caractérisé en ce qu'en ce qui concerne les additifs il s'agit du polyéthylène glycol, de la rouille, ou
de nanotubes de carbone.
10. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 9 caractérisé en ce que les ondes électromagnétiques à haute fréquence ont une fréquence comprise entre 0,3
GHz et 45 GHz.
11. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 10 caractérisé en ce que le temps de séjour du fil à traiter dans l'espace d'application est d'au moins 20
s.
12. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 11 caractérisé en ce que le gaz de traitement présente dans l'espace d'application une température se situant
dans la plage comprise entre (Tkrit + 20°C) et (Tmax - 20°C).
13. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 12 caractérisé en ce que l'intensité de champ dans l'espace d'application est une intensité qui varie périodiquement
en fonction du temps.
14. Procédé selon une ou plusieurs des revendications 1 à 13 caractérisé en ce que le fil à traiter passe dans au moins deux dispositifs d'application disposés l'un
à la suite de l'autre.